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Der neue Boulevard-Tagi

Der «Blick» will seriös und anständig werden. Also Selbstmord begehen. Der Tagi will es krachen lassen und voll Rohr Boulevard machen. Doppelselbstmord.

Der tragische Fall eines Menschen, der vor der Zwangsräumung seines Hauses am Zürichberg es lieber anzündete und sich umbrachte, war der erste klare Test. Der «Blick» behandelte das mit einer Sensibilität, wie sie bei der NZZ nicht viel grösser sein könnte.

Der Tagi, damit Tamedia, liess es aber richtig krachen. Hintergründe, Ursachen, Porträt der Person, der letzte echte «Blick»-Chefredaktor Peter Uebersax wäre stolz auf den Tagi gewesen. Übrigens war das eine schillernde Persönlichkeit, aufgewachsen in Hamburg und Moskau, studierte Physik, war zweimal Chefredaktor des «Blick».

Kein Schluck Wasser wie die Schwiegermutterträume Müller, Dorer und Rutishauser. Die ja nur noch Erbsenzähler, Schönschwätzer, Motivatoren und möglichst geräuschlose Scharfrichter bei Entlassungsrunden sein müssen. Da fehlt dann nicht nur der Gestaltungswille, auch der Überblick. Nur so ist das Phänomen Claudia Blumer bei Tamedia zu erklären.

Rutishausers Kernkompetenz ist unbestreitbar die Wirtschaft, wo er einen Primeur nach dem anderen während des Swissair-Debakels raushaute. Aber schon länger vorbei. Nun probiert sich auch die Wirtschaftszentralredaktion von Tamedia mit Klamauk und Tollerei. Dabei ist aber das Problem: «Blick» hatte schon so viel Zeit zum Üben. Bei Tamedia ist das alles neu. Also erscheint dieser Nonsens:

Ein Auftritt, 4 Milliarden Treffer: das kann nur Ronaldo. Im Tagi.

Echt jetzt? Ronaldo umtribbelt zwei Cola-Flaschen bei einer Pressekonferenz, und schon rauscht der Börsenwert des Brauseherstellers um 4 Milliarden in die Tiefe? Oder wie das der frischgebackene Tagi-Boulevardjournalist in die Tasten haut:

«Stattdessen hob Ronaldo eine Flasche Wasser in die Höhe und sprach auf Portugiesisch «Wasser» in die Mikrofone. Anwesende Journalisten deuteten das als Aufforderung, Wasser statt zuckerhaltige Getränke zu trinken.»

Zuvor hatte der Fussballgott «demonstrativ» zwei Cola-Flaschen vom «Podium weggeräumt». Und dann den Ball ins Tor, nein, doch nicht. Da vergisst der von diesen Gesten animierte Tagi-Schreiber glatt die unschönen Missbrauchs-Vorwürfe gegen Ronaldo, über die auch Tamedia in voller #metoo-Erregung berichtet hatte. Aber he, das ist fast drei Jahre her, wer hat denn auch so ein Gedächtnis.

Wenn die Wirtschaft zur Schnellbrause wird

Ausserdem ist Jon Mettler anscheinend Wirtschafts-Journalist. Aber gut, im Impressum des «Tages-Anzeiger» steht auch immer noch Dominik Feusi als Redaktor Wirtschaft, obwohl der inzwischen unter Ausschluss der Öffentlichkeit beim «Nebelspalter» tätig ist.

Zurück zu Wirtschaft, Börse, Einmaleins, Herstellung von Brüllern. Der «Blick» hat gerade 24 verschwundene Milliarden aufgespürt. Da kann der Tagi doch nicht nachstehen. «Kursverlust von 1,6 Prozent» bei der braunen Brause, das mag «auf den ersten Blick wenig erscheinen», doziert Mettler, aber er durchschaut das: «Tatsächlich musste Coca-Cola aber damit einen Verlust des Börsenwerts von 4 Milliarden Dollar hinnehmen.»

Sapperlot, hat der Konzern das überlebt? Knapp, denn Mettler gibt Entwarnung und zitiert, das kann er nämlich auch: «Den Spielern wird bei der Ankunft auf unseren Pressekonferenzen neben Coca-Cola und Coca-Cola Zero Sugar auch Wasser angeboten.» Vielleicht sogar, ob das Mettler wohl weiss, Valser Mineralwasser. Ja, das gehört auch zu Coca-Cola, insgesamt mit 15 Marken ist der Konzern hierzulande präsent. Aber vielleicht würde das doch zu weit und zu tief führen, für eine schnelle Nummer in der Wirtschaft.

Dann nehmen wir doch einen kräftigen Schluck irgendwas und rüsten Mettler etwas nach. Ronaldo räumt zwei Cola-Flaschen weg und greift stattdessen zu einer Cola-Wasserflasche. Darauf bricht der Verkauf der braunen Brühe stark ein, das führt an der Börse zu Panikverkäufen und Kurseinbruch. Damit misst sich bekanntlich die Erfolgsrechnung einer Firma, ihr Gewinn, ihr Ertrag. Also die schwarze Zahl, die irgendwo steht.

 

Wie ein Blick in die Statistik zeigt (was das ist, erklären wir das nächste Mal), ist der Jahresgewinn durchaus volatil, aber erfreulich. Daran wird auch das Kohlensäure-Bläschen von Mettler nichts ändern, das er da geblubbert hat. Dass der Tagi dafür aber tatsächlich noch Geld verlangt, das würde Ronaldo gar nicht gefallen.

Echte Probleme hat sich der Konzern hingegen hiermit eingehandelt:

Na und? Nicht in Ungarn, dort jaulen die kirchlich Konservativen auf.

Daher ein Vorschlag zur Güte, mit dem alle leben können. Ronaldo, der zwar Cola-Flaschen weggeräumt, aber nichts dagegen hat, dass die Brause die Fussball-EM als Hauptsponsor unterstützt. Mettler, der zwar in der Wirtschaftsredaktion aufgeführt ist, aber vielleicht häufiger eine Gartenwirtschaft aufsuchen sollte, statt Nonsens zu schreiben. Und alle erregten Geister, die angesichts des nahenden Sommerlochs (was tun ohne Corona?) dem Leser dafür Geld abfordern, damit er sich quälen lässt: enjoy.

Taste the Feeling. Feel the Taste. Sprudel dir eins. Sieh doppelt. Tasting the Feel. Oder so.

Aufatmen bei Tamedia: Abgang Blumer

Eine weitere Mitunterzeichnerin des Tamedia-Protestschreibens geht. Aber nicht weit. Leider.

Claudia Blumer hat einen der Tiefpunkte des Journalismus im Hause Tamedia zu verantworten. In einer völlig einseitigen, sich nur auf die Aussagen eines Beteiligten abstützenden Reportage nahm sie Partei in einem hochemotional geführten Trennungsstreit.

Daraus entstand ein Artikel, der in jeder Journalistenausbildung als Paradebeispiel verwendet werden kann. Es ist alles drin, was man nicht machen darf, wenn man seriös und nach den Regeln der Zunft arbeiten will.

ZACKBUM hat den ganzen Skandal aufgearbeitet. Reaktion aller Beteiligten (die im Gegensatz zur Methode Blumer Gelegenheit zur Stellungnahme bekamen): null. Ausser ein so ausführliches wie lachhaftes Schreiben der Rechtsabteilung von Tamedia, das die Korrektur von Dutzenden von Details forderte. Völlig unsubstantiiert und ohne Belege; daher unterblieb es natürlich. Weitere Reaktion des Hauses: null.

Wer sich mit Reichen und Mächtigen anlegt …

Nun ist es nicht so, dass jemand wie Blumer, obwohl sie die Unterstützung und Zuneigung des Patriarchen des Bindella-Clans hinter sich weiss, ohne jegliche Folgen dermassen unanständig, unprofessionell und schändlich falschberichten dürfte. Die Betroffene versuchte zuerst, innerhalb von Tamedia eine dringend nötige Richtigstellung zu erreichen.

