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Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan …

Zürich soll mohrenfrei werden. Und das sei gut so, findet der Tagi. Immerhin mal kein Genderthema.

Thomas Morus hätte das nicht lustig gefunden. Hä? Nein, ein kleiner Scherz. Denn die Sache ist ernst. Etwa nicht gewusst? Im Zürcher Stadtbild tobt weiterhin der Rassismus. Es kann doch nicht sein, dass es gelungen ist, endlich den Mohrenkopf zu vertilgen (also den Namen, wobei, es gibt da noch Widerstandsnester). Aber dass andererseits noch Inschriften an Zürcher Häusern prangen wie «Zum Mohrentanz» oder gar schlichtweg «Mohr», das geht natürlich nicht.

Das ist zwar eine dumpfbackige Meinung, aber immerhin eine klare. Edgar Schuler vom «Tages-Anzeiger» muss sich mit Salome Müller den Dienst am Tagi-Newsletter teilen. Das entschuldigt aber nicht alles. Denn er mäandert sich durch dieses Minenfeld, als wäre er eine Schlange, die plötzlich ihren eigenen Schwanz vor sich sieht.

Er finde es gut, dass es harsche Reaktionen auf den Beschluss des Stadtrats gebe, solche Schweinereien zumindest an städtischen Liegenschaften nicht mehr zu tolerieren. Aber: «Gut, hat sich die Stadt zu diesem Schritt entschlossen». Es ist zwar nur ein Trippelschritt für Zürich, aber ein grosser Schritt für alle, die sich tatsächlich vom Wort Mohr diskriminiert fühlen.

Es wird wieder einmal ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt

Deshalb schreibt der Tagi, Überraschung, mal wieder von einem «Zeichen», das hier gesetzt werde. Ein Zeichen gegen und ein Zeichen für, logo. Der Sprachforscher Schuler weiss in seinem Kommentar:

«Aber der «Mohr» ist auch nicht mehr das unschuldige Wort, das es in den Ohren vieler einmal war. Der Begriff ist schlicht und einfach aus der Zeit gefallen. Er gilt heute zu Recht als rassistisch. Es gibt Betroffene, die sich zu Recht daran stören.»

Das war’s für dich, will Schuler gerne der sardischen Flagge sagen.

Allerdings: Mehr Unsinn kann man nicht in einen kurzen Absatz packen. Was soll am Wort «Mohr» jemals unschuldig gewesen sein? Es ist ein uraltes Wort, schon im Althochdeutschen, ja im Griechischen nachweisbar. Einfach für einen Bewohner Mauretaniens, Marokkos oder Äthiopiens.

Also für Mauren, wie die lateinisierte Form lautet. Für Spanier sind «los moros» die arabischen Eroberer Spaniens, unter deren Herrschaft ein gewaltiger kultureller Aufschwung erfolgte, bis sich das Leichentuch der christlichen Inquisition nach der Rückeroberung über das Land legte.

Auch die Sarden empfinden den Mohrenkopf in ihrem Wappen weder als aus der Zeit gefallen, noch rassistisch. So gelte er auch nur, schreibt Schuler vorsichtig, denn er hat wohl etwas gegoogelt und musste feststellen, dass diese heutzutage tödliche Anschuldigung keineswegs allgemein akzeptiert wird. Auch ausserhalb von rassistischen Kreisen nicht. Aber dieser Unsicherheit begegnet er mit einem doppelten «zu Recht». Die dümmste Leerformel einer Verstärkung.

Die einen stören sich an diesem, die anderen an jenem

Und wenn es Betroffene geben sollte, die sich daran stören: Wie steht es dann mit den Betroffenen, die sich daran stören, wenn dieser schöne, alte Begriff verschwindet? Es geht ja nicht darum, ein «Heil Hitler» von der Mauer zu kratzen. Oder sollte nicht auch die Plakette am Haus, in dem Lenin wohnte, ergänzt werden durch einige Hinweise auf die Auswirkungen seiner Revolution?

Noch übler treiben’s die Korsen mit ihrer Flagge.

Das ständige Umschreiben und Reinigen der Geschichte ist ein typisches Merkmal für totalitäre Staaten. Oder die Kirche. Nur solche Gebilde wollen nicht nur die Gegenwart und die Zukunft beherrschen, sondern auch die Vergangenheit. Die ist zwar leider vergangen, aber wie sie gesehen wird, das lässt sich doch wohl ändern.

Normalerweise tut das der Herrscher, der Diktator, die Partei, die Führungsspitze, unterstützt von den üblichen nützlichen Idioten, die selbst die absurdesten Begründungen erfinden, wieso ein Sieg plötzlich eine Niederlage war, ein wichtiger, aber in Ungnade gefallener Führer einfach aufhört zu existieren.

Das ist keine Geschichtsklitterung; so wurde der Mohrenkopf auch verwendet.

Hier in der Schweiz ist der Mohrenkopf zu einem Jekami geworden. Basler Gugge wie «Negro-Rhygass» oder alle, die irgendwie ein an Mohren erinnernde Sujets verwenden, wurden als ausgemachte Rassisten enttarnt. Von all den Lokalen, Orten, Gebäuden, die aus irgendwelchen teilweise längst vergessenen Gründen das Wort Mohr verwenden, ganz zu schweigen.

Mit «Rassismus!» erobert man locker die Meinungshoheit

In Zürich soll das «Kollektiv Vo Da» eine wichtige Rolle bei der «Sensibilisierung» gespielt haben: «Wir sind ein Kollektiv von Menschen vo da, die eines Tages beschlossen haben, sich zusammen zu tun,

um die Themen Diskriminierung und Rassismus gemeinsam öffentlich anzusprechen.»

Das ist lobenswert. Aber, mit Verlaub, soll man von solchen Meinungsträgern eines «Kollektivs», von einer völlig ahistorischen Stadtpräsidentin solche Eingriffe, Übergriffe einfach akzeptieren? Meinungsbildung durch öffentlichen Druck und unfundiertes Geschrei ohne geschichtliche Kenntnisse? Dem Zeitgeist geschuldet; wer weiss denn, welche Begriffe in 100 Jahren getilgt werden müssen?

Ich bin ein Berliner. Aber nicht so einer

Echt jetzt? Darf ich mich als gebürtiger Berliner nun auch dafür einsetzen, dass die Verwendung dieses stolzen Namens für eine zuckrige, mit Marmelade gefüllte, in Fett ausgebackene Kalorienbombe verboten werden muss?

Müsste klappen, denn wenn ich mich davon diskriminiert fühle, gilt das etwa weniger, nur weil ich ein älterer, weisser Mann bin? Es gibt schliesslich Ersatz; Krapfen zum Beispiel. Da ich keinen Zusammenhang zwischen mir und einem Krapfen sehe, kann man das mal machen. Vorläufig. Frau Stadtpräsidentin, kümmern Sie sich drum! Ich bin auch vo da und Stadtzürcher Bürger.

Der Realität wird’s blümerant Teil 1

Wie Claudia Blumer sich von einem Mann einseifen liess und eine Mutter in die Pfanne haute. Aus nicht ganz uneigennützigen Motiven.

«Tobender Mann beisst Polizisten ins Bein». So titelte der «Tages-Anzeiger» am 26. Dezember 2013. Eine Polizeipatrouille war wegen eines Ehestreits gerufen worden. Während die «gewaltbetroffene Ehefrau»* vor der Wohnungstüre wartete, griff der Ehemann* drinnen die Polizisten zuerst mit einem Besenstiel an, dann biss er einen in den Oberschenkel. Das alles vor den Augen seiner beiden Kinder.

Ausriss aus dem Tagi vom 26. Dezember 2013.

