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Bibber, schlotter, schimpf

Gegen das sogenannte Mediengesetz wird das Referendum ergriffen. Die Verleger sind überhaupt nicht amused.

In diesen Tagen gab es eine echte Strafaufgabe für die bis hierher überlebenden Journis in den Medienkonzernen. Wer kriegt die Arschkarte und muss über das Referendumskomitee berichten? Welches? Na, das Komitee, das Unterschriften für ein Referendum gegen die zunehmende Staatsfinanzierung von Privat-Clans sammelt.

Wohin das führt, sieht man beim Staatsfunk; Pardon, bei der zwangsgebührenfinanzierten, aber ansonsten völlig unabhängigen und objektiven SRG. Die mit aller nötigen Distanz über die Pandemie-Bekämpfung des Bundesrats, über den Anschluss an die EU, über Umweltgesetze, über Ex-Präsident Trump und über auch sonst alles auf der Welt berichtet.

Aber bei der SRG wird das Geld immerhin nur so sinnlos verröstet, indem zwei Sesselfurzer auf einen tatsächlich medial Arbeitenden kommen. Indem von Nathalie Wappler abwärts und aufwärts kein Kader den geringsten Zusammenhang zwischen der Höhe seines exorbitanten Gehalts und seiner Leistung sehen will. Der oberste Chef steht in der Affäre um den ehemaligen Romandie-News-Star mehr als jämmerlich da? Na und, eine halbe Million ist das alleweil wert. Wappler wappelt von einem Flop zum nächsten? Pah, so viel wie ein Bundesrat verdient, das verdient sie locker.

Das Ende vieler Bemühungen.

Susanne Wille, die noch nie durch besondere Affinität zur Kultur auffiel (und auch noch nie irgend einen Erwachsenen als Vorgesetzte geführt hat), kassiert als Mitglied der Geschäftsleitung knapp 400’000 Franken, während ihr armer Gatte als Aushängeschild von SRF in der «Tagesschau» auf vielleicht 130’000 kommt? Na und?

Noch schlimmer ist es bei den Privat-Clans, die die Schweizer Medienszene beherrschen. Da fliessen weiterhin hübsche Gewinne in den Unterhalt des Lebensstils der Coninx, Ringiers, Wanners und Lebruments. Das war schon immer so, das soll auch so bleiben.

Aber eben, Referendum, Komitee, muntere Versammlung von aktiven Mitarbeitern, könnte sogar klappen, dass die 50’000 Unterschriften zusammenkriegen. Totschweigen geht nun schlecht, aber was tun? Viele haben sich natürlich in die Ticker-Meldung der SDA geflüchtet. Berichterstatterpflicht erfüllt, kann keiner Zensur krähen, uff.

Im Wanner-Imperium CH Media mussten Otmar von Matt und Dennis Frasch ans Gerät. Bei dem schönen Wetter. Scheiss-Idee von Arschlöchern, das können die natürlich nicht schreiben. Also umschreiben sie es:

Das Komitee bestehe aus «zwanzig Unternehmern und Verlegern. Sie sind fast alle parteiungebunden, gehören aber dem rechtsbürgerlichen Milieu an – und verfügen über beträchtliche finanzielle Potenz». Hübsche demagogische Spitze Nummer eins. Von Matt ist zwar Lohnabhängiger von Wanners Gnaden, aber ansonsten ganz parteiungebunden. Selten so gelacht. Über beträchtliche finanzielle Potenz verfügt er eher nicht, sondern muss sich als Mietmaul verdingen.

Also, rechtsbürgerlich, Haufen Kohle. Federführend scheinen ein gewisser Philipp Gut (ehemals stellvertretender Chefredaktor der WeWo) und Bruno Hug, ein «schillernder Verleger aus der Ostschweiz», zu sein. Am Schluss schwant von Matt Übles: «Damit rollt eine Politlawine auf die Medienkonzerne zu.»

Gut, dass er einen Lawinenmelder auf Mann hat. (Noch) gewohnt neutral berichtet die NZZ: «Widerstand gegen mehr Bundesgeld für Medien: Komitee will Referendum lancieren»

Tamedia hingegen ist noch in Schockstarre und – berichtet nichts. Ist ja auch so viel los wieder, «die Rache der Landschweiz» bei den Abstimmungen, Frauenstreiktag, man (und frau) kommt ja zu nichts. Ausserdem konnte Supino vielleicht nicht auf der Coninx-Yacht erreicht werden; der Handyempfang in der Karibik ist halt so eine Sache.

Ringier, «Blick»? Ach, das Organ mit dem Regenrohr vermeldet auch Wichtigeres, als Start oben: «Heute landet der US-Präsident in der Schweiz». Wahnsinn, gut, dass wir das wissen. Und heiss werden soll es auch, wie wär’s da mit einem Mini-Klimagerät?

Also bleibt dem geneigten Leser von ZACKBUM.ch im Moment nur, sich hiermit schlau zu machen:

Zweimal «Blick», zwei Blicke in die seriöse Zukunft.

Denn keine Bange, wenn geklärt ist, wer den Büttel spielen muss und gegen das Referendum wäffeln, kommt dann schon noch Stimmung auf. Garantiert.

 

Den Verleger-Clans in die Suppe gespuckt

Sah alles gut aus, das neue «Mediengesetz», also der Zustupf für milliardenschwere Verlegerclans, ist soweit durch. Aber …

Pietro Supino äusserte sich schon Jackett- und staatstragend zu weiteren Hindernissen für eine verantwortungsbewusste, vertrauenserweckende, nötige, unabdingbare freie Presse. Denn das Subventionszusatzpaket ist soweit im Parlament durch.

Über die nächsten Jahre hinweg Hunderte von Millionen zusätzlich als Staatssubventionen für darbende Medien. Gebeutelt vom Zusammenbruch des klassischen Print-Werbemarkts, dann noch Corona, Sparmassnahmen, Entlassungen, furchtbar.

Hilfe, die Vierte Gewalt ist vor dem Abgrund, wo bleibt die dringend nötige Kontrollinstanz einer freien Gesellschaft? Aufklärung, Analyse, Einordnung, Orientierung. Blabla. Wir verlumpfen, rufen die Lebruments, Wanners, Coninx, Ringiers im Chor. Von überall her. Von der Yacht, aus dem Aston Martin, aus der Villa, aus dem Rolls, vom Golfclub, vom Feriendomizil in New York, Spanien, Italien, Thailand.

Das Füllhorn wurde gefüllt und eigentlich übers Ziel getragen

Wir brauche Hilfe, wird herzerweichend gejammert, unser Lebensstil ist dann auch nicht umsonst, und wenn der eine schon wieder eine längere Yacht gekauft hat, kann der andere doch nicht hintanstehen. Dazu liebedienerische Unterstützung der Corona-Bekämpfung der Regierung, mitsamt dem Mitfahren aller Slaloms und Schlangenlinien. Und Lobbying, was ja auch keine Quantenphysik war: liebe Politiker, ihr braucht uns doch als Multiplikatoren, Wahlkampfhelfer, ohne die Medien seid ihr doch nix. Also benehmt euch.

Alles super, alles gut. Gut? Nein, nun will ein kleiner Haufen Wildentschlossener in die Harmoniesuppe spucken. Das Kernteam besteht aus Peter Weigelt, Bruno Hug, Thomas Minder, Philipp Gut, Muriel Frei und noch ein paar Nasen mehr. Sie haben das Referendumskomitte «Nein zu staatlich finanzierten Medien» ins Leben gerufen. Und sind finster entschlossen, die 50’000 nötigen Unterschriften zusammenzukriegen, denn:

«nein zu Steuermilliarden für Medien-Millionäre».