Sie wurde zum Ombudsmann verwiesen, der dann seines Amtes waltete. Als Ombudsmann von Tamedia, nicht der Leser oder von der Berichterstattung Betroffenen. Er sah in dem nachgewiesenermassen faktisch falschen, einseitigen, unprofessionellen Bericht Blumers kein Problem.

Inzwischen wurde Blumer in allen Ehren beim Tagi verabschiedet. Ihr letzter Kommentar, wie passend, dreht sich um die Erschwerung der kritischen Berichterstattung durch den Ständerat. Der will die Hürde niedrigerlegen, wie das Erscheinen eines belegt einen Skandal aufdeckenden Artikels verhindert werden kann. Blumer vermutet, dass die «chambre de réflexion» die Gelegenheit beim Schopf ergriffen habe, «den Journalisten eins auszuwischen».

Wie gut, dass Blumer bei «20 Minuten» weder Reportagen noch Kommentare schreiben darf. Denn auch in ihrem letzten Stück liegt sie völlig falsch. Es ging nicht darum, dass das Stöckli den Journalisten eins auswischen wollte. Sondern darum, Mächtigen und Reichen besseren Schutz vor unbotmässiger Kritik zu verschaffen. Also zum Beispiel eine Recherche über die Anstellungsbedingungen im Bindella-Imperium.

Aber item, solche peinlichen Kommentare fallen weg. Schnell war Blumer  –Mitunterzeichnerin des Protestschreibens – als Untersuchungsrichterin ein- und dann wieder abgesetzt worden. Zur «Ansprechperson» degradiert und nun zu «20 Minuten» abgeschoben, wo sich keine einzige Frau über angeblich sexistisch-diskriminierende Arbeitsbedingungen beschwerte. Blumer eigentlich auch nicht, sie selbst habe nie so etwas erlebt, gestand sie in Roger Schawinskis «Doppelpunkt», sie habe aus Solidarität unterzeichnet. Weil es doch nicht ginge, so mit Menschen umzugehen. Den Talkmaster hingegen als «ausgedienten Pitbull» zu beschimpfen, wie es Blumer bei Gelegenheit tat, das geht.

Alle Versuche zur gütlichen Einigung scheiterten

Als Restanz ihres unseligen Wirkens bleibt noch der Schandartikel. Nachdem alle Versuche scheiterten, zu einer gütlichen Lösung mit Tamedia zu kommen, wurde gegen Blumer Strafanzeige gestellt.

Wegen «Verleumdung, Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses, Anstiftung zur Verletzung des Berufsgeheimnisses etc.». Die Schaffhauser Staatsanwaltschaft will nun das tun, was Blumer bei ihren Recherchen unterlässt. Nämlich ihr Gelegenheit geben, zu diesen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Das äussert sich in Form einer Vorladung zu einer Einvernahme.

Der Termin wird gesetzt, schriftlich mitgeteilt, und es wird selbstverständlich erwartet, dass die Vorladung befolgt wird; persönliches Erscheinen ist verlangt. Also warteten am 31. Mai 2021 die untersuchende Staatsanwältin, ein Gerichtsschreiber, die Anzeigeerstatterin mitsamt Anwalt plus der Anwalt einer weiteren in das Verfahren involvierten Person. Und warteten und warteten und warteten.

Bis sie einsahen, dass Blumer unentschuldigt fernblieb. Das ist nicht nur eine Respektlosigkeit, sondern hat auch Sanktionen zur Folge. Aber offenbar fühlt sich Blumer über solche Bemühungen der Staatsgewalt erhaben. Eine Busse zahlt sie problemlos aus dem Gucci- oder Dior- oder Versace-Handtäschlein.

Das hat einen kurzfristig anberaumten zweiten Versuch zur Folge; der wurde auf den 21. Juni terminiert; mit zwei Wochen Vorlauf wäre genügend Zeit, sich darauf einzurichten. Nachdem Blumer die Nummer mit unentschuldigter Absenz schon gebracht hatte, meldete sich diesmal ihr Anwalt; leider sei er zu diesem Zeitpunkt unabkömmlich, Bitte um Verschiebung.

Die wurde ihm unverständlicherweise gewährt, der nächste Versuch ist auf den 29. Juni angesetzt. Wohlgemerkt, die Strafanzeige wurde im August 2019 eingereicht; seit Ende April 2021 versucht die Staatsanwaltschaft, Blumer zu einer Aussage zu bewegen. Bislang vergeblich.

Vorführen in Handschellen nötig?

Normalerweise wird bei unhöflichem Schwänzen einer Vorladung beim nächsten Versuch angedroht, dass ein neuerliches Nichterscheinen mit polizeilicher Vorführung beantwortet würde. Also zwei Polizisten stehen parat, um im Fall des «pfeif drauf» der angeschuldigten Person klarzumachen, dass man sich nicht so um Anordnungen von Justizorganen fouttieren darf.

Auch auf diese Androhung verzichtete die Staatsanwaltschaft Schaffhausen. Ob diese unverständliche Milde damit zu tun hat, dass der Tamedia-Konzern ein wenig seine Muskeln spielen liess? Man weiss es nicht. Wird am 29. Juni tatsächlich nach fast zwei Jahren die erste Einvernahme von Blumer stattfinden? Man weiss es auch nicht. Man könnte sie fragen? Richtig, aber da sie noch nie geruhte, auf unsere Anfragen oder Bitten um Stellungnahme zu reagieren, lassen wir’s.

Was man weiss: das ist reine Arroganz des Hauses Tamedia, der fortgesetzte Versuch, diesen Medienskandal am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen. In der Hoffnung, dass die durch Blumers Machwerk beschädigte Person dann schon mal aufgibt.

Blumer schreibt in ihrem (hoffentlich) letzten Kommentar:

«Wenn jemand durch einen Zeitungsartikel in seiner Persönlichkeit verletzt wird, kann er dagegen ans Gericht gelangen. Doch manchmal ist es schon zu spät, der Schaden ist angerichtet und nicht wiedergutzumachen.»

Das ist – angesichts ihres eigenen Verhaltens – der Gipfel des Hohns und der Heuchelei.

 

Hi, hi, Hiltmann

Violett gefärbte Brunnen, bewegte Frauen auf der Strasse. Es war wieder mal Frauenstreiktag. Da kann Aleksandra Hiltmann nicht stumm bleiben. Auch das noch.

Die eine Rädelsführerin des kleinen Frauenprotests bei Tamedia ist auf dem Absprung. Die Untersuchungsrichterin, Pardon, Ansprechpartnerin, Pardon, überhaupt nix mehr, also Claudia Blumer, ist ebenfalls auf dem Absprung. Bleibt noch Aleksandra Hiltmann.

Die aber blieb lange Zeit einfach stumm, reagierte auch auf Anfragen von ZACKBUM nicht. Aber wir ahnten es, dem Frauenstreiktag konnte sie nicht widerstehen. Den musste sie mit einer wahren Kommunikationslawine begleiten. Mit Beiträgen, so violett wie die eingefärbten Brunnen. Was die Brunnenmeister nicht so lustig finden. Aber das sind ja auch vorwiegend Männer.

Jein, meint Aleksandra Hiltmann.

Jede Offensive fängt mal klein an; die von Hiltmann sogar in Camouflage; «sind Sprachnachrichten wirklich cool?» Darüber balgt sie sich mit einem anderen Tamedia-Redaktor in der SoZ. Hiltmann ist contra, findet das also nicht cool. Warum, das erschliesst sich dem Leser allerdings nicht ganz. Macht nix, vielleicht ist der Text halt zu sehr in Frauensprache abgefasst.

Ein Bilderbuch über den Frauenstreik.

