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#DACHelles: Aus die Maus?

Macherinnen fragen Zuschauerinnen.

Nach sechs Folgen hat sich die Youtube-Wirtschaftssendung #DACHelles bereits in die kreative Pause verabschiedet. Wann die nächste Staffel kommt, bleibt offen. Die drei Macherinnen fragen bereits verzweifelt: «Was sollen wir recherchieren und aufbereiten?» Das sexy Thema «Altersvorsorge» hat da gewonnen. Früher verstanden Frauen unter dem Begriff Heirat.

Die letzte Folge lief am 13. Januar auf Youtube. Kommt die nächste Staffel morgen, in einem Monat, im Jahr 2056? Man weiss es nicht. Das Publikum in Unwissenheit zu verlassen, ist wohl der brutalste Fehler bei einem Sendeformat.

Dabei müsste #DACHelles eigentlich beweisen, dass es auch eine erste Durststrecke überbrücken kann. Die Zuschauerzahlen gingen nämlich kontinuierlich zurück (Stand 26.01.2021): 6753 (erste Episode), 2809, 2013, 2003, 1648, 1329.

Sämtliche sechs Sendungen waren gemäss meedia.de bereits vor dem  9. Dezember gedreht worden: «Sechs Folgen haben sie bereits produziert, im ehemaligen Studio von CNN Money.» Von Aktualität also keine Spur. Ob der bisherige Sponsor Marc Benioff (salesforce) Lust hat, weiterhin Sendungen für 2000 Zuschauern zu finanzieren, bleibt offen.

Wahrscheinlich muss Patrizia Laeri auch nach einer neuen Moderatorin Ausschau halten. Tijen Onaran sammelt dieser Tage 50 oder 100 Millionen Euro. Und zwar für einen Risikokapitalfonds – «nur für Frauen». Da bleibt nicht viel Musse übrig, über Themen wie «Vielfalt» oder «Konsum» zu plappern. Onaran will mit dem vielen Geld Gründerinnen unterstützen. Sie (und Patrizia Laeri) wissen aus Erfahrung: «Frauen haben es schwerer, an Kapital zu kommen.» Auch hier galt früher die Losung: Heirat.

Inflation für Dummys erklärt

Aber leider auch von einem Dummy: Patrizia Laeri stöckelt durch die Teuerung.

Ihre gesponsorte, betrommelte und von Ringier durch alle Gefässe gezogene Wirtschaftssendung mit dem merkwürdigen Titel «#DACHelles» dümpelt mit einer deflationären Einschaltquote vor sich hin, dass bald einmal mehr Leute im Studio sind als vor dem Bildschirm.

Ein weiteres prima Marketingelement soll ihre Kolumne im «Blick» sein. Hier tritt sie als «#aufbruch mit Patrizia Laeri» auf. Was sie damit will? Nun, bei Twitter beschreibt sie sich so: «committed to change the face of the media industry.» Vielleicht noch ein Überbleibsel aus ihrer Zeit als am kürzesten und unbezahlt amtierende Chefredaktorin der Schweiz.

Aber gut, Geld scheint zumindest nicht ihr Problem zu sein. Denn sie beginnt ihre Erklär-Kolumne «So teuer ist das Pandemie-Leben wirklich» mit, das soll doch für Leserbindung sorgen, einem persönlichen Erlebnis.

Jessas, ein harmloser Grosseinkauf kostet fast 500 Stutz

Der Grosseinkauf für die Grossfamilie zu Hause. Huch: «485 Franken, bitte.» Laeri räumt einen leichten Kaufrausch ein, «zugegeben, das Laufband lief lange», aber so viel Geld «für Lebensmittel, ein paar Zahnpasten und Duschgel? Sind die Preise derart gestiegen?»

Nun, das kommt darauf an. 500 g Kaviar aus China kosten schon 1390 Franken. Wer mit gutem Gewissen bei Farmy einkaufen will, legt für 50 g echten Schweizer Kaviar 125 Franken hin. Ein Duschgel von «Angel», wenn Laeri das gleiche Parfum verwendet, dass Tamedia bei Melania Trump erschnuppert haben will, kostet 50 Franken. Für schlappe 200 ml.

Aber Laeri will einer anderen Spur nachgehen. Corona habe unser Kaufverhalten auf den Kopf gestellt, es seien viel mehr Lebensmittel gekauft worden, und die deutlich im Preis gestiegen, wie zum Beispiel Butter. Dagegen wollten uns die «Statistiker des Bundes das Gegenteil weismachen». Das Leben sei 2020 um 0,7 Prozent billiger geworden.

Laeri zeigt mit Plattitüden, dass sie den Durchblick hat

Aber nicht mit Laeri, die geht der Sache mal auf den Grund. Inflation werde anhand eines Warenkorbs gemessen. Soweit richtig. Aber: «Der Landesindex der Konsumentenpreise entspricht immer weniger der Lebensrealität der meisten Menschen hierzulande.» Das ist auch richtig, nur: Der Warenkorb bildet die Grundbedürfnisse einer Durchschnittsfamilie ab. Eben zum Beispiel einen Einkauf von Lebensmitteln und Hygieneartikeln.

Butter ist da auch dabei, WC-Papier sowieso. Also wenn es da Preissteigerungen gegeben hat, wären die garantiert im Index drin. Also bleibt es dabei: weniger einkaufen, oder mehr auf die Preise achten. Dann wird das schon mit Laeri und der Inflation.

Recht hat sie hingegen wieder mit der Feststellung, dass bedeutende Ausgaben wie Wohnen oder KK-Prämien absurderweise nicht in diesem Warenkorb enthalten sind. Das führt dann tatsächlich zu einer sogenannten «gefühlten Inflation», die aber auch mit einem breiteren Produktekorb gemessen wird.

