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Keule Kurzarbeit: falsch abgebogen

Wenn Medien an mehr als einem Staatstropf hängen, wird’s ganz düster.

Mit lautem Gejammer und Gequengel, mit der Verwandlung in sehr obrigkeitshörige Verlautbarungsorgane kassieren die Schweizer Medien immer mehr Staatsknete. In Form von Subventionierung – und in Form von Kurzarbeitsunterstützung.

Wieso beispielsweise der Gebührenfunk SRG nebst obligatorischen Abgaben auch noch Kurzarbeitsgelder erhält, gehört zu den befremdlicheren Massnahmen im Kampf gegen die Pandemie. Natürlich bekommen auch die grossen privaten Medienkonzerne Kurzarbeitsgelder.

So mutig sie sonst immer für Transparenz in allen Lebenslagen sind; ausser ZACKBUM hat sich kein anderes Medium gross dafür interessiert, wer wie viel und warum abkassiert. Bei aller Konkurrenz zwischen den überlebenden Vier, weder das Wanner-Imperium, noch Tamedia, weder Ringier noch NZZ haben grosse Lust, auf diesem Gebiet dem anderen an den Karren zu fahren.

Wie geht das mit Kurzarbeit im Journalismus?

Denn gerade im Journalismus ist Kurzarbeit so eine Sache. Das Prinzip ist zwar klar. Wenn ein mit einem Pensum von 40 Wochenstunden angestellter Redaktor auf 80 Prozent Kurzarbeit runtergestuhlt wird, muss er nach 5 Arbeitsstunden den Griffel fallen lassen und nach Hause gehen.

Das mag in der Erbsenzählerei und anderen eher eintönigen Berufen kein Problem darstellen. Wobei natürlich überall die latente Gefahr lauert, dass der Arbeitgeber mit seinem Mitarbeiter eine bilaterale Vereinbarung trifft. Offiziell ist nach 5 Stunden Schluss, inoffiziell wird ganz normal weitergearbeitet. Das ist reiner Beschiss und strafbar. Aber wie nachweisbar?

Im Journalismus kommt noch erschwerend hinzu, dass normalerweise kein Stückgut abgeliefert wird. Es ist vielfach unvorhersehbar, wann eine Recherche zum Abschluss kommt. Es ist kaum vorstellbar, dass der Redaktor fast am Ziel ist, auf die Uhr schaut und sagt: oh, blöd, bin schon fünf Minuten über meinem Pensum, da geht’s dann erst nächste Woche weiter.

Andererseits ist es in der so klatschsüchtigen Branche fast unmöglich, flächendeckend solche Betrugsmodelle durchzuziehen. Wie genau allerdings die Abgrenzung zwischen erlaubter Arbeitszeit und zumindest einer Grauzone funktioniert, nun ja. Deshalb sind auch die Fälle eher selten, dass ein Medium einem anderen in die Suppe spucken will und es die Konkurrenz mit Missbrauchsvorwürfen attackiert.

Wenn es einen Flop zu landen gilt, ist die «Republik» zur Stelle

Die Ausnahme von der Regel ist natürlich die «Republik». Die pinkelte in einer ihrer grossen «Recherchen» das Newsportal nau.ch an. Das war im Juli 2020, das Verleumdungsportal unterstellte dem ganz nach vorne vorstossenden neuen News-Portal, es habe zu «mutmasslich unerlaubte Handlungen motiviert». Was man halt so schreibt, damit der Hausanwalt zwar mit dem Kopf wackelt, die – Überraschung – nur durch anonyme Denunzianten belegte Behauptung aber durchwinkt. Die «Republik» warf nau.ch vor, dass es seine Mitarbeiter dazu «motivierte», als Komplizen bei einem Beschiss bezüglich Kurzarbeit mitzumachen. Aber, sonst wär’s ja nicht die «Republik», auch dieser «Skandal» implodierte. Verröchelte. Wie immer erwiesen sich die Behauptungen ehemaliger Mitarbeiter, die nicht friedlich geschieden waren, als völlig haltlos. Wieso es den Verlegern der «Republik» noch nicht aufgefallen ist, dass bis heute alle, ausnahmslos alle dieser «Skandale» implodierten? Niemals mehr als ein weiterer verzweifelter Versuch waren, nach Aufmerksamkeit zu gieren, um dann auf das schnelle Vergessen zu hoffen?

Jetzt auch noch «Inside Paradeplatz»?

Überraschenderweise macht neuerdings auch «Inside Paradeplatz» bei diesem Dreckwerfen mit. Ein noch nie in Erscheinung getretener Lukas Elser, Redaktor bei den «Zürcher Oberland Medien», packt den Zweihänder gegen «20 Minuten» aus:

«Die Medienriesen machen gerne die Hand auf, wenn es um staatliche Subventionen geht. Dabei ist zweifelhaft, ob man sich in Sachen Kurzarbeit korrekt verhält.»

Eher peinlich ist dann, dass Elser nicht so sicher ist, mit welcher Prozentzahl da Aktionariat wann einer Dividendenausschüttung zugestimmt habe. Schon kurz nach Publikation dieses Sammelsuriums von Behauptungen, Unterstellungen und Andeutungen musste IP nach kräftigem Räuspern des Geschäftsführeres von «20 Minuten» recht Federn lassen und die meisten der Behauptungen abtemperieren, korrigieren oder windelweich umformulieren.

In schlechtester «Republik»-Manier arbeitet auch Elser mit einem «Insider»: «Die erlaubte Arbeitszeit wurde regelmässig überschritten. Zahlreiche Teams arbeiteten deutlich mehr, teilweise 100 Prozent oder sogar darüber, weil Corona Stoff zuhauf lieferte», behauptet der. Was halt eine anonyme Quelle so plappert. Nicht nachprüfbar, aber mal rufschädigend. In solchen Fällen könnte es ungemein helfen, einen Verantwortlichen um Stellung zu bitten. Das unterlässt der wohl noch die Grundlagen des Artikelschreibens üben müssende Redaktor wohlweisslich. Er gibt Marcel Kohler zwar Gelegenheit, ein dem in den Mund gelegtes Quote zu bestreiten.

Thesenjournalismus mit Scheuklappen

Aber der Geschäftsführer von «20 Minuten» hätte sicher auch gerne einiges Weitere richtiggestellt – wenn das dem Thesenjournalismus von Elser nicht um Wege gestanden wäre. Deshalb geben wir Kohler hier gerne Gelegenheit, auf unsere Fragen zu replizieren.

«Der Artikel, der heute auf Inside Paradeplatz publiziert wurde, enthält offensichtliche Fehler.

Im Jahr 2020 (April bis Dezember) hat das Unternehmen insgesamt, also Verlag und Redaktion zusammen, rund 20 Prozent Kurzarbeitsentschädigung bezogen. Die Redaktion lag durchschnittlich deutlich tiefer, weil es aufgrund von Corona ein hohes Informationsbedürfnis bei unseren Nutzer*innen gab. Die Kurzarbeit wurde gestaffelt organisiert, dh. es gab einen prozentual höheren Anteil Kurzarbeit im Verlag sowie bei den Ressorts, bei denen es aufgrund der Corona-Massnahmen weniger zu berichten gab, wie beispielsweise den Lokalressorts oder bei der Eventberichterstattung. Während der ganzen Phase der Kurzarbeit hat 20 Minuten den Lohn aller Mitarbeitenden auf 100 Prozent ausgeglichen.»

Damit wäre der Mist geführt. Es kommt noch hinzu, dass es sicherlich nicht gelungen wäre, flächendeckend bei der Kurzarbeit zu bescheissen. Der nächste im Unfrieden gegangene Redaktor würde dann das Gleiche herumtrompeten wie dieser anonyme Denunziant. Nur wäre das dann auch belegbar.

Richtig schmutzig wird aber das Geschäft von Elser mit dieser Fiesigkeit: «Als die «Republik» im Sommer über Kurzarbeits-Verletzungen beim Nachrichtenportal Nau.ch berichtet habe, sei bei den Verantwortlichen von 20 Minuten Nervosität ausgebrochen», soll der «Insider» behauptet haben.

Mit Scheuklappen und Untergriffen

Wenn Elser ihn nicht erfunden hat, mag das so sein. Allerdings wäre es redlich gewesen, wenn Elser darauf hingewiesen hätte, dass die «Republik» damals, genau wie Elser, lediglich anonyme Denunziationen kolportiert hatte, keinesfalls über laut Elser «Kurzarbeits-Verletzungen berichtete». Denn es gab sie nicht.

Aber Elser will nicht lockerlassen: «Der Fall von Nau.ch soll derweil vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) untersucht worden sein.» Das ist nun wieder echter Schweinejournalismus, leider ausserhalb der «Republik» und auf IP. Der widerliche Gebrauch des Modalverbs «soll», die Behauptung einer Untersuchung, die als Indiz für unrechtmässiges Verhalten dienen soll. Ob sie stattgefunden hat oder nicht, ist nicht bekannt.

