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Watsinn!

Wir wollten nicht. Aber wir müssen. Hier ist nichts Fake, alles erschütternd echt; in dieser Reihenfolge aufgefunden.

Was das Artikelbild soll? Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Aber daher ist’s zur Einstimmung bestens geeignet.

Das glaubt keiner, aber das sind nun Auszüge aus einem Organ mit bald einmal staatlichen Subventionen. Dieser Blödelhaufen kriegt auch Unterstützung durch einen Verein, der das Geld einer Milliardärin verschleudert. Und weil das mit «bajour» alleine nicht möglich ist …

Aber lassen wir nackte, eigentlich reine, weil so ungehemmte Beknacktheit sprechen. Wir bitten zuvor das Publikum, sich nicht zu fest und fassungslos auf die Stirn zu schlagen. Da muss man jetzt einfach durch:

Alkohol kann eine Lösung sein, wissen wir seit dem Oscar-Gewinner «Drunk». Aber hier hilft nicht mal ein Vollrausch samt Ausnüchterungszelle.

Wir dachten schon, der Tauchgang sei grundlos. Sozusagen nach dem Grund suchend, gründelnd. Aber ein von t-online, dem Portal der tiefen Denke und der massgeblichen Wirtschaftsberichterstattung, kopierter Flach- und Plattmacher verzapft hier, was Anleger garantiert nicht wissen müssen.

Es wurde kurz ernst, aber hier wird mit Sauglattismus ein Scherz auf den Bildschirm geprügelt, damit fremdschämen mal wieder Sinn macht.

Hier hingegen fragt man sich, ob das schlichtweg verboten blöd, absolut gaga oder eben ein Beitrag zu Dada ist.

Damit wollten wir eigentlich schliessen, aber dann kam noch das hier:

Wer danach noch glaubt, dass der durchschnittliche IQ der «watson»-Macher liege über 100, der muss selbst zum Arzt.

Es darf gelacht werden: Diesmal zum Muttertag

Er ist – wie der Valentinstag – im Kalender aller Floristen rot angestrichen. Und die arme Journaille muss sich jedes Jahr aufs Neue einen abbrechen.

Denn es ist doch so: Wir alle haben Mütter. Die meisten von uns kennen sie sogar. Bei Vätern ist das schon so eine Sache. Und denen (einen Vatertag gibt’s natürlich auch) gedenkt man weltweit am zweiten Sonntag im Mai. Ausser in England, die wollen halt immer einen Sonderzug, da ist’s der vierte Sonntag in der Fastenzeit. Weil die Mütter da nicht kochen müssen? Die spinnen, die Engländer.

Aber zurück zu ernsteren Würdigungen. Zur Verteidigung des Tages als solcher wirft sich die NZZ in die Bresche, in die Schlacht: «Jetzt gehen sie auf die Mutter los». Aber nicht mit uns, sagt die alte Tante rabiat und kampfeslustig wie selten.

Was brechen sich die anderen Sonntagsblätter ab, nachdem der Blattmacher melancholisch in die Runde fragte: Also, wer will sich den Pulitzerpreis holen, indem er eine neue Story zum Muttertag erfindet?

Ein bunter Strauss zum Muttertag …

Die Ergebnisse sind durchaus vielfältig, wenn auch nicht alle originell. Die «Sonntagszeitung» probiert’s mit:

«Wenn man Kinder mehrheitlich ohne Partner grosszieht, bleibt das Liebesleben oft auf der Strecke. Vier Single-Mütter erzählen, was sie beim Dating erleben»

Kann man machen, muss man nicht. Hat man schon. Kann man auch wieder machen. Machen andere auch (siehe weiter unten).

An eine andere Lösung des Dating-Problems erinnert das Schweizer Farbfernsehen SRF: «Vor zwanzig Jahren wurde das erste Babyfenster der Schweiz eröffnet.»

Der «Sonntags Blick» (auch mit Regenrohr) erteilt seiner Kolumnistin Milena Moser das Wort, das kann nicht gutgehen: «Seit einem Jahr drehen sich meine romantischen Fantasien um die Ankunftshalle im Zürcher Flughafen und meine Söhne. Jetzt hat sich dieser Wunsch erfüllt.»

Öhm. Der Wunsch einer romantischen Fantasie hat sich erfüllt? Das hat auch noch niemand der Ankunftshalle dargeboten. Leider versteht das weder der Flughafen Zürich, noch der Leser. Vielleicht die romantischen Fantasien, die sich um ihre Söhne drehen? Müssen wir da an Oedipus denken (Frau Zukker, das war, aber lassen wir das)? Na, wir verlassen den SoBli so schnell wie möglich.

Und retten uns in den «Berner Oberländer»: «So vieles ist derzeit anders – und doch bleibt eines gleich: Die erblühende Natur sorgt für ein schönes Stück Vertrautheit, schreibt Martin Leuenberger.» Das ist so unfassbar wahr und tief. Das geht nur in einem «Wort zum Sonntag», das dem «Maien- und Muttertag» gewidmet ist. Denn auch Gottesmänner haben eine Mutter. Auch katholische; die haben allerdings keine Frau, aber das wäre wieder ein anderes Thema.

Noch mehr welke Blumen aus dem Muttertagsstrauss

Was macht «watson.ch» aus diesem Thema? Soll das eine ernstgemeinte Frage sein? «Weil wir alle das beste Mami der Welt haben: Die 18 lustigsten Mutter-Tweets». Zum Beispiel? Nein, das kann definitiv keine ernstgemeinte Frage sein.

Prosaischer geht es «20 Minuten» an: «Bis zu 28 Grad erwartet – Perfektes Wetter für den Muttertags-Brunch auf der Terrasse.» Wir fragen uns nur: wer keine Terrasse hat, was macht denn der? Noch neutraler ist nur nau.ch: «Sommerliches Wetter: Schweiz knackt am Muttertag die 25-Grad-Marke.»

Nun ja, allerdings lässt es nau.ch nicht bei einem Sonntagsbrunch oder Blumensträussen bewenden; das Online-Organ hat sein Ohr ganz nah am weiblichen Unterleib:

«Umfrage zum Muttertag: Schweizer Single-Mamis wollen Sex-Abenteuer».

Na, das war in den Anfangszeiten des Muttertags aber noch anders, da wäre die Heilsarmee energisch eingeschritten.