Resultat: zwei Polizisten in ärztlicher Behandlung, ein Ehemann 24 Stunden im Knast. Später wurde er wegen Gewalt gegen Beamte verurteilt. Wegen häuslicher Gewalt nur deswegen nicht, weil seine Frau ihre Anzeige zurückzog.

Der Vorfall schaffte es sogar bis zur Agentur SDA.

«Ein Leben ohne die eigenen Kinder», so sülzte am 1. Juli 2019 die Tagi-Journalistin Claudia Blumer. Sie beschreibt das tragische Schicksal eines Vaters, dem seine Kinder durch ihre Mutter entfremdet wurden – bis er sie nicht mehr sehen durfte. Der liebende Vater ist verzweifelt und untröstlich.

Seiner Ehe entsprossen zwei Kinder, «doch nach sieben Jahren trennen sich William und seine Frau, er zieht aus», weiss Blumer, die die Namen der Beteiligten oberflächlich verfremdete. Drei Jahre sei es soweit gut gegangen, Besuchsrecht und alles. Doch nach der Scheidung und der Bereinigung finanzieller Fragen hätten «die Probleme angefangen. Plötzlich hätten sich die Kinder bei ihm unwohl gefühlt, sagt der Vater».

Ausriss aus dem Verleumdungsartikel von Claudia Blumer. Hinter Bezahlschranke.

Journalistin Blumer sagt später, ihre «Motivation» für diesen Artikel sei der Umstand gewesen, «dass die Kinder ihren Vater nicht mehr sehen wollen und die Behörden kapitulieren müssen». Sie habe Gründe und Handlungsmöglichkeiten untersuchen wollen. Dann fügt sie hinzu: «Dieser Kern der Geschichte stimmt.»

Es muss sich dabei aber um einen Kirschkern gehandelt haben. Denn der so leidende und verzweifelte Vater ist der gleiche, der vor den Augen seiner Kinder einen Polizisten gebissen hatte. Das hätte Blumer wissen können, wollte sie aber nicht. Auch sonst stimmt an ihrer Schilderung bis hierher – nichts.

Die wirklichen Ereignisse spielten sich sehr, sehr anders ab

Es gab nach sieben Jahren nicht einfach eine Trennung. Diesen Gewaltausbruch ihres Mannes gegen sie und gegen die Polizei nahm die Mutter zum Anlass, aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen. Er blieb. Die «Probleme» fingen auch keineswegs nach der späteren Scheidung an, seine Kinder fühlten sich nicht erst dann «plötzlich bei ihm unwohl».

Blumer beging so ziemlich alle Anfängerfehler, die man nur machen kann. Sie baute ausschliesslich auf die Aussagen des Mannes, liess sich nur von ihm mit Unterlagen versorgen, glaubte ihm, dass diese vollständig seien. Sie versuchte zwar, die Mutter zu einer Stellungnahme zu bewegen, aber in einer Art, die diese als unverschämt und übergriffig empfand.

Verständlich, wenn man die Fragestellung von Blumer anschaut: «Was sagen Sie zum Vorwurf (des Vaters, teilweise auch der Fachleute), Sie hätten durch Ihr Verhalten zum Loyalitätskonflikt der Kinder beigetragen, die schliesslich zur Entfremdung vom Vater geführt hat?» Alle weiteren in diesen Fall involvierten Personen, Behörden und Fachkräfte belästigte Blumer mit keiner einzigen Frage.

Verengung des Recherchewegs.

Stattdessen wandte sich die Tagi-Redaktorin an Auskunftspersonen allerorten, von Basel bis Zürich, die mit dem geschilderten Fall nicht vertraut waren, lustigerweise aber genau die Ratschläge gaben, die von den zuständigen Behörden auch angewandt wurden.

Die Entrüstung der Mutter wird umso verständlicher, wenn man Einsicht in alle Gutachten und psychologischen Untersuchungen und die Gesprächsprotokolle mit dem Vater hat; nichts deutet darauf hin, dass die Mutter die Kinder gegen ihren Vater aufgehetzt haben könnte, was auch der den Kindern zur Seite gestellte Anwalt bestätigt.

Blind durch ein hochemotionales Minenfeld gerannt

Blumer sollte wissen, dass es im menschlichen Leben kaum eine extremere emotionale Situation gibt als eine nicht friedliche Scheidung, in der auch Kinder involviert sind. Schon alleine das würde äusserste Vorsicht verlangen, würde es absolut unmöglich machen, nur einseitig auf die Aussagen einer beteiligten Partei zu vertrauen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Blumer sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, sich über den Hintergrund, den Charakter, die Glaubwürdigkeit ihres Kronzeugen zu informieren. Dann wäre ihr nämlich nicht nur der Beissvorfall im eigenen Organ aufgefallen, sondern auch die Unzahl von Eingaben, Prozessen und die gerichtsnotorische Auffälligkeit ihres Leidensvaters.

Beidseitige Verengung.

Dazu nur ein Auszug aus einem Urteil des Bundesgerichts (!), bis zu dem der Vater hinaufprozessiert hatte: «Die Beschwerde besteht zu grossen Teilen aus polemischen Ausführungen und Unterstellungen», nerven sich die obersten Richter und lehnen sie natürlich ab – wie alle Vorinstanzen.

Das hindert den Vater nicht, noch vor Erscheinen des Artikels folgende Mail an seine Ex-Frau – Kopie an die Präsidentin der Schaffhauser Kesb und das Obergericht – zu schicken:

«The story how you and your SP Sauband temporaly stole (die gemeinsamen Kinder) from their father will be published tomorrow in Tages-Anzeiger

Später werde dann noch die «Tagesschau» darüber berichten, wie korrupt die Kesb Schaffhausen sei und welche kriminellen Methoden ihre Präsidentin* anwende. Darüber werde auch jeder Kantonsrat informiert, bis alle «kriminellen SP-Freunde» seiner Ex-Frau ihren Job verlören.

Hätte Blumer etwas recherchiert,  wäre ihr auch aufgefallen, dass in diversen Gesprächsprotokollen* immer wieder darauf hingewiesen wird, dass es schwierig bis unmöglich sei, mit dem Vater über sein Verhalten oder dessen Auswirkungen auf die Kinder zu sprechen. Stattdessen habe er immer wieder zu Monologen über seine Ex-Frau angesetzt, der er nicht nur die Manipulation der gemeinsamen Kinder, sondern weitere, wilde Untaten vorwirft.

Ein gelinde gesagt problematischer Kronzeuge

Es wäre ihr aufgefallen, dass der Vater deutliche Anzeichen von Realitätsverlust zeigt. So fantasiert er von einer Verschwörung seiner Frau mit der Kindswohlbehörde und sogar einer Richterin gegen ihn, die darauf basiere, dass alle drei der gleichen Partei angehörten. Mit einem einzigen Telefonat hätte Blumer herausfinden können, dass das frei erfunden ist.

Schliesslich bestritt der Mann, der von der Schaffhauser AZ die Möglichkeit zur Stellungnahme erhielt, dass es häusliche Gewalt gegeben habe. Das sei alles Bestandteil einer «Verleumdungskampagne» seiner Ex-Frau. «Erst die Kohle, dann die Kinder», das sei ihr Plan gewesen. Unbeschadet von vorliegenden Gerichtsurteilen und Strafbefehlen und Strafuntersuchungen der Schaffhauser Staatsanwaltschaft.

Indirekter Versuch der Richtigstellung.

