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Schawis UKW-Schlacht: 2 zu 0

Der Radio-Pionier macht weiter Boden gut – UKW-Abschalter schnallen ab.

«Dass man umdenken kann, auch wenn man zuvor etwas im Enthusiasmus beschlossen hat», das sei das Wichtigste. So lobt der Ex-Medienminister Moritz Leuenberger seine Nachfolgerin Doris Leuthard.

Unter deren Federführung war die Abschaltung der Radio-Übertragung auf UKW beschlossen worden. Inzwischen hat die Alt-Bundesrätin eingeräumt, dass das wohl eine übereilte Entscheidung war, die sie aus heutigem Kenntnisstand nicht mehr so treffen würde.

Moritz Leuenberger: da denkt was unter dem Hut.

Applaus von Leuenberger, der sich ebenfalls gegen diese «von oben herab befohlene Eile» ausspricht. Alleine schon, weil die Entsorgung von Millionen von UKW-Geräten jede Menge graue Energie verschwenden würde. Und weil auch Leuenberger der Auffassung ist, dass UKW als Übertragungskanal bleiben muss.

Das sind schon zwei Fach-Bundesräte, die Roger Schawinski in seinem Kampf um die Erhaltung des UKW-Kanals hinter sich weiss. Plus über 55’000 Unterschriften unter der Petition «rettet UKW», die er vor Kurzem gestartet hat. Was bemerkenswert ist, weil Schawinski im Wesentlichen sein «Radio 1» als Multiplikator und Lautsprecher hinter sich weiss.

Stand Montag, 21. Juni 2021 …

Nach einigen seiner Prominenz geschuldeten Gastauftritten in anderen Medien herrscht inzwischen bei den Befürwortern der Abschaltung – Funkstille. Man spielt die Sendepause rauf und runter. Vielleicht besser so, denn für den mit Abstand dümmsten Spruch sorgte bislang Florian Wanner, Leiter Radio bei CH Media. Der Wanner-Clan hat sich die grösste Sammlung von privaten TV-und Radiostationen zusammengekauft, darunter das von Schawinski gegründete «Radio 24» und «Tele Züri».

Wanner, von Beruf Sohn und von Qualifikation eine Null, meinte am Anfang der Kampagne von Schawinski noch arrogant auf die Frage, was ihm durch den Kopf gegangen sei:

«Ich musste schmunzeln und war nicht überrascht. Es ist eine schöne Geschichte für ihn. Er war der Erste unter den Privaten – und möchte offensichtlich auch der Letzte sein.»

Sendepause, Hinterzimmerdeals und Kungeleien

Inzwischen nimmt es Wanner Junior etwas ruhiger, ebenso der Präsident des Verbands Schweizer Privatradios. Jürg Bachmann war dabei, als damals ein Hinterzimmerdeal ausgehandelt wurde. Die Privatradios stimmen der Abschaltung von UKW zu, dafür müssen sie sich in der Restlaufzeit nicht nochmal um die Sendelizenzen bewerben.

Da hatte es nämlich blöde Unfälle gegeben, weil einige Radiomanager sogar zu unfähig waren, ein fürs BAKOM akzeptables Gesuch einzureichen. Den Stress wollte man sich nicht mehr so schnell antun. Also kein Stress, Zustimmung, merkt doch keiner. Oder höchstens, wenn’s zu spät ist. Dass Schawinski schon damals diesem Deal nicht zugestimmt hatte, nahm man auf die leichte Schulter. Oh je, der schon wieder, will wohl immer aus der Reihe tanzen, will wohl weiter UKW senden, weil er noch nie vom Internet gehört hat.

Zudem waren die Verlage zunehmend damit ausgelastet, den nächsten Deal durchzukriegen, die Milliarden-Unterstützung durch den Steuerzahler. Für die milliarden- oder mindestens multimillionenschweren Medien-Clans wie Ringier, Wanner, Lebrument oder Coninx, bzw. Supino.

Also machen die Radiomacher, die Sender ohne Sendungsbewusstsein, damit weiter, was sie viel besser können. Kungeln, vernetzen, verfilzen. So liess sich Wanner Junior zum VR-Präsidenten des DAB+-Netzbetreibers SwissMediaCast wählen. Das ergänzt seine Mandate im VR der AZ Medien AG – sowie im Vorstand des  Privatradio-Verbands.

Dass DAB+ in Wirklichkeit das Auslaufmodell ist, das muss ihm mal jemand erklären. Aber bitte ganz langsam.

Gejammer hat genutzt – vorläufig

Alles Gejammer der Verlage, dass sie dringend auf noch mehr Staatskohle angwiesen seien, denn es wäre doch unerträglich, wenn die Coninx-Yacht nicht erneuert werden könnte, wenn Ringier sich nicht den neusten Aston Martin kaufen dürfte, hat zwar im Parlament genutzt. Die Milliarde ist durch.

Aber auch hier droht Ungemach. Ein munteres Referendumskomitee um den Verleger Bruno Hug, den Alt-FDP-Nationalrat Peter Weigelt und den Kommunikationsberater Philipp Gut ist angetreten, den Verlegern in die Suppe zu spucken. Die NZZ, von Anfang an skeptisch gegenüber mehr Staatskohle für Medien, zeigt inzwischen unverhohlen Sympathie für dieses Referendum. Das sicherlich kommen wird.

Schliesslich haben die Verleger bis fast am Schluss verpasst, dass der Ständerat die Schwelle fürs Verhindern von kritischer Berichterstattung niedriger legte; mit einer scheinbar harmlosen, aber brandgefährlichen Streichung eines einzigen Worts bei superprovisorischen Verfügungen.

Es läuft also nicht wirklich gut für die Verleger. Allerdings: 2020 war ein weiteres profitables Jahr mit Gewinnen satt. Aber jammern ohne zu leiden, das ist inzwischen die Lieblingsbeschäftigung dieser Clans.

Sieht so ein Siegertyp aus? Roger Schawinski.

Wenn dir dein eigener Vertreter in den Fuss schiesst

Jürg Bachmann ist Präsident des Verbandes Schweizer Privatradios. Ohne ihn wären die besser dran.

Bachmann hat mitgekungelt, als sich die Privatradios mit der Zusage, dass sie sich nicht nochmals um die eigentlich fällige Neuvergabe der Funklizenzen bemühen müssten, ihre Zusage zum Abschalten der UKW-Ausstrahlung abhandeln liessen.

Schien damals eine gute Idee, denn die grossen Verlage waren dermassen unfähig, dass einer zwischenzeitlich die Lizenz für seine Privatradio-Station verlor; zu schlampig das Gesuch abgefasst.

Also lieber nicht noch mal, und nachdem schon mit DAB und DAB+ Millionen in den Sand gesetzt worden waren, könnte man doch nun ganz aufs Internet setzen. Aber schon damals hatte es einen gegeben, der dieser Kungelei nicht zustimmte. Genau, Roger Schawinski.

Ach, der schon wieder, dachten die anderen grauen Mäuse, die Radio-Manager, die vielleicht eine Ahnung von einer Finanzflussplanung haben (was nicht heisst, dass sie sie auch beherrschen), aber null Interesse an diesem Medium. Radiowellen, Druckerschwärze, TV-Übertragung, Verkauf von Windeln, Konzerten, Kaffeemaschinen: alles das Gleiche, kann alles gemanagt und in den Sand gesetzt werden.