Aber das ist ja nur sozusagen der Startschuss. Nun hält Hiltmann in ihrem Lauf keiner auf. Eine Buchrezension «Sie wollen alles». Und wenn Hiltmann schon am Lesen ist: «Warum ich mir dieses Buch als Pflichtlektüre gewünscht hätte».

Pflichtlektüre für die Schule?

Was für ein Buch? «Der Roman «Helvetias Töchter» erzählt die Geschichten von acht Schweizer Frauen im Kampf um Gleichstellung. Er sollte auch an Schulen gelesen werden.» Aha, und das sollte nun den «Homo faber» von Max Frisch oder ein Stück von Friedrich Dürrenmatt verdrängen? Warum nicht, jedenfalls ist Hiltmann zwar begeistert, wahrt dennoch kritische Distanz. Zuerst die Begeisterung: «Die Vergangenheit zugänglich machen, um Antworten auf Fragen finden, die uns bis heute beschäftigen, legt sie im Nachwort ihre Überzeugung dar – und die teile ich.»

Dann die kritische Distanz:

«Ich hätte gerne eher über meine Rechte Bescheid gewusst. Welche ich habe, welche nicht, für welche gerade gekämpft wird. Und wie ich meine eigenen Forderungen artikuliere.» Das ist natürlich traurig, wenn eine Journalistin nach Belehrung verlangt, was gerade so läuft in der Frauenbewegung. Und wie sie selbst Forderungen formulieren soll. Kommt man ja nicht so einfach selber drauf; kann man (oder frau) helfen?

Ist das schon alles? Aber nein, Hiltmann setzt sich ja nicht nur für Frauenthemen ein; es gibt doch so vieles, was in dieser Welt im Argen liegt. Deshalb muss Hiltmann nicht nur über «smart kommunizieren» schreiben, auch über das Schicksal der Kichererbsen (nein, Scherz), auch über «Wie hat die Black lives matter»-Bewegung die Schweiz verändert?» Da will sie natürlich nicht als weisse Frau imperialistisch das Wort für eigentlich Betroffene ergreifen. Also stemmt sie mit weiteren Mitarbeitern die Riesenkiste, «sechs persönliche Bilanzen» zu transkribieren. Von Betroffenen und Pseudo-Betroffenen wie Sandro Brotz.

Nur die Kichererbsen sind Hiltmann entkommen.

Aber auch das lastet natürlich nicht aus, es fehlt das Belehrende, das Zurechtweisende. Kein Problem; der Leser bekommt Aufklärung: «Mit grossem S geschrieben, ist Schwarz eine politische Selbstbezeichnung, bezieht sich also nicht auf die Hautfarbe einer Person, sondern auf die geteilte Rassismuserfahrung. Es ist auch kein Adjektiv oder eine Art, vermeintlich biologische Merkmale zu benennen. Mit dem Begriff wird eine gesellschaftliche Position beschrieben, die von Rassismus betroffen ist; Schwarze Menschen sind demnach Menschen, die Rassismuserfahrungen machen.»

Das S als Fanal, Symbol, Zeichen. Wo bleibt die schreibende Schmachtlocke Binswanger?

Wenn das das S wüsste. Steht es stolz und gross am Anfang von Schwarz, dann leitet es nicht etwa eine Farbbezeichnung ein, wie Hinterwäldler, Rassisten und unsensible Unmenschen meinen könnten. Nein, diese «politische Selbstbezeichnung» beziehe sich auf «die geteilte Rassismuserfahrung».

Wir sind ja nur knapp der deutschen Sprache mächtig hier; daher bitten wir auch um Belehrung. Nur, damit wir das richtig verstehen. Schwarz, grosses S, weil so schreibt man halt am Satzanfang. Das ist dann eine politische Selbstbezeichnung? Auch, wenn der Satz so weitergeht: «Schwarz ist bei Beerdigungen gewünscht»? Oder «Schwarz muss der Kaffee sein»? Wie ist’s dann so: «Der Kaffee muss schwarz sein»? Dann ist’s keine Selbstbezeichnung von geteilter Rassismuserfahrung mehr? Kann Kaffee überhaupt eine solche Erfahrung, aber gut, das würde vielleicht zu weit führen.

Wie halten es weisse Menschen mit dem Schwarzen?

Dürfen eigentlich auch weisse Menschen Schwarz sagen? Also mit grossem S? «Ist es etwas anderes, wenn ich sage: «Ich ärgere mich Schwarz»? Oder muss der Weisse sagen: «Ich ärgere mich schwarz»? Und wie ist’s bei «Schwarz ärgere ich mich»? Wir bitten dringend um Aufklärung. Können eigentlich weisse, andersfarbige Menschen keine Rassismuserfahrung machen?

Oder doch? Und wenn ja, dürfen sie dann Schwarz sagen? Oder Weiss, Braun, Gelb? Ist schliesslich ein weisser (oder schwarzer) Mensch einer ohne Rassismuserfahrung? Oder ist er sich der einfach nicht bewusst? Ist schliesslich ein weisser Rassist ein Weisser Rassist? Oder aber, was ist denn, wenn die Rassismuserfahrung des Schwarzen darin besteht, dass er selbst Rassist ist? Ist er dann sozusagen ein Schwarz/schwarz-weisser Schwarzer?

Bitte, Hilfe, wir können doch nicht einfach so im Regen stehengelassen werden. Ach, und Palindrome (Nora Zukker, das sind, aber es ist zu heiss dafür), wie steht es mit dem wohl längsten? «Ein Neger mit Gazelle zagt im Regen nie». Kann man vorwärts und rückwärts lesen. Aber wenn man Neger mit Schwarz, Schwarzer oder auch nur vermeintliches biologisches Merkmal  ersetzt, dann ist das Palindrom kaputt. Heisst das, dass Palindrome auch rassistisch … Nein, stop, uns raucht der Kopf, es wird uns schwarz vor Augen.

 

Ob die Literatur Zukker überlebt?

Nora Zukker ist Literaturchefin bei Tamedia. Gut für sie, schlecht für die Literatur.

Seit Anfang dieses Jahres hat der eine der beiden Duopolkonzerne im Medienbereich eine neue Literaturchefin. Ihr jugendliches Alter und die vielleicht damit einhergehende Unreife wollen wir ihr nicht vorwerfen. Es hat ja jeder Literaturchef mal klein angefangen. Auch so Leute wie Alfred Kerr, Frank Schirrmacher, Marcel Reich-Ranicki usw. Das waren dann alles erst noch Männer, im Fall. Und ihr sicherlich alle unbekannt, im Fall.

Also setzte Zukker schon früh ein erstes Zeichen, indem sie sich mit der Dumm-Literatin Simone Meier («Juden canceln») auf einem Friedhof mithilfe einer Flasche Chlöpfiwasser die Kante gab. Lassen wir das mal als erste Jugendsünde vorbeigehen.

Sie hat auch schon ein Buch geschrieben. Und mitsamt Crowdfunding – nun ja,  publiziert. Wir spürten kurz die Versuchung, Fr. 50.- für ein «Treffen mit der Autorin» zu investieren, konnten uns aber doch zurückhalten.

Dafür trifft die Autorin immer wieder Bücher, und das bekommt denen überhaupt nicht gut. Noch weniger den Lesern ihrer Berichte über solche Begegnungen. Streifen wir kurz, aber nur sehr kurz durch das literaturkritische Schaffen von Zukker. Sagen wir, so der letzten Wochen. Da hätten wir mal diesen da: «Claudio Landolt hat einen Berg vertont und dazu Prosaminiaturen geschrieben.» Oh, und wie tönt er denn so, der Berg? Nun, nach «grellem Pfeifen». Falsch, lieber Laie: «Das ist die absolute Aufnahme, das ist der ultimative Liebesakt zwischen den Ohren und dem Berg.»