Bekannt wäre aber geworden, wenn das Seco tatsächlich auf Missstände gestossen wäre. In einem anständigen Journalismus ginge so etwas nicht. Das ist Schmiere; das ist wie: Ein «Insider» wirft Lukas Hässig vor, dass der beschissen haben soll. Anscheinend habe sogar das Seco eine Untersuchung durchgeführt. Resultat noch offen, aber wo Rauch ist, ist sicher auch Feuer.

Was Elser dazu motiviert hat, diese unbelegten Verleumdungen rauszupusten, der Gerechtigkeit halber noch ergänzt mit einem ähnlichen Anwurf Richtung Ringier? Man weiss es nicht, man will es angesichts dieser kläglichen Leistung auch gar nicht wissen.

Aber lieber Lukas Hässig, lass dir von solchen Tieffliegern nicht das Renommee deiner Plattform beschädigen. Dafür hast du zu lange und zu hart gearbeitet.

 

 

Hilfe, mein Papagei onaniert VIII

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch. Heute: weniger Kontrolle, mehr Stuss.

 

Fragen hat der Tagi …

Ein Astronaut, ein Raumfahrtkenner. Mehr braucht es nicht, um einen Raketenabsturz zu erklären. Besonders gespannt ist der Laie auf die Beantwortung der Frage, was denn ein «missglückter Raketenabsturz» sein mag. Aber noch wichtiger: was ist dann ein geglückter Absturz?

 

Echter Nutzwert mit «Blick»

Die einzige Zeitung mit Regenrohr im Titel ging der Frage nach, wie gespart werden kann. Reporter und Wirtschaftsspezialist Marc Iseli recherchierte gnadenlos. Fand aber heraus, dass er nichts herausfand. Nun gäbe es drei Möglichkeiten. Die Story wird gespült, war nix. Iseli wird nochmal losgeschickt. Oder aber, Variante drei:

Problem gelöst. Passt der Artikel nicht zum Titel, muss einer von beiden weichen. Artikel umfangreich und schwierig, Titel leicht und einfach. Klare Sache.

Auch die NZZ …

Das Blatt der tiefen Nachdenke und der zurückhaltenden Sprache, das gerne ein Erdbeben als tektonische Verwerfung bezeichnen möchte, wird doch langsam lockerer im Gelenk. Und schreibt über die Verwendung des «N-Worts» in den USA: «Wer als Weisser «Nigger» sagt, ist erledigt.» In der schwarzen Hip-Hop-Szene werde das «explosivste Wort Amerikas» aber «geradezu obsessiv» verwendet. Was soll da der arme «Black lives matter»-Unterstützer in der Schweiz damit anfangen? Der hat «Nigger» gesagt, dieser Rassist, Unmensch, Hetzer. Oh, es handelt sich um einen schwarzen Hip-Hop-Performer? Ähm, dann ist es eine offensive Aneignung, um ein Schimpfwort zu entwaffnen. Oder so.

Rechtzeitig zum Muttertag macht sich die NZZ für diesen Begriff stark. Muss sie das? Aber sicher, denn wenn der Sprachreinigungswahnsinn endemisch wird, dann ist nichts mehr vor ihm sicher. Nicht mal Mama.

 

Sprachschule mit «20 Minuten»

Die gute Nachricht ist: Dieser Donnerstag war doch eher ereignisarm. Abgesehen davon, dass «exklusive Nacktfotos» geleakt wurden. Immerhin waren es diesmal keine Geschäftsgeheimnisse. Und die Bestohlene reagiert auch cool:

Zumindest ZACKBUM lernt ein neues Wort, das wir aber auch gleich wieder vergessen wollen.

Hier die neuste Fortsetzung bei «watson»

Nach all den Serien mit «-Porn» am Schluss, ist man hierfür natürlich dankbar:

So cute das auch sein mag (schnell Hand hoch: wer versteht den Begriff? Aha, und wie viele verstehen ihn, wenn wir uns den «watson»-Leser vorstellen? Aha), was ist hier schon wieder der Newswert? Der Nutzwert? Überhaupt ein Wert? Ach so, «watson» ist gratis, stimmt.

Nach «watson» kann nur noch die «Republik» kommen

Wir sind ja verständig und geben eins ums andere Mal zu, dass 50 Nasen und 6 Kisten im Jahr viel zu knapp dafür sind, jeden Tag wie versprochen drei Artikel rauszuhauen. Oder wenn, dann kann das natürlich nicht alles die Redaktion leisten. Glücklicherweise gibt es genügend Gastautoren, die gerne in die klaffenden Lücken springen.

Hier sehen wir ein idealtypisches Zusammentreffen für das Online-Magazin. Das rasend spannende Thema «Muttertag». Das einen jedes Jahr aufs Neue aus dem Hinterhalt anspringt. Ein Gastautor (rechts unten im Bild), der nostalgisch 50 Jahre zurückgeht (als das Frauenstimmrecht endlich eingeführt wurde!). Das nennt man dann «persönlicher Essay». Persönlich mag’s ja sein, aber Essay? Die Bemerkung «heiss heute», bezeichnet man wohl auch nicht als meteorologische Analyse.

Aber völlig unakzeptabel ist: Der Schreibende, also der/die/das Autor*In** ist ein Mann. Roland Jurczok ist sein Name, er soll «zu den Spoken-Word-Pionieren der Schweiz» gehören. Schon wieder ein literarischer Muskel, der ZACKBUM völlig entgangen ist. Bislang. Was wir aber weiterhin so halten wollen. Denn für das Lesen einer schnarchlangweiligen Beschreibung eines Besuchs bei Mama ist das Leben eigentlich zu kurz. Obwohl der Essay mit 13’561 Anschlägen geradezu ein Kurzsprint ist.

Hilfe, mein Papagei onaniert VI

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch. Heute ausschliesslich Berichte aus dem Unterholz.

 

Der «Blick» geht auf den Strich

Also in seinem neuen Logo, versteht sich. Das schreibende Regenrohr fängt in seiner Traufe jeden Tropfen auf, der sich noch aus dem Fall Tschanun rausquetschen lässt.

Und läuft und läuft und läuft …

Seit wir das letzte Mal reingeschaut haben, hat das Blatt der tiefergelegten Bespassung ganze 13 Artikel nachgelegt. «Sie verliebten sich beim Latino-Tanz!», der Augenzeuge des tödlichen Velounfalls. Die IV-Rente. Die drohende Verfilmung seines Lebens, die Angst davor, dass er deswegen nochmal ausrasten könnte.

Selbst seine Kochkünste bleiben nicht unerwähnt. Was wir noch vermissen: Hatte er regelmässigen Stuhlgang? Gibt es ärztliche Unterlagen über den Zustand seiner Prostata? Nahm er Medikamente, wenn ja, welche? War da auch Viagra darunter?

Haltet Euch ran, Ihr Strichmännchen vom «Blick»

Die Strichmännchen bei «Blick» sollten wissen: Es gibt noch viel zu tun. Packt’s an, das Feld ist noch fast jungfräulich und unbeackert. Gilt natürlich neuerdings auch für Strichfrauchen (darf man das?). Oder, Ihr erholt Euch endlich mal davon, dass Michèle Binswanger vom «Tages-Anzeiger» Euch gezeigt hat, wie man eine Story richtig auserzählt.

Neid ist völlig unangebracht; die meisten anderen weiblichen Mitarbeiter dort betreiben lieber Nabelschau und möchten die Welt nur darüber informieren, welche neuen Leiden sie gerade an und in sich entdeckt haben.

Wats-off

Eigentlich wollte ich hier die schrägsten Sumpfblasen beim Tauchgang in die Niederungen des Journalismus darbieten, und dafür – bei diesem allgemeinen Niveau – muss man sehr, sehr tief unter null gehen.

Aber mit einigen gezielten Schlägen unter die Gürtellinie zwang mich «watson», schnell wieder nach oben zu schwimmen, um nach Luft zu schnappen.

Das konnte ich noch mit Atemtechnik wegstecken.

Bei den folgenden Schlägen wurde es dann immer schwieriger:

Hier verlor ich kurzzeitig die Atemkontrolle.

Wenn man nicht lesen kann, liest man so.

Philipp Loepfe ist immer gerne mit News von gestern schon morgen zur Hand.

Auch die Infantilisierung ist noch nicht bis zur Neige ausgeschöpft. Dazu ZACKBUM so

Die gekaufte «Republik»

Jubel- und Warnschreie zugleich stiess die «Republik» aus, weil es ihr gelungen sei, viel weniger Leser als auch schon zu verlieren und viel mehr bei der Stange zu behalten. Aber das könne sich dann auch wieder ändern, im Fall.

