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Gerüchte um TELE-Einstellung

Ringier leistet sich den Luxus von sechs TV-Programmzeitschriften und neu einem speziellen «Streaming-Heftli».

TV-Programmzeitschriften liegen auf dem Sofatischchen. Man blättert darin. Was kommt nach der Tageschau Spannendes in der Glotze? Die Heftli scheinen wie aus der Zeit gefallen. Sie werden mit dem traditionellen Publikum älter, das nichts von zeitversetztem TV-Konsum wissen will und SwisscomTV und UPC für etwas bezahlt, das es nie nutzt.

Fast das Monopol

Ringier Axel Springer Schweiz ist bei Programmzeitschriften Markführer in der Schweiz. Man leistet sich den Luxus interner Konkurrenz. TELE und TV Star heissen die beiden Flaggschiffe. Daneben gibt’s noch TVvier, TV Land & Lüt und TV8. Als Supplement gibt’s  die dünne Gratisbeilage TV täglich, die etwa der Schweizer Illustrierten beiliegt. Doch der Gemischtwarenladen hat sogar noch eine Neuerscheinung im Angebot: Seit November ist die komplett neue Zeitschrift Streaming auf dem Markt. Ist der Erscheinungsrhythmus üblicherweise einmal wöchentlich, kommt «Streaming» 12-mal im Jahr heraus. Speziell und neu ist, dass man es wie Netflix monatlich abonnieren und abbestellen kann.

Gleiche Redaktion für ein komplett neues Heft zusätzlich

Doch die Redaktion stöhnt. Denn die gleichen Leute müssen nun mit «Streaming» noch ein weiteres Heft produzieren – mit immerhin 84 Seiten. Gemunkelt wird, dass zumindest TELE bald nicht mehr erscheint. Die Auflage sinkt und die interne Konkurrenz ist gross. Böse Zungen behaupten gar, dass «Streaming» eine Art interner Test sei, wer fit für die neuen Medien sei. Sprecher Mike Pelzer gibt sich aber gelassen: «Eine Einstellung oder Zusammenführung von TELE und TV-Star ist nicht geplant». Und die Belastung der Redaktion mit dem neuen Streaming-Heft? Auch da sieht er kein Problem: «Die Produktion des Magazins liegt bei der bestehenden TELE-Redaktion, deren Expertinnen und Experten sich seit Jahren mit dem Streaming-Angebot auseinandersetzen.»

Warum hat man ein neues Heftli lanciert und nicht versucht, die Streaming-Angebote ins TELE und/oder in den TV Star zu integrieren? Darauf antwortet Pelzer nicht. Als interne Konkurrenz betrachtet er das neue Heftli ebenfalls nicht. «TELE und TV-Star berichten nebst dem klassischen TV-Programm ebenfalls über Neuheiten aus diesem Bereich – Streaming hingegen fokussiert voll und ganz auf die Welt von Netflix, Sky, Disney+ & Co. und schafft damit ein neues, für die Schweiz einzigartiges Angebot.»

Zufall? Gleiches Lancierungsdatum und gleicher Name

Zeitgleich hat übrigens die deutsche Funke-Mediengruppe eine Zeitschrift gleichen Namens lanciert. Laut der «Medienwoche» zufällig und ohne Zusammenarbeit. Da war man – als Erinnerung – bei Landliebe (CH) weniger konsequent. 2011 adaptierte der ungekrönte Ringier-Heftlichef Urs Heller das Vorbild Landlust (De) auf die Schweiz. Landliebe ist und bleibt vorderhand eine der erfolgreichsten Neulancierungen der letzten zehn Jahre. Die Auflage beträgt 225000 Exemplare. Dieses Jahr kann Landliebe sein 10-Jahr-Jubiläum feiern.

Keine Zahlen, keine Auskunft

Ob das «Streaming» auch schafft? Wie das Heft beim Publikum bisher angekommen ist, will der Ringier-Sprecher nicht sagen. «Zur Anzahl Abonnements oder Kioskverkäufen unserer Titel geben wir generell keine Auskunft». Das lässt nicht gerade einen schnellen Start vermuten.

Verzicht auf Onlinepräsenz als Vorbote?

Überhaupt läuft es mit den Programmzeitschriften nicht gerade gut. Sinkende Auflagezahlen und ein für die Branche untypischer Entscheid. «TELE verzichtet auf seiner Onlinepräsenz seit kurzem bewusst auf die vollständige Auflistung des TV-Programms. Das Interesse an einer digitalen Version des linearen Programms hat sukzessive abgenommen», so der Ringier-Sprecher. Wenn das nur nicht der Anfang vom Ende ist. Das Interesse an einer digitalen Version am linearen Programm nimmt ab. Wie sehr muss über kurz oder lang nicht auch das generelle Interesse am linearen Programm abnehmen? Mike Pelzer* bleibt optimistisch: «Wir setzen deshalb nicht zuletzt auch mit streaming.ch auf redaktionelle Einordung und schaffen so für unsere Leserinnen und Leser einen echten Mehrwert.»

*) Mike Pelzer? Pelzer war neben Gülsha Adilji beim damaligen Jugendsender Joiz das Aushängeschild. 2015 sagte er zum online-Portal persoenlich.com: «Ich bin des Geschichtenerzählens müde. Nach Erfahrungen im Print, Radio und TV freue ich mich auf eine neue Herausforderung abseits der Medienbranche». Was er zukünftig machen werde, bleibe deshalb auch sein Geheimnis. Nun ist klar, er ist Mediensprecher geworden. Also fertig Geschichten erzählen….

Ringier: «Schlechtestes Jahr seit 177 Jahren»

Leider selber schuld.

Dreimal im Jahr spricht das Orakel von Zofingen. In der Mitarbeiterzeitung «Domo» richtet sich der Verleger Michael Ringier an sein Fussvolk. Wegen Corona befinden sich zwischen Ausgaben 2 und 3 nur ein paar Wochen. Wer die beiden Ausgaben nebeneinander legt, lernt viel von den Qualen eines Verlegers im Jahre 2020.

