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Die Umwelt wird Gut

Bäumlein, wechsle dich. Philipp Gut ist einer Berufung nachgegangen. Werden das beide – die Umwelt und er – überleben?

Das nennt man eine Wendung, er nennt’s sicher konsequent. Philipp Gut wurde als stellvertretender Chefredaktor der «Weltwoche» bekannt. Unverbrüchlich an der Seite von Roger Köppel war er immer mal der Mann fürs Grobe. Der dann auch wegen übertriebener Härte Niederlagen vor Gericht einstecken musste.

Er war der bissige Pitbull (wenn man das Verdikt der Kämpferin gegen Herabwürdigung und Sexismus zitieren darf, was im Fall Claudia Blumer aber nicht für Roger Schawinski gilt), der Verfolger, der Nachfasser. Aber er war auch immer wieder für eine Überraschung gut; so hat er beispielsweise den letzten noch lebenden Jahrhundertzeugen und Chefankläger am Nürnberger Gerichtshof uns wieder in Erinnerung gerufen. Denn Ben Ferencz ist trotz seines biblischen Alters von 100 Jahren noch voll da, beeindruckend und berührend.

Aus den Begegnungen hat Gut ein Buch gemacht, das Respekt abnötigt. Dann gab es plötzlich einen bis heute nicht erklärten Abgang; Gut machte sich selbständig. Und taucht nun wieder auf als Verleger der «Umwelt Zeitung» auf. Etwas überraschend, denn Gut ist bislang nicht wirklich für seinen grünen Daumen oder als Vorkämpfer für Umweltthemen aufgefallen.

Da wird es in der lange Reihe seiner Artikel in der WeWo, die bekanntlich an den meisten Horrormeldungen von Umweltschützern zweifelt, sicher ein paar Trouvaillen zu heben geben.

Aber man kann ja auch älter und weiser werden. Neu hat sich Gut auf seine ergrünende Fahne geschrieben: «Wir wollen das Megathema ‹Umwelt› in seiner ganzen Bandbreite und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.» Das ist nun noch ein bitzeli wolkig, neblig, vielleicht konturlos. Geht’s nicht eine Birkenstocksandale konkreter? Nun, er will die «Umwelt Zeitung» als «im besten Sinne liberale Plattform für Innovation und Debatte» positionieren.

Mit wem und gegen wen soll sich die «Umwelt Zeitung» positionieren?

Das würde wohl bedeuten, in der Nähe der Grünliberalen, die nach anfänglichen Erfolgen durchaus mal wieder Schub gebrauchen könnten. Aber wie steht es dann mit den Grünen? Mit all den Umweltverbänden? Wie wird er seine Vorliebe für Sportwagen da einbringen? Wie könnte er gar die SVP ins Boot holen, die nun nicht gerade als die Umweltpartei gilt?

Zum Start haben Neu-Verleger Gut sowie Inhaber und Geschäftsführer Guiseppe Nica, unterstützt von Franciska Nica, eigentlich nur den üblichen Managermüll geäussert: «hochkompetenter Medienprofi», schwelgt Nica über Gut, und selbstverständlich: «Ich bin überzeugt, dass die Umwelt Zeitung mit ihrem einzigartigen Qualitätsprodukt sehr erfolgreich am Markt sein wird.»

Nun ist es aber auch nicht in der Wolle gefärbten Grünen bekannt, dass dieses Klientel ein eher schwieriges ist. Es ist, gelinde gesagt, eher breit aufgestellt. Vom esoterischen Kraftkristall-Jünger mit Vollklatsche über konsequente Selbstversorger mit Hass auf die umweltzerstörende Zivilisation, über Bäume-Umarmer, Waldverteidiger, Autofeinde, Gletscherschützer bis hin zu politischen Grünen und Grünliberalen.

Wenn man sich die Themen der aktuellen «Umwelt Zeitung» anschaut, dann spriesst dort wirklich nur das Grüne. «Sichere Investition Wärmepumpe», «Rekordwachstum der Schweizer Solaranlagen», «der Klimawandel ist bereits spürbar», ein Bericht der «Mbyá Guaraní» aus Argentinien, die als indigenes Volk «von und mit der Natur leben», aber von Vertreibung bedroht sind.

Philipp Gut wächst in eine neue Aufgabe rein.