Den Redaktor der Schaffhauser AZ, der schon kurz nach Erscheinen des Blumer-Machwerks dieses nach Strich und Faden öffentlich demontierte, bedrohte der Ex-Ehemann. Weshalb er wegen Drohung, Beschimpfung und übler Nachrede neuerlich vor Gericht steht. Dazu sagt der Co-Redaktionsleiter Mattias Greuter: «Am Tag, an dem mein Artikel erschien (25.7. 2019), rief mich der Ex-Ehemann an. Er bezeichnete mich als «verleumderisches Arschloch» und sagte: «Pass bloss auf, wenn ich dich auf der Strasse sehe.» Auf Grund meiner Recherche wusste ich, dass er Kampfsport betreibt und bei anderer Gelegenheit schon Gewalt angewendet hatte.»

Eine Gegenklage des Ex-Ehemannes wurde hingegen abgeschmettert, was für ihn ein weiterer Beweise der Verschwörung gegen ihn ist.

Zwecks Illustration ihres Rechercheansatzes, wie zur Entfremdung von Kindern von einem Elternteil kommen könne, und was die Behörden dagegen unternehmen könnten, hat Blumer also so sehr danebengegriffen, wie es nur möglich ist.

Blumer haut nicht nur die Mutter der Kinder in die Pfanne

Unangekränkelt von jeglichem Zweifel an ihrer journalistischen Fähigkeit der Wahrheitserkenntnis, damit diesem Mann nicht unähnlich, behauptete Blumer in einem Kästchen zum Entstehen des Artikels, dass sich der Vater «an diese Zeitung gewandt habe» und dass er «uns alle Unterlagen betreffend Elternkonflikt und Kinderbelange» inklusive Mails und Prozessunterlagen, «überlassen» habe. Das ist falsch.

Die Entstehungsgeschichte liegt nicht im Streubereich der Wahrheit.

Blumer fährt fort: «Die zuständige Kinderpsychologin* des Kantons wollte zunächst mit dieser Zeitung über den Fall reden, da es sich um ein Paradebeispiel einer forcierten Entfremdung handle. Sie wurde jedoch von ihren Vorgesetzten zum Schweigen verpflichtet.»

Diesem Absatz kann man immerhin eine gehobene Bösartigkeit nicht absprechen. Offensichtlich wurde diese Psychologin ans Amtsgeheimnis erinnert, nicht «zum Schweigen verpflichtet». Dennoch wird sie von Blumer zitiert, zudem mit einer Aussage, die sämtlichen anderen Fachgutachten in diesem Fall widerspricht. Eine erste Einvernahme in Sachen Amtsgeheimnisverletzung durch die Staatsanwaltschaft fand bereits statt.

Bis hierhin ist es eine bedenkliche Fehlleistung einer Journalistin, die offensichtlich völlig oberhalb ihrer Kapazität und Kompetenz einen dramatisch einseitigen, falschen und allen hausinternen «eisernen Regeln» widersprechenden Artikel publizierte. Der durch alle Qualitätskontrollen durchrutschte.

Allen Beteiligten wurde von ZACKBUM die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt. «Ihre Vorwürfe und Behauptungen sind falsch», erwiderte im Namen Blumers die «Leiterin Kommunikation Tamedia» – pauschal auf eine ganze Reihe von begründeten, konkreten Fragen. «Ich werde Sie keine Stellungnahme liefern und keine Information», schrieb der Ex-Ehemann und bat zudem darum, «sofort in Ruhe gelassen zu werden».

Kommt in den besten Häusern vor, sollte es aber nicht. Ist damit der Blumer-Skandal beendet? Nein, damit fängt er erst richtig an.

*Der Redaktion sind die Namen sämtlicher Beteiligten bekannt. Wir konnten in die gleichen Dokumente Einsicht nehmen, die auch schon dem «Tages-Anzeiger» vorlagen.

Lesen Sie morgen: Nach dem Blumer-Skandal folgt der Tamedia-Skandal.

Ex-Press XXXIII

Blüten aus dem Mediensumpf.

 

Die Ringier-Frauen

Zunächst muss ZACKBUM ein Geständnis machen. Räusper, hüstel, kopfkratz. «Der geheime Aufschrei der Ringier-Frauen» ist so geheim, dass er nicht stattfand. Es gibt auch kein Protestschreiben, noch viel weniger ein Gespräch mit Ladina Heimgartner. Vielmehr wurde das tatsächlich nicht autorisiert. Weil es nicht stattfand. Genauso wenig, wie sie mit Marc Walder über das Thema Belästigung spricht.

Das Foto der aus dem Untergrund durchbrechenden U-Bahn ist nicht echt. Aber auch keine Fake News, es ist Kunst.

April, April. Tun wir nur an diesem Tag, weder vorher noch nachher. Niemals nicht. Sonst ist alles die volle Wahrheit, die reine Wahrheit, was hier steht. Echt jetzt, ungelogen. Die reine Wahrheit und die reine Meinung von René Zeyer. Nichts mehr. Auch nichts weniger.

 

Die Tagi-Lüge

Man muss das so grob formulieren. Denn das ehemalige Qualitätsorgan erteilt einem Gastkommentator das Wort. Der Jung-Jurist Loris Fabrizio Mainardi arbeitet sich am Thema Meinungsfreiheit ab. Die Vorlage liefert – Überraschung – die Protestbewegung gegen die Corona-Massnahmen der Schweizer Regierung, insbesondere die – erlaubte – Demonstration in Liestal.

Titel: «Meinungsfreiheit ist heilig – in klaren Grenzen». Auf das Wort heilig kommen wir noch zurück. Das ist eine Binsenwahrheit. Es gibt keine absolute Freiheit, gäbe es sie, wäre es absolute Willkür, die Freiheit des einen auf Kosten der Freiheit der anderen. An dieser Widersprüchlichkeit argumentiert Mainardi recht differenziert entlang.

Offensichtlich viel zu differenziert für den Tagi. Denn der haut dem Kommentar diesen Lead in die Fresse: «Von den Demonstrationen der Corona-Lügner geht eine unmittelbare Gefahr aus. Sie werden zu Recht verboten.»

Grenzenlose Freiheit beim Lead.

Das stammt nun eindeutig aus der untersten Schublade des Werkzeugkastens für Demagogie. Mainardi ist differenziert genug, das Wort «Corona-Lügner» nicht zu verwenden. Nicht zuletzt, weil es sich höchstens als inhaltsleere Abqualifikation eignet. Nicht mal als Aprilscherz ist das brauchbar.

Das ist meine Meinung, meint der Tagi

Die «unmittelbare Gefahr» nimmt der Tagi aus dem Urteil des obersten Bundesgerichts der USA – von 1919. Propaganda gegen Kriegsrekrutierung sei nicht durch die Verfassung geschützt, zitiert Mainardi. Sobald von einer Meinungsäusserung eine «clear and present danger» ausgehe, müsse sie verboten werden.

Das Gericht nahm als Beispiel einen Theaterbesucher, der ohne Grund «Feuer» schreit und damit eine Panik auslöst. Ob die kühne Brücke hält, auf der Mainardi  von den «Verteidigungsmassnahmen im Kriegsfall» zu den «staatlichen Bekämpfungsmassnahmen» gegen die Pandemie balanciert, wäre sehr die Frage.

Genauso, ob er deshalb alle Manifestationen gegen diese staatlichen Massnahmen verbieten möchte. Zumindest sieht er Protest dagegen kritisch; anderswo zieht er die Grenzen der Meinungsfreiheit weiter:

«Wenn Bill Gates, Putin oder andere Potentaten als Verursacher der Krise gebrandmarkt werden, ist es Sache derer Anwälte, dagegen vorzugehen.»

