Doktor Stutz rät zum Blasen

Tolle Tipps gegen Coronaverlauf

«Maky» und «Sprechstunde Doktor Stutz» sind die beiden einzigen Schweizer Magazine, die nach Lebewesen benannt sind. Maky ist ein putziges Äffchen, Doktor Stutz ein pfiffiger Mediziner, der nach Karriere beim TV ein Magazin herausgibt. Das Blatt ist gratis und liegt in Bahnhöfen herum. In der aktuellen Ausgabe wird auf Seite 52 die Wahrheit über die Klitoris verkündet und auf der nächsten Seite Vibrator Raya verkauft.

Auf Seite 80 wird es ernst: «Covid-19 – Machen Sie jetzt unbedingt Atemtraining!» Auf dem Bild sieht man eine Frau, die ein bohrähnliches Gerät oral benutzt. Es handelt sich um den Idiag P100. Der Atemmuskeltrainer sei unter anderem von der ETH Zürich entwickelt worden, schreibt der unbekannte Autor. Man könne damit den Verlauf und die Folgen von Corona mildern. Doktor Stutz offeriert einen «sensationellen Leserrabatt». Das Ding kostet bei ihm nicht 920 Franken, sondern nur 690 Franken.

Eine Professorin der ETH schreibt auf Anfrage: «Die Aussagen von Dr. Stutz würde ich in dieser Absolutheit auch nicht unterschreiben – das Potential ist nicht null.»

Und  ob eine trainierte Atmungsmuskulatur im Fall einer COVID-Erkrankung zu einem besseren Verlauf führe, sei nicht bekannt. Bezüglich COVID-Patienten und allfälligen Langzeit-Schäden der Lunge gebe es insgesamt noch viele offene Fragen. 

Der Blasbalg P100 scheint also doch nicht so eine Wunderwaffe zu sein; da hilft auch keine Preisermässigung von 230 Franken.

Doktor Stutz sieht das natürlich anders: «Ich selber habe nicht nur an unzähligen Patienten seine Wirkung gesehen, sondern auch in der eigenen Familie. Ich würde das Gerät nicht so propagieren, wäre ich nicht total davon überzeugt.»

Und er rät: «Sie sollten mal selber mit diesem Gerät trainieren. Nach zwei, drei Monaten würden Sie sich kaum wiedererkennen.» Nein, danke, ich hätte lieber den Vibrator.

Hinweis: In einer früheren Fassung stand, dass die ETH auf Wirken von Zackbum.ch ihre Meinung änderte. Das stimmt nicht.

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