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Der Stuka-Semit

Wo Antisemitismus sein hässliches Haupt erhebt, da ist David Klein. Und verstärkt ihn.

«Da muss man nicht lange werweissen, was der kleine Adolf in der Familie Muschg über Juden zu hören bekam. Und mal ganz ehrlich: Wer tauft seinen Sohn 1934 noch auf den Namen Adolf?»

Wer sich zum Thema Israel oder Juden äussert, bekommt es früher oder später mit David Klein zu tun. Ausgerüstet mit ausgeliehener Opferrolle («2 meiner Urgrosseltern wurden in Auschwitz ermordet, 2 begingen Selbstmord, weil sie nach Auschwitz deportiert werden sollten»), ist Klein immer dann zur Stelle, wenn es gilt, mit masslosen, geifernden, meistens faktenfreien Verleumdungen und Rüpeleien angebliche Antisemiten zur Strecke zu bringen.

Wer Antisemit ist und wie sich das äussert, das entscheidet auf der ganzen Welt nur einer: David Klein. Sein Urteil kann nicht appelliert werden, als rächender Stuka-Semit muss er es auch nicht begründen. Davor salvieren ihn seine Urgrosseltern. Was für eine unanständige Gebrauchsleihe eines Schicksals, das Kleins Argumente weder besser, noch schlechter macht.

Was mit meinen Urgrosseltern geschah, was meine Eltern taten oder nicht taten, kann sicherlich Thema einer Betrachtung sein. Was aber garantiert überhaupt keinen Zusammenhang damit hat: ob meine Diskussionsbeiträge, Überlegungen damit richtiger, wichtiger, unbestreitbarer werden. Natürlich werden sie das nicht.

Am liebsten pinkelt er weit entfernte Ziele an

Am liebsten macht er sich über Organisationen oder Personen her, die weit genug weg sind, um ihn gar nicht zur Kenntnis zu nehmen. Zu seinen grossen Feinden gehört die UNRWA, das Hilfswerk der UNO für Palästina-Flüchtlinge. Das unterstütze die «Indoktrination von Kindern zu Hass auf Juden». Schlimmer noch: die UNRWA werde «mit 600 Millionen CH-Steuerfranken durch das EDA finanziert».

Obwohl der UNRWA «struktureller Antisemitismus nachgewiesen» werde, «UNRWA-Lehrer leugneten den Holocaust und zelebrierten Adolf Hitler». Das gehört zu Kleins Standard-Repertoire, immer mal wieder variiert und neu dargeboten, wo man ihn lässt. Zurzeit lässt man ihn im «Nebelspalter». Dessen Chefredaktor Markus Somm glänzt neuerdings selbst mit absurden Theorien zu den Ursachen der neusten kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten.

Die jüngste Offensive habe die Hamas deswegen starten können, weil US-Päsident Biden den Würgegriff seines Vorgängers Trump um den Iran gelockert habe. Klein begleitete Somm auch schon in dessen Zeiten als Chefredaktor der BaZ. Allerdings variierte Klein damals seine Anschuldigung so: Er warf dem Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz (Heks) vor, es habe Spendengelder veruntreut, indem es antisemitische Aktionen fördere. Das Hilfswerk «unterstützt Antisemitismus», holzte Klein.

Das war faktenfreier Unsinn. Nachdem sich die BaZ unter Somm weigerte, eine Richtigstellung abzudrucken, klagte das Heks – und bekam auf ganzer Linie recht.

Diese Niederlage hat Klein bis heute nicht verwunden; mit immer massloseren Schmähungen zeigt er das:

«Freisler, Himmler oder Hitler haben den Holocaust nicht durchgeführt, sondern die Millionen deutscher Christen, die in den KZs, in der SS und Wehrmacht Dienst taten, ihre Nachbarn denunzierten etc. Und heute führt das HEKS und viele andere diese Ideologie fort.»

Das ist nun nicht einfach mehr masslos, bodenlos, haltlos. Heks führe die «Ideologie» des Nazi-Scharfrichters Freisler, des Organisators des Holocaust Himmler und des Jahrhundertverbrechers Hitler fort? Ich habe zwar einen Doktor, bin aber kein Arzt.

Klein wütend gegen jeden (und jede)

Kleins immer unbändigere Hass richtet sich nicht nur gegen Institutionen, sondern natürlich auch gegen jeden, der es wagen sollte, an Juden oder Israel Kritik zu üben. Dagegen hat Klein den Straftatbestand Judenlästerung erfunden. Er selbst ist dabei Ankläger, Richter und Vollstrecker in einer Person. Wobei das Urteil von vornherein feststeht: Antisemit. Judenhasser.

Alles Judenhasser, von links bis rechts. «Obsessive Israelkritik der WoZ überschreitet regelmässig die Grenze zum Antisemitismus», Res Strehle «diffamiert in der WoZ Juden, im Dienste des Grosskapitals zu sein». SP-Nationalrat Carlos Sommaruga «hasst Israel», nau.ch lässt ihn «unwidersprochen behaupten, Gaza sei ein Gefängnis». «Die «nazifreien» linken Antisemiten und Israelhasser von @baselnazifrei demonstrieren für antisemitische Palästinenser». Hamas hasst die Juden, «so wie SRF offensichtlich auch. Anders ist diese Hetze gegen Israel nicht erklärbar».