Wohl so ähnlich wie bei Roger Schawinskis Kampf gegen die Abschaltung der UKW-Frequenzen herrscht zurzeit konsterniertes Schweigen in Verlegerkreisen. Aber sicherlich werden demnächst Lohnschreiber, Kommunikationsfuzzis und ganze Redaktionen in Bewegung gesetzt, die sich gegen diesen Anschlag auf die Pressefreiheit zur Wehr setzen werden.

Wobei das Komitee natürlich völlig recht hat. Es ist unglaublich, dass milliardenschwere Medienclans auf arme Schlucker machen und dringlich Staatsknete einfordern, damit dem angeblich so überlebenswichtigem Auftrag der freien Presse weiter nachgelebt werden könne. Diesem edlen Ansinnen moralisches Gewicht zu verleihen, indem die steinreichen Clans vielleicht mal eine Million oder zwei selbst reinbuttern, aber wirklich, was für eine absurde Idee.

Unfähig, aber einkommensstark

Dass sie die Managerkaste feuern, der über Jahre hinweg keine vernünftige Antwort dazu eingefallen ist, dass es doch nicht sein kann, dass Google, Facebook und Co. 90 Prozent der Online-Marketingeinnahmen absahnen – aber nein, dann würde ja auch Supino & Co. verlumpen, das geht natürlich auch nicht. Dass die Subventionen massgeschneidert in erster Linie von den Elefanten auf dem Medienmarkt abgesaugt werden, na und? Dass Gratis-Organe wie «Die Ostschweiz» (oder ZACKBUM) vom Geldregen abgeschirmt werden und leer ausgehen, Künstlerpech.

Nun, jetzt kommt sicher schnell Stimmung in den Laden, und man darf jetzt schon gespannt sein, wie lachhaft die Versuche ausfallen werden, mit denen die Grossverlage ihre Schreibknechte dazu anhalten werden, ganz, ganz objektiv und unparteiisch, eben als Vierte Gewalt, über dieses Referendum zu berichten. Da kann es natürlich nur zwei Varianten geben. Herrscht die Meinung vor, dass das Referendum nicht zustande kommt oder chancenlos ist, wird in aller souveränen Objektivität berichtet werden.

Besteht aber die Gefahr, dass es eingereicht wird und bei der Abstimmung durchaus Chancen hat, dann wird auf giftige Schlammspritzerei umgeschaltet werden. Wetten, dass ..?

Keule Kurzarbeit: falsch abgebogen

Wenn Medien an mehr als einem Staatstropf hängen, wird’s ganz düster.

Mit lautem Gejammer und Gequengel, mit der Verwandlung in sehr obrigkeitshörige Verlautbarungsorgane kassieren die Schweizer Medien immer mehr Staatsknete. In Form von Subventionierung – und in Form von Kurzarbeitsunterstützung.

Wieso beispielsweise der Gebührenfunk SRG nebst obligatorischen Abgaben auch noch Kurzarbeitsgelder erhält, gehört zu den befremdlicheren Massnahmen im Kampf gegen die Pandemie. Natürlich bekommen auch die grossen privaten Medienkonzerne Kurzarbeitsgelder.

So mutig sie sonst immer für Transparenz in allen Lebenslagen sind; ausser ZACKBUM hat sich kein anderes Medium gross dafür interessiert, wer wie viel und warum abkassiert. Bei aller Konkurrenz zwischen den überlebenden Vier, weder das Wanner-Imperium, noch Tamedia, weder Ringier noch NZZ haben grosse Lust, auf diesem Gebiet dem anderen an den Karren zu fahren.

Wie geht das mit Kurzarbeit im Journalismus?

Denn gerade im Journalismus ist Kurzarbeit so eine Sache. Das Prinzip ist zwar klar. Wenn ein mit einem Pensum von 40 Wochenstunden angestellter Redaktor auf 80 Prozent Kurzarbeit runtergestuhlt wird, muss er nach 5 Arbeitsstunden den Griffel fallen lassen und nach Hause gehen.

Das mag in der Erbsenzählerei und anderen eher eintönigen Berufen kein Problem darstellen. Wobei natürlich überall die latente Gefahr lauert, dass der Arbeitgeber mit seinem Mitarbeiter eine bilaterale Vereinbarung trifft. Offiziell ist nach 5 Stunden Schluss, inoffiziell wird ganz normal weitergearbeitet. Das ist reiner Beschiss und strafbar. Aber wie nachweisbar?

Im Journalismus kommt noch erschwerend hinzu, dass normalerweise kein Stückgut abgeliefert wird. Es ist vielfach unvorhersehbar, wann eine Recherche zum Abschluss kommt. Es ist kaum vorstellbar, dass der Redaktor fast am Ziel ist, auf die Uhr schaut und sagt: oh, blöd, bin schon fünf Minuten über meinem Pensum, da geht’s dann erst nächste Woche weiter.

Andererseits ist es in der so klatschsüchtigen Branche fast unmöglich, flächendeckend solche Betrugsmodelle durchzuziehen. Wie genau allerdings die Abgrenzung zwischen erlaubter Arbeitszeit und zumindest einer Grauzone funktioniert, nun ja. Deshalb sind auch die Fälle eher selten, dass ein Medium einem anderen in die Suppe spucken will und es die Konkurrenz mit Missbrauchsvorwürfen attackiert.

Wenn es einen Flop zu landen gilt, ist die «Republik» zur Stelle

Die Ausnahme von der Regel ist natürlich die «Republik». Die pinkelte in einer ihrer grossen «Recherchen» das Newsportal nau.ch an. Das war im Juli 2020, das Verleumdungsportal unterstellte dem ganz nach vorne vorstossenden neuen News-Portal, es habe zu «mutmasslich unerlaubte Handlungen motiviert». Was man halt so schreibt, damit der Hausanwalt zwar mit dem Kopf wackelt, die – Überraschung – nur durch anonyme Denunzianten belegte Behauptung aber durchwinkt. Die «Republik» warf nau.ch vor, dass es seine Mitarbeiter dazu «motivierte», als Komplizen bei einem Beschiss bezüglich Kurzarbeit mitzumachen. Aber, sonst wär’s ja nicht die «Republik», auch dieser «Skandal» implodierte. Verröchelte. Wie immer erwiesen sich die Behauptungen ehemaliger Mitarbeiter, die nicht friedlich geschieden waren, als völlig haltlos. Wieso es den Verlegern der «Republik» noch nicht aufgefallen ist, dass bis heute alle, ausnahmslos alle dieser «Skandale» implodierten? Niemals mehr als ein weiterer verzweifelter Versuch waren, nach Aufmerksamkeit zu gieren, um dann auf das schnelle Vergessen zu hoffen?

Jetzt auch noch «Inside Paradeplatz»?

Überraschenderweise macht neuerdings auch «Inside Paradeplatz» bei diesem Dreckwerfen mit. Ein noch nie in Erscheinung getretener Lukas Elser, Redaktor bei den «Zürcher Oberland Medien», packt den Zweihänder gegen «20 Minuten» aus:

«Die Medienriesen machen gerne die Hand auf, wenn es um staatliche Subventionen geht. Dabei ist zweifelhaft, ob man sich in Sachen Kurzarbeit korrekt verhält.»

Eher peinlich ist dann, dass Elser nicht so sicher ist, mit welcher Prozentzahl da Aktionariat wann einer Dividendenausschüttung zugestimmt habe. Schon kurz nach Publikation dieses Sammelsuriums von Behauptungen, Unterstellungen und Andeutungen musste IP nach kräftigem Räuspern des Geschäftsführeres von «20 Minuten» recht Federn lassen und die meisten der Behauptungen abtemperieren, korrigieren oder windelweich umformulieren.

