Frauen, aufgepasst: Lebensgefahr!

Neben den Redaktionen von Tamedia, dunklen Nebenstrassen und selbst in der eigenen Wohnung gibt es eine neuentdeckte Gefahrenquelle.

Zungenverknotung beim richtigen Aussprechen des Wortes Opfer*In**? Nein, das Thema ist ernst, die Gefahr gross, bislang noch nicht richtig im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen.

Aber, wer sonst, Tamedia benennt Ross und Reiter. Nun gut, vielleicht nicht das richtig passende Bild. Aber nachdem der interne, nach aussen getragene Protest offenbar verröchelt ist – sagt da jemand wankelmütige Frauen? –, kann man sich mit frischer Energie anderen potenziell tödlichen Formen des patriachalischen Sexismus widmen. Denn der tobt nicht nur im gläsernen Hauptquartier von Tamedia an der Werdstrasse.

Es gibt eine noch viel allgemeinere Form; bedauerlich, dass Tamedia dafür den Input einer Journalistin der «Süddeutschen Zeitung» braucht; wie konnte das den über 100 Frauen entgehen, die das Protestschreiben unterzeichneten – statt vielleicht mal ihrer Arbeit nachzugehen?

Lebensgefahr, titelt Tamedia, «Autos oder Klimaanlagen werden immer noch für Männer gebaut», weiss SZ-Journalistin Laura Weissmüller. Genauer gesagt, sie weiss es nicht, hat’s aber gelesen. Denn eine gewisse

«Rebekka Endler ist wütend. Sehr, sehr wütend. Kaum eine Seite in ihrem Buch kommt ohne Ausrufezeichen aus, gerne auch in der Variante eines Interrobangs, der Mischung zwischen Ausrufe- und Fragezeichen. Sie schreibt in Versalien, um ihren Erregungszustand zu verdeutlichen».

Ja was bringt die arme Frau denn so in Wallungen? Hormonelle Unausgeglichenheit? Aber nein: «Weil der Mann, schreibt sie, genauer der weisse Cis-Mann, das Mass aller Dinge sei: «Männlich ist die Norm, weiblich die Abweichung von der Norm.»»

Wir stellen vor: das Interrobang. Wird sich auch nicht durchsetzen.

Was kann man da tun, ausser richtig wütend werden? Auch da weiss Endler Abhilfe: «Wenn die Nasenscheidewand so schief ist, dass der Mensch nicht mehr atmen kann, muss die Nase erst gebrochen werden, bevor es besser wird.» Da sage ich doch als Mann mit gerader Nasenscheidewand: au weia. Wenn das ein Mann als Metapher bei einem Frauenthema verwenden würde… Mit etwas Pech müsste er sich um eine gebrochene Nase keine Gedanken mehr machen.

Männliche Dummys ignorieren die Hälfte der Menschheit

Denn die Auswirkungen, dass Auto-Dummys lange Jahre nur in männlich zu haben waren, sind leider nur in toten Frauen zu messen. Wussten sie: «Wenn eine Frau unter 50 einen Herzinfarkt erleidet, ist ihre Sterbewahrscheinlichkeit doppelt so hoch wie für einen Mann aus der gleichen Altersgruppe.» Warum denn das? «Weil bei ihr die Symptome anders seien», was aber häufig nicht richtig diagnostiziert werde.

Autofahren, Herzinfarkt haben, überhaupt die Medizin. Aber es ist natürlich noch schlimmer: «In den Städten fehlt es an Sitzgelegenheiten zum Ausruhen genauso wie an öffentlichen Toiletten – gerade für all diejenigen, die kein Pissoir benutzen können.» Sind denn Frauen wenigstens am Arbeitsplatz einigermassen geschützt, also ausserhalb von Tamedia? Ein klares Nein, denn so weiss frau,

«auch Raumtemperatur ist sexistisch».

Dabei ist sie doch gendermässig eindeutig weiblich. Aber in den USA sei die Standardbürotemperatur 21 Grad. Frauen haben’s aber, weiss man, lieber kuschelig wärmer. Bei 21 Grad gilt: «Kreative Arbeit, lernen, sprechen, alle intellektuellen Fähigkeiten sind quasi auf Eis gelegt, wenn Menschen frieren.» Wenn Frauen frieren.

Das ist nun wahrhaft diabolisch; was ergeben eigentlich Temperaturmessungen bei Tamedia? Etwa auch 21 Grad? Gut, das wäre eine Erklärung  für die auf Eis gelegten intellektuellen Fähigkeiten. Sind damit die Abgründe der zutiefst menschenverachtenden männlichen Perspektive im Design, in der Herstellung von Gebrauchsgegenständen, schon ausgeleuchtet? Fast. Denn nach schlimm kommt immer schlimmer.

