100. Geburtstag des «Schweizer Monat»

Der Chefredaktor über umstrittene Gastautoren und Inserate.

ZACKBUM: Herr Ronnie Grob, der «Schweizer Monat» feiert bald seinen 100. Geburtstag. Haben Sie auch 100 Abonnenten?

Ronnie Grob: Ja, sogar ein paar Tausend.

Konkret?

Ich sag dann Bescheid, wenn wir Zehntausend haben.

Per Ende letzten Jahres hat Ihre Edelfeder Milosz Matuschek die Redaktion verlassen. Befürchten Sie einen Aderlass an Abonnenten?

Nein, das nicht, es kommen ja laufend welche dazu. Zuletzt sind wir langsam, aber stetig gewachsen, sowohl bei der Anzahl Abonnements als auch bei den Zugriffen auf die Webseite. Milosz ist ein brillanter Schreiber, ich habe seine Kündigung bedauert.

In der letzten Ausgabe geben Sie umstrittenen Personen wie Hans-Georg Maaßen und Peter Gauweiler ein Podium …

…umstrittenen Personen? Bei wem denn umstritten? Maaßen war Präsident des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz bis 2018, als eine Mehrheit deutscher Journalisten meinte, ihn zu einer Art persona non grata machen zu müssen. Peter Gauweiler sass 14 Jahre lange für die CSU im Deutschen Bundestag, zuletzt war er stv. Parteivorsitzender der CSU, er ist ein wichtiger Kritiker an aus dem Ruder laufenden Projekte der Europäischen Union. Bei uns sind Personen mit guten Argumenten, die diese nachvollziehbar begründen können, stets hochwillkommen. Ob Sie oder andere Journalisten diese Personen für «umstritten» halten, spielt beim Entscheid, ob wir einen Text bringen oder nicht, keine Rolle. Der «Schweizer Monat» soll beurteilt werden aufgrund der darin publizierten Texte. Die aber scheinen vor allem unsere Leser zu interessieren. Journalisten lesen uns jedenfalls kaum.

Wie sieht das bei Ihren Werbekunden aus? Das Magazin «eigentümlich frei» wirbt bei Ihnen auf einer ganzen Seite. Dem Magazin werden weltanschauliche Überschneidungen mit der Neuen Rechten vorgeworfen. Warum dürfen «umstrittene» Werbekunden bei ihnen inserieren?

Mit «Eigentümlich frei» machen wir Austauschinserate. Ich meine, dass freiheitlich gesinnte Menschen in Deutschland nicht gerade mit vielen guten Medien gesegnet sind. Deshalb wollen wir unser Produkt diesen Leuten anbieten. Ganz generell halte ich es für besser, wenn nach Hintergrund und Orientierung suchende Leser den «Schweizer Monat» lesen als dass sie in irgendwelchen Telegram-Gruppen Fake News konsumieren. Bei uns stimmen die Fakten. Aussagen sind mit Quellen belegt, die im Text oder in den Fussnoten nachzulesen sind.

Sie selber schreiben auch populistisch. Ich zitiere aus Ihrem Editorial von der letzten Ausgabe: «Behörden drängten die Bevölkerung dazu, Apps zu nutzen.» Wer hat Sie dazu gedrängt, die Covid19-App zu installieren?

Der Druck der Regierung auf die Bürger, diese Staats-App zu installieren, war hoch, und einige Medien haben sie dabei tatkräftig unterstützt. «Drängen» ist aus meiner Sicht die korrekte Formulierung. Zum Glück war die App ein Reinfall. Und trotzdem haben wir sie mit unseren Steuern finanziert.

Sie sind seit 2016 beim «Schweizer Monat», die letzten 1,5 Jahre tätig als Chefredaktor. Davor galten Sie als einen der versiertesten Medienjournalisten der Schweiz. Was geht im Schweizer Journalismus?

Ich stelle eine erschreckende Homogenität innerhalb der Redaktionen fest und auch zwischen ihnen. Journalisten denken zunehmend deckungsgleich, und nicht mehr unterschiedlich. Wer aus dem Meinungskonsens ausschert, wird entweder nicht eingeladen oder dann ausgeschlossen. Die daraus entstehende Meinungs- und Haltungseinfalt beeinflusst die Themenvielfalt und die Schreibweise massiv. Wenn es um die Corona-Beschlüsse des Bundesrats geht, verhalten sich einige Journalisten wie Royalisten. Statt den König und seine Entourage verteidigen sie den Bundesrat und die Beamten. Gegen die Regierungskritiker.

Aber in der zweiten Corona-Welle wird der Bundesrat doch auch hart kritisiert.

Ausnahmen gibt es immer wieder, da gebe ich Ihnen Recht. Aber wenn der Bundesrat Einschränkungen verfügt, wird das am Ende immer abgenickt in den Redaktionen. Einigen gehen die Einschränkungen ja immer noch zu wenig weit. Für den sehr liberalen Staat, wie es die Schweiz einmal war unter der Führung des Freisinns, sind diese Entwicklungen gefährlich.

Dann sind Sie sicher mit ZACKBUM glücklich?

Einerseits ja. ZACKBUM überrascht mit spritzigen, frechen Texten, Meinungen, Themen. Euch kümmert nicht, was andere dazu meinen, eigentlich kümmert euch – wie erfrischend! – überhaupt nichts. Das führt zu idiotischen, aber auch zu genialen Ergebnissen, und diese sind durchaus eine Erweiterung des Medienjournalismus. Andererseits bekommt, wer ZACKBUM liest, den leisen Eindruck, es sei alles schlecht im Journalismus, und überall nur Trottel am Werk in den Redaktionen und den Verlagen. Ausser natürlich bei ZACKBUM, das keine Abonnenten hat und keine Einnahmen. Nun gut: Die Freiheit ist da, um sie zu nutzen. Und ihr nutzt sie. Das finde ich grossartig!

3 KOMMENTARE
  1. Pierre Meier
    Pierre Meier says:

    Gratuliere zum Geburtstag! Ja der Ronnie Grob ist jetzt auch ein Libertärer, wie Milosz Matuschek. Matuschek zog es vor,
    beim Schweizer Monat zu kündigen und jetzt bei den Verschwörungstheorien-Portalen KenFM und Rubikon zu publizieren. Das mochte die NZZ nicht, dessen Kolumnist er seit Jahren war, sie beendete die Zusammenarbeit. Keine Macht den Schwurbeln!
    https://medienwoche.ch/2020/09/07/ob-nzz-oder-kenfm-hauptsache-corona-beschwichtigung/

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  2. Heinz B
    Heinz B says:

    Glücklich sein mit oder dank ZACKBUM? Schon ein bisschen übertrieben. Bin aber für die andere Stimme aus der Medien Bubble dankbar. Bin selber nicht Bestandteil dieser Bubble.

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  3. Alois Fischer
    Alois Fischer says:

    Bei der Analyse (letzte Frage und Antwort) kann ich nach einer dauernden Nutzung (von der ersten bis zur heutigen Ausgabe) von Zackbum nur zustimmen.
    Dass nicht alle Zackbum können und wollen, versteht sich von selbst; ich bin aber überzeugt, dass es jammerschade ist, einen Ronnie Grob nicht im Boot zu haben. Also noch mehr Vielfalt und Freiheitsdrang statt immer nur gesalzene Fritten.

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