Den falschen Baum angebellt, sagt man auf Englisch

Laeri hat sich allerdings nicht über ihre Miete oder über die KK-Prämien für ihre Grossfamilie aufgeregt. Ausserdem gäbe es noch die nicht unwichtige hedonische Messmethode, aber das ist dann eher was für Fachleute.

Laeri will nicht nur erklären, obwohl sie schon daran scheitert. Sie will auch kritisieren, eine Lanze für die Menschen draussen im Lande brechen, für die «Blick»-Leser. Denn wenn man «die Teuerung falsch berechnet», hat das furchtbare Konsequenzen. Beispielsweise für die Löhne. Natürlich sinkt dann die Kaufkraft vor allem bei den «weniger finanzkräftigen Familien».

Sind nun die Reallöhne gesunken oder gestiegen?

Nun sind aber die Reallöhne nach vorläufigen Schätzungen 2020 um 1,2 Prozent – gestiegen. Auch das hält Laeri nicht von ihrer populistischen Forderung am Schluss ab: «Die Schweiz muss die Teuerung endlich volksnäher berechnen.»

Genau; dann können sich sicher auch finanzschwache Familien einen Grosseinkauf für fast 500 Franken für ein paar Lebensmittel, Zahnpasta und Duschgel leisten. Aber eben, leider hören viel zu wenige (und immer weniger) auf Laeri. Kleiner Tipp: Manchmal steigert schon der Kauf von Louboutins die Stimmung ungemein.

Was macht eigentlich …

Christophe Rasch? Man erinnert sich: CNN Money Switzerland. Riesensprüche, Riesenschaden.

Rasch ist offensichtlich ein erfahrener Bruchpilot. Seine Werbebude MediaGo hält ihn soweit über Wasser. Und die Tatsache, dass er sorgfältig darauf achtet, ja keine persönlichen Verpflichtungen oder Haftbarkeiten einzugehen.

So überlebt er eine Bruchlandung nach der anderen. Da wäre «La Télé», einen welschen Regionalsender wollte Rasch zum nationalen TV-Medium ausbauen. Think big, «das Fernsehen neu erfinden», das war schon immer die Welt von Rasch. Und mit der grossen Kelle anrichten.

Obwohl «La Télé» ursprünglich nur eine Konzession für Waadt und Freiburg verfügte, musste es ein Headquarter in Genf sein. 2009 ging’s los, fünf Jahre später klaffte ein Loch von 1,5 Millionen in der Bilanz. Unfreiwilliger Abgang Rasch.

Grosse Versuche, grosses Scheitern, grösser versuchen

Ebenfalls früh hatte er seine Vorliebe für englischsprachiges Randgruppenprogramm entwickelt. Das äusserte sich in der Webseite «Swisster». Schöner Slogan: «Local news. Global views». Auch hier spuckte Rasch grosse Töne, heute ist Swisster nur noch im Webarchiv aufzufinden. Sie erreichte nie genügend Einnahmen, um den Betrieb zu finanzieren.

Versuch’s gross, scheitere gross, versuch’s grösser. Nach diesem Motto setzte Rasch dann zu seiner bislang grössten Bruchlandung an. Er kaufte sich die Lizenz für CNN Money Switzerland. Dem Vernehmen nach für eine satte Million im Jahr. Klotzen, nicht kleckern, war hier die Devise. Modernste Studiotechnik in Zürich, bekannte Gesichter als Ankorwomen wie Martina Fuchs, begabte Wirtschaftsjournalisten im Hintergrund, Urs Gredig als Chefredaktor und Aushängeschild.

Schon wieder wollte Rasch das Fernsehen neu erfinden, Englisch sei die einzige Sprache, die im Geschäftsleben zähle, das werde ein Riesending. Es wurde ein Riesenflop. Einschaltquote unter der Messgrenze, Werbung kaum vorhanden, andere Einnahmen auch nicht. In den 32 Monaten Sendung, bei denen wohl häufig etwa gleichviele Zuschauer im Studio wie ausserhalb sassen, verröstete Rasch mal schnell schätzungsweise 20 Millionen Franken.

Suspekte Financiers aus Asien und Dubai

Woher hatte er denn die ganze Kohle? Nun, da gab es zwei Brüder in Bangladesh, die angeblich wahnsinnig daran interessiert waren, aus lauteren und seriösen Gründen ein Start-up in der Schweiz zu finanzieren. Nachdem das, wie bei Rasch üblich, viel weniger Einnahmen, dafür viel mehr Ausgaben generierte, als im Businessplan vorgesehen, kam noch ein dritter Investor aus Dubai an Bord.

Die Probleme spitzten sich zu, als im Mai letzten Jahres bekannt wurde, dass die beiden Brüder sich nach Thailand abgesetzt hatten, um einer Verhaftung zu entgehen. Sie sollen einen Banker mit dem Tod bedroht haben. Das liess doch erste Zweifel an ihrer Seriosität aufkommen, ausserdem hatten sie nun andere Probleme, als weiterhin Geld bei Rasch zu verlochen.

Zuerst schöne Sommerferien, dann Stecker raus

Der gönnte sich noch luxuriöse Sommerferien, um danach schlagartig den Stecker bei CNN Money Switzerland rauszuziehen. Die mit Pomp und Rasch durchgeführte Eröffnung des  zweiten Studios in der Westschweiz fand bereits ohne die Mitarbeiter von CNN Money Switzerland statt.

