Beiträge

Dramatischer Rückgang beim «Persönlich»-Newsletter

10’000 weniger Abonnenten innerhalb zwei Jahren

Das «Online-Magazin für Entscheider und Meinungsführer» hat gemäss Mediadaten innerhalb eines Jahres ein Viertel seines Abonnentenstamms verloren: Zählte der Verlag 2020 noch 20’000 Leser, waren es 2021 plötzlich nur noch 15’000. 2019 soll die Reichweite sogar 25’000 betragen haben. Die Daten sollen von der mittlerweile deaktivierten Online-Forschungsstelle NET-Matrix stammen, die aber gar keine Statistik über Newsletter führte.

Die hohe Abmelderate von 25, beziehungsweise 20 Prozent wirft Fragen auf. Studien gehen bei Newslettern von einer durchschnittlichen Rate von 0,1 Prozent aus. Die wenigsten stellen einen Newsletter ab. Er kostet ja auch nichts. Warum aber soll die Abmelderate beim Persönlich-Newsletter 250 Mal höher sein? Und weshalb soll die «Auflage» überhaupt geschrumpft sein? 2020 war doch das Jahr der Online-Magazine. Waren die 25’000 im Jahr 2019 und die 20’000 im Jahr 2020 vielleicht zu hoch gegriffen? Das wäre unschön für die gutgläubigen Inserenten gewesen.

Der tägliche Newsletter ist für den Verlag nämlich sein wichtigstes finanzielles Standbein. Bis zu 2500 Franken kostet ein einziger Werbebanner im daily Newsletter. Dafür gibts eine Viertelseite im Persönlich-Magazin, das aber nur zehn Mal im Jahr erscheint. Der Chefredaktor,  Matthias Ackeret, wollte leider keine Stellung nehmen.

 

Ein Fall für Dr. Ackeret

Knifflig, heikel, kompliziert.

Wenn die dicke Berta viel Kuchen isst, muss sie häufiger auf Toilette. Wenn Onkel Paul immer unter die Röcke fremder Frauen guckt, kassiert er irgendwann eine Ohrfeige. Das nennt man logische Schlüsse. Was passiert aber, wenn immer mehr Menschen sterben? Gibt es dann mehr Todesanzeigen oder weniger?

Wer dieses Rätsel knacken will, muss Vorlesungen besucht haben und einen messerscharfen Verstand haben. Damit sind wir bei Dr. Matthias Ackeret angelangt. Der «Persönlich»-Verleger, enorm erfolgreicher Bücherautor und leidenschaftlicher Martin Walser-Experte hat in langwieriger Recherche herausgefunden, dass bei CH Media «eine temporäre, markante Zunahme» bei den Todesanzeigen festgestellt werden konnte. Chappeau, Herr Kollege!

Kommen wir nun zu den beiden letzten ungeklärten Fragen: Wie sieht es eigentlich bei den Särgen aus? Werden bei steigenden Todeszahlen mehr oder weniger Särge verkauft? Und was ist mit diesen Blumengestecken? Haben die Floristinnen höheren Umsatz bei mehr Corona-Toten? Herr Dr. Ackeret, bitte übernehmen Sie!

Sommerpause – unangemeldet

Wer beim Medienkonsum nicht genau aufpasst, wird ganz schön an der Nase herum geführt.

Print, Radio und Fernsehen machen Sommerpause. Das war schon immer so und ist trotz der Coronakrise nicht anders geworden. Das Tagi-Magi erscheint wochenlang nicht. Radio-1-Chef Roger Schawinski lässt seine vergangenen Talks zusammengeschnitten ausstrahlen. Fernsehen SRF verzichtet mehr als zwei Monate auf Sendegefässe wie die Arena, die Rundschau oder Einstein. Blick konstatiert dazu: Ausgedünnte Konservenkost. Und kritisiert – nach der verunglückten Admeira-Partnerschaft Ringier-SRF-Swisscom – ­ in alter Frische: «Gerade in Zeiten von Corona ist das Bedürfnis nach informativen Struktursendung auf öffentlich-rechtlichen Sendern gross.»

Schawinski «live»

Da kommt einem das gute alter Radio SRF gerade gut gelegen. Denn dort wird unverdrossen gesendet. Regionaljournal, Mittagsjournal, Tagesgespräch, Echo der Zeit sind nur einige der informativen Struktursendungen. Vorbildlich! Doch auch Radio SRF leistet sich den einen oder anderen Schnitzer. So strahlte Radio SRF 1 vergangenen Sonntag um 10 Uhr die Talk-Sendung «Persönlich» mit dem Ehepaar Schawinski Sontheim aus. Typisch Schawinski erklärte Roger zu seinem neuen Buch: «Ich will weitergeben, warum mir so viel gelungen ist im Leben.» Kurz darauf dann die Frage von Moderatorin Daniela Lager: «Noch zwei Talks und dann ist Schluss mit Fernsehen, wie gehst Du damit um?»
Nun dämmerts dem Zuhörer langsam. Das Gespräch muss doch schon älter sein. Und tatsächlich. Es handelt sich um eine Aufzeichnung der Sendung vom 15. März 2020. Das ist an und für sich nicht so tragisch. Aber dass Radio SRF vor der Wiederholung am 9. August 2020 nicht darauf hingewiesen hat, ist eine spezielle  Art von Irreführung.

Moderatorin Angélique Beldner

Immerhin: Nächsten Sonntag schaltet die seit bald 45 Jahren bestehende «Persönlich»-Sendung wieder auf den Live-Modus. Mit dabei dann der Musiker und Komponist Christian Häni, sowie Angélique Beldner. Man kennt sie von der  Quizsendung «1 gegen 100» und als Moderatorin der «Tagesschau» am Mittag und um 18 Uhr. Ein bisschen Schleichwerbung für die SRG-Familie darf auch im grundsätzlich werbefreien Radio SRF nicht fehlen.