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Die Kanonen des SIG

Der neue SIG-Präsident schiesst scharf

Kürzlich hat uns die Tochter die Toilette geschändet. Mit Buntstiften kritzelte sie an der Türe «Bite klopfen, dann drei mal halo sagen». Obwohl ich mit ihr verwandt bin, habe ich den Fall an den Schweizerischen Toilettenverband Schweiz (STS) gemeldet. Eine Untersuchung ist im Gange. Der STS klassiert die Schmiererei als schweren Vorfall, die Tochter erhält nun zwei Monate lang keinen Süsskram.

Der tragische Vorfall ähnelt in verblüffender Weise der Schandtat in Biel. Dort wurden an der Synagogentür antisemitische Kritzeleien entdeckt. Wie reagiert man auf so etwas? Das jüdische Wochenmagazin «tachles» findet die richtigen Worte: «Schändung der Synagoge».

Der «schwere antisemitische Vorfall» habe sich am Donnerstagmorgen ereignet. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) zeigt sich in einer Medienmitteilung «zutiefst schockiert», die Polizei ermittelt in alle Richtungen.

Die Schandtat von Biel machte natürlich die Runde. Die NZZ und anderen Medien übernahmen gerne die Meldung der «Schändung». Für den SIG handelt es sich aber um mehr: «Die Einritzungen stellen eine massive Schändung der Synagoge und einen schweren antisemitischen Vorfall dar.»

Wer sich die Bilder der Schandtat anguckt, zweifelt in erster Linie aber an der Zurechnungsfähigkeit des SIG. Diese Kritzeleien sollen eine massive Schändung darstellen? Ist das nicht ein bisschen starker Tobak?

Die Medienmitteilung erstaunt nicht. In der gleichen Woche jaulte der SIG ebenfalls schockiert auf. Grund war ein launiger Meinungsartikel von Klaus J. Stöhlker auf Inside Paradeplatz. Stöhlker lästert ein bisschen über gewisse Juden, alles im erlaubten Rahmen. Nur einen groben Schnitzer machte er: «Einer der intelligentesten Juden in der Üsserschwiz ist Yves Kugelmann, der Chefredaktor der liberalen jüdischen Wochenzeitung Tachles.» Aber auch hier: Richtig falsch sind nur die drei Wörter «einer der intelligentesten»

Ralph Lewin, der ziemlich neue SIG-Präsident, reagierte gleich mit einem «Offenen Brief». Lewins Sorgen möchte ich haben. Ihn stört allen Ernstes, dass Stöhler über Juden schreibt, dass «sie kultiviert, gebildet und reich seien.» Lewin unterstellt Stöhlker, dass er Juden als «unverschämt reich» darstellt. Davon ist nirgends die Rede. Stöhlker, so Lewin, beschädige mit seinem Artikel «die Aufklärungs- und Vermittlungsarbeit vieler engagierter Menschen.»

Das ist leider die Sprache des SIG. Antisemitische Kritzeleien bedeuten für ihn gleich eine «massive Schändung» und eine Meinungsäusserung zerstören irgendwelche Aufklärungsarbeit. Es ist eher umgekehrt. Wer keine kritischen Meinungen zulässt, erntet anonyme Kritzeleien.

Vielleicht sollte der SIG sein Kriegsarsenal nochmals überdenken. Auf Spatzen kann man auch Kieselsteine werfen.