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Ein Mann, ein Wort

In dieser mit allen Tricks und Untergriffen geführten Debatte braucht es eine klare Position.

Was 12 Prozent aller weiblichen Angestellten von Tamedia mit einem einzigen Schreiben hinkriegen: das Thema Frauendiskriminierung, Sexismus in den Medien ist mal wieder in aller Munde.

Worum geht es? Wohl jeder, ich auch, hat schon glaubhafte Beschwerden von weiblichen Angestellten gehört, dass ein Vorgesetzter unter Ausnützung seiner übergeordneten Stellung unsittliche Angebote gemacht hat. Das gemeinsame Abendessen zum «Kennenlernen». Bei Kerzenlicht. Der forsche körperliche Übergriff beim gemeinsamen Glotzen in den Bildschirm. Die anzügliche, nach Altherrenmief riechende Bemerkung.

Wir sind uns wohl einig, was widerlich und übergriffig ist

Oder noch übler: das Ankündigen einer Positionsverbesserung, vorausgesetzt, die Person im Abhängigkeitsverhältnis sei bereit, ihre Kenntnisse in Positionen vorzuführen, vielleicht in Nylons? Begleitet von anzüglichem Blick und schmierigem Lächeln. Wem es dabei nicht übel wird, ist wirklich ein Idiot.

Männerfantasie oder konsensuale Erotik.

Das alles ist widerlich, verachtenswürdig, muss sanktioniert, publiziert, denunziert werden. Dafür muss es entsprechende Strukturen geben, die allen Beteiligten die Möglichkeit zur Stellungnahme gibt, verifiziert oder falsifiziert und entsprechende Autorität zum Sanktionieren hat.

Handelt es sich möglicherweise um ein gröberes oder – wie man neudeutsch sagt – strukturelles Problem, dann hilft nur eine unabhängige Untersuchung von aussen. Wie zum Beispiel exemplarisch bei der deutschen «Bild», wo der Chefredaktor schwer in den Kugelhagel von diversen Vorwürfen geraten ist. Nun soll die renommierte Firma Freshfields Klärung bringen. Von aussen natürlich.

Das ist, ebenso wie bei Sexualdelikten in der Ehe oder allgemein mit nur zwei Teilnehmern, eine heikle und schwierige Angelegenheit. Genau wie das Opfer, meistens weiblich, aber nicht immer, die Opferrolle nur spielen kann, während der Täter in Wirklichkeit keiner ist, gibt es natürlich auch das Umgekehrte. Aber wie beiden Beteiligten gerecht werden?

Wer ist Täter, wer Opfer? Nicht das einzige Problem

Das ist ein Problem. Viel gravierender ist aber ein anderes. Sexuelle Belästigungen jeder Art, von wem auch immer, gegen wen auch immer, Diskriminierung aus welchen Gründen auch immer, das ist widerlich, ein Kampffeld, verdient Verachtung und Bestrafung.

Genauso aber auch, ein überhaupt nicht sinnvolles Kriterium anzuwenden, um Quotengleichheit, angebliche Gleichberechtigung und das Recht, jeden Zweifel an Anklagen als weiterer Ausdruck von Diskriminierung zu denunzieren, für sich in Anspruch zu nehmen.

Das ist schlichtweg Unsinn, negative Diskriminierung, eine Waffe im Kampf um bessere Positionen, mehr Geld, mehr Einfluss, mehr Macht.

Es ist das übliche rassistische Missverständnis, nur auf den Kopf gestellt.

Der da drüben ist blöd. Warum? Weil er dunkler Hautfarbe ist. Absolut bescheuerte Korrelation von zwei Eigenschaften, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Vor allem nicht im individuellen Fall.

Selbstverständlich gibt es auch Dunkelhäutige, die blöd sind. So wie es Blödis jeder Hautfarbe, in jeder gesellschaftlichen Stellung, in jedem Land, in jedem Alter – und bei jeder sexuellen Zuordnung oder Einordnung oder Selbstempfindung gibt.

Blöde gibt es überall, falsche Verknüpfungen aber auch

Es ist aber schlichtweg unlogisch, unhaltbar, eine contradictio in adjecto, ein Widerspruch in sich selbst, ein Junktim zu knüpfen nach dem Modell dunkelhäutig = dumm. Das Gleiche gilt für weiblich = diskriminiert. Das gilt noch mehr für weiblich = alleine berechtigt, sich als Opfer zu empfinden.

Das denaturiert und degeneriert zu diesen altbekannten Hilfskonstruktionen: hier wird nicht eine Tätigkeit oder ein Resultat kritisiert, sondern das Geschlecht der Tätigen ist ausschlaggebend. Der berühmte Satz zum männlichen Vorgesetzten: das kritisiert du nur, weil ich eine Frau bin. Oder der noch dümmere Satz: das kannst du als Mann gar nicht beurteilen.

Wenn nur gemeinsame, willkürlich gewählte Eigenschaften einen weitgehend herrschaftsfreien Diskurs zulassen würden, dann wäre Ende Gelände mit gesellschaftlicher Debatte zwecks Erkenntnisgewinn und Verbesserung der Welt.

Die Problematik der anonymen Beschwerde

Eine ganz üble Rolle spielt dabei die anonyme Anklage, die anonyme Beschreibung eines Übergriffs, einer Diskriminierung via Geschlecht. Greifen wir aus der jüngsten Auflistung ein Beispiel heraus: «Bis heute finden Kollegen es lustig, Sätze zu sagen wie:

«Da bei dir im Hintergrund schreit ein Kind, habe ich das mit dir gezeugt?»»

Gibt es solche Idioten wirklich bis heute? Im Plural? Wie heissen die? Gibt es mehr als eine Zeugin? Wieso wurde das nicht auf den vorhandenen Kanälen denunziert? Wurde das vielleicht nur deswegen aufgeführt, weil es das perfekte Titelquote abgibt, das dann auch prompt der «Spiegel» verwendete?

Wenn man diese Fragen stellt, wenn man das ganze Vorgehen für höchst problematisch hält, kann man dann auch guillotiniert werden, da man offenbar ein Sexist, Macho, Patriarch mit einem mittelalterlichen Frauenverständnis sei? Das kann ganz leicht passieren.

Gefangen im System

Und das ist dann die dritte und letzte Absurdität. No way out. Innerhalb dieses Systems kann man nur zustimmen. Oder schweigen. Aber Widerspruch welcher Art auch immer ist nicht möglich. Damit wären wir wieder völlig im Bereich des Glaubens, des Kanons, der unbezweifelbaren und nicht hinterfragbaren absoluten Wahrheiten angelangt.

Wohin das führt, wissen wir aus der Geschichte mehr als genügend. Hinzu kommen in diesem aktuellen Tamedia-Fall noch eine ganze Reihe von Ungereimtheiten, Merkwürdigkeiten, Gruppenzwängen, Wortführerinnen und Mitläuferinnen, die wir noch aufarbeiten werden.

Da hier der Besitz der einzig richtigen Wahrheit zu Hause ist? Aber nein. Im Gegenteil. Hier ist der Zweifel, das Hinterfragen, die Kritik an zu leicht Akzeptiertem zu Hause.