In schlechtester «Republik»-Manier arbeitet auch Elser mit einem «Insider»: «Die erlaubte Arbeitszeit wurde regelmässig überschritten. Zahlreiche Teams arbeiteten deutlich mehr, teilweise 100 Prozent oder sogar darüber, weil Corona Stoff zuhauf lieferte», behauptet der. Was halt eine anonyme Quelle so plappert. Nicht nachprüfbar, aber mal rufschädigend. In solchen Fällen könnte es ungemein helfen, einen Verantwortlichen um Stellung zu bitten. Das unterlässt der wohl noch die Grundlagen des Artikelschreibens üben müssende Redaktor wohlweisslich. Er gibt Marcel Kohler zwar Gelegenheit, ein dem in den Mund gelegtes Quote zu bestreiten.

Thesenjournalismus mit Scheuklappen

Aber der Geschäftsführer von «20 Minuten» hätte sicher auch gerne einiges Weitere richtiggestellt – wenn das dem Thesenjournalismus von Elser nicht um Wege gestanden wäre. Deshalb geben wir Kohler hier gerne Gelegenheit, auf unsere Fragen zu replizieren.

«Der Artikel, der heute auf Inside Paradeplatz publiziert wurde, enthält offensichtliche Fehler.

Im Jahr 2020 (April bis Dezember) hat das Unternehmen insgesamt, also Verlag und Redaktion zusammen, rund 20 Prozent Kurzarbeitsentschädigung bezogen. Die Redaktion lag durchschnittlich deutlich tiefer, weil es aufgrund von Corona ein hohes Informationsbedürfnis bei unseren Nutzer*innen gab. Die Kurzarbeit wurde gestaffelt organisiert, dh. es gab einen prozentual höheren Anteil Kurzarbeit im Verlag sowie bei den Ressorts, bei denen es aufgrund der Corona-Massnahmen weniger zu berichten gab, wie beispielsweise den Lokalressorts oder bei der Eventberichterstattung. Während der ganzen Phase der Kurzarbeit hat 20 Minuten den Lohn aller Mitarbeitenden auf 100 Prozent ausgeglichen.»

Damit wäre der Mist geführt. Es kommt noch hinzu, dass es sicherlich nicht gelungen wäre, flächendeckend bei der Kurzarbeit zu bescheissen. Der nächste im Unfrieden gegangene Redaktor würde dann das Gleiche herumtrompeten wie dieser anonyme Denunziant. Nur wäre das dann auch belegbar.

Richtig schmutzig wird aber das Geschäft von Elser mit dieser Fiesigkeit: «Als die «Republik» im Sommer über Kurzarbeits-Verletzungen beim Nachrichtenportal Nau.ch berichtet habe, sei bei den Verantwortlichen von 20 Minuten Nervosität ausgebrochen», soll der «Insider» behauptet haben.

Mit Scheuklappen und Untergriffen

Wenn Elser ihn nicht erfunden hat, mag das so sein. Allerdings wäre es redlich gewesen, wenn Elser darauf hingewiesen hätte, dass die «Republik» damals, genau wie Elser, lediglich anonyme Denunziationen kolportiert hatte, keinesfalls über laut Elser «Kurzarbeits-Verletzungen berichtete». Denn es gab sie nicht.

Aber Elser will nicht lockerlassen: «Der Fall von Nau.ch soll derweil vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) untersucht worden sein.» Das ist nun wieder echter Schweinejournalismus, leider ausserhalb der «Republik» und auf IP. Der widerliche Gebrauch des Modalverbs «soll», die Behauptung einer Untersuchung, die als Indiz für unrechtmässiges Verhalten dienen soll. Ob sie stattgefunden hat oder nicht, ist nicht bekannt.

Bekannt wäre aber geworden, wenn das Seco tatsächlich auf Missstände gestossen wäre. In einem anständigen Journalismus ginge so etwas nicht. Das ist Schmiere; das ist wie: Ein «Insider» wirft Lukas Hässig vor, dass der beschissen haben soll. Anscheinend habe sogar das Seco eine Untersuchung durchgeführt. Resultat noch offen, aber wo Rauch ist, ist sicher auch Feuer.

Was Elser dazu motiviert hat, diese unbelegten Verleumdungen rauszupusten, der Gerechtigkeit halber noch ergänzt mit einem ähnlichen Anwurf Richtung Ringier? Man weiss es nicht, man will es angesichts dieser kläglichen Leistung auch gar nicht wissen.

Aber lieber Lukas Hässig, lass dir von solchen Tieffliegern nicht das Renommee deiner Plattform beschädigen. Dafür hast du zu lange und zu hart gearbeitet.

 

 

Geld her, oder ich fall um

Lausige Qualität ist das eine. Geldgier das andere. Wie die Privat-Medien am Staatstropf hängen.

Ist es eigentlich eine gute Idee, dass die sogenannte Vierte Gewalt, die Kontrollinstanz der demokratischen Gesellschaft, die Aufdecker, Kritiker, unabhängig, nur ihrem journalistischen Gewissen verpflichtet, immer mehr am Staatstropf hängt?

Ist es überhaupt eine gute Idee, dass das, was reintropft, nach Abzug des Aufwands, in privaten Taschen landet? In den tiefen Taschen von vier Clans. Da wäre der Ringier-Clan, der Coninx-Clan, der Wanner-Clan und der Lebrument-Clan. Dann hätten wir noch den Sonderfall NZZ, und das war’s dann schon mit der pluralistischen Meinungsbildung im Bereich Tageszeitungen.

Wie formuliert da Bruno Hug, Präsident Verband Schweizer Onlinmedien (VSOM):

«Die Verleger werden zu Schosshündchen der Politik.»

Und die Journalisten sind schon längst zu Zierleisten geworden, die sich geschmeidig in die Richtung biegen, die dem Besitzer-Clan zusagt.

Der Gebührensender ist nicht wirklich ein Gegengewicht

Natürlich, es gibt als Informationsquelle noch die gesammelten Gebührensender von SRG, aber sind die wirklich ein valables Gegengewicht? Seitdem auch hier immer mehr die Bauchnabelbetrachtung Einzug gehalten hat, ist das noch mehr zu bezweifeln. Sandro Brotz, als Beispiel, sollte sich als Chef im Ring der «Arena» besonderer Zurückhaltung befleissigen in öffentlichen Meinungsbekundungen.

Nun beschimpft er Demonstranten gegen die Corona-Massnahmen der Regierung als «Flacherdler», also als Idioten. Kaum entfacht er damit einen Shitstorm, zieht er sich beleidigt zurück und darf sich dann in einer Sendung «Journalisten therapieren Journalisten» ausheulen.

Zurück zu den Steuergeldern, die in diese privaten Verlagshäuser ins Portemonnaie geworfen werden. Da gäbe es die Zustellungssubventionierung. 50 Millionen im Jahr. Plus rund 80 Millionen Corona-Hilfe. Plus, plus, plus, das läppert sich am Schluss ganz schön. Ein ganz dicker Brocken sind die zusätzlich-zusätzlichen Hilfen und Guetzli. Hier noch 20 Millionen drauf, und wenn wir schon in Fahrt sind, machen wir doch gleich 172 Millionen Corona-Hilfen. Für die nächsten zehn Jahre, versteht sich. Manche kriegen aus schierer Grösse nochmal speziell etwas obendrauf.

Geld schiesst aus allen Rohren in die Privat-Medien

Ticker-Meldungen von Keystone-SDA: geschenkt. Damit füllen viele Organe schon die Hälfte ihrer News-Seiten. Kurzarbeit? Natürlich geht das, gibt’s auch dafür noch Guetzli, wieso denn nicht.  Da freut sich der Steuerzahler. Unschlagbares Geschäftsmodell:

der Käufer liest in seiner Zeitung das, was er vorher subventioniert hat.

