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Hilfe, mein Papagei onaniert V

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch. Diesmal die Jugendunruhen in St. Gallen.

 

Die Leerstelle

Normalerweise schreiben wir über realisierte Attacken auf die deutsche Sprache, die Logik, die Wirklichkeit oder journalistisches Ungenügen in jeder Form. Diesmal müssen wir uns aber über eine Lücke sorgen.

Blick himmelwärts gerichtet.

Das dürfte der Flughöhe des neuen «Nebelspalter» entsprechen. Das Auge erfreut sich an einem wunderschönen Sonnenaufgang; welche Farben, welches Gemälde. Das ist schön, nur: die Wirklichkeit liegt unter der Nebeldecke.

Der grösste Skandal, der zurzeit die Schweiz umtreibt, liegt unter der Nebeldecke. Für den «Nebelspalter». Ist die Ankündigung eines neuen Virus-Typs aus Brasilien tatsächlich Corona-Hysterie? Ist das Porträt einer 24-jährigen Präsidentin des «Energie Club Schweiz» ein Must? Nur weil sie für Atomkraft ist?

Sind das wirklich die Themen nach Ostern? Fehlt da nicht was? Fehlt da nicht einiges? Natürlich soll der «Nebelspalter» offensichtlich keiner Berichtspflicht genügen müssen. Das ist auch völlig okay.

Zwei Überthemen in der Schweiz aktuell, neben Corona

Was nicht okay ist: Bei der Credit Suisse spielt sich gerade wieder einmal ein Skandal ab, der nicht nur wegen des Doppelschlags der Hiobsbotschaften singulär ist. Der Bank drohen Multimilliardenverluste. Ihr Risk Management ist weiterhin unter jeder Kanone. Dem abtretenden VR-Präsidenten Urs Rohner droht das gleiche Schicksal wie weiland Marcel Ospel.

Es ist keinesfalls klar, ob die CS dieses Desaster in ihrer heutigen Form überleben wird. Ob sie Staatshilfe als systemrelevante Bank anfordern muss. Wer von der aktuellen Geschäftsleitung und vom Verwaltungsrat spätestens nach der GV noch im Amt sein wird, ist völlig unklar. Das ist nun ein absolutes Must-Thema, selbst wenn man nur beitragen könnte, dass einem die Krawatten von Rohner noch nie gefallen haben.

Aber: Pausezeichen. Nicht mal Nebel. Nichts gespalten. Null. Dann gäbe es noch die rechtsstaatlich mehr als fragwürdige Aktion der St. Galler Polizei, über 600 ihnen verdächtig vorkommende Jugendliche ohne grosse Anhörung wegzuweisen. Nicht etwa für 24 Stunden, sondern für die maximale Dauer von 30 Tagen.

Dazu muss ein sich als «klar liberal» bezeichnendes Magazin etwas sagen. Müsste.

Da wir als Bezahlschranken-Leugner nur sehr beschränkten Zugang zum Inhalt haben, liessen wir mal von zwei Fachleuten die Performance der Webseite analysieren. Deren vernichtendes Urteil werden wir demnächst veröffentlichen. Hier nur ein erster Kommentar: «Die Homepage hat den Charme eines Wühltischs.»

Wegweisen, warum nicht?

Selbst der «Blick», der sich wohl nicht als «klar liberal» bezeichnen würde, kümmert sich um die Frage: «Sind die Rayonverbote legal?» Eigentlich nicht, ist das unsichere Ergebnis, aber.

Hier zeigt auch der «Blick» eine bedenkliche Schwäche bei der Verteidigung des Rechtsstaats. Unbestritten, dass die Ordnungskräfte diese Kompetenz haben. Aber: sie sollte nur mit Vorsicht ausgenützt werden, denn hier gilt sozusagen die Beweisumkehr. Nicht die Staatsmacht muss Absicht oder Schuld nachweisen, um sanktionieren zu können. Der Jugendliche, der am Ostersonntag den Fehler machte, vom St. Galler Hauptbahnhof aus zu welchem Behuf auch immer in die Stadt zu spazieren, musste belegen, dass er das nicht in der Absicht tut, dort Randale zu veranstalten.

Wie kann er das? Selbst wenn er die Bestellung für ein Sushi auf seinem Smartphone vorweisen kann: was spricht dagegen, dass er so gestärkt zum Gewalttäter wird? Es kommt hinzu, dass prinzipiell Wegweisungen für 30 Tage ausgesprochen wurden. Dieses Maximum erfordert obligatorisch eine Anhörung des Betroffenen. Das sei angesichts der vielen Jugendlichen nicht möglich gewesen, räumt die Polizei ein.

