Knatsch zwischen Personalkommission und Tamedia

Es war zu erwarten. Die Vorstellungen liegen «weit auseinander».

Das «Berner Modell» mit den beiden Tamedia-Zeitungen «Berner Zeitung» und «Bund» ist bald Geschichte. Nach Inland, Ausland, Wirtschaft und Sport werden ab April 2021 auch der Lokalbund, regionale Kultur, Berichte über Berner Sportvereine und die lokale Wirtschaft zentral produziert. Unterschieden wird grosso modo nur noch die Titelseite. Etwas, was seit Anfang Jahr schon die Bündner Zeitung und das Bündner Tagblatt praktizieren. Eine ähnliche Fusion – vorerst im Regionalen – kommt sehr bald auch bei den Tamedia-Zeitungen im Grossraum Zürich: Tages-Anzeiger, Landbote, Zürichsee-Zeitung und Zürcher Unterländer legen ihre Regionalredaktionen zusammen. Dass es Entlassungen geben wird, ist ein offenes Geheimnis, auch wenn das der neue «Regio-Chefredaktor» Benjamin Geiger kürzlich im SRF-Medientalk etwas kleinreden wollte.

Sozialplan kommt, das spricht für eine Massenentlassung

Tamedia bestätigt nun gegenüber ZACKBUM: «Der Sozialplan wird bei allen betroffenen Mitarbeitenden zur Anwendung kommen.» Sprich: Es wird einen Sozialplan geben. Kenner sind überzeugt, dass Tamedia, respektive die TX Group unter Pietro Supino, nur dann eine soziale Ader entwickeln, wenn es nicht anders geht. Und das bedeutet Folgendes: Bei Entlassungen kommt nur dann eine gesetzliche Sozialplanpflicht zur Anwendung, wenn der «Arbeitgeber ab einer Grösse von 250 Arbeitnehmern innert 30 Tagen mindestens 30 Arbeitnehmern aus Gründen kündigt, die in keinem Zusammenhang mit ihrer Person stehen».

Auch wenn Tamedia immer etwas anderes zu sagen versucht: Es steht ein Kahlschlag bevor.

Zackbum weiss gemäss einem internen Schreiben: Momentan geht’s bei den Verhandlungen der Personalkommission mit Tamedia «konkret um die Höhe der Leistungen, also um Abgangsentschädigungen und Unterstützungen bei der Frühpensionierung». Dabei seien bei den bisherigen Verhandlungen einzelne Verbesserungen erreicht worden. Trotzdem «liegen die Vorstellungen der Arbeitgeberin und Mitarbeiter noch weit auseinander».

Es gebe sogar einen Dissens über das grundsätzliche Konzept eines Sozialplans.

Wenn es so weitergeht, will man innerhalb der Belegschaft eine Umfrage machen, was die Position der Tamedia wohl nicht stärken wird. Vor allem, wenn die Resultate des Stimmungsbarometers nach aussen dringen. Ziel sei nach wie vor,  «innert nützlicher Frist einen unterschriftsreifen Sozialplan zu haben. Wir sind aber noch mehr daran interessiert, einen Sozialplan zu erreichen, der diesen Namen verdient», so der Wortlaut der Peko im Schreiben.

Laut Mediensprecherin Nicole Bänninger (sie ist auch stellvertretende TX-Group-Konzernsprecherin) will sich Tamedia (noch) nicht in die Karten blicken lassen.

Den überschaubaren Fragenkatalog von ZACKBUM.ch beantwortet Bänninger «thematisch zusammengenommen», wie sie schreibt.

Wissen Sie schon, wieviele Stellenprozente wegfallen in Zusammenhang mit der Fusion BZ und Bund, sowie Regionalredaktion Tagi/ Landbote/ ZSZ und Zürcher Unterländer? Wie ist der Zeitplan des Abbaus?
Dazu können wir noch keine Aussage machen. Wir versuchen, notwendige personelle Massnahmen soweit wie möglich über Fluktuation, interne Verschiebungen oder andere Anschlusslösungen zu vollziehen. Für die von einer Kündigungen betroffenen Mitarbeitenden kommt ein übergreifender Sozialplan zur Anwendung.

Wie beurteilen Sie die Verhandlungen mit dem Personal in dieser Causa? Bis wann rechnen Sie damit, dass ein Sozialplan steht? Gibt es schon Details, wie hoch sich die Abgangsentschädigungen und die finanziellen Unterstützungen bei Frühpensionierungen belaufen?  
Es finden regelmässige Verhandlungssitzungen mit der Personalkommission statt. Der Austausch ist vorwiegend konstruktiv, es liegt jedoch in der Sache der Natur, dass die Vorstellungen zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgeberin nicht immer identisch sind. Es geht uns nicht primär darum, die Verhandlungen so rasch wie möglich abzuschliessen, sondern die von einem Stellenabbau betroffenen Mitarbeitenden mit einem guten Sozialplan bestmöglich unterstützen. Inhaltliche Details können wir vor Abschluss der Verhandlungen nicht geben. Der Sozialplan wird bei allen betroffenen Mitarbeitenden zur Anwendung kommen.