Gleichzeitig dünnt sich der Inhalt immer mehr aus, kassieren einige Medienhäuser (nicht alle) Kurzarbeitsgeld, auch mit freundlichen Grüssen des Steuerzahlers. Der dann natürlich nochmal abdrücken muss, und zwar happig, wenn er den blamabel-banalen Inhalt der Tageszeitung morgen im Briefkasten haben will. Oder ihn im Internet abrufen möchte.

Wer sich zuvorderst bei den Geldtöpfen anstellen darf? Das führte natürlich zu ein paar unschönen Szenen, bei denen gerempelt, getreten und gebissen wurde. Gesamtergebnis: der Steuerzahler drückt immer mehr an Mitleid erheischende Medienkonzerne ab. Bezahlt doppelt und dreifach für das Produkt.

Die Tageszeitungskonzerne wissen natürlich, wo ihr Platz ist. Um gut Wetter für die letzte Subventionsrunde zu machen, lobten sie die Massnahmen des Bundesrats über den roten Klee. Den sie vorher noch harsch kritisiert hatten. Inzwischen sind sie alle auf Linie. Coronamassnahmen-Skeptiker? Alles Corona-Leugner, brandgefährlich. Jede Art von Gegenwehr gegen staatliche Zwangsmassnahmen und den Verlust fundamentaler Freiheitsrechte? Alles verkappte Rechtsnationale, Hetzer, mit üblen Hintergedanken.

Was sind die wahren Ursachen für den blamablen Zustand?

Und wodurch ist diese Misere überhaupt erst entstanden? Durch Corona? Nicht wirklich. Sie ist daraus entstanden, dass die Clans über viele Jahre hinweg neben den Zeitungsdruckmaschinen eigentlich auch Gelddruckmaschinen hätten aufstellen können. Sie verdienten sich ganze Berge goldener Nasen. Dafür gaben sie das Geld natürlich nicht aus.  Aber für Villen, Yachten, Feriendomizile, Kunstsammlungen, schicke Autos, was man halt so alles braucht.

Kaum einen Rappen gaben sie für etwas mindestens so Wichtiges aus: wie soll’s denn weitergehen, nach Internet und seiner Gratiskultur? Ach, wird doch von selbst wieder verschwinden, dachten die Clans, davon lassen wir uns doch nicht vom Geldzählen abhalten.

Zukunftsperspektiven? Neue Spielregeln, neues Spiel? Wie bringt man Internet, elektronische Medien und Print sinnvoll unter einen Hut? Was haben eigentlich die ganzen Jahre die hochbezahlten Manager gemacht, die doch sonst gerne und ungefragt ihren Latz überall reinhalten? Und von der staatstragenden Aufgabe der Medien salbaderen?

Die Zeitungsbünde wurden immer dünner, die Redaktionen immer menschenleerer, die Eigenleistung immer kläglicher. Meinungskommentare, Fachleute interviewen, Hehlerei mit der Beute von Geschäftsgeheimnissen betreiben. Die Beine weit, aber ganz weit spreizen, wenn es um die Verwischung des Unterschieds zwischen redaktionellem Teil und bezahlter Werbung geht. Eigenleistung? Überschaubar, bescheiden, ärmlich.

Einmaliges Geschäftsprinzip: weniger Leistung, dafür teurer

Das hindert aber selbst die Kopfblätter nicht daran, die Abopreise immer wieder zu erhöhen. Kapitalismus absurd: mehr Geld für weniger Leistung. Da laufen die Direktzahler scharenweise davon. Lösung: mehr Staatskohle, noch weniger Content, Bezahlschranke hoch, runter, hoch und runter.

Wohin soll die Reise gehen? Könnte es sein, aus welchen Gründen auch immer, dass jeglicher zukunftsfähiger Ansatz fehlt? Bei allen? Da wüssten wir was: «Neues Deutschland» und «Prawda» gibt es heute noch. Beide nicht mehr im Besitz des sozialistischen Staates. So rum geht’s also. Wieso nicht die «Neue Schweiz» und «Die Wahrheit»? Die Unterschiede zwischen einem Tamedia-Kopfblatt und einem von CH Media sind ja heute schon nur schwer auszumachen.

Da kann gewaltig gespart werden. Die Konzerne werden verstaatlicht, die Clans bekommen ein letztes Mal einen Riesenbatzen Geld, und niemand muss mehr das verlogene Lied der staatsunabhängigen Vierten Gewalt singen.

Der geheime Aufschrei der Ringier-Frauen

Vergeblich versuchten die Bosse, dieses Dokument zu unterdrücken. Aber nach Tamedia melden sich nun Ringier-Frauen zum Protest.

Die ganze Branche wunderte sich. Im Streichelzoo Tamedia beschweren sich Dutzende von Mitarbeiterinnen über «strukturellen Sexismus», legen Zeugnis ab von unerträglichen Arbeitsbedingungen, von Unterdrückung, Missachtung, Übergriffen, Diskriminierung.

Aber bei Ringier, wo immer noch der Boulevard-Journalismus zu Hause ist? Lautstark erzählte Zoten, Blondinen- und andere Herrenwitze, anzügliche Blicke, Gesten, dumme Sprüche wie «der Rock könnte kürzer sein, aber der Artikel länger» oder gar «willst du mal mit was anderem als einem Bleistift spielen», das ist doch weiter an der Tagesordnung.

Zudem wird die Atmosphäre täglich durch Crime- und Sex-Storys aufgeheizt, über unvorstellbare Perversionen und als Ratgeber verkleidet über hemmungsloses Ausleben der Sexualität geschrieben. Doch mehr als drei Wochen nach dem Protestbrief aus dem Hause Tamedia herrschte an der Dufourstrasse (und an den anderen Standorten des Konzerns) Grabesstille unter den Frauen.

Werden bei Ringier die Frauen wirklich besser behandelt als bei Tamedia?

Könnte es wirklich sein, dass an der Werdstrasse ein testosteronbefeuerter Sündenpfuhl herrscht, während bei Ringier Frauen ausschliesslich mit Respekt, Anstand und Höflichkeit begegnet wird? Frauen zudem die gleichen Aufstiegschancen wie Männer bekommen? Als Gender-Vorbild gilt hier Ladina Heimgartner.

Raketengleich ihr Aufstieg. 2020 an Bord gekommen, als Leiterin Corporate Services. Kaum hatte sie die Kommandobrücke betreten, wurde sie schon nach oben weiterbefördert, CEO der Blick-Gruppe. Dann auch noch «Head of Global Media und Mitglied des Group Executive Board von Ringier». Davon könnten sich die protestierenden Tagi-Frauen eine Scheibe abschneiden.

Umso irritierender, was ZACKBUM hier enthüllt. Es gibt nämlich das Pendant zur Protestnote bei Tamedia. Wie es zum Stil des Hauses passt, ist das Schreiben der Ringier-Frauen durchaus knalliger abgefasst. Hier der Ausriss des Anfangs.

Der Anfang des Protestschreibens bei Ringier. Es folgt eine weitere Seite.

Die Vorwürfe gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Sexistische Sprüche, Machogehabe, Gelächter und Naserümpfen bei sogenannten Frauenthemen, unsägliche Abqualifizierungen wie «geh doch menstruieren, du hysterische Kampflesbe» oder «deine einzige Chance hier wäre, dich hochzuschlafen. Aber dafür bist du viel zu hässlich». Oder: «Dein Artikel liest sich, als hätte ihn ein Hamster geschrieben. Dreht sich und dreht sich, kommt aber nicht voran.»

