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Die heilweisse Welt der Coopzeitung

Hat die Zeitung ein Problem mit Schwarzen?

Silvan Grütter ist im Chefredaktoren-Quartett der Schweiz nicht der Supertrumpf.  Aber in Sachen Auflage schlägt seine Coopzeitung alle anderen Mitspieler. Das Blatt hat nämlich eine gigantische Auflage von über 1,8 Millionen. Die Coopzeitung liegt aber nicht nur überall herum, sie mutiert manchmal auch zu einem Monster. Die Gratiszeitung wiegt mit den zusätzlichen Flatterbeilagen bis zu 600 Gramm.

Ich habe einmal bei der Medienstelle nachgefragt, ob meine Kalkulationen stimmen, dass nur schon die Heftklammern der knapp 100 Millionen Coopzeitungen pro Jahr ein Gewicht von 2 Tonnen ergeben. Die Medienleute antworteten mit:

Die Grössenordnung stimmt.

Entweder lag ich richtig oder die Fritzen waren zu faul, nachzurechnen. Wie auch immer, Silvan Grütter ist ein sympathischer Kerl, der auch schon überall war. Das Beste an der Zeitung sind natürlich die herrlichen Kochrezepte und die fantastischen Ausflugstipps. Mindestens so herrlichfantastisch sind aber die launigen Editorials von Grütter.

Die sind fast immer so erfrischend wie ein Betty Bossi Fairtrade Multifruchtsaft (in fast jeder Coop-Filiale für nur Fr. 3.80 erhältlich). Und gut ist, dass Grütter kein Rechtsradikaler oder Negerhasser ist. Der Chef aller Coop-Redaktoren schreibt zum Beispiel: «Meine Schweiz kennt keine Grenzen und keine Ausländer» (aus dem Editorial 5/2019)

Der lustige Moderator der legendären Realityshow «Expedition Robinson» kennt keine Ausländer? Ist das der Grund, warum er keine Ausländer auf das Cover der Coopzeitung setzt?

183 Chancen, 0 verwirklicht

Seit seinem Einstieg ( 15/2017) sind 183 unvergessliche Ausgaben der Coopzeitung erschienen. Helles Bier schafft es manchmal häufig auf Seite 1. Weisse Männer aber noch mehr (50 mal). Am liebsten hat Grütter aber weisse Frauen (87 mal). Schwarze sind in den 183 Ausgaben hingegen noch nie aufs Cover gehievt worden.

Grütter wollte die Fragen von Zackbum.ch nicht beantworten. Entweder lag ich wieder richtig oder der Herr Grütter war einfach zu faul, in seinem Epos nachzublättern. Würde ihm aber gut anstehen. Als Chefredaktor der grössten Zeitschrift nicht nur weisse fröhliche Schweizer auf Seite 1 abzubilden, sondern auch schwarze glückliche Schweizer.

Endlich! Edito!

Das «Schweizer Medienmagazin» schafft wieder Durchblick.

Immerhin die dritte Ausgabe in diesem Jahr, unterstützt von der «Stiftung für Medienvielfalt» und der «Oertli-Stiftung» und «zahlreiche Spenden» von begeisterten Lesern.

Natürlich, um dieses Argument gleich aus dem Weg zu räumen: wir sind neidisch. Wir schreiben uns hier einen Ast, haben mehr Leser als bajour oder Edito, und keiner zahlt was. Dabei haben wir in den knapp zwei Monaten unserer Existenz schon 165 Artikel veröffentlicht.

Aber genug des Gejammers, es soll gelobt werden. Das neue «Edito» ist mal wieder randvoll mit News, Anregungen, Einblicken und Durchblicken. Nun ja, was halt auf 16 A4-Seiten Platz hat. Aber dafür in Farbe.

Wir blättern kurz, sehr kurz um

Obwohl schon das Cover eher düster daherkommt, und wer versteht schon «Las vidas de la gente negra importan». Aber sei’s drum, auch auf so wenig Seiten kann man einen «Fokus» machen, überraschungsfrei natürlich zum Thema «Rassismus».

Da blättern wir doch kurz, sehr kurz um, und schon sind wir auf Seite 4 der Ausgabe. Hier präsentiert das Schweizer Medienmagazin zwei Tänzerinnen vor einem Denkmal des Generals Robert E. Lee in Richmond.

Ich begebe mich jetzt auf ganz dünnes Eis und behaupte, dass es sich um zwei ausnehmend hübsche Schwarze handelt. Pardon, um zwei Afro-Amerikanerinnen. Oder so. Ihre Attraktivität kontrastiert stark mit dem Hintergrund. Denn auf dem Denkmal hat sich die «Black lives matter»-Bewegung mit ein paar originellen Graffiti verewigt: «Fuck cops», «Fuck pigs», «black lives murder» oder schlichtweg «Fuck». Das ist mal eine Ansage, ein Angebot zum Dialog wahrscheinlich.

Interview mit einer ungeeigneten Person

Aber gut, noch viel interessanter ist auf Seite 5 das Interview mit der «Berliner Publizistin Ferda Ataman». Sie wird dem unschuldigen «Edito»-Leser als «Vorsitzende der Neuen deutschen Medienmacher*innen vorgestellt; der grössten Vereinigung von Journalist*innen aus Einwandererfamilien».