Auch «20 Minuten» zieht immer wieder den Zorn des Antisemitismus-Detektors Klein auf sich: «Nochmals, @GaudenzLooser: so geht das nicht.» Schon im nahen Ausland ist man vor Kleins Schlammbädern nicht sicher. Die stv. Chefredaktorin der «Süddeutschen Zeitung», die «Nachfolgezeitung des NS-Hetzblatts «der Stürmer», die kein Wort Hebräisch» spreche, schwafle von Israelis, die «mit Stiefeln über Gebetsteppiche stampfen».

Wer versucht, sich mit Klein auf eine Debatte einzulassen, könnte genauso gut mit einem Blinden und Tauben über die farbige Aufführung einer Wagner-Oper debattieren.

So fragt die Autorin einer NZZ-Reportage nach, wieso ihr Klein «Lügen» und «Verbreiten von Gerüchten» vorwerfe. Er solle doch sagen, was er damit meine, dann könne sie ihm antworten. Sonst sei das kein Beitrag zur «Diskussionskultur». So aber nicht mit Klein, da schäumt er: «Zur «Diskussionskultur» trägt vor allem die Verbreitung von Lügen und Gerüchten über Juden und Israel nichts bei, ausser das Schüren von Antisemitismus. Das praktizieren Sie seit Jahren, wie seinerzeit der Israelhasser Martin Woker. Ich hatte gehofft, das wäre bei der NZZ vorbei.»

Das sind seine Kurzrülpser auf Twitter, wenn man ihm Platz für längere Stücke gibt (was nicht einmal mehr Audiatur gerne tut), dann wird er noch massloser. Muschg? Ist «doch ganz einfach: Adolf Muschg hat ein Problem mit Juden. Hatte er immer schon.» Deshalb eilte er Martin Walser «nach seinen unsäglichen antijüdischen Ausfälligkeiten zu Hilfe und stand Waffen-SS-Mitglied Günter Grass bei.» Solchen Stuss darf Klein im «Nebelspalter» absondern.

Schweizer Steuerzahler unterstützen islamistischen Terrorismus

Und immer wieder die angebliche Finanzierung von Terrororganisationen gegen Israel mit Schweizer Steuergeldern, obwohl Klein nach seiner Erfahrung mit HEKS da gerne etwas allgemeiner bleibt. Verbündete hat Klein eigentliche keine. Der Schweizerisch Israelitische Gemeindebund hat «mutlose Funktionäre», die «mit ihrer weinerlichen Entschuldigungsforderung als Ritter der besonders traurigen Gestalt daher» kämen. Das deswegen, weil die offenbar nicht drakonische Bestrafungen von Muschg und allen Beteiligten fordern, die ihn das Wort «Auschwitz» in den Mund nehmen liessen, ohne ihn ultimativ und sofort zu Abbitte, Reue und Kniefall aufzufordern.

Das verweigert auch die deutsche Bundeskanzlerin Merkel, die Klein schon mal den «Amtskollegen Hitler» an die Seite stellte. Das traut er sich nicht mehr zu wiederholen, aber diese Schmähung an Merkel schon, die bewege sich «alljährlich auf den braunen Hügel zu Bayreuth, um bei Judenhasser Wagner auf dem Roten Teppich zu tänzeln, kichernd wie ein Backfisch.» Das sei «staatlich vorgelebte Relativierung von Antisemitismus». Nicht nur deshalb schrieb Jürg Altwegg im Feuilleton der FAZ völlig richtig über Klein: «Der Mann ist als Rassist bekannt.»

Nicht alles, aber das meiste, was Klein öffentlich äussert, ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Oftmals wagen seine Opfer keine Gegenwehr, weil sie sich nicht auf eine eskalierende Schlammschlacht einlassen wollen, bei der Stuka-Semit Klein sich beliebig steigert bis zum Diskant. Er profitiert davon, dass bis heute in Deutschland – und weniger stark in der Schweiz – das Etikett Antisemit, Judenhasser peinlich vermieden werden will.

Klein, und seinen weniger radikalen Gesinnungsgenossen, die bei jedem von ihnen als Judenlästerung empfundenen Wort sofort eine geistige Nähe zu SS-Schergen an der Rampe von Auschwitz denunzieren, die Solidarität mit tatsächlichen Judenhassern, die Unterstützung von Terrororganisationen wie der Hamas unterstellen, wollen jede Debatte über israelische Politik unterbinden.

Wer dabei einen solchen Header bei Twitter verwendet:

 

der ist nicht nur geschmacklos, unappetitlich, sondern vor allem selbst Vertreter einer Cancel Culture, die Muschg völlig zu Recht als Vorläufer einer Entwicklung, die mit Auschwitz enden kann, kritisierte. Dass Klein dieser schreiende, geradezu aberwitzige Widerspruch nicht auffällt, ist bedenklich. Mit Methoden, die aus dem gleichen Schoss krochen, aus dem diese Naziverbrecher entsprangen, will er deren moderne Wiedergänger denunzieren. Um damit eine Wiederholung zu verhindern.