11 KOMMENTARE
  1. Manuel Staub
    Manuel Staub says:

    Ich habe Büttners Text in der WeWo gelesen. Und bin enttäuscht. Ich hatte ihn in besserer Erinnerung. Diese Titelgeschichte «Wir Schweizer» hätte ebensogut in einem Tamedia-Blatt erscheinen können. Unnötige Seitenhiebe an die SVP, Opportunismusvorwürfe, quälende Selbstanklagen und natürlich die üblichen Meinungsführer aus dem Kulturmilieu (von Matt, ein Satiriker, der sich Bänz oder so nennt, ein passendes Zitat von Spitteler, gest. 1924). Wer so in der Volksseele gräbt, kommt wohl immer auf das, was er finden will. Dieses permantente Hinterfragen von allem, was auch im Ausland als Erfolg wahrgenommen wird (ausser in der EU), ist typisch für unsere (Links-)Intellektuellen.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Die Strategie von TA Media ist klar, mehr Reichweite, mehr Blätter. Aber auch weniger Inhalt, weniger Kompetenz, mehr Nonsens, billigere „JournalistenInnen“.
    Was dabei herauskommt kann im heutigen TA gelesen werden, „Fluglotse hofft auf Freispruch – Staatsanwaltschaft fordert Gefängnis“.
    Artikelanfang:
    «Im Jahr 2012 schafft Barack Obama die Wiederwahl zum Präsident der Vereinigten Staaten, und Spanien gewinnt die Fussballeuropameisterschaft in Polen und der Ukraine. Im August dieses Jahres stossen über dem Flughafen Zürich zudem beinahe zwei Flugzeuge zusammen, weil der Fluglotse die Situation falsch eingeschätzt hat».
    Neben Schwaffeljournalismus auch Deutsch das keiner versteht; » Im August dieses Jahres stossen über dem Flughafen Zürich zudem beinahe zwei Flugzeuge zusammen..»

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  3. Rolf Karrer
    Rolf Karrer says:

    Exemplarisch für den Zustand der Tamedia war, wie dem verdienstvollen Jean-Martin Büttner vor wenigen Monaten gekündigt wurde.

    Per sofort arbeitet er nun als Author bei der Weltwoche. Wer diese beliebigen und oft schmalbrüstigen Geschichten der Frauentruppe beim Tagesanzeiger nicht mehr lesen möchte, sollte sich unbefangen an der Weltwoche versuchen.

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  4. Peter Sueton
    Peter Sueton says:

    Eigentlich schon OK wenn es jetzt auch die eiferigsten medialen Verfechter eines harten Lockdowns trifft, welcher unzählige Selbständige um ihre Existenz bringt. Wer Feuer legt soll sich ruhig auch selber die Finger daran verbrennen. Nur schade dass es wohl nicht die aktivsten Lockdown- Schreibtischtäter selber trifft, sondern wahrscheinlich wieder mal die Kleinen auf den hinteren Bänken des Unternehmens. Die tun mir leid.

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    • Simon Ronner
      Simon Ronner says:

      «Eigentlich schon OK wenn es jetzt auch die eiferigsten medialen Verfechter eines harten Lockdowns trifft, welcher unzählige Selbständige um ihre Existenz bringt.»

      Leider trifft es nicht nur Selbständige. Aber nicht nur bezüglich Lockdown-Euphorie zeichnet sich hier etwas ausgleichende Gerechtigkeit ab.

      Bekannterweise ist ein Grossteil der Medienschaffenden Feuer und Flamme für Multikulti, Globalisierung, offene Grenzen, Zentralismus, Abschaffung der Nationen; strikt gegen Massnahmen, z.B. die Massenzuwanderung zu reduzieren.

      Na gut. Nun ist das Korrektorat von Tamedia nach Banja Luka ausgelagert worden, ein Grossteil der Auslandberichterstattung kommt von der «Süddeutschen», und stolze MAZ-Abgängerinnen stellen verdattert fest, dass jemand mit dem Namen Schulze den begehrten Job bekommen hat. Letzteres Phänomen noch in homöopathischen Dosen, verglichen mit anderen Branchen. Aber das akzentuiert sich bestimmt noch.

      Tja.

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