Ach, der schon wieder, dachten Schawinskis Gegner Mal um Mal

Ach, der schon wieder, dachten diese Kurzdenker, als Schawinski seine Petition «Rettet UKW» startete. Will im Herbst seines Lebens noch ein wenig Stunk machen, bevor er endgültig abtritt, der alte Sack. Gar nicht erst ignorieren, hat keine Chance, blöder Querulant, könnte doch einfach mal die Schnauze halten.

Der einzig wegen seines Berufs Sohn zur Position des Chefs der grössten Ansammlung von Privat-Radiostationen gekommene Wanner-Filius schmunzelte über Schawinski, Bachmann sah keine Chance, dass da noch etwas geändert werden könne.

Das enthält eine Anzahl von Fehlern, die eigentlich in jeder Organisation, wo Amt noch irgendwas mit Verantwortlichkeit und Kompetenz zu tun hat, zum sofortigen Abgang – freiwillig oder unfreiwillig – von Bachmann führen müsste. Der war nämlich zudem etwas absorbiert, um sich sein neustes Hütchen – Präsident von Kommunikation Schweiz, dem Dachverband Schweizer Werbung – auf dem Haupt zurechtzurücken.

Also beschränkte sich seine öffentliche Gegenwehr gegen die Attacke von Schawinski auf ein hingeknödeltes Gefälligkeits-Interview bei Tamedia, bei dem er weiterhin UKW «keine Chance» gab. Währenddessen übersprang Schawinskis Unterschriftensammlung locker die Grenze von 50’000. Bei einem seiner vielen Auftritte in einer Debatte bei «Tele Züri» (wer hat’s erfunden?) ergab die anschliessende Publikumsbefragung geradezu nordkoreanische Zustimmung zu seiner Position; der Chefredaktor der in die Bedeutungslosigkeit abgeschwirrten «Medienwoche» hatte mit seiner «schaltet es ab»-Position keine Chance.

Schlag auf Schlag, so macht man das

Nun ist Schawinski der nächste Coup gelungen. Selbst die für den damaligen Entscheid verantwortliche Medienministerin, die Ex-Bundesrätin Doris Leuthard, ist inzwischen für einen Marschhalt, räumt ein, dass man damals falsch entschieden habe. Immer mehr Politiker springen auf den rollenden Zug auf, während Schawinski vorne für Dampf im Kessel sorgt. Denn er hat mindestens drei Vorteile gegenüber dieser Riege von Verwaltern. Er ist mit Herzblut dabei. Er weiss, wovon er spricht. Er ist nicht irgendwer, sondern hat durchaus seine Verbindungen. Und er hasst es bis ins höhere Alter, zu verlieren.

Bachmann? Der hat keine dieser Eigenschaften, inzwischen drückt er sich einfach etwas vorsichtiger aus, wenn er gefragt wird, ob die Abschaltung des UKW-Netzes noch realistisch sei: «Es wäre jedenfalls vernünftig», behauptet er in einem Interview auf persoenlich.com. Warum wäre es das? «Weil über die Hälfte der Autos mit DAB+-Empfangsgeräten ausgerüstet» sei. Womit er um die offizielle Zahl, dass mehr als die Hälfte aller Autofahrer unterwegs UKW hört, herumkurvt.

Dazu gar nicht merkt, wie bescheuert diese Behauptung ist, da ja auch DAB+ nicht die Zukunft darstellt. Der zunehmende Gegenwind auf allen Ebenen? Ach, «zu wenig Interesse an den Fakten», da liessen sich alle «von einer emotionalen Welle mitreissen». Na, dann mal die Fakten auf den Tisch, was spricht nun gegen die Fortsetzung der UKW-Ausstrahlung?

«Es würde viel Geld kosten.»

Was Bachmann auch nicht mitgekriegt hat: dieses erste Argument, das hilflos aus dem Ärmel geschüttelt wurde, konnte nie mit Zahlen untermauert werden.

Das Bettlakengespenst Bachmann

Einzig Schawinski hat die Zahlen für sein «Radio 1» auf den Tisch gelegt: Im Promillebereich, vernachlässigbar, kein Problem. Dagegen Bachmann, der sich mangels anderer Argumente hinter einen Vorhang stellt, hineinbläst und «buhu» sagt. In der vergeblichen Hoffnung, dass «kostet eine Stange Geld» schon irgendwie verfangen könnte.

Nun wünscht man Schawinski wenigstens valable Gegner; es kann ja keinen Spass machen, auf einem Kartoffelsack rumzutrampeln. Daher mit aller gebotenen Neutralität, da ZACKBUM (noch) keine private Radiostation betreibt: Lieber Verband, zieht doch nicht bei UKW, sondern bei Bachmann den Stecker raus und sucht Euch einen Präsidenten, der wenigstens so tut, als sei er nicht scheintot. Und zur allgemeinen Beförderung der Debatte es vielleicht mal mit einem Gegenargument mit Hand und Fuss probiert.

Dann kann sich Bachmann vollamtlich seinem nächsten Versuch widmen, dem Dachverband der Schweizer Werbung das Dach wegfliegen zu lassen.

Ex-Press XL

Blasen aus dem Mediensumpf.

Diesmal nicht anhand unerschrockener Griffe in diesen Sumpf, sondern als Potpourri (weniger) guter und (viel) schlechter Nachrichten. Wohlriechend ist dabei wirklich nicht alles (Nora Zukker, das ist eine Anspielung auf den Sinn des Wortes, aber der lässt sich googeln).

Zunächst schlechte Nachrichten für die «Schweizer Illustrierte». Sie wollte natürlich auch an die Geldtöpfe des Bundes in Sachen Covid-19. Reichte ein entsprechendes Gesuch vor knapp einem Jahr ein, dann mahlten die Mühlen und mahlten und mahlten.

Bis nun das Bundesverwaltungsgericht entschied, dass die SI keine Kohle aus diesem Topf kriegt. Denn sie erfülle die Kriterien dafür nicht. Verlangt sind aktuelle Nachrichten und eine breite Themenpalette.

Sternchengeburtstage, Berichte über den Zustand von Unterleib, Gesichtsstraffung oder Liebes-Aus, natürlich auch Liebesrausch, vermögen diese Bedingungen nicht zu erfüllen. Auch die ewige Nummer «XY zeigt zum ersten Mal ZZ», wobei ZZ ein Baby, ein Haustier, ein neuer Lover oder ein neues Haus sein kann, trägt offensichtlich nicht wesentlich zum Informationsauftrag bei.

Eigentlich unverständlich, bei diesem geballten Gehalt von News:

Gutes Selbstmarketing ist die halbe Miete, heutzutage. Das weiss auch Florian Imbach, der nach knapp sechs Jahren bei der «Rundschau» woseliwo gelandet ist? Genau, bei der Bundesverwaltung.

