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Fast nur fröhliche Nachrichten

Das heutige Tagblatt der Stadt Zürich macht auf positiv. Das führt zu amüsanten Inhalten.

Schon Pippi Langstrumpf sang:

Widdewiddewitt

und Drei macht Neune !!

Ich mach‘ mir die Welt

Widdewidde wie sie mir gefällt ….

Nun also das Tagblatt der Stadt Zürich. Das Stadtzürcher Amtsblatt präsentiert in seiner Ausgabe von heute Mittwoch auf 84 Seiten einen «anderen Blick auf Zürichs aktuelles Stadtleben. Ein Themenmix, der den Leserinnen und Lesern ein paar beglückende und zuversichtliche Momente schenken und ab und zu ein Lächeln aufs Gesicht zaubern soll», wie es in einer Mitteilung heisst. Persoenlich.com titelt dazu: «Die Zeitung lässt alles Negative weg». Der Kleinreport formuliert es noch fröhlicher: «Gegen Corona-Koller: Tagblatt der Stadt Zürich druckt nur Good News».

Momente des Glücks

Und wie sieht das Resultat aus? «Momente des Glücks», schreibt Chefredaktorin Lucia Eppmann in ihrem Editorial. Sie habe immer stärker den Wunsch gehabt, einmal eine ganze «Tagblatt»-Ausgabe mit positiven News umzusetzen. Da kommt einem der Tages-Anzeiger in den Sinn, der wohl vor gut zehn Jahren jeweils am Montag bewusst eine «Positiv-Story» im Blatt hatte. Das Experiment wurde dann still wieder begraben. Doch in der Corona-Krise ist Lucia Eppmanns Idee durchaus wirkungsvoll. Gut 30 Menschen beschreiben ihre persönlichen Glücksmomente. Mit Humor sind die Portraits erträglich bis unterhaltend. Etwa, wenn Stadtpräsidentin Corine Mauch erklärt, wie sie dank Corona ein neues Kochrezept ausprobieren kann oder einfach mal Zeit zum Lesen hat. Auch ganz lehrreich: Das Portrait über Mahan Safadoust, Guest Relations Officer beim Casino Zürich. «Wenn sich der Einsatz auszahlt», lautet der Titel. Wenn deswegen nur niemand das Tagblatt belangt. Aber genug gemäkelt. Alles in allem ist das aktuelle Tagblatt gelungen. Auch wenn man sich bei den Amtlichen Nachrichten ein wenig mehr Bezug zum Leitthema «Good News» gewünscht hätte. Ein Bauprojekt, das den Abbruch des ach so schönen Seewasserwerks in Wollishofen vorsieht? Ein Halteverbot für Autos an der Walchestrasse bis 2024? Zwei Konkurseröffnungen und Besichtigungen von städtischen Wohnungen, die man nur übers Internet vereinbaren kann. Das Leben ist und bleibt nicht nur positiv, trotz dem Tagblatt. Hier der Link.

P.S. ZACKBUM möchte hiermit den Beweis antreten, dass bei uns auch positive Meldungen Platz finden – allen Unkenrufen zum Trotz.

 

«Wendler»-Fall in Zürich

Das Tagblatt löscht Pedraita-Kolumne.

Trash-TV-Fans kennen den Fall. Schlagersänger Michael Wendler verglich Quarantäne-Massnahmen mit einem KZ.  Später wollte er zurückrudern, indem er seine «KZ»-Bezeichnung als «Krisen-Zentrum» verstanden haben wollte. Die Folge: RTL schnitt den Juror Wendler in der aufgezeichneten Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» heraus. Wo es nicht ging, verpixelte RTL den Sänger.

Das pdf des Tagblatts wurde angepasst. Die Seitenzahl von 52 blieb aber gleich.

Nun passierte dem Kolumnisten Urs Pedraita im Tagblatt der Stadt Zürich etwas ähnliches. Er schrieb von einer Welt, die sich «in ein grosses Konzentrationslager mit freiwilligen Gefangenen“ verwandelt habe. Er zitierte dabei Sätze, die momentan im Internet herumschwirren. Nicht eben auf vertrauenserweckenden Seiten. Ob die Zitate nun aus einem Text von 1942  stammen, als der Holocaust in vollem Gange war oder nicht. Für die beiden Vertreter der Stadt Zürich im fünfköpfigen Redaktionsausschuss war das zuviel. Das Tagblatt musste eine Woche später – heute Mittwoch also – eine halbseitige Entschuldigung abdrucken. Die besagte Kolumne wurde zudem im Netz gelöscht.