Echten Lokaljournalismus betreibt hingegen der «Landbote»: «Run auf Blumen in Wiesendangen: Aus Liebe zum Mami standen manche schon sehr früh auf».

Besinnliches am Schluss; kath.ch wirft eine weitere, entscheidende Frage auf:

«Der Muttertag ist kein katholischer Feiertag. Soll ihn die katholische Kirche in den Gottesdiensten trotzdem aufgreifen?»

Es erteilt, der Herr ist gross, zwei Katholikinnen dazu das Wort, obwohl die in den Gottesdiensten doch ruhig bleiben müssen. Obwohl sie fordern:

«Der Muttertag soll ein Tag der Umkehr sein.»

Was immer sie uns damit sagen wollen. Wir haben fertig.

 

 

 

 

 

Hilfe, mein Papagei onaniert VI

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch. Heute ausschliesslich Berichte aus dem Unterholz.

 

Der «Blick» geht auf den Strich

Also in seinem neuen Logo, versteht sich. Das schreibende Regenrohr fängt in seiner Traufe jeden Tropfen auf, der sich noch aus dem Fall Tschanun rausquetschen lässt.

Und läuft und läuft und läuft …

Seit wir das letzte Mal reingeschaut haben, hat das Blatt der tiefergelegten Bespassung ganze 13 Artikel nachgelegt. «Sie verliebten sich beim Latino-Tanz!», der Augenzeuge des tödlichen Velounfalls. Die IV-Rente. Die drohende Verfilmung seines Lebens, die Angst davor, dass er deswegen nochmal ausrasten könnte.

Selbst seine Kochkünste bleiben nicht unerwähnt. Was wir noch vermissen: Hatte er regelmässigen Stuhlgang? Gibt es ärztliche Unterlagen über den Zustand seiner Prostata? Nahm er Medikamente, wenn ja, welche? War da auch Viagra darunter?

Haltet Euch ran, Ihr Strichmännchen vom «Blick»

Die Strichmännchen bei «Blick» sollten wissen: Es gibt noch viel zu tun. Packt’s an, das Feld ist noch fast jungfräulich und unbeackert. Gilt natürlich neuerdings auch für Strichfrauchen (darf man das?). Oder, Ihr erholt Euch endlich mal davon, dass Michèle Binswanger vom «Tages-Anzeiger» Euch gezeigt hat, wie man eine Story richtig auserzählt.

Neid ist völlig unangebracht; die meisten anderen weiblichen Mitarbeiter dort betreiben lieber Nabelschau und möchten die Welt nur darüber informieren, welche neuen Leiden sie gerade an und in sich entdeckt haben.

Wats-off

Eigentlich wollte ich hier die schrägsten Sumpfblasen beim Tauchgang in die Niederungen des Journalismus darbieten, und dafür – bei diesem allgemeinen Niveau – muss man sehr, sehr tief unter null gehen.

Aber mit einigen gezielten Schlägen unter die Gürtellinie zwang mich «watson», schnell wieder nach oben zu schwimmen, um nach Luft zu schnappen.

Das konnte ich noch mit Atemtechnik wegstecken.

Bei den folgenden Schlägen wurde es dann immer schwieriger:

Hier verlor ich kurzzeitig die Atemkontrolle.

Wenn man nicht lesen kann, liest man so.

Philipp Loepfe ist immer gerne mit News von gestern schon morgen zur Hand.

Auch die Infantilisierung ist noch nicht bis zur Neige ausgeschöpft. Dazu ZACKBUM so

Die gekaufte «Republik»

Jubel- und Warnschreie zugleich stiess die «Republik» aus, weil es ihr gelungen sei, viel weniger Leser als auch schon zu verlieren und viel mehr bei der Stange zu behalten. Aber das könne sich dann auch wieder ändern, im Fall.

Auf jeden Fall arbeitet die «Republik» kräftig dran. Wir wollen uns natürlich nicht immer als leuchtendes Vorbild hinstellen (wieso eigentlich nicht?), aber rein quantitativ war der Ausstoss des Magazins in den letzten 7 Tagen sehr überschaubar. 26 Schriftwerke insgesamt. Wenn man Beigemüse und «Nachrichtenbriefings» (obwohl die auch schon mal über 16’000 Anschläge umfassen) und Inhaltsangaben weglässt, schrumpfen die auf 10 richtige Werke zusammen.

Das längste Stück widmet sich mal wieder dem Thema: Ist doch schon mehrfach in die Hose gegangen, wieso nicht nochmal? Eine eher bittere Niederlage musste die «Republik» bei ihrer Anklage gegen die ETH einstecken. Trotz zäher Gegenwehr und beachtlichem Geldverschleiss konnte sie mal wieder die meisten Anschuldigungen nicht halten. Weil anonym.

Aber auch Rache beginnt mit einem R. Also streut sie mal wieder rund 50’000 Anschläge über die «Eidgenössische Toxische Hochschule». Sie konnte einen internen Untersuchungsbericht ergattern, und den schlachtet sie aus. Garniert mit ausschliesslich anonymem Beiwerk, what else.

Düster, nass, drohend: Tatort ETH.

Oder doch nicht? Die schläfrigen Augen erblicken doch tatsächlich irgendwo mitten im Machwerk den Anfang eines Absatzes. «Als Anton Müller 2012 sein Büro auf dem Hönggerberg bezog, kam er nicht mehr aus dem Staunen heraus.» Der Leser wird schlagartig wach. Echt jetzt, ein realer Zeuge? Zwar nicht ganz taufrisch, aber man kann wohl nicht alles haben.

Natürlich folgt die grausame Enttäuschung auf dem Fuss: «Anton Müller, der in Wirklichkeit anders heisst …» Ich tue ja fast alles im Dienste meiner Leser, aber hier bin ich ausgestiegen.

Gekauft, gekauft, gekauft

Obwohl ja bekanntlich 50 Nasen weit über eine Million Franken Gehälter pro Jahr verbraten, fällt noch etwas auf. «Haydn im Plattenbau», hört sich interessant an, ist aber ein eingekauftes Essay. Thema «Suizid», immer wieder gern genommen, hier von einem freien Journalisten. Neues von der Flüchtlingskrise im Mittelmeer – eingekauft. Reportage über die Corona-Bekämpfung in Taiwan: eingekauft. Zudem, sorry: «Lernen von den Besten» heisst das Stück; was sagt dazu der Autor von «Von Laos lernen, heisst impfen lernen»?  Ein Anruf genügt, er sagt:

Das können wir leider nicht übersetzen.