Damit ihm nicht das Gleiche passiert wie Putzfrauen, Pardon. Raumpflegerinnen, Pardon, Facility Manager*Innen, deren Stellenwechsel auf Agenturen nicht immer mit der nötigen Akkuratesse bei persoenlich.com nachverfolgt wird, hat sich Imbach noch was Tolles einfallen lassen, was ihm einen Jubelartikel mit grossem Foto einbringt:

Da korrigieren wir uns gerne; vorgestern schrieben wir noch, dass Roger Schawinskis Petition «Rettet UKW» mehr als 48’000 Unterschriften gesammelt habe. Nun sind bereits die 50’000 überschritten, und selbst die für den damaligen Entscheid verantwortliche Alt-Bundesrätin Doris Leuthard spricht sich inzwischen klar für einen «Marschhalt» beim Abschalten aus. Das kratzt aber Jürg Bachmann, den Präsidenten des Verbandes Schweizer Privatradios, überhaupt nicht. er holpert eine schriftliche Stellungnahme für Tamedia raus: «Ich habe die Aussagen von Doris Leuthard gelesen, aber keine neuen Gedanken gefunden, die für eine Abweichung vom vorgesehenen Plan sprechen würden.»

Vielleicht sollte sich der Verband ernsthaft überlegen, einen geistig etwas agileren Präsidenten zu ernennen und den hier abzuschalten. So wird das nämlich nix mit dem Abschalten.

Endlich, money for free im Journalismus? Da gibt es «Le Pacte», und hier wird Geld wie mit dem Füllhorn ausgeschüttet. Für «journalistische Projekte», in erster Linie von halb- oder ganz freien Journalisten. Bis zu 15’000 Franken werden lockergemacht, wenn der Vorschlag die Zustimmung der Jury findet. 225’000 Franken sollen zur Verfügung stehen. Wunderbar.

Wunderbar? Nun, an dieser Hürde dürften schon mal die meisten Bewerber scheitern, denn sie müssen begründen, «inwiefern das Projekt der allgemein anerkannten Definition von Investigativjournalismus entspricht». Tja, liebe Relotius-Klone und Liebhaber von anonymen Denunziationen mittels angeblicher «Quellen»: das wird dann nix.

Ausserdem entscheidet eine knallharte «Fachjury» von ausgewiesenen Könnern und Kennern über die Vergabe. Echt jetzt. Auf Deutsch gehören zu ihr:

  • Der mehrfache Bruchpilot David Sieber, der zuletzt den «Schweizer Journalist» in den Boden rammte
  • Albina Muhtari, Chefredaktorin «baba news»
  • Adrienne Fichter, Redaktorin «Republik»
  • Marcel Hänggi, Journalist, schreibt «Bücher und Texte für Museen und hält Vorträge, Hühner und Schafe»
  • Alexandra Stark, freie Journalistin
  • Elvira Wiegers, «Vertreterin der Zivilgesellschaft», dazu befähigt als Nationalratskandidatin der AL
  • Nikki Böhler, ebenfalls Vertreterin, dazu Geschäftsführerin bei opendata.ch
  • Giulia Meier, ebenfalls Vertreterin, Staatsangestellte in Bern und zuständig für «Theater, Tanz, Literatur»

Vielleicht müssen wir darauf aufmerksam machen, dass das KEINE Satire ist. Nun ist es auch so, dass der Vorstand von «Le Pacte» aus nicht bekannten Mitgliedern besteht, die vor allem eine Gewerkschaftskarriere hinter sich haben, vielleicht mit Ausnahme von Jean-François Tanda.

Dieses Gerümpelturnier soll dann über die Vergabe von fast einer Viertelmillion entscheiden. Ganz objektiv und kompetent. Glaubt jemand, dass dieser Haufen einen Antrag von ZACKBUM oder von René Zeyer wohlwollend prüfen und befürworten würde? Wohl nicht mal, wenn er von Hühnern und Schafen begleitet wäre oder als Foxtrott auf offener Bühne dargeboten würde.

 

Jetzt auch noch Doris Leuthard

Mehr als 47’000 Unterschriften hat Roger Schawinski schon gesammelt. Das Schweigen seiner Gegner wird immer lauter.

Als der Radiopionier mit seiner Attacke «Rettet UKW» loslegte, war ihm Häme und arrogante Besserwisserei gewiss.

Herausragend Florian Wanner, von Beruf Sohn und von Position Leiter Radio beim Wanner-Verlag, der die wohl grösste Sammlung von privaten Radiostationen zusammengekauft hat. Der meinte süffisant, dass es ihm schon ein Schmunzeln entlocke, was Schawinski vorhabe. Muss man sich mal vorstellen, Wanner Junior sitzt auf diesem Posten wegen seines Nachnamens und verwaltet unter anderem «Tele Züri» oder «Radio 24», beides von Schawinski ins Leben gerufen.

Beruf Sohn, Ahnung null: Florian Wanner.

Auch Kurt W. Zimmermann, inzwischen  zum grossen Medienkritiker gereift, möchte nicht mehr so gerne daran erinnert werden, dass er Beihilfe dazu leistete, dass die damalige Ausgabe von Tamedia mit TV3 ein hübsche Stange Geld in den Sand setzte. Allerdings erinnert ihn nur die Existenz von Schawinski daran. Deshalb erfindet Zimmermann, als seriöser Faktenjournalist, mal kurz ein Zitat und bringt es im Nachruf auf Schellenberg unter; bekanntlich konnte der Schawinski nicht leiden, was auf Gegenseitigkeit beruhte:

«Der wiederum posaunte in seinem Studio herum, dass «der Schellenberg hier bald einmal auf Knien angekrochen kommt». Bald darauf war aber Schawinski auf den Knien und sein Sender gescheitert.»

Aber gut, das ist halt das Maulheldentum von Möchtegerns. Auf die Nachfrage, woher er denn diese Aussage habe, flüchtet sich Zimmi ins Lieblingsgebiet von unpräzisen Schwätzern: ins Ungefähre. Nun ist es aber so, dass alle Verlage, die damals gerne bereit waren, die Einstellung der UKW-Frequenzen zu akzeptieren, weil sie damit eine stillschweigende Verlängerung der Radiolizenzen erhielten, anfänglich nicht damit rechneten, dass Schawinski mit seiner Kampagne mehr bewirken wird als in eine «Schlacht zu ziehen, die längst geschlagen ist» (NZZ), eine Lösung anzubieten, wo kein Problem istBlick»), «Nichts spricht für UKW» (Tagi).

Fast 50’000 sprechen für UKW; Stand 3. Juni, mittags.

Nun nähert sich seine Unterschriftensammlung der Petition der nächsten Marke, 50’000. Das ist nun nicht wenig, angesichts der Tatsache, dass Schawinski im Wesentlichen auf seiner eigenen Radiostation dafür Werbung machen kann.

Der Wind dreht langsam, aber spürbar

Also dreht langsam der Wind, von «keine Chance, will halt noch mal als der grosse Pirat antreten, bevor er abtritt», von «hat halt mit 75 keine Ahnung mehr, dass es auch nach UKW und Fax was Neues gibt», von «UKW so was von gestern, DAB+ sowas für heute, und die Zukunft liegt sowieso im Netz», also von all diesen «jö, schaut euch den Schawi an, da reitet er wieder auf seiner Rosinante gegen Windmühlen an» (Nora Zukker, so hiess das Pferd von Don Quichotte, der wiederum, aber das wäre zu kompliziert); also von all diesem Gedöns wird langsam Abstand genommen.