Leider unterlässt es das Medienmagazin, den Leser darüber aufzuklären, dass Ataman auch Muslimin ist. Das wäre ja nicht weiter schlimm, wenn sie nicht – als «Spiegel»-Kolumnistin – den Kopftuchzwang im Iran verteidigt. Beziehungsweise sich über die deutschen Zuschauer der «Tagesschau» echauffiert, die nicht verstehen, wieso die ARD-Korrespondentin in Teheran ein Kopftuch trägt, tragen muss.

Genauso um Dialog bemüht ist Ataman, wenn sie fordert, man müsse den Begriff «Migrationshintergrund» abschaffen, schliesslich seien Menschen mit diesem Hintergrund in Deutschland «längst in der Mehrheit». Aufsehen erregte Ataman auch mit ihrer Meinung zum Höhepunkt der Corona-Krise, dass sie angeblich eine Ahnung habe, «welche Bevölkerungsgruppen in Krankenhäusern zuerst behandelt werden», wenn die Beatmungsgeräte knapp würden. Nämlich die «Kartoffeln». So werden in diesen Kreisen Deutsche ohne Migrationshintergrund genannt.

Also eine absolut ideale Person, um über strukturellen und anderen Rassismus zu sprechen. Aber leider nicht über ihren eigenen, islamistisch unterfütterten.

Noch ein paar Duftmarken

Wir sind schon fast durch, aber noch ein paar weitere Duftmarken: «Der Effekt, dass aus öffentlichen Geldern private Gewinne finanziert werden, sollte theoretisch nirgends vorkommen», sagt Urs Thalmann, Geschäftsführer von «impressum»; dem Verband, den auch ich mit meinen Mitgliederbeiträgen unterstütze.

Vielleicht könnte sich Thalmann mal energischer dafür einsetzen, dass es mal wieder einen Gesamtarbeitsvertrag in der Medienbranche gibt, wenn ich das als kleiner Selbständiger ganz uneigennützig einwerfen darf. Vielleicht könnte er auch mal einen Moment darüber nachdenken, dass private Gewinne ihrerseits eine wichtige Quelle für öffentliche Gelder sind. Denn die fallen nicht, wie häufig vermutet wird, einfach vom Himmel oder aus den Taschen von sowieso viel zu Reichen.

Wo bleibt denn das Positive?

Wo bleibt das Positive, das Lob? Bitte sehr; das Interview mit dem Leiter des «Interaktiv-Teams von Tamedia», das das Dashboard mit den jeweils neusten Zahlen zur Pandemie betreibt, ist erhellend. Besonders, was die Unfähigkeit des Bundesamts für Gesundheit betrifft, bis heute spezifische Zahlen zu liefern oder Schnittstellen zum Datenausgleich einzurichten.

Allerdings: das Interview fand am 10. August statt. Zum Interview mit der Professorin Monika Bütler von der HSG, Mitglied der «Swiss National COVID-19 Science Task Force» sage ich lieber nichts, sonst bleibt’s nicht positiv. Ausserdem habe ich schon einiges zu ihr gesagt.

Tja, und schon sind wir auf Seite 18; spiegelbildlich auf den Kopf gestellt ist rechts nochmal die Seite 18; auf Französisch.

War’s das? Das war’s. Braucht’s das? Nein das braucht’s nicht. Kann das weg? Das kann weg. Wegen mangelnder Qualität und Professionalität.

Unsere Tugend-Taliban

Das ist kein Kalauer, sondern echte Besorgnis

Eine masslose Übertreibung, zugespitzt, überspitzt? Keineswegs. Im verzweifelten Versuch, die Lufthoheit in der öffentlichen Meinungsbildung zu behalten, sind inzwischen fast alle Mittel erlaubt. Alle, von denen wir uns mühsam in den letzten Jahrhunderten getrennt haben.

Zunächst die fallengelassene Unterscheidung zwischen Mensch und Meinung. Wer Ansichten äussert, die anders, provokativ, vielleicht sogar falsch sind, von fehlenden Kenntnissen zeugen, der sollte auf Widerrede stossen. Auf Gegenargumente.

Stattdessen werden angebliche Haltungen, Auffassungen, die ganze Wesensart kritisiert. Nach dem primitiven Muster: Wer das sagt, ist (hier kann Rassist, Hetzer, Populist, Unmensch, Kommunist, Faschist oder was auch immer eingesetzt werden). Vermeintlich werden damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Es müssen keine Gegenargumente gesucht, der so Kritisierte kann aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen werden.

Dann der Rekurs auf angeblich unbezweifelbare Werturteile. Der fatale Ersatz von richtig oder falsch durch gut oder böse. Es gibt keine Letztbegründung für moralische Werturteile; wer das Gegenteil glaubt, könnte sich gleich für die Wiedereinführung der Inquisition stark machen.

Statt echten Problemen Sprachreinigung

Als Drittes die Dialogverweigerung, wenn der andere nicht aus sogenannter persönlicher Betroffenheit sprechen kann. Nur Schwarze dürfen ermessen, was Rassismus gegen Schwarze ist. Nur waschechte Mexikaner dürfen einen Sombrero tragen, sonst ist das kulturelle Aneignung. Nur Frauen dürfen mitreden, wenn es um Feminismus oder um die Unterdrückung durch patriarchische Strukturen geht.