Bleiben also noch ein halbes Dutzend eigener Werke. Die Wochenleistung von vielen, vielen Sesselfurzern im «Rothaus» – oder im Homeoffice. Sonst noch was Nennenswertes? Kann man so oder so sehen, die schreibende Schmachtlocke hat mal wieder zugeschlagen – und unter Beweis gestellt, dass viel Meinung, beruhend auf viel Gesinnung, ergänzt mit ganz, ganz wenig Wissen, eine sehr unbekömmlich Mischung ergibt.

Glücklicherweise muss man auch hier nicht weiterlesen, nach diesem Einstieg Daniel Binswangers: «US-Präsident Joe Biden will Gewinne globaler Konzerne weltweit zum gleichen Satz versteuern.

Für das parasitäre Schweizer Dumping­modell dürfte das einschneidende Konsequenzen haben.»

Der erste Satz enthält noch Spurenelemente der Realität. So etwas hat Biden tatsächlich angekündigt. Im Wissen darum, dass das niemals geschehen wird. Und mit der Absicht, vom Steuerhinterzieherparadies Nummer eins, vom Betreiber der weltweit grössten Geldwaschmaschinen, vom mit Milliarden von Drogengeldern verseuchten Wirtschaftsleben abzulenken. Also von den USA. Damit ergibt sich dann auch das mit dem parasitären Dumpingmodell der Schweiz.

Der Scheitel sitzt, der Kragen auch. Dazwischen ist nix.

Denn wem man heutzutage sichere Möglichkeiten für alle denkbaren Schweinereien im Finanzwesen aufzeigen will, dem empfiehlt man in erster Linie die USA. Dann England, Singapur. Frankreich und Deutschland sind auch nicht schlecht unterwegs bei Geldwäsche – aber sicher nicht die Schweiz. Das würde allerdings bedeuten, mal hinter der Locke vor den Augen die Wirklichkeit wahrzunehmen. Aber das mag Binswanger gar nicht.

 

Ex-Press XXXII

Blüten aus dem Mediensumpf.

 

Quo vadis, nau.ch?

Das Newsportal macht es allen, die gerne eine saubere Einordnung haben, nicht leicht. Das sind leider nicht allzu wenige, deren Weltbild ungefähr so aussieht: Wer meiner Meinung ist, darf die auch frei äussern. Wer nicht meiner Meinung ist, sollte die Schnauze halten. Denn ich bin für Meinungsfreiheit, aber nicht so.

Man könnte fast von absichtlicher Provokation sprechen, als nau.ch dem bekannten Amok Réda el Arbi die Möglichkeit gab, in einer Kolumne auf alles einzudreschen, was nicht links von ihm steht. Da musste er dann, wie vorher schon in anderen Organen, in eher kurzer Zeit aus dem Verkehr gezogen werden.

Er hatte alle Grenzen des Anstands und wohl auch des Strafgesetzbuchs überschritten, als er über die corona-kritsche Organisation «Mass-Voll» herzog. Sein Lieblingsausdruck dafür: «Rattenfängerbande».

Das war’s mal wieder für ihn. Alle nau.ch-Leser, die sich Sorgen machten, ob die Plattform eine scharfe Linkskurve fahre, konnten sich beruhigen. Dann gab nau.ch aber dem so wüst beschimpften Verein «Mass-Voll» die Möglichkeit zur Replik. Wie es sich eigentlich in einer neutralen Plattform gehört.

Aber weil das sonst kaum einer mehr macht, geriet nau.ch plötzlich unter strengen Rechtsradikalismus-Verdacht. Von schlimmeren Befürchtungen ganz zu schweigen. Dieses Gekeife ist ausgestanden, aber was sehen wir aktuell, wenn wir die Webseite anklicken?

Wen sehen wir denn da in 2 von 5 Meldungen?

Damit kann man nau.ch mal wieder die Maske vom Gesicht reissen. Oben links (!) der SVP-Nationalrat und Besitzer, Verleger sowie Chefredaktor der «Weltwoche». Roger Köppels Videoblog, um den die Meinungsfreiheit im oben geschilderten Sinn schätzende Bürger einen weiten Bogen machen, wird hier tatsächlich vorgeführt. Verdachtsmoment eins.

Unten rechts (!) die Intervention von Bundesrat Ueli Maurer an einer SVP-Delegiertenversammlung. Einfach berichtet, was er da gesagt hat. Unglaublich, das wäre den Qualitätmedien aus dem Hause Tamedia oder Ringier nie passiert. Der Verdacht verdichtet sich.

Gibt es noch mehr Beweise? Ha, diesen hier:

Reine Tarnung: diese Meldung von nau.ch.

Wieso das ein klares Indiz für die rechtsnationale Haltung von nau.ch ist? Na, wie alle subversiven Unterwanderer hängt sich nau. ch natürlich auch ein Feigenblatt vor die finsteren Absichten. Die da wären? Ähm, also, nun ja, die Weltherrschaft? Dass in der Schweiz das Virus ignoriert wird? Schwer zu sagen.

Aber für einen letzten lauten Lacher sorgte Réda el Arbi mit seiner Abschiedskolumne. Da schreibt er doch ohne rot zu werden: «Natürlich werde ich weiter die Fahne der Wissenschaft und der Empathie hochhalten, einfach auf anderen Kanälen.» Da freuen wir uns schon drauf, dass er noch mehr Empathie zeigt wie bei seiner Teilnahme an der Sofa-Demo #no-irgendwas.

«Weil ich die wenigen asozialen Schreihälse satt habe», fasste er auf Twitter seine Empathie für besorgte Staatsbürger in bewegende Worte. Die hatten zwar an einer bewilligten Demo teilgenommen, aber, das geht gar nicht, vertraten dabei nicht die einzig richtige Meinung auf der Welt. Natürlich seine.

 

Widerstand ist zwecklos: hier kommt «watson»

Nein, keine Widerrede, wir haben unser Publikum lange genug geschont, heute ist volle Härte angesagt. Fangen wir mal mit dem hier an:

Würden wir hier nicht unter Gelächter & Satire laufen lassen.

