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Was macht eigentlich …

Christophe Rasch? Man erinnert sich: CNN Money Switzerland. Riesensprüche, Riesenschaden.

Rasch ist offensichtlich ein erfahrener Bruchpilot. Seine Werbebude MediaGo hält ihn soweit über Wasser. Und die Tatsache, dass er sorgfältig darauf achtet, ja keine persönlichen Verpflichtungen oder Haftbarkeiten einzugehen.

So überlebt er eine Bruchlandung nach der anderen. Da wäre «La Télé», einen welschen Regionalsender wollte Rasch zum nationalen TV-Medium ausbauen. Think big, «das Fernsehen neu erfinden», das war schon immer die Welt von Rasch. Und mit der grossen Kelle anrichten.

Obwohl «La Télé» ursprünglich nur eine Konzession für Waadt und Freiburg verfügte, musste es ein Headquarter in Genf sein. 2009 ging’s los, fünf Jahre später klaffte ein Loch von 1,5 Millionen in der Bilanz. Unfreiwilliger Abgang Rasch.

Grosse Versuche, grosses Scheitern, grösser versuchen

Ebenfalls früh hatte er seine Vorliebe für englischsprachiges Randgruppenprogramm entwickelt. Das äusserte sich in der Webseite «Swisster». Schöner Slogan: «Local news. Global views». Auch hier spuckte Rasch grosse Töne, heute ist Swisster nur noch im Webarchiv aufzufinden. Sie erreichte nie genügend Einnahmen, um den Betrieb zu finanzieren.

Versuch’s gross, scheitere gross, versuch’s grösser. Nach diesem Motto setzte Rasch dann zu seiner bislang grössten Bruchlandung an. Er kaufte sich die Lizenz für CNN Money Switzerland. Dem Vernehmen nach für eine satte Million im Jahr. Klotzen, nicht kleckern, war hier die Devise. Modernste Studiotechnik in Zürich, bekannte Gesichter als Ankorwomen wie Martina Fuchs, begabte Wirtschaftsjournalisten im Hintergrund, Urs Gredig als Chefredaktor und Aushängeschild.

Schon wieder wollte Rasch das Fernsehen neu erfinden, Englisch sei die einzige Sprache, die im Geschäftsleben zähle, das werde ein Riesending. Es wurde ein Riesenflop. Einschaltquote unter der Messgrenze, Werbung kaum vorhanden, andere Einnahmen auch nicht. In den 32 Monaten Sendung, bei denen wohl häufig etwa gleichviele Zuschauer im Studio wie ausserhalb sassen, verröstete Rasch mal schnell schätzungsweise 20 Millionen Franken.

Suspekte Financiers aus Asien und Dubai

Woher hatte er denn die ganze Kohle? Nun, da gab es zwei Brüder in Bangladesh, die angeblich wahnsinnig daran interessiert waren, aus lauteren und seriösen Gründen ein Start-up in der Schweiz zu finanzieren. Nachdem das, wie bei Rasch üblich, viel weniger Einnahmen, dafür viel mehr Ausgaben generierte, als im Businessplan vorgesehen, kam noch ein dritter Investor aus Dubai an Bord.

Die Probleme spitzten sich zu, als im Mai letzten Jahres bekannt wurde, dass die beiden Brüder sich nach Thailand abgesetzt hatten, um einer Verhaftung zu entgehen. Sie sollen einen Banker mit dem Tod bedroht haben. Das liess doch erste Zweifel an ihrer Seriosität aufkommen, ausserdem hatten sie nun andere Probleme, als weiterhin Geld bei Rasch zu verlochen.

Zuerst schöne Sommerferien, dann Stecker raus

Der gönnte sich noch luxuriöse Sommerferien, um danach schlagartig den Stecker bei CNN Money Switzerland rauszuziehen. Die mit Pomp und Rasch durchgeführte Eröffnung des  zweiten Studios in der Westschweiz fand bereits ohne die Mitarbeiter von CNN Money Switzerland statt.

Am härtesten traf es Patrizia Laeri, die noch im Frühling als Nachfolgerin für Gredig angekündigt wurde, der rechtzeitig, wie auch Fuchs, Lunte gerochen und sich abgeseilt hatte. Sie trat ihre Stelle am 1. Juli an, wurde wie alle anderen im August gefeuert und bekam wie alle anderen kein Gehalt mehr.