Dann wird einer Wehleidigkeit und Sentimentalität gefrönt, die in den übelsten Zeiten der Innerlichkeit nicht vorhanden war, als ein zu lautes Wort schon zu Tränen führen konnte. Moderner sind das Mikroaggressionen, kleinste Verletzungen des Wohlbefindens. Wobei nur und ausschliesslich der Verletzte das Recht hat, das zu beklagen. Der Täter kann sich niemals herausreden, indem er behauptet, dass da gar keine Verletzung sichtbar wäre.

Hinzu kommt die wohlfeile Verlagerung von eingebildeten oder echten Problemen auf Sprachprobleme. Männersprache, weisse Sprache, Unterdrückersprache, hier muss ausgemistet werden, am falschen Wort erkennt man die falsche Meinung, dahinter die falsche Haltung. Also hinweg mit dem Wort. Oder hinweg mit der angeblich männlich dominierten Syntax und Grammatik, auf zur Verunstaltung der Sprache, wie sie nicht einmal Orwell erahnte.

Geradezu faschistisch ist das Bedürfnis nach Reinigung. Der Ausmerzung von allem Schlechten. Vor allem dort, wo sich keiner mehr wehren kann: in der Vergangenheit. Filme, in denen gequalmt wird, was die Lunge hergab: zensieren oder verbieten. Anstössige Textstellen, auch in Klassikern der Weltliteratur: ausmerzen oder mindestens mit Kommentaren und Warnhinweisen versehen.

Denkmäler stürzen wie bei Bilderstürmen

Und schliesslich kulminiert dieser Wahn im Bildersturm, in der Forderung, Denkmäler zu stürzen, Plätze und Strassen umzubenennen. Wenn Namen von angeblichen Rassisten, Befürwortern der Sklaverei, von Generälen der falschen Seite, also den Verlierern, das Auge des sensiblen Betrachters beleidigen.

Thomas Jefferson soll unsterbliche Zeilen über fundamentale Menschenrechte formuliert haben? Mag sein, aber er war ein verdammter Sklavenhalter, weg mit ihm. Platon soll irgendwelche Sachen über Philosophie gesagt haben? Aber auch er hatte Sklaven, und dann die Knabenliebe, weg mit ihm. Karl Marx soll ein paar interessante Sachen über die Ökonomie herausgefunden haben? Aber war der nicht Antisemit, und dann hatte er auch noch ein Verhältnis mit seiner Dienstmagd. Weg mit ihm.

Der Rütlischwur der drei Eidgenossen? Gab’s den wirklich, und wieso war kein Schwarzer dabei, auch keine Frau? Rassisten und Patriarchen, weg damit.

De Pury, Agassiz, Escher, General Guisan, ja selbst Dunant, Pestalozzi oder Rousseau hatten bei genauerer Betrachtung dunkle Flecken auf der weissen Weste. Weg damit. Gandhi? Ein übler Rassist. Wo soll dieser Wahnsinn enden? Im Wahn, aber niemals in einer sinnvollen Verbesserung des Menschen, der Welt oder der Geschichte.

Aber auf dem Irrweg dorthin sollen die wenigen Errungenschaften, die uns aufgeklärte Europäer vor Finsternis, Dummheit, Glaubensdoktrinen als Ersatz für Erkenntnisse, vor dem Rückfall in absolutistische Zeiten, in Meinungsterror schützen, wieder über Bord geworfen werden. Dagegen muss sich jeder wehren. Mit allen Mitteln. Mit aller Stimmkraft. Denn so lieb und sensibel nur um die Förderung des Besseren bedacht diese intellektuellen Terroristen auch daherkommen: Sie sind unsere Tugend-Taliban, nur ohne Bart und Turban.

„Anliegen werden heruntergespielt“

Warum Dambah Fofanah wegen seiner Hautfarbe oft seine Schweizer Herkunft abgesprochen wird.

Rassismus, Hautfarbe, Herkunft. Oft beschreiben Leute das Thema, die das Ganze nur vom Hörensagen kennen. ZACKBUM.ch hat bei Dembah Fofanah nachgefragt, dem Mitbegründer des Kollektivs VODA. Ein Fazit des 28-Jährigen: «Redaktionen sollten dem Abbild der Gesellschaft entsprechen.»

Dembah Fofanah, was könnten Journalisten besser machen?

Ich denke der Job des Journalisten bzw. der Journalistin hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. So müssen die wichtigen Informationen für einen Artikel oftmals aus einer schier unendlichen Menge von Daten gefiltert werden. Weil die Zeit leider häufig fehlt, werden manchmal Informationen beigezogen, die möglichweise nicht die Tiefe einer Gegebenheit oder eines Sachverhalts korrekt wiedergeben.

Also entstehen Fehler?

Zumindest Missverständnisse oder Trugschlüsse. Besonders bei emotional geladenen Themen wie Rassismus kann es vorkommen, dass so rasch Missverständnisse entstehen oder gewisse Perspektiven leider völlig ausser Acht gelassen werden, was für jene, die bereits von Ausgrenzung und Benachteiligung betroffen sind, sehr verletzend sein kann. Dadurch werden ihre Anliegen heruntergespielt, was wiederum folgenschwere Konsequenzen für ihren Alltag bedeuten können.

Sie sprechen von «folgenschweren Konsequenzen für den Alltag». Welche zum Beispiel?

Unser Anliegen ist es, dass niemand diskriminiert wird – wie das die Schweizer Bundesverfassung ja auch so vorschreibt. In unserer Arbeit legen wir den Fokus auf die «rassistische Diskriminierung». Das heisst, wenn eine Person beispielsweise aufgrund ihrer (zugeschriebenen) Herkunft oder der vermeintlichen «Rasse» eine Anders- bzw. Schlechterbehandlung erfährt.

