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Rohner ist der Grösste – Aussitzer aller Zeiten

Wenn der Hofpoet im Hoforgan den abtretenden König anhimmelt, wird’s schwummrig.

Martin Meyer war als langjähriger Feuilleton-Chef der NZZ ein Glücksfall für die Kultur. Vielleicht nicht vom Innovationsgeist eines Frank Schirrmacher angetrieben. Aber solid, belesen, gebildet, intelligent.

Eigentlich wäre er nicht abgeneigt gewesen, den Chefsessel der NZZ zu besteigen; das intellektuelle Rüstzeug hätte er gehabt. Aber da stand ihm einer in der Sonne, der es nicht hatte.

Er hat einen Ruf zu verlieren – und arbeitet dran

Wie auch immer, er ist pensioniert, aber weiterhin Vorsitzender des Publizistischen Ausschusses der NZZ. Also mit Einfluss ausgestattet, er hat auch weiterhin einen Ruf zu verlieren. Genau das versucht er leider mit einer Eloge auf den endlich abtretenden VR-Präsidenten der Credit Suisse. Meyer will in der «Weltwoche» aufzeigen, «was Wirtschaft und Kultur» Urs Rohner zu verdanken hätten.

Da die kürzeste Antwort ist: nicht viel, und mehr Schädliches als Nützliches, muss Meyer seinen feuilletonistischen Muskel anspannen, um den vielen schwarzen und roten Flecken auf der angeblich so «weissen Weste» (Selbsterkenntnis von Rohner) auszuweichen.

Vielleicht kann man Meyer zugutehalten, dass er es nicht so mit den Zahlen hat. Als Rohner 2011 die Führung der CS übernahm, habe die Bank die Stürme der Weltfinanzkrise relativ gut überstanden, sie «war und blieb stabil». Ach was, das drückte sich sicherlich darin aus, dass der Aktienkurs sich schon im ersten Amtsjahr von Rohner mehr als halbierte.

Rote Zahlen für die CS, schwarze für Rohner Bankkonto

Von da an ging’s meistens bergab. 2016 war dann das Meisterstück des «schnellen Analytikers», dessen «diplomatisch nachhaltiges Geschick brachte der Bank und ihrem Präsidenten vielerorts viel Anerkennung», fantasiert Meyer. In der realen Welt durchbrach in diesem Jahr die CS-Aktie zum ersten Mal die 10-Franken-Schwelle. Wer im Jahr 2000 CS-Aktien als sichere Wertanlage gekauft hatte, musste einen Absturz von über 73 Franken auf 9,68 hinnehmen.

Geht’s noch schlimmer? Aber locker. 2016 brachte ja nur einen Verlust von 27 Prozent in einem Jahr. Da geht noch was, sagte sich der schnelle Analytiker, 2018 schaffte er einen Jahresverlust von 37 Prozent. Das war gar nicht so einfach, denn der Anfangskurs lag bei niedrigen 17,57. Aber auch in seinem letzten vollen Amtsjahr wollte Rohner noch ein Zeichen setzen. Ist gelungen: Tiefstkurs 2020 sagenhafte 6,18 Franken.

Die grösste Busse aller Schweizer Banken kassiert

Über die gesamte Amtszeit der «deutlichen Persönlichkeit» Rohner durften sich die Besitzer der Bank über 40 Prozent ihrer Investition ans Bein streichen. Dabei haben wir noch gar nicht von seinem diplomatisch nachhaltigen Geschick gesprochen. Damit erreichte er insbesondere die Anerkennung der USA, die der CS die grösste Busse für eine Auslandbank aufbrummte. 2,6 Milliarden Franken, aber das war nur ein Teil der gesammelten Bussen, die die CS international unter der Führung des ehemaligen Chief Legal, also des juristischen Oberaufsehers, kassierte.

Das hatte Rohner mit einer Lex USA im Parlament verhindern wollen, die in Wirklichkeit eine Lex CS gewesen wäre. Aber auch damit scheiterte er. Und dabei haben wir noch gar nicht von seiner Personalpolitik gesprochen. Nach dem bonusgierigen Dougan der schlichtweg überforderte Thiam, eine weitere Spitzenleistung Rohners. Von der Anstellung bis zur Entlassung.

Meyer stimmt das hohe C an

Aber die Kultur, Rohners «Begeisterung für Musik, Literatur (Dürrenmatt, Frisch)», da ist Meyer in seinem Element und stimmt das hohe C an: «So entwickelte sich das Kombinat Nadja Schildknecht /Urs Rohner mit dem Zurich Film Festival zum Glücksfall weit über die Zwinglistadt hinaus. Glamour, ja, und Welthaltigkeit.»

Sozialistisches Kombinat, Welthaltigkeit. Welch merkwürdige Wörter. Aber sei’s drum. Eigentlich wäre die Aufgabe eines VR-Präsidenten, der in seiner Amtszeit Multimillionen verdiente, Werthaltigkeit zu garantieren. Wertschöpfung zu betreiben. Aber schwarze Zahlen auf der weissen Weste gab es nur auf seinem Privatkonto. Während die Teppichetage sich ungeniert bediente, die Aktionäre geschröpft wurden und die Mitarbeiter verunsichert.