Damit aber nicht genug; wie der «Tages-Anzeiger» enthüllte, verabschiedete sich Rasch auch mit unbezahlten Rechnungen bei der AHV und der Pensionskasse. Laut Betreibungsauszug handelt es sich um insgesamt knapp 200’000 Franken. Das ist so ziemlich das Letzte, was eine Firma machen sollte, denn nach dem Konkurs kann das dazu führen, dass die versicherten Arbeitnehmer Einbussen in der Rente erleiden werden. Und wer möchte schon monatlich die Quittung sehen, dass der Arbeitgeber die Beiträge auch überwiesen hat.

Konkursverschleppung, strafbare Handlungen? Das Verfahren schleppt sich hin

Aber auch bei solchen Schweinereien ist es in der Schweiz eher aussichtslos, auf den Veraltungsrat oder die Geschäftsleitung Regress zu nehmen. Und Rasch? Der sagte, dass er bis zum Abschluss des Konkursverfahrens nichts sage, alles mit rechten Dingen zugegangen sei, man gut unterwegs war, aber dann kam Corona, das war natürlich unvorhersehbar.

Angeblich mit 20 Prozent soll Rasch über seine MediaGo an dem gescheiterten Sendeexperiment beteiligt gewesen sein.  Ob und wann er allenfalls seine Schäfchen ins Trockene brachte, ob es sich um einen klassischen Fall von Konkursverschleppung handelt, ob andere strafbare Handlungen vorliegen, man könnte an Geldwäsche denken, das werden die langsam mahlenden Mühlen der Schweizer Justiz aufzudecken versuchen.

«Wir schaffen Ihren Erfolg» – aber nicht unseren

Auf jeden Fall grinst Rasch immer noch fröhlich als Gründer, Mitglied des VR und CEO von der Webseite der MediaGo. Der Werbespruch auf der Homepage ist allerdings an unfreiwilliger Komik kaum zu übertreffen: «Wir schaffen Ihren Erfolg mit ansprechenden Inhalten und effektivem digitalem Marketing.» Ein echter Brüller zum Tränenlachen.

Nur nicht für die geprellten 25 Mitarbeiter, die wie bei jedem Start-up alles gaben, dann noch auf den sozialen Medien die Angeberfotos von Raschs Urlaub anschauen durften, um dann kurz spitz auf die Strasse gestellt zu werden. Ohne Sozialplan, ohne Ankündigung, ohne nichts.

 

Ariensänger Gredig

Urs Gredigs Defizite als Gastgeber sind unübersehbar und schmerzlich.

Gredig hat von Schawinski eigentlich fast alles übernommen: Den Sendeplatz, das Konzept und wahrscheinlich auch das Plexiglas. Dass er jetzt auch die Gästeliste seines Vorgängers übernimmt, ist aber neu. Am Donnerstag kam Emil Steinberger in seine Talkshow. Vor acht Jahren war der schon bei Schawinski zu Besuch.

Die Unterschiede der beiden Talks sind riesig und decken einmal mehr auf, dass Gredig der falsche Mann am falschen Platz ist. Sogar bei einem so leichten Gast wie Emil, der zudem hilfsbereit ist, kommt keine Spannung auf. Es ist nur Gelaber, nichts Neues, alles nur Tofu. Gredigs Defizite als Gastgeber deuten sich schon in der ersten Sendeminute an. Er stellt Emil vor und zwar so:

Mein Gast heute ist eine Cabaret-Legende, der Emil Steinberger, guten Abend. (Emil: )Grüezi, Herr Gredig. Sie sind ein bisschen zusammengezuckt bei dem Wort «Legende». Aber ich glaube, für einmal kann man das Wort hier benutzen. (Emil:) Sie haben es schon gemerkt. Ein kleines Zucken habe ich gespürt. Sie haben Generationen von Schweizerinnen und Schweizer geprägt mit Ihren Stücken, mit Ihren Figuren, Sie sind seit Jahrzehnten auf der Bühne. Viele Ihrer Sketches sind als Kulturgut äh übergegangen. Sie sind mit 87 Jahren noch jetzt auf der Bühne, sie spielen vor vollen Rängen usw.

Emil fühlt sich sichtlich unwohl bei so viel Schlagrahm. Schawinski machte es so:

Ein ganz spezieller Gast, der grösste Schweizer Kabarettist von allen Zeiten. Das ist klar. Emil Steinberger, danke, dass du gekommen bist. (Emil: ) Ich zweifle immer bei diesen Worten. Da denke ich an Rasser, Walter Morath, die hast du wahrscheinlich gar nicht gekannt. Ich habe die alle gekannt, aber lassen wir das so stehen.