Es zeigt sich, dass das Tagblatt, das der Zeitungshaus AG gehört, unter strenger Beobachtung des links-grün dominierten Stadtrats von Zürich steht. Die Zeitungshaus AG ist jene Firma der Familie Blocher, welche Gratiszeitungen der Swiss Regiomedia AG, die Furttaler Zeitung und eben das Tagblatt der Stadt Zürich herausgeben. Entstanden ist das Konstrukt nach einem Tauschgeschäft mit Tamedia, als jener Konzern 2018 im Gegenzug die Basler Zeitung übernahm. Das Tagblatt und der Stadtrat von Zürich: Es ist eine «unheilige» Allianz.

 

 

 

Tagblatt der Stadt Zürich: Probleme mit Paid Post

Regierung legt beim Amtsblatt «Augenmerk» auf klare Abgrenzung.

Am 21. Oktober 2020 reichten die beiden Zürcher Gemeinderäte Rafaël Tschanz und Mélissa Dufournet (beide FDP) eine Schriftliche Anfrage beim Stadtrat ein. Auslöser war ein ZACKBUM-Artikel. Eine freie Mitarbeiterin verwebte im «Tagblatt der Stadt Zürich» ihre Arbeit als Influenzerin mit einer Kolumne. Sie schwärmte von einer App der ZVV. Auf ihrem Blog deklarierte sie die «bezahlte Partnerschaft», nicht aber im städtischen Amtsblatt.

Tschanz und Dufournet wollten vom Stadtrat erfahren, wer eigentlich die Einhaltung des Redaktionsstatuts des Tagblatts überprüft. Aus der letzten Woche veröffentlichten Antwort geht hervor, dass die Probleme anscheinend nicht neu sind:

Die städtischen Vertreterinnen haben in den letzten Jahren das Augenmerk insbesondere auch auf die klare Abgrenzung von Inseraten zum redaktionellen Teil und auf die deutliche Kennzeichnung von Inhalten, die dem Verlag abgegolten werden (Paid Post, Verlagsreportagen und dergleichen), gelegt.

Die Chefredaktorin Lucia M. Eppmann sieht gemäss Antwort des Stadtrats aber keine Probleme mit der beanstandeten Kolumne. Da die freischaffende Mitarbeiterin in ihrem Blog zusätzlich einen Link zur ZVV aufgeschaltet habe, sei der Blog ausführlicher als die Kolumne im Blatt. Darum hätte sie der Redaktion nicht einmal mitteilen müssen, dass sie mit dem gleichen Thema anderweitig Brötchen verdiene.

Manchmal hilft auch Nichtwissen. Eppmann: «Was ohne mein Wissen stattfindet, weiss ich leider nicht.» Wir empfehlen, diesen schönen Kalenderspruch vor ihrem Zimmer aufzuhängen. Und auch bei den Verkäufern.

«Die Stiftung Medienvielfalt unterstützt uns»

Das Wissenschaftsportal «Higgs» scheint über dem Berg.

Der umtriebige Journalist Beat Glogger schlug vor gut einem Jahr Alarm. Das fehlende Geld bei seinem Portal «Higgs» müsse über ein Crowfunding zusammenkommen. Falls dieses fehlschlage, «geht der Laden zu», so die NZZaS. Dass «man auf allen Ebenen am Kämpfen» sei wegen der Finanzierung, sagte Glogger schon im Doppelpunkt von Radio 1 im April 2019. Wie sieht die Situation heute aus?

Im Doppelpunkt bei Roger Schawinski zeichneten Sie die Zukunft Ihrer Firma eher düster. Zudem erfolgte ein ziemlich negativer Artikel in der NZZaS mit dem Titel «Glogger bald am Ende». Wie waren die Reaktionen darauf? 

Ich habe bei Schawinski nicht über meine Firma gesprochen. Sie verwechseln da wohl was. Das Zitat, das Sie mir hier vorlegen, kenne ich nicht. Ich finde es auch nicht in der SMD. Meinen Sie allenfalls «Magazin «Higgs» vor dem Aus»? Allerdings war der betreffende Artikel überhaupt nicht negativ – wie Sie sagen. Er hat aufgezeigt, dass higgs ein Problem hat, weil die Finanzierung durch die Gebert Rüf Stiftung entfallen ist. Und er hat auf unser Crowdfunding aufmerksam gemacht. Das war alles sehr neutral bis motivierend.