Am härtesten traf es Patrizia Laeri, die noch im Frühling als Nachfolgerin für Gredig angekündigt wurde, der rechtzeitig, wie auch Fuchs, Lunte gerochen und sich abgeseilt hatte. Sie trat ihre Stelle am 1. Juli an, wurde wie alle anderen im August gefeuert und bekam wie alle anderen kein Gehalt mehr.

Damit aber nicht genug; wie der «Tages-Anzeiger» enthüllte, verabschiedete sich Rasch auch mit unbezahlten Rechnungen bei der AHV und der Pensionskasse. Laut Betreibungsauszug handelt es sich um insgesamt knapp 200’000 Franken. Das ist so ziemlich das Letzte, was eine Firma machen sollte, denn nach dem Konkurs kann das dazu führen, dass die versicherten Arbeitnehmer Einbussen in der Rente erleiden werden. Und wer möchte schon monatlich die Quittung sehen, dass der Arbeitgeber die Beiträge auch überwiesen hat.

Konkursverschleppung, strafbare Handlungen? Das Verfahren schleppt sich hin

Aber auch bei solchen Schweinereien ist es in der Schweiz eher aussichtslos, auf den Veraltungsrat oder die Geschäftsleitung Regress zu nehmen. Und Rasch? Der sagte, dass er bis zum Abschluss des Konkursverfahrens nichts sage, alles mit rechten Dingen zugegangen sei, man gut unterwegs war, aber dann kam Corona, das war natürlich unvorhersehbar.

Angeblich mit 20 Prozent soll Rasch über seine MediaGo an dem gescheiterten Sendeexperiment beteiligt gewesen sein.  Ob und wann er allenfalls seine Schäfchen ins Trockene brachte, ob es sich um einen klassischen Fall von Konkursverschleppung handelt, ob andere strafbare Handlungen vorliegen, man könnte an Geldwäsche denken, das werden die langsam mahlenden Mühlen der Schweizer Justiz aufzudecken versuchen.

«Wir schaffen Ihren Erfolg» – aber nicht unseren

Auf jeden Fall grinst Rasch immer noch fröhlich als Gründer, Mitglied des VR und CEO von der Webseite der MediaGo. Der Werbespruch auf der Homepage ist allerdings an unfreiwilliger Komik kaum zu übertreffen: «Wir schaffen Ihren Erfolg mit ansprechenden Inhalten und effektivem digitalem Marketing.» Ein echter Brüller zum Tränenlachen.

Nur nicht für die geprellten 25 Mitarbeiter, die wie bei jedem Start-up alles gaben, dann noch auf den sozialen Medien die Angeberfotos von Raschs Urlaub anschauen durften, um dann kurz spitz auf die Strasse gestellt zu werden. Ohne Sozialplan, ohne Ankündigung, ohne nichts.

 

Miese Quote für #DACHelles

Drei Engel für garnichts.

Viermal ist das Frauentrio bereits aufgetreten. Rot hat bisher am meisten Zuschauer angelockt, nämlich 6292 (Stand 4.1.2021). Patrizia Laeri und die anderen zwei Moderatorinnen sprachen zum Thema Konsum. Die 40 Kommentare schwanken zwischen «Das Schlechteste, was ich jemals gesehen habe» und «Es ist historisch».

Eine Woche später kleideten sie sich gelb. Das Zuschauerinteresse sank um 70 Prozent auf 2500 Aufrufe. Und wieder eine Woche (diesmal alle in Blau) fiel die Anzahl Klicks nochmals um 40 Prozent auf knapp 1500.

1500 Zuschauerinnen und Zuschauer in zwei Wochen? Bei so viel Prominenz und Goodwil? Da ist sogar das Video «Wie Man Dickdarm Zu Hause Reinigt» beliebter (3168 Aufrufe in zwei Wochen). Von «DIE BESTEN FRITTIERTEN HÄHNCHENTEILE ZU HAUSE MACHEN» ganz zu schweigen (14’286 Aufrufe in fünf Tagen).

Nach vier Folgen muss man leider feststellen: Die Sendung hat zu wenig Inhalt, Witz und Brisanz. Oder, wie es ein Zuschauer treffend beschrieb: «Was ich hier erhalte, ist Oberflächlichkeit und Rezitieren von 1000 mal Gehörtem.»

Dachschaden?

Ein paar männlich-überflüssige Bemerkungen zu DACHelles.

Eigentlich ist Beni Frenkel unser Sonderkorrespondent für alle Fragen (und Antworten), die mit Leben und Karriere von Patrizia Laeri zu tun haben. Leider sieht es ganz danach aus, als ob sie dem Weg des ehemaligen «Mr. Corona» Daniel* Koch folgen wollte. Obwohl sie entschieden attraktiver ist.

Oder wie sagte schon Napoleon so richtig: Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist es nur ein Schritt. Apropos Schritt; ich bitte um freie Meinungsäusserungen, was nicht nur Fundamentalfeministinnen sagen würden, wenn ein Mann, also ein Schwein, mit diesem Intro eine Wirtschaftssendung angeteasert hätte:

So tackert Laeri in die Sendung.

Genau, pfuibäh würden alle sagen, denen es mit #metoo ernst ist, denen die Reduzierung einer Frau auf High Heels und schöne Beine ein Greuel ist. Nun sieht es aber ganz so aus, als ob Patrizia Laeri darauf steht – und auch ihre beiden Mitmoderatorinnen dazu gebracht hat, High Heels, nur rot oder schwarz ist erlaubt, einen kurzen Rock und einen Business-Hosenanzug anzuziehen.

Aber in Signalrot, bitte. So signalrot wie die Lippen. Nur die Teilnehmerin, die schon rote High Heels trägt, darf dafür einen dezenteren Lippenstift auflegen.