Wie steht es denn mit Jugendlichen, die in der Stadt arbeiten oder zur Schule gehen? Der Sprecher der Stadtpolizei darf im «Blick» unkommentiert sagen: «Wer Zweifel hat, ob er zur Schule darf, kann uns anrufen und fragen.» Dümmer als die Polizei erlaubt; das gilt offenbar nicht für die Polizei selbst.

Leider offenbart der «Blick» auch kleine Schwächen bei seinen Kernthemen.

Ist die NZZ klar liberal?

Immerhin, sie weicht dem Thema nicht aus und erteilt einem Strafrechtsprofessor das Wort. der ist nun in erster Linie Staatsangestellter, also temperiert er seine Kritik an dieser Massnahme auf lauwarm runter. Er hält Wegweisungen für ein taugliches Mittel, logo, ist aber «überrascht» über die Ausnützung der Maximaldauer von 30 Tagen: «Das scheint mir sehr lange zu sein.»

Messerschärfer könnte man das nicht formulieren. Der Professor ist zudem verwundert, dass das Rayonverbot für die ganze Stadt St. Gallen inklusive Aussenquartiere ausgesprochen wurde. Dass es in diesem Fall eine ordentliche Anhörung des Betroffenen bräuchte, ist ihm aber keine Bemerkung wert.

Dafür macht er auf das absurde Mittel des Rekurses aufmerksam. Bitte schriftlich ans Sicherheits- und Justizdepartement richten. Da die Einsprache keine aufschiebende Wirkung hat und es dem Betroffenen wahnsinnig viel nützt, wenn am Tag 31 entschieden wird, dass in diesem Einzelfall das Rayonverbot zu Unrecht ausgesprochen wurde, ist das Pipifax.

Im Übrigen zeigt hier die Verödung der Schweizer Medienlandschaft wieder ihr hässliches Gesicht. Die Gratisportale berichten so neutral wie möglich. Tamedia und CH Media stellen sich eindeutig hinter die Massnahme. «Blick» und NZZ eiern.

Nur «Die Ostschweiz» bezieht klar Stellung: «Der Rechtsstaat ausser Rand und Band», leitartikelt der Chefredaktor. Immerhin ein klar Liberaler.

 

Packungsbeilage: René Zeyer publiziert auf «Die Ostschweiz» und hat sich dort schon selbst zu den Ausschreitungen geäussert.

 

Frage in den Nebel

Über zwei Wochen seit dem Neustart des Nebi: Was ist genau neu?

Bei jedem Relaunch eines Mediums helfen zwei Faktoren. Interessanter Inhalt im Allgemeinen, ein Primeur oder zwei, damit man zitiert wird.

Natürlich auch der Lockstoff, mit dem Inhalt Unentschiedene zu überzeugen, ein Abo abzuschliessen, also Geld in die Hand zu nehmen. In diesem Punkt kennt der neue «Nebelspalter» nichts. Gratis ist nicht, alles, was mit Buchstaben zu tun hat, kostet, bevor man es lesen darf.

Interessanter Inhalt? Ich als Zahlungs-Leugner kann nur einen im wahrsten Sinne des Wortes oberflächlichen Eindruck wiedergeben. More of the same, würde der Ami sagen; Themen, Autoren, Inhalte: das hat alles so einen Geruch nach eingeschlafenen Füssen und und dem Gestus: Wir haben’s schon immer gesagt, deshalb sagen wir’s hier nochmal.

Neue Entwicklungen sollen doch nicht den Trott stören

Dafür sendet der «Nebelspalter» das Pausenzeichen, wenn es um den wohl grössten Schweizer Krisenfall dieses Jahres, wenn nicht dieses Jahrzehnts geht. Zwar darf der abgehalfterte Eric Sarasin, der noch so schön Akquise nach alter Herren Sitte machte, über «Vom Vehikel zum Megatrend Elektroauto» labern, was einen Newsgehalt nahe beim absoluten Nullpunkt hat.

Aber nachdem Sarasin auch dem deutschen Milliardär Carsten Maschmeyer Cum-Ex-Gebastel angedreht hatte, was der gar nicht komisch fand, hat Sarasin genügend Zeit für Musse und Besinnung.

Was kümmert uns die Credit Suisse?