Der eine oder andere überlegt sich schon, wie er allenfalls aus der Nummer wieder rauskommt, dass ein Weiterbetrieb von UKW-Sendern ruinös für die Privatradios wäre. Dass das mit den Autoradios zwar schon ein Punkt sei, aber he, wer schon sinnloserweise von UKW auf DAB und dann auf DAB+ umgerüstet hat, der wird doch auch den Netzzugang schaffen. Und die Hälfte aller Automobilisten, die noch UKW hören, sollen halt endlich in der Neuzeit ankommen.

Da sind die Politiker nicht weit

Wo es Sympathiepunkte für nix zu gewinnen gibt, ist natürlich auch immer der Politiker zur Stelle. Ist er von kleinerem Kaliber, dann macht er sich wichtig, indem er einen parlamentarischen Vorstoss ankündigt. So mit dem Gestus: da müssen mal die Erwachsenen ran, nämlich die Parlamentarier.

Da gibt es nun allerdings eine Liga, die nicht mal mehr das nötig hat. Zu der gehört zum Beispiel Adolf Ogi, der bloss ein «finde ich gut/finde ich schlecht» in die Runde werfen muss, und schon scheppert es.

Verschwestert sich: UKW-Retterin Doris Leuthard.

Dazu gehört auch Doris Leuthard. Die kann sogar noch zu ihrem Status als von vielen gemochte Ex-Bundesrätin in die Waagschale werfen, dass sie als Medienministerin damals für den Einstellungsentscheid verantwortlich war. Traut sie sich da tatsächlich, sich selbst zu widersprechen? Aber locker; als amtierende Bundesrätin wäre das natürlich nicht gegangen. Als elder stateswoman geht das: «Man ist seinerzeit davon ausgegangen, dass UKW ein Auslaufmodell ist.»

Da hat man sich aber getäuscht; DAB+ oder Internetradio ist noch viel zu wenig verbreitet, vor allem im Auto. Also, logisch: Marschhalt, UKW weiter laufen lassen, kein Schweizer Alleingang im Herzen Europas. Sagt Leuthard.

Alles Wind in die Segel des kleinen, aber wendigen Piratenschiffs

Schluck, sagen da alle, die bislang meinten, man könne den Schawi doch einfach ein wenig toben lassen, aber alles gehe dann schon seinen geordneten Gang zur Abschaltung. Wer im Lager der Befürworter des Einstellungsbeschlusses nicht völlig verblödet ist (wir könnten, wollen aber keine Namen nennen), weiss spätestens jetzt: Das Spiel ist offen. Die Abschaltung ist nicht in trockenen Tüchern. Man kann nicht weiter einfach business as usual machen.

Was sonst? Tja, da ist guter Rat teuer, wenn man bislang einfach Verwalter von Privatradios war, ohne grosse Ahnung von nix oder von Technik. Mit dem einzigen Sendungsbewusstsein, dass auch so ein Medium ordentlich Gewinn abzuliefern hat. Wir sind gespannt, was nach der ersten Schrecksekunde kommt. Wären aber nicht überrascht, wenn es nicht mal ein Winseln wäre. Sondern einfach Schockstarre, Fingernägelknabbern und internes Gebrüll: welcher Riesentrottel war das schon wieder, der meinte, man müsse den alten Schawi doch nicht ernst nehmen?

Die kurze Erfolgsgeschichte

«Clubhouse»: Da war doch was? Und ist da immer noch etwas? Hypes werden auch immer kurzatmiger.

Von Stefan Millius*

Es gab eine Zeit, irgendwo Anfang Jahr, da konnte man mit der App «Clubhouse» Geld verdienen. Denn wer eine Registrierung ergatterte, erhielt danach sporadisch die Möglichkeit, andere Leute einzuladen – und das ist die Voraussetzung für ein Plätzchen. Also boten einige schlaue Leute ihre «Invites» gegen Geld an. Reichtümer winkten nicht, aber ein gutes Abendessen mit Begleitung lag durchaus drin.

Interesse wecken durch Verknappung und Exklusivität: Nur darum gings. Denn unterm Strich ist «Clubhouse» einfach ein weiteres soziales Medium, in dem gesprochen statt geschrieben wird. Man trifft sich zu bestimmten Events zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Raum und plaudert. Dabei gibt es verschiedene Rollen: Moderatoren, Sprecher und reine Zuhörer.

Hyper Hyper!

Als die App auftauchte, überschlugen sich die Medien vor Begeisterung. Sie sprachen vom nächsten grossen Ding, endlich mal wieder was Innovatives, völlig anders als alles andere und sowieso einfach das, was man haben muss.

Ein paar Monate später gilt eher: lau statt wow. Wenn nicht bald Elon Musk einen Tesla vorstellt, der fliegen kann, schafft es «Clubhouse» kaum mehr in die Schlagzeilen. Was im Januar klang, als würde es auf einen Schlag Facebook, Twitter und Snapchat von der Landkarte knallen, ist heute eine reine Nische mit leichtem Friedhofscharakter.

Auch meine persönliche Faszination war von kurzer Natur. Und zwar, weil ich stets für alles, was mich allenfalls hätte interessieren können, zu spät war. Das Magazin persoenlich.com beispielsweise organisiert immer wieder Clubhouse-Runden. Am Donnerstag, 20. Mai wurde in einer Runde die Medienlandschaft Ostschweiz besprochen. Was ich leider erst am Freitag, dem 21. Mai mitgeschnitten habe. Nachhören kann man nicht, was da gesagt wurde, ein Club ist schliesslich ein Liveerlebnis, und man geht ja auch nicht am Morgen nach der Party in die leere Disco und hofft, die Atmosphäre schwinge noch nach. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Also werde ich nie erfahren, wie den die Mediensituation in der Ostschweiz aussieht.

Und auch sonst wird vieles an mir vorbeigehen. Dank Netflix bin ich endlich nicht mehr auf ein lineares TV-Programm angewiesen und muss nicht um 20.10 Uhr aufs Klo, um dann um 20.15 Uhr bloss nichts zu verpassen. Aber eine App soll mich nun nötigen, zu einem bestimmten Zeitpunkt einzuschalten? Es wirkt reichlich anachronistisch.

Was offenbar viele finden. Die App ist aus den deutschsprachigen Hitparaden der Downloads verschwunden. Wurden beim Startschuss Räume ohne Ende gegründet, um über wahnsinnig wichtige Dinge zu sprechen, muss man heute lange suchen, um irgendwo reinhören zu können.

Keiner will mehr

Dabei sitze ich immer noch auf «3 Invites», wie mich die App wissen lässt. Ich könnte also Leute einladen, damit auch sie in den illustren Kreis aufgenommen werden. Nur will keiner von denen, die ich anspreche. Dabei fordere ich nicht mal Geld, die Illusion, dass ich heute noch mit dem «nächsten grossen Ding» was verdienen könnte, ist vorbei. Mir wird zwar eine Warteliste eingeblendet, auf der ich sehe, welche Leute aus meinen Kontakten (ja, die App gräbt ordentlich Daten ab) gerne dabei wären. Das Problem ist: Der aktuellste Eintrag ist zwei Monate alt. Und als ich nachfrage, winkt der Kollege ab: Das mit dem Interesse war mal, danke, wusste gar nicht mehr, dass ich mal usw. Abgesehen davon, dass sogar einige Einladungen, die ich in der Startzeit verschickt habe, immer noch uneingelöst rumdümpeln.

