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Oh je, Ackeret*

Der Schmusekurs von persoenlich.com war einer der Gründe für die Geburt von ZACKBUM. Gute Entscheidung.

*Nein, das ist natürlich nicht Matthias, sondern Kim jong-un, aus der wunderbaren Reihe: Kim looking at things. Der Scherz wird aufgelöst …

Was macht man, wenn die wenigen Organe, die sich im weitesten Sinn mit den Medien befassen, die Zugbrücken hochziehen? Wenn die NZZ ihren langjährigen Medienredaktor spült, daraufhin ihre wöchentliche Medienseite?

Man jammert lautstark – oder man wird tatkräftig. ZACKBUM ist der lebende Beweis, welche Entscheidung getroffen wurde.

ZACKBUM hat in den ziemlich genau 8 Monaten seiner Existenz inklusive dieses 708 Beiträge publiziert. Darauf haben knapp 2000 Kommentatoren reagiert. Zudem hat ZACKBUM 17 Pressemitteilungen verschickt. Da war die Resonanz allerdings überschaubar: null.

Kein Gejammer, einfach ein höflicher Abschied

Schulterklopfen und Gequengel? Aber nein, das ist nur der Abschluss all diesen Tuns. Da wir auf sicher haben, dass wir in der Medienbranche lebhaft, überall und von (fast) allen gelesen werden, was wir nicht zuletzt an ständigen Informationen aus dem gequälten Medienvölkchen messen können, hören wir auf.

Schluck! Echt jetzt? Ja. Wir hören auf, die letzten Mohikaner mit Mitteilungen, Hinweisen, Primeurs, Recherchen oder was auch immer zu versorgen. Vergebliche Liebesmüh.

Das letzte, bezeichnende Beispiel: Wir waren der vielleicht nicht ganz einseitigen und parteilichen Auffassung, dass die Tatsache, dass ZACKBUM als einziges Schweizer Medienorgan zweimal alle Unterzeichner des Protestbriefs von Tamedia und alle im Impressum ausgewiesenen weiblichen Nicht-Unterzeichner persönlich anschrieb und um Stellungnahme bat, durchaus eine Meldung wert sein könnte.

Vor allem deswegen, weil die Protest-Frauen zwar ultimativ eine Antwort auf ihren Brief verlangen, auf unsere – zunächst privat, dann öffentlich – formulierten Bitten um Antwort schnöde schwiegen. Mehr als hundert im Journalismus tätige Frauen! Null, nix, nada. Ausser den üblichen Abwesenheitsmeldungen und immerhin zwei höflichen Unterzeichnerinnen, die antworteten, dass sie nichts antworten wollen.

Das ist ein Running Gag …

Ist das eine Meldung wert? Mal schauen

Also trug sich folgendes zu. Am 20. März schickte ich diesen Hinweis an meine alte Bekannte Edith Hollenstein (Himmels willen, das ist nicht sexistisch gemeint!) und an die persoenlich-Redaktion. Am 22. bekam ich die Antwort, dass mein Mail leider im Spam-Ordner gelandet sei, aber man «schaue es sich an». Am 24. wechselte ich meine Mailadresse und erkundigte mich höflich, ob man inzwischen draufgeschaut habe. Darauf bekam ich am 25. die Antwort: «Ich schau’s an und wir würden ggf. eine Meldung machen.»

Die Redaktion schaut sich’s an.

Ich erkundigte mich freundlich, ob das Stehsatz sei. Keine Antwort. Am 26. versuchte ich es mit dem Scherz, dass es doch eine wunderbare Bildreihe gebe: Kim jong-un looking at things.

Keine gute Idee: «Wir haben viele andere Themen, und wenn wir dir zu langsam sind: Du kannst in der Zwischenzeit bei euch darüber berichten oder deinen Rechercheinput an anderer Stelle platzieren.»

Die Redaktion schaut sich viele andere Themen an.

Ach nö, eine Woche ist überhaupt nicht langsam, auch angesichts der Tatsache, dass der Antritt des Mutterschaftsurlaubs einer Reinigungskraft jeder beliebigen Werbebude sofort Erwähnung findet.

Aber okay, ich werde den ordentlichen, peristaltischen Stuhlgang der Newsherstellung bei persoenlich.com nicht mehr stören. Und wünsche weiterhin gute Verrichtung.

 

PS: Wir möchten gerne die Gelegenheit benützen, wieder mal an ein paar Benimmregeln beim Kommentarschreiben zu erinnern. Nicht unerwartet häufen sich Rülpsereien, die unter dem Schutz der Anonymität und einer Absurd-Mailadresse von Feiglingen ausgestossen werden. Spart Euch die Mühe und streichelt Euch lieber selbst in Euren Gesinnungsblasen.