Ohä, und wie tönt er denn, der Dichter?

«Da drüben sprechen zwei Männer mit Sand im Mund. Es scheint um Netze zu gehen.»

Ja, da knirscht der Leser auch mit den Zähnen, spuckt Sand und sucht das Weite.

Wir folgen der Schneise der Verwüstung

Wir folgen aber tapfer Zukker zum «Berner Autor Michael Fehr». Womit erfreut der uns? «Ein Mann brät in der Pfanne eine Katze, die sich in seiner Wohnung verirrt hat. Pistolen schiessen in offene Münder hinter dem Bankschalter, ein Paar plündert ein Lebensmittelgeschäft.» Was soll uns nun das sagen? «All das geschieht in den auf das Kreatürlichste destillierten Texten von Michael Fehr.» Oh, was löst das in Zukker aus? «Man möchte schreien und verstummen, man möchte tanzen und sich hinlegen. So unerbittlich uns Michael Fehr an unsere Begrenztheit und zutiefst menschliche Widersprüchlichkeit erinnert, so tröstlich fühlt sich der Raum an Möglichkeiten an.» Ohä, worum geht’s schon wieder? ««super light» ist unerbittlich und von brachialer Zartheit und die Einladung, sich einzulassen aufs Leben, weil es so oder so kein Entkommen gibt.»

Ja, den Eindruck hat der Leser inzwischen auch, aber wir flüchten nun zum «neuen Roman von Judith Keller». Das ist nämlich «Milena Moser auf Acid». Oh. Als ob Moser ohne Acid nicht schon schlimm genug wäre, aber worum geht’s denn hier? Natürlich kommen auch Roger Federer, Virginia Woolf, Hölderlin und die Odysee vor. Ohä, einfach, damit das klar ist: wir verneigen uns hier vor «Prosaminiaturen». Wie dieser:

«Dazu sagen sie Sätze wie: «Es ist so still. Was wollen wir reden?»»

Nichts, rufen wir erschöpft, aber unsere Odyssee, bei Hölderlin und Federer, ist noch nicht vorbei. Wir sind nun beim Debutroman von Andri Hinnen. Etwas Leichfüssiges über «unsere inneren Dämonen». Da könnte sich Dostojewski wohl noch eine Scheibe von abschneiden, wenn Zukker wüsste, wer das ist. So aber lobt sie: «Ein rasanter Roman, der durch den Einfall, die Psychose zur Figur «Rolf» zu machen, überrascht.» Vielleicht eine Schlaufe zu viel, meldet sich die strenge Literaturkritikerin aber: «Wenn es richtig reinknallt, sind wir am Leben.»

Überleben, das ist alles bei der Lektüre von Zukker

Wir sind hingegen froh, immer noch am Leben zu sein nach diesem Martyrium, nach diesen Stahlgewittern (Jünger, das war, aber wir haben ja schon aufgegeben). Noch ein letzter, matter Blick auf die Fähigkeiten von Zukker als Feuilletonistin. Da wird sie launig: «Sommer nach der Pandemie: 3, 2, 1 … Ausziehen!» Hui, wird’s jetzt noch sinnlich? «Ich bin in der Bar meines Vertrauens. Zwei Beine in einer kurzen Hose setzen sich neben mich, und ich komme nicht damit klar.» Oh, damit wäre die Frage nach Sinnlichkeit bereits beantwortet: Nein. Nach Sprachbeherrschung auch. Beine setzen sich? Aua.

Ist’s wenigstens unterhaltsam? «Ich bestelle einen weiteren Negroni sbagliato und frage mich, gibt es auf Ibiza eigentlich FKK-Strände, denn: Würde ich die Entwicklung dieser Entkleidungszeremonie weiterdenken, müsste die kurze Hose neben mir eigentlich auf der Baleareninsel nackt rumlaufen.» Ohä, auch nein.  Nochmal aua, eine kurze Hose läuft nackt herum? Gibt’s noch irgendwie eine Pointe, etwas, das «richtig reinknallt»? Na ja: «Ich rufe meinen guten Freund in Deutschland an und frage ihn: «Wie nackt sind die Beine im Norden?»»

Nein, die Antwort wollen wir nicht wissen. Aber immer noch besser, als wenn sich Zukker in Debatten einmischt, für die man lange Hosen anhaben müsste, um wirklich mitdiskutieren zu dürfen. Wie zum Beispiel das längst verstummte Geschrei um eine Provokation von Adolf Muschg. «Twitter richtete. Dass der Schweizer Intellektuelle die Cancel Culture mit Auschwitz verglich, löste harsche Kritik aus», blubberte Zukker damals. Schlimmer noch:«Dieses Wort lässt keinen spielerischen Umgang zu.» Entweder weiss sie auch hier nicht, was sie schreibt, oder sie unterstellte Muschg, er habe das Wort Auschwitz «spielerisch» verwendet. Wir regten damals an, dass sich Zukker wenigstens bei Muschg für diesen unglaublichen Ausrutscher entschuldigen sollte. Tat sie nicht.

Also bitte, bitte, lieber Arthur Rutishauser. Lieber Herr Supino. Liebe Minerva, liebe Hüter der letzten Reste von Niveau und Anspruch: wer sorgt wann dafür, dass diese Frau die deutsche Literatur nicht mehr länger quälen, zersägen, misshandeln darf – und den Leser auch noch?

 

Leistungsabfrage

Salome Müller, bald Ex-Tamedia, und Aleksandra Hiltmann: was leisten die eigentlich?

Die beiden haben sich etwas geleistet. Einen gelungenen Versuch, mit bislang völlig unbelegten Behauptungen den Ruf ihres Arbeitgebers zu bekleckern. Unerträgliche Zustände, triefend vor Sexismus, Frauendiskriminierung, demotivierend, gravierend, in die Flucht treibend.

So ihr vernichtendes Fazit in einem Protestschreiben, das sie pünktlich zum Tag der Frau vor drei Monaten auf die Rampe schoben und durch Jolanda Spiess-Hegglin in die Öffentlichkeit schieben liessen. Ohne dass das alle Unterzeichnerinnen gewusst oder gar gebilligt hätten.

Tamedia eierte (Pardon) eine Weile rum, um dann markig zu verkünden, dass nun das Bestreben sei, auf allen Hierarchiestufen 40 Prozent Frauenanteil zu etablieren. Seither wird gemunkelt, dass sich im Geheimen Männerverteidigungsgruppen bilden, die konspirativ ihren Überlebenskampf vorbereiten.

Weil man von den beiden Rädelsführerinnen nach ihrem Auftritt bei «10 vor 10» nicht mehr viel hörte: was tun die eigentlich sonst so? Stehen doch bei Tamedia, diesem Schweinebackenkonzern, auf der Gehaltsliste und verdienen ziemlich gut, sowie sicher und mit Fringe Benefits sowie generösen Fortbildungsmöglichkeiten.

Leistung in einem Mondzyklus gemessen

Also, neben motzen, fordern und leiden, wie sieht denn die Leistungsbilanz aus? Nehmen wir einen Mondzyklus, moderner formuliert: den Ausstoss in den letzten 30 Tagen. Wir schicken voraus, dass beide Journalistinnen den Verlag zusammen so rund 20’000 Franken gekostet haben dürften. Lohn, Lohnnebenleistungen, Sozialversicherungen, Arbeitsplatz plus Infrastruktur.

Wir nehmen auch hin, dass ZACKBUM hier mal wieder typisch männliches Leistungsbewusstsein, Konkurrenzdenken, Längenvergleich usw. an den Tag legt; also all das, was sensible Frauen so hassen. Zu Recht, kann man bei diesen beiden Grossschriftstellerinnen nur sagen. Ganz knapp die Nase vorn hat in diesem Zeitraum – Aleksandra Hiltmann. Sie hat einen Output von ganzen zehn Wortmeldungen. Grob unterteilt in 3 Kommentare und 7 Artikel, worunter auch Interviews fallen.