Und noch konkreter?

Persönliche Erfahrungen sowie auch Studien belegen, dass dies zum Beisiel bei der Job- oder Wohnungssuche der Fall sein kann. Weiter berichten Betroffene von überproportional häufigen, anlasslosen Polizeikontrollen und falscher Verdächtigungen, die auf der Stigmatisierung ihres «andersartigen» Aussehens beruhen. Diese Praxis nennt sich „Racial Profiling“ und ist rechtswidrig.

Was würden Sie den Schweizer Medien für eine Note geben in Bezug auf Ihre Anliegen?

So generell, kann und möchte ich das nicht beurteilen oder bewerten. Als das Thema Rassismus aufgrund der weltweiten Proteste kürzlich medial eine grosse Aufmerksamkeit bekam, erhielten auch wir zahlreiche Medienanfragen und entsprechend wurde stellenweise über unsere Anliegen berichtet. Das freute uns natürlich.

Flaut das Thema denn schon wieder ab?

Was die Präsenz in den Medien betrifft, leider ja. Für Betroffene aber natürlich keineswegs. Es gehört ungewollt zu ihrem Alltag und ist ständiger Begleiter. Rassismus und andere Formen von Diskriminierung sollten deshalb immer und immer wieder thematisiert werden, solange sie bestimmte Leute in unserer Gesellschaft benachteiligen und nicht nur, wenn es gerade im «Trend» liegt.

Haben Print- und elektronische Medien unterschiedlich reagiert?

Die Menge der Anfragen an uns ist zu klein, um hier grundlegende Unterschiede zwischen den beiden auszumachen. Zudem erscheint vieles ja zuerst online und später dann noch im Print.

Also spielt der Zeitfaktor eine Rolle.

Grundsätzlich ist es so, dass es bei vielen der Anfragen immer sehr schnell gehen muss und der Artikel oder das Interview innert kürzester Zeit erscheinen sollte. Bei Print-Medien scheint dieser Zeitdruck tendenziell ein wenig geringer zu sein, so der Eindruck.

Was unternehmen Sie, dass Ihre Anliegen präsent bleiben in der Öffentlichkeit?

Das Kommunikationsinstrument unseres Kollektivs ist unser Online-Magazin. Zudem sind wir auf Social Media aktiv und veröffentlichen dort regelmässig Beiträge rund um das Thema Diskriminierung und Rassismus in der Schweiz. Unsere Zielgruppe ist eher jünger (18 bis 45 Jahre) und lässt sich daher im Internet sehr gut erreichen.

Diskriminierung und Rassismus kennt aber keine Altersgrenze nach oben, im Gegenteil.

Wir arbeiten daran, dass auch die ältere Generation von unseren Fällen vermehrt erfährt. Wir erhalten ausserdem viele Hinweise aus unserer Community, die uns auf rassistisch diskriminierende Sachverhalte aufmerksam machen oder diese gar selbst erlebt wurden. Wir benennen diese in unseren Artikeln, um dadurch eine Auseinandersetzung damit in unserer ganzen Gesellschaft – jung und alt – anzustossen.

Wie fest hat Ihre Herkunft wohl den Umgang der Journalisten mit Ihnen beeinflusst?

Meine Herkunft liegt in der Schweiz. Dass mir aber häufig eine andere Herkunft zugeschrieben wird bzw. mir die schweizerische abgesprochen und jene meines Vaters zugewiesen wird, bekomme ich aufgrund meiner Hautfarbe regelmässig zu spüren.

Warum ist das so?

Die Gründe dafür sind u.a. darauf zurückzuführen, dass leider in den internalisierten Denkmustern vieler Leute Schwarze Menschen keine Schweizerinnen und Schweizer sein oder als Mitglieder der Wohnbevölkerung auch nur schon als der Schweiz zugehörig betrachtet werden können. Ein solche Auffassung ist eine Folge davon, dass wir alle rassistisch sozialisiert wurden. Medienschaffende sind hier logischerweise auch miteingeschlossen.

Wie äussert sich das konkret?

Es ist beispielsweise wiederholt vorgekommen, dass ich Journalistinnen und Journalisten erklären musste, dass ich und andere Rassismusbetroffene ebenfalls Schweizerinnen und Schweizer sind und sie darum bat, entsprechenden Vermerk im Artikel zu korrigieren.

Kritisiert wird an der Journalistenzunft oft, dass sie sich in einer Blase bewegt. Wie könnten Medienschaffende repräsentativer für die multikulturelle Gesellschaft agieren?

Das eigene Umfeld hat einen prägenden Einfluss auf die subjektive Wahrnehmung der Welt. Hat man als Nicht-Betroffene*r beispielsweise keine Person im Freundeskreis, die selbst von Rassismus betroffen ist, einem genug nah steht und sich wohl fühlt, das Thema zu besprechen, kann es sein, dass man die Lebensrealität von Diskriminierungs- und Rassismusbetroffenen völlig falsch einschätzt oder wahrnimmt.

Nicht jeder hat aber jemanden im Freundeskreis, der/die von Rassismus betroffen ist.

