So will Somm den Nebelspalter umkrempeln

50 Prozent News, 50 Prozent Satire

Über Monate sprach er mit keinem Journalisten über sein Projekt, das damals noch «Säntis» hiess. Seit heute ist die Katze aus dem Sack und Somm redet. Endlich. Die Klarsicht AG, Winterthur, übernimmt den Nebelspalter. Im März soll das Abenteuer starten. Am liebsten im Zürcher Stadtquartier Enge, so Somm gegenüber ZACKBUM.ch. «Das wäre ideal, ich wohne an der Pfnüselküste.»

Sechs bis acht Journalisten will er bis dahin einstellen. Von manchen Journalisten erhielt er eine Zusage, von anderen Absagen. Auf das Trüppchen kommt zumindest viel Arbeit zu. Sie sollen auf der Online-Plattform Nebelspalter.ch «seriöse Recherche, News und Kommentar schreiben.» Und was ist mit Satire? «Das auch.»

Somm wird Chefredaktor von Print und Online. Der bisherige Chefredaktor Marco Ratschiller wird neu Redaktionsleiter der Zeitschrift, dient also unter Markus Somm. Das Magazin soll weiterhin erhalten bleiben. Auf der Redaktion herrscht allerdings Unsicherheit, wie ZACKBUM.ch in Erfahrung bringen konnte. Der Grund ist die Formulierung in der Medienmitteilung von Donnerstagmorgen: «Die Printausgabe erscheint bis auf weiteres unverändert.»

Nebelspalter wird Nachrichtenzeitschrift

Bis auf weiteres? Somm will am «Nebelspalter» jedoch festhalten, sagt er. Langfristig gesehen ist ein Konzeptwechsel denkbar: Die Monatszeitschrift wird hälftig mit News gefüllt werden. Die andere Hälfte könnte weiterhin mit Satire ausgeschmückt werden.

«Was verstehen Sie eigentlich von Satire?«  – «Wenig». Er nehme das sportlich. Als Frischling in der BaZ-Redaktion habe er als Chefredaktor früh kommuniziert, dass er von Sport nichts verstehe. Geklappt hätte es trotzdem. Oder vielleicht gerade darum. «Ich musste nicht plötzlich Fussballberichte schreiben.»

Den bisherigen Abonnenten soll der «Nebi» auch weiterhin zugestellt werden. Online werde ein Abo-Modell eingeführt. Zu den Financiers hält er sich weiterhin bedeckt. Irgendwann könnten deren Namen bekannt gegeben werden, so Somm, sofern alle einverstanden sind. «Wir prüfen das.» Die Ehrenwerten unterstützen Klarsicht mit rund 6 Millionen Franken. Er wolle langsam starten, der Break-even-Point soll in drei bis vier Jahren erreicht werden.

Etwas ist ihm aber doch wichtig: Keine Stiftung wurde angebettelt, vom Bund werden «Klarsicht» und der «Nebelspalter» kein Geld annehmen, «nicht einmal auf Druck». Sieh an, doch noch etwas Satire.

5 replies
  1. Rolf Karrer
    Rolf Karrer says:

    Der kuriose Name „Nebelspalter“ ist mehrere Millionen Franken wert. Könnte auch in Deutschland Erfolg haben. Nur müsste man diese Zeitschrift nun mit Inhalt füllen…….Ob Links oder Rechts, alle müssten schonungslos ihr Fett abbekommen.

    Habe mir diese humoristische Zeitschrift von Zeit zu Zeit angesehen. Verdikt: Konnte allenfalls schmunzeln über einige dieser Karikaturen; meistens durchschaubar, langweilig öde.

    Man sehe sich die Entwicklung beim „Tages-Anzeiger an. „Nico“, der mit richtigem Namen Klaus Peter Cadsky hiess, brachte meistens gute, pointenreiche Federstriche im TA. Nach seinem Abgang im Jahre 2005 muss man seine oft beissenden Karikaturen suchen dort. Gute Schweizer Karikaturisten sind rar. Peter Gut und Patrick Chappatte sind wohl Ausnahmeerscheinungen im Bereich der Schweiz. Sie brillieren oft durch überraschende, intellektuell gefestigte Erkenntnisse in ihrem Handwerk.

    Übrigens wurde man beim „Nebelspalter“ auf „Nico“ aufmerksam, als man seine ersten Karikaturen im Magazin „Stern“ sah. Der „Nebelspalter“ stellte den Deutschen als freien Mitarbeiter an. 1966 wurde er dort gar Chefredakteur, nebenbei arbeitete er beim Schweizer Fernsehen als Live-Karikaturist. 1968 wechselte Nico zum Tages-Anzeiger, da er mit der Vietnampolitik des „Nebelspalters“ nicht einverstanden war.

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    • Laura Pitini
      Laura Pitini says:

      Der Name „Nebelspalter“ ist unbezahlbar gut.

      Auch den Namen „Hochparterre“ finde ich genial. Leider ist diese Architektur-Zeitschrift in die Fänge der Bau- und Zementlobby geraten.

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  2. Gerold Ott
    Gerold Ott says:

    Nehme an, Markus Somm zahlt vorallem für den geschützten Namen „Nebelspalter“. Dieser Name ist wirklich fantastisch gut.

    Leider kann der Humor dort allenfalls als „bemühend“ bezeichnet werden. Gute Karikaturisten gibts vorallem in der Romandie. Patrick Chappatte beispielsweise ist grossartig. Er würde aber nie für den Nebelspalter Wertarbeit liefern.

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  3. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Artikel:
    „Die Monatszeitschrift wird hälftig mit News gefüllt werden. Die andere Hälfte könnte weiterhin mit Satire ausgeschmückt werden“.
    Alle Monate News, entweder propagiert Somm Entschleunigung oder er beweist sein überragendes Talent als Komiker

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