Also jeden dritten Tag durfte man etwas von Hiltmann lesen. Wir hier bei ZACKBUM.ch halten es umgekehrt; jeden Tag drei Stücke. Dafür unbezahlt. Aber eben, blödes Machogetue. Ausserdem kommt es doch auf den Inhalt, nicht die Menge an. Nun ja, eine einfühlsame Kolumne über ihren «Impfarm», ein Stück über die Unsichtbarkeit von Menstruationsblut in der Öffentlichkeit, das setzt natürlich ein Niveau, zu dem wir hier nichtmal hinaufblicken können. Oder hinab? Egal, Output 10.

Im Schlafwagen durch den Journalismus

Salome Müller bringt es in der gleichen Periode, also in einem Monat, Pardon, auf ganze 8 Stück. 1 Kommentar, 5 Artikel und zweimal ist sie als Mitautorin erwähnt. Also alle vier Tage wurde die Welt besser, weil sich Müller zu ihr äusserte. Ist ja auch nicht nix. Aber auch nicht viel mehr.

Kassensturz: 1111 Franken liess sich Tamedia jedes Werk der beiden Damen kosten. Ein teurer Spass, eigentlich, viel Spass hat’s auch nicht gemacht. Nicht mal den Autorinnen, denn sie mussten ja ihr Werk weiterhin unter frauenunwürdigen Zuständen verrichten, demotiviert, belästigt, ohne Anstand behandelt.

Aber immerhin, Müller hat sich – völlig freiwillig – für die Freiheit entschieden, den Ausbruch, den Aufbruch. Zukünftig müssen sich die triebhaften Machomänner von Tamedia ein anderes Objekt ihrer unsauberen und unanständigen Gedanken suchen. Denn Müller wird demnächst eine Lücke hinterlassen, die sie nicht nur vollständig und unmerklich ersetzt. Sondern es geht jetzt schon ein Aufatmen durch die Reihen. Der Männer, selbstverständlich. Aber auch der Leser, die nicht mehr länger mit Gendersternchen und ähnlichem Unsinn belästigt werden.

Der furchtbare Hubert Wetzel

Die reine Geldverschwendung aus München mit Sitz in Washington. Leider auch für Tamedia.

Dafür bezahlt der Abonnent einer Tageszeitung aus dem Hause Tamedia sicher gerne. Deshalb ist auch der neuste Kommentar von Wetzel hinter der Bezahlschranke. Eigentlich sollte er auf die Isolationsstation, denn er könnte die Hirntätigkeit von harmlosen Lesern schädigen.

Wetzel sitzt seit 2016 als Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» – und damit auch für Tamedia – in Washington. Kapiert hat er in all den Jahren nicht sehr viel von seiner Umgebung. Denn er neigt dazu, mit typisch deutscher Oberlehrermanier den Amis zu erklären, wie Demokratie funktioniert. Dabei hat er das Glück, dass sie ihn wohl gar nicht zu Kenntnis nehmen, denn nachdem die Amis vor nicht allzu langer Zeit gegen erbitterte Gegenwehr den Deutschen die Demokratie aufzwingen mussten …

Das hindert ihn aber nicht an solchen Sätzen: Trump habe versucht,

«durch Tricks im Amt zu bleiben, die vielleicht legal waren, aber auf keinen Fall legitim».

Mitte November 2020 war Wetzel noch viel pessimistischer gestimmt:

«So sterben Demokratien»,

raunte er unheilschwanger.

Denn: Trump habe «offensichtlich» keine Ahnung, wie Wahlen in den USA funktionieren. Aber weil er «(zumindest rechtlich) volljährig» sei, ein Brüller, könne er bedauerlicherweise vor Gericht ziehen.

Nach der Verurteilung des Polizisten, der Floyd zu Tode brachte.

Furchtbar, alles ist furchtbar für Wetzel

Gut, wollen wir, angesichts des schnellebigen Journalismus von heute, den Mantel des Schweigens über solche Peinlichkeiten legen und sie als verjährt erklären? Damit wären wir bei Wetzels aktuellem Kommentar angelangt: «Die furchtbare Realität. Ein Jahr nach dem Tod von George Floyd streiten die USA weiter über Rassismus.»

Auch hier könnte man eigentlich nach dem ersten Satz aufhören: «Jeder Amerikaner wusste auch vor dem 25. Mai 2020 schon, dass Schwarze überproportional oft Opfer von Polizeigewalt werden.» Aber der Fall des George Floyd – ein «rassistischer Mord, bei dem der Mörder sich offensichtlich sehr sicher fühlte, weil er eine Uniform trug», habe ein «reckoning» ausgelöst, eine «Abrechnung».

Die Bedeutung, die Hautfarbe in den USA weiterhin habe, sei einerseits Ausdruck des aktiven Kampfes gegen Diskriminierung. Aber «es zementiert den Status der Schwarzen als ewige Minderheit.»

Nun, das ist alles so furchtbar falsch; wo muss man anfangen? Nein, nicht jeder Amerikaner wusste oder weiss, dass Schwarze «überproportional oft Opfer von Polizeigewalt werden». Viele US-Bürger, darunter auch Schwarze, sehen aber einen Zusammenhang zwischen überproportional hoher Kriminalität und entsprechend häufigen Kontakten mit der Polizei.

Was den brutalen Polizisten nicht im geringsten entlastet, aber auch in Betracht gezogen werden muss; die Autopsie des Schwarzen ergab unter anderem:

«Eine Fentanylvergiftung und der kürzliche Methamphetaminkonsum haben möglicherweise die Wahrscheinlichkeit des Todes erhöht. Andere signifikante Zustände waren arteriosklerotische Herzerkrankungen und hypertensive Herzerkrankungen, einschliesslich eines vergrößerten Herzens, einer zu 90% blockierten Arterie und zwei zu 75% verengten Arterien.» (Quelle: engl. Wikipedia)

Abgesehen davon wurde der weisse Polizist, der zweifellos den Tod des Schwarzen verursacht hatte, wegen «second degreee murder» verurteilt. Das ist Mord zweiten Grades, ein in den USA verwendeter Terminus, der bei uns am ehesten Totschlag gleicht. Nicht Mord. Also war es auch kein rassistischer Mord und der Polizist ist kein Mörder nach unseren Begriffen. Aber wieso soll das ein US-Korrespondent verstehen. Oder wenn, dann lässt er sich von solchen Differenzierungen doch nicht seinen Kommentar kaputtmachen.

Furchtbar falscher Schlusssatz von Wetzel

Ein «reckoning», also ein «über die Bücher gehen», wie man das wohl übersetzen könnte, fand auch nicht gross statt. Sondern der übliche Austausch von Meinungen und Beschimpfungen. Und völlig absurd ist dann der Schlusssatz. Dieser Totschlag soll den Status der Schwarzen zementieren? Als «ewige Minderheit»? Ja wünscht Wetzel, dass Schwarze zur Mehrheit werden in den USA? Und wenn sie das würden, was wäre dann weniger zementiert?

Das ist wohl einfach ein Satz, der etwas Schlimmes behaupten soll, sich dabei aber im völligen Unsinn verliert. Da alles richtet Wetzel auf 1800 Anschlägen hin und an. Man stelle sich vor, was man alles richtigstellen müsste, wenn der Mann mal richtig in die Tasten greift.

Er versteht die USA nicht wirklich, ihr Rechtssystem noch weniger, ist zu keiner vertieften Analyse der Rassenproblematik in der Lage, beschimpft einen Polizisten als rassistischen Mörder, der das nicht ist, und faselt von einer «furchtbaren Realität». Auch da unterliegt Wetzel einem Grundlagenirrtum: nicht die Realität ist furchtbar, seine Beschreibung ist’s.