In der Oktoberausgabe sang Ringier noch in dulci jubilo: «Grosser Applaus und grosses Schulterklopfen für die Medienschaffenden.» Der Senior zeigte sich tief beeindruckt, wie seine Journalisten Geschichten nur so aus dem Ärmel schüttelten. Ein paar Wochen später hörten sich seine Worte dann eher wie ein Requiem an: «2020 wird als das schlechteste Jahr seit 177 Jahren in die Geschichte eingehen.»

Diese Aussage steht im krassen Gegensatz zu den Daueroptimisten Jonas Projer und Christian Dorer. Blick TV? Einschaltquoten schiessen durch beide Studiodecken. Blick? Läuft immer noch so gut, dass man die halbe Bevölkerung mit Echinaforce verarschen kann. Aber vielleicht mag der Pensionär einfach nicht mehr. «Ich will meine alte Welt wieder zurück.» Oj, das hört sich wirklich nicht gut an.

Stichwort Aktienkauf

Vor zwei Jahren war alles noch anders. Michael Ringier und Marc Walder dinierten mehrgängig in den feinsten Restaurants von Silicon Valley. Sie entdeckten dort «eines der begehrtesten Unternehmen der Welt». Nicht Google, Apple oder Amazon. Nein: Palantir war es.

Das Unternehmen habe in Zusammenarbeit mit Ringier eine Analysesoftware für den Newsroom entwickelt, schreibt der Verlag auf Anfrage von Zackbum. «Die Mitarbeitenden des Newsrooms der BLICK-Gruppe erhalten damit Datensets, die ihnen helfen, die Gestaltung der digitalen Angebote zu optimieren.»

Was immer das bedeuten soll. Spannend an Palantir ist vor allem sein Going Public vom 30. September 2020. Der Wert der Aktie hat sich in wenigen Wochen mehr als verdoppelt. Und das im Corona-Jahr. Palantir zählt zu den grössten Überfliegern 2020. Ringier arbeitet seit zwei Jahren mit dem Unternehmen zusammen. Da hat es sicher ein paar Aktien geordert, oder? «Nein», lautet die traurige Antwort.

Dafür hätte es früher die Eselsmütze gegeben. Darum hat Michael Ringier recht: 2020 ist für das Unternehmen so richtig in die Hosen gegangen. Zum Glück ist es an der Insenio GmbH beteiligt. Die Bude verkauft Männerwindeln.

Das «Päckli» von Gilles Marchand und Nathalie Wappler

Die SRG schweigt Sexismusdebatte im eigenen Magazin tot.

«link» heisst das Mitarbeiter- und Mitgliedermagazin von der SRG Deutschschweiz. Der Namen ist wohl abgeleitet vom englischen «link» für Verknüpfung. Oder «Das Glied einer Kette». In der aktuellen Dezemberausgabe ist das «Glied» – um diese zugegebenermassen mittel originelle Brücke zu schlagen – aber in keinerlei Hinsicht ein Thema. Obwohl die SRG-Führung wegen dem Star-Moderator Darius Rochebin vom Westschweizer Fernsehen (RTS) und seinen im Raum stehenden sexuellen Übergriffen arg unter Druck steht. Was viele SRG-Mitarbeitende beschäftigt, wird totgeschwiegen. Doch der Reihe nach.

«Keine Kenntnis gehabt»

Rochebin soll seine berufliche Stellung und sein Ansehen ausgenutzt haben, um zu Sex zu kommen. Ein weiterer Kadermitarbeiter sei ebenfalls übergriffig geworden, und «alle hätten davon gewusst». Darum forderten 550 Mitarbeitende von RTS, immerhin gut ein Drittel der ganzen Belegschaft, in einer Petition die Absetzung der beiden Kaderleute und eine externe Untersuchung. Und was hat das mit der SRG zu tun? Der heutige SRG-Generaldirektor Gilles Marchand war von 2001 bis 2017 RTS-Direktor. Gegenüber watson.ch sagte die SRG-Medienstelle, Marchand habe von den falschen Facebook-Profilen Rochebins, nicht jedoch den Vorwürfen der sexuellen Belästigung Kenntnis gehabt. Sein Nachfolger als RTS-Direktor habe im Herbst 2017 «Massnahmen gegen Rochebin bezüglich der Einhaltung der Berufsregeln» ergriffen, über die Marchand informiert worden sei. Nun fordern kritische SRG-Angestellte und Mediengewerkschaften gar den Rücktritt von Marchand.

Ladina Heimgartner als Nachfolgerin?

Felix E. Müller gab kürzlich in der NZZaS noch einen drauf und brachte Ladina Heimgartner als Nachfolgerin ins Spiel. Sie ist seit gut einem Jahr bei Ringier, vorher arbeitet sie lange bei der SRG. Sie hat einige Vorteile gegenüber Marchand. Sie ist eine Frau, sie ist in der rätoromanischen Schweiz aufgewachsen. Und sie ist erst 40-jährig. Das ideale Alter, um den angestrebten «Transformationsprozess» der SRG auch durchzuziehen. Sprich, mehr digital, weniger Gewicht auf linear ausgestrahlte Sendungen.

«Lassen Sie mich das erklären»

Aber was hat das nun mit dem SRG-Heftli zu tun? Viel und nichts. Denn das Thema Rochebin-Sex-Marchand ist auch in Leutschenbach allgegenwärtig. Viele Mitarbeitende sind sauer, wie die SRG und demzufolge auch SRF das Problem angehen. Man bekommt den Eindruck, wie wenn die Chefs einander decken wollten. Aussitzen lautet die Devise. Dass in den nächsten Wochen Kündigungen anstehen, spielt dem Kader sicher in die Karten. Wer will schon aufmucken, wenn seine Stelle in Gefahr ist? In diese Strategie des Schweigens und Aussitzens passt nun eben die neuste Ausgabe von «link». Kein Wort über das Rochebin-Thema. Kein Wort. Dafür schreibt SRF-Direktorin in salbungsvollen Worten viel und doch wenig Konkretes über das «Transformationsprojekt SRF 2024». «Lasen Sie mich das Prinzip der Transformation am Beispiel der Volksmusik erklären», schreibt die Chefin etwa. Gestelzter geht fast nicht. Und das in einem Mitarbeiterheft, einem internen Produkt von und für Mitarbeitende. Theoretisch. Immerhin erfährt der Laie nebenbei, dass bei SRF heute weniger als 10 Prozent «unserer Mittel ins Onlineangebot fliessen, in einem Jahr sollen es etwa 20 Prozent sein.» Der Verlegerverband wird sich freuen.

