Das grosse Bibbern im Internet

Endlich Profit im Jahr 2020. Das war die Ansage. Millionenverluste ist die Realität.

News-Plattformen im Internet. Keine Distributionskosten, überall auf der Welt gibt es Zielpublikum, das muss doch laufen. Schaut Euch nur die Huffington Post an. Als persönlicher Blog von Ariane Huffington gestartet, dann zu einer einflussreichen Stimme in den USA gereift, schliesslich für Multimillionen verkauft.

The sky is the limit, wie der Ami gerne sagt, bei dem die Träume immer sehr hoch steigen. Meistens aber vor der Bruchlandung. Die deutsche Ausgabe der HuffPost wurde 2013 zusammen mit Burda Medien mit viel Trara gestartet, 2019 ohne grosses Begräbnis beendet.

BuzzFeed und Vice Media gehören auch zu den grossen Internet-Stars mit vielen Ablegern in verschiedenen Sprachen. Sie erhofften sich 2020 endlich schwarze Zahlen. BuzzFeed kündigte – zum ersten Mal seit Gründung – einen Gewinn von 30 Millionen Dollar an für dieses Jahr. Inzwischen, schreibt die «Financial Times» (Artikel hinter Bezahlschranke), hofft man, die Verluste auf unter 20 Millionen zu drücken.

Geld verdienen statt verbrennen

BuzzFeed und Vice hatten schon 2019 tiefe Einschnitte in die Kosten gemacht und rund 15 Prozent der Mitarbeiter entlassen. Wir sprechen hier von Hunderten von Stellen weltweit. In diese beiden Platzhirsche wurden bereits Milliarden investiert, in der steten Hoffnung, dass doch irgendwann einmal nicht mehr Geld verbrannt, sondern verdient werden kann.

Das sind Giganten, gegen die alles, was in der Schweiz im Internet kreucht und fleucht, selbst unter der Lupe nur Zwergengrösse erreicht. Vice machte letztes Jahr einen Verlust von 50 Millionen Dollar, bei Einnahmen von 600 Millionen. Dabei ist völlig klar, dass es im Werbemarkt nur einen Gewinner gibt: online. Einnahmen aus Online-Marketing steigen und steigen, in den nächsten fünf Jahren wird ein weiterer Sprung von 300 auf 400 erwartet. Milliarden Dollar.

Print, TV, Radio, Plakate und Direct Marketing dagegen stagnieren oder schrumpfen und schrumpfen. Auch in den USA passiert das Gleiche wie in der Schweiz. Die Einnahmen kommen nicht in erster Linie bei den Content Providern an. Sondern bei den Platzhirschen Google und Facebook. Die schneiden sich zusammen 54 Prozent vom Werbekuchen ab.

Google, Facebook, dann lange nichts

Dann folgen schon abgeschlagen Amazon, YouTube, Twitter und Snapchat. Die Pandemie hat nun noch für eine weitere Verschärfung der Lage gesorgt. Querbeet sind die Werbeeinnahmen eingebrochen. Nur Qualitätsmedien wie die «New York Times» (oder die «Financial Times») mit konsequenter Bezahlschranke im Internet können sich zurzeit einigermassen halten.

Keine good news für «Watson» in der Schweiz. Das einzige grössere Online-Only-Magazin, das sich nur aus Werbung finanziert. Alle übrigen, von der «Republik» aufwärts und abwärts, bedienen jeweils nur eine verschwindend kleine Randgruppe. Wer dabei – wie die «Republik» – auf Werbeeinnahmen verzichtet, ist dafür dem Wohlwollen seiner Klientel völlig ausgeliefert. Wird deren Filterblase nicht bedient, straft der Abonnent schnell mit Abbestellung.

Also sind die News ohne Blabla oder Bullshit auch in der Schweiz: Wer kein tragfähiges Finanzierungsmodell hat, wer sich von Google & Co. die Werbebutter vom Brot nehmen lässt, ist zum Untergang verurteilt. Das gilt für Grosse und Kleine, aber natürlich nicht für ZACKBUM.ch.

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