Wäre das eine Leserzuschrift, wohlan, im Rahmen der Meinungsfreiheit könnte man die bringen. Aber dafür noch Geld verlangen – und dem Verfasser noch Geld dafür zahlen? Das ist dann schon ein starkes Stück für ein bedenklich schwaches Stück.

Laura de Weck: nein, danke!

Es sollte selbst im Journalismus Schamgrenzen geben. Oder Rücksichtnahme auf den Leser.

Laura de Weck führt eine Kolumne bei Tamedia. Daraus macht sie dann auch ein Buch bei Diogenes. Sie bezeichnet sich selbst als Schauspielerin, Bühnenautorin und Regisseurin. Ihre Stücke wurden schon aufgeführt.

De Weck hätte keine einzige Kolumne verfasst, wäre weder als Schauspielerin, noch Bühnenautorin, noch Regisseurin unangenehm aufgefallen. Wir alle hätten uns dann nicht jedes Mal fremdgeschämt, wenn eine Kolumne von ihr erscheint.

Das alles wäre allen erspart geblieben, wenn sie nicht den Nachnamen de Weck trüge. Genau, das liegt daran, dass sie die Tochter von DEM de Weck ist. Das öffnet Türen, da öffnet jeder Chefredaktor sein Herz. Denn aus eigentlich unerfindlichen Gründen geniesst Roger de Weck den Ruf, ein grosser Denker, Intellektueller und begnadeter Schreiber zu sein. Dieser falsche Schein leuchtet dann auch über seiner Tochter.

ZACKBUM musste sie schon vor Kurzem scharf kritisieren. Weil ihr Geschreibsel weder formalen, noch inhaltlichen Minimalanforderungen entspricht. Wobei aber ihr Selbstbewusstsein umgekehrt proportional zu ihren Fähigkeiten ausgestattet ist: «Unsere SVP möchte wohl am liebsten, dass ich mich nur noch hinter vorgehaltener Hand traue, gewisse Dinge auszusprechen.»

Sie will auch wissen: «Wenn ich mich getraue, die Wörter «strenge Corona-Massnahmen» oder, noch schlimmer, «Steuererhöhung» auszusprechen, bricht gleich ein ganzer rechter Shitstorm über mich herein.»

Nun, das sind halt so unsichtbare Stürmchen, die de Weck vielleicht aus einem einzigen bösen Mail ableitet. Aber keine zur klein, furchtbar wichtig zu sein. Leider, wir sind machtlos, hat sich de Weck schon wieder zu einer Kolumne verstiegen.

Der Titel lautet: «Ehe für Alle. Amen.» Dafür kann sie vielleicht nichts, denn das Korrektorat der Qualitätsmedien von Tamedia ist ja auch ausgedünnt und nach einem Billiglohnland verschoben.

Aber für den nachfolgenden Inhalt kann sie was. Es ist mal wieder ein «Dialog». Nein, Shakespeare, Euripides, Dürrenmatt müssen sich nicht warm anziehen. Es ist eher wieder mal zum massiv Fremdschämen:

Leonie: Mama?

Mutter: Ja?

Leonie: Hast du Zeit?

Mutter: Klar.

Leonie: Ich wollte dir sagen… Ich wollte dir schon lange sagen, also… Ich… Ich bin lesbisch.

Mutter: Ah.

Leonie: Ja.

Da ich nicht de Weck bin oder heisse, erspare ich dem Leser die Fortsetzung. Vielleicht wird das alles besser, wenn endlich 40 Prozent aller Stellen bei Tamedia mit Frauen besetzt sind. Aber vorher? Karl Lagerfeld selig sagte mal den schönen Satz: «Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.»

Um den zu adaptieren: Wer als angebliches Qualitätsorgan eine solche Peinlichkeit publiziert, hat die Kontrolle über jeden Qualitätsanspruch verloren. Während Lagerfeld solche Sottisen umsonst verteilte, will aber Tamedia für solche Peinlichkeiten auch noch Geld. Dann wundert man sich dort, wieso immer weniger Leser bereit sind, dafür auch noch Geld auszugeben. Das kann doch jede Primarschülerin besser. Und billiger. Ob sie de Weck  heisst oder eher nicht.

 

Zwei «Radioexperten» im Interview

Tamedia kommt seiner Berichterstatterpflicht nach. Aber oberlausig.

Man sollte alle Seiten zu Wort kommen lassen. Gutes journalistisches Prinzip. Dafür sollte einer sorgen, der sich mit dem Thema bereits auskennt. Gutes journalistisches Prinzip. Offenbar hat bei Tamedia Sandro Benini das Dossier UKW gefasst.

Er startete auch ziemlich fulmimant in diese Thematik, indem er ein durchaus ausgewogenes Stück vorlegte, um dem Leser die verschiedenen Positionen in der UKW-Debatte näherzubringen. Also eigentlich gibt es da nur zwei. Diejenigen, die für eine Abschaltung der UKW-Ausstrahlung in der Schweiz sind – und diejenigen, die dagegen sind.

Also eigentlich alle dafür – und einer dagegen. Das ist aber nicht irgendwer, sondern Roger Schawinski. Der hat nach nur kurzer Zeit ein Etappenziel erreicht. Überhebliche Häme gegen ihn ist weitgehend verstummt. Die Zeiten von «nostalgischer alter Mann, der am liebsten Faxe liest und im letzten Jahrhundert steckengeblieben ist», die sind vorbei. Auch die Zeiten von «will’s halt noch mal wissen, so mit 75».

Inzwischen hat die von ihm lancierte Petition – ohne dass er gross die Werbetrommel gerührt hätte – schon über 35’000 Unterschriften erreicht. Politiker, immer gerne dabei, wenn man auf einen fahrenden Zug aufspringen kann, schauen nicht mehr zu, sondern lancieren ihrerseits parlamentarische Vorstösse, um die geplante Abschaltung der UKW-Übertragung zu stoppen.

Schawinski diskutiert mit jedem – hier mit Nick Lüthi im «Talk täglich».

Neben einigen Argumenten und seiner Energie hat Schawinski noch einen weiteren Vorteil. Er kämpft mit offenem Visier – und stellt sich jeder Diskussion. Natürlich lud er sofort Benini in seinen «Doppelpunkt» ein, danach den wohl kompetentesten Befürworter von DAB+. So entsteht Meinungsbildung, offene Debatte, Schlagabtausch, fair und direkt.

Natürlich null repräsentativ, aber das war dann das Ergebnis der üblichen Zuschauerumfrage von «Tag täglich»:

Ein wenig kläglich für die Befürworter.

Aber die anderen sehen das anders

Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um bedauernd festzustellen, dass das bei Tamedia nicht genauso gesehen wird. CH Media, nach einem sehr verunglückten Auftritt des Wanner-Sprösslings, der für das zusammengekaufte Privatradio-Imperium – noch – zuständig ist, gibt man dort Ruhe und leckt sich die Wunden.

Aber Benini kam sicherlich von selbst auf die Idee, ein Doppelinterview mit diesem Titel zu machen: «Nichts spricht für UKW», und «so kontern Schawinskis Gegner». Ein Konter hat immer dann gute Erfolgsaussichten, wenn der Gegner sich nicht wehren kann. Weil er nicht gefragt wird. Hilfreich ist auch, wenn der Interviewer mehr Stichwortgeber als zumindest Kontrahent ist. Und schliesslich hilft es auch, wenn Herkunft, Interessensbindungen und Abhängigkeiten der beiden «Radioexperten», die immerhin eine Seite eingeräumt bekommen, nur verschwommen offengelegt werden.