In meinem Profil erfahre ich, dass ich 62 Follower habe. Das ist schön und ein Zeichen des Vertrauens, nur werden sie nie etwas geboten bekommen. Genau wie die 34 Leute, denen ich folge, reine Profilleichen zu sein scheinen. Irgendwann mal eingeladen, völlig elektrisiert über die einmalige Chance sofort beigetreten – und wurden nie wieder gesehen.

In Amerika, heisst es, sei Clubhouse noch immer gefragt. Aber das ist ja auch das Land mit dem «Talk Radio» und unablässigem Gelaber. Bei uns ist die Clubstimmung durch.

 

*Stefan Millius ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz». Geht er friedlich nach Hause, bleibt alles friedlich.

 

Erinnert sich noch jemand an den Tamedia-Protest?

Es wurden Behauptungen aufgestellt, ergänzt mit Forderungen und Ultimatum. Und jetzt?

Zunächst 78 Frauen unterzeichneten ein Protestschreiben, das sexistische, diskriminierende, frauenfeindliche, demotivierende Zustände bei Tamedia beklagte. Ergänzt mit rund 60 anonymen, unbelegten «Beispielen» dafür.

Nachdem das – entgegen der Absicht vieler Unterzeichner – an die Öffentlichkeit gelangte, gab es erwartungsgemäss ein Riesenhallo. Die beiden Promotorinnen schafften es sogar als Fokus-Thema in eine Ausgabe von «10 vor 10». Die schlimmsten «Beispiele» wurden überall fleissig zitiert; die anderen Medienhäuser, nachdem sie sich versichert hatten, dass so ein Blödsinn bei ihnen nicht passiert, zeigten sich indigniert.

So ging das dahin, und dann ging es den Weg aller Strohfeuer. Der Brief hat das Datum 5. März. Am Tag der Frau, also am 8. März, ging das grosse Gewese los, schleppte sich durch die Gazetten, in Talkshows, wurde Thema im Radio. Strengste Untersuchungen wurden angekündigt, der Oberchefredaktor von Tamedia war so geknickt, dass er sich gleich präventiv entschuldigte.

Oder doch nicht?

Dafür müsste ihm eigentlich das Journi-Patent weggenommen werden. Sich entschuldigen, aufgrund durch nichts belegter Behauptungen und anonymer Beispiele? Hat der ein Schwein, dass es keinen Führerschein braucht, um einen Medienkonzern journalistisch zu führen.

Grosse Töne spucken, und dann?

Aber, das alles könnten wir endgültig vergessen und darunter abhaken, dass sich so einige Redaktorinnen eine Arbeitsplatzgarantie verschafft haben. Wenn da nicht ein Satz in diesem Brandbrief stünde, ganz am Schluss und drohend:

«Wir erwarten bis zum 1. Mai 2021 konkrete Vorschläge zur Umsetzung unserer Forderungen und eurer «verbindlichen Ziele». Ausserdem erwarten wir, dass die detaillierte Überprüfung des Betriebsklimas bis Anfang 2022 transparent gemacht und gegebenenfalls weitere Korrekturen vorgenommen werden.»

Wenn wir uns bei ZACKBUM nicht täuschen, haben wir nun Mai. Weder von konkreten, noch abstrakten Vorschlägen haben wir gehört. Obwohl bereits der 5. Mai da ist, aber nichts neu macht.

Das erinnert an den alten Scherz: Ich fordere sie ultimativ auf, das zurückzunehmen. – Nö. – Okay, dann ist der Fall für mich erledigt.

Daher kann man sich aussuchen, ob man dieses Protestschreiben, seine Verbreitung in der Öffentlichkeit durch Jolanda Spiess-Hegglin, die sich einen Scheiss darum gekümmert hat, ob auch alle 78 Erstunterzeichnern damit einverstanden sind, und alles anschliessende, tief betroffene Gemurmel ein Trauerspiel war – oder reiner Slapstick.

Zumindest der Sache der Frau, den im Schreiben formulierten Anliegen wurde ein Bärendienst erwiesen, meinetwegen auch ein Bärinnendienst. Denn Lächerlichkeit tötet. Bis 1. Mai eine Reaktion auf den Forderungskatalog, von Anstand bis Vertrauenspersonen. Nein? Dann halt nicht. Unerträgliche Arbeitsbedingungen für Frauen auf den Redaktionen, «wir sind nicht länger bereit, diesen Zustand länger hinzunehmen.» Oder doch.

Das Protestschreiben mondete nur zwei Mal

«Viele dieser Forderungen sind bereits bekannt.» Na dann. «Wir haben sie im Rahmen des Frauenstreiks 2019 formuliert.» Schön. «Sie sind in den vergangenen eineinhalb Jahren noch dringlicher geworden.» Na, da können sie locker noch weitere Jahre reifen.

In nur 60 Tagen ist der ganze Aufstand schon verwelkt, werden die angeblich so schlimmen Arbeitsbedingungen wieder stillschweigend ertragen. Ach, die Nummer mit: es hat doch etwas bewirkt, Zeichen gesetzt, Fanal, Männer sind nun weniger übergriffig als vorher? Ja, ja, das sagt man immer, wenn etwas zusammengebrochen ist.

Abschneiden, ernten.

Tamedia hat weitgehend richtig reagiert. Zuerst tiefe Betroffenheit geheuchelt, der Oberchefredaktor ging sogar so weit, sich für völlig belegfrei behauptete verbale Übergriffe zu entschuldigen. Da hatte er zu viel Gas gegeben. Dann verkündete er stolz, dass eine der Mitunterzeichner damit beauftragt worden sei, das Ganze nun zu untersuchen.

Muss und will. Aber auch kann?

Wahrscheinlich galt sie neutral genug, weil sie zwar unterschrieben hatte, aber bei Roger Schawinski fröhlich verkündete, dass sie selbst noch nie solche männlichen Verhaltensweisen erlebt habe. Nach scharfem und langem Nachdenken verkündete Arthur Rutishauser dann, dass das mit Claudia Blumer vielleicht doch keine so gute Idee war. Sie wurde zur «Vertrauensperson» herabgestuft, der man (und vor allem frau) sich ungeniert anvertrauen könne.

Die eigentliche Untersuchung, wie es sich überall gehört, werde dann extern  durchgeführt. Man sei da schon in Verhandlungen, könne aber noch keine Namen nennen. Seither müffelt alles vor sich hin.

Wir haben die beiden Erstunterzeichnerinnen gefragt, welche Massnahmen nun geplant sind, ob sie per 1. Mai eine Reaktion von Tamedia erhalten haben. Die Antwort ist – Schweigen. So wie schon auf alle vorherigen Anfragen von ZACKBUM.ch, die wir auch schon an alle Unterzeichnerinnen – und Nicht-Unterzeichnerinnen – schickten. Darauf hörten wir – einen Schweigechor von mehr als 100 Frauen. Meckern ja, auf Fragen antworten nein. Wenn das nicht männerverachtend, lächerlich, schwach ist, also das Vorurteil des schwachen Geschlechts bedient, dann weiss ich auch nicht.

 

 

UKW: ohne uns

Jammern, betteln, feuern. Alltagsnews aus den Medien. Dann tut einer was – und Schweigen herrscht.

