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Das Geschäftsmodell Doktor Stutz

In der Reihe «Was macht eigentlich» heute Ex-TV-Doktor Samuel Stutz.

Für Ü40-TV-Konsumenten ist Doktor Samuel Stutz eine Instanz. Der «TV-Doktor» mit dem charakteristischen Stadtbasler Dialekt moderierte bis 2007 eine Gesundheitssendung auf SRF 2. Seither gibt er sein eigenes Magazin heraus, das sechs Mal im Jahr erscheint. Es heisst «Sprechstunde Doktor Stutz». Stutz macht das, was auch schon andere aus dem TV bekannte Menschen gemacht haben. Die Prominenz nutzen für eigene Interessen. So etwa die späteren SVP-Politiker Werner Vetterli und Maximilian Reimann. Dann der Buchautor Patrick Rohr oder die Moderationstrainerin Beatrice Müller und natürlich aktuell Investigativ-Journalistin und Anlassmoderatorin (Eigenwerbung) Patrizia Laeri.

Auflage von über 200’000 Exemplaren

Doch zurück zu Samuel Stutz. Seit 13 Jahren also ist er Herausgeber von «Sprechstunde Doktor Stutz». Es hat aktuell eine respektable WEMF-beglaubigte Auflage von 222’243 Exemplaren. Das Jahresabo kostet für 6 Ausgaben 39 Franken. Man kann sich das Heft aber auch in Auslagen oder Zeitungsständern gratis schnappen, etwa in Poststellen oder im Hauptbahnhof Zürich. Die Abos spielen laut Samuel Stutz keine Rolle: «Das Magazin Sprechstunde wird kostenlos an die Bevölkerung verteilt», so der Arzt.

Das 88 Seiten dicke Magazin ist eine Art medizinische Ausgabe der bekannten Drogeriehefte. Und es strotzt vor Kaufangeboten, oft mit «sensationellen Leserrabatten».

Das «Spezial-Müesli von Doktor Stutz» für 22 Franken 40 pro Packung. Ein 20-Prozent-Gutschein für ein Medikament gegen «gereizte Augen». Ein 2-Franken-Rabattbon für eine Salbe gegen Knieschmerzen, Eine 40-Franken-Reduktion beim Kauf eines Anova-Gesundheitsschuhs. Eine Packung «Müesli-Brot-Backmischung von Doktor Stutz» gratis beim Kauf von drei Packungen zu 29 Franken 70. Ein Vibrator Raya à 47 Franken 50 (ohne Rabatt). Ein «Schmerzgerät mit Wärmefunktion OMRON Intens» für 99 Franken 50 statt 137 Franken. Ein Schrittzähler OMRON Walking für 55 anstatt 65 Franken. Eine Darmkur für 199 statt 230 Franken 50. Und noch das  Blutdruckmessgerät Rossmax X5 für 99 statt 134 Franken. Auch im Angebot: die «Personenwaage für eine genaue Ganzkörpermessung» zu 89 statt 129 Franken. Das teuerste Gerät ist der IDIAG P100. Ein Trainingsgerät für die Atemmuskulatur. Der «sensationelle Leserrabatt»: 690 anstatt 920 Franken. ZACKBUM.ch hat in einem separaten Artikel recherchiert, ob die Doktor-Stutz-Versprechung «Minderung des Verlaufs und der Folgen durch das Virus» zutrifft.

Doktor Stutz ist eine Grösse im Versandhandel, keine Frage. Dazu gehört die Eigenmarke «dr. stutz» mit den erwähnten Müseli, Brotbackmischungen, «Pasta, die nicht dick macht», Cracker und Porridge.

Die Zielgruppe sind eher ältere Menschen, die mit Samuel Stutz, heute 60 Jahre alt, schön und schmerzfrei leben wollen. Oder sich zumindest eine Besserung erhoffen, dank Dr. Samuel Stutz.

10 Seiten Inserate, gut 70 Seiten PR-Texte

Gut scheint das Geschäft für Stutz tatsächlich zu laufen. Von den 88 Seiten sind über 10 Seiten reine Inserateseiten. So etwa Novartis, Migros und eine Firma, die Badelifte installiert. Dazu kommen gut 70 Seiten nicht deklarierte Publireportagen, oft in Form eines produkteanpreisenden Textes und einem Inserat dazu. Ob und wie der «TV-Doktor Stutz macht», ist offen. «Umsatzzahlen geben wir keine bekannt», heisst es auf Anfrage lediglich.