Der eine «Experte» ist Iso Rechsteiner. Dem Leser vorgestellt als «ehemaliger SRG-Kommunikationschef und heute in der Radiobranche als Berater und Koordinator tätig». Nun ja, dem Leser hätte vielleicht geholfen, wenn man seine Position als Partner der PR-Bude «Kommunikationsplan» erwähnt hätte. Zu deren Kunden gehören, neben dem BAG zum Beispiel, auch SRG und SRF. Aber das tut Rechsteiners Objektivität und Kompetenz als «Radioexperte» keinen Abbruch. Sicher weiss er, wie er bei einem Radioapparat den Ein/Aus-Schalter bedienen kann.

ZACKBUM hat die verschiedenen Rollen Rechsteiners bereits beleuchtet: «Das Geschäftsmodell Iso Rechsteiner».  Dazu gehört auch, dass er immer zur Stelle ist, wenn es darum geht, ein Problem kommunikativ zu vergrössern. Wie bei der Affäre um die Mobbingvorwürfe am Bundesstrafgericht in Bellinzona. Da war ein «Kommunikationsberater» zu Gange, dessen Namen zunächst ums Verrecken nicht herausgerückt werden sollte. Denn Iso Rechsteiner, so der Name, war bereits von der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft mandatiert. Und beides zusammen geht nicht. Genau, meinte Rechsteiner, gleichzeitig mache er da nix. Aber am Vormittag das eine, am Nachmittag das andere, wieso nicht.

Zwei völlig objektive Radioexperten kommen zu Wort

Also dieser «Radioexperte» ist in erster Linie Meinungsbüttel, Mietmaul, dabei nicht mal sonderlich erfolgreich. Der zweite «Radioexperte» ist Jürg Bachmann. In wahren Leben ist er Präsident von KS, des ältesten Verbandes der Werbebranche der Schweiz. Und auch schon seit 15 Jahren Präsident des Verbandes Schweizer Privatradios. Das macht ihn sicherlich ein wenig zum «Radioexperten». Aber in erster Linie zum parteiischen Vertreter dieses Verbandes, der bekanntlich sich seine Zustimmung zur Abschaltung der UKW-Stationen mit einer stillschweigenden Vergabe und Verlängerung der Radiolizenzen erkaufen liess.

Wie er allerdings ohne rot zu werden im Interview sagen kann:

«Wir haben es hier mit einem frei getroffenen unternehmerischen Entscheid der Radiobranche zu tun»,

das ist mindestens so erstaunlich wie dass es ihm Benini durchgehen lässt. Denn der Entscheid war weder frei, noch unternehmerisch. Er war schlichtweg eine arschkalte Interessensabwägung. Und da weder Rechsteiner noch Bachmann ein besonders emotionale Verhältnis zum Radiomachen haben, waren und sind ihnen alle andere Implikationen völlig egal.

Die guten alten Zeiten …

Deshalb versuchen sie auch, wie alle anderen Gegner von Schawinski, ihn als nostalgischen, emotionalen, aus der Zeit gefallenen Berserker auf Egotrip zu diskreditieren. Aber unabhängig davon, ob er recht hat oder nicht, ob man seine Art mag oder nicht: in den heutigen Zeiten der emotionslosen, verantwortungslosen, nur profitgesteuerten grauen Mäusen in Nadelstreifen ist Schawinski schon alleine deswegen ein Lichtblick, weil er mit Herzblut Radiomacher war und ist.

Daher ist es überhaupt nicht ausgemacht, wie alle Gegner nicht müde werden zu betonen, dass dieser Entscheid so stehenbleibt. Was den grauen Mäusen – das ist ja das wirklich Aschgraue – völlig egal wäre. Wenn nicht so, dann halt anders, solange Subventionen sprudeln und die Einnahmen stimmen, würden die auch wieder auf Mittelwelle senden.

So wurde damals UKW gehört …

Tamedia wird weiblicher!

Wenn das Salome Müller noch erleben darf! Das Ende von Sexismus, Diskriminierung und unerträglichem Arbeitsklima.

Schwatzhaft, wie Frauen nun mal sind, konnte es nicht lange ein süsses Geheimnis bleiben. Jetzt greift die Führungsriege durch. Schluss mit sexueller Belästigung. Stattdessen wird endlich ernst gemacht mit Diversity und Frauenförderung.

Keine Frau im ganzen, grossen Tamedia-Imperium muss mehr heimlich «Woman is the nigger of the world» von John Lennon (und Yoko Ono natürlich) hören. Toller Song, übrigens.

Marco Boselli, Co-Geschäftsführer von Tamedia, bestätigte gegenüber persoenlich.com, dass die Würfel gefallen sind, mit ihnen die männlichen Bastionen. Ob er selbst auch an eine Geschlechtsumwandlung denkt, liess er aber offen.

40 Prozent. Frauen. Überall.

Auf jeden Fall verkündete er die Ergebnisse der von Co-Chefredaktorin Priska Amstutz geleiteten internen Arbeitsgruppe. Genau, die Bestseller-Autorin Amstutz, die wie kaum ein Chefredaktor vor ihr Inhalt und Umgangsformen geprägt hat. Oder so. Auf jeder Hierarchiestufe soll es zukünftig einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent haben. Das soll mit einer jährlichen Steigerung um 5 Prozent mehr Frauenanteil geschafft werden.

Sicherlich nehmen die meisten frauenbewegten Männer (und divers und überhaupt) diese Absicht zustimmend zur Kenntnis. Es gibt sogar einen fixen Fahrplan, will persoenlich.com wissen:

«Für Mai 2022 heisst das, basierend auf der heutigen Anzahl von Mitarbeitenden, den Frauenanteil um vierzehn Mitarbeiterinnen, eine Teamleiterin, sechs Kaderfrauen sowie zwei Obere Kadermitarbeiterinnen zu erhöhen, wie aus der Präsentation vom Mittwoch hervorgeht

Das stellen wir uns grossartig vor, endlich die negative Dialektik, die Negation der Negation, nun beim Tagi. Sicherlich bringen die Tamedia-Männer dieses kleine Opfer, dass nun sie diskriminiert werden. Nur deswegen, weil sie Männer sind. So im Stil: «Lieber Marco Boselli, auch wir sind überzeugt, dass sie als Co-Geschäftsführer auch in Zukunft gute Dienste leisten würden. Leider, da sie mit Vornamen nicht Mara heissen, müssen wir dennoch auf Ihre Dienste verzichten, um Platz für eine Quotenfrau zu schaffen.»

Was man vielleicht auch nicht vergessen sollte: mit natürlichen Fluktuationen ist das nicht zu schaffen, liebe Tagi-Männer …

Durchdachter Ersatz eines untauglichen Systems

Wunderbar, endlich wird ein unerträgliches System durch ein anders-unerträgliches ersetzt. Ob nun Salome Müller ihre Kündigung rückgängig macht? Ob Aleksandra Hiltmann ihren Output steigert? Ob Michèle Binswanger wieder in die Gruppe «selber monden, gemeinsam monden» aufgenommen wird? Ob die 78 Unterzeichnerinnen des Protestschreibens nun ihr Schweigegelöbnis brechen und Fragen beantworten? Man weiss noch nichts Genaues, denn diese Ankündigung war wohl eher eine Sturzgeburt, wenn dieser Kalauer gestattet ist.

Kehren vielleicht auch alle Mitarbeiterinnen zurück, die wegen diesen unerträglichen Arbeitsbedingungen gekündigt haben? Jetzt, wo Stellen endlich nicht mehr nach Befähigung, sondern nach dem Besitz einer Vagina vergeben werden. Wenn das gelingen sollte, dürfte Tamedia dem Untergang einen guten Schritt nähergekommen sein.

Dass die Besetzung vor allem von Kaderstellen nach Geschlecht –auch mittels Männerbünden, Seilschaften – jahrelang, jahrzehntelang in den Familienbetrieben, die unsere so grossartigen Bannerträger der Vierten Gewalt halt sind, zum Vorteil von Männern stattfand – das wird jetzt ersetzt durch umgekehrte Diskriminierung, ebenfalls ohne besondere Berücksichtigung der Kompetenz.