Lustig? Natürlich ist das lustig:

Wer gerne über Behinderte lacht …

Geht’s noch lustiger? Sicher, zumindest wir haben schallend gelacht:

Beim Tagi gäb’s keine Kritik. Es ist eine Autorin …

Nein, wir kriegten uns nicht über diesen Text kaum ein, sondern darüber, dass die Autorin noch dümmer ist, als «watson» normalerweise erlaubt. Oder aber, das wäre ein Entschuldigungsgrund, sie ist farbenblind. «LYOUVE»? Nein, Dummerchen, einfach die roten und blauen Buchstaben separat lesen. Also ich würde auch nein sagen, wenn das eine nicht kapiert.

Wo bleibt die Kompetenz, ohne Blabla?

Wollen wir «watson» noch eine Chance geben? Doch, wir hoffen auf die Intelligenzbestie Philipp Loepfe. Und hier ist er schon: «Was zum Teufel ist mit der CS los?» Eine berechtigte Frage, die allerdings schon von allen beantwortet wurde. Aber noch nicht von Loepfe. Wohlan: Finanzspezialist L. identifiziert problemlos den «Hedge Fund Archegos» als eine der zwei Wurzeln des Übels bei der CS. Hedge Fund sei aber «hoch gegriffen, bei Archegos handelt es sich um ein sogenanntes Family Office, eine Art private Vermögensverwaltung».

Der Laie mag sich fragen, was am Begriff Hedge Fund hochgegriffen sein mag und wieso ein Family Office nicht wie ein Hedge Fund agieren kann. Aber eben, so sind Laien, kapieren nix. L. kapiert’s aber auch nicht: «Archegos Capital ist ein amerikanischer Hedge Fund.» Öhm. Aber lassen wir das.

Was zum Teufel ist nun passiert? «CS-Investmentbanker betätigten sich als  sogenannte «prime broker» für seine Geschäfte.» Bis den Besitzer des Hedge Fund, also des Family Office, ach, Mist, also dieses Dings die «verpönten «margin calls» erreichten, will heissen, er musste Geld nachschiessen, um seine Geschäfte abzusichern». Na, «prime broker» versteht offenbar jeder, hingegen «margin calls» kaum einer nach dieser Erklärung.

Kommt halt davon, wenn sich dieser Family Fund nicht vom Finanz-Guru L. beraten lässt. Der sieht nämlich immer die grossen Linien hinter dem Lärm des Tages: «In der jüngeren Vergangenheit gibt es zwei Skandale, welche die Finanzwelt in ihren Grundfesten erschütterten: der Zusammenbruch des Hedge Funds LTCM und Enron.»

Ist die Vergangenheit zu jung oder Loepfe zu alt?

Die Investmentgesellschaft LTCM brach 1998 zusammen, der Energiekonzern Enron implodierte 2001 nach beeindruckenden Bilanzfälschungen.

Allerdings: wenn das für L. die «jüngere Vergangenheit» sein soll, was wäre dann für ihn die Finanzkrise eins von 2008, die Eurokrise danach? Oder die Griechenland-Krise? Oder die Target2-Krise? Die müssten allesamt eigentlich noch gar nicht geboren sein, so jung-jüngst wären die.

Nach diesem Irrlauf durch Zeit, Geld und Welt kommt L. wieder zur CS zurück: «Langsam müssen wir uns wirklich Sorgen um die traditionsreiche Grossbank machen.» Langsam? Nein, ganz schnell müssen wir uns Sorgen um den wissensarmen Herrn L. machen. Und um seine Leser.

 

 

Hilfe, mein Papagei onaniert VI

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch.

 

Über dem Nebelmeer

Wer springt schon in eine Nebeldecke?

Hundert Tage Bewährungsfrist, das ist im schnelllebigen Internet nichts. Eine Woche «neuer Nebelspalter», Gelegenheit für eine erste Zwischenbilanz.

Allerdings der besonderen Art. Wir sind nach wie vor der Auffassung, ein neues Medium muss seinen Inhalt, schliesslich die beste Eigenwerbung und die USP, einen Monat lang gratis anbieten. Solange zahlen wir nicht.

Aber wir können ja da und dort unters Nebelmeer schauen. Was wir dort sehen, hat einen hohen Wiedererkennungswert.

Neu und überraschend ist anders

Dominik Feusi interviewt Beda Stadler. In der Musik würde man das ein Traditional nennen. Eigentlich ist nur die Einstiegsfrage neu, nachdem Stadler selber eine schwere Erkrankung überstand. «Wie geht es Ihnen?», anschliessend fällt das Bezahlbeil.

Allerdings kann man sich die Fortsetzung genau wie bei Claudia WirzChina-Strategie: Luft nach oben»), Martin A. SennDas Rahmenabkommen zeigt Deutschlands Angst vor der direkten Demokratie») oder Milusz Matuschek («Die Freiheit stirbt zentimeterweise») vorstellen.

Satire oder Humor? Da scheint der Online-Nebelspalter der Auffassung zu sein: unfreiwillig ja, freiwillig niemals:

Nach 5 Stunden gemerkt: Korrektur oder Karikatur?

Aber es gibt ja die frei zugänglichen Videos, immerhin. Gioia redet zum zweiten mal «Klartext». Über das rasend originelle Thema: «Verbieten ist für Anfänger». Überzeugen natürlich für Fortgeschrittene. Allerdings wäre sie viel überzeugender, wenn das Video nicht sehr ruckelig geschnitten wäre und sie nicht ständig aufs Manuskript starrte. So anspruchsvoll sind die Sätze auch nicht, die sie abliest.

«Drei mögliche Antwortmöglichkeiten», da wäre trotz schriftlicher Vorbereitung noch Luft nach oben.

Sichtbar ablesen tut Tamara Wernli, in dem Sinn ein Profi, nicht. Sie griff das rasend aktuelle und neue Thema «Multidiskriminierung von Frauen» auf. Sie wehrt sich am Anfang dagegen, dass ihr Show eine Satire sei. Damit hat sie recht, denn der Ratschlag, dass Frauen ja nicht mehr als zwei Minuten in der Küche verbringen sollten, um keinen Rollenklischees zu entsprechen, kann weder als Satire, noch als lustig bezeichnet werden.

Kaminzimmer-Atmosphäre, aber nichts knistert oder knattert

Schliesslich schafft es Reto Brennwald auch in seinem zweiten Herrengespräch, die knisternde Langweile des Nachtbilds einer deutschen TV-Station zu erschaffen, das ein fröhlich flackerndes Kaminfeuer zeigt.

Beim «Nebelspalter» weder knisternd, noch feurig.