Auf jeden Fall arbeitet die «Republik» kräftig dran. Wir wollen uns natürlich nicht immer als leuchtendes Vorbild hinstellen (wieso eigentlich nicht?), aber rein quantitativ war der Ausstoss des Magazins in den letzten 7 Tagen sehr überschaubar. 26 Schriftwerke insgesamt. Wenn man Beigemüse und «Nachrichtenbriefings» (obwohl die auch schon mal über 16’000 Anschläge umfassen) und Inhaltsangaben weglässt, schrumpfen die auf 10 richtige Werke zusammen.

Das längste Stück widmet sich mal wieder dem Thema: Ist doch schon mehrfach in die Hose gegangen, wieso nicht nochmal? Eine eher bittere Niederlage musste die «Republik» bei ihrer Anklage gegen die ETH einstecken. Trotz zäher Gegenwehr und beachtlichem Geldverschleiss konnte sie mal wieder die meisten Anschuldigungen nicht halten. Weil anonym.

Aber auch Rache beginnt mit einem R. Also streut sie mal wieder rund 50’000 Anschläge über die «Eidgenössische Toxische Hochschule». Sie konnte einen internen Untersuchungsbericht ergattern, und den schlachtet sie aus. Garniert mit ausschliesslich anonymem Beiwerk, what else.

Düster, nass, drohend: Tatort ETH.

Oder doch nicht? Die schläfrigen Augen erblicken doch tatsächlich irgendwo mitten im Machwerk den Anfang eines Absatzes. «Als Anton Müller 2012 sein Büro auf dem Hönggerberg bezog, kam er nicht mehr aus dem Staunen heraus.» Der Leser wird schlagartig wach. Echt jetzt, ein realer Zeuge? Zwar nicht ganz taufrisch, aber man kann wohl nicht alles haben.

Natürlich folgt die grausame Enttäuschung auf dem Fuss: «Anton Müller, der in Wirklichkeit anders heisst …» Ich tue ja fast alles im Dienste meiner Leser, aber hier bin ich ausgestiegen.

Gekauft, gekauft, gekauft

Obwohl ja bekanntlich 50 Nasen weit über eine Million Franken Gehälter pro Jahr verbraten, fällt noch etwas auf. «Haydn im Plattenbau», hört sich interessant an, ist aber ein eingekauftes Essay. Thema «Suizid», immer wieder gern genommen, hier von einem freien Journalisten. Neues von der Flüchtlingskrise im Mittelmeer – eingekauft. Reportage über die Corona-Bekämpfung in Taiwan: eingekauft. Zudem, sorry: «Lernen von den Besten» heisst das Stück; was sagt dazu der Autor von «Von Laos lernen, heisst impfen lernen»?  Ein Anruf genügt, er sagt:

Das können wir leider nicht übersetzen.

Bleiben also noch ein halbes Dutzend eigener Werke. Die Wochenleistung von vielen, vielen Sesselfurzern im «Rothaus» – oder im Homeoffice. Sonst noch was Nennenswertes? Kann man so oder so sehen, die schreibende Schmachtlocke hat mal wieder zugeschlagen – und unter Beweis gestellt, dass viel Meinung, beruhend auf viel Gesinnung, ergänzt mit ganz, ganz wenig Wissen, eine sehr unbekömmlich Mischung ergibt.

Glücklicherweise muss man auch hier nicht weiterlesen, nach diesem Einstieg Daniel Binswangers: «US-Präsident Joe Biden will Gewinne globaler Konzerne weltweit zum gleichen Satz versteuern.

Für das parasitäre Schweizer Dumping­modell dürfte das einschneidende Konsequenzen haben.»

Der erste Satz enthält noch Spurenelemente der Realität. So etwas hat Biden tatsächlich angekündigt. Im Wissen darum, dass das niemals geschehen wird. Und mit der Absicht, vom Steuerhinterzieherparadies Nummer eins, vom Betreiber der weltweit grössten Geldwaschmaschinen, vom mit Milliarden von Drogengeldern verseuchten Wirtschaftsleben abzulenken. Also von den USA. Damit ergibt sich dann auch das mit dem parasitären Dumpingmodell der Schweiz.

Der Scheitel sitzt, der Kragen auch. Dazwischen ist nix.

Denn wem man heutzutage sichere Möglichkeiten für alle denkbaren Schweinereien im Finanzwesen aufzeigen will, dem empfiehlt man in erster Linie die USA. Dann England, Singapur. Frankreich und Deutschland sind auch nicht schlecht unterwegs bei Geldwäsche – aber sicher nicht die Schweiz. Das würde allerdings bedeuten, mal hinter der Locke vor den Augen die Wirklichkeit wahrzunehmen. Aber das mag Binswanger gar nicht.

 

Es darf gelacht werden: Werbetexte in unseren Lieblingsgazetten

Nahvergleich zwischen lang und textlästig sowie kurz und bildlastig. Wer errät’s?

Zuerst die seriöse. Die «Republik» hat mal wieder was Aussergewöhnliches geschafft. Sie hat einen so langen Newsletter verschickt, dass der Anfang schon veraltet ist, wenn man beim Schluss ankommt.

Über 10’000 Anschläge, anders geht’s einfach nicht bei dem Magazin für breitgetretenen Quark.

Für Leser mit leichtem Bildungsrucksack: Johann Wolfgang von Goethe, im West-Östlichen Divan (das kann man googeln):

«Getretner Quark wird breit, nicht stark.»

Aber wem die Hose, Pardon, das Herz voll ist: Die «Republik» kriegt sich nicht ein, dass sie weiterhin rund 28’000 zahlende Abonnenten hat. «Die Erneuerung lief weit souveräner, als die Übermütigsten unter uns vorhersagten.»

Das vermissen wir bei allen anderen Medienorgane so schmerzlich: ausführliche Darstellungen über die Zahl der Abonnenten. Aber nur übermütig kann die «Republik» nicht erscheinen. Zwar hat sie ungefähr einen gleichgrossen Ausstoss wie ZACKBUM, nur mit etwas mehr Schreibern und viel mehr Geld.
Damit das auch so bleibt, muss nach all dem Jubel wieder ein ernstes Gesicht aufgesetzt werden:

  • Das Modell sei weiterhin stark anfällig für «Schwankungen.» Wenn das doch nur auch die CS gewusst hätte.
  • Niemand wisse, wie’s nach Corona und vielleicht nachlassender Leselust weitergehe.
  • Eine der häufigsten Todesursachen für junge Unternehmen sei der «Kollaps im dritten Jahr.» Wenn das nur alle Buden gewusst hätten, die schon im ersten oder zweiten Jahr mit Entleibung drohen mussten, um weitere Millionen nachgeschmissen zu bekommen.

Wo soll’s hingehen vom Ruhebett aus?

Aber, Stillstand ist Rückschritt, die «Republik»-Schreibhelden wollen ja noch so lange wie möglich ein üppiges Gehalt für sehr mageren Output kassieren. Also was sind so die neuen Ideen?

«Wir wissen, dass wir auf keinen Fall bequem werden dürfen. Und dass wir mit aller Kraft gegen die Stagnation anwachsen müssen. Aber wir wissen noch nicht, wie genau.»

Damit sind sie immerhin wieder auf der philosophischen Höhe eines Sokrates angelangt. «Ich weiss, dass ich nichts weiss», soll der gesagt haben. Wurde aber nur vom Hörensagen überliefert. Aber reicht für die «Republik» natürlich für ein gesichertes Zitat.

 

Brutaler Wechsel in ganz andere Gefilde

Wenn ein Kindersoldat im Newsroom der Blick-Familie auf die Idee käme, einen NL mit über 10’000 Anschlägen zu schreiben, dann würde er ruhiggespritzt und vorsichtig hinausbegleitet. Würde er einen Artikel dieser Länge abgeben, bekäme er vorher noch eine Zwangsjacke verpasst.

Deshalb setzen wir hier mehr auf die Kraft des Bildes. Wir wissen ja alle, dass die strikte Trennung von Werbung und Eigenleistung einen wesentlichen Beitrag zu Glaubwürdigkeit und dem Vertrauen leistet.

Daran geht der «Blick» mit professioneller Unabhängigkeit heran.

Man kann draufklicken und liest tatsächlich einen «Testbericht». Erst im Impressum wird man aufmerksam gemacht, und wer liest das schon:

Oder auch nicht …

Aber es ist vielleicht etwas unfair, nur darauf beim «Blick» einzugehen. Er kann auch noch anders. Wenn Blocher schon so blöd ist, Blocher-TV hinzustellen, dann kann sich die Blick-Familie doch sicher bedienen.

Ein Schnipsel aus «BlocherTV». Man beachte den Kachelofen.

Auch das ist eine Variante:

 

Kleiner Test: Welcher von beiden Anrissen ist Werbung? Bravo, richtig, beide.

Aber warum so separiert und solo, geht auch anders:

 

Damit keine Unsicherheit entsteht: alles Werbung, what else.

Schliesslich fragt man sich spätestens hier, ob man nicht lieber noch mehr Werbung sehen will:

Für alle, die dachten, über Tabuthemen spricht man in der Pressekonferenz.