Es ist zumindest originell, Gates als Potentaten zu bezeichnen und auf eine Ebene mit Putin zu heben. Aufgrund seines Glaubens ist Mainardi bei einer anderen Institution mit einem Potentaten an der Spitze lockerer in der Grenzziehung der Meinungsfreiheit. Zur uralten Debatte über die Teilnahme der katholischen Kirche in politische Auseinandersetzungen hat er eine klare Auffassung: «Eine kirchliche Einmischung in die politische Diskussion ist demnach bisweilen theologisch geboten wie demokratisch zulässig, wird sich aber auf ethische und moralische Grundsatzfragen zu beschränken haben.»

Das Läutwerk des Katholizismus.

Das ist seine freie Meinung zu heiligen Ansichten, die er ungeniert äussern darf. Was hingegen der «Tages-Anzeiger» als Lügen-Lead über seinen Kommentar gestellt hat, ist nicht nur handwerklich aschgrau.

 

Wenn sich der «Blick» den Strick gibt

«Hass-Opa fordert Christa Markwalder zum Selbstmord auf», blökt der «Blick» am Karfreitag.  Ganz üble Sache? Ganz übler PR-Stunt der Dame, der man einen grossen Drang in die Medien nicht absprechen kann.

Der «Blick» macht’s ihr aber auch kinderleicht. Denn diese Drohung erreichte sie – letztes Jahr am 24. Dezember. Öffentlich beklagt über zunehmend garstigere Drohungen gegen Politiker hatte sie sich damals auch schon.

Aber warum nicht nochmal. Also darf der «Blick» den handschriftlichen Drohbrief samt dem beigelegten Strick abbilden. Und den Rentner Willi Z. mit vollem Namen, Adressangabe und Foto als Urheber vorführen. Der 83-Jährige darf sich rühmen: ««Ich habe Freude, dass die Sache bekannt geworden ist», feiert der pensionierte Metzger seine pietätlose Aktion.»

Hart recherchiert: Brief und Strick.

Schlaumeierisch will er sich zudem herausreden; «der Strick war nur ein Angebot an Frau Markwalder und in keinem Fall als Drohung gemeint», behauptet er.»

Dem «Blick»-Ostschweiz-Korrespondenten Marco Latzer gelang es sogar, den Wut-Rentner in seiner Stube zu fotografieren. An der Wand Säbel, ein Katzenfoto und ein Porträt von

General Guisan, «über den Willi Zürcher ebenso ehrfürchtig spricht wie über SVP-Übervater Christoph Blocher (80)».

Aha. Latzer wurde schon vom Presserat wegen fehlender Autorisierung von Quotes und identifizierender Berichterstattung in einem anderen Fall gerügt. Auch Witwenschütteln gehört zu seiner Berufsausübung. Hier hätte er einen verwirrten alten Mann, der seine Drohung zudem wegen einer missverstandenen Äusserung von Markwalder ausstiess, vor sich selbst schützen müssen. Aber he, wie da der «Blick» sagen würde, es ist Karfreitag, kaum was los in der Schweiz. Oder wie Latzer schon in einem Bericht über die mehrfache Vergewaltigung einer 15-Jährigen zum Motiv des Täters sagte: «Das Witzige daran ist, also es ist natürlich ein tragischer Fall.» Ein Gemütsmensch.

Alte News, frisch serviert

Neben inneren Kämpfen und Untersuchungen kommt der «Tages-Anzeiger» zu nichts mehr.

Was guckst du? Hier wird nur nachgeplappert …

Die «Republik» hat einen schönen Scoop gelandet. Sie hatte das Ohr am richtigen Ort. Nämlich dort, wo Dr. André Zilch mit zwei Mitstreitern eine Sicherheitsanalyse über die Schweizer Plattform meineimpfungen.ch veröffentlichte. Am 22. März ging das online, am 23. berichtete die «Republik» gross über ein scheunentorgrosses Datenleck auf dieser Sammelseite, die daraufhin vom Netz genommen wurde.

Das nennt man einen sauberen Nachzug – per copy/paste.

Endlich hat’s die «Republik» geschafft: Chapeau; gut gemacht, schneller als alle anderen am Ball gewesen. Die nehmen ihn auf; so wie am 24. März der «Tages-Anzeiger» auf seiner Frontseite oben links: «Nach Datendebakel: Jetzt soll der Staat die Geimpften selber registrieren». Auf Seite zwei folgt der meinungsstarke Kommentar; «katastrophal schlecht geschützt», Skandal, «findige Computerfreaks» hätten sich Zugang verschafft, tobt Fabian Renz.

Die ganze Seite drei ist der Nacherzählung der Aufdeckung dieser Sicherheitslücke gewidmet. So ganz nebenbei wird unten in Spalte zwei erwähnt, dass das deutsche «Handelsblatt» und die «Republik» die «Sicherheitsmängel publik» gemacht hätten. Als hätte sich die Recherche der «Republik» auf Abschreiben und Nacherzählen beschränkt, wie es der Tagi hier tut, trotz drei Autoren.

Die IT-Lösung für meineimpfung.ch habe das gleiche Unternehmen unter Hannes Boesch entwickelt, der auch in der Stiftung sitze, die das elektronische Impfbüchlein herausgebe, ebenfalls kein durchschlagender Erfolg. Darauf hatte die «Republik» schon im Januar hingewiesen.

Konkurrenz war schneller? Melden wir wie Korrekturen ganz klein

Früher gehörte es zu Benimm und Anstand im Journalismus, zwar mit den Zähnen zu knirschen, wenn einem Mitbewerber ein Primeur gelang, der Chefredaktor war dann mindestens einen Tag lang sehr reizbar und löcherte seine Journalisten ständig mit der Frage: «Und, ihr Pfeifen, was haben wir als Nachzug?»

Aber niemand wäre auf die Idee gekommen, die Konkurrenz einfach so weit wie möglich totzuschweigen. Wir weisen warnend darauf hin: Die «Republik» ist offensichtlich weiblich. Liebe Tagi-Protestierfrauen, übernehmt diesen Fall, das ist noch schlimmer als bei Euch! Ich bitte Claudia Blumer ausdrücklich, ihre Untersuchungen auf diesen Fall auszuweiten.

 

Quo vadis, Tamedia?

So ist das im Journalismus. In Ruhe die Welt ordnen, und dann klirrt’s im Glashaus.

Es ist nicht gerade alltäglich, dass sich der Zürcher Kantonsrat auf eine fraktionsübergreifende Mitteilung verständigt. SVP/EDU, SP, FDP, GLP, Grüne als gemeinsamer Absender? Aber hallo. Nur die fromme CVP-Mitte und die ebenso fromme EVP zierten sich.

Was ist der Anlass dafür, dass SVP und Grüne, FDP und SP gemeinsam zum Griffel greifen? Der Titel der Mitteilung lässt es schon erahnen: «Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen».

Zu diesem fraktionsübergreifenden Kalauer sah man sich angesichts der Berichterstattung aus dem Hause Tamedia veranlasst. Über Frauendiskriminierung im Kantonsrat? Nein, nicht ganz. Sondern über die Querelen am Unispital Zürich, im Speziellen um die Herzklinik.

Irritierend einseitige Berichterstattung?

Da hat auch der «Tages-Anzeiger» «mit der Veröffentlichung von Missständen unbestrittenermassen wichtige Aufklärungsarbeit geleistet», loben die Fraktionen. Um gleich im Anschluss ein sich akzentuierendes Problem von Tamedia anzusprechen: «Mehr und mehr aber hat die personalisierte, zunehmend einseitige Berichterstattung irritiert.»

