Bajour: Wer hat an der Uhr gedreht?

Sicher nicht der Duhden.

An Einsatz mangelt es ihnen nicht, den Bajour-Journalist*innen. Minustemperaturen hindern eine Journalistin nicht, die Nacht mit einer bettelnden Romafamilie zu verbringen. Sie lernt: Die Basler*Innen sind dieser Tage nicht sehr spendabel. Der Autorin fröstelt es, der Autorin dämmert es: Basel ist wahrlich keine «Humanist*innenstadt».

Immerhin schreibt sie irgendetwas. Allgemein muss man aber feststellen,  dass die sieben Journalist*innen von Bajour klamme Finger haben. Ihr Output ist geringer als die Spenden für die Romafamilie. Ein Text pro Tag. Mehr geht nicht. Sieht dann aber nicht schön aus auf der Homepage, wenn beim neusten Text steht: «vor drei Tagen publiziert». Bajour kennt das Problem und zaubert es weg. Wie das geht? Ganz einfach: Die Texte werden «aktualisiert». Unter einem zwei Tage alten Texten steht dann zum Beispiel: «vor 10 Minuten aktualisiert». Manche Texte werden vier oder fünfmal «aktualisiert». Was genau aktualisiert wird, erfährt man aber nicht.

Werden vielleicht Rechtschreibfehler korrigiert? Nicht doch. In den Redaktionsräumen sitzen zwar sieben Nasen, aber leider kein Duden. Die Folge ist grawierend. Beispiel Mittwochabend. Die Redaktion schreibt folgenden Lead:

Früher war die Nähmaschiene das wertvollste in Dorothees Besitz. Nun gibt sie sie weiter an eine Mutter mit drei Kindern. Die Wünschen sich auch was, kannst du weiterhelfen?

Vier Fehler, auch nicht schlecht. Wir stellten Bajour schüchtern eine Frage: «Leistet Ihr Euch einen Lektor?» Uns antwortet ein enervierter Hansi Voigt:

Wir haben kein Interesse daran, an Zackbum, die Medienshow, teilzunehmen.

Wird auch nicht verlangt. Aber vielleicht hätten die Gönner und Spender Interesse an den gestellten Fragen.

 

1 reply
  1. Peter B.
    Peter B. says:

    Das „Aktualisieren“ von Texten hat üblicherweise den Zweck, dass diese von Google als aktueller erkannt werden und dadurch in den Suchresultaten weiter oben erscheinen. Leider benachteiligt der Google-Algorithmus damit konsequent Originalquellen und all jene, die ohne solche Tricksereien auskommen.

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