Entsprechend ist eine Auseinandersetzung mit dem Thema essenziell, denn es geht uns alle etwas an und wirkt entweder in der Form von Privilegien oder Belastungen, die uns unberechtigterweise in die Wiege gelegt wurden. Demzufolge sollten auch Medienschaffende sich mit der Thematik befassen und Redaktionen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeitenden dafür gut sensibilisiert sind.

Oft sind Redaktionen nicht repräsentativ für die Gesellschaft. Sprich, alle haben studiert, fast alle sind weiss.

Das stimmt wohl. Weil freie und glaubwürdige Medien zu den Grundsteinen einer Demokratie gehören, sollten wir darum bemüht sein, dass sie von einer Gruppe von Leuten geschaffen bzw. deren Inhalte bestimmt werden, die weitestgehend dem Abbild unserer Gesellschaft entspricht.

Kleine Farbenlehre

Die Kandidatin ist schwarz. Echt jetzt?

«Weiblich, schwarz, angriffslustig», so charakterisiert der politisch immer korrekte «Tages-Anzeiger» die Frau, die an der Seite von Joe Biden in den Wahlkampf ziehen wird.

«Eine schwarze Frau auf einem Präsidentschaftsticket gab’s noch nie», staunt CH Media. Die «erste farbige Vizepräsidentschaftskandidatin» sieht die NZZ. Eine «prominente dunkelhäutige Kandidatin», so beschreibt sie SRF. Eine «historische Wahl» jubiliert Keystone-SDA, «erstmals könnte eine schwarze Frau Vizepräsidentin werden.»

Auch der «Blick» blickt auf die «erste schwarze Frau», die Vizepräsidentin werden könnte. Wirklich wahr? Wir wollen ja nicht Gefahr laufen, als farbenblind zu gelten, aber einige Fragen müssen hier schon gestellt werden.

Definieren einer Person über äussere Merkmale

Zunächst: Würden die militanten Vertreter der politischen, feministischen und rassistischen Korrektheit auch schreiben, wenn Joe Biden als Vizepräsidentschaftskandidat aufgestellt worden wäre: «Männlich, weiss, senil?» Immerhin, «angriffslustig» ist wenigstens ein Adjektiv, das die Persönlichkeit von Kamala Harris beschreibt.

Aber haben wir nicht einmal im Kurs «Rassismus für Anfänger» gelernt, dass die Definition einer Person über äusserliche Merkmale, über ihre Hautfarbe, ihr Geschlecht unter ganz strengem Rassismusverdacht steht? Wir empfehlen der gesamten Rumpf-Zentralredaktion von Tamedia dringend, einen Sensibilisierungskurs zu besuchen.

Vorher möchten wir die verantwortlichen Redaktoren (weibliche sind syntaktisch immer mitgemeint) vor dem Glashaus an der Werdstrasse knien sehen, wärend sie mindestens hundert Mal skandieren: «Black lives matter».

Welche Farbe hat denn nun Harris?

Aber damit hat die Wirrnis der Farbenlehre im modernen Journalismus ja noch kein Ende gefunden. Ist Senatorin Harris nun schwarz, farbig, dunkelhäutig oder was? Und wenn ja oder nein, wie würde man dann die Hautfarbe von Donald Trump beschreiben?

Offenbar übernehmen unsensible Journalisten in der Schweiz ganz selbstverständlich eine typische US-Form der Rassenunterscheidung. Alle, die hier mit Farbadjektiven um sich werfen, sollten zwangsweise den Roman «The human stain» von Philip Roth lesen müssen.

Wie weiss ist weiss?

Keine Bange, gibt’s auch auf Deutsch, vielleicht auch als Hörbuch. Der menschliche Makel besteht hier darin, dass die Protagonisten des Romans, obwohl linksliberale Professoren und Denker, einen Makel ihrer Herkunft verbergen wollen. Und dieser Makel besteht darin, dass sie zwar wie Weisse aussehen, aber in ihrer Ahnengalerie auch dunkelhäutige Vorfahren haben.

In diesem Sinn ist in den USA jeder nicht unbedingt ein Schwarzer, Farbiger, Hispanic, Asiate oder was auch immer. Aber er ist auf jeden Fall kein Weisser. Und um den Unterschied deutlich zum Ausdruck zu bringen, ist Harris in dieser Weltsicht tatsächlich schwarz, dunkelhäutig, farbig. Eben Nicht-Weiss.

Ist das für die Amis von Bedeutung? Allerdings, das spielt dort eine gewaltige Rolle, vor allem, wenn man sich in der Oberschicht der White Anglo-Saxon Protestants bewegen will. Diese WASP führen ihren Stammbaum am liebsten direkt bis zur Mayflower zurück. Auf diesem Segelschiff wanderten die «Pilgerväter» aus Mittelengland ein, und daher darf es keinen Zweifel geben, dass deren Nachkommen ohne «human stain» zur Welt kamen.

Wann gäbe es einen Shitstorm?

Die spinnen, die Amis, das ist richtig. Aber wieso müssen die meisten Schweizer Journalisten diesen Blödsinn übernehmen? Wenn Harris vielleicht eine grüne oder blaue Hautfarbe hätte, könnte das einer Erwähnung wert sein. Wäre sie Albino schon eher nicht.

Ansonsten spielt wohl in der Berichterstattung über die Sitten in den USA ihre Hautfarbe eine Rolle. Aber doch sicher nicht als Qualifikationsmerkmal hierzulande.

Wem es in den Sinn käme, Harris als attraktiv, gar als sexy zu bezeichnen, dürfte sich auf einen Shitstorm gröberen Kalibers gefasst machen. Obwohl diese Beschreibungen wohl besser zutreffen als die Farbenlehre über ihre Haut.