Dass er selbst damit als Jude Antisemitismus Vorschub leistet, wie es kaum ein rechtsradikaler Schreihals kann, ist die unerkannte, aber tiefe Tragödie seines Lebens. Es stünde auch Markus Somm gut an, Klein endlich vor sich selbst zu schützen. Das gehört zu den Aufgaben eines verantwortungsbewussten Chefredaktors.

Schamlose SRG

Ein Elefant lässt sich nicht so schnell aus dem Tritt bringen. Die SRG ist ein Elefant.

Medienwandel, Spardruck, auch bei der SRG gibt’s Entlassungen? Das «Fallbeil vom Leutschenbach» macht ihrem Übernamen alle Ehre? Der Generaldirektor Gilles Marchand hat die Affäre beim welschen Ableger der SRG, dessen Chef er war, nur knapp überlebt?

Na und? Kein Grund, im Geschäftsbericht für 2020 keine Jubelarien anzustimmen. Schön gemacht, bunt, viele bunte Bilder, Grafiken, Illustrationen. 215 Seiten, alles wunderbar im Staate SRG.

Höchstwahrscheinlich wurde auch die Anzahl weiblicher Mitarbeiter im Foto mit den männlichen korreliert und ins Verhältnis eins zu eins gesetzt. Man könnte höchstens meckern, wieso die anderen ca. 164 offiziellen Geschlechter nicht genügend berücksichtigt wurden.

Ist jemand in einer Gesprächssituation mit anderen fotografiert und trägt keine Maske, dann wird vorsorglich darauf hingewiesen, dass diese Aufnahme vor Corona gemacht wurde. Also korrekter, transparenter und ausgewogener kann so ein GB nicht erstellt werden.

Ab Seite 114 widmet sich der SRG-GB den «Mitarbeitenden», genauer «unserer Verantwortung für die Mitarbeitenden». Frauenförderung, prozentuale Vertretung weiblicher Mitarbeiter, Lohnspanne (unter 1 zu 10!), alles transparent, alles paletti.

Irgendwann geht es um Kohle, natürlich

So robbt man sich auf Seite 130 vor; «Vergütung Verwaltungsrat SRG» und Vergütung der Geschäftsleitung. Auch hier herrscht Transparenz. Die Total Compensation wird aufgeführt, man muss nicht wie bei Banken auf den 650 Seiten noch alle versteckten Incentiv- und Bonus-Programme finden und dazuzählen.

Der VR-Präsident verdiente 2020 für ein 50-Prozent-Pensum 153’300 Franken, ein VR für ein 20-Prozent-Pensum 45’428 im Schnitt. Medienprofis wie die Leser hier können sicherlich alle Namen ohne zu stocken aufsagen, nicht wahr?

Der Generaldirektor Gilles Machand kassierte 532’857 Franken, die übrigen GL-Mitglieder rund 390’000 Franken im Schnitt. In den Geschäftsleitungen der Unternehmenseinheiten waren es rund 260’000 im Schnitt. Ist das viel, ist das wenig, ist das zu viel?

Es ist auf jeden Fall elefantös. Denn in dieser Einkommensklasse hat die Höhe des Salärs nur mehr sehr wenig mit der Leistung zu tun. Genauso wenig wie in der Führungsetage von Banken. Es geht hier auch um Statussymbol, um das Signal: wir sind das auch wert. Allerdings: wie bei Banken ist es natürlich so, dass es Gebrüll gibt, wenn das Ergebnis schlecht ausfiel, gespart und entlassen wird, während auf der Teppichetage jede Menge Flops geboren und gesäugt werden.

Wieso sollen Elefanten sensibel reagieren?

Da könnten sich Mitarbeiter, Öffentlichkeit und Politik eine etwas sensiblere Reaktion vorstellen als: Ich, Lohnverzicht? Gohts no? Schliesslich habe auch jeder Mitarbeiter grosszügig eine Extra-Geschenk von 200 Franken erhalten. Richtig, fürs grosse Engagement, und macht Euch eine schöne Woche damit. Nun ja, einen schönen Tag. Oder vielleicht halt eine schöne Stunde.

Vorbild? Selbst weisse Weste Urs Rohner verzichtete bei der Credit Suisse auf seinen Bonus? Na und, wir sind hier doch bei einem Staatsbetrieb. Pardon, bei einem gebührenfinanzierten, staatsunabhängigen Sender. Da ist der Geschäftsgang doch sowieso nicht dermassen wichtig. Gewinn, Verlust, was soll’s. Also muss doch auch bei den Gehältern ganz oben gelten: was soll’s.

Das ist letztlich so wie früher bei einer GV einer Grossbank. Die vorne anwesenden Mitglieder der GL und des VR wussten: das kann ein langer Tag werden, bis sich der letzte Kleinaktionär ausgeschimpft hat. Trotz Redezeitbeschränkung und allem. Aber: einmal im Jahr, normalerweise, es geht vorbei. Und dann kann man sich wieder darum kümmern, wie man all das viele Geld, dass man zwar nicht verdient, aber kassiert, ausgibt.

Und bei der SRG? Falsches Signal, Leistung muss sich lohnen, Sozialneid, verdient ist verdient? Mag alles sein. Nur: so als Geste 10 Prozent des dann immer noch üppigen Einkommens, ach, damit die Kaviarbüchsen nicht kleiner werden müssen, 5 Prozent des Jahreslohns in einen Solidaritäts-Irgendwas-Fonds? Nützt nix, bringt nix, Symbolpolitik? Auch das mag alles sein.