Der Mann ist 75 und muss in einen Jungbrunnen gesprungen sein. Man mag ihn mögen oder sich an ihm reiben: Energie hat Roger Schawinski für zwei. Nach Abstechern in alle Formen von Multiplikatoren ist er seit einiger Zeit zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und macht das, was er wie kein Zweiter kann: Radio.

In seinem Element: Roger Schawinski.

Gegen «Radio 1» senden die übrigen Privatradios Dudelfunk mit unsäglich flachwelligen Wortbeiträgen. Schawinski hat dagegen das Talk Radio in die Schweiz geholt. Zunächst fünf Mal die Woche, nun noch zwei Mal unterhalten sich Experten, Politiker, Wissenschaftler und jeder, der etwas beitragen will, mit Schawinski über alle Aspekte der Pandemie.

Immer frisch, immer live. Immer mit einem Schawinski, der sich überraschen lässt, wer ihm alles als Gesprächspartner vorgesetzt wird. Auf so eine Idee sind die viel ressourcenstärkeren Blödfunker aus dem Hause Wanner und die übrigen Privat- (sowie Staats-) Radiomacher nicht gekommen.

Einer der Unterschiede, wenn einer von Beruf Sohn, der andere Radiomacher mit Herzblut ist. Der andere Unterschied: wenn Schawinski mit einer Entscheidung nicht einverstanden ist, dann tut er was dagegen.

Man kann, darf und soll unterschreiben.

Ab nächstem Jahr will die Schweiz – notabene als einziges Land in Zentraleuropa, die Radio-Übertragung auf UKW einstellen. Die SRG geht mit schlechtem Beispiel voran, dann folgen alle Privat-Radios. Alle? Nein, eine Ausnahme gibt’s natürlich. Was soll denn das? «Er war der Erste unter den Privaten, und möchte offensichtlich auch der Letzte sein

Die Ersten werden die Letzten sein?

Sagt Florian Wanner, als Bewährungsprobe zum Chef des kunterbunten Wanner-Imperiums an elektronischen Medien eingesetzt. Er selbst sieht überhaupt keinen Bedarf, etwas gegen diese Abschaltung zu unternehmen. Das ist sein gutes Recht. Nun protestiert aber Schawinski nicht nur auf allen Kanälen dagegen, so zuletzt in der NZZaS mit einem Kommentar. Sondern er hat auch eine Petition gestartet, mit (Stand Montag) über 7000 Unterschriften bislang.

Zudem ist Schawinski bereit, ans Bundesverwaltungsgericht zu gelangen, um das Zustandekommen dieser Entscheidung zu kippen. Ebenfalls am Sonntag holte sich Schawinski den wohl erfahrensten Radiotechniker ins Studio für einen «Doppelpunkt». Markus Ruoss hatte damals einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass das Piratenradio von Schawinski vom Pizzo Groppera aus in bester Sendequalität in Zürich empfangen werden konnte.

Inzwischen ist Ruoss vehementer Befürworter von DAB+ und ebenfalls von der Abschaltung der UKW-Übertragung. Also ein spannendes Battle, das nur entsteht, wenn der Besitzer des Mikrophons einem kompetenten Widerpart Gastrecht gibt. Deshalb gibt es vergleichbare Sendungen auch bei, ähm, also bei, na, verflixt, niemandem. Vielleicht noch im «Talk täglich», früher mal, als Markus Gilli hier noch Gas gab. Und wer hat’s erfunden?

Alles Absprache, alles Schiebung?

Im «Doppelpunkt» liess Schawinski wie nebenbei noch eine weitere Bombe platzen. Er sagt, dass Vertreter der Privat-Radios schon 2016 mit der damaligen Bundesrätin Doris Leuthard die UKW-Abschaltung beschlossen hätten. Als Gegenleistung seien die Senderlizenzen stillschweigend von 2018 bis 2024 verlängert worden.

Das darum, weil Radio Energy 2008 kurzfristig die Lizenz abhanden gekommen war. Darin sieht Ruoss nichts Skandalöses, Schawi schon. Ganz abgesehen davon, dass durch eine Umstellung auf DAB+ aus vielen UKW-Radiogeräten Elektroschrott würde. Die Hörer zahlen diese Umstellung, ist eines seiner stärksten Argumente, zudem ist in jedem zweiten Auto nur UKW-Empfang möglich.

Also eine ganze Latte von Argumenten, eine Petition, ein absehbarer Rechtsstreit, ein nicht ganz unwichtiges Thema. Damit sorgt Schawinski sicher für Aufmerksamkeit in den Schweizer Medien, und sei es nur, um ihm einmal mehr eitle Selbstdarstellung von einem, der nicht loslassen kann, vorzuwerfen.

Es geht. Ohne Duplikate finden sich in der smd haargenau 5 Artikel zu diesem Thema. Bei CH Media schaffte es Schawinski immerhin zu einer Meldung in der Sammelrubrik «Paradeplatz». Nur «persoenlich.com» liefert kontinuierliche Berichterstattung. Ringier, NZZ, Tamedia? Schweigen im Walde, tiefes Schweigen. Ausser einem Kurzkläffer im «Blick», der mal wieder zeigen möchte, was nackter und hässlicher Konzernjournalismus ist; Titel: «Unsinnige Lösung eines nicht existierenden Problems». So sähe das auch, Überraschung, das Ringier-Radio Energy.

Man muss halt Prioritäten setzen

Während ein einziges Wort, von Adolf Muschg in der Sendung «Sternstunde Philosophie» geäussert, hohe Wellen schlägt, ist das Thema «wieso sollte die Schweiz als fast einziges Land UKW-Übertragungen abschalten?» keine Notiz wert. Könnte zwar Hunderttausende von UKW-Empfängern interessieren, denen Schwünge am Reck über die erlaubte und verbotene Verwendung des Begriffs Auschwitz schwer an einem bestimmten Körperteil vorbeigehen.

Aber das Thema ist ein Bitzeli komplexer als Auschwitz oder Sophie Scholl. Das macht’s bereits unattraktiv. Und welcher Journalist von CH Media würde sich noch trauen, das Thema überhaupt anzufassen, nachdem sich Sohn Wanner so klar positioniert hat. Oder bei den anderen grossen Medienhäusern, die sich offensichtlich ein Schweigegelöbnis auferlegt haben.

Ein weiterer Grund, wieso die viel beklagte Medienkrise zu guten Stücken selbstgemacht ist.

Packungsbeilage: René Zeyer ist schon diverse Male in Sendungen von Schawinski aufgetreten.

Jetzt alle: Rettet UKW

ZACKBUM darf das: unterschreibt diese Petition! Dann seid Ihr auf der richtigen Seite.

Wenn alte, weisse Männer Gas geben, dann bleibt all den Weltenrettern auf Twitter, den Rechthabern auf Facebook, den übrigen Privatradio-Verwaltern mal kurz der Mund offen.