Alles Rassisten!

Henry Dunant: Muss das weg?

Teil zwei: Keiner zu bedeutend, um nicht Rassist zu sein.

Der Dominikanermönch de Las Casas war einer der Ersten, der sich für die Indios einsetzte, ihnen beistand, forderte, dass sie als Menschen anerkannt und behandelt würden. Diesem Anliegen widmete er von 1515 an sein ganzes Leben. Unermüdlich, ohne Rücksicht auf persönliche Gefahren. Aber, nach der sich pervertierenden neuen Definition von Rassismus, war de Las Casas natürlich Rassist.

Denn obwohl er sich später umbesann, nahm er an Kriegszügen gegen Ureinwohner teil und hielt selber welche als Sklaven. Aber das ist nicht einmal das Schlimmste. In seinem Bestreben, das Aussterben der Ureinwohner zu verhindern, regte er an, dass man an ihrer Stelle doch Sklaven aus Afrika importieren könnte. Da dort Sklaverei allgemein üblich und schwarze Sklaven sicherlich widerstandsfähiger als Indios seien, wäre das für alle zum Vorteil.

Fataler Widerspruch statt platte Eindeutigkeit

Welch fataler Widerspruch. Zutiefst humanistisch und christlich geprägt, wollte de Las Casas den Indios helfen. Und trug damit zum Beginn des Sklavenhandels mit Afrika bei. Erst später verurteilte er auch das und kämpfte unermüdlich dafür, gegen den erbitterten Widerstand des spanischen Klerus, dass sowohl Indios wie Schwarze, dass schlichtweg alle vernunftbegabten Wesen als Menschen anerkannt werden sollen. Unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe.

Ist also de Las Casas Rassist? Weg mit seinen Denkmälern überall auf der Welt? Müssen seine Werke mit einem warnenden Vorwort versehen, am besten gleich ganz verboten werden? Geschichtsvergessene Dummköpfe fordern das bereits. So wie in der Schweiz die Ächtung des grossen Wissenschaftlers Louis Agassiz gefordert und teilweise schon praktiziert wird. Ebenso wie beim grössten Mäzen der Stadt Neuenburg. David de Pury hinterliess seiner Geburtsstadt nach heutigem Wert rund 600 Millionen Franken.

Andenken weg, Geld bleibt

Aber er besass Aktien einer portugiesischen Handelsgesellschaft, die unter anderem mit Sklaven handelte. Also weg mit ihm, mit seinem Denkmal. Aber natürlich nicht mit seinem gespendeten Geld.

Weg mit Agassiz, weil der neben seiner internationalen Reputation als Forscher auch ein paar der damaligen Zeit geschuldete Dummheiten über die angeblich minderwertige schwarze Rasse sagte. Ein völliger Unsinn, natürlich. Was aber sein übriges Werk keinesfalls abwertet. Flugs wird er zu einem der «führenden Rassentheoretiker» umgebogen. Weil wahrscheinlich die tapferen Kämpfer gegen Rassismus in der Schweiz noch nie etwas von Arthur de Gobineau gehört haben. Der mit seinem «Versuch über die Ungleichheit der Rassen» (1855) tatsächlich einer der Begründer von modernem Rassenwahn ist.

Ein nervenkranker Menschenfeind, der es nicht verwandt, dass seine Skulpturen als mittelmässig abgelehnt wurden und der vergeblich versuchte, seinen Familienstammbaum auf den Gott Odin zurückzuführen. Dagegen ist und bleibt de Las Casas natürlich eine Lichtgestalt. Ein Kämpfer gegen Rassismus, der im Gegensatz zu den «Black Lives Matter» grölenden Schweizer Manifestanten tatsächlich sein Leben dafür riskierte.

Ein gültiges und vorbildhaftes Vermächtnis hinterliess. So wie Gandhi und Dunant. So wie Agassiz, de Pury und Escher. So wie viele Gestalten der Gesichte, die neben alle Zeiten überdauernde Leistungen auch fehlten, Schwächen hatten, unsinnige Ansichten vertraten. Das macht sie menschlich, aber sicher nicht zu Rassisten als einzige Definition ihres Wirkens.

An den Pranger gestellt

Als eine Art moderner Pranger soll in der Schweiz die «Datenbank» der NGO «Cooperaxion» dienen. Hier seien auf «einzigartige Weise die Geschäfte der verschiedenen Schweizer Akteure während des transatlantischen Sklavenhandels des 17. bis 19. Jahrhunderts dokumentiert». Es gebe schon 260 Datensätze. Meistens aus Sekundärliteratur gefischt gibt es hier ein wildes Durcheinander. So taucht zum Beispiel Auguste de Stael auf, wie seine berühmte Mutter ein unerschrockener Kämpfer gegen den Sklavenhandel. Macht ja nix, wahrscheinlich war er doch Rassist.

Dabei ist es ganz einfach, die Sache mit dem Rassismus. Rassisten sind Menschen, die individuellen Mitgliedern von Gruppen nur wegen dieser Zugehörigkeit eine – meistens negative – Eigenschaft zuschreiben. So gesehen, sind wir alle Rassisten, und solche Art von Antirassismus ist absolut und damit totalitär. Wer nur schon einmal «der Schweizer ist zuverlässig, der Deutsche ist pünktlich, der Italiener liebt das dolce far niente» gesagt hat, ist Rassist. Womit das Thema erledigt wäre.