Schluss mit diesen Oberflächlichkeiten 

Aber genug der Äusserlichkeiten, genug des typisch männlichen Blickwinkels. Wobei, ein lustiges Detail sei noch vermerkt.

So sieht der Moderationstisch im Intro-Teaser aus:

CNN Money Switzerland lebt doch weiter?

Und so dann in der ersten Sendung:

Gleicher Tisch, gleiche Frauen, anderer Look.

Da fehlt doch was, da wurde doch was übermalt? Aber was nur? Egal, auch das sind ja Äusserlichkeiten. Vielleicht wollte Laeri zuerst auf ihre tragische Karriere bei CNN Money Schweiz hinweisen, das dann aber doch lieber lassen.

Was Laeri lieber alles gelassen hätte

Gelassen hätte sie vielleicht besser auch, den Namen «DACHelles» aus der Konkursmasse herauszulösen. Das hat nun nichts mit Geschlechterfragen zu tun, denn ein Name ist entweder bescheuert oder nicht. Und der ist bescheuert.

Aber der Inhalt, wie ist es denn nun mit Wirtschaft aus weiblicher Sicht, mit drei Blickwinkeln, für Begriffstutzige erkennbar an den drei Landesflaggen an den drei Tassen vor den drei Damen?

Ich weiss, dafür könnte ich als besonders abschreckendes Beispiel an den Pranger gestellt werden. Aber ich wag’s trotzdem, weil es der Wahrheit entspricht. Ich hatte mir fest vorgenommen, die erste Sendung bis zum Ende durchzustehen. Nein, nicht weil der Tisch durchsichtig ist. Einfach aus Prinzip.

Der Wille war da, aber das Hirn ist schwach

Aber als Laeri nach der Begrüssung ausführte, wie wichtig doch Konsum für die Wirtschaft sei, was männlichen Wirtschaftsexperten bislang entgangen ist, schlief mir bereits der linke Fuss und auch das linke Auge ein. Als sie dann forsch zu ihrer deutschen Kollegin überleitete, und zwar mit der brennend interessanten Frage: Und wie steht’s denn so um die Konsumentenstimmung in Deutschland, da verabschiedete sich auch noch mein rechter Fuss, und das Hirn stellte protestierend den Stoffwechsel ein.

Nur noch aus weiter Ferne hörte ich die Antwort, dass es nicht gut darum bestellt sei, was Laeri dann sogleich unter Ausnützung aller technischen Schikanen eines modernen Studios mit einer entsprechenden Kurve illustrierte.

Theaterkritiker Kerr hat’s bereits auf den Punkt gebracht

Erst lange später erwachte ich aus dem komatösen Zustand, und da war die Sendung leider schon vorbei. Ich weiss nicht warum, aber sie erinnert mich an eine Kurzkritik von Alfred Kerr: «Das Theaterstück dauerte dreieinhalb Stunden. Als wir herauskamen, regnete es. Auch das noch.»

Das kommt mir deswegen in den Sinn, weil mir schon die ersten drei Minuten gefühlt wie dreieinhalb Stunden vorkamen. Und geregnet hat es auch noch.

 

*In der vorherigen Version war der Vorname von Mr. Corona falsch; dank eines aufmerksamen Lesers korrigiert.

Zackbum presents Patrizia Laeri

Liebe ZACKBUM-Leserinnen und Leser

Mein Name ist Patrizia Laeri. Sie haben sicher aus den Medien erfahren, dass ich bald auf Youtube gehe. Ich habe aus der Konkursmasse von CNN das Label «DaChelles*?+!!» retten können und will bald auf Sendung gehen. In den letzten Wochen habe ich mehr über Mikroökolonie gelernt als während meines ganzen Studiums an der Universität Zürich. Zuerst galt es, die beiden Schuldprioritäten Economy sustable und Hedge maintable zu fächern. Dann musste ich bei CNN World die Claims und Nuts sheeds abklimatisieren. Das hört sich furchtbar kompliziert an. Vor allem junge Frauen rennen vor solchen «Dingen» davon. Mit der bereits implantierten Netzwerk-Strategie «Equality woman» versuche ich, die verängstigten Hühner aber wieder einzusammeln.

Sicher fragen Sie sich, welcher Topshot als erster in unsere Sendung «DaChelles*?+!!» kommt. Na, gut, ich verrate es: der äusserst attraktive Björn Rosengren, CEO von ABB! Rosengren ist mein totaler Wunschpartner. Er ist sexy, gebildet und hat etwas zu erzählen. Zum Beispiel über Turbinen, Generatoren und High fidelty.

Ich habe aktuell 128‘987 Follower auf Facebook und 654‘000 auf Instagram. Zusammen mit meinen beiden anderen Moderatorinnen (blond und brünett) kommen wir auf insgesamt 23‘987‘000 Followers. Die meisten kommen aus Indien und heissen Singh zum Vor- oder Nachnamen.

Der Vorteil bei Youtube ist, dass Sie «DaChelles*?+!!» jederzeit konsumieren können. Zum Beispiel um 12:15 Uhr. Aber auch 16:30 oder sogar 19:30 Uhr. Wie finanzieren wir uns? Gute Key-Question. Einerseits durch die nervige Werbung, andererseits durch Produkte, die ich noch gerne einführen möchte. Meine brünette und blonde Mitmoderatorinnen LIEBEN (!) Martin Frat-Installer aus London oder Björn Fraser, ein aufstrebender Modedesigner aus Stockholm, beziehungsweise Finnland.

