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SRF: „Alles riecht nach Mittelmass“

Zurück in die Zukunft: Als es die Fernsehfabrik gab

«Alles riecht nach Mittelmass», ist eine der Kernaussagen von zwei Reportagen über das Schweizer Fernsehen. «Die Fernsehfabrik», so der Titel, wurden intern produziert. Der Inhalt ist oft selbstkritisch und gut reflektiert. Viele bekannte TV-Gesichter kommen vor. Dafür sind die Interviews mit der Chefetage eher langatmig und leicht unterwürfig. Der Grund: Die Trouvaillen stammen aus den Jahren  1973 und 1980. Jetzt kann man sie auf Youtube anschauen. Der Clou: bei einem der Filme  (1973) führt der spätere Fernsehdirektor Peter Schellenberg Regie.

Beim anderen  (1980) Urs Bernhard, der danach eine internationale Karriere als Regissseur und Modefotograf hinlegte.

Für ältere Semester sind die Filme eine Augenweide, weil man viele Protagonisten vor der Kamera noch kennt, zumindest vom Hörensagen. Etwa «Menschen-Technik-Wissenschaft»-Gründer André Ratti, Moderatorin Heidi Abel, Nachrichtensprecher Léon Huber oder die noch überschaubar kleine Sportabteilung.

Für Unter-40-Jährige sind die Dokumente allenfalls interessant als Rückblende. Im Stil von: «Als die Blder laufen lernten». Doch wären so selbstkritische Portraits über SRF heute noch möglich? Wo alles von Medienjuristen und PR-Leuten geprüft und oft weichgespült wird? ZACKBUM.ch hat nachgefragt bei Laut Carmen Hefti, Leiterin Media Desk von SRF.

 „Alles riecht nach Mittelmass“. Würde so eine kernige Aussage heute noch durchgehen?

«Hier muss ich etwas ausholen, denn es kommt immer auf die Sendung und auf den Kontext an, und auch darauf, wer eine solche Aussage macht (ist es eine Meinung eines Porträtierten oder wird eine solche Aussage im Off-Text bzw. von einer Moderatorin oder einem Moderator gemacht). Pointierte Aussagen sind prinzipiell erlaubt, solange wir keine Personen und keine Gruppen von Personen diskriminieren – weder wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit noch aufgrund ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechteridentifikation.» In längeren Beiträgen oder Dokumentationen könne auf Nationalität und ethnische Zugehörigkeit, Religion, sexuelle Orientierung, Geschlechteridentifikation und dergleichen eher eingegangen werden, weil dort die Möglichkeit besteht, bestimmte Haltungen zu begründen, Zusammenhänge zu erläutern sowie stereotype Vorstellungen zu benennen und ihnen entgegenzuwirken.

Hefti liefert noch folgende Unterscheidung: «Bei Sendungen mit Informationsgehalt muss das Publikum in die Lage versetzt werden, sich aufgrund der vermittelten Fakten und Meinungen eine eigene Meinung zu den behandelten Themen bilden zu können. Umstrittene Aussagen sowie Ansichten und Kommentare müssen als solche erkennbar sein.» Wenn also beispielsweise in einer Dokumentation oder Reportage Personen ihre Meinung pointiert äussern, sei das in Ordnung, solange die Meinung entsprechend eingeordnet werde, so Hefti.

Die Filme findet man hier:

Die Fernsehfabrik (1973)

Die Fernsehfabrik (1980)

Laut SRF gibt’s im SRF-Archiv  insgesamt vier Sendungen «Die Fernsehfabrik». Die beiden Sendungen von 1973 und 1980 sind online zu finden, die anderen zwei Sendungen – die von 1983 und 1987  – aktuell nicht.