Würde man solche Themen in aller Öffentlichkeit besprechen, wär’s auch nicht recht. Beim Rahmenvertrag sieht man ja, wohin das führt.

Was meint denn der Leser, Pardon, die «community», zum schweineteuren, aber kaum sichtbaren Redesign? Wenn man da mit «überwiegend positiv» zusammenfassen muss, ahnt man die Reaktion. Ein Kommentar zum Redesign hat uns besonders gefallen:

«Es ist immer wieder ein Glücksfall, wenn einer meiner Kommentare veröffentlicht wird! Gefühlt werden ca. 4/5 nicht veröffentlicht! Hingegen trifft man nicht selten auf Dutzende Kommentare von Küde Zhou, Martin Arnold & Co!»

Das ist natürlich gemein, so in der «community», wenn sich das nach dem Redesign fortsetzt.

 

Erinnert sich noch jemand an unsere Serie über Claudia Blumer?

Ach, damit uns niemand Bauchnabelschau vorwirft, was sagt denn der grosse Tamedia-Konzern zur mehrteiligen und exklusiven Recherche zu Claudia Blumer? Wir fassen die Reaktion kurz zusammen:

Nein, das ist nicht von Kasimir Malewitsch. Von wem? Ach, googelt Euch doch eins.

Alte News, frisch serviert

Neben inneren Kämpfen und Untersuchungen kommt der «Tages-Anzeiger» zu nichts mehr.

Was guckst du? Hier wird nur nachgeplappert …

Die «Republik» hat einen schönen Scoop gelandet. Sie hatte das Ohr am richtigen Ort. Nämlich dort, wo Dr. André Zilch mit zwei Mitstreitern eine Sicherheitsanalyse über die Schweizer Plattform meineimpfungen.ch veröffentlichte. Am 22. März ging das online, am 23. berichtete die «Republik» gross über ein scheunentorgrosses Datenleck auf dieser Sammelseite, die daraufhin vom Netz genommen wurde.

Das nennt man einen sauberen Nachzug – per copy/paste.

Endlich hat’s die «Republik» geschafft: Chapeau; gut gemacht, schneller als alle anderen am Ball gewesen. Die nehmen ihn auf; so wie am 24. März der «Tages-Anzeiger» auf seiner Frontseite oben links: «Nach Datendebakel: Jetzt soll der Staat die Geimpften selber registrieren». Auf Seite zwei folgt der meinungsstarke Kommentar; «katastrophal schlecht geschützt», Skandal, «findige Computerfreaks» hätten sich Zugang verschafft, tobt Fabian Renz.

Die ganze Seite drei ist der Nacherzählung der Aufdeckung dieser Sicherheitslücke gewidmet. So ganz nebenbei wird unten in Spalte zwei erwähnt, dass das deutsche «Handelsblatt» und die «Republik» die «Sicherheitsmängel publik» gemacht hätten. Als hätte sich die Recherche der «Republik» auf Abschreiben und Nacherzählen beschränkt, wie es der Tagi hier tut, trotz drei Autoren.

Die IT-Lösung für meineimpfung.ch habe das gleiche Unternehmen unter Hannes Boesch entwickelt, der auch in der Stiftung sitze, die das elektronische Impfbüchlein herausgebe, ebenfalls kein durchschlagender Erfolg. Darauf hatte die «Republik» schon im Januar hingewiesen.

Konkurrenz war schneller? Melden wir wie Korrekturen ganz klein

Früher gehörte es zu Benimm und Anstand im Journalismus, zwar mit den Zähnen zu knirschen, wenn einem Mitbewerber ein Primeur gelang, der Chefredaktor war dann mindestens einen Tag lang sehr reizbar und löcherte seine Journalisten ständig mit der Frage: «Und, ihr Pfeifen, was haben wir als Nachzug?»

Aber niemand wäre auf die Idee gekommen, die Konkurrenz einfach so weit wie möglich totzuschweigen. Wir weisen warnend darauf hin: Die «Republik» ist offensichtlich weiblich. Liebe Tagi-Protestierfrauen, übernehmt diesen Fall, das ist noch schlimmer als bei Euch! Ich bitte Claudia Blumer ausdrücklich, ihre Untersuchungen auf diesen Fall auszuweiten.

 

Hilfe, mein Papagei onaniert VI

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch.

 

Über dem Nebelmeer

Wer springt schon in eine Nebeldecke?

Hundert Tage Bewährungsfrist, das ist im schnelllebigen Internet nichts. Eine Woche «neuer Nebelspalter», Gelegenheit für eine erste Zwischenbilanz.

Allerdings der besonderen Art. Wir sind nach wie vor der Auffassung, ein neues Medium muss seinen Inhalt, schliesslich die beste Eigenwerbung und die USP, einen Monat lang gratis anbieten. Solange zahlen wir nicht.

Aber wir können ja da und dort unters Nebelmeer schauen. Was wir dort sehen, hat einen hohen Wiedererkennungswert.

Neu und überraschend ist anders

Dominik Feusi interviewt Beda Stadler. In der Musik würde man das ein Traditional nennen. Eigentlich ist nur die Einstiegsfrage neu, nachdem Stadler selber eine schwere Erkrankung überstand. «Wie geht es Ihnen?», anschliessend fällt das Bezahlbeil.

Allerdings kann man sich die Fortsetzung genau wie bei Claudia WirzChina-Strategie: Luft nach oben»), Martin A. SennDas Rahmenabkommen zeigt Deutschlands Angst vor der direkten Demokratie») oder Milusz Matuschek («Die Freiheit stirbt zentimeterweise») vorstellen.

Satire oder Humor? Da scheint der Online-Nebelspalter der Auffassung zu sein: unfreiwillig ja, freiwillig niemals:

Nach 5 Stunden gemerkt: Korrektur oder Karikatur?

Aber es gibt ja die frei zugänglichen Videos, immerhin. Gioia redet zum zweiten mal «Klartext». Über das rasend originelle Thema: «Verbieten ist für Anfänger». Überzeugen natürlich für Fortgeschrittene. Allerdings wäre sie viel überzeugender, wenn das Video nicht sehr ruckelig geschnitten wäre und sie nicht ständig aufs Manuskript starrte. So anspruchsvoll sind die Sätze auch nicht, die sie abliest.

«Drei mögliche Antwortmöglichkeiten», da wäre trotz schriftlicher Vorbereitung noch Luft nach oben.

Sichtbar ablesen tut Tamara Wernli, in dem Sinn ein Profi, nicht. Sie griff das rasend aktuelle und neue Thema «Multidiskriminierung von Frauen» auf. Sie wehrt sich am Anfang dagegen, dass ihr Show eine Satire sei. Damit hat sie recht, denn der Ratschlag, dass Frauen ja nicht mehr als zwei Minuten in der Küche verbringen sollten, um keinen Rollenklischees zu entsprechen, kann weder als Satire, noch als lustig bezeichnet werden.

Kaminzimmer-Atmosphäre, aber nichts knistert oder knattert

Schliesslich schafft es Reto Brennwald auch in seinem zweiten Herrengespräch, die knisternde Langweile des Nachtbilds einer deutschen TV-Station zu erschaffen, das ein fröhlich flackerndes Kaminfeuer zeigt.

Beim «Nebelspalter» weder knisternd, noch feurig.

Das gelang ihm schon mit Markus Somm, aber das mit Oswald Grübel zu wiederholen, ist schon ein Kunststück. Nachdem Grübel auf die «übliche Einleitungsfrage» von Brennwald, wie es ihm gehe auf einer Skala von eins bis zehn, mit einem fröhlichen «zehn» geantwortet hatte, setzte Brennwald gnadenlos nach: «Warum?»

Das brachte dann selbst einen harten Knochen wie Grübel etwas aus der Fassung. Anschliessend wollte Brennwald Ossi G. offenbar von hinten aufrollen und begann mit dessen Jugenderfahrung im Nachkriegsdeutschland, genauer in der DDR.

Das interessierte nun Grübel nicht wirklich, also leierte er die üblichen Erzählungen herunter, und Brennwald musste sich von einem weiteren Zuschauer verabschieden.

Neu, überraschend, kontradiktorisch, breites Spektrum, viel Recherche, wenig Meinung? Kann alles noch kommen. Aber nach einer Woche sieht es mehr danach aus, dass man sich nicht in einer Bubble, sondern in einer Meinungswolke gemütlich einrichten wolle, wo Selbstbestätigung, Echokammer und «haben wir schon immer gesagt, deshalb sagen wir’s nochmal» herrschen.

Guerilla-Werbung?

«Unsere Protagonisten haben am Erscheinungstag auf jeden Fall für Aufsehen gesorgt», behauptet der neue «Nebelspalter» auf «Facebook». Gefährliche Aussage. Fast 22’000 Abonnenten hat diese Seite, ganze 5 Likes hat diese Super-Werbeaktion generiert. Da schafft es sogar Gioia auf 6. Die «China-Strategie» hat klar Luft nach oben: 1 Like. Alles übrigens völlig kommentarlos.