Das gelang ihm schon mit Markus Somm, aber das mit Oswald Grübel zu wiederholen, ist schon ein Kunststück. Nachdem Grübel auf die «übliche Einleitungsfrage» von Brennwald, wie es ihm gehe auf einer Skala von eins bis zehn, mit einem fröhlichen «zehn» geantwortet hatte, setzte Brennwald gnadenlos nach: «Warum?»

Das brachte dann selbst einen harten Knochen wie Grübel etwas aus der Fassung. Anschliessend wollte Brennwald Ossi G. offenbar von hinten aufrollen und begann mit dessen Jugenderfahrung im Nachkriegsdeutschland, genauer in der DDR.

Das interessierte nun Grübel nicht wirklich, also leierte er die üblichen Erzählungen herunter, und Brennwald musste sich von einem weiteren Zuschauer verabschieden.

Neu, überraschend, kontradiktorisch, breites Spektrum, viel Recherche, wenig Meinung? Kann alles noch kommen. Aber nach einer Woche sieht es mehr danach aus, dass man sich nicht in einer Bubble, sondern in einer Meinungswolke gemütlich einrichten wolle, wo Selbstbestätigung, Echokammer und «haben wir schon immer gesagt, deshalb sagen wir’s nochmal» herrschen.

Guerilla-Werbung?

«Unsere Protagonisten haben am Erscheinungstag auf jeden Fall für Aufsehen gesorgt», behauptet der neue «Nebelspalter» auf «Facebook». Gefährliche Aussage. Fast 22’000 Abonnenten hat diese Seite, ganze 5 Likes hat diese Super-Werbeaktion generiert. Da schafft es sogar Gioia auf 6. Die «China-Strategie» hat klar Luft nach oben: 1 Like. Alles übrigens völlig kommentarlos.

Bedauerlich, denn immerhin stehen 12 Redaktoren, 16 ständige Mitarbeiter und 5 Mitglieder des Overhead auf der Payroll. Damit wären wir bei 33 Nasen; fehlen noch 17 bis zur «Republik». Inhaltlich gespiegelt sieht’s schon ziemlich ähnlich aus.

Der einzige kleine Lichtblick ist der fleissige Stefan Millius, aber da sind wir mehr Partei als Michèle Binswanger gegenüber Jonas Projer. Millius schreibt ab und an bei ZACKBUM.ch, ich schreibe auf «Die Ostschweiz». Aber immerhin wäre damit Transparenz geschaffen.

Vom Nebelmeer ins Seichte.

«watson» kann’s einfach

Immer, wenn man denkt, der Bodensatz sei erreicht, gräbt «watson» tiefer. «Sex oder Heuschnupfen», fragt das Online Magazin für binäre Denker. Und konfrontiert den nicht vorgewarnten Leser mit Fotos, die an Widerlichkeit kaum zu überbieten sind. Um bei jedem zu fragen: Ist das ein Gesichtsausdruck, der beim Niesen oder beim Sex entsteht? Schön, das niemand meinen beim Betrachten sieht.

Aber immerhin, «watson» hat es mit einem Beitrag geschafft, die Intelligenz seiner Leser zu beleidigen. Nämlich mit Lobhudeleien über «unsere Kultur-und-Glamour- Simone», über «unsere hochgeschätzte Simone Meier». Obwohl für den irgendwas-am-meisten-Kommentar ein Buch als Geschenk ausgelobt wird (oder gerade deswegen), gibt es bei den obersten drei nur Gemecker: «und wieder eine nicht gekennzeichnete Publireportage». – «Müssen wir uns Sorgen machen?» – «Die Eigenwerbung wird auch immer aufdringlicher auf Watson.»

Hätte ich auch nicht besser formulieren können.

Vom Seichten ins Hochkulturelle.

Präventiv gegen Anonymität

CH Media hat einen ganz eigenartigen Fall von anonymer Beschimpfung am Köcheln. In drei Akten.

  1. Akt: Im Zusammenhang mit dem schnellen Abgang des vormaligen Opernhausdirektors im Januar sei eine «Untersuchung wegen sexueller Gewalt gestanden».
  2. Das sei aussergerichtlich und mit Schweigegelöbnis erledigt worden.
  3. Nun soll es ein Schreiben des aktuellen Intendanten des Opernhauses geben, in dem die Mitarbeiter davor gewarnt werden, dass ein anonymer Opernhausangestellter anonymisiert der Sendung «Kulturplatz» ein Interview gegeben habe. Das werde nach Ostern ausgestrahlt und enthalte weitere Vorwürfe über ein Klima der Angst, der Einschüchterung und dass Opernhaus-Angestellte nicht genügend vor Machtmissbrauch geschützt würden.

Nun führt hier die Leitung des Opernhauses sozusagen einen Präventivschlag, immer laut CH Media, und will in einer absolut anonymen Meinungsumfrage testen, wie denn das Betriebsklima wirklich sei. Keine schlechte Idee. Handelt es sich bei dem anonymen Denunzianten wieder einmal um einen Windmacher, könnte ihm so der Wind aus den Segeln genommen werden.

«Watson»: Werbeeinbruch bei Native Ads

Auch Preisreduktion hat nicht geholfen.

Michael Wanner ist Geschäftsführer von «Watson». Der «NZZ am Sonntag» erzählte er letzte Woche, dass sein Medienportal mittlerweile Gewinne erwirtschafte. Diese Nachricht hat für grossen Wirbel gesorgt. Früher galt unter Kennern nämlich die Losung: «Watson» verbrennt pro Jahr 2 bis 3 Millionen Franken. Wahrscheinlich war die Zahl eher zu tief als zu hoch gesetzt.

72 Angestellte stehen bei «Watson» auf der Gehaltsliste. Darunter illustre und teure Namen wie Philipp Löpfe, Simone Meier oder Klaus Zaugg. Michael Wanner wollte gegenüber Zackbum keine Auskünfte geben, wie hoch das Vollzeitäquivalent bei «Watson» ist. Überhaupt, Wanner wollte gar nichts sagen: «Ich bitte um Verständnis, dass ich zu solchen Detailfragen keine Auskunft geben kann.»

Im Grunde genommen kann Michael Wanner aber sagen, was er will. Es ist sein Geld. Das Portal ist sein Spielzeug, sein Hobby, letztlich auch seine Bewährungsprobe. Vier Wanner-Kinder stehen auf der Startpiste. Der Vater, Peter, behält noch die Kontrolle und beobachtet die Leistungen seines Nachwuchses.