Den Ergebnissen des Untersuchungsberichts der «Aufsichtskommission für Bildung und Gesundheit» sei deutlich weniger Platz «als der Verteidigung eigener Thesen» eingeräumt worden. Zudem habe sich der Tagi nicht hinterfragt, ob er sich nicht von einem Whistleblower habe instrumentalisieren lassen. Oder ob er seine Sorgfaltspflicht gegen alle Protagonisten und Institutionen «wahrgenommen hat».

Man rafft sich dann sogar zum kleinen Scherz auf: «Dieser Fall zeigt leider, dass sich Journalistinnen und Journalisten auch sitzend verrennen können.»

Natürlich findet es niemand gut, öffentlich in die Pfanne gehauen zu werden. Aber wenn sich fast alle Parteien im Kantonsrat darauf verständigen, Tamedia dringlich nahezulegen: «Lesen Sie die Erklärung des Schweizer Presserats zu den Pflichten von Journalistinnen und Journalisten und nehmen Sie diese ernst!», dann klirrt es nicht nur im Glashaus Tamedia, sondern wegen des Holzgebälks ist auch noch Feuer im Dach.

Die Liste der Probleme wird länger und länger

Man muss inzwischen von einer Krise sprechen. Schmerzliche Reduktion des Angebots, Krankschrumpfung der Redaktion. Einheitssauce, die sich aus Zürich über alle Kopfblätter von Basel bis Bern und anderswo ergiesst. Aushungern der Lokalredaktionen, die gebrochenen Versprechen in Bern, der dividendengetriebene Kurs des Managements, das durch unzählige Profitcenter den Gewinn optimiert.

Eine zunehmende Tendenz, nicht nur in diesem Fall, parteilich in eigener Sache zu werden, sich auf einzelne Personen einzuschiessen. Erinnert sei an den Fall Jean-Claude Bastos. Der Geschäftsmann wurde aufgrund von gestohlenen Geschäftsunterlagen an den Pranger gestellt und ruiniert. Anschliessend stellte sich heraus, dass kein einziger der vielen Vorwürfe vor Gericht Bestand hatte.

Schliesslich ist es den kommentierenden Journalisten deutlich anzumerken, dass Existenzängste, der Bedeutungsverlust der Printmedien, der eigene Bedeutungsverlust zunehmend zu arroganter Rechthaberei führen. Der zurechtweisende, fordernde, Zensuren verteilende, besserwisserische Kommentar wird immer häufiger als Zufluchtsort missbraucht, als Möglichkeit, sich Pseudobedeutung zu verschaffen.

Anfüttern lassen statt eigene Recherche

Eigene Recherche wird – mangels Ressourcen – immer häufiger durch die Verwendung von angefüttertem Material ersetzt. Ein Whistleblower im Fall Unispital, interessierte Kreise im Fall Vincenz, die Teilnahme am Ausschlachten von Hehlerware, euphemistisch als Leaks oder Papers bezeichnet. Dramatische Fehleinschätzungen wie bei den vorletzten Präsidentschaftswahlen in den USA, Konzernjournalismus, fehlende Selbstkritik, zunehmender Gesinnungsjournalismus, abnehmende Funktion als Plattform für freie Meinungsbildung. Schliesslich die kritikfreie und wirtschaftlich getriebene Übernahme von immer mehr Artikeln aus der «Süddeutschen Zeitung», faktisch die gesamte Auslandberichterstattung wird aus München angeliefert.

Die Liste wird immer länger. Dazu noch der Protest von 78 Mitarbeiterinnen über frauenfeindliche Arbeitsbedingungen. Nun auch noch fast der gesamte Kantonsrat, der in seltener Einmütigkeit dem «Tages-Anzeiger» die Kappe wäscht, wie man es so noch nie gesehen hat.

Zeit für energische Massnahmen

Werdstrasse, ihr habt ein Problem. Nicht zuletzt Eure Selbstgerechtigkeit fällt Euch jetzt auf die Füsse. Ihr habt so viele Probleme gleichzeitig, unterfüttert mit einem garstigen wirtschaftlichen Umfeld, dass es mit beruhigenden Geräuschen und den üblichen Ankündigungen der Besserung, der Veränderung, der Neuorientierung nicht getan ist. Denn auch hier stinkt der Fisch vom Kopf. Wer sich all diese Kritik anhören muss, wer zudem als Co-Chefredaktoren von der eigenen Belegschaft so angerempelt wird, nachdem sie schon ins zweite Glied zurückgestossen wurden, die müssen gehen. Zweifellos.

Aber zuerst beschwichtigen

So sieht das Hissen der weissen Flagge mit Buchstaben aus.

Nach einer Denkpause haben Priska Amstutz und Arthur Rutishauser beschlossen, sich «in eigener Sache» zu Wort zu melden. Von allen denkbaren Varianten haben sie sich für das gesenkte Haupt und den blinden Glauben an den Wahrheitsgehalt der Behauptungen im Protestschreiben entschieden: «Wir haben diese Schilderungen mit grosser Betroffenheit gelesen. Zahlreiche erwähnte Beispiele sind nicht akzeptabel. Jegliche Art von Belästigung und Diskriminierung wollen wir nicht tolerieren.»

Es ist berührend und beelendend zugleich, wie hier die Leitungsebene von Tamedia einknickt und sich Asche aufs Haupt streut. Dabei ist bislang keine einzige dieser anonymen Schilderungen verifiziert worden. Dabei gibt es genügend Gegenmeinungen und bedeutende Mitarbeiterinnen, die sich dem hier entstandenen Gruppendruck nicht gebeugt haben. Dazu bald mehr.

Ausländer als «Metastasen» bezeichnet

Der Tages-Anzeiger bietet Oberrichter mit ausländerfeindlichen politischen Ansichten eine «lustige» Plattform.

SD-Politiker Christoph Spiess ist seit einigen Tagen der breiteren Öffentlichkeit ein Begriff. Er und seine Frau Justyna Spiess haben einige Filmchen aufs Netz geladen, die originell sein sollen.

Ins Rollen brachte die Story Tamedia-Redaktorin Lisa Aeschlimann. Sie stellt die Frage aller Fragen: «Man stelle sich vor: Am Morgen verurteilt Spiess Straftäter, am Abend hält er für ein lustiges Video mit seiner jüngeren, lebenslustigen Frau her. Darf sich ein Richter – eine Magistratsperson – in den sozialen Medien so zeigen?»

Langer Rede, kurzer Sinn. Man darf, auch wenn man knapp am guten Geschmack vorbeischrammt.

Ausländer als «Metastasen»

Was den Tagi-Lesern vorenthalten wurde. Alt-Gemeinderat Christoph Spiess (61) darf in seiner Freizeit auch üble rassistische Thesen verbreiten. So schrieb er 2015 in Zusammenhang mit der erleichterten Einbürgerung von Ausländern dritter Generation, dass sie sich zwar so weit «integrieren», dass sie nicht ständig anecken. Im Herzen bleiben sie aber mit der Heimat ihrer Vorfahren verbunden. Sie bilden eigentliche Parallelgesellschaften, sozusagen «Metastasen» fremder Kulturen. Dass ein Oberrichter Teile der Gesellschaft als sinngemäss als Krebstumor, als bösartigen Geschwulst, bezeichnet, ist speziell.  Verbürgt ist laut der «NZZ», dass Christoph Spiess bereits 1975 der Nationalen Aktion beigetreten ist, die damals vor allem gegen Italiener Stimmung machte. 20 Jahre lang war Spiess Gemeinderat in der Stadt Zürich, für die Rechtsaussen-Partei Nationale Aktion gegen die Überfremdung von Volk und Heimat, die sich später in Schweizer Demokraten umtaufte.