Bedauerlich, denn immerhin stehen 12 Redaktoren, 16 ständige Mitarbeiter und 5 Mitglieder des Overhead auf der Payroll. Damit wären wir bei 33 Nasen; fehlen noch 17 bis zur «Republik». Inhaltlich gespiegelt sieht’s schon ziemlich ähnlich aus.

Der einzige kleine Lichtblick ist der fleissige Stefan Millius, aber da sind wir mehr Partei als Michèle Binswanger gegenüber Jonas Projer. Millius schreibt ab und an bei ZACKBUM.ch, ich schreibe auf «Die Ostschweiz». Aber immerhin wäre damit Transparenz geschaffen.

Vom Nebelmeer ins Seichte.

«watson» kann’s einfach

Immer, wenn man denkt, der Bodensatz sei erreicht, gräbt «watson» tiefer. «Sex oder Heuschnupfen», fragt das Online Magazin für binäre Denker. Und konfrontiert den nicht vorgewarnten Leser mit Fotos, die an Widerlichkeit kaum zu überbieten sind. Um bei jedem zu fragen: Ist das ein Gesichtsausdruck, der beim Niesen oder beim Sex entsteht? Schön, das niemand meinen beim Betrachten sieht.

Aber immerhin, «watson» hat es mit einem Beitrag geschafft, die Intelligenz seiner Leser zu beleidigen. Nämlich mit Lobhudeleien über «unsere Kultur-und-Glamour- Simone», über «unsere hochgeschätzte Simone Meier». Obwohl für den irgendwas-am-meisten-Kommentar ein Buch als Geschenk ausgelobt wird (oder gerade deswegen), gibt es bei den obersten drei nur Gemecker: «und wieder eine nicht gekennzeichnete Publireportage». – «Müssen wir uns Sorgen machen?» – «Die Eigenwerbung wird auch immer aufdringlicher auf Watson.»

Hätte ich auch nicht besser formulieren können.

Vom Seichten ins Hochkulturelle.

Präventiv gegen Anonymität

CH Media hat einen ganz eigenartigen Fall von anonymer Beschimpfung am Köcheln. In drei Akten.

  1. Akt: Im Zusammenhang mit dem schnellen Abgang des vormaligen Opernhausdirektors im Januar sei eine «Untersuchung wegen sexueller Gewalt gestanden».
  2. Das sei aussergerichtlich und mit Schweigegelöbnis erledigt worden.
  3. Nun soll es ein Schreiben des aktuellen Intendanten des Opernhauses geben, in dem die Mitarbeiter davor gewarnt werden, dass ein anonymer Opernhausangestellter anonymisiert der Sendung «Kulturplatz» ein Interview gegeben habe. Das werde nach Ostern ausgestrahlt und enthalte weitere Vorwürfe über ein Klima der Angst, der Einschüchterung und dass Opernhaus-Angestellte nicht genügend vor Machtmissbrauch geschützt würden.

Nun führt hier die Leitung des Opernhauses sozusagen einen Präventivschlag, immer laut CH Media, und will in einer absolut anonymen Meinungsumfrage testen, wie denn das Betriebsklima wirklich sei. Keine schlechte Idee. Handelt es sich bei dem anonymen Denunzianten wieder einmal um einen Windmacher, könnte ihm so der Wind aus den Segeln genommen werden.

Der Heckenschütze im Journalismus

Neben allen anderen Fehlleistungen leidet das Ansehen der Medien vor allem unter einer Narretei.

Wie mir viele Gesprächspartner bestätigt haben, befindet sich Arthur Rutishauser in einer charakterlichen Sackgasse. Ein bedeutender Manager im Medienbereich sagte ganz klar, dass er Roger Köppel niemals und nicht einmal auf seiner Longlist für einen Chefredaktorposten vorschlagen würde.

Unzählige Fallbeispiele belegen, dass sich im Newsroom des «Blick» weibliche Mitarbeiter nicht mehr alleine auf die Toilette wagen. Auf der Reaktion von «watson» soll nach mehreren, übereinstimmenden Aussagen eine konstante Videoüberwachung sämtlicher Räume, inklusive Liftkabine, installiert worden sein, nachdem sich Mitarbeiterinnen über zunehmende Zudringlichkeiten von Mitarbeitern beschwerten.

Von mindestens drei Chefredaktoren aus dem Hause Tamedia ist bekannt, dass sie sich mit Absprunggedanken tragen; einer soll bereits konkrete Gespräche mit einem anderen Verlagshaus auf höchster Ebene geführt haben.

Nur was man selbst erfindet, hat man exklusiv

Woher ich das alles weiss? Na, einfach, ich hab’s gerade erfunden. Am Arbeitsplatz heisst ein solches Verhalten Mobbing, in der Politik Intrige. Wer solche anonymen Behauptungen und Anschuldigungen in Umlauf bringt, galt früher einmal als übler Heckenschütze, der aus eigenem Bedürfnis oder ferngesteuert angeblich anonyme Quellen benutzte – oder erfand, um mit Dreck um sich zu werfen.

Heute ist das im sogenannten Qualitätsjournalismus Gang und Gebe. Nicht nur, wenn es darum geht, das Wirken oder den Stellenwechsel von Kollegen neidisch, eifersüchtig oder überhaupt übellaunig zu begleiten.

Auf anonymen Quellen werden ganze Verleumdungskampagnen aufgebaut, wie der Feldzug der «Republik» gegen den grössten Betreiber von Kitas in der Schweiz. Sämtliche Vorwürfe wurden gerichtlich oder durch eine externe Untersuchung entweder widerlegt, oder als so vage beurteilt, dass eine Überprüfung gar nicht möglich war.

Mehr als eine Existenz wurde durch das Ausschlachten von gestohlenen Unterlagen vernichtet, verniedlichend Leaks oder Papers genannt. Hierbei verwenden ganze internationale Kollektive Hehlerware, ohne die geringste Ahnung zu haben, aus welchen Motiven die Dokumente gestohlen wurden, noch, wer das getan hat. Der Fall Jean-Claude Bastos ist der traurige Höhepunkt in der Schweiz. Tamedia ritt eine Attacke auf diesen Geschäftsmann, ausschliesslich unter Verwendung von der Redaktion zugespielten gestohlenen Unterlagen.

In all diesen Fällen vermeldeten die gleichen Medien, die aus voller Kehle Skandal geschrien hatten, das klägliche Scheitern aller Strafuntersuchungen, die nicht zuletzt wegen ihnen angestossen worden waren, höchstens im Kleingedruckten.

Passt dir jemand nicht, verleumde ihn

Auch ich selbst habe diesen Verleumdungsjournalismus schon erleben müssen, als der Oberchefredaktor von Tamedia mitsamt einem Schreibknecht fast eine ganze Seite darauf verschwendete, mir ein angebliche Doppelspiel vorzuwerfen. Hierbei kam noch eine weitere Fiesigkeit zum Einsatz, die heutzutage ebenfalls zum Standardrepertoire gehört.

Mir wurde eine unzulässige Vermischung von meiner journalistischen und meiner Beratungstätigkeit vorgeworfen. Konkretisiert an zwei angeblichen Beispielen. Obwohl sowohl die angeblich um finanzielle Unterstützung angegangenen Firmen – wie auch ich – das ganz klar dementierten. Diese Dementi wurden ausgespart, stattdessen die berühmten «voneinander unabhängigen Quellen» bemüht.

Das finstere Motiv für diese Dreckelei bestand darin, dass ich die Kampagne des Oberchefredaktors aufgrund von angefütterten vertraulichen Unterlagen gegen Pierin Vincenz mehrfach kritisiert hatte. Genauso wie die Attacken seines Schreibknechts gegen Bastos.

Frage herum, und suche dir die passenden Antworten aus

Es greift ebenfalls um sich, dass zwar ab und an noch recherchiert wird und für ein Porträt beispielsweise mit verschiedenen Personen Gespräche geführt werden. Oftmals ist aber der Spin, die Ausrichtung des Porträts schon von Anfang an festgelegt. Seltener eine Lobeshymne, häufig ein Fertigmacherporträt. In ein solches passen dann natürlich keine positiven Aussagen von Gesprächspartnern; die werden einfach weggelassen.

So wie eine entsprechende ausführliche Schilderung von Roger Schawinski als Gesprächspartner von Michèle Binswanger, die in einem Artikel das angebliche Unwohlsein der Redaktion der NZZaS über die Entlassung des bisherigen Chefredaktors beschrieb. Plus Aussagen von – Überraschung – einem anonymen Headhunter, dass er Jonas Projer niemals als Kandidaten für diesen Posten vorgeschlagen hätte.