Wir senden übrigens aus dem Zürcher Steinfelsareal. Wegen Corona können maximal 50 Zuschauer zugucken. Auch auf Youtube. Wir streben aber einen höheren Frauen- als Männeranteil an. Also mindestens 26 Weiber und 24 Männer. Es würde mich persönlich rühren, wenn ich Sie bald so begrüssen darf:

«This is «DaChelles*?+!!», herzlich willkommen – und Grüezi!»

Frauen bis in die Niederungen

Patrizia Laeri schreibt Geschichte

Für einmal reichen die Superlative nicht. Was am 26. November in der Messehalle Oerlikon über die Bühne ging, darf als historisch bezeichnet werden. Knapp 100 Frauen (Rekord!) verfassten an einem Nachmittag über 32 neue Beiträge (Rekord!) über Frauen. Und über solche, die häufig vergessen gehen.

ZACKBUM.ch wollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und besuchte den Anlass, der corona-bedingt in der grössten Messehalle stattfinden musste. Patrizia Laeri, die Veranstalterin, empfang uns gleich beim Eingang und führte durch die weit auseinanderstehende Tische. «Ich kann es immer noch nicht glauben», flüsterte sie, «dass sich so viele Frauen angemeldet hatten.»

Mit «Edit-a-thon» will die erfolgreiche Ex-CNN-Chefredaktorin den Frauen «ein Gesicht im Internet» geben. 87,9 Prozent sämtlicher Wikipedia-Artikel werden von Männern geschrieben. In den meisten Fällen handelt es sich «natürlich» um Männer. «Nur 18,9 Prozent thematisieren Frauen», so Laeri. «Edit-a-Thon» will das ändern. Die 32 erstellten Texte handeln von Frauen, die in der Schweiz Grosses erreicht haben, aber eben nicht sichtbar sind.

Alle Kantonsrätinnen 

Zum Beispiel Edit Goodimbed. Die Luzerner Kantonsrätin sass für die CVP zwischen 2002 bis 2008 im Parlament und brachte 7 Vorstösse ein. Laeri: «Ohne unsere Arbeit wäre Goodimbed vergessen gegangen.» Den Artikel verfasst hat Vanessa Longleg. Die bekannte AZ-Journalistin hat sich viel vorgenommen. Sie will sämtliche weibliche Kantonsrätinnen aus Luzern, Zürich und Bern erfassen. Finanziert wird die Arbeit von der Aargauer «Frauenbar-sichtbar-Stiftung».

Laeri zieht uns zum nächsten Tisch. «Das müsst ihr sehen!» Eine junge Frau sitzt vor einem Stapel alter «Sport»-Jahresbücher aus den 1970er-Jahren. Die Frau heisst Emmanuelle Schwarz. Sie tippt sämtliche Daten von Frauen ab, die in den Jahren 1971-1979 irgendwo in der Schweiz unter die ersten zehn gekommen sind.» Wir blicken ihr über die Schultern und nehmen am Ereignis teil, wie gerade die Daten von Annakäthi Gümpfler-Böckler für immer gespeichert werden. Die Bernerin errang 1978 bei den Berner Ping-Pong-Meisterschaften den 8. Rang.

Geschenke von Ringier und SRF

Wer so viel arbeitet, hat auch etwas Erfrischung verdient. Es ist nämlich schon 20 Uhr. Livrierte Kellner (!) gehen von Tisch zu Tisch und überraschen die Ladys mit einem Cüpli und einer Tüte Salznüssli. «Alles von Ringier gesponsert», so Laeri. Von SRF erhielten die Frauen eine schicke Schreibmappe und Lippenpromenade.

Der Abend neigt sich langsam dem Ende zu. Man sieht lauter zufriedene Frauen. Die Welt ist ein Stückchen weiblicher geworden. Der Anlass soll im Frühling 2021 wiederholt werden. Wieder mit SRF und Ringier an Bord.

Patrizia Laeri schreibt Bio!

Unsere Traumserie geht weiter!

«Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass die grossen Schriftsteller alles Männer sind: Frisch, Schiller, Mozart, Göthe? Als ich ein kleines Mädchen war, habe ich meinen Vater häufig gefragt: «Warum heisst es eigentlich immer der Schriftsteller, der Autor, der Künstler?» Später, in der Schule ist mir das Ungleichgewicht noch stärker aufgefallen. Meine Lehrpersonen hiessen: Herr Kaspar (Mathematik), Herr Lüscher (Französisch), Herr Matilles (Biologie). Wir wissen aber aus der Kognitionsforschung, dass Mädchen vor allem Studienfächer wie Deutsch, Sozialwissenschaften, Pädagogik studieren, weil sie mit anderen nie richtig in Berührung gekommen sind.

Mein Schlüsselmoment war aber, als ich meine Hochschulbücher auf die Strasse stellte und wieder einmal merkte, dass sie alle von Männern geschrieben wurden: Piketty, Klars, Mennes, Liphschyts.

Und so begann ich mit dem ersten Kapitel. Es folgten schnell Kapitel zwei, drei und Nachwort. Wenn alles klappt, kommt «How I became a woMan» im Dezember auf den Markt. Ich will damit auch ein Zeichen setzen: Frauen können Bücher! Im ersten Kapitel habe ich vor allem Fotos zusammengetragen, die in den letzten fünf Jahren von mir gemacht wurden. Klaus Burri und Thomas Helfiger sind meine Lieblingsfotografen. Ihnen verdanke ich verführerische Aufnahmen am Strand von Malibu und Copacabana.

