CH Media überlegt sich vollständige Trennung von Keystone-SDA

«20 Minuten» und CH Media entfalten sich in der Unabhängigkeit

«Nachrichtenteppich», dieses Wort fällt dann immer, wenn sich die Nachrichtenagentur Keystone-SDA definieren will. Mit ihrem Strom an Nachrichten, von der Polizeimeldung bis zur Medienmitteilung, fühlte sie sich jahrzehntelang stark genug, um den Verlagen einseitige Preisvorgaben zu machen.

Das Jahr 2021 wird wohl das wichtigste Jahr für die Agentur. Es wird zeigen, wie relevant sie wirklich ist und ob die Metapher «Nachrichtenteppich» eher in Fussmatte übersetzt werden muss. Die Liste an Verlagen, die in diesem Jahr auf die Dienste der Agentur verzichten ist lang: NZZ, CH Media, «20 Minuten» usw. Die anderen Verlage befinden sich in Lauerstellung und warten die Entwicklungen ab. Die Frage lautet: Geht es auch ohne SDA-Teppich?

Eine Analyse der letzten Tage zeigt, dass «20 Minuten» gut ohne Keystone-SDA auskommt. Die Auslandsnachrichten stammen von der Deutsche Presse-Agentur dpa und werden nicht mehr via SDA gebucht. Über die Kosteneinsparung wollte «20 Minuten» keine Stellung nehmen. Zum Alltag mit den Inlandnachrichten äusserte sich die Pendlerzeitung hingegen optimistisch: «Der Übergang verlief reibungslos – sowohl beim Text als auch in der Bildredaktion.» In «sporadischen Einzelfällen» werde man in Zukunft vielleicht die früheren Dienste vermissen.

«Zufrieden mit der Lösung»

Gleiches hört man auch von CH Media, die für 2021 nur noch die Bilder und Videos von Keystone-SDA abonniert hat. «Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit unserer hausinternen Lösung, mit der wir uns auch von der Konkurrenz abheben und damit zur Medienvielfalt beitragen.», heisst es aus Aarau.

Für Keystone-SDA könnte alles noch viel schlimmer werden. CH Media überlegt sich nämlich einen vollständigen Rückzug aus Keystone-SDA. Sollte das nach Tageszeitungen grösste Medienunternehmen der Schweiz  auch die Bilder und Videos abbestellen, brechen Keystone-SDA grosse Eisschollen ab. In Branchenkreisen geht die Zahl 70-30 um: 70 Prozent sollen Fotos und Videos kosten, der Rest geht für die Nachrichten aus.

 

0 KOMMENTARE

Schreiben Sie einen Kommentar

Möchten Sie an der Debatte teilnehmen?
Ihre Meinung interessiert. Beachten Sie die Kleiderordnung dabei.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.