Wir wollen hier keine Exegese betreiben. Aber beide Einstiege prägen den weiteren Verlauf. Schawinski lobt seinen Gast, aber nicht über den Klee. Das Gespräch hat natürlich auch seine Hänger, insgesamt ist es aber ein vergnügliches Ping-Pong zweier älterer Männer.

Man kann vom Kamikaze-Stil Schawinski halten, was man will, aber …

Gredig? Verschmiert Honig, ähnlich wie meine Tochter, wenn sie länger im Ausgang bleiben möchte. Und Gredig begeht später zweimal den gleichen Fehler, fragt Steinberger nämlich um ein Urteil über andere Kabarettisten. Wer Erfahrung hat, oder sich gut vorbereitet, der weiss: Emil macht alles mit, aber bös über Berufskollegen reden? Never. Irgendwann rafft das aber auch Gredig: «Sie sind sehr diplomatisch» – und stellt gleich die nächste blöde Frage.

Dafür lässt er ihn minutenlang reden. Rekord sind 93 Sekunden (11:37 – 13:10). Man kann vom Kamikaze-Stil von Schawinski halten, was man will. Aber wer so spät in der Nacht, einen 87-Jährigen – mit all seinen Meriten – endlos labern lässt, hat von Entertainment wenig verstanden.

Gredig hat nun in den letzten vier Sendungen nur Kabarettisten eingeladen: Emil, Lisa Eckhart, Ursus & Nadeschkin und Daniel Koch. Wie geht es weiter? Mit Guschti Brösmeli, Pingu und Papa Moll?

Gredig wäre gut beraten, seinen Vorgänger einmal einzuladen. Zwecks Nachhilfe. Den müsste man aber noch entschiedener ins Wort fallen als Emil. Ob das Gredig schafft?

Urs äh Gredig

Was findet Wappler an dem so toll?

Es wird leider nicht besser mit «Gredig Direkt». Das muss man jetzt endlich einmal konstatieren. Jüngstes Beispiel ist das Gespräch mit Lisa Eckhart vom Donnerstag. Die Kabarettistin ist vor allem dadurch bekannt geworden, weil sie «antisemitische Klischees bedient», wie man es so schön ausdrückt. In Deutschland hat sie deswegen Auftrittsverbote erhalten. Schlimmer als diese Vorwürfe ist der Tatbestand, dass Eckhart nicht lustig ist.

Eckhart kann aber schnell und verschachtelt reden. Das hat sie mit Andreas Thiel gemein, der auch nicht lustig ist. Wer nicht vorbereitet ist, wer keinen Bildungsrucksack besitzt, wer einfach langsam ist im Oberstübchen, hat gegen Eckhart keine Chance.

Bei Gredig ist die Frage schon geklärt, ob er ihr gewachsen ist. Die andere Frage ist, ob er wenigstens «direkt» reden kann. Ein äh kleines Müster-ähm-chen:

«Äh die Frage nach dem äh nach äh nach dem frischen äh äh was äh was ertragen Sie mit Humor äh ist es vielleicht das das Sie alle analysieren wollen?»

Entweder ist Gredig furchtbar nervös oder der deutschen Sprache nicht ganz mächtig. Dass er vor einer Frau stottert, die immerhin aussieht wie eine flachbrüstige Sharon Stone, ist nachvollziehbar. Der Umfang seines Wortschatzes aber gibt mehr zu denken:

«Es war in der Mitte dieser Metoo-äh-Diskussion und es ging um Hollywood-Prominenz jüdischer Provenienz.»

Urs Gredig mangelt es an Schärfe, an rhetorischer Brillanz, am Sprachvermögen und an Härte. SRF muss sich langsam die Frage stellen, warum sie in den letzten 20 Jahren keinen Talkmaster heranziehen konnte, der einer jungen, gescheiten Frau Paroli bieten kann. Die Vorwürfe gegenüber Eckhart hat das deutsche Feuilleton bereits gestellt. Gredig hätte sie auch ganz einfach ablesen können; das sollte er noch hinkriegen. Es ist gänzlich unverständlich, warum Gredig weiterhin Menschen interviewen darf, die ihm haushoch überlegen sind.