Aber es würde dem Image, Renommee, dem Vertrauen und vielen anderen positiven Dingen sehr gut tun. Aber Elefanten nehmen solche Mückenstiche nicht einmal wahr. Genauso wenig, wenn sie mit dem Hintern das wieder einreissen, was sie mit dem Rüssel aufzubauen versuchen.

Im Gegensatz zu Elefanten haben aber alle Mitglieder der obersten Führung die Befähigung zur Selbstreflexion. Sie können ihre Wirkung analysieren. Sogar, wirklich wahr, selbstkritisch werden. Einsicht zeigen (nicht heucheln). Können, könnten, sollen, sollten. Hätte, hätte, Fahradkette, wie Nathalie Wappler sicher in Deutschland gelernt hat. Und Scham gehört nicht zu den Kernkompetenzen von Menschen, die sich bis nach oben durchgeboxt haben.

 

 

Wappler und das Papperlapapp

Was kann Natalie Wappler? Falsche Frage. Was ist Wappler? Richtige Antwort: eine Frau. Sonst noch Fragen?

Der Genderwahn macht vor nichts Halt. Als Natalie Wappler im März 2019 ihre Stelle als neue Direktorin von SRF antrat, seit 2020 zudem als stellvertretende Generaldirektorin SRG, waren die Medien des Lobes voll. Frau, Führung, Erfahrung, strategische Kompetenz, genau das Richtige in Zeiten des Wandels.

Rainer Stadler, damals noch amtierender Medienredaktor der NZZ und als unkaputtbar geltend, verteidigte Wappler sofort, als ihre Aussage, der Schweizer Gebührensender solle «keinen Meinungsjournalismus machen», für Aufregung unter den meinungsstarken Mitarbeitern sorgte.

Im August 2020 kommentierte Stadler noch das «Transformationsprojekt», das Wappler enthüllt hatte. Mehr Digitales, weniger Lineares, war ihr Schlachtruf. Stadler legte noch den Finger auf das grosse Problem: umso digitaler SRF wird, desto mehr kommt der milliardenschwere Koloss ins Gehege mit den privaten Verlegern, da er sie immer deutlicher konkurrenziert.

Friede, Freude, aber kein Eierkuchen

Danach passierte Stadler das, was auch immer mehr SRG-Mitarbeiter zu fürchten begannen: Er war Geschichte, abserviert, Ende Medienkritik. Heute zur Lachnummer verkommen, wenn der Pensionär Felix E. Müller, die schreibende Sparmassnahme, sich selber widerspricht.

Verbirgt sich hinter diesem Lächeln das «Fallbeil vom Leutschenbach», wie Wappler genannt wird? (Screenshot SRF)

Es blieb einigermassen friedlich, bis Wappler die übliche Leier anstimmte: Umbau geht nicht ohne Abbau, alte, ans Lineare gewöhnte (und üppig bezahlte) Mitarbeiter können sich vom ruhigen Arbeiten in der geschützten Werkstatt bis zur Pensionierung verabschieden. Dieser Angriff auf fast verbeamtete Mitarbeiter sorgte für ersten Unmut.

Dabei hielt Kurt. W. Zimmermann völlig richtig fest: «Jeder Journalist wird bei der SRG von genau 1,97 Mitarbeitern aus dem Backoffice betreut.» Da gäbe es gewaltig Sparpotenzial. Aber nicht mit Wappler; sie weiss, dass man die Maschine nicht verärgern darf, wenn man sicher auf dem Stuhl sitzenbleiben will.

Nach der Abstimmung Kreide gefressen, inzwischen vergessen

Nach der historisch knappen Annahme des neuen Radio- und TV-Gesetzes mit 50,08 Prozent, gab sich die SRG noch einsichtig, schliesslich sei sie ja die «idée suisse» und sollte tun, was die Privaten nicht tun. Zum Beispiel gut gemachte Regionaljourrnale. Aber Wappler will die Konzentration auf Prime Time und Rückeroberung jüngerer Konsumenten durchs Digitale.

Schwächung, Abbau, Konzentration

Also werden die Regionaljournale geschwächt, Nischenthemen wie Philosophie, Religion, Literatur zusammengeholzt; in Randzeiten will das teure TV billig Radiosendungen einfach abfilmen. Die neue Alternative zum Testbild. Eher wahllos oder nach Belieben, sicher nicht aus finanziellen Motiven, wurden oder werden Sendungen wie «Schawinski», «Eco», «Sportaktuell» oder «Einstein spezial» gekippt.

Bei Roger Schawinskis Talkshows scheiden sich die Geister. Für die einen – auch für mich – eine muntere Balgerei, bei der (fast) alles erlaubt ist, um das Wort zu erobern, für andere eine unerträgliche Selbstdarstellung. Aber eigentlich alle sind sich einig, dass «Gredig direkt» peinlich direkt ins weichgespülte Nichts führt.