Laut Briefkopf ist das Schreiben am 8. März verfasst worden, also passend zum internationalen «Tag der Frau». Aber wieso ist es bis heute nicht in Umlauf oder an die Öffentlichkeit gekommen? Auch da offenbaren sich Unterschiede zu Tamedia. Denn bei Ringier gibt es keine Liste von Unterzeichneten. Nur eine einzige Frau wagt es, sich hinzustellen; sie unterzeichnet mit «Im Namen der Mehrheit der Ringier-Mitarbeiterinnen». Und Ihr Name ist –Ladina Heimgartner.

Mutige Frau: Ladina Heimgartner (Foto: Ringier) 

Wir konnten ein kurzes Gespräch mit ihr führen, um mehr über die Hintergründe zu erfahren.

ZACKBUM: Sie haben im Namen von weiteren Frauen bei Ringier unterzeichnet. Wie viele sind es?

Heimgartner: Wie ich schreibe, es ist die Mehrheit der weiblichen Ringier-Angestellten. Die Zahl können Sie aus dem Geschäftsbericht entnehmen.

Befürchten Sie keine Repressionen, keinen Unterbruch Ihrer beeindruckenden Karriere?

Kurz geantwortet: nein. Die längere Version: Natürlich habe ich es mir lange und sorgfältig überlegt, ob ich mich so exponieren will. Aber: wenn nicht ich, wer dann? Ich bin ja sozusagen die ranghöchste Frau im Haus, mal abgesehen von Ellen Ringier natürlich.

Sind denn die Zustände bei Ringier so schlimm?

Sie sind noch schlimmer. Ich wollte es längere Zeit gar nicht glauben, da ich mir vom SRF her einen ganz anderen Umgang gewohnt war. Aber nachdem hier im Hause immer mehr Mitarbeiterinnen Vertrauen fassten und mir unfassbare Geschichten erzählten, teilweise mit identischen Inhalt und mit den gleichen Tätern, musste ich umdenken.

Beschreiben Sie, nennen Sie doch Namen.

Auf keinen Fall. Ich finde es sehr bedauerlich, dass dieses Schreiben nun auch den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Denn es ist völlig klar: ein solcher Protest ist am wirkungsvollsten, wenn er intern erfolgt. So muss niemand das Gesicht verlieren, man kann sich ernsthaft zusammensetzen, um Lösungen zu suchen.

Die Vorwürfe sind deutlich massiver als bei den Kollegen von Tamedia.

Das mag daran liegen, dass wir hier im Hause vielleicht eine andere Art von Journalismus betreiben. Vielleicht sind wir direkter, schneller unterwegs zum Ziel, müssen angesichts der Textlängen möglichst ohne Umwege zum Kern vorstossen. Das beeinflusst sicherlich das verbale Klima.

Reden wir noch über die Forderungen. Was erwarten Sie von der Geschäftsleitung, von der Besitzerfamilie?

Unser Ansprechpartner ist Marc Walder, CEO, Mitbesitzer und Vertrauter der Familie Ringier. Wir können es gut miteinander, er hat sofort Hand zum Dialog geboten.

Leider war es aus Zeitgründen nicht möglich, dieses Interview von Heimgartner autorisieren zu lassen. Aber wir sind uns sicher, dass sie damit einverstanden ist.

 

 

Tamedia hat Krise

Mitgefühl ist eine schöne menschliche Eigenschaft. Ergiessen wir es über Machomedia.

Dumm gelaufen, anders kann man das kaum bezeichnen. Höchstens als: when the shit hits the fan. Das ist ein so wunderbares wie schicklich nicht zu übersetzendes Sprachbild in den USA. Trifft voll ins, na ja, Braune bei Tamedia.

Da war die ganze Rumpfzentralredaktion mitsamt stellvertretenden Zweit-Co-Chefredaktoren so schön feministisch unterwegs. Nein zur Burka-Initiative. Falscher Absender, und überhaupt, wollen wir Frauen verbieten, wie sie sich anziehen wollen? Freiwilligkeit durch Zwang ersetzen? Niemals. Ach, die grosse alte Dame des Feminismus ist dafür? Na, da kann Alice Schwarzer ja noch einiges von den Tagi-Zwergen lernen.

Leider ging dann die Abstimmung verloren, so uneinsichtig ist der Stimmbürger, der dumpfe Macho. Schön, dass wenigstens bei Tamedia geschützte Werkstatt herrscht. Meldestellen für jede Form von Übergriffen, Belästigungen, Mobbing. Ein männlicher Vorgesetzter, der zur schwangeren Untergebenen sagt: «Unter Mühen sollst du Kinder gebären», kann sich nicht hinter dem Bibel-Zitat verstecken und steht schon vor einer Abmahnung.

Schon vor Jahren wurde das Problem erkannt

Nicht zu vergessen das übliche Blabla beim Thema Corporate Responsibility. Vor fast zwei Jahren veröffentlichte Tamedia die Ergebnisse einer erschreckenden Umfrage. Fassungslos kommentierte Simone Rau: «In einer Onlineumfrage des Recherchedesks und des Datenteams von Tamedia berichten 244 weibliche und 34 männliche Medienschaffende, dass sie sexuelle Übergriffe und Belästigungen bei der Arbeit erlebt haben. Das sind 53 Prozent der Frauen und 11 Prozent der Männer, die teilgenommen haben.»

Titel des Kommentars:

«Was sexuelle Belästigung ist, sagen die Betroffenen.»

Hier ist auf engstem Raum das ganze Elend dieser Position enthalten. Tamedia hat rund 1800 Mitarbeiter. 244 der weiblichen Teilnehmer wollen Belästigungen am Arbeitsplatz erlebt haben. Geschützt durch Anonymität.

Unterstützt von der absurden Behauptung, dass angeblich Betroffene die Meinungshoheit haben, was Belästigung sei und was nicht. Der Täter kann so weder seine Unschuld beweisen, noch überhaupt mitreden. Schuldig durch Anschuldigung, seit den Zeiten der Inquisition gab es einen solchen Unsinn nicht mehr.

Belästigung oder Lebensrettung? Der Betroffene (liegend) entscheidet.

Aber leider scheint sich in dieser Zeit nicht viel geändert zu haben. Denn Simone Rau gehört zu den 78 Erst-Unterzeichnern eines Protestschreibens voller ausschliesslich anonymer Klagen über Belästigungen ausschliesslich von Frauen. An die Öffentlichkeit ausgerechnet von Jolanda Spiess-Hegglin gebracht, ohne dass alle Unterzeichner damit einverstanden waren.

Männer werden wohl nicht mehr belästigt

Aber immerhin: damals beklagten sich noch 34 Männer über Belästigungen, diese Unart scheinen die Tamedia-Frauen (und -männer) abgelegt zu haben. Merkwürdigerweise konnten aber die betriebsinternen Meldestellen im Jahr 2020 keine einzige Beschwerde über Belästigung am Arbeitsplatz verzeichnen. Keine. Null. Nada. Aber vielleicht fanden ja alle anonymen Beispiele vor Ende 2019 statt.

Soweit, so Sündenpfuhl. Wie reagierte nun die Führungsspitze von Tamedia? Wie es sich für wohlbezahlte und kompetente Manager gehört? Wie es sich für erfahrene Journalisten in der Chefredaktion gehört? Was hätte sich denn gehört? Kostenloser Ratschlag Nummer eins:

  1. Wir haben von den Anschuldigungen Kenntnis genommen.

  2. Wir bedauern, dass der Weg in die Öffentlichkeit gesucht wurde, statt die dafür vorgesehenen internen Meldestellen zu benützen.

  3. Wir nehmen die Vorwürfe ernst und werden sie sorgfältig prüfen. Vor dem Ergebnis werden wir keine Stellungnahme abgeben.