Laut dem «NZZ»-Artikel von 2015 ist Spiess «unter Juristen geschätzt, aber für viele ein politisches Schreckgespenst, ein rechtsextremer Fremdenfeind, dem man allerlei niedere Instinkte zutraut». Immerhin, so nochmals die «NZZ»,  sei der stramme Schweizer Demokrat vor Gericht kein Ausländerschreck. Vielmehr gelte als besonnener Jurist, der alle Angeklagten mit Respekt behandle und auch gerne einmal eine mildere Strafe verhänge als die Vorinstanz.

ZACKBUM hat nachgefragt bei Christoph Spiess.

Herr Spiess, wie waren die Reaktionen auf den grossen Artikel im Tages-Anzeiger?

Die Reaktionen auf den von Ihnen erwähnten Artikel gingen mit einer sehr grossen Mehrheit (ich schätze so um die 80 %) dahin, dass die im Artikel thematisierten Videos auf dem TikTok-Account meiner Ehefrau völlig unproblematisch seien, offensichtlich nichts mit meiner Amtstätigkeit zu tun hätten, und dass die daran geübte Kritik deshalb unberechtigt sei.

Hatten Sie früher auch schon Reaktionen/Reklamationen Ihres Arbeitgebers auf Ihre privaten Aktivitäten, etwa die Parteiarbeit für die SD/NA?

Nein, wieso denn auch? Ich war fast 20 Jahre im Zürcher Stadtparlament und bin auch heute noch, wenn auch nicht mehr so intensiv wie damals, politisch aktiv. Das steht mir genau so zu wie jedem anderen Stimmbürger. Es ginge nicht an, mich wegen dieser Aktivität im Berufsleben zu kritisieren, und das geschieht richtigerweise auch nicht. Meine Amtstätigkeit als Richter ist demgegenüber nicht politischer Natur. Hier geht es um die korrekte Anwendung der geltenden Gesetze auf Einzelfälle. Dabei dürfen politische Meinungen keine Rolle spielen, und sie tun dies auch nicht. Im Gerichtshaus hat die Politik nichts verloren.

In einem Text von Ihnen aus dem Jahr 2015 bin ich auf eine diskutable Passage gestossen. Sie argumentieren in Zusammenhang mit der erleichterten Einbürgerung von Ausländern dritter Generation, dass sie sich zwar so weit «integrieren», dass sie nicht ständig anecken. Im Herzen bleiben sie aber mit der Heimat ihrer Vorfahren verbunden. Sie bilden eigentliche Parallelgesellschaften, sozusagen «Metastasen» fremder Kulturen. Würden Sie das heute noch unterschreiben?

Viele junge Immigranten integrieren sich voll und identifizieren sich dann auch wirklich mit unserem Land. Leider gibt es aber auch viele, die zwar unsere Sprache lernen und im beruflichen und sozialen Leben gut eingegliedert sind, innerlich aber nicht die Schweiz, sondern ihr Herkunftsland (bzw. dasjenige der Eltern und Grosseltern) und dessen Kultur als Heimat empfinden. So bilden sich in der Tat «Parallelgesellschaften» fremder Kultur. Das geschieht nicht nur bei uns in der Schweiz, sondern noch viel ausgeprägter in gewissen Quartieren von Grosstädten in anderen europäischen Ländern (Paris, London, Marseille, Berlin, Brüssel-Molenbeek usw.). Leider gibt es sogar Länder, deren Regierung das gut findet und ihre ausgewanderten Bürger aktiv dazu ermuntert, sich ja nicht zu assimilieren. Konkret erinnere ich mich an derartige Äusserungen des amtierenden türkischen Staatspräsidenten.

«Parallelgesellschaften» passen also nicht in Ihr Weltbild?

Diese Nicht-Assimilation und Bildung von «Parallelgesellschaften» kann zu erheblichen gesellschaftlichen Spannungen führen, die sich in Zukunft wohl eher noch akzentuieren werden. So etwas ist meines Erachtens in niemandes Interesse. Im Rahmen der politischen Debatte – ich glaube, dass der von Ihnen erwähnte Text in der Zeitung «Schweizer Demokrat» erschien – darf (und soll meiner Meinung nach) auf diese Problematik hingewiesen und postuliert werden, eine Einbürgerung erst nach erfolgter Assimilation vorzunehmen. Nichts anderes habe ich getan.

Dann finden Sie Ihre Aussage mit den Metastasen also nicht diskutabel?

«Diskutabel» ist das nur in dem Sinne, dass andere Stimmberechtigte – vielleicht auch Sie – diese Auffassung nicht teilen müssen und ihre andere Ansicht in die politische Diskussion einbringen dürfen (und das in einer lebendigen Demokratie hoffentlich auch tun). Das Berufsleben der an der politischen Debatte teilnehmenden Bürger betrifft das nicht, auch nicht bei einem Richter. Denn wie schon gesagt: In der Gerichtsarbeit haben politische Meinungen nichts zu suchen und spielen sie auch keinerlei Rolle. Demgemäss gibt es da auch nichts zu beanstanden.

Uih, lange Antworten, Herr Spiess. Aber danke trotzdem.

Noch dies als Abrundung: Gesetzt der Fall, Christoph Spiess wird 2022 wieder für den Stadtzürcher Gemeinderat und – wer weiss – sogar für die Exekutive kandidieren, einige Stimmbürgerinnen und Stimmbürger werden sich vielleicht an den lustigen Oberrichter erinnern, wie er ihnen vom Tagi präsentiert wurde.

Auf die Fresse gehauen

Der Tages-Anzeiger, das Agglo-Blatt.

Die Karikatur im gestrigen Tages-Anzeiger war blutig. Felix Schaad zeichnete dem von einem Polizeiauto überfahrenen Zürcher Stadtrat Richard Wolff mindestens eine gebrochene Nase. Das Schleudertrauma meldet sich wohl später.  Kopfweh wird dem Stadtrat der linken Partei AL auch der Kommentar von Marius Huber bereiten. Er prügelt auf dem Tiefbauvorsteher herum, wie wenn es kein Morgen geben würde.

Ein Kommentar, der in den NZZ-Mief der 1990er-Jahre passt. Damals stand Andreas Honegger der NZZ-Lokalredaktion vor und sorgte für fast tägliche Attacken gegen ein Zürich, das heute trotzdem – ja zum Glück – prosperiert. Zürich als Bürozentrum, wohnen bitte ausserhalb, lautete damals die Devise nicht nur von der NZZ. Stadträtin Ursula Koch (SP) musste gegen die NZZ und gegen den Kanton Zürich kämpfen, damit in Neubaugebieten nicht nur Bürogebäude hochgezogen wurden. Heute, in der Coronakrise, wird noch klarer, wie recht Ursula Koch hatte und wie wichtig zentrales Wohnen ist. Und wie volatil die Nachfrage nach Büroraum ist. Experten gehen heute davon aus, dass gegen die Hälfte der heutigen Büroflächen nicht mehr gebraucht wird. Homeoffice wird oft Standard. Die Firmen werden so Milliarden an Betriebskosten sparen.

Doch zurück zu Richard Wolff. Man kann dem ehemaligen Linksaussen-Politiker eine gewisse Amtsmüdigkeit vorwerfen. Aber ihn verbal und visuell so vierzuteilen, ist mehr als antizyklisch. Es ist ein Kniefall vor der Goldküstenbevölkerung, die an der vierspurigen Einfallsachse Bellerivestrasse und Utoquai festhalten will. Dabei macht Marius Huber auf Toleranz, wenn er schulbuchmässig Punkte verteilt. Es sei nichts einzuwenden gegen mutige Politikerinnen und Politiker, die sich etwas trauen und konkrete Ideen lancieren, statt nur unverbindlich zu lavieren, vor lauter Angst, einen Fehler zu machen. Aber es gebe einen feinen Unterschied zwischen Mut und Übermut.