Nur er weiss wahrscheinlich, ob sein Sohn die Wahrheit sagt und ob «Watson» tatsächlich schwarze Zahlen liefert. Wir hoffen, dass Vater und Junior ein belastbares Verhältnis haben. Das Geschäftsmodell von «Watson» ist nicht so kompliziert. Der Lohnaufwand wurde schon erwähnt. Erträge kommen via Werbung und Native Ads, die zwischen 8500 und 18’000 Franken kosten. Am teuersten sind die Videos.

Vergleicht man sämtliche Native Ads seit dem 1. Januar 2020, kommt man zum Schluss: «Watson» ist mitten in einer grossen Krise. Letztes Jahr wurden 73 Native Ads verkauft, darunter 20 Videos. Im laufenden Jahr (Stichdatum 7. März) lediglich 5, davon 2 Videos.

Hochgerechnet auf das ganze Jahr kommt «Watson» so auf nur 28 Native Ads (darunter 11 Videos). Ein Minus von über 61 Prozent. Hinzu kommt, dass das Portal auf den 1.1.2020 seine Werbetarife um 20 Prozent senken musste. Freiwillig war dieser Schritt wohl kaum.

2019, also noch vor der Tarifsenkung, konnte «Watson» sogar 88 Native Ads verkaufen.

«watson» verbrät nun zweisprachig Geld

Jetzt haben auch die Romands das Geschenk. Pardon, nous sommes desolés.

Was ist besser als ein Millionengrab? Zwei, sagt sich offenbar Familie Wanner. Obwohl der begnadete Geld-Verröster Hansi Voigt schon länger entsorgt wurde, versteht niemand wirklich, wieso Wanners an «watson» festhalten wollen.

«Wir wollen im Kern die 20- bis 40-Jährigen abholen, die keine ‹Tagesschau› mehr schauen und keine Zeitung mehr lesen», verrät Watson-CEO Michael Wanner der NZZaS. Abholen ist gut, sieben Jahre lang mussten Lastwagen Geld aus der Privatschatulle der Wanners abholen, um die Millionenlöcher zu stopfen.

Aber 2020 könne man «einen kleinen Gewinn verbuchen», jubelt Wanner. Daran war Voigt gescheitert, der Jahr für Jahr den angekündigten Wechsel in schwarze Zahlen weiter hinausschob. Und was ein «kleiner Gewinn» bedeuten soll, im Verhältnis zu jahrelangen Millionenverlusten?

Die Welt von «watson» und die reale Welt

Aber die Welt von «watson» hatte schon immer eher wenig mit der Realität zu tun. Listicals zu allem und jedem, eine Mischung aus Nonsense und kleinen Realitätseinsprengseln, dazu Werbekampagnen, die kein Mensch versteht:

Was soll uns diese Image-Kampagne eigentlich sagen?

Ein roter Strich auf der Wange ist gezeigte Haltung? Das ist wirklich News ohne Blabla? Dieser Ansatz ist einfach zu intellektuell für mich, ich kapier’s nicht.

Was aber jeder versteht: diesen kleinen Gewinn erzielte Wanner, indem er auf Marketing setzte. Kein banales Einwerben von Inseraten mehr, statt dessen Beratung der Werbekunden bei ihrer «Kommunikationsherausforderung». Auf Deutsch: Redaktoren texten Texte. Über News, über Unsinn, über Listicals oder für Werbekampagnen. Am besten im Doppelpack. Sogenannter redaktioneller Beitrag, gleich daneben die Werbung. Gleich aufgemacht, gleich schmissig getitelt, deutliche Trennung von Content und bezahlter Werbung? Ach, das ist ja so von gestern.

Heute ist «Content Bridge», so zum Beispiel:

Ist doch alles ein Teig, sagt sich «watson».

Sehr verständlich ist hingegen der Ansatz, dass «watson» in die Romandie expandieren will, um seinen Werbekunden auch einen nationalen Auftritt für digitale Kampagnen bieten zu können. Da räumt bislang «20 Minuten» alleine ab.

Wanner wirft 5 Millionen auf – Stiftung Medienvielfalt hilft

Dafür schmeisst Familie Wanner nochmal 5 Millionen Franken auf. Genauer 2,5 Millionen, die andere Hälfte kommt – von der «Stiftung für Medienvielfalt». Die hat sich fest vorgenommen, nach dem Riesenflop «TagesWoche» weitere Möglichkeiten zu finden, das Geld einer reichen Pharma-Erbin unter die Leute zu bringen.

Zu den unterstützungswürdigen Organen gehören natürlich die «Republik», «Journal B», «Saiten» oder auch «bajour». Alles zum Untergang verurteilte Randgruppenorgane, immerhin mit gewissen Ansprüchen. Aber wie um Oeris Namen kommt die Stiftung dazu, Familie Wanner ein 2,5-Millionen-Darlehen zu geben, damit die nun auch nationale Werbekampagnen fahren können? Auf sechs präzise Fragen antwortet die Stiftung «zusammenfassend»: «Dieses Darlehen ist verzinst und mit einer festen Rückzahlverpflichtung verbunden. Es ist somit kein à fonds perdu-Förderbeitrag wie für Medienprojekte von gemeinnützigen Trägerschaften.»

Aha, aber wieso denn ausgerechnet für diese Schande des Journalismus? «Watson hat im Übrigen durchaus einen publizistischen Anspruch und unsere Wahrnehmung der Inhalte ist bei Weitem nicht so negativ wie Ihre Wahrnehmung. Wir möchten das nicht weiter kommentieren, sondern Sie für Fragen dazu wie auch zur finanziellen Situation der Familie Wanner an Watson bzw. an die Familie Wanner direkt verweisen.»

Aha, wir illustrieren kurz den journalistischen Anspruch:

Wahre Lebenshilfe und wahrer publizistischer Anspruch.

Die schnippische Empfehlung, sich an Familie Wanner zu wenden, brockte die Frage ein, wieso die Stiftung denn ausgerechnet einer nicht gerade am Hungertuch nagenden Verlegersippe von Multimillionären unter die Arme greifen will.

Ein Querschnitt aus dem darlehenswürdigen Angebot von «watson».