Auch eiserne Regeln von Tamedia sind dazu da, um sie zu brechen …

So hätte es sein sollen, wenn führende Manager und natürlich Chefredaktoren nicht völlig beratungsresistent wären und alles selber besserwissen. Wollen. Also konstatierte der Oberchefredaktor verschreckt «ein Problem», als sei das neu für ihn. Dann machte er sich ohne Not lächerlich, indem er sich präventiv für angeblich unakzeptable Verhaltensweisen entschuldigte. Ohne den Hauch eines Belegs in der Hand zu haben.

Mit einer solchen Einstellung würde der Oberchefredaktor jeden hoffnungsvollen Anfänger hochkant aus der Probezeit feuern; begleitet von ein paar unfreundlichen Bemerkungen über völlige Inkompetenz. Das kann aber Arthur Rutishauser nicht passieren, weil auch der oberste Boss von Tamedia Pietro Supino in Betroffenheitsgesülze ausbrach, liebedienerisch anmerkte, dass auch er diese Vorwürfe sehr ernst nehme.

Da hilft nur eins …

Kostenloser Ratschlag Nummer zwei:

Das war kreuzfalsch, bescheuert. Hinter die Nummer kommt nun die Führungscrew schwer wieder zurück. Da hilft nur eins. Das gleiche Prinzip, wie wenn der Gast bemerkt, dass er sich beim Löffeln der Tomatensuppe Krawatte und Hemd bekleckert hat. Einfach so tun, als wär’ nichts und weitermachen.

Aber damit noch nicht genug des Elends. Eine Mitunterzeichnerin des Protestschreibens wird damit beauftragt, die Substanz der Vorwürfe zu überprüfen. Das ist ungefähr so, wie wenn man Donald Trump die Überprüfung der Vorwürfe gegen ihn überlassen würde. Nur umgekehrt. Denn entweder ist Claudia Blumer ein U-Boot der Verlagsleitung in der Frauengruppe, oder aber sie ist völlig ungeeignet, diese Untersuchung durchzuführen.

Ratschlag Nummer drei:

Das macht man so, wie’s jeder macht, der ernst genommen werden will. Das macht man so wie der Kita-Betreiber Globe Garden, der von der «Republik» mit anonymen Verleumdungen eingedeckt worden war. Das macht man so wie die «Bild»-Zeitung, deren Chefredaktor mit weiblichen Vorwürfen konfrontiert wurde. Man beauftragt eine externe Untersuchung einer renommierten Firma, deren Reputation über jeden Zweifel erhaben ist.

Die Herausforderung für Tamedia: wie weiter?

Wie soll’s nun weitergehen? Sozusagen als verdächtige Umstände ist zu konstatieren: weder bei CH Media, noch bei Ringier, auch nicht bei der NZZ und noch nicht einmal bei der «Weltwoche» gab es ähnliche Protestbewegungen. Auch nicht beim Schweizer Farbfernsehen. Daraus sind ja nur zwei Schlussfolgerungen möglich. Entweder ist Tamedia der Sündenpfuhl, die Hölle auf Erden für weibliche Mitarbeiter, als Alleinstellungsmerkmal laufen nur dort männliche Neandertaler rum, keulenschwingend und immer für einen Übergriff zu haben.

Oder aber, das «strukturelle Problem», das die 72 Erstunterzeichner sehen wollen, existiert nur in ihrer Einbildung. Dient den Initiantinnen nur dazu, sich Kündigungsschutz zu verschaffen, weil sie journalistisch keine Bäume ausreissen. Dafür spricht auch, dass der Brief als interne Beschwerde angepriesen wurde, um dann kaltlächelnd an die Öffentlichkeit durchgereicht zu werden.

Letzter kostenlose Ratschlag:

Will die Führungscrew von Tamedia nicht völlig die Kontrolle über Teile der Belegschaft und das Arbeitsklima verlieren, muss sie sich zu mannhaften Entscheidungen aufraffen. Die Initiantinnen werden per sofort bis zum Ende der Untersuchung freigestellt. Sollte sich erweisen, dass die überwiegende Mehrheit der Vorwürfe nicht verifizierbar ist, erfunden wurde oder aus dem letzten Jahrtausend stammt, dann müssen sie fristlos entlassen werden. Üble Nachrede, Geschäftsschädigung, Verstoss gegen Treu und Glauben, kein Arbeitsgericht würde das bestreiten wollen.

Die übrigen Unterzeichner hätten als nächstes eine öffentliche Entschuldigung zu unterzeichnen, so kämen sie mit einer strengen Abmahnung davon. Wer das nicht tut, dem wird ordentlich gekündigt.

Wir sind gespannt. Aber ab hier wären Ratschläge kostenpflichtig.

Eine Medienkritik und ihre Geschichte

Dritte Lieferung. Hier werden Fundstücke obduziert, um ihre Todesursache zu finden. Heute die Medienkritik in der «Weltwoche».

Medienkritik hat sich zu einem Gefäss für gelegentliche Ausfälle denaturiert. Gilt es, einen neuen, ungeliebten Konkurrenten fertigzumachen, okay. Aber sonst? Traut sich keiner, will keiner, kann keiner.

Logisch, ausser ZA … nein, kein Eigenlob. Sondern: sozusagen der letzte Mohikaner der regelmässigen Medienkritik ist Kurt. W. Zimmermann. Inzwischen viel länger bei der «Weltwoche» unterwegs als beim «Schweizer Journalist» (SJ).

Sympathisch macht ihn, dass er ohne Rücksichten auf Verluste oder eigene Flops gegen alle und alles austeilt. Dabei liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Frank A. Meyer, wer von beiden mehr Millionen verröstet hat. Der eine bei Tamedia, der andere bei Ringier.

Eine weitere Ähnlichkeit ist: beide neigen dazu, aus eigenem Antrieb oder auch aus fremdem Fertigmacherjournalismus zu betreiben. Frank A. Meyer musste nach der Borer-Affäre wegen übertriebener Härte kurzzeitig auf die Strafbank.

Die Hintergründe zum Wechsel Projers, brühwarm serviert

Das ist Zimmermann noch nie passiert. Aktuell – logisch – nimmt er sich natürlich auch DER News im Medienkuchen an. Wie kann es nur sein, dass Jonas Projer von Blick-TV direkt in den Olymp der Chefredaktion der NZZaS einzieht?

Wofür sogar der dort amtierende und nichtsahnende Chefredaktor weggeräumt werden musste? Ideal für Zimmi, seine Muskeln spielen zu lassen und den bösartigen Insider zu geben. Allerdings mit Hygienemaske vor dem Mund, damit ihm keiner was kann. Weil’s durchaus raffiniert gemacht ist, eine kurze Obduktion.

Steht Zimi mehr auf Michael Mann und Al Pacino?

Der Einstieg muss schon alles klar machen. Projer habe sich mit seinem ersten Auftritt in einer Videobotschaft lächerlich gemacht. Er müsse noch viel lernen, habe er gesagt, seither werde er auf der NZZaS-Redaktion als Dilettant verspottet. Weiss Zimmermann. Weiss dort aber keiner. Ist halt immer so eine Sache mit anonymen Quellen.

Aber schliesslich stimme das auch, wetzt Zimmi das Messer. Projer habe in seinen 15 Jahren Journalismus keine Sekunde auf einer Zeitungsredaktion gearbeitet. Stimmt zwar nicht ganz, hört sich aber gut an.

Erste Zwischenbilanz: das sei so, wie wenn man einen Mann ins Cockpit setze, der vorher als Buschauffeur gearbeitet habe. Abgesehen davon, dass Christian Dorer immer noch als Buschauffeur arbeitet: diese Welten trennen die NZZaS von allen anderen Medien? Wow.