Der Stellenabbau bei SRF ist dabei eher ein Stellenaufbau, wie ZACKBUM bereits durchgerechnet hat. Dennoch glänzt SRF weiterhin mit Sendungen, die schlichtweg eine Einschaltquote von null haben. Das schaffte sonst nur CNN Money Switzerland, dass vor und hinter den Kameras mehr Zuschauer vorhanden waren als draussen im Lande. Schliesslich verheddert sich Wappler noch im neuen Kerngebiet. Play Suisse zeigt bedenkliche Schwächen beim Datenschutz, was das eigentlich völlig überflüssige Login betrifft.

Weg mit alten Zöpfen, aber wo wachsen neue Haare?

Nun könnte man sagen, dass es halt bei Umwälzungen immer etwas rumpelt, wenn eingefahrene Strukturen, Pfründe, Gewohnheiten aufgebrochen werden. Das mag so sein, aber: weg mit dem Alten ist ein guter Schlachtruf, allein, wo bleibt das Neue?

Multimedial und Multichannel, dieser Schlachtruf hat schon einen längeren Bart als der Weihnachtsmann. Aber alles Gequatsche von «Konsument dort abholen, wo er ist», «Sendungen anbieten, wenn er Bock darauf hat», und natürlich unvermeidlich: «das muss man heute einfach so machen», das ist das eine.

Das andere: wo bleibt das Innovative? Der neue Content? Der Inhalt für «idée suisse», die sorgfältig gemachte Reportage (nein, nicht zusammen mit anderen und abgekupfert), die hintergründig aufgearbeitete Erklärung von brennenden Themen? Die grossartige Synergie zwischen verschiedenen Kanälen, so oberhalb von «Näheres finden Sie auf srf.ch oder unserer App»?

Ist Wappler wirklich «die Medienmanagerin des Jahres»?

Die Umbenennung von «Glanz & Gloria» in «Gesichter & Geschichten» (da musste man dann kein neues Logo basteln) reisst es auch nicht raus. Vor allem, weil SRF auf diesem Gebiet weiterhin das Niveau einer Amateurliga ausstrahlt. Durch eine verfilmte, etwas rustikale Provokation des Mäzens und Kunst- sowie Frauenliebhabers Peter Buser verlor der HC Davos eine Spende von 12 Millionen Franken. Bereits überwiesene 3 Millionen will Buser nun zurückhaben,  ausserdem fordert er von SRF das gesamte Filmmaterial heraus.

Die verkürzte Darstellung aus 40 Minuten Material verfälsche seine Aussagen und stelle ihn als «menschenverachtende Person» dar. Inzwischen freut sich der Gebührenzahler darüber, dass SRF Anwälte mit der Sache befassen muss. Ein Detail? Nun, ein Gesamtbild besteht immer aus vielen Details. Und hier ergibt sich daraus kein schönes TV-Bild.

SRG zahlt 250 Franken pro Mitglied

Rezept gegen Mitgliederschwund.

Am Ende ist die SRG SSR nur ein Verein. Aber mit stolzen 22‘500 Mitgliedern. Und die fördern angeblich «den öffentlichen Dialog über die audiovisuelle Zukunft der Schweiz und engagieren sich für einen unabhängigen medialen Service public.»  22‘500 ist eine stolze Zahl. Und eine politische. Denn ohne Mitglieder werden die Statuten der SRG nicht erfüllt. Die Frage ist: Warum wollen 22‘500 Menschen nebst den Gebühren auch noch Vereinsgebühren für die SRG bezahlen?

Die Antwort: Weil die meisten ausser einer einmaligen Gebühr jahrzehntelang nichts bezahlen müssen. In anderen Worten: weil sie Karteileichen sind.

Beispiel Zürich Schaffhausen: Mitglieder zahlen nur einmal im Leben, und zwar 50 Franken. In den Jahren 2014-2019 stieg die Mitgliedszahl der grössten Sektion folglich von 5261 auf 5419.

In der Sektion Zentralschweiz hingegen sank die Zahl von 3927 Mitgliedern (2015) auf 2675 (2019). Ein Mitgliederschwund von über 1000 in knapp vier Jahren? Nun, die Mitglieder müssen hier eben jedes Jahr bezahlen.

Aber welchen Gegenwert kriegen die SRG-Mitglieder für  ihr Engagement für einen «unabhängigen medialen Service public»? Bitte angurten: Das Heft «Link», welches online frei verfügbar ist und Betriebsführungen. Der Schreibende erinnert sich nicht so gerne an die vielen Besuchergruppen, die in die Redaktionsräume eindrangen und dumme Fragen stellten.

Seltsamerweise finanzierte die SRG die Sektion Zürich Schaffhausen 2019 mit 110‘000 Franken. Die Sektion Ostschweiz mit fast fünfmal weniger Mitgliedern (1118) aber kriegte 285‘000 Franken.  In anderen Worten: Die SRG finanzierte jedes Mitglied aus der Ostschweiz mit über 250 Franken. Da lag dann auch ein Reisli nach Bundesbern drin.

 

 

Das «Päckli» von Gilles Marchand und Nathalie Wappler

Die SRG schweigt Sexismusdebatte im eigenen Magazin tot.