In (natürlich nur altersmässig) absteigender Reihenfolge:

 

  1. Adolf Muschg mischt sich kraftvoll in die zunehmend inquisitorische öffentliche Debatte ein. Sagt einmal Auschwitz, und schon tobt der Bär, summen aufgeregt die Fliegen, ist keiner zu klein, Denunziant zu sein. Und niemand von diesem Pack merkt, dass es genau das tut, was Muschg kritisiert. Diese Dauererregten darauf aufmerksam zu machen, das ist ungefähr so sinnvoll, wie eine Eintagsfliege zu fragen: und was machst du morgen?
  2. Roger Schawinski ist der einzige Radiomacher in der Schweiz, der wieder eine Idee hatte. Seither macht er sein Talk Radio. Jeweils am Morgen die interessantesten Stunden des Tages. Mit Gästen, Experten, Politikern, Meinungsträgern – und seinen Hörern. Live, schnell, und Roger weiss jeweils nicht, was auf ihn zukommt. Das ist Radio. Alles andere ist Dudelfunk. Und nun hat Schawinski noch eine Idee: «Rettet UKW». Früher war Wimpel an der Auto-Antenne, heute ist virtuelle Unterschrift. Tut nicht weh, ist einfach, muss man machen.
  3. Da muss noch fragwürdiges Eigenlob drangeklebt werden, warum nicht. Am 11. März erschien der letzte Beitrag meiner zwei Mitstreiter, die sich dann vom Acker machten. Seither – mit nur zwei gelegentlichen Guest Stars – macht René Zeyer hier alles alleine. Im Schnitt drei Artikel pro Tag. Jeden Tag. Andere verbraten dafür Millionen. Ich mach’s aus Spass an der Freud. Grüngelber Neid und finsteres Schweigen ist mein Lohn. Aber Kollege Jürg Altwegg nimmt in der FAZ Notiz, was will man mehr:

 

«Für den Publizisten René Zeyer, der das medienkritische Portal „Zackbum“ betreibt, ist der Vergleich dagegen weder skandalös noch falsch. Zeyer springt dem Schriftsteller mit Raul Hilberg, dem Verfasser des Standardwerks über „Die Vernichtung der Juden in Europa“, zur Seite. Muschgs Argumentation entspreche Hilbergs Beschreibung von der Entstehung des Holocausts. Zeyer unterstreicht, dass Muschg die „schrecklichen Vereinfachungen“ der Cancel Culture kritisiert habe. Er zitiert den Schriftsteller differenzierter als die Ankläger: Es sei „das Interessenlose an den eigenen Widersprüchen“, das Muschg der Cancel Culture anlaste.»

So, das Karussell im Jahrmarkt der Eitelkeit steht wieder still. Dann tut was. Unterschreibt, verbreitet, spendet.

  • Wird ein schönes Gefühl werden: endlich mal bei den Siegern zu sein.

Schawinski und die Radio-Zwerge

Wer keine guten Argumente hat, verspritzt Häme und zielt auf den Mann. Ein weiteres Trauerspiel der Medienmanager.

Eine Ausnahme sei lobend erwähnt. Sandro Benini bemühte sich bei Tamedia um eine einigermassen ausgewogene Darstellung des Problems, der beiden Positionen und liess nur eine leise Präferenz erkennen, dass doch nicht alle anderen falsch lägen, nur Roger Schawinski recht habe.

Das brachte ihm dann am Sonntag eine Einladung in Roger Schawinskis «Doppelpunkt» ein, wo er den entschiedenen Gegner der Abschaltung aller UKW-Sender in der Schweiz befragen, kritisieren, beharken durfte, und natürlich auch selber einige Körpertreffer einstecken musste.

Dass die federführende SRG und die BAKOM-Bürokraten keinen Anlass zur Beunruhigung sehen, ist klar. Nachdem sie 20 Jahre lang ziemlich viel Geld ausgegeben haben, um DAB sowie DAB+ den Schweizern beliebt zu machen, probieren sie es nun mit Gewalt. Denn immer noch verfügen 58 Prozent aller Autos nicht über DAB, benützt nicht einmal die Hälfte aller Radioempfänger diese Übertragungstechnologie.

Die Zukunft ist völlig klar. Natürlich VOIP, Streaming und Internet

Die Zukunft liegt im Internet; sobald 5 G überall erhältlich ist, kann man auf DAB wohlgemut verzichten. UKW benützen auch noch die Mehrheit der Automobilisten in Zentraleuropa, die wären dann in der Schweiz plötzlich in einem schwarzen Loch. Verkehrsdurchsagen, Unterhaltung? Sendepause.

Noch putziger: laut europäischen Vereinbarungen muss jedes Land, auch die Schweiz, in längeren Tunneln die Versorgung sicherstellen – mit UKW. Also, es gibt schon ein paar Argumente auf der Seite von Schawinski. Weniger, dass der alte Radiopirat in der Abendsonne seiner Karriere nochmal Pizzo Goppera wiederholen möchte. Nochmal einer gegen alle geben.

Die Radio-Zwerge haben keine Botschaft.

Aber diesmal im Kampf für eine veraltete Technologie, gegen eine neue, moderne, die halt ein 75-Jähriger nicht mehr so ganz versteht. Nun ist dieser 75-Jährige aber noch viel fitter bei solchen Fragen als die managenden Durchschnittslangweiler, die bei den inzwischen verklumpten privaten Sendestationen das Sagen haben. Oder – durchaus Nordkorea ähnlich – qua Geburt in diese Position gerutscht sind. Da wird’s dann richtig peinlich.

Wer etwas sagt, aber nichts zu sagen hat …

So machte Florian Wanner, von Beruf Sohn, aber auch Leiter Radio von CH Media, den Fehler, ein Interview zu geben. CH Media hat sich den grössten Brocken an Privat-Sendern zusammengekauft. Also ist sein Wort sicherlich wichtig.

Gleich mit seiner ersten Antwort auf die Frage, was er denn von Schawinskis Kampf gegen die Abschaltung von UKW halte, machte er sich’s im Fettnäpfchen bequem: «Ich musste schmunzeln und war nicht überrascht. Es ist eine schöne Geschichte für ihn. Er war der Erste unter den Privaten – und möchte offensichtlich auch der Letzte sein.»

Da hat er’s ihm aber gegeben. Nun kommt jedoch der wirklich blöde Teil für Wanner Junior; was hat er denn für Argumente gegen Schawinski? DAB+ sei eine gigantische Fehlinvestition, sagt der. «Kann man sicher kritisch hinterfragen», sagt Wanner. Man spare kaum etwas durch die Abschaltung, da die Infrastruktur längst abgeschrieben ist: «Der Unterhalt ist günstig, aber es würden Neuinvestitionen kommen», sagt Wanner. In Irland betrage der Anteil von DAB+ kümmerliche 0,5 Prozent. «Ich kenne die Situation in Irland nicht», sagt Wanner, er sehe das auch nicht aus der Perspektive «kleiner Regionalsender wie Radio 1».

DAB sei sowieso höchstens eine Übergangstechnologie. «Diese Aussage hat einen Wahrheitsgehalt», sagt Wanner. Aufschrei in der Bevölkerung, ausländische Automobilisten? Ja, das seien sicher Themen, meint Wanner. Und nachdem er das Interview frei von Argumenten durchgestanden hat, kommt noch der Knaller am Schluss. Ob er denn einer der Manager und Bürokraten sei, über die Schawinski herzieht.

Seine Antwort fürs Poesiealbum:

«Nein. Ich sehe mich als vorwärtsgerichteten Medienmanager, welcher Chancen nutzt.»

Das muss ihn offenbar dermassen auslasten, dass er vor der Debatte mit Schawinski im Clubhouse von persoenlich.com kniff. Vielleicht wurde ihm doch gesagt, dass ein HSG-Studium und Mitglied eines Familienclans zu sein, nicht unbedingt ausreiche, um eine Debatte mit Schawinski zu bestehen.