Nun noch die Frage: wieso denn eigentlich dieser Wechsel?

Also, Pfeife am Gerät. Nun zur Frage: warum bloss? Da war Zimmi offenbar das Mäuschen bei Gipfeltreffen in den Häusern NZZ und Ringier. Denn er weiss: die NZZ war angepisst, weil sich unter Luzi Bernet das Blatt immer mehr in ein «bunt-rot-grünes-Jekami» verwandelt habe. Weiss Zimmi, aber auch nur er.

Oder auf Gene Hackman und Francis Ford Coppola?

Auf diesem einsamen Weg geht er weiter durchs «soll doch einer das Gegenteil beweisen»-Gebüsch. Zunächst habe die NZZ Patrik Müller von CH Media und Christian Dorer vom «Blick» die Chefredaktion der NZZaS angeboten. Komisch, dass die beiden davon nichts wissen, und Dorer nun wirklich nicht in Frage gekommen wäre.

Jetzt kommt ein raffinierter Doppelschlag. Wieso hätten die beiden abgelehnt? Aus Loyalität zu ihren Verlagshäusern. Projer, als «zweite Wahl», habe hingegen «kein Problem mit Illoyalität».

Eine interessante, neue Definition dieses Begriffs. Wer bleibt, ist loyal. Wer selber kündigt, ist illoyal. Aha, und wie kann man dann das Verhalten des Ringier-Konzerns bezeichnen, der alleine in den letzten 20 Jahren eine beeindruckende Latte von «Blick»-Chefredaktoren verschlissen hat? Die haben loyal alle nicht gekündigt, die wurden – offenbar bei einem Konzern keinesfalls Ausdruck von Illoyalität – allesamt gefeuert.

Illoyal war das, aber was ist der tiefere Grund für die Kündigung?

Projer ist schlichtweg die erste Führungsfigur beim «Blick», die es gewagt hat, selber zu gehen. Obwohl doch Marc Walder Blick-TV als sein Herzensprojekt, als seinen Liebling bezeichnet. Da kann man dann nicht nur von Illoyalität, sondern geradezu von Liebesentzug reden. Aus der Sicht von Ringier.

Aber wieso ist nun Projer gegangen, er war ja (noch) nicht loyal gefeuert worden beim «Blick». Auch dazu hat Zimmermann eine steile These: er musste gehen, weil er sich «in einer charakterlichen Sackgasse» befunden habe.

Was ist denn das? Nun, Zimmi habe bei Ringier mit Krethi und Plethi geredet; das Urteil sei «so einhellig negativ, dass einiges daran sein muss». Woran? «Egozentrische Drama-Queen», beratungsresistenter «permanenter Besserwisser». Kein Wunder, kam es «regelmässig zum Knall». Bis zum bitteren Ende: «Am Schluss war der nicht teamfähige Projer im Newsroom des «Blick» völlig isoliert.»

Meiner Treu, was man aus Gesprächen mit einem einzigen Informanten, der auch mir ganz heissen Scheiss gegen Projer anbot, herausmelken kann. Ich lehnte ab, weil ich keine ausschliesslich auf anonymen Beschimpfungen basierende Artikel schreibe. Zimmi ist da offenbar schmerzfrei.

Und in welcher Sackgasse befindet sich Zimmermann?

Bleibt nur die Frage, in welche charakterliche Sackgasse sich Zimmermann selbst manövriert hat. Als ehemaliger Angestellter findet er es tatsächlich illoyal, wenn jemand kündigt, weil er etwas Besseres in Aussicht hat? Loyal hingegen sei, solange auf dem Stuhl sitzen zu bleiben, bis die Führungsetage der Besitzer beschliesst, dass da mal wieder eine Rübe runtermuss? Also wurde auch Zimmi loyal beim SJ gefeuert?

Was würde Zimmermann davon halten, wenn man über ihn eine solche Kloake aus nur anonymen Quellen geschöpft giessen würde? Wenn ich Zeit für so einen Quatsch hätte, könnte ich das locker zusammenfantasieren. Ich halte aber nichts von solchem Hinrichtungsstil. Weder bei Zimmermann, noch bei den erregten Tagi-Frauen, die schärfste Anschuldigungen öffentlich herumbieten – mit ausschliesslich unbelegten, anonymen, nicht verifizierten Beispielen.

Briefe und anonyme Zitate, zwei neue Hobbys der Journalisten

Leider stösst auch Michèle Binswanger ins gleiche Horn. Sie hat sich zwar tapfer vom Protestschreiben der 78 Tamedia-Mitarbeiterinnen distanziert, nimmt aber ein anonymes Schreiben, das in der NZZ herumgeistern soll, zum Anlass, auf den designierten Chefredaktor der NZZaS einzuprügeln. Unter Verwendung genauso anonymer, genauso abwertender Meinungszitate von einem angeblichen Headhunter, der Projer für das Allerletzte hält.

Gesprächspartner, die sich sehr positiv über Projer äusserten, lässt Binswanger unter den Tisch fallen, auch sie kennt den guten Satz: Lass dir nie von der Wahrheit eine gute Geschichte kaputtmachen. Auch die Tatsache, dass sie gegenüber Projer nun wirklich befangen ist, hindert sie nicht daran, über ihn herzufallen. Nun, dass Tamedia kein Frauenproblem hat, aber ein Qualitäts- und Qualitätskontrollproblem, das war schon vor diesem Artikel bekannt.

Tiefer Frauenanteil in den Verlags-Geschäftsleitungen

In den Chefredaktionen ist der Frauenanteil sehr tief. In den Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten sieht’s kaum besser aus, wie eine Untersuchung von ZACKBUM.ch zeigt.

Am 50. Jahrestag zur Einführung des Frauenstimmrechts analysierte ZACKBUM die Situation in den Chefredaktionen der grossen Verlage. Resultat: ernüchternd. Ringier reklamierte damals, ZACKBUM habe ja «nur» die Redaktionen angeschaut. Bei der Geschäftsleitung sei man viel weiter.

Nun also die Analyse der Geschäftsleitungen, fast pünktlich zum internationalen Frauentag diese Woche.

Fangen wir mit dem grössten Verlagshaus an – wenn man den Gemischtwarenkonzern TX Group noch so nennen darf.

Die Gruppenleitung besteht aus Pietro Supino, Präsident und Verleger, aus Sandro Macciacchini, Finanzen, Personal & Investor Relations, sowie aus Samuel Hügli, Technologie & Ventures und aus Olivier Rihs. Die Chefs der einzelnen Firmen heissen Michi Frank, Marcel Kohler (20Min.), Marco Boselli (Tamedia) und Andreas Schaffner. Frauenanteil: 0 Prozent.  Im VR der TX Group hat es acht Leute, darunter mit Pascale Bruderer gerade mal eine Frau. Frauenanteil: 12,5 Prozent.

Wie sieht es bei Ringier aus?

Der VR besteht aus 9 Personen, darunter ist mit Laura Rudas genau eine Frau. Frauenanteil: 11 Prozent. Die GL mit Marc Walder als CEO hat mit Annabella Bassler, Chief Financial Officer und Ladina Heimgartner Head Global Media Ringier AG und CEO der Blick-Gruppe zwei Frauen von total fünf Mitgliedern. Macht glatte 40 Prozent Frauenanteil. Das ist nicht schlecht, ein Punkt für die Ringier-Medienstelle. Silber holt Ringier. 

Kommen wir zur NZZ-Mediengruppe.