Mehr Platz für Velowege, natürlich, ÖV statt Individualverkehr mit Autos (dazu gehören leider auch Sportwagen), ob diesem Publikum eine Kampagne von Philipp Gut aus dem Jahr 2018 gefällt? «Züge sind lärmiger als Autos», fasste Gut damals seine Erkenntnisse zusammen. Dann zählte er eine ganze Reihe von Orten auf, in denen die Bevölkerung «gegen die aus ihrer Sicht unzumutbare Lärmbelastung durch Züge auf die Barrikaden geht».

Wir wünschen natürlich viel Glück und gutes Gelingen; sind aber auch gespannt darauf, wer gegen die für ihn unzumutbare Gutbelastung auf die Barrikaden geht.

«Ist das so korrekt?»

Premiere im «Schweizer Journalist»: Der Chefredaktor verunglimpft einen Medienschaffenden

Und muss sich dafür im Blatt entschuldigen. Eine Nachlese.

 Am 10. Februar hatte David Sieber ein Problem. Der ziemlich neue Chefredaktor des «Schweizer Journalisten» hatte fast alle Artikel für die erste Nummer von 2020 zusammen. Ein Porträt über die Politikchefin beim Blick, eine Geschichte über eine Journalistin auf Weltreise und ein paar alte Kamellen über Beförderungen. Sachen, die in einem Branchenblatt halt so vorkommen. Was dem 57-Jährigen noch fehlte, war eine spannende Geschichte für das 15 Franken teure Heft.

Sieber setzte sich am Nachmittag des 10. Februars nochmals an den Rechner hin und schrieb eine E-Mail an Philipp Gut, Ex- stellvertretender Chefredaktor der Weltwoche. Er habe vernommen, so Sieber, dass der Grund für Guts Abgang bei der Weltwoche ein Verhältnis mit Köppels Sekretärin sei. «Ist das so korrekt?» Eine Deadline fehlte. Gut antwortet ihm am 13. Februar, um 12:41 Uhr: «kompletter Unsinn.»

Die Geschichte war klinisch gesehen also tot. Moralisch gesehen, schon früher. Niemand interessiert sich ernsthaft dafür, ob zum Beispiel die Mutter von David Sieber Sex mit dem Gärtner hatte oder nicht. Man nennt so etwas altmodisch «Privatsphäre».

Leider zu spät

Sieber antwortete Gut: «Danke. Leider sind Sie zu spät. Das Heft ist gedruckt, das Gerücht drin, inkl. Köppels Dementi.» In der Nummer 1/2020 frotzelte dann Sieber alias «Dr. Media» genüsslich, dass nicht nur Gut, sondern auch die Sekretärin entlassen worden seien. Der Haken: Die Sekretärin arbeitete zu diesem Zeitpunkt weiterhin bei der «Weltwoche».

Zackbum wollte von Sieber wissen, wann die Antwort von Gut hätte erscheinen müssen, um das Fiasko zu verhindern. Drei Stunden früher, so Sieber. Wahrscheinlich stimmt das auch nicht. Sieber hätte den Artikel verhindern können. Wie sehr er das wollte, ist eine andere Geschichte. Das Heft wurde erst am 14. Februar gedruckt. Sieber hätte den Artikel darum problemlos verhindern können, indem er die entsprechende Druckseite ausgewechselt hätte.

«Da ist mir der Gaul durchgegangen.»

Gut verlangte ein Dementi in der nächsten Nummer. Sieber realisierte langsam, dass er Blödsinn gemacht hat. «Da ist mir der Gaul durchgegangen», schreibt er Gut. In der nächsten Nummer erscheine das Dementi, verspricht er ihm. In der Nummer 2/2020 steht aber nichts. Sieber rechtfertigt sich gegenüber Gut. Wegen der «internationalisierten» Nummer von 2/2020 sei das Korrigenda nicht erschienen. «Ich hätte Sie informieren müssen, was mir leider unterging.»

Fake News sind überall

Gut hatte langsam die Faxen satt. Er wendet sich an den Presserat und nimmt einen Anwalt. Und nun geht alles plötzlich schnell. Man findet einen Kompromiss: Gut lässt die Beschwerde fallen, Sieber frisst dafür Kreide. In der Nummer 3/2020 entschuldigt er sich «in aller Form für die Falschmeldung».

Das Ganze wirft aber ein schiefes Licht auf den Chefredaktor des «Schweizer Journalisten» und ehemaliges Mitglied des Stiftungsratsausschusses des Schweizer Presserates. In einem Interview antwortete er auf die etwas dämliche Frage, ob Fake News eine Gefahr oder eine Chance für die Medien darstellten, mit «Eine Gefahr. Weil Medien immer mal wieder auch Fake-News-Lieferanten sind. Leider.» Ja, leider.