Wie eine Programmzeitschrift

Was bleibt sonst vom «link»? Das Heft wirkt wie eine Programmzeitschrift. Der Text «Play Suisse» könnte auch im «Tele» stehen. Ebenso wie die Rubrik «Neu im Programm». Dafür kommen porträtierte Mitarbeiter eher zu kurz. Das Heft wirkt ziemlich unpersönlich, ja fernab von der Basis. Da ist das von zackbum.ch auch schon kritisierte Ringier-Blatt Domo noch um einiges menschlicher. Doch hier wie dort zeigt sich, dass die Chefs das letzte Wort haben. Darum ist im «link» kein Wort zum Thema Sexismus und Darius Rochebin zu finden.

In einer ersten Version wurde «link» als Mitarbeitermagazin bezeichnet. Das stimmt nicht ganz. Es richtet sich neben den Mitarbeiteiterinnen und Mitarbeitern auch an die Mitglieder der SRG. Die Auflage beträgt gut 16000 Exemplare.

2. Frau von Hans Arp

Wie wird frau berühmt?

Wichtig: Der «Donnschtig-Träff» im Café Stern in Muri (AG) kann heute leider nicht stattfinden. Wegen Corona muss auf das gemütliche Beisammensein verzichtet werden. Dafür findet diesen Donnerstag ein anderer Anlass statt, und zwar der Edit-a-thon von SRF und Ringier. Knapp 100 Journalistinnen werden heute Wikipedia-Artikel schreiben. Nicht über Gurkensalat oder Fencheltee, darüber gibt es schon Einträge.

Die 100 Frauen wollen «Frauen sichtbar machen». Sie beklagen zu Recht: «Die grosse Mehrheit der Wikipedia-Editoren sind männlich. Wer sichtbar ist, kommt weiter.» Viele Personalchefs interessieren sich anscheinend nur für Kandidaten, die einen Wikipedia-Eintrag haben. Also zum Beispiel Herr Gurkensalat.

Die Journalistinnen von SRF und Ringier wollen nun ganz viele Frauen auf Wikipedia verewigen. Die Liste lässt nichts Gutes erahnen. Eigentlich definiert Wikipedia ziemlich brutal, über wen ein Artikel erstellt werden soll oder nicht.

Auf der abzuarbeitenden Liste stehen aber – wen wunderts – eine SRF-Journalistin (Moderatorin Kathrin Hönegger) und eine Ringier-Kolumnistin (Sex-Beraterin Caroline Fux).

Noch unklar sind sich die Frauen, ob für Nadja Schnetzler ein Eintrag geschrieben werden soll. Schnetzler ist «Mitgründerin Republik». Wir finden: auf jeden Fall, aber bitte nicht unter 50‘000 Zeichen. Ungewissheit herrscht ebenfalls bei Denise Bertschi. Die Künstlerin «gewan (sic!) 2020 den Manor Kunstpreis (…)» Auch bei Marguerite Arp Hagenbach sind sich die Journalistinnen noch uneinig. In der Beschreibung steht lediglich «2. Frau von Hans Arp». So gesehen sollte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder einen speziellen Frauen-Förderer-Wikipedia-Verdienstorden erhalten. Der Womanizer ist fünf Mal zum Traualtar gestolpert und hinterliess eine 1., 2., 3. und 4. «Frau von Gerhard Schröder».

Blick hat Reifeprüfung mit Auszeichnung bestanden

Ein dreifaches Klick-Jaul-Platsch!

Hochhaus ist Mordhaus! «Blick-Leser» Steff Jordi hat schlechte Erfahrungen in «seinem» Hochhaus gemacht. Einmal, schreibt er auf Blick, ist er nachdenklich nach Hause gegangen. Vielleicht etwa so: «Kummer, Kummer, Sorgen, Sorgen». Was geschah dann? «Kurz darauf wurde mein Nachbar erhängt in seiner Wohnung aufgefunden.» Klick! Okay, aber wie haben Steffs Katzen eigentlich reagiert? «Die fingen an, abends jeweils minutenlang mit aufgestellten Haaren eine Wand anzustarren und schaurige Laute von sich zu geben.» Jaul! Toter Nachbar, jaulende Katzen – das wars dann, hoffentlich. Nein! «Noch bevor ich ein paar Monate später umzog, stürzte sich eine Nachbarin aus der 15. Etage in den Tod.» Platsch! Armer Steff! Zuerst Klick, später Jaul und dann Platsch!

Ohne «Blick» hätte die Schweiz wohl nie etwas von diesem Dreiklang erfahren! Ein dreifaches Klick-Jaul-Platsch! Michael Ringier (71) sieht das ähnlich. Er schreibt in der aktuellen Mitarbeiterzeitschrift Domo: «Was die berichtende Zunft in den Monaten der Corona-Zeit geliefert hat, gehört zum journalistisch Besten, an das ich mich erinnern kann. (…) Ich rede von allem, was ich lesen oder hören oder sehen konnte, in einer Sprache, die ich verstehe. Grosser Applaus und grosses Schulterklopfen für die Medienschaffenden.» Tätschel!

Michael Ringier hat in den letzten Tagen und Wochen «ein hochprofessionelles Ringen um Fakten, um die Annäherung an Wahrheit erlebt.» Der Verleger hat sogar «dieses Gefühl für Verantwortung, für Fairness, für Redlichkeit» gesehen. «Und – man glaubt es kaum – ich habe ganz viele kleine oder grössere Geschichten gelesen oder Videos gesehen, bei denen sich die Journalisten – mangels Ereignissen – etwas Spannendes und Interessantes ausgedacht haben. In meinen Augen hat der Journalismus seine Reifeprüfung mit Auszeichnung bestanden.»

Tom Kummer, wo steckst Du, verdammt nochmal? Ringier is calling.

Folie à deux

Ob bei den Rechtsstreitigkeiten von Jolanda Spiess-Hegglin ihre Anwältin nur Rechtsschriften und Honorarnoten schreibt?

