Mutter Courage SRF

Selbst einfachste Fragen bleiben unbeantwortet

William Henry Harrison (1773-1841) war der neunte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er ist der Präsident mit der kürzesten Amtszeit der Geschichte: ein Monat. Marcel Lang ist noch besser: Er hat nach 22 Tagen den Bettel hingeworfen. Lang gelang am 17. Mai 2020 ein Glanzresultat. Der SRF-Angestellte wurde vollamtlicher Gemeindepräsident von Spreitenbach, immerhin die achtgrösste Gemeinde des Kantons Aargau.

Drei Wochen später trat er wieder zurück und hinterliess eine fassungslose Bevölkerung. Warum sich Lang anders überlegte, ist bis heute unklar. Er gab gesundheitliche Gründe an, wollte aber nicht konkret werden.

«Kompetent, verlässlich, sachlich», so pries er sich vor der Wahl an. Er habe beim SRF im Newsoffice, bei der «Tagesschau» und «Rundschau» gearbeitet. Auch hier wieder: Allzu konkret wollte er sich nicht äussern – als Journalist, Bildbearbeiter, Senior Accountant Manager, Utility Supporter Desktop? Es gab übrigens nie ein «Newsoffice», höchstens ein «SRF News». Zu seinen Stärken zählt Lang Gradlinigkeit.

Arbeitet er vielleicht wieder beim SRF? «Ja, Marcel Lang arbeitet aktuell bei SRF.», antwortet eine Praktikantin Kommunikation. Weitere Fragen werden nicht beantwortet. «Marcel Lang möchte sein Anstellungsverhältnis nicht weiter kommentieren. Dies respektiert SRF.», schreibt das Staatsunternehmen.

Der ehemalige Gemeindepräsident kündigt sein politisches Mandat wegen gesundheitlichen Gründen und arbeitet wieder beim SRF. Darf man da ein bisschen kritisch nachfragen? Nein, auch auf wiederholte Anfrage bei Lang und SRF wird gemauert. Nicht einmal auf die Frage, ob er wieder bei der «Rundschau» tätig ist, wird eingegangen.

Dank Hilfe von aussen wird das «Geheimnis» doch noch gelüftet: Marcel Lang arbeitet wieder als Produktionsassistent bei der Rundschau. Wir kommentieren das nicht weiter. Ist unnötig.

Gefunden: Was die Medienstelle respektiert, erscheint im Abspann: Lang, der Produktionsassistent der «Rundschau».

2 KOMMENTARE
  1. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Der Fall dürfte klar sein. Das Amt des Gemeindepräsidenten von Spreitenbach ist eine Vollzeitstelle und wahrscheinlich nicht so gut dotiert wie sein Job bei der Rundschau. Das hat Marcel Lang trotz seiner „klaren und schnellen Auffassungsgabe“ (Inserat), wahrscheinlich zu spät gemerkt und sich dann für die Honigtöpfe bei SRF entscheiden und knapp 1’000 Leute die ihn gewählt haben vor den Kopf gestossen!

    Das SRF den Vorgang nicht kommentieren will versteht sich. Andrea Hemmi, die unsichtbare Kommunikationschefin von SRF, hat kürzlich in einem Interview gesagt: „«Manchmal liegt wenig Greifbares auf dem Tisch», leider fehlt der Zusatz: „Liegt Greifbares vor das aber für SRF negativ ist kommentieren wir nicht“. Beispiel, das teure Desaster beim „News- und Sportcenter“, da geht sie in Deckung, ist auch nicht so wichtig. Schliesslich ist Geldverschleuderung bei SRF „daily-business“. Der in die Jahre gekommene Röbi Koller darf in der Sendung „Happy Day“ mit Gebührengeldern sogar private Wohnungseinrichtungen mitfinanzieren.

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    • Mathias Wyss
      Mathias Wyss says:

      Glaube eher, dass die „gesundheitlichen Gründe“ eine Umschreibung für Überforderung waren. Ein solches Amt ist anspruchsvoll in mehrfacher Hinsicht (zeitlich, fachlich, nervlich), besonders wenn man keine Partei hinter sich hat. Der Lohn als Produktionsassistent bei SRF ist wohl um einiges tiefer, dafür ist der Job dort frei von Stress und Verantwortung.

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