Für Kapitel zwei habe ich die besten «Blick»-Kolumnen ausgewählt. Eigentlich sind die zeitlos. Manchmal lese ich sie zwischen zwei Meetings und muss weinen. Auch meine Enthüllungsgeschichte von der sexuellen SNB ist drin und eine Art Making-of. Da erzähle ich, wie ich die notgeile Schweizerische Nationalbank überlisten konnte und ihre kranke Verhörtechnik («Bewerbungsgespräche») entlarvte.

Im letzten Kapitel gibt es viele Kinderfotos von mir. Ausserdem Kopien meiner Studienabschlüsse. Ich habe ja mit Magnum cum Lauda abgeschlossen und viele angebotene Jobs abgelehnt. Heute bin ich glücklich mit dem, was ich bin und was ich alles geschafft habe.

Ich will jetzt in meiner letzten Lebenshälfte anderen Frauen und Mädchen Mut geben. «Ihr könnt alles, wenn ihr wollt», das sage ich allen. Geplant war, dass ich ab Dezember auf Lesetour gehe. Schauen wir mal, wie sich die Dinge ändern. Eure Patrizia, Autorin.»

Plauderstunde mit Patrizia Laeri

Wenn die «Wirtschaftsjournalistin des Jahres» Altbekanntes wiederkäut.

Die «TopVoice LinkedIn DACH» (alles Selbstbeschreibungen) hat zurzeit viel Freizeit. Sie hatte wohl verabsäumt, sich von «CNN Money Switzerland» die Bilanz oder zumindest die Finanzflussplanung zeigen zu lassen.

Deshalb war sie nicht nur eine der am kürzesten amtierenden Chefredaktorinnen, sondern das auch noch unbezahlt. Aber nun ist sie offen für Neues, betrachtet neidisch ihren Vorgänger Urs Gredig, der rechtzeitig Lunte roch und wieder zu SRF heimkehrte. Und schreibt eine Kolumne für «Blick».

Laeri kümmert sich um die wichtigen Probleme der Welt

Da sie viel Zeit hat, holt sie nicht nur weit aus, sondern kümmert sich auch um die wichtigen Fragen dieser Welt. Mit satten 4300 Buchstaben handelt sie ab, dass es «für demokratische Gesellschaften lebenswichtig» sei, «das gigantische Problem in den Griff zu bekommen».

Oh, welches denn? Nun, «der Kampf gegen Fake News» natürlich, der «bisher trotz grosser Anstrengungen ziemlich erfolglos» geblieben sei. Unter dem nicht wirklich verständlichen Titel «Lügen wir uns nichts vor» verheisst Laeri «neue Hoffnung».

Die Lösung ist ein weltumspannender Ansatz

Zuerst zeichnet sie ein Bild des Schreckens; so sei «Corona auch ein Superspreader für Lügen». Aber nicht nur das, es ist ja noch viel schlimmer: «Sowohl künstliche Intelligenz wie auch Tech-Konzerne und Regulatoren wirken heillos überfordert mit der digitalen Lügerei.»

Schlimm, schlimm, schlimm. Da braucht es nicht weniger als einen «weltumspannenden Ansatz» gegen Fake News. Und wie es der Zufall so will: «Der neuste aufsehenerregende Wurf stammt von einer Europäerin im Silicon Valley, von Marietje Schaake.»

Aber zunächst spannt Laeri die Leser auf die Folter, denn «dazu aber später». Zuerst will Laeri zeigen, dass sie Versuche wie «Telepath» oder Verifizierungen via Blockchains auch mitgekriegt hat. Ist zwar alles längst bekannt, aber he, wenn man halt kein Digital Native ist, muss man Kenntnisse regnen lassen.

Laeri schreibt brav bei Wikipedia ab

Doch zurück zu Schaake. Die ist nämlich Professorin an der Stanford-Uni in den USA und war bis 2019 im Europäischen Parlament. Da sie damals ihr Wahlprogramm bahnbrechend in 10 Tweets formulierte, nannte sie das «Wall Street Journal» – auch nicht immer fehlerfrei – «Europas meistvernetzte Politikerin». Das schreibt nun Laeri brav bei Wikipedia ab, der Quelle für fundiertes Wissen.

Schaake wiederum veröffentlichte vor inzwischen zwei Wochen einen Riesenriemen mit 1800 Wörtern oder 11’500 Buchstaben in der MIT Technology Review. Hier verbreitet sich Schaake darüber, wie Demokratien wieder die Macht in der digitalen Welt übernehmen könnten. Die hätten sie nämlich an privat geführte Konzerne verloren.

Aus Aufgewärmten wird nochmals Aufgewärmtes

Als Beleg für diese These ist Schaake kein noch so abgehangenes Beispiel aus der Vergangenheit und Vorvergangenheit zu schade. Microtargeting bei Wahlen, Cyberwars, Versuche, Wähler zu beeinflussen, altbekannt. Aber was schlägt Schaake den zur Abhilfe vor?

Nichts weniger als «einen Paukenschlag mit Potenzial» schwärmt Laeri. Und woraus besteht der? Schaake möchte die «Community of Democracies» als Kontrollbehörde aktivieren. Was, noch nie davon gehört? Also wirklich, diese «Gemeinschaft der Demokratien» wurde im Jahr 2000 gegründet, zählt immerhn 31 Mitglieder, hat auch einen Generalsekretär und residiert in Warschau.

Wie ihr Name schon sagt, hat sie sich das edle Ziel gesetzt, Demokratie auf der Welt zu verbreiten. Hat damit allerdings eine ähnliche Bekanntheit, einen ähnlichen Einfluss wie die «bestvernetzte» Ex-Politikerin Schaake. Nämlich keinen messbaren.