Zwei grosse Medienkonzerne, Ringier und Tamedia, sollen es gemeinsam auf Spiess-Hegglin abgesehen haben. Der eine hat ihre Persönlichkeit durch die Artikel über eine weinselige Zuger Feier verletzt, der andere will einer Redaktorin erlauben, in ihrer Freizeit ein Buch über diesen Fall und seine bis heute andauernde mediale Nachwirkung zu schreiben.

Dabei ist es der Anwältin von Spiess-Hegglin gelungen, einen Zuger Richter zu einem superprovisorischen Verbot dieser Absicht zu bewegen. Mit dem erstaunlichen Argument, dass die Autorin voreingenommen und kritisch gegenüber Spiess-Hegglin eingestellt und daher eine weitere mögliche Persönlichkeitsverletzung zu befürchten sei.

Wohlgemerkt, ohne dass bislang auch nur eine Zeile des Manuskripts öffentlich bekannt wurde. In diesem Zusammenhang ist zurzeit eine zweite juristische Schlacht im Gange. Die erste dreht sich um die Forderung nach Gewinnherausgabe gegen den Ringier-Verlag, nachdem Spiess-Hegglin und ihre Anwältin mit ihrer Berufung gegen das erstinstanzliche Zuger Urteil bezüglich Persönlichkeitsverletzung auf ganzer Linie abgeklatscht wurden.

Auch ZACKBUM.ch ist als Feind erkannt

Mit umso mehr Energie hat sich nun die Anwältin in den Fall gegen Tamedia verbissen. Da sie tief Luft holen muss, um die Voreingenommenheit und die Gefahr einer neuerlichen Persönlichkeitsverletzung durch dieses Buch argumentativ zu begründen, kommt hier ZACKBUM.ch ins Spiel.

Denn als medienkritische Plattform haben wir uns natürlich auch zu diesem medialen Fall mehrfach geäussert. Allerdings in erster Linie aus der Perspektive der Medienethik, nicht in juristischen Zusammenhängen.

Das hindert Rena Zulauf allerdings nicht daran, auch uns einen ganzen Absatz in ihrer vielseitigen Eingabe zu widmen. Zum Vorverständnis: Die Gesuchsstellerin (für das präventive Verbot des Buchs) ist Spiess-Hegglin, die Gesuchsgegnerin ist Autorin Michèle Binswanger, vertreten durch einen Anwalt von Tamedia.

Herabsetzend, diffamierend, hetzend, sexistisch

Aber zur Erwähnung von uns:

«Seit Mitte August 2020 gibt es einen neuen Blog, der unter ZACKBUM.ch abrufbar ist. In der kurzen Zeit von Mitte August bis Ende September 2020 haben die Autoren von ZACKBUM.ch bereits 22 Beiträge verfasst, die sich mit der Gesuchsstellerin – in herabsetzender und diffamierender Art – befassen. Der Blog hetzt gegen die Gesuchsstellerin. Das Narrativ ist sexistisch und es wird der Gesuchsstellerin unterstellt, sie sei eine Lügnerin. Die Gesuchsgegnerin arbeitet mutmasslich auch eng mit ZACKBUM.ch zusammen. Sie äussert sich auf den Kommentarspalten zum Thema und vertwittert die Beiträge von ZACKBUM.ch gegen die Gesuchsstellerin. Auch dieses Verhalten zeigt die Voreingenommenheit der Gesuchgegnerin auf.»

Unsere Plattform, darauf legen wir Wert, gibt es bereits seit dem 25. Juli. Nach unserer Zählung haben wir seither lediglich 9 Beiträge plus eine dreiteilige Serie zu diesem Thema verfasst. Von insgesamt 245. Dabei ging es unter anderem um die Funktion des Medienbüttels von Spiess-Hegglin und die merkwürdige Rolle von Hansi Voigt. Alles Aspekte, die aus medialer Sicht unbedingt beleuchtet werden müssen.

Aber selbst, wenn es 22 wären: kein einziger hat «gehetzt». Schon gar nicht in «herabsetzender und diffamierender Art». Das «Narrativ» ist weder «sexistisch», noch wird Spiess-Hegglin unterstellt, sie sei «eine Lügnerin». Im Gegenteil, jeder Beitrag ist argumentativ untermauert. Alle Betroffene hatten jederzeit die Möglichkeit zur Stellungnahme, wurden sogar dazu eingeladen.

Unverschämte Unterstellungen ohne Belege

Aber weder den Betroffenen noch der Anwältin fällt auch nur ein einziges, ein winziges Beispiel ein, um diese unverschämten Anwürfe zu untermauern. Gerade eine Anwältin müsste wissen, dass sie sich da mitten in der Gefahrenzone von übler Nachrede, Ehrverletzung oder dem UWG befindet. Aber uns ist es ehrlich gesagt zu blöd, darauf mit rechtlichen Schritten zu antworten.

So militant, wie Spiess-Hegglin normalerweise ihre Persönlichkeitsrechte verteidigt: wäre ZACKBUM.ch nicht schon längst mit Rechtsschriften zugeschüttet worden, wenn auch nur eine dieser Beleidigungen zutreffen würde?

Inhaltlich können wir nichts dazu sagen, da kein einziges Wort als Beleg aufgeführt wird. Also reine Luftbäckerei. Aber das ist nur die Hälfte des Anwurfs.

Was Binswanger für ZACKBUM.ch tun könnte

Nicht nur, dass Ringier und Tamedia es auf Spiess-Hegglin abgesehen haben, nein, die Tagi-Redaktorin arbeite doch «mutmasslich eng» mit uns zusammen. Auch das zeige «ihre Voreingenommenheit», behauptet die Anwältin mangels Belegen.

Diese Mutmassung können und müssen wir richtigstellen: Michèle Binswanger arbeitet weder eng, noch weit mit ZACKBUM.ch zusammen. Das bedauern wir sehr, denn so müssen wir uns bei unseren Redaktionssitzungen weiterhin den Kaffee selber machen.

 

Die Glückspost, das Bravo für Erwachsene

Die Glückspost ist der Schweizer Illustrierten auflagemässig dicht auf den Fersen. Trotzdem hat sie es in der öffentlichen Wahrnehmung viel schwerer. Eine Blattkritik des offiziellen Schweizer Klatschheftli.