Felix Graf, CEO; Jörg Schnyder CFO; Eric Gujer Chefredaktor «Neue Zürcher Zeitung»; Luzi Bernet, Chefredaktor «NZZ am Sonntag»; Johannes Boege, Chief Revenue Officer; Andreas Bossecker, Leiter Technologie & IT. Und die Frauen? Genau eine ist in der GL: Sigrun Albert, Leiterin Produkte. Frauenanteil: 14 Prozent.

Ist der VR anders aufgestellt? Ja, durchaus. Unter den neun Köpfen findet man immerhin drei Frauen: Lucy Küng, Carolina Müller-Möhl und Isabelle Welton. Quote: 33 Prozent. Macht Rang 3 in unserer Analyse. 

Die CH Media als Konstrukt zwischen NZZ und AZ Medien hat folgende GL: Axel Wüstmann, CEO, Dietrich Berg, Geschäftsführer Publishing, Roger Elsener, Geschäftsführer TV & Radio, Pascal Hollenstein, Leiter Publizistik, Roland Kühne, Geschäftsführer Operations & Technologie, Veronika Novak, Leiterin Human Resources, Roberto Rhiner, Leiter Finanzen, CFO. Also eine Frau und erst noch in der leider klassischen Funktion HR. Frauenanteil: 14 Prozent.

Der VR ist achtköpfig. Mit dabei Sigrun Albert, wir kennen sie von der NZZ. Frauenanteil hier: 12,5 Prozent.

Die AZ Medien gibt’s auch noch. Im Familienbetrieb haben die Wanners das Sagen. Darum sitzt im 7-köpfigen VR sicher eine Frau, nämlich Peter Wanners Tochter Anna Wanner. Frauenanteil: 14,2 Prozent. Ist die GL besser aufgestellt?

Uih, nein. Die Unternehmensleitung besteht aus drei Männern.

Die Südostschweiz/Somedia ist ebenfalls ein Familienbetrieb. Auch hier gilt: Zum Glück hat Hanspeter Lebrument eine Tochter. Dank Susanne Lebrument besteht die Unternehmensleitung mit sechs Leuten nicht nur aus Männern. Frauenanteil: 16,6 Prozent.

Und sonst? Wie bei den äusserst seltenen weiblichen CEO’s generell in der Wirtschaft ist es die Familie Blocher, die hier positiv aus dem Rahmen fällt. Magdalena Martullo-Blocher ist Chefin des Ems-Chemie-Konzerns, Rahel Blocher (42) bei der Zeitungshaus AG, die aus der BaZ Holding AG hervorging, sowie bei der Swiss Regiomedia AG.  Der Verlag gibt 25 Gratis-Wochenzeitungen in der Ost- und Zentralschweiz sowie in den Kantonen Aargau, Bern, Solothurn und Zürich heraus und erreicht damit über eine Million Leserinnen und Leser. Dazu gehört auch das Tagblatt der Stadt Zürich als Flaggschiff. Hier ist mit Lucia Eppmann eine Frau Chefredaktorin und Verlagsleiterin. Rang 1 für den Gratis-Grossverlag.

Die Gier von Ringier

Ahnungslose Leser übertöppeln – why not?

Das unterbietet sogar die Output-Leistung der «Republik»: In den letzten 15 Jahren veröffentlichte die «Konferenz der ChefredaktorInnen» genau 6 (sechs) Stellungnahmen und andere Zuckungen. Der Präsident des Vereins ist Ringier-Chefoberchefchefwuff Christian Dorer. Im Jahre 2007, da war Dorer vermutlich noch in der Primarschule, gab die Konferenz «Empfehlungen zum Umgang mit bezahlter Werbung» ab.

Die Konferenz empfiehlt: «Jede Form von Sponsoring muss deklariert werden.» Das war vor 14 Jahren. Heute heisst es: «Jede Form von Sponsoring könnte im Prinzip, sofern möglich und durchsetzbar, theoretisch und zu einem gewissen Prozentanteil deklariert werden.» Ein schönes Beispiel ist der Jubelartikel von Blick über einen Lautsprecher von Braun.

 

Wer auf den Artikel klickt. landet auf die Ringier-Seite daskannwas.ch. Gemäss Impressum finanziert sich die Seite durch Werbung, Partnerschaften und Affiliate-Links. «Wenn Sie Produkte über Links von Daskannwas.ch kaufen, unterstützen Sie das Portal finanziell.» Blickleser finanzieren also den Verlag, wenn sie ahnungslos auf den vermeintlichen redaktionellen Text klicken. Gemäss Anzeigenliste verdient Ringier pro Klick etwa 3 Rappen. CPM (Cost per Mille) bedeutet die Kosten für 1000 Einblendungen einer online Werbeanzeige.Wird der Artikel 100’000 angewählt, resultiert aus dem Geklicke knapp 3000 Franken.

Ringier schreibt auf Anfrage: «Die Produkttests sowie die Vergleiche sind nicht bezahlt, da dies dem Grundsatz der Plattform – ehrlich und unabhängig zu testen – widersprechen würde.» So ein Geschäftsmodell wäre auch zu auffällig. Es geht vor allem um den Link im Text, der zum Hersteller leitet:

 

«Blick» endlich weiblicher

Um ein Prozent. Weiter so!

Der «Blick» hat ein Problem: Sein typischer Leser ist zu männlich, zu alt und verdienen tut er auch nicht gut. In den letzten fünf Jahren hat sich dieser Trend akzentuiert, trotz sämtlichen Bemühungen, urbane und gutverdienende Frauen anzusprechen.

Das zeigt ein Fünfjahresvergleich. Der Anteil der Ü55-Leser betrug 2016 37 Prozent. Fünf Jahre später ist fast jeder zweite Leser (46 Prozent) über 55 Jahre alt. Der Anteil gutverdienender Leser (über 8000 Franken Monatslohn) ist dafür in den letzten fünf Jahren von 39 auf 36 Prozent gesunken. Es gibt aber auch Erfolge zu vermelden: Männer machen nur noch 61 Prozent der Leserschaft aus. 2016 waren es ein Prozent mehr.

12345 ist einerseits eine schöne Treppenzahl, andererseits ist sie auch die Zahl der Abos, die der Blick durchschnittlich pro Jahr verliert: 2015: 157’671 Abos, 2020: 95’944 Abos. So tief war die Auflage seit knapp 60 Jahren nicht. Ringier erzielt nun 24,6 Millionen Franken weniger Aboeinnahmen als vor fünf Jahren. Oder in anderen Worten: Den Blick verlassen jeden Tag knapp 34 Abonnenten. Hält dieser Trend an, kündigt am 8. Oktober 2028 der letzte Leser sein Blick-Abo. Wahrscheinlich wird es dann ein männlicher Abonnent gewesen sein.

Hoffen wir nicht, dass es soweit kommt. Denn wenn die Auflage schmilzt, passieren merkwürdige Dinge. Die Stimmung in der Redaktion kippt, das Weihnachtsgeschenk ist ein Verlagsbuch, und die Putzfrau kommt seltener. Theoretisch müssten bei sinkendender Auflage auch die Werbetarife angepasst werden. Aber nicht beim Blick. Obwohl die Anzahl der Abonnemente um 40 Prozent einbrach, kostet eine Seite Werbung immer noch 26’200 Franken. So viel wie im Jahr 2016. Der in der Werbung gängige Tausend-Leser-Preis stieg von 41 Franken (2016) auf 67 Franken (2021). Ein Unternehmen muss also 67 Franken bezahlen, um 1000 Leser zu erreichen.

Immerhin, die Blick-Leser sind gescheiter geworden. Nur noch 25 Prozent haben lediglich neun Jahre an der Schule verbracht. Bei der letzten Messung waren es 27 Prozent. Hoffentlich sassen auch die Inserenten nicht länger auf den Schulbänken.