Gemauschel und Gemurmel statt Transparenz

Statt Transparenz herrschen Gemauschel und Gemurmel, dürfen Heckenschützen aus sicherer Deckung und anonym nicht überprüfbaren Dreck schleudern. Wobei die Autorin nicht mal für Transparenz sorgt, dass ihr Lebensgefährte Peter Wälty einen Machtkampf mit Jonas Projer verloren hatte und gehen musste.

Statt aus eindeutiger Befangenheit dieses Thema nicht zu bearbeiten, statt diese Hintergründe transparent zu machen, verwendete auch Binswanger ausschliesslich anonyme Quellen.

Für den naiven Leser hört sich solcher Flüsterjournalismus meist beeindruckend an. Da hat der Autor doch mit vielen Zeugen Gespräche geführt. Logisch, dass die anonym bleiben wollen, aus Angst um den Arbeitsplatz.

Wer sein Kapital verspielt, geht unter

Was aber diese Journalisten nicht bedenken: nachdem sich in so vielen Fällen herausgestellt hat, dass anonyme Aussagen oder Anschuldigungen nichts wert sind, entweder aus persönlichen Motiven erfolgen, oder schlichtweg erfunden sind, blättert jedes Mal eine weitere Schicht Glaubwürdigkeit von ihnen ab.

Dabei sind Vertrauen und Glaubwürdigkeit beim Leser das einzige Kapital, das ein Journalist hat. Wenn er das verspielt, geht er über kurz oder lang unter. Zusammen mit seinem Medium. Wenn es eine ganze Horde von Journalisten ist, wie gerade bei Tamedia, die mit ausschliesslich anonymen Vorwürfen ein angeblich strukturelles Problem herbeireden wollen, geht’s noch schneller nach unten.

Hilfe, mein Papagei onaniert V

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch.

 

Gestörter «Blick»

Leser-Blattbindung, bei diesem Begriff kriegen Medienmanager sofort glänzende Augen. Wettbewerbe, Ratgeber, die Kaffeemaschine zum Abo, die «Sonderaktion nur für «Blick»-Leser», das alles war gestern.

Heute ist «Community». Auch wenn ältere Leser das vielleicht mit Kommune übersetzen und sich schaudernd abwenden, das ist auf jeden Fall Leser-Blattbindung. He, ihr seid Teil von etwas Grösserem, und wer will das in der heutigen Vereinzelung nicht sein?

Also gibt es die «Blick»-Community. Die darf Vorschläge für Artikel machen, während die Kindersoldaten im Newsroom brav stehend applaudieren. Also gut, nicht alle stehen und nicht alle machen ein freundliches Gesicht dazu:

Verzweifelter Newsroom der «Blick»-Familie. (Screenshot blick.ch)

Immerhin, ganze drei (in Zahlen 3) wurden schon umgesetzt, darunter ein Thema, das jedem auf den Nägeln brennt: «Mit diesen Tricks gewinnst du jedes Tischfussball-Turnier». Aber nun wird’s ernst, nun wird ein relevantes Thema angepackt:

Als ob es den Tagi-Protest nicht gäbe: Muss es denn eine Frau sein?

Ein Leser hatte behauptet: «In der heutigen Welt bestimmen Persönlichkeitsstörungen wie Narzissmus und Borderline alles Tun.» Weil «Blick»-Leser nicht unbedingt per du mit Fremdwörtern sind, wollen sie darüber Aufklärung, habe eine Abstimmung der Community ergeben.

Wunderbar, die Redaktion macht sich sogleich ans Werk. Recherchieren, rumtelefonieren, Fachleute, Organisationen, Begriffserklärungen, wichtige Fragen beantworten wie: mehr Männer als Frauen? In welchem Alter? Wo ist die Grenze zwischen Boderline und Narzissmus? Was ist aus der guten alten Neurose geworden?

Ja, so wäre das früher gewesen. Heute ist es so:

1000 Buchstaben für Deine Erzählung. Hau rein!

«Hier wollen wir das Schweigen brechen», heisst es lupfig im Text. Hier wollen wir uns möglichst viel Arbeit sparen, wäre die richtige Übersetzung.

«nau.ch» als Telenovela erzählt

Neben den verfilmten Herz-Schmerz-Geschichten gibt es auch – für des Lesens Mächtige, das entsprechende Heftchenangebot. Schauen wir mal, ob «nau.ch» den Telenovela-Test besteht.

Wir fragen uns hingegen, ob nau.ch wirklich eine teure Umfrage braucht, um auf diese billige Erkenntnis zu kommen.

Wir finden, dass hier die Antwort ein klares Nein sein muss. Welcher Seestern kann schon behaupten, so tief in ein Dekolleté geblickt zu haben? Oh, Seesterne haben keine Augen. Aber vielleicht ist das Dekolleté auch nicht ganz echt. Pfui, für diesen Machospruch streicheln wir jetzt einen Igel.

Auch nau.ch beweist: Journalisten spiegeln welterschütternde Ereignisse am liebsten an sich selbst. Vor allem, wenn eine Begegnung mit zwei wichtigen Politikern das Gefühl auslöst, vom Mantel der Geschichte umweht zu werden.

Aber: Es ist nicht so, dass Nau.ch sich nur Themen von überragender Bedeutung widmet. Was passiert, wenn eine Redaktion leicht durchdreht, kann man hier sehen.

«Republik» als Telenovela

Manche könnten meinen, dass zwischen «nau.ch» und der «Republik» Welten liegen. Vor allem, was die intellektuelle Flughöhe betrifft. Schlechte Nachrichten für das Randgruppenpublikum der «Republik»: das täuscht.

Wir sind keine Corona-Skeptiker, aber diesen Ansatz haben wir nicht verstanden. Vielleicht ist die Flughöhe doch in so dünner Luft, dass wir in Schnappatmung geraten. Oder aber, das ist dem Autor passiert, der seine eigene Fähigkeit zum Klugschwätzen etwas überschätzt.

Wenn das Wort Klugschwätzen fällt, ist die schreibende Locke nicht weit. Zwei Sätze, ein Flachsinn. Es gibt ein Corona-Spektakel? Das sei nicht sehr erhebend? Für wen? So wenig Wörter, so viele Fragezeichen. Nun zeichne sich aber eine andere Zukunft ab. Anders als was? Wird das Corona-Spektakel in Zukunft erhebend? Oder hört die Schweizer Politik endlich auf die guten Ratschläge von Daniel Binswanger? Früher schon brauchte es Sachkundige, um die dunklen Prophezeiungen der Seher zu interpretieren und zu übersetzen. Wer erledigt das für Binswanger?

Aber genug der Kolumnen, hier geht’s zur Sache. Gleich sechs Schreib- und Zeichen-Riesen der «Republik» kümmern sich präventiv um den «Nebelspalter». Alle auch mit seherischen Gaben ausgerüstet, denn es gibt ihn noch gar nicht neu. Macht nix, während man noch beim Namen der Autorin «Martha Monster» die Augen nach oben rollt, erzittert man bei Constantin Seibt. Zu recht, dieser Hirnspalter hat 55’525 Anschläge. Die Lesezeit betrage locker ein halbes Stündchen. Wir geben zu: da ist uns unsere Lebenszeit zu wertvoll.

Ausserdem: Für uns ist seriöser Journalismus, über etwas zu schreiben, das es schon gibt. Dann weiss man, worüber man schreibt. Aber das hat die «Republik» nicht nötig.

Mit diesem Höhenflug, nur knapp 9000 Anschläge, überrascht uns Olivia Kühni. Sie litt ja selber jahrelang, aber stumm unter diesen Zuständen bei Tamedia, von denen sie heute schaudernd sagt: «Diese Kultur ist toxisch, oft sexistisch, für viele Menschen darin soul crushing. Sie ist vor allem auch, und das ist die Ironie am Ganzen: geschäftsschädigend.»

Aber sie will, als ehemalige Wirtschaftsredaktorin (daher «soul crushing», you know), auch Optimismus versprühen: «Eigentlich birgt eine solche Disruption immer auch Chancen. Beispielsweise für den Versuch, Journalismus nicht mehr nur als wenig geschätztes Neben­produkt der Werbe­wirtschaft zu verstehen, sondern als Haupt­aufgabe – und die Leserinnen entsprechend als wichtigste, einzige Kunden.» Disruption? Das unbelegte Gewäffel einiger Journalistinnen, die sich damit einen Kündigungsschutz verschaffen wollen?

Das war ein Querschnitt durch das Schaffen der «Republik» (50 Nasen, Budget 6 Millionen) einer Woche. Der Gesamtoutput war zwar länger, aber nicht grösser als der von ZACKBUM.ch (Budget 0, Kosten für die Kunden 0).

Auch die NZZaS hat ein Frauenproblem

Aline Wanner legt neben Felix E. Müller das Niveau der Medienkritik im Hause NZZ tief und tiefer. Während es bei der Temperatur einen absoluten Nullpunkt gibt, sucht die NZZaS noch danach.