Es gibt «Die neue Welt», die «Freizeit-Revue», die «Frau mit Herz» – und es gibt die «Glückspost». Während erstere deutscher Provenienz sind, ist die «Glückpost» das erste und einzige Klatschheftli der Schweiz. «Erste», weil es die Glückspost seit sage und schreibe 136 Jahren gibt. Gut, zuerst hiess sie Schweizerische Allgemeine Volkszeitung, erst 1977 erhielt sie den treffenden Namen «Glückpost». Aber immerhin.

«Einzige», weil sich keine Konkurrentin länger halten konnte. Und das etwas edlere Gala? Es hat eine Auflage in der Schweiz von etwas über 30’000 und einen speziellen Schweizteil, aber nur wenige Seiten. Zudem erscheint die Gala nur alle zwei Wochen, im Gegensatz zur «GlüPo». Keine ernste Konkurrenz also. Doch genug mit Vorspiel. Jetzt geht’s zur Sache, zur Glückspost.

Von der Titelseite des respektabel dicken Hefts (74 Seiten, Ausgabe vom 17.9.) strahlen einen gleich vier Menschen an. So sieht Glück aus. Doch aufgepasst: Zum Bild von Mike Shiva heisst es: «Die grosse Trauer seiner Mama». Und auch beim zweiten Anriss geht’s um ein Mutter-Tochter-Verhältnis: Das erwachsen gewordene Meitli von Entertainer Vico Torriani hat «Papa immer noch im Herzen».

Die Titelstory gehört Komiker Jonny Fischer. Er hat sich «mit der schweren Vergangenheit versöhnt». Dazu kommt unten ein Textbalken: «Viele Rätsel und Schicksalsgeschichten!». Fazit: alle Zutaten sind da, dass man oder besser frau für 3 Franken 90 einen Gegenwert für viele Stunden Unterhaltung hat.

Chefredaktor Leo Lüthy schreibt in seinem Editorial salbungsvolle Worte über Mike Shiva (gestorben mit 56). Kein Wunder, war Shiva einer der wenigen schillernden CH-Promis, die immer mal für eine Schlagzeile gut sind.

Für Lüthy ist und bleibt  klar: «Der Basler Mike Shiva war der lebende Beweis, dass einander zuhören (…) viel wertvoller sein kann als Fr. 4.50 pro Minute». Sprich, Shiva war seine Abzocke wert.

In der Rubrik «Leute heute» kommen vor allem Uralt-Promis vor. Al Bano, Peter Maffay, Costa Cordalis, Heino. Die Glückspost scheint sich dem Alter des Publikums anzupassen. Doch genug geschnödet. Nun folgt die Titelgeschichte über Jonny Fischer – und seinem Partner Michi Angehrn. Ein Geschmäckle hat der Bericht aber: Er kommt passend zur Premiere von Fischer als Moderator einer neuen SRF-Spielshow (Game of Switzerland) gestern Abend. Aber so läuft das halt. Ein neues Buch, eine neue Show. Schon ist man in den Schlagzeilen.

Die nächste Doppelseite bietet Platz zum Schwelgen. Blättern «im ganz privaten Familienalbum» von Nicole Kündig-Torriani. Grund: Vater Vico wäre am 21. September 100-jährig geworden.

Und noch eine Rühr-Story: Franco Marvulli schreibt einen offenen Brief an die eben verstorbene Tele-Bärn-Moderatorin Anne-Cécile Vogt (39). Sie erlag einer schweren Krankheit, viel zu früh.

Tobias Heinemann scheint ein berühmter Gedankenleser zu sein. Jedenfalls geht seine «eindrückliche Show» nach der Corona-Pause am 14.10. wieder weiter. Fast eine Doppelseite widmet die Glückspost dem Mystiker. Definitiv eine der Zielgruppen der Glückspost, wenn man kurz in den hinteren Teil des Hefts blättert. Denn dort wimmelt es von Inseraten ähnlicher Richtung: Kartenlegen, keltisches Baum-Tarot, Kontakt mit Engeln, Zukunfstorakel, hellfühliges Orakel, Pendel, Hilfe bei Liebes-Aus, Kaffeesatz lesen. Mike Shivas Erbe lebt! Na gut, die meisten Telefonnummern kosten zwischen 1 Franken 99 und 2.50. Also nicht 4 Franken 50. Aber es ist halt auch nicht das Original.

Doch zurück zum redaktionellen Teil. Nach den Schweizer Promis folgt nun Hollywood (als Rubrik) mit Sharon Stone. Sie hatte traumatische Erlebnisse zu verkraften. Zuletzt mehrere Corona-Todesfälle in der Familie. Ganz nach dem Motto: Schaut her, Promis geht’s auch verschissen, obwohl sie vermeintlich glücklich über den roten Teppich schweben.

Auffällig: erst auf Seite 19 folgt das zweite Inserat nach einem «Allergiker-Inserat» von Migros weiter vorne. Erstens: Was will uns Migros über seine Glückspost-Leser-Einschätzung sagen? Zweitens: Das erwähnte Inserat ist Werbung für Blick-TV. Blick-TV wie die Glückspost gehören zum Ringier-Konzern.

Nun wird die Glückpost noch ernster. Schicksale, Liebesbetrüger, Asperger-Syndrom. Die Welt scheint es nicht gut zu wollen mit gewissen Leuten. Doch zum Glück gibt’s die nun folgende Glückspost-Rubrik «Spass & Spannung». Acht Seiten Sudoku und Kreuzworträtsel. Klever: die Lösungen findet man immer ein Heft später. Eine perfekte Leserbindung!

Doch es kommt noch perfekter: 24 Seiten über die Gesundheit, Beauty und Reisen. Der Rubrik  Doktor Sommer im Bravo nachempfunden ist jene von einem Infektiologen. Er sagt, dass man vom Küssen krank werden kann. Immerhin nicht schwanger.

Ein ganz bisschen politisch wird die Glückpost nun mit der Tier-Seite. Grund: eine Reportage über die gefährdeten Auerhühner. Da muss man am 27. September doch Nein stimmen zum neuen Jagdgesetz! Das scheint irgendwie durchgerutscht zu sein bei der Blattplanung. Denn es ist ein eiserner Gesetz. Die Glückpost ist neutral.