Dann war das Echo positiv?

Sollten Sie diesen Artikel meinen, dann waren die Reaktionen super. Wir haben das Crowdfunding kurz vor dem Lockdown im März erfolgreich abschliessen können und über Fr. 120.000 generiert. Die Summe, die wir fürs Überleben des Jahres 2020 brauchten. Seither sind auch die direkten Einzelspenden erfreulich gestiegen. Wir haben 2020 nicht nur überlebt, sondern auch die Grundlage geschaffen, um optimistisch ins 2021 zu steigen.

Somit hat Ihnen Corona keinen Strich durch die Rechnung gemacht?

Nein. Auch bezüglich der Resonanz ist das Jahr 2020 für higgs eine Erfolgsstory. Unsere unaufgeregte, zuverlässige und kontinuierliche Corona-Berichterstattung hat sich ausbezahlt. Wir haben mengenmässig nur noch halb so viel kurze Newsstorys publiziert wie im 2019, dafür deutlich mehr Zeit in investigative Geschichten gesteckt. Das hat sich ausgezahlt:  Die Visits haben sich verdreifacht, die Unique Clients mehr als verdoppelt. Unsere Geschichten werden von der Republik und der NZZ empfohlen. Man kann also mit gutem Gewissen sagen, higgs ist zu einem immer noch kleinen, aber relevanten Player im Schweizer Mediensystem geworden.

Mussten Sie – wie viele andere Medienfirmen auch – Kurzarbeit anmelden?

Nein.

Jetzt  scheint laut einem Stelleninserat von Higgs eh alles besser zu laufen. Warum?

Das Stelleninserat deutet nicht darauf hin, dass wir ausbauen, sondern rührt daher, weil eine Redaktorin uns verlässt. Was seit unserem Überlebens-Aufruf gegangen ist, habe ich in obiger Frage schon teilweise beantwortet. Kurz: wir haben aus verschiedenen Quellen Unterstützung gefunden, die uns das Überleben sicherten.

Gibt es immer noch Stiftungen im Hintergrund, die Geld bezahlen?

Die zwei grössten sind der Schweizer Nationalfonds SNF, die Stiftung Medienvielfalt, die Stiftungen Avenira und Wissen für alle sowie einige kleinere Unterstützer aus der Wirtschaft und dem Bildungsbereich. Aber auch Kleinvieh macht Mist. Das Jahr 2021 ist noch nicht voll ausfinanziert, aber wir nehmen die Herausforderung an und sind optimistisch die verbleibenden Löcher im Budget noch zu stopfen.

Sind die «Blocher-Medien» immer noch Abnehmer Ihrer Inhalte?

Nachdem wir im Zuge der finanziellen Neuaufstellung unsere Angebote für die Zeitungen kostenpflichtig gemacht haben, sind alle Regionalzeitungen (Aargauer Zeitung, Bieler Tagblatt, Freiburger Nachrichten, Zürcher Oberländer) ausgestiegen. Ausgestiegen sind infolge der neu eingeführten Kostenpflicht auch die Online-Portale Blick.ch und Nau.ch. Alle Titel der Tamedia sind schon ausgestiegen, bevor wir unsere Inhalte kostenpflichtig gemacht haben.  Geblieben sind die Titel der Swiss Regiomedia (Blocher-Zeitungen, wie Sie es nennen) und das Tagblatt der Stadt Zürich. Diese bezahlen unseren Content.

Wen haben Sie neu akquiriert?

Neu hinzugekommen sind drei Zeitungen in der Westschweiz: Le Nouvelliste, Le Quotidien Jurassien und La Liberté. Mit dem Portal heidi.news unterhalten wir eine Content-Partnerschaft. Sie übernehmen Artikel von uns und wir von ihnen. So geben wird der Forschung aus der Romandie mehr Präsenz in der Deutschschweiz und umgekehrt. Diese Kooperation in die Westschweiz ist Teil des Abkommens mit dem Schweizer Nationalfonds.

Reut es Sie nie, dass Sie nicht einen etwas «normaleren» Firmennamen gewählt haben?