Übermut, 2021 den vierspurigen Utoquai und die Bellerivestrasse zu hinterfragen? Eine aus der Zeit gefallene Stadtautobahn, die bis zum Bellevue reicht und einen der schönsten Orte Zürichs fast so sehr teilt wie es die berühmtberüchtigte Rosengartenstrasse tut? Das Herumgehacke des Tagi auf Richard Wolff ist ein Vorgeschmack darauf, wenn die Fusion der Regionalredaktionen bei Tamedia (Tages-Anzeiger, Zürichsee-Zeitung, Zürcher Unterländer, Landbote) mal vollzogen ist. Der konservativere Leser der Zürichsee-Zeitung und des Unterländers muss bei Laune gehalten werden. Die ehemals links-liberale Haltung des Tages-Anzeigers ist passé.

Bezahlschranke beim «Tagi», «WoZ» gratis

So unterschiedlich gehen Verlage mit der Corona-Krise um.

Ein Blick heute auf die App des Tagesanzeigers zeigt: Mindestens vier Fünftel der angebotenen Artikel kann man nur mit einem Abo lesen. Damit zieht die Tamedia weiter die Schraube an, um nicht noch mehr Geld zu verlieren. Doch der Leser ist verwöhnt. Dann liest er die Inhalte halt nicht mehr. Ein Abo? Sicher nicht. Tamedia hat viele seiner Inhalte jahrelang gratis aufs Netz gestellt. Der treue Abonnent fühlte sich geprellt, der Nichtabonnent sah sich als ganz normaler Zeitungsleser. Die Gratiskultur hat Tamedia zusätzlich gefördert mit dem Pendlerblatt 20 Minuten. Die Geldkuh mit Gratisinhalten für alle sorgte jahrelang für eine Quersubventionierung der Bezahlzeitung «Tages-Anzeiger». Doch seit der Reorganisation vor einem Jahr ist diese Finanzspritze weggebrochen. Seither und unter dem Holdingnamen TX Group müssen die weitgehend eigenständigen Firmen TX Markets (Rubriken, Warenmärkte), Goldbach (Werbevermittlung), 20 Minuten (Pendlermedien) und Tamedia (Bezahlmedien) für sich selber schauen und aufkommen. Das ehemalige Flaggschiff Tamedia ist da am stärksten betroffen. Da nützt auch die Unterstützung wegen Kurzarbeit wenig. Die Abozahlen rasseln in den Keller. Sparen auf den Redaktionen, Zusammenlegen und Übernehmen von der «Süddeutschen» ist angesagt.

Das nennt sich Leserbindung bei Tamedia: Freigeschaltet ist lediglich der Trumpverriss. 

Weil die Abonnenten das natürlich mitbekommen, dreht sich die Sterbespirale weiter. Dass da gefühlt kein einziger Corona-Artikel frei zugänglich ist, passt zum Hü-und-Hot-Konzept von Tamedia.

Völlig anders hingegen agiert die Wochenzeitung WoZ. Die genossenschaftlich organisierte Zeitung wird am 1. Oktober 40 Jahre alt. Die Abozahlen liegen um die 18‘000, Tendenz steigend. Existenzängste scheinen der WoZ-Redaktion fremd zu sein. Darum lässt man in der aktuellen Megakrise auch Nicht-Abonnenten am Kuchen teilhaben. «Alle Texte für alle – Konsequent solidarisch» so ein Inserat in der aktuellen WoZ. «Auch im zweiten Lockdown sind alle unsere Inhalte auf www.woz.ch und in der WOZ-App kostenlos zu lesen.»

Und was macht unsere Lieblingspostille, die Republik, in Coronazeiten? Man hält eisern an der Bezahlschranke fest. Was ihr gutes Recht ist. Immerhin kann man gratis den Covid-19-Uhr-Newsletter«Brauchbares zur Pandemie – immer wenn es dunkel wird» lesen. Im ersten Lockdown wurde er gut 37000 mal abonniert. Ob die zum Teil ellenlangen Texte auch gelesen wurden, ist eine andere Frage.

Ex-Press XXIII

Blasen aus dem Mediensumpf.

Wir wissen nichts Genaues, aber anpinkeln ist immer eine gute Idee.

 

Humorloser Tages-Anzeiger

Geraune ist die neue Währung im Gesinnungsjournalismus bis zur Besinnungslosigkeit. Und anpinkeln. Ein Meister dieser Kunst ist der Kulturredaktor Andreas Tobler vom kulturlosen «Tages-Anzeiger». «Hass ist keine Meinung», meinte Tobler hasserfüllt, als er über den deutschen Musiker Naidoo herzog. Aber er ist ein typischer Angstbeisser.

Als er sich mit Roger Schawinski anlegte, Plagiat und unsaubere Zitiermethode unterstellte, bot ihm der an, das vor offenem Mikrophon auszufechten. Tobler lehnte feige ab.

Als man von ihm wissen wollte, wieso er die Schlingensief-Imitation «Roger Köppel tötet. Tötet Köppel Roger.» verständnisvoll als «Theatermord» verharmloste – kniff er.

Wenn er nicht kneift, schreibt er ab.

Bei der WoZ im Fall der Sammlung Bührle; «Instagram löscht SVP-Video», verbellt er eine Meldung des Katzenvideo-Organs «watson». Wenn man ihm Gelegenheit zur Stellungnahme geben will, richtig, kneift er.

Bei Tobler brodelt der Bodensee – oder nicht

Jetzt hat sich der lebende Beweis, dass es im Hause Tamedia wirklich keine Kulturredaktion mehr braucht, des «Nebelspalters» angenommen. «Kampf um Satirezeitschrift», titelt er. Was für ein Kampf? Egal: «Züchtet Somm ein rechtsgerichtetes «Biest»?», fragt er dann bang. «Brodelt es am Bodensee?», so leitet er seinen wie mit der Klosettbürste geschriebenen Schmähartikel ein.

Dann benützt er fleissig das beste Hilfsmittel eines Denunzianten: den Konjunktiv in allen Abwandlungen. «Stimmung scheint angespannt, könnte für gröbere Konflikte sorgen, sei telefonisch nicht erreichbar, scheint für Gesprächsstoff gesorgt zu sein.» Wo der Konjunktiv abtritt, kommt der Vermutungsjournalismus:

«Die Befürchtung, Teil eines radikalen Umbaus zu werden, ist stark verbreitet.»

Dann werden 2 von 200 freien Mitarbeitern zitiert, die nicht mehr für den «Nebelspalter» arbeiten wollen. Und schliesslich wird ein Zitat von Andreas Thiel vergewaltigt, damit «Biest» in den Titel kann. Selbst aus der Liberalität Somms, der kein Problem damit hat, sich im eigenen Organ karikieren zu lassen, macht Tobler noch eine Sottise: «In der Zeitschrift wird er verspottet.» Das wäre nicht einmal bei Tobler innerhalb von Tamedia möglich.

Ach, übrigens: weder Mannschaft, noch Inhalt, noch Ausrichtung ist bislang mehr als nebulös bekannt. Man könnte ja auch auf das Erscheinen warten. Aber warum nicht schon vorher unken.

 

Hinterlistige SonntagsZeitung

Ende September 2020 titelte die SoZ: «Rassismus-Vorwürfe an der HSG». In bester Boulevardmanier legte sie los: «Ein ehemaliger Student und Anwalt packt aus.» Er sei abgezockt, ausgegrenzt, in eine persönliche Krise gestossen und abserviert worden. Logisch, als Brasilianer. Garniert wurde das mit den üblichen «anonymen Quellen», die von einem «institutionellen Rassismus» sprachen.