Beim Reisebericht über die südsteirische Weinstrasse vermisst der kritische Leser einen Hinweis, dass die Reise der Reporterin (und freien Reisejournalistin) Barbara Blunschi irgendwie mitfinanziert wurde. Und zwar von der sehr positiv porträtierten Gegend und dem erwähnten «Boutique-Hotel Wurzenberg». Aber das Foto mit der Herbstimmung ist wirklich gelungen.

Bei der Rubrik «Genuss» kommt Volg zum Handkuss. Ich wusste nicht, dass Volg auch eine Kulinarik-Abteilung hat, ähnlich wie Betty Bossi. Aber das ist irgendwie authentisch. Rezepte und ein Portrait einer Nusstörtli-Bäckerin, die ihre Produkte im Dorfladen verkauft. Bei 3000 Lieferanten schweizweit scheint das mehr als ein Marketingtrick. Aber dass die vier Seiten nicht als Publireportage gekennzeichnet sind, das geht eigentlich gar nicht.

Positiv dafür die Doppelseite über das Rote Kreuz mit anderer Schrift und deklariert als Gute-Tat-Story («Unterstützen Sie das SRK»).

Dass beim Impressum auf Seite 56 der Titel vergessen ging, hat wohl nur der pingelige ZACKBUM.CH-Kritiker bemerkt.

Aufgefallen ist bei der dreiseitigen Rubrik «Rendez-Vous, Finde mich!» der hohe Preis fürs Anrufen. Bei den Kleininserätli («Sie sucht ihn», Männer suchen offensichtlich nicht) läuft das so, dass man Fr. 3.13 pro Anruf und dann Fr. 3.13 pro Minute bezahlen muss. Da ist zu hoffen, dass einem der potenzielle Partner nicht gefällt. Sonst geht so ein Telefon brutal ins Geld. Gut für die Glückspost: Das lusche Geschäft ist an die Firma Datapoint ausgelagert. Dort soll man auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen finden. Auf www.datingpoint.ch kommt aber nur die Meldung «Error, Database activation falled». Pech gehabt. Vielleicht mal was für den Kassensturz oder das Saldo.

Auf Seite 69 strahlt einen nun Luca Hänni entgegen. Er findet trotz abgesagter Tour Trost bei seiner neuen Freundin Christina. Kein Wort mehr , dass er sich von seiner Michèle getrennt hat. Aber das gehört wohl zum Promijournalismus in Klatschheftlis. Lieb und nachsichtig sein, dann bekommt man sicher wieder mal eine Homestory.

Auffällig: eine der raren Inserate hat Tamedia geschaltet, also die Konkurrenz. Thema: Feuerstellen online finden. Lerne: Die Glückspost scheinen auch Familien zu lesen. Oder sind es die Grossmütter?

In der Rubrik «in letzter Minute» darf Brigitte Nielsen nicht fehlen. Das Busenwunder bringt ein ganz klein wenig Erotik ins sonst stockprüde Heft.

Einigermassen versöhnlich punkte Abzocke ist dann das Inserat auf der zweitletzten Seite. Wenn man die Beauty-Linie («mit Blattgold!») bestellen will, ist der Anruf kostenlos. Und der Preis für die «2 x Tagescreme + 2 x 7 Ampullen» ist mit Fr. 69.90 für GlücksPost-Leser statt Fr. 134.80 wirklich verlockend. Da bezahlt man auch die Versandkosten von Fr. 9.95 gerne.

Doch genug kritisiert. Mit 3 Franken 90 bekommt man wirklich viel fürs Geld. Viel Swissness, viele Lebenstipps, dazu Rätsel für einsame Stunden. Und wenn man einen Partner sucht, einen der Finger juckt und man bei «Rendez-Vous» anruft? Wie schon der verstorbene Mike Shiva sagte, bei den Ausgaben ist alles klar deklariert.

Mit einer Auflage von 121532 Exemplaren jede Woche ist die Glückspost solide unterwegs. Ja sie ist dem Ringier-Flaggschiff, der «Schweizer Illustrierten», sogar dicht auf den Fersen. Diese hat eine Auflage von nur noch 130843. Grund, die «SI» demnächst unter die Lupe zu nehmen.

Wer hat Angst vor Jolanda Spiess-Hegglin?

Der Blick.

4. September: Das Zuger Kantonsgericht verbietet Michèle Binswanger, ein Buch über die Landammannfeier (aus der Sicht von Hürlimann) zu schreiben.
13. September: Markus Hürlimann nimmt nach langem Schweigen Stellung zu Jolanda Spiess-Hegglin.

Von der Aargauer Zeitung bis zur NZZ: Die Medien schreiben darüber. Jeder nach seiner Fasson. Alle? Nein, die stärkste Zeitung der Schweiz, der Blick, schweigt eisern. Auch nicht SoBli oder Blick.ch.

Keine Kurznachricht, keine Analyse, nichts. Das hat es so wohl noch nie gegeben. Seit der Entschuldigung von Ringier-CEO Marc Walder an Jolanda Spiess-Hegglin herrscht Funkstille in der Dufourstrasse. Walder schrieb damals im Stil eines Messdieners:

Wir können das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Wir können aber Tag für Tag dazulernen und immer und immer wieder versuchen, es besser zu machen.

So heule ich zur Frau, wenn etwas wirklich, wirklich Schlimmes vorgefallen ist (falsches Waschpulver gekauft, Socken nicht umgestülpt, Seitensprung). Der Fall erinnert an Erwin Kessler. Auch über ihn zu schreiben, lehnen viele Schweizer Medien ab. Zu heikel, zu gefährlich, zu eklig. Aber, Blick? Die Boulevardzeitung hat Schiss? Ringier beschreibt sein Flaggschiff «Blick» so:

Als Boulevard-Zeitung der Schweiz setzt Blick Massstäbe und berichtet täglich über Themen, die die Menschen in unserem Land bewegen. Blick ist unabhängig, schaut da hin, wo andere wegschauen – und hat eine Meinung.

Keine Meinung ist keine Meinung. Ringier antwortet allerdings auf Nachfrage: «Herr Hürlimann hat sich in der SonntagsZeitung geäussert. Die Blick-Gruppe sah keine Veranlassung, diese aufzunehmen. Ebenso verhält es sich mit der Analyse der Verfügung zum Buchprojekt von Michèle Binswanger.»