Bajour mit beachtlicher lokaler Bedeutung

Auch bei «bajour» hat die Stiftung ein ähnlich lockeres Verhältnis zur Realität wie «watson»: «Entgegen Ihrer Behauptung sind wir nie davon ausgegangen und war es nie das Ziel, dass bajour bereits nach drei Jahren selbstfinanzierend sein wird. Bajour hat nach etwas mehr als einem Jahr bereits eine ansehnliche Community und eine beachtliche lokale Bedeutung erlangt.»

In einem Jahr 2505 Zahler, Januar und Februar 2021 fehlen. Beachtliche Bedeutung?

Wie’s in Wirklichkeit aussieht, haben wir bereits umfangreich dargestellt. Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Stiftung überzeugt ist, dass «bajour» nach Auslaufen der dreijährigen Unterstützung mit insgesamt 3 Millionen Franken in der Lage sein wird, aus eigenen Kräften eine halbe Million einzunehmen (aktuell rund 100’000), damit die Stiftung mit einer weiteren halben Kiste das aufgeblasene Budget von aktuell über einer Million füttern wird.

Immerhin, die Chance, dass Wanners das Darlehen mit Zinsen und pünktlich zurückzahlen, ist entschieden höher als bei allen anderen Projekten der Stiftung. Wozu Wanners aber überhaupt ein solches Darlehen brauchen, wo man ihnen heutzutage im Negativzinsumfeld auch Geld nachwerfen würde, ist genauso unerfindlich wie die Entscheidungen dieser Stiftung. Ob Beatrice Oeri weiss, welcher Unfug hier getrieben wird?

 

 

 

Das Freundschaftsbuch von Matthias Ackeret

Rein kommt vor allem, wer bezahlt.

Ich war in der Schule immer das unbeliebteste Kind. Niemand wollte, dass ich ins Freundschaftsbuch mein Motto, meine Hobbys oder die Lieblingsfarbe eintrug. Dabei hätte ich einen schönen Spruch gehabt: «Mache es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur.»

Doktor Matthias Ackeret war vermutlich das beliebteste Kind ever. Seine Stimme ist der Hammer, sein schräg gelegter Kopf atemberaubend, seine Kolumnen göttlich.

Doktor Ackeret schreibt fleissig in die Freundschaftsbücher. Er ist Chefredaktor von persoenlich.com. Über Watson berichtete er im letzten Monat zum Beispiel fast täglich. Es ging um die welsche Ausgabe des Listicles-Portals «Watson». Zum Beispiel über Guillaume Asmanoff, der für die welsche Watson-Ausgabe die Nachtschicht in Shanghai übernimmt. Wie? Was? Wo? Echt?

Dass persoenlich.com so viel über «Watson» berichtet, hat natürlich einen einfachen Grund: Das Portal ist Werbekunde, was Doktor Ackeret auch einräumt. Im Grunde genommen gilt bei persoenlich.com die Faustregel: Berichtet wird über die Firmen, die auch zahlen. Ackeret sieht in der Anfrage von ZACKBUM.ch eine «Null-Story». Dass man bei Artikeln der Fairness halber erwähnen muss, dass ein Vertrag vorliegt, sieht er nicht ein.

Ackeret will vollumfänglich zitiert werden. Machen wir eigentlich nie, bei 88 Wörtern noch weniger als nie. Kompromiss: Wir drucken sie ab, aber mit der kleinsten Schriftgrösse, die wir haben:

«Ganz einfach: wir haben neun Mal über watson berichtet, weil es neun Mal etwas zu berichten gab (neue Werbekampagne, Start in der Romandie, Bekanntgabe des Teams etc). Das handhaben wir bei anderen Medien genau gleich. Zur Geschäftsbeziehung: watson ist Werbekunde bei uns (wie andere Medien auch). Die von Ihnen erwähnte Sonderausgabe entstand in Zusammenarbeit mit Comnimag.  Sie sehen auch hier nicht viel neues unter der Sonne: Wir haben in Vergangenheit für Wunderman Thompson, Serviceplan, Freddy Burger Management, Swisscom, SDA etc. Sonderpublikationen produziert und diese auch als solche ausgewiesen.»

 

Ein Schönwetter-Medientalk

Eigentlich wohltuend. Im aktuellen SRF-Medientalk sieht die Medienzukunft so rosig aus.

Zuerst einmal Pierre Ruetschi, Directeur Geneva Presse Club. Er jubiliert. 60 neue Journalisten-Stellen in der Romandie. Für ihn ist klar: Dank der Expansion von Blick.ch und Watson werde die Dominanz von Tamedia kleiner. Heute hat Tamedia (respektive die TX Group) 70 Prozent Marktanteil. Ruetschi fragt sich lediglich, ob Watson mit seinem humoristischen Ansatz zu recht komme mit dem welschen Humor. «Aber Watson hat ja Journalisten aus der Romandie angestellt, da sollte das schon klappen», findet Ruetschi.

Watson nach sieben Jahren erstmals ohne Verlust

Unklar bleibt beim Gespräch mit Salvador Atasoy, wie die Gratisportale ihre Expansion finanzieren sollen. Zumindest bei watson.ch ist nicht bekannt, wieviele Millionen Franken schon verlocht wurden. Da hilft auch die Beteuerung von Geschäftsführer Michael Wanner in der heutigen NZZaS  nicht weiter: «Wir können einen kleinen Gewinn  verbuchen».  2020 hat Watson nach sieben Jahren erstmals schwarze Zahlen geschrieben. Hauptgrund: Watson hat die Werbestrategie geändert. «Die Anzeigen auf Watson kommen wie News-Artikel daher», schreibt die NZZaS dazu. Dass Watson dafür die journalistische Kreativität der hauseigenen Journalisten anzapft, sei in der Branche aber hochumstritten.

Lausanne, nicht Genf

Doch zurück zum Medientalk, zurück zur Romandie. Bemerkenswert ist, dass beide neuen Portale ihren Sitz in Lausanne und nicht in Genf haben. Der interviewte Ruetschi ist ehemaliger Chefredaktor der «Tribune de Genève» (2006 bis 2018). Der Geneva Presse Club (Schweizer Presseclub) wurde 1997 gegründet, um ausländischen Journalisten während deren Genfer Aufenthalt einen Arbeitsplatz und die notwendigen Infrastrukturen anzubieten.