Wenn man Laeri am Titel der Kolumne misst …

Leider müssen wir nun Laeri an ihren eigenen Massstäben messen. «Lügen wir uns nichts vor», fordert sie im Titel dieser Nonsense-Kolumne. Und plaudert dann über Altbekanntes, Aufgewärmtes und Belangloses. Und dieser angebliche «Paukenschlag mit Potenzial» ist nun so weit von der Wirklichkeit entfernt, dass man versucht sein könnte, ihn als Fake News zu disqualifizieren.

 

 

 

 

Oops, they did it again

Ist die Schweizerische Nationalbank ein Herrenclub, ladies and gentlemen?

Die Methode ist bekannt. Sexismus, Mobbing, Skandal. Hat die «Republik» schon mehrfach probiert, ist damit aber auch regelmässig auf die Schnauze gefallen.

Auch ihr Versuch, mit angeblich unbeaufsichtigten, schlecht ernährten und sonst wie gequälten Kindern beim grössten Schweizer Anbieter von Kitas zu punkten, war ein Griff ins Klo: alle offiziellen und externen Untersuchungen ergaben: nix dran, nix zu meckern.

Mal wieder Aufgewärmtes, frisch serviert

Nun probiert es die «Republik» mal mit der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Mit knapp 24’000 Anschlägen ist der Artikel für «Republik»-Verhältnisse geradezu schlank und rank. Er hat allerdings, wie schon der Versuch, mit dem aufgewärmten Bündner Bauskandal zu punkten, eine Vorgeschichte.

Denn ein gewisser Fabio Canetg publizierte am 2. September auf swissinfo.ch einen Beitrag über die SNB: «Es ist etwas faul bei der SNB. Es riecht nach Geschlechterdiskriminierung». Diese Aussage basiert auf einer Auswertung der Geschlechterverteilung in Führungspositionen. 117 von 145 seien von Männern besetzt, weiss Canetg. Also 81 Prozent, bei der US-Notenbank seien es lediglich 57 Prozent.

Klarer Fall, Diskriminierung. Und dabei spricht Canetg den Skandal gar nicht an, dass der Anteil von «divers» bei null liegt. Wobei, halt, der Skandal ist, dass Canetg dieser Skandal gar nicht auffällt. Wo die «Republik» doch selbst ihren launigen Gruss zu «Ladies, Gentlemen and everybody beyond» angepasst hat.

Warum nicht mal durchschütteln, mixen und neu einschenken?

Aber Scherz beiseite, wie es der Zufall so wollte, unterhält Canetg auch noch einen «Geldcast», und bei dem war Patrizia Laeri zu Gast. Genau, die Kürzestzeit-Chefredaktorin von CNN Money, zurzeit offen für Neues. Sie selbst kann sich über Frauendiskriminierung nicht wirklich beschweren, aber laut Canetg hätten sich dann ein rundes Dutzend Frauen bei ihr und ihm gemeldet, die von haarsträubenden Zuständen bei der SNB zu berichten wussten.

Da dachten sich Laeri und Canetg: he, wieso schütteln wir den Ursprungsartikel nicht mal gut durch, stecken ihn in den Mixer mit Auszügen aus anonymen Erfahrungsberichten, und fertig ist der Smoothie, der den «Republik»-Lesern runter geht wie ein Latte Macchiato, gebraut mit Kaffeebohnen aus Nicaragua.

«Steinzeitlich» und «autoritär» gehe es bei der SNB zu, weiss die «Republik», Thomas Jordan trage den Übernamen «Mr. Konservativ» und herrsche mit nahezu unbeschränkter Macht, zudem würden Leute mit «einer bestimmten politischen Richtung» gezielt befördert. Ich finde es ja auch bedauerlich, dass unser oberster Währungshüter nicht gelegentlich Salsa tanzt und nach sechs Mojitos nach Hause geschleift werden muss. Aber mit Sexismus hätte das noch nicht viel zu tun.

Eher ein leiser als ein lauter Sexismus

Das fällt gerade rechtzeitig auch den «Republik»-Autoren ein, also fahren sie fort, durch alles hindurch ziehe sich «ein manchmal leiser, öfter offenkundiger Sexismus. Der sich auch daran zeigt, dass bei der Nationalbank auf 8 von 10 Führungs­posten Männer sitzen.»

Das kann Sexismus sein, das könnte vielleicht auch damit zu tun haben, dass selbst aktuell nur 35 Prozent aller Studenten der HSG weiblich sind. Aber wie auch immer, es gibt genügend geschilderte Vorfälle, um anzunehmen, dass die SNB ein paar Probleme mit Frauen hat. Beziehungsweise mit deren Behandlung und Förderung.

Wer nun aber saftige Darstellungen übler Übergriffe erwartet, wird enttäuscht. Um «Skandal, Sexismus, Chauvinismus» und «strukturell verankert» zu krähen, das geben die Fallbeispiele eigentlich nicht her.

Fragen bei Bewerbungsgesprächen, die fehl am Platz sind, so zu früherem Einkommen oder der familiären Situation, die aber selbst von einem «Republik»-Experten allerhöchstens als «grenzwertig» bezeichnet werden, das ist zwar nicht gut, aber weit von einem Skandal entfernt.

Dann gibt es Klagen über «ganz normalen Alltagssexismus». Der äussere sich darin, dass Frauen unter Druck gesetzt würden, ein Vorgesetzter habe einmal einer Mitarbeiterin erklärt, wofür deren Geschlechtsorgane gut seien.