In domo padre

Ringier ist später dran als jede Frau. Und verhält sich auch so.

«Domo», so heisst das Ringier-Unternehmensmagazin. Es ist toll geschrieben und beleuchtet den Konzern von innen. Für Medienjournalisten ist das Magazin ein Muss und ein Genuss. Wer das Heft gut studiert, erfährt Neuigkeiten, die sonst nirgendwo stehen. Im  letzten «Domo» wurde zum Beispiel die bisher einzige offizielle Zahl zu Blick TV genannt.

Das «Domo» erscheint dreimal im Jahr. Die zweite Ausgabe hätte Mitte Juli erscheinen müssen. Zackbum fragte im August nach. Damals hiess es, die Ausgabe werde geschoben. Die nächste Ausgabe würde aber noch in diesem Monat erscheinen, also im Monat August. Jetzt haben wir September. Wann kommt das nächste «Domo»? Kommt es überhaupt noch?

Die Medienstelle will sich diesmal nicht auf die Äste wagen: «Die jeweiligen Erscheinungsdaten sind nicht fix und obliegen der Entscheidung von Ringier – um eine «Verspätung» handelt es sich hier also nicht.»

Ich weiss nicht recht. Das hört sich gar nicht gut an.

Arbeitslosengeld: Tamedia 4,2 Millionen, Blick und NZZ nichts


Wie die Grossverlage mit der Coronakrise und mit der Kurzarbeit umgehen. Eine Exklusivumfrage von ZACKBUM.ch fördert Erstaunliches ans Tageslicht.

Allein im Kanton Zürich wurde während des Corona-Lockdowns im April und Mai für gut einen Drittel der Arbeitnehmer Kurzarbeit beantragt. Mit dieser Kurzarbeitsentschädigung sollte die Arbeitslosenversicherung einen Teil der Lohnkosten übernehmen. Damit soll verhindert werden, dass infolge kurzfristiger und unvermeidbarer Arbeitsausfälle Kündigungen ausgesprochen werden. Wie sieht die Lage bald sechs Monate später in der Medienbranche aus? Gibt es Missbräuche? Werden viele Angestellte trotzdem entlassen?

Tamedia verlängert Kurzarbeit bis Ende November

Das einzige börsenkotierte Medienunternehmen der Schweiz, die TX Group mit dem Tamedia– und dem 20-Minuten-Zweig, nutzt die Möglichkeit der Kurzarbeit am extensivsten aus. Laut einer Sprecherin «befindet sich Tamedia seit April 2020 in Kurzarbeit – anfangs die gesamte Belegschaft, mittlerweile sind es rund 50 Prozent der Mitarbeitenden – also die ganze Tamedia, inkl. Druckzentren.»
Man habe «aufgrund der nach wie vor unsicheren konjunkturellen Lage, insbesondere im Werbemarkt, eine Verlängerung bis vorerst Ende November 2020 beantragt«. Dazu erfolge eine laufende Neubeurteilung mit dem Ziel, «so rasch wie möglich wieder in den Normalbetrieb zurückkehren zu können». Die Sprecherin betont, die Kurzarbeit stehe im Zusammenhang mit den enormen wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19. Und: «Die Medienbranche befindet sich jedoch bereits seit längerem in einem anhaltenden strukturellen Wandel, die Werbeeinnahmen sind seit Jahren rückläufig und es ist davon auszugehen, dass sich der negative Trend fortsetzen wird.»
Immerhin: Tamedia bezahlt allen Angestellten trotz Kurzarbeit den vollen Lohnausgleich. Tamedia erhielt bis Ende Juni eine Kurzarbeitsentschädigung von 4,2 Millionen Franken, wie es auf Anfrage heisst.

«20Minuten»: Völlig offen, wann der Normalbetrieb kommt
Bei «20Minuten», welche innerhalb der TX Group eine wirtschaftlich eigenständige Einheit darstellt,  sieht die Situation ähnlich aus. Laut Sprecherin Eliane Loum wurde von Ende März bis Ende August insgesamt rund 25 Prozent Kurzarbeit geleistet. «Anfangs waren alle Mitarbeitenden in Kurzarbeit, mittlerweile konnten einzelne Abteilungen aus der Kurzarbeit herausgelöst oder diese reduziert werden«, so Loum. «Wir gehen davon aus, dass wir bis Ende November noch rund 20 Prozent Kurzarbeit leisten werden. Derzeit ist noch völlig offen, ob wir auf Anfang Dezember alle wieder zum Normalbetrieb zurückkehren können oder ob wir einen Antrag auf Verlängerung der Kurzarbeit stellen werden. Das ist abhängig von der Entwicklung des Werbemarktes.» Bezogen hat «20Minuten» bis Ende August eine Million Franken via Kurzarbeitsausgleich. Und wie schaut «20Minuten», dass die bewilligte Kurzarbeit nicht überschritten wird? Man habe während der Krise insbesondere die Zeitung stark reduziert, teilweise sei sie noch immer reduziert. «So haben wir beispielsweise während 4 Monaten auf die Publikation der Regionalausgaben verzichtet, da regionale Kultur- und Sportveranstaltungen fast vollständig abgesagt wurden. Die dort bei den Journalistinnen und Journalisten frei werdenden Ressourcen konnten anders eingesetzt werden.» Dass «20Minuten» bald nur noch online erscheinen könnte, verneint Loum vehement.

CH Media mit 1200 Mitarbeitern in Kurzarbeit
Bei CH Media, dem Zusammenschluss der Zeitungen der AZ Medien und der NZZ-Landzeitungen, arbeiteten von April bis Ende August «ungefähr 60 Prozent der rund 2000 Mitarbeitenden in unterschiedlicher Ausprägung Kurzarbeit», wie eine Mitarbeiterin der Unternehmenskommunikation mitteilt. Die Differenz zum 100%-Lohn wurde immer ausgeglichen. Seit 1. September werde für CH Media als ganzes Unternehmen keine Kurzarbeit mehr beantragt. «Punktuell kann es nach wie vor Bereichsabteilungen oder Gesellschaften geben, wo Kurzarbeit beantragt wird», so die Sprecherin.  Wieviel Geld CH Media bezogen hat bisher via Kurzarbeitsausgleich, will man aber nicht sagen. Und wie kann CH Media sicherstellen, dass die bewilligte Kurzarbeit nicht überschritten wird? – «Es wird immer die tatsächlich geleistete Arbeitszeit erfasst, somit wird nur die Differenz von Sollpensum zum tatsächlich geleisteten Pensum als Kurzarbeit beantragt.» Entlassen wurden im laufenden Jahr «etwa 10 Mitarbeitenden im Rahmen von Reorganisationen für die Zusammenführung des Joint Ventures CH Media».