«link» heisst das Mitarbeiter- und Mitgliedermagazin von der SRG Deutschschweiz. Der Namen ist wohl abgeleitet vom englischen «link» für Verknüpfung. Oder «Das Glied einer Kette». In der aktuellen Dezemberausgabe ist das «Glied» – um diese zugegebenermassen mittel originelle Brücke zu schlagen – aber in keinerlei Hinsicht ein Thema. Obwohl die SRG-Führung wegen dem Star-Moderator Darius Rochebin vom Westschweizer Fernsehen (RTS) und seinen im Raum stehenden sexuellen Übergriffen arg unter Druck steht. Was viele SRG-Mitarbeitende beschäftigt, wird totgeschwiegen. Doch der Reihe nach.

«Keine Kenntnis gehabt»

Rochebin soll seine berufliche Stellung und sein Ansehen ausgenutzt haben, um zu Sex zu kommen. Ein weiterer Kadermitarbeiter sei ebenfalls übergriffig geworden, und «alle hätten davon gewusst». Darum forderten 550 Mitarbeitende von RTS, immerhin gut ein Drittel der ganzen Belegschaft, in einer Petition die Absetzung der beiden Kaderleute und eine externe Untersuchung. Und was hat das mit der SRG zu tun? Der heutige SRG-Generaldirektor Gilles Marchand war von 2001 bis 2017 RTS-Direktor. Gegenüber watson.ch sagte die SRG-Medienstelle, Marchand habe von den falschen Facebook-Profilen Rochebins, nicht jedoch den Vorwürfen der sexuellen Belästigung Kenntnis gehabt. Sein Nachfolger als RTS-Direktor habe im Herbst 2017 «Massnahmen gegen Rochebin bezüglich der Einhaltung der Berufsregeln» ergriffen, über die Marchand informiert worden sei. Nun fordern kritische SRG-Angestellte und Mediengewerkschaften gar den Rücktritt von Marchand.

Ladina Heimgartner als Nachfolgerin?

Felix E. Müller gab kürzlich in der NZZaS noch einen drauf und brachte Ladina Heimgartner als Nachfolgerin ins Spiel. Sie ist seit gut einem Jahr bei Ringier, vorher arbeitet sie lange bei der SRG. Sie hat einige Vorteile gegenüber Marchand. Sie ist eine Frau, sie ist in der rätoromanischen Schweiz aufgewachsen. Und sie ist erst 40-jährig. Das ideale Alter, um den angestrebten «Transformationsprozess» der SRG auch durchzuziehen. Sprich, mehr digital, weniger Gewicht auf linear ausgestrahlte Sendungen.

«Lassen Sie mich das erklären»

Aber was hat das nun mit dem SRG-Heftli zu tun? Viel und nichts. Denn das Thema Rochebin-Sex-Marchand ist auch in Leutschenbach allgegenwärtig. Viele Mitarbeitende sind sauer, wie die SRG und demzufolge auch SRF das Problem angehen. Man bekommt den Eindruck, wie wenn die Chefs einander decken wollten. Aussitzen lautet die Devise. Dass in den nächsten Wochen Kündigungen anstehen, spielt dem Kader sicher in die Karten. Wer will schon aufmucken, wenn seine Stelle in Gefahr ist? In diese Strategie des Schweigens und Aussitzens passt nun eben die neuste Ausgabe von «link». Kein Wort über das Rochebin-Thema. Kein Wort. Dafür schreibt SRF-Direktorin in salbungsvollen Worten viel und doch wenig Konkretes über das «Transformationsprojekt SRF 2024». «Lasen Sie mich das Prinzip der Transformation am Beispiel der Volksmusik erklären», schreibt die Chefin etwa. Gestelzter geht fast nicht. Und das in einem Mitarbeiterheft, einem internen Produkt von und für Mitarbeitende. Theoretisch. Immerhin erfährt der Laie nebenbei, dass bei SRF heute weniger als 10 Prozent «unserer Mittel ins Onlineangebot fliessen, in einem Jahr sollen es etwa 20 Prozent sein.» Der Verlegerverband wird sich freuen.

Wie eine Programmzeitschrift

Was bleibt sonst vom «link»? Das Heft wirkt wie eine Programmzeitschrift. Der Text «Play Suisse» könnte auch im «Tele» stehen. Ebenso wie die Rubrik «Neu im Programm». Dafür kommen porträtierte Mitarbeiter eher zu kurz. Das Heft wirkt ziemlich unpersönlich, ja fernab von der Basis. Da ist das von zackbum.ch auch schon kritisierte Ringier-Blatt Domo noch um einiges menschlicher. Doch hier wie dort zeigt sich, dass die Chefs das letzte Wort haben. Darum ist im «link» kein Wort zum Thema Sexismus und Darius Rochebin zu finden.

In einer ersten Version wurde «link» als Mitarbeitermagazin bezeichnet. Das stimmt nicht ganz. Es richtet sich neben den Mitarbeiteiterinnen und Mitarbeitern auch an die Mitglieder der SRG. Die Auflage beträgt gut 16000 Exemplare.

Die Morgengeschichte und das Testbild

SRF baut ausgerechnet bei regional gefärbten Gefässen ab. Dafür will es künftig Radiosendungen abfilmen.