Zum ersten Teil: hier klicken.

Hilfe! Alles Rassisten

Gandhi in Genf: Muss das weg?

Teil eins: Aufgeschäumte Erregungsbewirtschaftung gegen alle

Mehr als 5200 Treffer erzielt man in der SMD, wenn man den Begriff «Black Lives Matter» eingibt. Ungefähr gleich viele mit «Rassismus in der Schweiz». Etwas mehr als 3000 Treffer erzielt «Wirtschaftskrise in der Schweiz». Man muss ja Prioritäten setzen. «Genf stellt sich der Gandhi-Frage», rauschte vor Kurzem durch die Medien. Denn der gewaltfreie und erfolgreiche Kämpfer für Indiens Unabhängig wird in Genf mit einem Denkmal geehrt. Aber er sei Rassist gewesen.

De Pury, Agassiz? Sklavenhändler oder Rassisten. Alfred Escher gar? War der Gründer der Credit Suisse und Erbauer des Gotthard-Tunnels etwa auch Rassist? Bislang ist das noch nicht entdeckt worden, aber ein Onkel von ihm soll auf Kuba sein Vermögen mit Sklavenhaltung gemacht haben. Dafür kann nun Escher irgendwie nichts, und dass schon sein Vater – erfolgreich – vor Gericht ging, als ihm das ebenfalls unterstellt wurde, was soll’s.

Es wimmelt von Rassisten

Henry Dunant, bekannt als Humanist, auf dessen Ideen die Gründung des Roten Kreuzes zurückgeht, und die Genfer Konvention? Der Friedensnobelpreisträger «war als Kolonialhändler in Tunesien tätig», weiss das Schweizer Zentralorgan des Antirassismus. Obwohl die «Republik» hier «die Fakten» liefern will, sagt sie leider nicht, was daran anrüchig sein soll. Aber so ist es halt bei «Nachhilfe», wenn der Lehrer dümmlich und ungeprüft nachplappert.

Mangelnde historische Kenntnisse bei allen Antirassisten schützen noch nicht enttarnte Übeltäter.

Einer der ältesten in der europäischen Geschichte bekannten Rassisten war zweifellos Bartolomé de Las Casas. Wohl 1485 im spanischen Sevilla geboren, wurde er Dominikanermönch und brach 1502 nach Hispaniola auf, heute Dominikanische Republik und Haiti.

Dort nahm er an Feldzügen gegen die Ureinwohner teil, 1511 an der Seite von Diego Velázquez als Konquistador in Kuba. Nach der Niederwerfung der Indios wurde de Las Casas zum Landbesitzer, das er mit den ihm zugeteilten Indiosklaven bewirtschaftete, die er auch in eine ihm gehörende Mine jagte.

1515 ungefähr begann ein Umdenkprozess im Dominikanermönch, er begann zu bezweifeln, ob das Halten von Sklaven richtig sei. Er gab in diesem Jahr seine Indios an den spanischen Gouverneur Kubas zurück, wie man es mit geliehenen Sachen halt so tut, und verliess die Insel.

Anschliessend bereiste er die Karibik und Südamerika, schliesslich wurde er 1453 zum Bischof von Chiapas in Mexiko ernannt. 1546 kehrte er endgültig nach Spanien zurück und starb 1566 in einem Dominikanerkloster bei Madrid.

Kämpfer für die Rechte der Indios

Er gelangte zu unsterblichem Ruhm durch seine Werke. Vor allem die dreibändige «Historia general de las Indias». Denn es dauerte lange, bis man vom Irrglauben Abstand nahm, der mit Kolumbus begonnen hatte, dass man einen westlichen, bislang unbekannten Teil von Indien entdeckt habe. In diesem Werk schildert de Las Casas die Conquista von 1492 und Kolumbus an, die Eroberung Mittelamerikas und Perus.

Vor allem aber überdauert sein «Kurzgefasster Bericht von der Verwüstung der westindischen Länder» die Zeiten. 1552 wurde diese flammende Anklageschrift klandestin im Ausland veröffentlicht, denn in Spanien stand sogar die Todesstrafe darauf, ohne höchste Erlaubnis sich zu den Kolonien zu äussern.

Noch 1660 wurde dieser Bericht in Spanien verboten, er schade dem Ansehen. Als er 1966 von Hans Magnus Enzensberger frisch übersetzt auf Deutsch herauskam, behielt er seine Wirkung wie am ersten Tag. De Las Casas beschreibt eindrücklich und ungeschminkt die Greuel, die die Kolonisatoren, die rücksichtslosen Eroberer der Urbevölkerung antaten, immer auf der Suche nach Eldorado, dem sagenhaften Goldland.

De Las Casas listet all die Gemetzel, die gebrochenen Versprechen, die Versklavung, das schnelle Sterben der Indios in Minen oder wegen den unmenschlichen Arbeitsbedingungen unter den Grossgrundbesitzern, ohne Beschönigung auf. Es ist die Geschichte eines Völkermords. Begangen auch im Namen der christlichen Kirche, was allen Kämpfern gegen Rassismus in der Schweiz wohl entgangen ist.

Dafür durchstöbern sie die Geschichte mit heutigen Massstäben, um überall Rassisten und Sklavenhändler zu enttarnen.

Fortsetzung folgt.

