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Gerüchte über CH Media

Die Medienstelle in Aarau weiss aber immer eine konzerngenehme Antwort.

Stefan Heini, Leiter Unternehmenskommunikation CH Media, hat seinen Laden kommunikativ im Griff. Gerüchte rund um die Verlagsnummer vier der Schweiz kontert er virtuos. Und weil der Interviewer dann doch kein richtiger Insider ist, müssen sich die ZACKBUM-Leserinnen und -Leser selber ein Urteil bilden. Dabei wird sich viel erzählt unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von CH Media. Mehrarbeit bei gleichem Lohn, vermehrtes Schreiben und Korrigieren durch die Redaktoren, wirre Zügelaktionen von A nach B und miese Löhne für das nach Bosnien ausgelagerte Korrektorat. Die Fragestellungen erfolgten schriftlich.

Herr Heini, stimmt es, dass ab 1.1.2021 alle Mitarbeitenden der CH Media jeden Arbeitstag eine halbe Stunde mehr arbeiten müssen zu gleichem Lohn? Gilt das für alle gut 1600 Mitarbeitenden an allen Standorten? Wie lange gilt die Massnahmen? Wieviele Angestellte werden in Zusammenhang mit dieser Aufstockung entlassen?

Frage 1 (und damit 1-4) kann ich gerne gleich beantworten. Die Antwort darauf lautet nein.

Nur dass da keine Wortklaubereien entstehen. Könnte es aber sein, dass ein Teil der Angestellten ab 1.1.2021 mehr arbeiten muss zu gleichem Lohn? Oder wurde die Arbeitszeitaufstockung früher eingeführt? Können Sie zudem sagen, was diese Mehrarbeit für personelle Konsequenzen hat? 

Es handelt sich nicht um Wortklaubereien: Per 1.1.2021 ändert sich diesbezüglich gar nichts. Sie beziehen sich vermutlich auf die Einführung einer 42-Stunden-Woche für alle Mitarbeitenden von CH Media respektive der Harmonisierung der Wochenarbeitszeit im Rahmen der Zusammenführung von AZ Medien und NZZ-Regionalmedien. Diese ist bereits vor einem Jahr passiert (Einführung per 1.1.2020) und hatte die Erhöhung der Wochenarbeitszeit für die Ex-Mitarbeitenden von NZZ Regionalmedien von 40 auf 42  Wochenarbeitsstunden zur Folge. Dieser Schritt diente der Harmonisierung innerhalb der Gruppe und war nicht das Resultat einer Rechnung «wir erhöhen die Stunden hier und bauen deshalb x Stellen ab». Dass die Harmonisierung in Zeiten einer gravierenden, strukturellen Medienkrise nach oben erfolgte und nicht nach unten, ist hoffentlich nachvollziehbar.

Themenwechsel: Seit wann ist die CH Media nicht mehr in Kurzarbeit?

Seit September.

Und auf wann zügelt Radio Argovia von der Bahnhofstrasse ins Telliquartier in den Hauptsitz?

Der Umbau wird im Frühling 2021 fertiggestellt. Der Sendestart am neuen Standort ist ebenfalls auf Frühling 2021 geplant.

Ab wann senden Radio 24 und Tele Züri aus Zürich-Oerlikon anstatt aus dem Steinfelsareal und von der Limmatstrasse aus?

Radio 24 und TeleZüri werden den Sendebetrieb am neuen Standort in Oerlikon voraussichtlich im vierten Quartal 2021 aufnehmen.

Behält Tele M1 eigene Studios oder wird auch nach Oerlikon gezügelt?

Die Studios von Tele M1 bleiben am aktuellen Standort in Aarau.

Das Korrektorat von CH Media ist gemäss Medienberichten grösstenteils nach Bosnien ausgelagert. Stimmt es, dass immer mehr Redaktoren in Aarau nun selber korrigieren müssen?

Nein.

Welchen ausbezahlten Lohn auf die Stunde haben die KorrektorInnen in Bosnien?

Das müssen Sie Tool-e-Byte fragen.

Das werden wir tun, aber erst nächstes Jahr.

AZ Nordwestschweiz halbiert Digitalabo-Preise

Die Zeitungen der AZ Nordwestschweiz kosten digital bald viel weniger.

15 statt gut 30 Franken soll das Digitalabo der AZ Nordwestschweiz-Zeitungen künftig kosten. Dies stellte Chefredaktor Patrik Müller im Doppelpunkt-Interview mit Roger Schawinski vom Sonntag in Aussicht. Aufs Jahr umgerechnet könne man von einer Preissenkung von jetzt gegen 500 auf 200 Franken ausgehen, sagte Müller. Die Werbe-Kampagne solle noch im November starten. Zum erwähnten Zeitungsverbund gehören die Aargauer Zeitung, die Limmattaler Zeitung, die Solothurner Zeitung, das Grenchner Tagblatt und die Basellandschaftliche Zeitung sowie die Partnertitel Oltner Tagblatt und Zofinger Tagblatt.

Leser- statt werbefinanziert

Sonst brachte das Interview auf Radio 1 wenig Neues. Beim Inseratevolumen sei der Rückgang ausser bei der Reisebranche nicht so dramatisch wie befürchtet. Trotzdem kippe der Verteilschlüssel der Einnahmen von 2 Franken von der Werbung und 1 Franken von den Abonnenten ins Gegenteil. Sprich: «Wir werden je länger je mehr leserfinanziert», so Müller. Zur 2018 erfolgten Fusion AZ Medien und NZZ-Landzeitungen konnte Schawinski nicht viel aus Müller herausquetschen. «Da musst Du den CEO oder Herrn Wanner fragen», blieb Müller merkwürdig einsilbig. Oft aber auch erfrischend cool. Etwa, als Schawinski sich sehr herablassend über den für Schawinski unerklärlichen Standort der Zentralredaktion von CH Media im Telliquartier in Aarau äusserte.Unklar bleibt also, warum die NZZ nicht mehr auf eigene Rechte pochte bei der Standortfrage.

Speziell erwähnenswert noch Müllers Einschätzung der eigenen TV-Sender als «Unterhaltung». Ob das die Verantwortlichen von Tele Züri, Tele Bärn und Tele M1 gerne hören? Die Berichte aus Bundesbern sind jedenfalls von erstaunlich hoher Qualität.

Die ganze Sendung vom 1. November 2020 gibt’s hier zu hören.

In einer ersten Version schrieb der Autor von Tele 24. Das ist natürlich falsch. Er meinte Tele Züri.