Tröpfchenweise dringen die Sparmassnahmen von SRF an die Öffentlichkeit. Dabei ist erstaunlich, wie resolut Chefin Nathalie Wappler an der Sendesubstanz schrauben will. Von Sparmassnahmen bei der Verwaltung oder bei gemieteten Bauten, etwa im teuren Meret-Oppenheim-Hochhaus in Basel für die Kulturabteilung, ist nichts bekannt. Der Medienkritiker Kurt W. Zimmermann bringt das Thema Personal treffend auf den Punkt: «Jeder Journalist wird von genau 1,97 Mitarbeitern aus dem Backoffice betreut. Bei der SRG arbeiten, auf Vollstellen umgerechnet, 1850 Journalisten. In der Bürokratie und in der Technik hingegen arbeiten 3650 Köpfe.» Für Zimmermann ist in seinem Weltwoche-Artikel klar: «Das ist Bürokratie aus dem Bilderbuch.»

Fokussierung auf Hauptsendezeiten

Nathalie Wappler, seit März 2019 SRF-Direktorin und seit diesem Jahr auch noch stellvertretende Generaldirektorin SRG, will erstens die Fokussierung auf die Primetime, also die Sendezeit mit den meisten Zuschauern. Denn diese ist bezüglich Werbeerträge am attraktivsten. Und zweitens das Zusammenstreichen der Angebote bei Nischenthemen wie Religion, Literatur oder Philosophie. Diese seien zwar häufig ein Alleinstellungsmerkmal von SRF, erreichten aber nicht unbedingt ein breites Publikum.

Nicht nur Nischenprodukte fallen weg

Bei Thema Literatur trifft es nicht nur Nischensendungen wie «52 beste Bücher», sondern auch die «Morgengeschichte» beim Radio-Flaggschiff SRF 1. Die tägliche Kurzgeschichte von wenigen Minuten Dauer ist oft lustig, manchmal regt sie zum Nachdenken an, teilweise ist sie so schräg, dass man mit einem Lächeln im Gesicht in den Tag startet. Als Autoren, die die eigenen Geschichten auch vorlesen, treten Leute auf wie Linard Bardill, Guy Krneta, Julia Weber, Ferrucio Cainero oder Hugo Rendler. Charakteristisch sind die verschiedenen Dialekte, die einen in den Schwarzwald, ins Tessin oder nach Graubünden versetzen. Schade, wird dieses verbindende Sendegefäss mit jeweils bis zu 500’000 Hörerinnen und Hörern abgeschafft.

Die Schlappe an der Urne von 2015

Die frühere nationale «idée suisse» von SRG scheint vergessen. Auch das 2015 historisch knapp erzielte Ja zum Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) scheint weit weg. Das Stimmvolk hatte das neue Gebührensystem mit lediglich 50,08 Prozent Ja-Stimmen-Anteil angenommen. «Die Forderung ist ja, dass wir das tun, was Private nicht tun können», gab sich der damalige SRG-Direktor Ruedi Matter einsichtig. Fünf Jahre später gilt das offensichtlich nicht mehr.

Regionaljournale mit weniger Präsenz

Interessanterweise zieht sich SRF auch aus der digitalen regionalen Berichterstattung zurück. Bisher konnten die einzelnen Regionaljournale ihre Meldungen, oft bemerkenswerte Recherchierprimeure, in schriftlicher Version im Netz verbreiten. Dies ist nun mehrheitlich vorbei. «Mit dem neuen Konzept verändern wir den Fokus von regionalen Geschichten im Web», lässt sich Stefan Eiholzer in einer Mitteilung zitieren Der Leiter der SRF-Regionalredaktionen: «Wir konzentrieren uns auf weniger, dafür exemplarische Themen.» Durch diese Reduktion sei es möglich, dass Userinnen und User mehr Analysen, Recherchen und Hintergrundberichte als bisher erhalten. «Damit wollen wir den Stellenwert von regionalen Geschichten erhöhen.»

Das Gegenteil wird der Fall sein. Die Regionaljournale werden geschwächt, was immerhin die Lokalzeitungen freuen wird. Denn für einmal baut SRF im Online-Nachrichtenteil nicht aus, sondern ab.

Radiosendungen abfilmen

Eine spezielle Idee verfolgt SRF laut der NZZ bei kostengünstigen Bespielen des linearen Fernsehprogramms in Randzeiten. Man will vermehrt auf das sogenannte «Visual Radio» setzen. Also Radiosendungen oder Podcasts, die gefilmt werden. Von der Radiosendung «Persönlich», einer seit 44 Jahren andauernden Erfolgsstory auf SRF 1, existiert laut Wappler schon eine entsprechende Pilotausgabe. In Frage kommen dazu zum Beispiel auch der Talk «Focus», jeden Montagabend auf SRF 3, oder «Musik für einen Gast» auf SRF 2. Überlegungen gibt’s laut der «NZZ» auch im Informationsbereich oder bei Quizformaten.

(Foto: blog.nationalmuseum.ch)

Im Fernsehen auf SRF zwei gibt’s die Sendung «3 auf zwei» schon heute – jeweils von Montag bis Freitag von 5.55 bis 8.50 Uhr und neu auch von 12.13 bis 14.59 Uhr. Doch wer nicht gerade ein ausgesprochener Fan von statischen Bildern ist mit einem Moderatoren mittendrin, findet das Format eher überflüssig.

Da sehnt man sich fast das gute alte Testbild zurück.

Dieses sendeten TV-Anstalten zu Zeiten, als das Programm noch ausschliesslich zur Primetime gesendet wurde.