 

 

Ringiers rassistische Kinderbücher

Als der Neger noch der Neger war.

Die Geschichte geht so: Ringgi, der Abenteurer, und Zofi, sein Hund, retten in Afrika einem Negerkind das Leben (eine Riesenschlange wollte es verzehren). Schon steht aber das nächste Problem an. Die beiden Abenteurer kommen bald in ein Negerdorf. Zofi hat Angst vor den Negern: «Wenn es nun Menschenfresser sind?» Zofi, aber vor allem Ringgi, haben Glück: Die Neger sind gerade satt und gelüsten nicht nach Menschenfleisch. Dafür bietet ihnen ein alter Neger ein schickes Eselfell feil. Ringgi ist scharf darauf. Der dumme Neger will dafür natürlich Bares. Ringgi kramt aus seinem Portemonnaie nicht etwa Geldscheine hervor, wir sind ja in Afrika, sondern zwei Schweizer Briefmarken. «Der Neger sieht sie und ist hell begeistert. Nach zehn Sekunden ist der Tausch vollbracht. Frohlockend trägt der Neger seine Briefmarken in die Hütte.»

Beliebte Kinderbücher aus dem Hause Ringier

Ältere Semester kennen die Geschichten von Ringgi und Zofi noch aus ihrer Kindheit. Der Ringier Verlag gab über Jahrzehnte die beliebten Kinderbücher heraus. Die oben beschriebene Episode stammt aus dem Band «Ringgi + Zofi – Abenteuer in aller Welt». Erstauflage war 1973. Im Buch wimmelt es von Ausdrücken wie «Negerkind», «Negerlein», «Negerdorf» oder «Negerpolizei». Mohrenkopf ist nichts dagegen. Doch nicht nur die Ausdrücke irritieren den Leser, sondern auch die Beschreibungen, die Comics und leider auch die Reimkünste:

Der Freund und Sudanneger gar
Tanzt wie ein wilder Jaguar.

Dieser Band stellt kein Einzelfall dar. Auch in den späteren Ringier-Büchern wimmelt es von rassistischen Beschreibungen. Das Thema Menschenfresser fasziniert Ringier auch in der Geschichte „Ringgi und Zofi am Amazonas“. Diesmal sind es aber nicht gefährliche Neger, die die beiden Ringier-Angestellten kochen wollen, sondern Indianer:

Schon sitzen sie im Suppentopf
doch Ringgi wahrt den kühlen Kopf
Er sagt zum Häuptling: «Eine Schande
ist Gast zu sein wohl hierzulande!»

Heute ist der Verlag in Afrika dick im Geschäft. „Pulse Ghana“ soll gemäss Ringier Ghanas beliebteste Online-Nachrichtenplattform sein. Elf weitere Seiten decken Länder wie Kenia oder Tansania ab.

Ringier hat mit seinen rassistischen Kinderbücher auch heute kein Problem. «Zur Zeit ihrer Erstellung galten sie keineswegs als diskriminierend», meint die Mediensprecherin. Als Vergleich zieht sie den Klassiker «Emil und die Detektive» herbei. Der Vergleich irritiert etwas. Erich Kästner schrieb seinen Emil im Jahre 1928. Zudem verzichtete Kästner in seiner Detektivgeschichte auf menschenfressende Neger oder Analogien zur Kolonisation. Auch die «Papa Moll»-Bände, die die Mediensprecherin als Vergleiche erwähnt, beinhalten keine rassistischen Zitate; höchstens bessere Reime.

Die eidgenössische Fachstelle für Rassismusbekämpfung FRB findet für die Aussagen im Kinderbuch von Ringier deutliche Worte: «Diese Aussagen sind  rassistisch.»

Keine Aufarbeitung, kein «sorry»

Auf eine Aufarbeitung will Ringier genauso verzichten wie auf eine Distanzierung. «Würden wir „Ringgi und Zofi“ neu auflegen – was nicht geplant ist – würden Passagen, die heute diskriminierende Inhalte vermitteln würden, selbstverständlich korrigiert.» Der Verlag würde es «aufrecht bedauern», wenn «sich Menschen von Aussagen oder Abbildungen in „Ringgi und Zofi“-Büchern diskriminiert fühlen». Wenn ein Schwarzer also Ringiers Kinderbücher liest und sich dabei verletzt fühlt, hätte er Ringiers Ehrenwort, dass der Konzern seine Enttäuschung bedauert.

Die Verlegersgattin Ellen Ringier ist bekannt durch ihr Engagement gegen Rassismus und ihren Einsatz für Kinder. Eigentlich die perfekte Ansprechperson. Auf Anfrage von ZACKBUM.ch teilt sie aber mit: «Meine persönliche Einstellung zu Rassismus ist seit bald einem halben Jahrhundert bekannt, aber auch dieses langjährige Engagement gestattet es mir nicht, Ihnen im Namen des Verlags – übrigens: zu welchem Thema auch immer – zu antworten.»

Im Gespräch erwähnt die Mediensprecherin alte Globi-Bücher, die ebenfalls daneben hauten. Das stimmt, der Schweizerische Nationalfonds hat 2012 die alten Globi-Bücher analysiert und ist dabei auf die wenig überraschende Erkenntnis gestossen, dass «Globi’s Weltreise» aus dem Jahr 1935 rassistische Elemente aufweist. Die kritisierten Texte sind allerdings weniger deftig als die im Ringier-Buch, knapp 40 Jahre später.