Offener Brief an die 78 Erstunterzeichner des Protests

Über 100 Journalistinnen bekamen insgesamt diese zweite Anfrage von mir. Aber wie bei der ersten ist die Antwort Schweigen. Tiefes Schweigen. Abgesehen von ein paar Abwesenheitsmeldungen und von der immerhin höflichen Antwort zweier Protest-Frauen, dass sie nicht antworten wollen. Ist das peinlich? Ist das dämlich? Und wie.

Sehr geehrte Damen (falls ich Sie unter diesem Begriff subsummieren darf)

Sie haben für Ihre Beschwerde den Weg an die Öffentlichkeit gewählt, sich aber bislang jeder Bitte um Stellungnahme verweigert. Ich hatte Sie vor der Publikation meines Artikels über diesen Vorfall alle dazu eingeladen, plus Jolanda Spiess-Hegglin und Philipp Loser.

Antwort (ausser den üblichen Abwesenheitsmails): null. Das ist etwas mager. Deshalb versuche ich es nun mit einem genauso öffentlichen Brief an Sie. Wenn ich das richtig verstehe, erwarten Sie auf Ihr Schreiben auch eine Antwort – so wie ich.

Sie haben klare Ansichten und Meinungen, ich habe nur Fragen.

Die einfach zu beantwortenden Fragen:

  1. Wenn Sie in einer verantwortlichen Stelle wären (und teilweise auch sind, trotz Ihrer Verantwortungslosigkeit gegenüber dem Arbeitgeber): Ein Redaktor (m/w/d) legt Ihnen ein Manuskript zur Beurteilung vor. Es beinhaltet gravierende Vorwürfe gegen ein Unternehmen, und zwar bezüglich Behandlung der Mitarbeiter. Es ist von einer unerträglichen, demotivierenden Arbeitsatmosphäre die Rede. Zum Beleg für diese Kritik sind rund 60 einzelne Vorwürfe aufgelistet. Alle anonymisiert, ohne Zeit- oder Ortsangabe, ohne Stellungnahme derjenigen, die hier für ihr Verhalten kritisiert werden.

Frage: Würden Sie dieses Manuskript zur Veröffentlichung freigeben?

Zweite Frage: Wenn ja, würden Sie es als frauenfeindlichen Akt empfinden, wenn Sie wegen Inkompetenz abgemahnt würden?

  1. Angenommen, Sie sind die Initiantin eines solchen Schreibens, das Sie intern in die Runde geben, mit der Bitte, es mitzuunterzeichnen und eigene Erlebnisse zu schildern, die dann anonymisiert würden. Sie erläutern dazu, dass das ein interner Protestbrief zuhanden der Geschäftsleitung und der Chefredaktionen sei, als Denkanstoss gemeint, als Aufforderung, dieses Problem endlich ernst zu nehmen und im Dialog Lösungen zu suchen.

Frage: Was würden Sie dazu sagen, wenn dieses Schreiben an die Öffentlichkeit gelangt, zudem noch über Jolanda Spiess-Hegglin?

Zweite Frage: Wenn Sie als Initiantin das nicht selber eingefädelt hätten, wie würden Sie darauf reagieren?

  1. Es gibt Erstunterzeichnerinnen, die mit der Veröffentlichung nicht einverstanden sind und auch nicht für ihr Einverständnis angefragt wurden. Diese sind aber bislang noch solidarisch und geben ihrem Unmut noch nicht öffentlich Ausdruck.

Frage: Was halten Sie von der flappsigen Bemerkung von Spiess-Hegglin, dass sie natürlich nicht mit allen Rücksprache genommen habe, bevor sie das Schreiben ins Netz stellte. Aber wer damit oder dadurch Probleme habe, solle sich doch einfach bei ihr melden?

Zweite Frage: Halten Sie dieses Vorgehen für anständig, höflich, ein Beispiel für Ihre Forderung, wie man miteinander umgehen sollte?

  1. Durch die Anonymisierung der Beispiele verwandeln sich konkrete Anschuldigungen in Pauschalvorwürfe gegen alle männlichen Mitarbeiter von Tamedia, da – vielleicht ausser der Autorin – niemand weiss, wer gemeint sein könnte.

Frage: Halten Sie diese Pauschalverurteilung für fair oder gerechtfertigt?

Zweite Frage: In allen Beispielen, im ganzen Protestschreiben ist der weibliche Teil immer das Opfer, der männliche immer der Täter. Halten Sie das für eine vertretbare Beschreibung des Redaktionsalltags?