Die allgemein übliche Lohndiskriminierung

Schliesslich die in der gesamten Schweizer Arbeitswelt vorhandene Lohndiskriminierung. Das ist nun wirklich kein spezifisches Problem der SNB. «Die hier geschilderten Vorfälle wiegen schwer», urteilt die «Republik» in eigener Sache. Publizitätshungrige Politiker eilen natürlich herbei und kündigen gewichtig parlamentarische Vorstösse an.

Ohne einen einzigen der geschilderten Vorfälle verniedlichen oder bezweifeln zu wollen: Die SNB hat 937 Mitarbeiter. Dass es unter denen den einen oder anderen testosterongesteuerten Macho gibt, ist bedauerlich. Lohndiskriminierung per Geschlecht ist nicht nur bei der SNB ein Problem. Aber angesichts der geringen Zahl und der geringen Schwere der geschilderten Vorfälle hat SNB-Direktor Thomas Jordan natürlich recht, wenn er von inakzeptablen Einzelfällen spricht.

Dass sich weder er noch die SNB zu spezifischen, einzelnen Fällen äussern, ist keine Dialogverweigerung, sondern schlichtweg als Arbeitgeberpflicht vorgeschrieben.

Zwei Fragen drängen sich allerdings auf

Zwei Fragen stellen sich aber doch bei diesem Artikel: Fabio Canetg bezeichnet sich darin selbst als «Geldökonom». Da täte vielleicht eine Fortbildung not, denn mit seiner Behauptung, die SNB verwalte «ein Volksvermögen von 950 Milliarden Franken», würde er bei jedem Anfängerkurs an der HSG durchfallen.

Und müsste eigentlich von der Uni verwiesen werden, da er selbst auf Nachfrage sich nur artig für das Interesse bedankt und auf die Webseite der SNB verweist, wo als «Anlagevolumen» per Ende Juli 949 Milliarden Franken aufgeführt sei. Meiner Treu, wenn das die wissenschaftliche Zukunft der Schweizer Volkswirtschaft ist. Setzen, Strafaufgabe: Wir basteln uns eine doppelte Buchhaltung, schreiben links Aktiva und rechts Passiva und schauen, was rechts übrig bleibt, wenn man die Passiva von den Aktiva abzieht. Waseliwas?

Schliesslich ist dieser «Republik»-Artikel die Fortsetzung eines Werks für swissinfo. Sich selbst kopieren ist durchaus erlaubt, wenn auch nicht rasend originell. Aber im Kampf gegen Frauendiskriminierung muss die Frage erlaubt sein, wieso in der «Republik» die Mitarbeiterin, mit deren «Unterstützung» Canetg das Original schrieb, unerwähnt bleibt. Die Nachfrage nach der verschwundenen Mitarbeiterin am Artikel beantwortet Canetg einfach nicht. Auch auf die Gefahr hin, sich damit doch einem verschärften Sexismusverdacht auszusetzen. Stolz vermerkt Canetg im «Republik»-Artikel hingegen, dass ebenfalls der «Blick» über dieses Männerproblem bei der SNB berichtet habe.

Darf man das Inzucht nennen, oder wäre das irgendwie -istisch?

Wäre es wirklich ein Platzproblem geworden, wenn er erwähnt hätte, dass die «Blick»-Kolumnistin Patrizia Laeri, seine Mitautorin, in ihrer «Blick»-Kolumne seinen swissinfo-Artikel lobend erwähnte? Eingeleitet mit der vorwurfsvollen Schilderung, dass sich Thomas Jordan doch erfrecht habe, auf eine Reihe blöder Fragen von ihr bei einer Pressekonferenz höflich zu antworten: «Frau Laeri, diese Fragen meinten Sie aber nicht ernst?»

Wenn Jordan wüsste, wie knapp er da einem Sexismus-Vorwurf entkam, wo Laeri doch einen grünen Rock trug und sich nach der Nachhaltigkeit von SNB-Anlagen erkundigte.

Wie viele Mitarbeiter braucht es, um Externe Artikel schreiben zu lassen?

Sozusagen in eigener Sache noch zwei Bemerkungen zur «Republik». Trotz 50 Nasen auf der Payroll wurde dieser Artikel, mit dem das Online-Magazin mal wieder in die Schlagzeilen kommen will, von zwei Externen geschrieben. Genauso wie die Aufarbeitung des Wirecard-Skandals und seine Enthüllung in der «Financial Times» der Einfachheit halber von der FT übernommen wurde.

Wenn man alles zusammenzählt, hat die «Republik» in den vergangenen sieben Tagen 29 Stücke rausgepustet. Davon höchstens 27 eigene. Also nur unwesentlich mehr als ZACKBUM.ch. Was dort pro Monat so eine halbe Million kostet, hier bei drei Nasen null.

Wollen sich die Genossenschafter der «Republik» so nebenbei entmannen lassen?

Und so ganz nebenbei gibt die «Republik» bekannt, dass es mal Zeit für eine Statutenänderung sei. Nix wirklich Wichtiges, einfach eine Anpassung, Präzisierungen, you know, ladies and gentlemen. Darin versteckt wird die Budgethoheit von der Genossenschafterversammlung auf den Vorstand verschoben. Dessen Mitglieder auch nicht mehr jedes Jahr, sondern nur noch alle drei Jahre gewählt werden sollen.

So genossenschaftlich-republikanisch und basisdemokratisch soll es also bei der «Republik» künftig zu und hergehen. Erinnert irgendwie an die «Animal Farm» von Orwell, finde ich.

Man darf gespannt sein, ob die dafür nötige Zweidrittelmehrheit bei der Urabstimmung erzielt wird; sich die Genossenschafter also selber, Pardon, entmannen wollen. Wo doch die Finanzen nicht so wirklich die Kernkompetenz der «Republik»-Macher sind.