Was über die Schweiz im Ausland gequatscht wird

Der Schweizer zuckt meistens zusammen, wenn über ihn im Ausland geschimpft wird. Ganz falsch.

Es ist eine Schweizer Unart, dass vor allem nach etwas konfliktiven Abstimmungen nicht nur eine Presseschau aus dem Inland, sondern gleichzeitig eine aus dem Ausland gemacht wird.

Was sagen die Medien in den umliegenden Staaten? In der Welt? Sind sie mal wieder böse mit der Schweiz? Oder loben sie gar etwas? Diese Fixierung wird unnötiger denn je. Denn nicht nur in der Schweiz sind die meisten Medien bis zum Skelett ausgehungert und zur Agonie flachgespart.

Selbst beim ehemaligen Vorbild im deutschen Sprachraum, dem einstmals grossen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel», sind frühere Qualitätsansprüche längst Sparmassnahmen und Gesinnungsjournalismus zum Opfer gefallen. Nicht nur dort, aber wir nehmen das Organ als Beispiel für die allgemeine Malaise; innerhalb und ausserhalb der Schweiz.

Beim «Spiegel» darf die frühere Schweiz-Korrespondentin der «Süddeutschen Zeitung» die Meinungshoheit übernehmen, wie der «Spiegel»-Leser die sogenannte Burka-Abstimmung zu verstehen hat.

Klares Ergebnis: ein Sieg der Intoleranz

Charlotte Theile kann daher wenige, dünne Fakten mit einer dicken Schicht Gesinnung, Meinung, Vorurteil und Kritik zuschmieren. Ähnlichkeiten mit der Schweizer Wirklichkeit, zudem für Deutsche erklärt: zufällig bis nicht vorhanden. Wie beschreibt Theile den Abstimmungskampf? «Im bekannten scharfmacherischen Propagandastil der Schweizer Nationalkonservativen …». Und wer genau? «Hinter dieser Initiative steht das in der Schweiz berüchtigte Egerkinger Komitee.»

Welche Schlüsse sind nun aus der Annahme der Initiative zu ziehen? Oder nach der Befürwortung des «Burkaverbots»? «Ein Sieg der Ignoranz», doppelt Theile in einem Kommentar noch nach. «Verheerende Symbolpolitik gegen Muslime», «könnte zur Radikalisierung führen». Schlimm, schlimm: «Wieder einmal ist es Populisten in einem europäischen Land gelungen, Stimmung gegen Muslime zu machen.»

Ausgeschlossen, dass es fundamentalistischen Irren im Namen dieser Religion gelungen sein könnte, mit Terroranschlägen Stimmung zu machen. Aber Theile weiss: «Wer tatsächlich Politik für eingewanderte Frauen machen und jenen helfen will, die unterdrückt werden, müsste an anderen Stellen ansetzen.» Nur behält sie leider für sich, an welchen denn.

Was Recht ist, bestimmt nur eine: Theile höchstpersönlich

Dann sattelt sie noch ein Werturteil auf eine falsche Voraussetzung drauf: «Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Gerade liberale Politikerinnen und Politiker stellen sich in der Schweiz deshalb gegen das Verbot. Zu Recht.» Die Gleichheit vor dem Gesetz ist ein weit verbreiteter Irrtum; wer sich nach einem Abstimmungsergebnis weiterhin gegen das Resultat stellt, tut das nicht zu Recht. Sondern ist im Unrecht und ein Undemokrat.

Was meint eigentlich Mathieu von Rohr, Ressortleiter «Ausland» beim «Spiegel» und von Haus aus Schweizer? «Dass Medien nach einer Abstimmung den Ausgang kritisch kommentieren, ist in meinen Augen nichts Neues, das gibt es von links wie von rechts.» Das hat auch niemand bezweifelt, mir ging es aber mehr um die Frage, ob es der «Spiegel» nicht für sinnvoll hält, dass seine Berichterstattung gewisse Ähnlichkeiten mit der Schweizer Wirklichkeit haben sollte. Was hier eindeutig nicht der Fall ist, und da gab es doch schon ganz bedauerliche Auswüchse des Schreibens in der Gesinnungsblase.

 

 

 

1 reply
  1. Franco Zeller
    Franco Zeller says:

    Hier im schweizfernen Brasilien hatte die Abstimmung immerhin 0.00006% Interesse. Die Nachkommastelle bezieht sich auf die rund 14´000 Auslandschweizer die hier wohnen (EDA 2018). Dabei leben hier mit über 10 Millionen einiges mehr an Syrer, Libanesen und Nachkommen – aber man sieht niemand mit Kopftuch.

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