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Der letzte SRF-Promi

Nach den Abgängen von Nick Hartmann, Reto Scherrer und Patrizia Laeri ist er bald der letzte Promi beim Schweizer Fernsehen. Rainer Maria Salzgeber. Eine kleine Würdigung seines Erfolgs kurz vor seinem 51. Geburtstag.

Nur einer war schlagfertiger und hatte die noch grössere Klappe. Roman Kilchsperger. Doch dieser „wurde quasi eingeschläfert», wie Kilchsperger gegenüber der „Weltwoche“ sagte – und vor zwei Jahren zu Teleclub weiterzog. Auch Reto Scherrer (zu Blick TV), Nick Hartmann (zu CH Media) und Patrizia Laeri (seit Juli 2020 bei CNNMoney Switzerland) kehrten SRF den Rücken. Bleibt Rainer Maria Salzgeber. Er ist Fussballkommentator und Moderator der Sendung „Donnschtig-Jass“ auf SRF. Gerade bei der Jasssendung zahlt sich aus, dass Rainer Mara Salzgeber so ein treuer Arbeitnehmer ist. Herummäkler würden das als Sesselkleber bezeichnen. Aber egal. „Salzi“, wie er von Freunden und Fans genannt wird, rückte nach. Er ist seit 2018 Nachfolger von Monika Fasnacht (1996-2011), respektive von Roman Kilchsperger (2011-2018).

Eine treue Seele – oder ein Sesselkleber

26 Jahre ist Rainer Maria Salzgeber schon beim Schweizer Fernsehen angestellt. Den gebürtigen Briger ist vielen TV-Zuschauern wegen seines kernigen Walliserdialekts und des zweiten Vornamens «Maria» ein Begriff. Die Reporterlegende Gody Baumberger (1918– 2009) habe ihm vor 25 Jahren geraten, seinen Dialekt zu pflegen und keinesfalls auf das Maria zu verzichten. «So kennt man mich, das ist mein Markenzeichen.»  Tatsächlich tut Salzgeber auch einiges für seine Popularität. So ist er sich nicht zu schade, der Glückspost regelmässig Red und Antwort zu stehen.

Doch Salzgeber ist vor allem Sportfan. So hat er sein Idol Gody Baumberger laut eigenen Angaben oft besucht im Altersheim hinter dem «Spirgarten» in Zürich-Altstetten. Dort gab Salzgeber – noch vor Corona und an einem Anlass für Gewerbetreibende – seine Erfolgsrezepte preis, für die man an einem Führungsseminar schnell einmal 1000 Franken bezahlen müsste.

„Salzis sieben Erfolgsfaktoren“

«Bei mir scheint es immer, wie wenn ich alles locker aus dem Ärmel schütteln würde. Aber du musst auch etwas reintun.» Sprich, gute Vorbereitung ist alles. Für Salzgeber gibt es sieben Erfolgsfaktoren. Erstens: die Leidenschaft. «Es braucht dazu eine distanzierte Nähe.» Von Schulterklopfen alleine habe man nicht gelebt. Zweitens: das Fachwissen. «Sonst wäre ich verloren.» Aber man könne nicht der totale Experte sein. «Sonst dürfte nur Roger Federer über Tennis berichten», so Salzgebers Fazit. Drittens: «Sei, wie du bist». Also keine Rolle einnehmen, die nicht zu einem passt. Viertens: «Zuhören statt zutexten. Schweigen kann gut sein, dann spricht der Interviewte.»

Nächster Punkt: Kritik annehmen können. Aber: «Du musst dir ein persönliches Umfeld schaffen für Feedbacks, sonst macht dich die Kritik kaputt.
Sechster Punkt: die Disziplin. Bei Salzgeber heisst das, dass einem der Erfolg nicht in den Kopf steigen sollte. Dazu gehört aber auch die körperliche Fitness, an der Salzgeber stets arbeitet. So radelt er jeweils mit dem Rennvelo an die Drehorte. Letzter Punkt: der Humor. Ja klar. Lachen löst viele Verkrustungen.

Heute käme er bei SRF nicht mehr unter

Salzgeber appelliert: «Gebt Querschlägern mehr Chancen.» Er ist überzeugt: Er käme heute bei SRF bei Stellenbesetzungen nicht mehr über die erste Runde hinaus. «Mut ist wichtig», findet er.
Für alle SRF-Kritiker noch dieser Hinweis: Salzgeber lebt nicht vom SRF-Job alleine. Er verdient ein Zubrot als Moderator von privaten Anlässen, wie das viele seiner SRF-Kollegen tun. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz bei SRF. Man verdient nicht soviel wie in der Privatwirtschaft, doch man darf seinen Namen mit Moderationen vergolden.

Salzgeber hat noch ein drittes Standbein. Er ist seit Mai 2014 «stolzer Mitbesitzer der ‹Baracca Zermatt› in Kloten», wie seiner privaten Website zu entnehmen ist. Rainer Maria Salzgeber ist und bleibt ein Tausendsassa. Übrigens: Maria heisst er, weil er am 15. August geboren wurde, dem katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt. Ein Walliser ist und bleibt ein (frommer) Walliser.

Noch ein Skandälchen

A propos Jassendung: Schon seit 1968 gibt es den Samschtigjass. Zentraler Teil der Sendung sind drei Runden Jass. Am Kartenspiel nehmen prominente und nicht-prominente Studiogäste sowie ein Telefonkandidat teil, der 16000 Schweizer Franken gewinnen kann. Speziell ist, dass der Telefonjasser gar nicht von zuhause aus jasst, sondern am Drehort in einem Nebenzimmer. Dort hält er nicht etwa einen Telefonhörer in der Hand, sondern trägt einen Kopfhörer mit Mikrofon, ähnlich einem Fussballreporter. Publik machte diesen „Skandal“ der Tages-Anzeiger schon 2008. Die Geschichte ist aber immer wieder schön zu lesen.

 

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