«Frauen vergraulen mit Tamedia»,

so hebt Wanner an. Muss man nicht verstehen, Mann fragt sich aber, ob sie nicht eher «Frauen kraulen mit Tamedia» meinte. Aber wer weiss schon, was Frauen wollen. Auf jeden Fall hätten zum Tag der Frau 78 solche einen «offenen und beklemmenden Brief an die Chefredaktion» geschrieben. Eigentlich war das ursprünglich ein interner Brief an Chefredaktionen und die GL, aber was soll’s.

Mit schnellen Trippelschritten nähert sich Wanner dem Höhepunkt: «Es folgen haarsträubende Beispiele, die vor allem eines belegen: ein Klima von Missgunst, Sexismus, Respektlosigkeit, Kleinlichkeit.» Uns haben die Beispiele keineswegs die Haare gesträubt, sie erschienen uns allerdings als Ausdruck von Kleinlichkeit, Missgunst und Respektlosigkeit. Aber den durch Anonymität allgemein als Täter denunzierten männlichen Mitarbeitern bei Tamedia gegenüber.

«Wer kann da seine Mitarbeiterinnen, von denen es ohnehin zu wenige hat (was ebenfalls ein unternehmerisches Problem ist), beschimpfen und vergraulen?» Mit dieser Frage löst sich Wanner völlig von der Realität, denn bislang haben die angeschriebenen Entscheidungsträger mit Betroffenheit, Zerknirschung, ja sogar mit pauschaler Entschuldigung reagiert. Also genau mit dem «Feingefühl», das Wanner von ihnen fordert.

Was auch Wanner besser anstünde als ihre Heuchelei. Oder darf es ihr egal sein, da Männer ja ausschliesslich Täter sind, dass in ihrem Organ gerade der Chefredaktor eher harsch und ruppig gefeuert wurde? Aber da geht Arbeitsplatzsicherung vor Entrüstung, wie schäbig.

Peter Hartmeier über ZACKBUM

Zu viel Häme, zu wenig didaktische Angebote, dafür erstaunliche Recherchen.

Peter Hartmeier ist als Partner der Agentur Lemongrass Communications AG für die einen der grosse Strippenzieher im Schweizer PR-Zirkus. Für die anderen ist Hartmeier einer der vielen gescheiterten Tagi-Chefredaktoren (er war sieben Jahre CR). So oder so kennt Hartmeier den Journalismus und auch die Welt der Unternehmenssprecher (er war von 2010 bis 2013 Leiter der UBS-Unternehmenskommunikation) aus dem Effeff.  Der 68-Jährige hat als Journalist beim Badener Tagblatt begonnen.  Nun  hat sich der Kreis geschlossen. Seit 2019 ist er Vorsitzender des Publizistischen Ausschusses von CH Media, zu dem auch das Badener Tagblatt gehört. Die CH Media-Publizistik ist eine Instanz, die ZACKBUM immer mal wieder auf dem Kieker hat. Stichwort Pascal Hollenstein (Leiter Publizistik CH Media) und sein nicht immer glückliches Agieren.

Peter Hartmeier, Sie haben auf persönlich.com der Zeit-Redaktion zum 75-Jahr-Jubiläum gratuliert. Warum haben Sie Matthias Daum und seine Redaktionskolleginnen Sarah Jäggi und Barbara Achermann nicht erwähnt?

Für mich stand die historische publizistische Leistung dieses ausserordentlichen Mediums im Mittelpunkt und damit mein Respekt für die Gründergeneration um Marion Gräfin Dönhoff. Diese starke Frau hat mich seit meiner Jugend beeindruckt.

Was halten Sie denn vom Schweiz-Split?

Ich habe mich gefreut, als er eingeführt wurde: seither lese ich ihn aufmerksam Woche für Woche.

Von den Abozahlen her sind die Zeit (Schweizer Ausgabe) und die Republik ähnlich gross. Warum hat aus Ihrer Sicht die Schweiz-Ausgabe der Zeit so viel weniger öffentliche Resonanz?

Der Schweizer Split der «Zeit» ist eine zusätzliche, von der Leserschaft geschätzte Leistung innerhalb eines etablierten Titels; die «Republik» hingegen muss als spektakuläre Neugründung plakativ auf sich aufmerksam machen, um sich durchzusetzen

Wie finden Sie generell das Online-Magazin Republik?

Eine originelle Neu-Gründung, die ich aus Freude an der Schweizer Medienlandschaft schätze. Dieser Sympathie-Bonus ist eine Grundlage, von der aus ich mich dann kritisch über einzelne Beiträge oder ganze Serien äussere.

Wer bleibt länger bestehen: «Die Zeit» oder die «Republik»?

Die «Zeit» hat einen Verleger und ein entsprechendes Medienhaus im Hintergrund und wird kontinuierlich von starken Chefredaktions-Persönlichkeiten geführt – das merkt man diesem Titel an, der immer wieder junge Talente findet und engagiert.

Die «Republik» hingegen hat den Charakter einer Neugründung und muss ihre Unverzichtbarkeit erst noch beweisen. Die beiden Titel befinden sich in völlig unterschiedlichen Zyklen.

Deshalb ist die Frage nicht zu beantworten.

Noch ein Wort zu ZACKBUM: Wie nehmen Sie diese Plattform wahr?

Ich lese die Plattform in der Regel einmal wöchentlich: das genügt mir, weil für mich das Mass an Häme oft überschritten wird.

Was können wir Macher also aus Ihrer Sicht besser machen?

Ich bin oft im Gespräch mit jungen Talenten, die sich überlegen, eine journalistische Karriere zu beginnen, sie fortzusetzen oder in verwandte Branchen zu wechseln. Ausschliesslich hämische und vernichtende Medien-Kritik stösst diese jungen Talente eher ab, weil damit der Eindruck vermittelt wird, Journalismus und Publizistik befänden sich kurz vor dem Exitus – was objektiv gesehen nicht der Fall ist.

Exitus bedeutet Tod (ich musste es nachschauen). Symbolisch kommt das für gewisse Bereiche schon hin. Nochmals, was vermissen Sie an ZACKBUM?

zackbum.ch  könnte zum Beispiel auch einen kritischen Blick auf den Lokaljournalismus werfen.

Überhaupt: berichten Sie täglich über überraschende Ideen, originelle Kommentare, erstaunliche Recherchen.

Wenn «Zackbum» als medienkritische Plattform ernst genommen werden will , muss es das didaktische Angebot ausbauen.

 

Der «Republik»-Reinfall

Anonyme Verleumdungen versus seriöse Aufarbeitung. Globegarden liefert ein Musterbeispiel.

Ältere Leser erinnern sich: Im Rahmen seiner Notfall-Bettelaktion veröffentlichte die «Republik» kurz vor Weihnachten 2019 unter dem Titel eines Thrillers von Grisham – «Die Firma» – einen aufrüttelnden Skandalbericht über unerträgliche Zustände beim grössten Schweizer Kita-Betreiber. Betreuung, Essen, Einhaltung von Vorschriften, Aufsicht, Qualifikation der Mitarbeiter, Löhne, alles läge im Argen.

Allerdings: Wie bei der «Republik» üblich, stützte sie sich dabei mit einer einzigen Ausnahme auf anonyme Aussagen von ehemaligen Mitarbeitern. Über deren Motivation erfuhr man nichts; auf einen Augenschein verzichtete die «Republik», ebenso auf das Einholen von Meinungen aktueller Mitarbeiter.

Betteln, mit Entleibung drohen, seinen Existenzzweck durch das Verbellen unglaublicher Zustände beim Kita-Betreiber Globegarden beweisen. Tolles Timing, das sorgt immer für Aufmerksamkeit, Schlagzeilen. Behörden kündigen verschreckt Untersuchungen an, Politiker fordern dies und das, sind entrüstet. Schliesslich geht es hier um unsere Kleinsten, die – wohl aus reiner Geldgier – verantwortungslos Gefahren ausgesetzt, mies gefüttert und von viel zu wenig und überfordertem Personal mehr schlecht als recht betreut werden.

Dichtung, Erfindung, unbeweisbare Behauptungen

Ziemlich genau ein Jahr danach haben wir bereits in einer vierteiligen Recherche zwischen Dichtung, Erfindung, unbeweisbarer Behauptung und realen Fakten unterschieden. Resultat: Auch hier und nicht zum ersten Mal hat die «Republik» auf anonymen Behauptungen ehemaliger Mitarbeiter («anonymisierter», wie sie zu sagen beliebt) basierende, gravierende Anschuldigungen erhoben. Müsste man denen Glauben schenken, wären alle Eltern gut beraten, ihre Kleinkinder sofort aus den Klauen des grössten Kita-Betreibers der Schweiz zu retten.

Nur: muss man nicht. Es ist nichts gegen die Verwendung von Whistleblowern oder von Zeugenaussagen einzuwenden, bei denen der Absender – aus welchen Gründen auch immer – nicht mit seinem Namen dahinterstehen will. Da aber sowohl dem Journalisten wie dem Leser weder dessen Motive – noch der Wahrheitsgehalt der Behauptungen – erschliessbar sind, ist dabei höchste Vorsicht geboten.