Mir ist nicht klar, was Sie mit «normaler» meinen. Etwa so wie ZACKBUM? Spass beiseite. Ich vermute, Sie verwechseln da gewisse Dinge. Die Firma heisst Scitec-Media GmbH. Das Webportal heisst higgs. Ich finde beide Namen normal. Scitec ist ein Zusammenzug von Science und Technology. Solche Verkürzungen sind für Firmennamen ziemlich üblich, weil sie genau beschreiben, was die Firma tut: wir erstellen Medien in den Themenbereichen Wissenschaft und Technik.

 Alles klar. Aber ist Higgs tatsächlich eingängig genug als Name?

Higgs, der Name des Portals, ist jedem halbwegs wissenschaftlich interessierten Menschen bekannt. Das Higgs-Boson und das zugehörige Higgs-Feld vermitteln gewissen subatomaren Teilchen die Schwerkraft. Auch wenn das so wohl niemand genau weiss, ist das Higgs-Boson aber ein Star, weil es auch das Gottesteilchen genannt wird. Ausserdem ist der Entdecke Peter Higgs für seine Entdeckung mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Den Namen eines berühmten Physikers als Namen für ein Wissenschaftsmagazin zu wählen, scheint mir auch ziemlich normal. Vgl. Galileo, Leonardo, Einstein. Der einzige Unterschied besteht darin, unser Physiker lebt noch. Und Kinder und Jugendliche, die mit higgs nichts anfangen können, finden den Namen halt trotzdem cool, weil er irgendwie auch lustig ist.

Was halten Sie als ehemaliger SRF-Wissenschaftsmitarbeiter vom heutigen SRF-Angebot in dieser Sparte?

Sie sprechen auf das Magazin an, das eben auch den Namen eines berühmten Physikers trägt: Einstein. Ich mag die Sendung gut. Obschon das Konzept etwas völlig anderes ist, als wir damals gemacht haben. Es ist monothematisch als Moderatorenreise gestaltet und kein Magazin. Dafür aber erstaunlich aktuell und cool und modern gemacht. Ich schaue es ab und zu.

War eine Rückkehr nie ein Thema?

Kommt wieder drauf an, wie genau Sie diese Frage meinen. Nie ein Thema. Natürlich denkt man darüber nach. Also ist es Thema. Aber ein Going-Back stand nie konkret zur Diskussion. Ich gehe in meinem Leben immer weiter.

Demnach bezog SRF nie Inhalte von Ihrer Firma?

Auch hier habe ich wieder die Unsicherheit, was Sie mit «Firma» meinen. Scitec-Media hat in den Nuller-Jahren einige Beiträge für SRF produziert. Higgs nicht.

Herr Glogger, besten Dank.

(Das Interview wurde schriftlich geführt.)

Das kann nur ein Inserat

Im gestrigen Tagblatt der Stadt Zürich wurde einem wieder einmal bewusst, was ein Inserat auslösen kann.

Das gestern Mittwoch erschienene «Tagblatt der Stadt Zürich» ist immerhin 68 Seiten dick. Davon sind gut 20 Seiten Inserate, dazu kommen mindesten sieben Seiten amtliche Nachrichten.  Kein schlechter Inserate-/Text-Mix. Vor allem nicht in Corona-Zeiten.

Polittext,Politwerbung?

Auffällig: Auf Seite 14 waren zwei Artikel platziert, die von Interessengruppen geschrieben oder zumindest in Auftrag gegeben wurden. Ziel: Sie sollen die Wählerschaft beeinflussen. Im konkreten Fall weibelt eine «Allianz Z für eine lebenswerte Stadtentwicklung» . Man sagt «NEIN zu den Verdichtungstechnokraten» . Auf gut Deutsch: Man ist gegen das geplante Fussballstadion und die beiden 137-Meter-Hochhäuser. Abstimmungstermin dieser Stadtzürcher Vorlage: 27. September. Soweit, so gut. Doch neben dem Text, layouterisch gesprochen mit einer hässlichen Treppe, ist ein Inserat für die nationale Begrenzungsinitiative platziert. Der Text dieses SVP-Vorhabens: «Zu viel ist zu viel! Seit der Einführung der Personenfreizügigkeit wurden Naturflächen im Umfang von 57000 Fussballfeldern zubetoniert» . Autsch. Man hat es sehen kommen. Die SVP scheint nun doch gegen das Stadionprojekt in Zürich zu sein. Dabei ist eigentlich eine breite Allianz von SVP, FDP und dem Stadtrat für die Überbauung. Doch im «Tagblatt» wird dem Leser suggeriert, dass das  «Umweltkomitee gegen die Zubetonierung der Schweiz» – der Inserateabsender –  aber ganz sicher gegen das «Monsterprojekt»  in Zürich-West ist.