Die HSG zuckte auf Anfrage damals zusammen, nahm die ihr vorher unbekannten Vorwürfe «sehr ernst» und versprach eine Untersuchung. Die fand statt, dauerte vier Monate und kam zum Ergebnis: Alle namentlich erhobenen Vorwürfe liessen sich nicht verifizieren, alle anonymen erst recht nicht. Da diese externe Expertenkommission durchaus prominent besetzt war, fällt es schwer, ihr bezahlte Weisswäscherei vorzuwerfen.

Auf die Anfrage, ob die SoZ nun auch ausführlich dieses Untersuchungsergebnis publiziere, wich man aus; man habe zwar Einblick verlangt, aber keinen bekommen. Und die im Artikel aufgeführten Ankläger, bzw. Opfer seien nicht einmal kontaktiert worden. Was für eine Untersuchung sei denn das.

Allerdings: Das war eine vertrauliche Untersuchung, ohne Einblicksrecht für die Medien. Und die angeblich «Betroffenen», von denen nur einer namentlich bekannt wurde, sind nicht kontaktiert worden, weil sie ihre Vorwürfe niemals, mit oder ohne Namen, der HSG mitgeteilt hatten.

Ein typischer Fall, wie man einem Studienversager auf den Leim kriecht, der der HSG noch eine reinwürgen will, weil man ihm klar bedeutete, dass er den Masterkurs wohl nicht bestehen wird.

 

Unanständige NZZaS

Alt Bundesrat Moritz Leuenberger ist dafür bekannt, dass er sich für einen begabten Worteschmied hält, der auch als Satiriker bestehen kann. Leider oftmals in eigener Sache. Etwas verschwurbelt wollte er in einem Interview mit der NZZaS tiefgründelnd der Frage nachgehen, ob Lügen in der Politik manchmal legitim seien. Nach einem längeren Exkurs auf die Frage, ob er denn selbst schon gelogen habe, plauderte er munter weiter: «Kommt eine Geisel frei, ist wohl meist bezahlt worden.» Das abzustreiten, sei eine legitime Lüge.

Manchmal sollte es die Aufgabe des Journalisten sein, zumindest in seriösen Blättern, einen unter Aufmerksamkeitsmangel leidenden, schon immer an der Welt und an vielem leidenden Ex-Bundesrat vor sich selbst zu schützen. Aber wenn man einen Mitarbeiter beschäftigt, der vorher auf dem Boulevard seine Brötchen verdiente, ist’s mit solchem Anstand vorbei.

Schwafelnde NZZaS

Felix E. Müller ist eigentlich pensionierter Chefredaktor. Aber wenn Sparzwang auf Mitteilungsdrang trifft, dann werden natürlich auch Rentner reaktiviert. Denn sowohl in der NZZ wie in der NZZaS wurden die Medienkritiker nach Hause geschickt. Aber ein wenig darf’s schon sein, und bei Müller kann man sich sicher sein, dass er garantiert nicht seinen ehemaligen Brötchengeber und Zahler einer üppigen 2. Säule kritisieren wird.

Das ist sowieso nicht seine Sache, ob er sich als Fachexperte für Auslandreisen verdingt oder einem Bundesrat ein liebedienerisches Grossinterview schenkt: Müller weiss, wo er nett sein muss. Da natürlich auch Kritik an den anderen grossen Medienhäusern als NZZ-Konzernjournalismus gewertet werden könnte, wird das Personal rar, über das man herziehen könnte.

Roger Köppel ist immer ein sicherer Wert, Markus Somm war’s mal und wird’s wieder, Christoph Blocher war’s auch mal, wird’s aber immer weniger, aber die SVP im Allgemeinen und Christoph Mörgeli im Speziellen ist auch immer eine Sottise wert. Neuerdings auch René Zeyer.

 

Eiernde CH Media

Das Zitat des Monats kommt von CH Media. Da werden namenlose «PR-Profis» zitiert, die sich gleich selber in die Pfanne hauen, ohne es zu merken: «Anonyme Stimmen hätten im Kampf um die Deutungshoheit keine Glaubwürdigkeit», sagen die anonymen PR-Blödis.

 

Tagi: Millionenklage wegen Schlamperei

Ist Verdacht das gleiche wie Tatsache?

Das Aufatmen spürt man auf jeder Zeile. Die «Süddeutsche» schrammte an einer Millionenklage vorbei. Grund: Der Tagi schlampte beim Abschreiben.

Darum geht es: 2013 schrieb die SZ einen Artikel über die Firma Solar Millennium, die nicht weniger als das grösste Solarkraftwerk der Erde in der Sahara errichten wollte. Der Text trug den Titel: «Wetten auf den Absturz». Die Zeitung recherchierte akribisch und über eine längere Zeit hinweg und äusserte schliesslich den Verdacht auf Insiderhandel.

Wenig später ging Solar Millennium unter. 30 000 Anleger verloren rund 100 Millionen Euro. Immer wieder wurde gegen den Unternehmer wegen Betrugs ermittelt. In Düsseldorf war er wegen mehrfachen Betrugs mit rund 9000 Geschädigten angeklagt, wurde aber freigesprochen.

Der Unternehmer klagte die SZ und zwei ihrer Redakteure auf 78 Millionen Euro Schadensersatz. Sein Argument: Wegen des Artikels «Wetten auf den Absturz» soll ihm ein ganz anderes, unterschriftsreifes Projekt mit einem Schweizer Geschäftspartner in Indien geplatzt sein. «78 Millionen – das ist eine Summe, die jeden Verlag in die Knie zwingen und kritische Wirtschaftsberichterstattung in Deutschland unmöglich machen würde.», schrieb die SZ letzte Woche noch mit schlotternden Knien.

Was hat das mit dem «Tages-Anzeiger» zu tun? Nun, der Schweizer Geschäftspartner kündigte das Geschäft nicht wegen des SZ-Artikels, sondern aufgrund einer Abschreibe durch den «Tages-Anzeiger». Darin wurde der SZ-Text «erheblich verändert», so die «Süddeutsche». Der verantwortliche Redaktor änderte den Verdacht eines Insiderhandels in eine Tatsachenbehauptung.

Das Oberlandesgericht Nürnberg, welches die SZ freisprach, fährt deswegen hartes Geschütz gegen den «Tages-Anzeiger» auf:

Der Senat ist der Auffassung, dass der im Schweizer Tages-Anzeiger erschienene Artikel sich von den zulässigen Äusserungen des Artikels der Süddeutschen Zeitung inhaltlich so unterscheide, dass ein Zurechnungszusammenhang zwischen dem ursprünglichen Artikel und einem Scheitern der Geschäfte des Klägers entfalle. Die Süddeutsche Zeitung habe in dem Artikel «Wetten auf den Absturz» deutlich zu erkennen gegeben, dass es sich um eine – wenn auch starke – Vermutung handle, dass der Kläger Insiderwissen ausgenutzt habe. Zwar bestehe grundsätzlich eine Haftung auch für sogenannte Folgeschäden, das Verhalten der Redaktion des Tages-Anzeigers habe aber presserechtlichen Massstäben in besonderer Weise widersprochen, so dass sich letztlich kein von den Beklagten geschaffenes Risiko verwirklicht habe.

Der «Tages-Anzeiger» habe presserechtliche Richtlinien also dermassen über Bord geworfen, dass dem Ursprungstext nichts anzulasten sei. Das ist starker Tobak. Tamedia bestätigte gegenüber ZACKBUM, dass der «Tagi» über den Rechtsstreit informiert worden sei. Man wolle sich aber nicht weiter dazu äussern.