Watson ohne Einschränkungen
Nie ein Thema war Kurzarbeit beim Online-Portal «Watson», wie es auf Anfrage heisst. «Watson» gehört zur AZ-Mediengruppe, ist also nicht ins CH Media-Konstrukt übernommen worden. A propos online. Das Magazin Nau.ch wurde ja vom Konkurrenz-Produkt Republik.ch rau angegangen. Die Vorwürfe: Man trickse bei der Kurzarbeit und fordere die Mitarbeitenden auf, trotzdem mehr als erlaubt zu arbeiten. Chefredaktor Micha Zbinden zum Thema Kurzarbeit: «Die Kurzarbeit bei Nau.ch ist längst beendet und wir sehen in der aktuellen Lage auch keine Gründe, von dieser erneut Gebrauch zu machen. Interne Zahlen können wir Ihnen aus Datenschutzgründen nicht bekanntgeben», so der ehemalige Blick-Sportchefreporter.  Und die Anwürfe der «Republik»? Zbinden holt aus, will das aber nicht zitiert haben. Nur so viel: Die Geschichte werde noch ein Nachspiel haben.

Republik reagiert zweimal nicht
Die Republik reagiert als einziges angefragtes Medium nicht auf die ZACKBUM-Recherche, auch nicht aufs zweite E-Mail. Erst nach telefonischem Nachhaken heisst es, man habe a) nie Kurzarbeit beantragt und b) niemanden wegen der Corona-Krise entlassen. Weil die Republik keine Werbung schaltet und mehr oder weniger von den aktuell über 20000 Abonnentinnen und Abonnenten lebt, sind die Antworten plausibel.

Blickgruppe ohne Kurzarbeit…
Wie sieht es denn bei Ringier aus? Johanna Walser, Head of Public Relation, dazu: «Es gab vereinzelt Kurzarbeit im Mai und Juni. In der gesamten BLICK-Gruppe gab es aber zu keinem Zeitpunkt Kurzarbeit.»  Bei Radio Energy wurde im Mai und Juni ebenfalls Kurzarbeit angeordnet, allerdings nicht für  die Redaktion und den Programmbereich. Beim Betriebszweig RASCH (u.a. Beobachter, Bilanz, Glückspost, SI) gab es ebenfalls vereinzelt Kurzarbeit im Mai und Juni – auch in den Redaktionen. Aber: Die Differenz zum Lohn wurde überall ausgeglichen. Ab 1. September gibt es laut Walser für die Redaktionen keine Gesuche um Kurzarbeit mehr. Wieviel Ringier bisher via Kurzarbeitsausgleich bezogen hat, will Walser – im Gegensatz zur TX Group  – nicht sagen.

… Ringier aber mit Entlassungen
Beim Ringier-Konzern wurden 2020 (u.a. wegen der Corona-Krise)  bei L´illustre 8 Stellen abgebaut, darunter 4 Entlassungen.  Bei RASCH wurden wegen der Einstellung des Modemagazin Style, wegen der Auslagerung von Bolero sowie der Zusammenführung der Redaktionen von Schweizer Illustrierte und SI 31 Stellen abgebaut. Dies die Angaben von Johanna Walser.

NZZ: Keine Lohneinbussen, aber düstere Wolken
Bleibt von den Grossverlagen die NZZ. Auf Anfrage erklärt Seta Thakur, Leiterin Unternehmenskommunikation, dass «derzeit niemand bei der NZZ-Mediengruppe in Kurzarbeit arbeitet. Sie wurde per Ende Juni aufgehoben.» Die Löhne der Mitarbeitenden, die von April bis Juni in Kurzarbeit waren, seien vollständig ausgezahlt worden. «Es erfolgten keine Lohneinbussen», so Thakur. Die Kurzarbeit sei in denjenigen Bereichen eingeführt worden, wo sich pandemiebedingte Arbeitsausfälle ergaben. «Die Aufhebung der Kurzarbeit gilt in unserem Unternehmen bis auf weiteres. Je nachdem, wie sich die Lage in den nächsten Monaten entwickelt, müssen wir uns vorbehalten, wiederum eine Senkung einzelner Pensen in Betracht zu ziehen.»
Sie verweist punkto geplantem Stellenabbau auf eine Medienmitteilung vom Juni. Dort heisst es: «Die NZZ-Mediengruppe plant eine Kostensenkung von knapp 10 Prozent bzw. rund 13 Mio. Franken. Im gesamten Massnahmenpaket enthalten ist auch ein Stellenabbau von unter 5 Prozent, der teilweise durch natürliche Fluktuation abgefedert werden kann. Vereinzelt wird es auch Entlassungen geben.»

Kleinere Verlage mit Schliessungen
Wie sieht es bei kleineren Verlagen aus? Aufgefallen ist zum Beispiel das aufgelöste Wochenblatt «RhoneZeitung». Die Gratiszeitung wurde aus wirtschaftlichen Gründen definitiv eingestellt, nachdem sie zuvor im März vorübergehend sistiert wurde. «Allein mit Werbung lässt sich die RZ nicht mehr finanzieren», wird Matthias Bärenfaller, Leitung Medien Mengis Media, in einem Artikel auf rro.ch zitiert.
Im Medientalk auf SRF 4 sagte Bernhard Rentsch (CR Bieler Tagblatt) zudem, es sei schwierig, als kleine Abozeitung die Balance zu finden zwischen kleinen Umfängen – bedingt durch den Inserateschwund –  und den Ansprüchen der Abonnenten gerecht zu werden. Ein Problem, das aber auch Grossverlage wie Tamedia und die NZZ haben. Der Abopreis steigt, der Umfang nimmt ab.