SRF- Netzwerk im Medientalk

Im zweiten Teil fragt Atasoy nach bei drei selbständigen Journalistinnen und Journalisten, welche Auswirkungen die Pandemie auf ihre Arbeit und Aufträge habe. Viel Sendezeit bekommt This Wachter mit seiner 2018 gegründeten Firma Audiostorylab. Das ist darum speziell, weil sich Wachter und Atasoy von SRF4 News her kennen. Wachter arbeitete lange dort, so wie Atasoy es heute noch tut. Wenn Wachter nun erzählt, dass er recht gut durch die Pandemie komme, hängt das auch mit seinen Auftragnehmern zusammen. Die in der Sendung aufgezählten Firmen sind grösstenteils Staats- und staatsnahe Betriebe. Also Betriebe, bei denen das Geld auch in der Krise weiterfliesst. Fairerweise muss man aber anerkennen, dass seine Podcasts, die man hier ausschnittweise anhören kann, saugut tönen.

Farbloses Kulturgespräch

Dann spricht Salvador Atasoy auch mit der freien Kulturjournalistin Anne-Sophie Scholl. Das merkwürdig farblose Gespräch umschifft alle Klippen der Kulturberichterstattung in der Schweiz. Man wird das Gefühl nicht los, dass hier ja niemand desavouiert werden soll. Das ist darum verständlich, weil die Abhängigkeit von den Redaktionen gross ist. Man hätte das Gespräch in dieser Form aber auch lassen können. Dabei gäbe es Kulturthemen en masse. Etwa die aussterbende Gattung der Konzertkritik. Oder die Besetzung des NZZ-Feuilletons mit einem nicht eben kulturaffinen «Manager».

Theile arbeitet für die Blickgruppe

Nun bekommt noch Charlotte Theile einige Sendeminuten. Theile kennt man, weil sie von 2014 bis 2018 als Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung aus der Schweiz berichtete. Sie produziert und moderiert den Podcast Breakup. Kürzlich hat sie zudem die «erste interdisziplinäre Storytelling-Agentur im deutschsprachigen Raum» mitbegründet: «Elephant Stories» heisst das Teil. Gegenüber Atasoy sagte die 33-Jährige, die Nachfrage sei sehrt gross. Momentan produziere man etwa für die Blickgruppe eine grössere Sache. Das ist darum interessant, weil Blick damit offensichtlich Kompetenz und Renommee einkaufen will. Sicher ist, dass Blick damit auf neue Zielgruppen aus ist. Jung, urban, gebildet. Nicht unbedingt das Klientel, das der Blick bis jetzt bediente.

Ein junges Frauenduo anstatt David Sieber

Und dann, ganz zum Schluss, ein halber Primeur:  Charlotte Theile übernimmt, zusammen mit Samantha Zaugg (26), die Chefredaktion des Branchenblatts «Schweizer Journalist». Die beiden teilen sich eine 50%-Stelle. Ob man damit noch ein ernst zu nehmendes Magazin machen kann, bleibt offen. Sicher ist: Es wird ein frischer Wind wehen nach dem eher glücklosen Agieren von David Sieber. Er wird noch die nächste Ausgabe verantworten mit dem Sonderthema: Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Dann übernehmen die jungen Frauen.

Hier der ganze SRF4-Medientalk.

Hilfe, mein Papagei onaniert III

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch.

Diesmal heben wir eine neue Kategorie aus der Taufe: Der Depp des Monats. Der erste Preisträger ist – Pascal Hollenstein. Die publizistische Leiter nach unten im Hause CH Media hat seinen Kampf für die Ehre von Jolanda Spiess-Hegglin zurzeit eingestellt. Auch sonst fällt ihm eigentlich nichts Bemerkenswertes ein. Ausser, Himmel hilf, er muss leider seinen Senf zur anstehenden Abstimmung abgeben.

Wir müssen’s, um Zweifel auszuschliessen, im Original zeigen:

Wir wollen auch Hollenstein nichts vorschreiben, aber …

Wem das etwas wirr vorkommt: Es ist wirr. Hollenstein bestreit hier etwas, was gar niemand behauptet oder fordert. Es ist schlichtweg eine Binsenweisheit, dass sich der Staat nicht in innere Glaubensangelegenheiten einzumischen hat. Richtig, verlangt keiner, Hollenstein zum Beispiel darf gerne und ungestraft glauben, dass er ein meinungsstarker Publizist sei.

Andere dürfen an die Bibel, den Koran, die Thora, die Schriften des Nostradamus und jeden anderen Quatsch glauben. Ist so, bleibt so, steht nicht zur Debatte, nicht zur Abstimmung. Was dann? Nun, da nimmt Hollenstein die ganz grosse Tröte hervor: «Rückfall ins Mittelalter», wenn’s passiert, wäre zu hoffen, dass es «ein einmaliger Betriebsunfall der Demokratie» sei. Den man aber besser gar nicht geschehen lasse:

Besser, er schriebe gar nicht.

Abgesehen davon, dass es um den Kampf gegen mittelalterliche Vorstellungen von der Frau als Objekt, Untertan, nur dem Ehemann verfügbares Stück Fleisch geht: Wenn sich – wie von Hollenstein befürchtet – die Mehrheit der Schweizer Stimmbürger im Rahmen ihrer demokratischen Rechte für eine legal und korrekt zustande gekommene Initiative entscheiden sollte, dann wäre das «ein bedeutungsloser Betriebsunfall»? Etwas, das sich «besser gar nicht ereignen» sollte? Weil es nicht der Ansicht von Hollenstein entspräche? Was für ein Undemokrat, was für ein Dummschwätzer.

Der Depp des Monats. Wobei er für seinen Nachfolger die Latte ganz schön hoch legt.

Die strenge Trennung von Content und Werbung

Sie wird aller Orten immer strenger. Beim «Blick»:

Wobei man sagen muss: immer noch besser als solcher Content:

Bei CH Media pflegt man gerne die bunte Mischung, ob quer oder hoch:

Bei Tamedia:

Bei der NZZ:

Bei «blue news» die sich immer noch hinter «Bluewin news» verstecken:

Bei «watson»:

Diese bunte Mischung von «Totes Kind im Keller» über «Lustige Tierbilder» bis «Gut gegen Food Waste» kriegt nur das Kachelmagazin hin.

Aber auch «20Minuten» ist für abwechslungsreiche Zusammenstellungen:

 

Sicher, steht doch deutlich «Inserat» drüber, oder «präsentiert von» drunter, da kann sich niemand vertun.