Das wollen wir bei Tamedia nie mehr sehen.

Und was wird aus Blumer?

Eine Frage bleibt noch zu beantworten, bevor dann alles gut wird: was geschieht nun mit Claudia Blumer? Mitunterzeichnerin, Bannerträgerin, obwohl selbst gar nicht betroffen? Sie war von Oberchefredaktor Arthur Rutishauser mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragt worden. Als es dem Organisationsgenie einfiel, dass es vielleicht etwas merkwürdig wäre, wenn eine Protestunterzeichnerin die ausschliesslich anonym erhobenen Vorwürfe überprüfen würde, wurde Blumer zur Ansprechperson degradiert. Den Posten ist sie nun auch los, da sie zu «20 Minuten» wechselt.

Aber sie kommentiert noch fleissig, jüngst die Forderung nach Bezahlung der Hausarbeit. «Keine Lösung», donnert Blumer, «Hausarbeitslohn oder Grundeinkommen, beides wird in absehbarer Zeit nicht realisiert.» Kann ihr bei dem Lebensabschnittsgefährten auch völlig egal sein.

Statt ihrer lässt Tamedia nun aus Deutschland «die Expertin Christine Lüders» kommen. Wer? Na, DIE Lüders, «unter anderem Leiterin der deutschen Bundes-Antidiskriminierungsstelle.» In dieser Funktion machte sie was? Also bitte, sie setzte Zeichen, forderte «wir müssen uns der Homophobie entgegenstellen, egal aus welcher Richtung sie kommt.» Wir können uns knapp zurückhalten, dieses schiefe Bild tiefer auszumalen.

Seit Lüders pensioniert wurde, ist sie gerne im Einsatz für Diversität und gegen Sexismus. Als in Deutschland letzten Sommer die Werbebranche dran war, holte sich die Agentur Scholz & Friends – im Feuer wegen Sexismus und Diskriminierung – als «Fachexpertin» – Christine Lüders. Zudem habe man «Listening Sessions» mit allen Mitarbeitenden und eigene «Round Tables» nur für Frauen durchgeführt, schliesslich einen Aktionsplan entwickelt und umgesetzt.

Wir fordern eine Beauftragte für DEI bei Tamedia

Wunderbar, seither ist es an der Geschlechterfront ruhig bei Scholz & Friends. Das wünscht sich natürlich auch Tamedia. Hier hat man den Aktionsplan sogar schon verabschiedet, nun soll Lüders die konkreten Vorwürfe abklären. Da alle anonym erhoben wurden, nicht einmal bekannt ist, wie alt sie sind, dürfte das Lüders einige Zeit in Lohn und Brot halten. Bis sie das Ergebnis verkündet, interessiert das keinen mehr.

Vielleicht noch ein kleiner Tip; als clevere Agentur hat sich Scholz & Friends damals gleich eine neue Position einfallen lassen: die Beauftragte für «Diversity, Equity und Inclusion», kurz DEI. Dieser Titel passt wie angegossen auf Priska Amstutz.

 

 

 

Das Alien komme über Obrist

HR Giger ist tot. Das ist in dem Sinn gut für ihn, dass er das «Magazin» nicht mehr lesen muss.

Manchmal tun auch kürzere Texte länger weh. Die «Republik» braucht immerhin mindestens 15’000, eher 25’000 Anschläge, damit sich beim Leser das Gefühl einstellt, in ein nasses Handtuch zu beissen.

Hans Ulrich Obrist reichen schon 2662 Buchstaben, damit es einem den übrigen Tag übel ist. Dabei soll er doch einer der einflussreichsten Kuratoren im Kunstbereich sein. Aber, Hand aufs Herz, würden Sie diesem Mann dieses Buch abkaufen?

Endlich. Die Fortsetzung von «A Brief History of Curating».

Wer noch mehr will: Obrist hat auch noch «Kuratieren!» im Angebot, für Deutschsprecher. Oder wie wäre es mit «Everything you always wanted to know about curating»? Gerüchte besagen, dass Obrist an «Curating, the Beginnings», «Curator returns», «Curator, Reloaded» und an «Curator, the Making of» arbeitet. Patrick Frey plane bereits eine hochwertige und hochpreisige Gesamtausgabe.

Vielleicht hat Obrist nur sein sonst viel höheres Niveau für Tamedia niedriger gelegt.

Beim «Horror-Giger» ist Etikettenschwindel. Es ist beim «Horror-Obrist».

Schon hier stimmt mal genau nichts. Man kann HR Giger als vieles bezeichnen, aber ganz sicher nicht als den «Salvador Dalí der Schweiz». Das ist ungefähr so bescheuert, wie wenn man Greta Thunberg als «Heidi des Nordens» verkaufen möchte. Aber eigentlich geht es – ein Schuss ins eigene Knie für jeden Kurator – Obrist nicht um den genialen Künstler – sondern um sich selbst. «Wenige Monate vor seinem Tod habe ich ihn gemeinsam mit Patrick Frey besucht und ein Interview mit Giger aufgezeichnet.»

Das könnte Giger den Rest gegeben haben. Aber nun ist Obrist voll in Fahrt, Versuche, Gigers Kunst zu erklären, seine Motive, sein Ringen, sein Abgründe? I wo, da gibt es wichtigere Befindlichkeiten: «Es war mein zweiter Besuch bei ihm, nachdem der erste, dreissig Jahre zuvor, für mich ein wenig panisch verlaufen war.»

Wieso über Giger schreiben? Obrist ist doch viel beängstigender

Das ist ja spannender als der erste, unerreichte Alien-Film. Als damals der Taxifahrer dann noch sagte, dass man sich nun der Gegend nähere, wo «der Horror-Giger» wohne, da gesteht der Bauchnabelbetrachter Obrist, «dass ich plötzlich Angst bekam». Leider hatte die Giger nicht vor ihm und öffnete seine Türe.

Nun ist es Zeit für Obrist, Weltläufigkeit sprühen zu lassen: «In Tokio ist Giger eine Bar gewidmet.» Nicht nur das:

«In Geschäften und Arztpraxen begegnen einem Gigers Werke als Poster in schöner Regelmässigkeit.»

Ist ja aber auch. Da muss man schon das Auge des wichtigen Kunstvermittlers haben, um das zu beobachten. Dass es in Chur eine von Giger eingerichtete Bar gibt, in Gruyière nicht nur Käse, sondern auch ein Giger-Museum, das wäre sicherlich zu banal, um es zu erwähnen.

Dafür aber das schweineteure Buch «Alien Tagebücher», das aufgebrezelt in der «Edition Patrick Frey» erschienen ist. Kostet schlappe 111 Franken und bietet dafür so viel Hintergrund zum ersten Alien-Film, den man gar nicht so genau wissen möchte. Da gibt es viel bessere – und viel billigere – Einführungen in Gigers Werk und Welten.

Giger, der Künstler, seine Motive, seine vielen verschiedenen Welten?

Abgesehen davon, lieber Kunstüberflieger mit Bruchlandung, HR Giger war nun überhaupt nicht nur Alien, nicht nur Monstermaler. Er war vieles mehr, was eine ernsthafte Beschäftigung mit ihm verdient hätte. Nur schon aus Respekt. Vielleicht sollte Obrist das nächste Mal nicht einen toten Künstler missbrauchen, um über sich selbst zu schreiben.

Zudem noch mit fantasievoller Ausschmückung: «Sein Angebot, den Garten zu besichtigen, nahm ich dankbar an, doch weil er dort eine Art Geisterbahn installiert hatte, kam ich klopfenden Herzens schnell wieder zurück.» Das Züglein im Garten eine Geisterbahn? Das ist nicht künstlerische Freiheit, das ist schlicht Fake News.