  1. In dem Schreiben wird jede Art von Konflikt auf eine Gender- oder Geschlechterfrage heruntergebrochen.

Frage: Bedeutet das, dass hier sozusagen die Hauptkonfliktlinie in den Redaktionen von Tamedia verläuft?

Zweite Frage: Was können Männer machen, die sich ebenfalls diskriminiert fühlen?

  1. Es gibt weiterhin männliche Vorgesetzte, die die Qualität der Arbeit von weiblichen Untergebenen zu beurteilen haben.

Frage: Wie sollen die mit dem potenziellen Vorwurf umgehen, dass ihre Beurteilung nicht gerecht sei, sondern Ausdruck männlicher Überheblichkeit und Diskriminierung?

Zweite Frage: Wie soll sich ein Mann verhalten, der den Eindruck hat, er werde von einer weiblichen Vorgesetzten diskriminiert?

  1. Oberchefredaktor Arthur Rutishauser hat sich bereits für in dem Schreiben geschilderte Verhaltensweisen entschuldigt und sie als inakzeptabel bezeichnet. Genau wie die Geschäftsleitung und andere Chefredaktoren zeigt er sich betroffen von den geschilderten Vorfällen.

Frage: Was halten Sie von dieser Reaktion, angesichts der Tatsache, dass die Überprüfung der Vorhaltungen durch Claudia Blumer noch gar nicht begonnen hat?

Zweite Frage: Für wie kompetent halten Sie einen Chefredaktor, der ohne Faktencheck sofort die Richtigkeit von Behauptungen akzeptiert und sich entschuldigt?

  1. Innerhalb von Tamedia gibt es diverse Anlaufstellen, bei denen man sich melden kann, wenn man sich als Opfer von Mobbing, sexueller Belästigung oder allgemein ungerechtem Verhalten sieht.

Frage: Wie erklären Sie sich, dass diese Meldestellen im ganzen Jahr 2020 keine einzige solche Beschwerde erhielten, obwohl es sich laut Protest um ein strukturelles Problem handeln soll?

Zweite Frage: Wäre es nicht vielleicht sinnvoller gewesen, zuerst diesen internen Weg zu gehen, falls erfolglos, sich mit einem Schreiben an die GL zu wenden, falls erfolglos, erst dann den Weg in die Öffentlichkeit anzutreten?

  1. Bislang ist keine einzige der vielen Anschuldigungen verifiziert oder belegt worden. Keine der angefragten Unterzeichnern wollte die Frage beantworten, wie viele dieser Beispiele von ihr erlebt wurden. Claudia Blumer hat sogar explizit und öffentlich festgehalten, dass sie zwar unterzeichnet hätte, aber keines der Beispiele von ihr erlebt wurde, sie selber auch keinen ähnlichen Verhaltensweisen begegnete.

Frage: Sollte sich herausstellen, dass einige oder sogar viele dieser Beispiele nicht verifizierbar sind, Täter und/oder Opfer gar nicht mehr bei Tamedia arbeiten, welche Reaktion der Geschäftsleitung hielten Sie in diesem Fall für angemessen?

Zweite Frage: Sie haben das Protestschreiben aus Solidarität unterzeichnet, obwohl Sie selbst keine solchen Verhaltensweisen erlebten. Haben Sie immer noch Vertrauen in die Richtigkeit der Schilderung frauenfeindlicher Vorfälle?

  1. Für den Arbeitgeber gibt es diverse Verpflichtungen seinen Angestellten gegenüber. Dazu gehört auch eine Fürsorgepflicht. Der Angestellte wiederum ist nicht nur zur Ablieferung der vereinbarten Leistung verpflichtet, sondern hat auch weitere Verpflichtungen. Zum Beispiel Einhalten des Geschäftsgeheimnisses, Verhalten nach Treu und Glauben, Vermeiden von Rufschädigung.

Frage: Halten Sie die Vorwürfe für so gravierend, dass es unumgänglich ist, alle diese Verpflichtungen des Arbeitnehmers nicht einzuhalten?

Zweite Frage: Sind Sie sich bewusst, dass es für die Initiantin und auch für alle Erstunterzeichnerinnen durch dieses Verhalten eine fristlose Kündigung problemlos ausgesprochen werden könnte?

Gerne erwarte ich Ihre offenen Antworten bis Samstag, 20. März 2021, spätestens 9 Uhr – und bedanke mich im Voraus.

Sollten Sie Ihrerseits Fragen haben, gerne und jederzeit.

Dr. René Zeyer

Journalist BR

079/373 03 05

zeyer@zackbum.ch

zackbum.ch