 

«Es ist die klar feministische Perspektive auf das Design und all seine Verästelungen, die diese eklatante Fehlstellung, den blinden Fleck auf dem Skizzenblock der Gestalter zutage fördert. Wobei ja nicht nur Frauen ausser Acht gelassen werden, wenn nur ein gesunder, mittelalter weisser Mann als Ausgangspunkt für den Entwurf genommen wird. Alte und Kranke fallen nicht darunter, Menschen mit anderer Hautfarbe und Transgender auch nicht.»

Design nur für den mittelalten gesunden Mann

Genau. Meinen die männlichen Designer eigentlich, mit einer Schere für Linkshänder sei es getan? Wo bleibt der Schlagbohrer für einarmige uralte Transgender? Das Springseil für Rollstuhlfahrer? Trainingseinrichtungen für Bettlägerige?  Farbfernseher für Blinde? Autos, wo der Schminkspiegel nur hinter der linken Sonnenblende steckt? Tastaturen mit allen weiblichen Sonderzeichen?

Das fordere ich vehement. Als gesunder, mittelalter weisser Mann, der sich dafür schämt, so privilegiert zu sein. Ich bin gerade meine Gallenblase losgeworden, gilt das wenigstens als mildernder Umstand? Oder hätte ich mich beschweren müssen, dass es sicherlich keine Operationswerkzeuge speziell für Frauen gibt. Und der Chirurg war auch ein Mann. Die Krankenschwester hingegen entweder weiblich oder mindestens Transgender. Aber als Mann war ich wenigstens nicht in Lebensgefahr.

 

3 KOMMENTARE
  1. Beat Reichen
    Beat Reichen says:

    Der Kreis der Leser**Innen** dieses von Schwachsinn triefenden TA Artikels wird immer kleiner bis er und der Tagi nicht mehr existiert. So besehen eine willkommene Erlösung für Alle.

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  2. .Victor Brunner
    .Victor Brunner says:

    Was lehrt uns der Artikel? Schwachsinn ist grenz- und redaktionsübergreifend, die Zusammenarbeit mit der SZ funktioniert, da dürfen die Nesthäckchen in Zürich etwas entspannen und Neues aushecken. Leider bleibt der Artikel von Weissmüller trotz vielen Zitaten, erwähnten Büchern, Autorinnen, Podcasterinnen an der Oberfläche. Die wesentlichen und drängenden Fragen sind nicht geklärt:
    – haben Frauen nicht ein dreimal höheres Schleudertrauma-Risiko weil sie dreimal schlechter fahren als Männer?
    – sind Vibratoren oder andere Hilfsmittel zur Luststeigerung bei Frauen Haushaltsmittel oder Elektrowerkzeug (kommt nach Weissmüller wahrscheinlich darauf an wer das Ding bedient, Genderthema)?
    Glücklich mit dem Artikel sind Rebekka Endler, Dumont, Köln für die Bewerbung des Buches, Weissmüller für das Honorar.

    Fortsetzung folgt, heute, mit einer Buchbesprechung von Marie Schmidt, natürlich SZ, sie bejubelt die Feministin Jia Tolentino und ihren Essayband «Trick Mirror». Tolentino unter anderem «In letzter Zeit ist die ideale Frau alles, was sie sein will, solange es ihr gelingt, nach dem Glaubenssatz zu handeln, dass die Perfektionierung ihrer selbst und ihrer Beziehung zur Welt sowohl Arbeit als auch Spass bringen kann – eben ‹Lifestyle› ist.
    Tolentino ist immer noch dem Frauenbild der 70iger Jahre verhaftet, merkt Schmidt nicht. Würde ein Mann so über Frauen schreiben würde er geviertelt, gehängt, verbrannt. Wie Weissmüller nimmt sie viele zu Hilfe, von de Montaigne bis Lauren Oyler, alles Querbett.
    Über den Artikel freuen sich natürlich Schmidt für das Honorar, Tolentino und der S. Fischer Verlag aus Frankfurt am Main.
    Weissmüller und Schmidt, beide beherrschen das «literarische» Onanieren perfekt.

    Literatur oder Gequatsche wird bei Tamedia ausgebaut, Zürich abgebaut. Gestern war Kantonsratsitzung und wurden doch einige Geschäfte abgwickelt. In der Printausgabe nichts, ausser belanglose Aussagen von KantonsrätenInnen zu Demos! «Du bist, was Du liest». Entweder waren die Berichterstatter zu langsam um die Printausgabe zu bedienen, oder die Drucker liesen die Rotation zu früh laufen. Egal, eine grottenschlechte Leistung und totale Verarschung der LeserInnen der Printausgabe!

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  3. Beth Sager
    Beth Sager says:

    Wunderbar geschrieben Herr Zeyer. Habe diesen zeitverschwendenden Artikel im TA gar nicht gelesen, weil er mir so überflüssig-doof vorkam.

    Tastaturen mit allen weiblichen Sonderzeichen…………Dieser Hinweis dürfte bestimmt bald umgesetzt werden. Er müsste ihnen eigentlich als vorsehenden Initianten einige Moneten einbringen. Die Schweizer:_*in spinnt entgültig.

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