Wer etwas sagt, aber vieles ungesagt lässt …

Wenn es um Untergriffe geht, ist Kurt W. Zimmermann immer vorne dabei. Wie er schon gegen den designierten NZZaS-Chefredaktor Jonas Projer mit erfundenen und ausschliesslich auf «anonymen Quellen» beruhenden Verleumdungen zu Felde zog, erfindet er in seinem Nachruf für Peter Schellenberg in der «Weltwoche» ein Zitat von Schawinski. Schelli und Schawi hätten sich nicht leiden können, holt Zimmi aus. Schawinski habe Schellenberg «grossspurig» mit seinem Tele 24 herausgefordert und getönt, «dass «der Schellenberg hier bald einmal auf Knien angekrochen kommt». Bald darauf war aber Schawinski auf den Knien und sein Sender gescheitert.»

Das ist etwas launig vom ehemaligen Tages-Anzeiger-Manager Zimmermann, der als frischgebackenere WeWo-Kolumnist über das «gescheiterte Privat-TV-Projekt» von Tamedia herzog. Wobei er es unterliess, zu erwähnen, dass er höchstpersönlich für das Scheitern von TV3 verantwortlich war, ebenso für alle Flops, die er in seiner Kolumne dafür verantwortlich machte.

Offenbar besteht spätestens seither eine Antipathie gegen Schawinski, gespeist aus grüngelbem Neid. Bei diesem Niveau der wenigen verbleibenden Medienkritiker, das wollen wir nicht unterdrücken, kann es eigentlich zukünftig nur noch …

 

«Radio im Herz»

UKW abschalten, ja, nein? Noch wichtiger ist: Schawinski ja nicht abschalten.

Es ist mal wieder einer gegen alle. Roger Schawinski wehrt sich als einziger Betreiber eines Privatradios dagegen, dass beginnend im nächsten Jahr die Radio-Übertragung per UKW beendet wird.

Nicht nur vom Gebührensender SRG, sondern auch alle Privatradiobetreiber haben sich einverstanden erklärt. Alle? Ausser einem. Der bekommt nun die übliche Portion Häme ab. Im fortgeschrittenen Alter wolle er wohl nochmal zu seinen Anfängen zurück als der Radiopirat, der die Sendelandschaft in der Schweiz umgepflügt hat. Nostalgiker, aus der Zeit gefallen.

Das ist Häme, weil die Gegenargumente gegen seine Position sehr dünn gesät sind. Sandro Benini vom «Tages-Anzeiger» hatte sich die Mühe gemacht, in einem Artikel die Problematik und die widersprechenden Positionen aufzuzeigen. Zudem ist Benini ein bissiger, schneller und argumentativ keine Gefangenen machender Diskussionspartner, wie ich aus eigener Erfahrung weiss.

Er ist mit Roger Schawinski per du, wie ich übrigens auch. Das als Packungsbeilage. Es geht hier aber gar nicht in erster Linie darum. Es geht darum, dass Roger Schwaniski für seinen «Doppelpunkt» letzten Sonntag Benini eingeladen hat. Und zwar nicht, um ihn zu befragen und zu rösten, sondern um sich befragen und kritisieren zu lassen.

Die reine Hörfreude

Daraus entwickelten zwei Dinge. Zum ersten der wohl vergnüglichste Schlagabtausch zweier geübter Rhetoriker der letzten Monate, wenn nicht Jahre. Natürlich hatte Schawinski gewisse Vorteile, was profunde Kenntnisse von Technik und Geschäft betrifft.

Dass Benini Betriebskosten und Verbreitungskosten verwechselte, wurde ihm gnadenlos und mehrfach aufs Brot geschmiert.

Er wehrte sich damit, wieso ihn Schawi dann überhaupt eingeladen hatte, und hackte seinerseits immer wieder auf dem Argument herum, dass doch nicht alle anderen Trottel sein könnten, die mit der Abschaltung von UKW einverstanden seien, während nur Schawinski das Licht der Wahrheit sehe.

Es geht hier auch nicht um eine Darstellung sowie Würdigung der Argumente, die ausgetauscht wurden. Die kann (und sollte und müsste) jeder nachhören, der sich für die Umrüstungskosten, die Vor- und Nachteile von UKW, DAB/DAB+ und Internet interessiert.

Und da 58 Prozent aller Autos in der Schweiz kein DAB haben, zum Beispiel, werden zu diesem Thema sicherlich noch grosse Schlachten geschlagen werden. Schawinski macht den Anfang und hat angekündigt, dass er ohne weiteres zum Bundesverwaltungsgericht nach St. Gallen gehen wird, sollte dieser seiner Meinung nach unsinnige Entscheid nicht korrigiert werden.

Benini hielt tapfer mit seinem Argumentarium dagegen. Das wäre nun selbst für die Medien-Show ZACKBUM.ch höchstens eine Meldung wert. Und Meldungen machen wir nicht. Was es aber erwähnungswert macht: Wo, wo sonst gibt es einen solchen Schlagabtausch? Wo, wo sonst lädt sich der Chef einer Plattform seinen schärfsten Kritiker in eine Live-Sendung ein und lässt sich von ihm befragen und beharken?

Wo sonst können verschiedene Ansichten so spritzig, auch gnadenlos, aber humorvoll aufeinandertreffen? Wo sonst können Zuschauer live mitreden, und zwar ausführlich? Nirgends sonst. In den vielen, vielen Sendegefässen des Gebührenmonstrums SRG nicht. In den inzwischen miteinander verklumpten Privat-Radio- und TV-Stationen auch nicht.

Eine Oase in der Wüste

Seit Markus Gilli krankheitshalber «Talk täglich» und «Sonntalk» abgeben musste, stehen dort nicht nur Plastikwände zwischen den Diskussionsteilnehmern. Sondern das meiste, was dort geschwatzt wird, ist auch Plastik. Die «Arena» ist so zu Tode durchorganisiert worden, dass sie meilenweit von der einfachen Grundidee entfernt vor sich hinröchelt: ein paar Leute stehen um einen runden Tisch und geben sich Saures. Gelegentlich dürfen noch weitere Leute aus einem äusseren Zirkel was reinmopsen. Das war auch nicht immer eine Sternstunde der Rhetorik. Aber doch lebhaft, unterhaltsam.

Also kann man nur sagen: Ob weiterhin auf UKW, DAB/DAB+ und Internet übertragen wird oder nicht, dass ist sicherlich eine Debatte wert. Wenn Schawinski einmal abtritt, und er ist 75, dann ist guter Rat teuer. Denn er hat wirklich das «Radio im Herz», wie er sagt. Im Gegensatz zu den Managern, die die anderen Radiostationen leiten und noch nie eine eigene Sendung gemacht haben.

Die werden’s dann wohl genauso in den Sand setzen wie ihre Kollegen im Gebührensender SRG. Denn letztlich kommt es vor allem bei Radio nicht auf die Qualität des Dudelfunks an. Sondern auf den Wortinhalt. Und auf die Leidenschaft der Macher. Wie überall sonst auch.

Packungsbeilage: René Zeyer ist schon mehrfach in diversen Sendungen von Roger Schawinski aufgetreten.