SRG im Sinkflug – steigen wieder die Gebühren?

Es wäre zumindest die letzte Rettung für Leutschenbach.

Das Geschäftsmodell der SRG besteht im Wesentlichen aus zwei Pfeilern: Gebühren und Werbeeinnahmen. Seit fünf Jahren verliert das Unternehmen massiv an Werbegeldern: Von 340,5 Millionen (2015) sind sie auf 267 Millionen Franken (2019) geschrumpft. Und da seit dem 1.1. 2019 nur noch 365 Franken Gebühren pro Haushalt entfallen (früher warens 451 Franken), nahm die SRG 2019 25 Millionen Franken weniger an Gebühren ein. Das Minus bei den Gebühren wurde etwas abgefedert, da seit 2019 keine Ausnahmen mehr für eine Befreiung existieren.

Im Grunde gesehen handelt es sich bei der SRG also um eine Kerze, die von beiden Seiten abbrennt. Im laufenden Jahr, so die Medienmitteilung, soll das Minus bei den kommerziellen Einnahmen 65 Millionen im Vergleich zum Vorjahr betragen. Die SRG würde 2020 also nur noch knapp 200 Millionen Franken an Werbespots einnehmen. Im Vergleich zu den Gebühren (2019: 1‘181 Mio. Franken) wären das ein Sechstel. 2015 betrug das Verhältnis zwischen Gebühren- und Werbeeinnahmen noch 1:4.

Spannend wird es aber nächstes Jahr. Privathaushalte zahlen dann nur noch 335 Franken an Empfangsgebühren, also 30 Franken weniger als aktuell. Und die Abgabe für Kollektivhaushalte verringert sich sogar um 60 Franken von 730 auf 670 Franken. Der Werbeumsatz wird wohl auch nächstes Jahr dem Negativtrend folgen. 2021 wird also noch blutiger als 2020.

Immer weniger Werbespots

Die Sparmassnahmen der SRG greifen da kaum. Im Maschinenraum wird zu langsam auf das bevorstehende Desaster reagiert. Der Sparplan sieht 50 Millionen Franken vor – für  die nächsten vier Jahre. Der Abbau von 250 Vollzeitarbeitsplätzen soll vor allem durch die Netto-Fluktuation bis 2024 erfolgen. Das alles geht zu langsam. Der Konzern verliert ja nicht nur erst seit Corona massiv an Werbeumsatz. Seit 2015 muss er jährlich etwa 20 Millionen Franken ans Bein streichen.

Zu lösen wäre das Problem des bevorstehenden Desasters eigentlich nur mit einer (Wieder-)Erhöhung der Gebühren. Nationalrat Matthias Aebischer (SP/BE) will daher an den Gebühren schrauben. Gegenüber Zackbum.ch schreibt er: «Ich plädiere schon lange dafür, der SRG die Werbung zu streichen, dafür den Gebührenplafond zu erhöhen.» Davor hat Alfred Heer aber Angst. Der SVP-Nationalrat aus Zürich  versucht, sich in die andere Partei zu versetzen: «Als linker Politiker würde ich tatsächlich als erstes die Gebühren erhöhen, um die Werbeeinnahmen zu kompensieren.»

Als «freiheitlich denkender Bürger» möchte er eigentlich gleich die ganze SRG entsorgen. Diese Idee sei aber nicht «mehrheitsfähig». Das stimmt. Die SRG lässt die Frage offen, ob sie die Gebührenhöhe unberührt lassen wollen. «Es liegt in der Verantwortung der Politik, die Rahmenbedingungen für die SRG zu definieren», so die Pressestelle. Man wolle aber an beiden Geldquellen festhalten. Der Bundesrat habe sich fürs «duale Modell» ausgesprochen.

 

 

 

Warum die SRG fast niemanden kündigt

Die meisten Angestellten gehen nämlich selber.

Die SRG will in den nächsten vier Jahren 250 Vollzeitarbeitsplätze (FTE) streichen. Insgesamt beschäftigt die SRG 5500 FTE, einschliesslich der TPC-Arbeitsplätze, wie SRG-Sprecher Edi Estermann auf Anfrage mitteilte.

Es ist immer schade, wenn Leute gehen müssen. Die SRG will hingegen primär keine Leute entlassen. Die Reduktion soll hauptsächlich durch die natürliche Fluktuation geschehen. Klar, «Entlassungen sind nicht zu vermeiden», wie der Konzern am Dienstag mitteilte.

Das Auffallende bei der SRG ist ihre tiefe Netto-Fluktuation, also die Kündigungen, die durch die Mitarbeitenden erfolgen. Die Netto-Fluktuation bei den GAV-Mitarbeitenden lag 2019 bei 3,3 Prozent. Der Durchschnitt bei Schweizer Grossunternehmen ist bei über 7 Prozent. Die Erklärung liegt auf der Hand: Bis vor Kurzem galt ein Job im Leutschenbach als krisensicher – im Unterschied zu draussen.

Doch selbst wenn die Netto-Fluktuation auf 2 Prozent sinkt, würden in den nächsten vier Jahren über 400 FTEs entfallen. Nicht jeder Job kann ersatzlos gestrichen werden, viele schon. Leider.