Insbesondere, wenn möglicherweise nicht freiwillig gegangene Ex-Mitarbeiter Szenen und Ereignisse schildern, bei denen nur sie angeblich Zeuge waren und die nicht verifizierbar sind, weil jegliche weiteren Angaben fehlen. Eine Behauptung wie «ein Kind fiel vom Wickeltisch, die Eltern wurden nicht informiert, das lag an der Überforderung des Betreuers durch viel zu wenig Fachkräfte» – wie kann die untersucht werden, auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft?

Externes Audit, staatliche Kontrollen, Gerichtsurteil

Nichtsdestotrotz hat Globegarden ein externes Audit durch die Kanzlei Niederer Kraft Frey (NKF) durchführen lassen. Resultat: kein einziger der Vorwürfe konnte erhärtet werden. Wer nun sagt: kein Wunder, wer zahlt, befiehlt, täuscht sich. Eine Kanzlei wie NKF hat durchaus einen Ruf zu verlieren, was beim Nachweis eines Gefälligkeitsgutachtens passieren würde.

Zudem wurde durch die Aufsichtsbehörde der Stadt Zürich von Februar bis Juni 2020 eine Schwerpunktprüfung aller 26 Globegarden-Kitas in der Stadt durchgeführt. Resultat: null Belege für die Vorwürfe. Auch für ihre kühne Behauptung «Neue Recherchen deuten darauf hin, dass die grösste Kita-Kette der Schweiz die Aufsicht mit manipulierten Dokumenten täuscht», bleibt die «Republik» bis heute jeden Beweis schuldig. Auf unsere Nachfrage, ob das Magazin – wie auch schon beim damaligen Interview mit dem Sozialvorstand angekündigt, entsprechende Belege vorgelegt habe, gab es ein knappes: «Laufende Recherchen, Redaktionsgeheimnis.» Es darf gelacht werden.

Keinesfalls als Kampagne darf gesehen werden, dass die «Republik» dann nochmal zwei Scheite nachlegte: «Die grösste Schweizer Kita-Betreiberin setzt prekäre Arbeits­bedingungen durch und täuscht die Aufsicht.» Belege, Beweise, Indizien, dadurch ausgelöste Verfahren? Null, nichts, nada. Man darf doch wohl noch behaupten, dass irgendwas auf irgendwas «hindeutet». Muss ja nicht so sein. Es darf nochmal gelacht werden.

Ein in jedes Detail gehender Faktencheck durch Globegarden

Im Februar 2021 hat Globegarden nun nochmals die wesentlichen, insgesamt 20 Vorwürfe, die die «Republik» erhoben hatte, einem Faktencheck unterzogen. Er ist auf der Webseite von Globegarden einsehbar.

Mit akribischer Genauigkeit widerlegt Globegarden von «Arbeitsbedingungen», «Unfälle beim Wickeln», «Ernährung», «Täuschung der Behörden» bis zu «Mangelndes Fachpersonal» die Vorwürfe, die die «Republik» erhoben hatte.

Nun ist es leider so, dass die «Republik» ihre damalige Bettelaktion mit Erfolg abschliessen konnte; nicht zuletzt wegen des Aufsehens, das dieser angebliche Skandal erregte. Es ist leider auch so, dass Globegarden auf straf- und zivilrechtliche Schritte verzichtete. Es ist letztlich so, dass sich kaum mehr jemand an die damalige Verleumdung erinnert, also nimmt auch kaum jemand die detaillierte Widerlegung aller anonymen Denunziationen zur Kenntnis.

Aber es gäbe ja noch so etwas wie Anstand, Medienethik und andere hochwohllöbliche Prinzipien, denen sich die «Republik» verschrieben hat. Aber das ist reines Maulheldentum. Jedes Mal, wenn ein mit anonymen Behauptungen aufgepumpter Skandal zu dem Nichts zusammenschrumpft, der er von vornherein war, wehrt sich die «Republik» mit Händen und Füssen gegen eine Richtigstellung und muss sogar gerichtlich dazu gezwungen werden.

Banaler Anstand wäre es, sich wenigstens für offensichtliche Fehler zu entschuldigen.

Stattdessen gibt es höchstens ein Herumeiern, Haarspaltereien, Rechthabereien. Statt das überfällige Eingeständnis: auch der Globegarden-Skandal ist in Wirklichkeit ein «Republik»-Reinfall. Lausig recherchiert, zurechtgebogen, basierend auf mehr als dubiosen Behauptungen sich feige hinter Anonymität versteckender Denunzianten.

Was sagt die «Republik» im Licht des Faktenchecks?

Natürlich hatte die «Republik» hier Gelegenheit zur Stellungnahme. Überraschungsfrei fällt sie völlig verstockt aus. Wird es nun endlich eine Richtigstellung geben? «Nein.» Warum nicht?

«Es liegen keine Fehler vor, die wir nicht bereits am Ende des Textes richtiggestellt haben.

Sie erinnern sich: Wir hatten in einer früheren Version geschrieben, dass der Vater von Christina Mair und Caroline Staehelin bei der Credit Suisse gearbeitet habe. Diese Information hat sich im Nachhinein als falsch heraus­gestellt. Er ist nicht Banker, sondern Arzt.» Das ist alles? Es darf zum dritten Mal, aber lassen wir das.

Zweifelt die «Republik» wenigstens etwas an dieser Methode, auf anonymen Anschuldigungen aufbauend eine Kampagne zu fahren? «Wir haben weder einen Skandal aufgeblasen, noch fahren wir Kampagnen. Wir haben in drei Artikeln wiedergegeben, was uns knapp drei Dutzend frühere und aktuelle Angestellte erzählt haben.» Interessante Zahl, dass auch «aktuelle Angestellte» dabei waren, wäre neu.

Haare spalten statt Realität zur Kenntnis nehmen

Wie haarspalterisch sich die «Republik» gegen Tatsachen wehrt, zeigte sie auch fast genau ein Jahr nach ihrer Kampagne. Andere Medien hatten darüber berichtet, dass das Zürcher Verwaltungsgericht ein Urteil zugunsten Globegarden fällte. In der ursprünglichen Darstellung der «Republik» hörte sich das so an:

«Nicht immer hatte Globegarden im Rechtsstreit mit Gemeinden Erfolg. Vor allem dann nicht, wenn die Sozialbehörde feststellt, dass die Firma den Betreuungs­schlüssel nicht einhält und Personal beschäftigt, das nicht die nötige Ausbildung hat. So wie im Fall Thalwil. Dort marschiert Globegarden mit mehreren Anwälten auf und zieht Verfügungen der Gemeinde vor das Horgener Bezirksgericht.

Die Globegarden-Krippe ist gleich bei mehreren Kontrollen der Krippen­aufsicht hängen geblieben.»

Klarer Eindruck beim Leser: Aha, Anzahl Betreuer nicht eingehalten, unqualifiziertes Personal beschäftigt, aber dann in gleich mehreren Kontrollen ertappt worden. Statt Einsicht zu zeigen, «marschiert» die Kita mit «mehreren Anwälten auf». Typisch.

Darstellung und Wirklichkeit – getrennt durch Abgründe

Aber leider war das nur ein polemisch aufgepumpter Zwischenstand: Die meisten Verfügungen der Gemeinde wurden vom Verwaltungsgericht im November letzten Jahres aufgehoben. Nicht zuletzt, weil das Sozialamt sich auf eine unqualifizierte und tatsachenwidrige Behauptungen enthaltende «Kontrolle» gestützt hatte. Zudem wurden der Gemeindekasse die Gerichtskosten und eine Entschädigung von 8000 Franken an Globegarden aufgebrummt.

Blöd gelaufen, aber was macht die «Republik» draus? «Foulspiel im journalistischen Wettbewerb». Und zieht den «Wettbewerbern» eins über:

«Die Recherche der Republik war weder «falsch», noch widerlegte das Verwaltungs­gericht die Ergebnisse unserer Arbeit.

Der Streit zwischen Thalwil und Globegarden war ein Detail in der Recherche.»

Nun, es war wenigstens ein «Detail», das nachgeprüft werden konnte. Und immerhin vom Obergericht als unhaltbare, falsche und parteiische Vorwürfe gegen Globegarden disqualifiziert wurde.

Fehler passieren immer und überall. Bei Globegarden genauso wie bei einer seriösen Recherche. Dann gibt es auch noch Interpretationsspielräume. Aber die akribische Widerlegung aller Vorwürfe, das ist schon eine Klatsche, die sogar beim Zuschauen weh tut. In der Gesinnungsblase von verantwortungslosen Journalisten und ausschliesslich ihre Vorurteile bestätigt sehen wollenden «Verlegern» hat jedoch Realität und Wirklichkeit nichts verloren.

Ebenso wenig wie eine freiwillige Richtigstellung aus Anstand.