Legen wir nachsichtig den Schleier des Vergessens über Rohner und über diesen peinlichen Ausrutscher von Meyer. Im Gegensatz zum Adressaten seiner Jubelarie hat Meyer immerhin etwas geleistet in seinem Leben.

 

Ex-Press VI

Blasen aus dem Mediensumpf

 

Da kann dann nichts schiefgehen

Endlich hat Zürich wieder etwas Glamour. Wir begrüssen das Zurich Film Festival in dieser Blütenlese des Sumpfsinns.

Alle guten Kräfte sind versammelt. Alain Berset setzt sich den Hut als Kulturminister auf. «Natürlich kommt auch Daniel Koch», verrät Direktor Christoph Jungen persoenlich.com. Die Fragen wurden vorsichtshalber schriftlich gestellt, man will ja jede Ansteckung vermeiden.

Was uns allerdings mehr als die Starparade oder die Rede des Bundesrats interessiert: Trinkt Koch wieder ein Corona? Stürzt er sich in den Zürichsee?

Oder nein, das ist’s: er wird die Verfilmung seines Lebens ankündigen. Max Schreck ist für die Titelrolle vorgesehen.

Die Klimajugend, die Schlingel

«Für die Besetzer war die Räumung bei Regen hart», barmt CH Media, aber die sonst so bekenntnisfreudigen linken Nationalräte wurden offenbar auf dem falschen Fuss erwischt. Ob die den Besetzern des Bundeshausplatzes den Schutz ihrer parlamentarischen Immunität gewähren würden? «Wenn es terminlich passt, ja», berichtet CH Media. Das ist grossartig; Klimarettung ja, aber nur, wenn es zwischen «Hasta siempre» grölen und dem Verfassen einer Solidaritätsadresse für Venezuela reinpasst.

Verblüffendes vermelden auch die Blätter aus dem Hause Tamedia: «Auf die Besetzung des Bundesplatzes waren wir und auch die Polizei eindeutig nicht vorbereitet», behauptet dort der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried. Ohne rot zu werden. Dabei hätte er sich nur bei der Medienmeute erkundigen müssen, wann’s denn nun losgeht.

Wenn schon keine richtige Beteiligung der SP-Linken am Happening, dann wenigstens klare Worte, was die Medien tun sollen und was nicht: «Vorher habt ihr den huere fucking Glarner, who cares, gefilmt, statt die Forderungen der Jugendlichen», schimpfte SP-Nationalrätin Jacqueline Badran ins Mikrophon von «Echo der Zeit».

Auf jeden Fall zeigen die Leitmedien, dass sie einer illegalen Besetzung viel mehr Sympathie entgegenbringen als einer legalen Demonstration. Kommt halt immer aufs Thema an.

Schon wieder ein Corona-Opfer

Der Job fordert offenbar das Letzte ab, er fordert zu viel. Schon Mr. Corona Daniel Koch verabschiedete sich mitten in der Krise in die Pension. Und musste ein kühlendes Bad in der Aare nehmen. Darauf übernahm mit Stefan Kuster ein genauso unrasierter, aber viel jugendlicher wirkender Beamter, die Position des Sprechers des Bundesamts für Gesundheit.

Aber obwohl er nur watteweiche Allgemeinplätze parat hatte, war der Job offenbar zu hart für ihn. Spätestens am 1. Dezember wird er seine Position aufgeben, bestätigt das BAG Informationen des «Blick». Verständlich irgendwie, bald kommt die Weihnachtszeit, Geschenke kaufen, Baum schmücken, da muss der Beamte Prioritäten setzen.

Wie man ein Gerücht am Leben erhält

Der muntere Finanzblog «Inside Paradeplatz» hatte mal wieder die Nase vorn: Er vermeldete Gespräche der beiden VR-Präsidenten von UBS und Credit Suisse über eine mögliche Fusion. Darauf fand das Gerücht natürlich den Weg in die Leitmedien und wurde fleissig kommentiert, analysiert, Fachmeinungen eingeholt, weitere Gerüchte dazugestellt.

Im Prinzip wäre das vielleicht auch keine schlechte Idee, nachdem beide VR-Präsidenten unter kräftiger Mithilfe der Geschäftsleitungen beide Banken so geschrumpft haben, dass zum Beispiel die CS locker mit einem Jahresgewinn einer US-Bank aufgekauft werden könnte, dermassen ist sie zu Schanden geritten.

Gibt’s was Neues? Aber sicher, während eines Gerüchts ist nach einem Gerücht. Die «Bilanz» verbreitet nun das Gerücht, dass die Fusionsgespräche «ruhen». Was via Reuters oder andere Agenturen wieder den Weg in die Leitmedien findet.

Das ist wirklich kreativer Journalismus. Weder die UBS noch die CS haben bislang solche Gespräche bestätigt, noch viel weniger deren Abbruch. Aber wenn das Gerücht schon mal in der Welt ist, dann muss es natürlich auch wieder aus der Welt. Woher hat denn nun die «Bilanz» diese brandheisse News? Ach so, sie beruft sich auf «zwei Insider». Ob das wohl Axel Weber und Urs Rohner persönlich waren?