PR-Text und Inserat. Das passt nicht immer.

Fazit: Das Setzen von Inseraten ist manchmal Glücksache. Dass es noch schlimmer geht, bewies die Landeszeitung Lüneburg 2006. Sie hatte neben einem Artikel über Auschwitz ein Inserat eines Energieversorgers platziert. Der Slogan: «Eon sorgt schon heute für das Gas von morgen.» Chefredaktor Christoph Steiner schrieb in der nächsten Ausgabe: «Die Verknüpfung des Themas Völkermord in Auschwitz mit einem in diesem Zusammenhang missverständlichen Werbeslogan des Unternehmens war weder beabsichtigt noch wurde sie achselzuckend ignoriert.» Die Redaktion entschuldige sich «für diesen bösen Fehler, durch den die Intention des Artikels unterlaufen wird, ein fast vergessenes, barbarisches Kapitel unserer Geschichte zu beleuchten». (Quelle: persoenlich.com)

Wie steht’s den mit der Deklaration dieser PR-Texte?

Zurück zum «Tagblatt der Stadt Zürich»: Die mit «Politforum» beschriftete Seite beinhaltet noch einen weiteren Text, über Tierquälerei wegen der Jagd. Der Absender hier: Der Schweizer Tierschutz. Jeweils oben rechts steht unauffällig der Begriff «Paid Post» . Erst auf der nächsten Seite wird in einem unauffälligen Kästli erklärt, worum es sich handelt. Es sei eine Möglichkeit des «Tagblatt» , Parteien und Organisationen ihre Anliegen (…) zu speziellen Konditionen zu präsentieren. «Die bezahlten Kolumnen/Artikel sind mit «Paid Post» gekennzeichnet.» RED.

Abwertung des redaktionellen Teils

Eine eher umständliche Art, darauf aufmerksam zu machen, dass es sich um politische Werbung handelt. Den Auftraggeber wird es freuen, die Redaktion wohl weniger. Denn solche Verschleierungen werten den redaktionellen Text einer Zeitung definitiv ab.

Aber wie heisst es so schön: Das kann nur ein Inserat.

 

Tagblatt: «Was würden Sie vorschlagen?»

Das «Tagblatt der Stadt Zürich» ist die älteste Zeitung der Schweiz. 290 Jahre. Das Tagblatt hat einen guten Mix zwischen amtlichen Mitteilungen und eigenproduzierten Geschichten. Für Lokaljournalisten in der Stadt sind die Meldungen über Liquidationen, Baugenehmigungen und Todesanzeigen Pflichtlektüre.

Im Tagblatt wimmelt es von Kolumnistinnen und Kolumnisten. Sie verdienen kleine Brötchen. Mit Freizeitkolumnisten hat man fast immer Probleme: sie schreiben schlecht, liefern zu spät und werden ranzig, wenn man ihre Texte kürzen muss.

Bei der Kolumne «Die Angelones» kommt noch ein weiteres Problem auf, das leider auch für andere Kolumnisten gilt: Sie machen Werbung für Produkte, und niemand ahnt etwas davon.
Auf ihrer Facebook-Seite schreibt Rita Angelone zum Beispiel einen herzigen Werbetext für die «tolle ZVV-Freizeit-App». Sie deklariert den Text auch schön brav mit «Bezahlte Partnerschaft» .

Ein paar Tage jauchzte sie in ihrer Tagblatt-Kolumne über die witzige App mit den tollen Preisen. Dass sie Geld für ihre Partnerschaft mit der ZVV erhält, erfahren die 110‘000 Leserinnen und Leser des Tagblatts nicht. ZACKBUM.ch wollte von der Chefredaktorin Lucia Eppmann mehr über die Hintergründe erfahren. Die E-Mail blieb unbeantwortet. Dafür reagierte Rita Angelone:

Ihre Rückmeldung ist für mich und für das Tagblatt sehr wichtig. (…) Vielleicht haben Sie auch eine Idee oder einen Vorschlag, wie man solche Fälle besser und klarer angeht? Solche Themen gar nicht mehr weiter behandeln? Oder mit einem Vermerk? Was würden Sie vorschlagen?

Vier naive Fragen, eine klare Antwort: «Die Leser sollen einfach nicht verarscht werden.»