Man fragt sich allerdings: Und die Credit Suisse? War da nicht was? Gibt’s da nicht ein, zwei kleine Probleme? Oder sogar grosse Probleme? Möglicherweise existenzbedrohende Probleme? Bei einer der beiden übrig gebliebenen Schweizer Grossbanken? Die in den letzten zehn Jahren nach der Finanzkrise eins weiter zu Schanden geritten wurde? Von weissen Westen und schwarzen Hoffnungen? Die den Aktionär mit einem Wertzerfall von 70 Prozent erfreute?

Aber was ist das schon gegen «Die Gurke der Woche»? Oder «Schuh kompliziert»? Oder die gähnlangweilige Abrechnung mit Christian Levrat, der selbstverständlich nicht wegen seinen unternehmerischen Fähigkeiten zu seinem Ruhepöstchen kam? Ex-Banquier Konrad Hummler weist auf eine «gefährliche Kurspflege» der US-Notenbank hin. Aber dass der Aktienkurs der CS mal wieder einstellig geworden ist, das ist kein Thema?

Der umständlich verzettelte Aufbau der Webseite erleichtert es dem Lesewilligen auch nicht gerade; kommt halt davon, wenn der eigene Geschäftsführer auch noch CEO und Gründer der Bude ist, die das Content Management System für den «Nebelspalter» entwickelte. Der findet überraschenderweise sein Produkt ziemlich toll und weigert sich im Übrigen, auf Fragen zu antworten. Weil Hochmut bekanntlich vor dem Fall kommt.

Gab’s denn noch keinen Brüller vom neuen «Nebelspalter»?

Also hat der Nebi bislang keinen einzigen Brüller produziert, einen richtigen Hammer, etwas, das die anderen Medien aufnehmen mussten, das für Aufmerksamkeit sorgte? Jein, muss man da sagen.

Der Ansatz war da: «Breaking News» lärmte der NL am Donnerstag. War zwar nicht ganz der richtige Begriff, aber so in der Eile … Die News war: «Toni Brunner will ins Parlament zurück.» Die Spekulation: «Bundesratsambitionen»? Brunner als Brückenbauer und SVP-Retter und Garant für eine bürgerliche Corona-Bekämpfung, das wär’s.

Hat er Grund zum Grinsen? Toni Brunner.

Aber wieso sollte er das ausgerechnet dem «Nebelspalter» verraten? Einschaltquote kaum messbar, also eine schlechtere Plattform hätte er sich nicht aussuchen können. Dafür wäre ihm nicht nur die WeWo, sondern natürlich auch die NZZ offen gestanden. Oder wollte der Nebi damit klarstellen, dass er die Nachfolgelösung für Christoph Blocher hat, und die heisst nicht Roger K.? Und auch nicht Magdalena M.?

Aber gut, vielleicht war Brunner ja dem Witz und Charme des Chefredaktors Markus Somm erlegen. Immerhin, das wäre tatsächlich mal ein Knaller gewesen. Solange, bis die von vielen schon erwartete Auflösung im zweiten NL des Tages kam: «April, April.» Danach wird es wieder etwas holprig, wenn der Nebi versucht, witzig zu sein.

Er verkündet seinen Lesern, dass der Donnerstag der 1. April sei, was denen ja auch mal gesagt werden musste. Um fortzufahren:

«Toni Brunner, der Charismatiker aus dem Toggenburg, wird nicht in die Politik zurückkehren, wie er uns in einem exklusiven Interview im Nebelspalter versprochen hat. For the record: Er hat das Interview vergangene Nacht um 2 Uhr 03 autorisiert, nachdem wir uns diesen Aprilscherz einige Stunden zuvor ausgedacht hatten. Er war bei Verstand, ich auch.»

Ach ja? Zu dieser nachtschlafenden Zeit entsteht noch schnell ein Aprilscherz beim «Nebelspalter»? Weil der 1. April einen zwar jedes Jahr, aber immer wieder so unerwartet anspringt? Ui, ui. Also weiter nach der Devise: Scherz lass nach.

1939: Das waren noch ganz andere Zeiten – und ein anderer «Nebelspalter».

Nebulöser «Nebelspalter»

Seine Werbekampagne läuft weiter, als wäre nichts geschehen. Stimmt eigentlich.

Der «Nebelspalter» spaltet den Nebel. Trivial, aber durchaus brauchbar als Werbespruch. Allerdings: in guten Werbeslogans ist auch eine Spur Wahrheit drin.

Das Nebelspalten findet weiterhin nur nach dem Zücken einer Kreditkarte statt. Ausser im Bewegtbild, wo man nun auch Dominik Feusi mit Fliege und Pochettli als «Feusi Fédéral» erleben darf. Eine halbe Stunde beschwingtes Plaudern, begleitet von einem einem Flascherl Gaja aus dem Piemont. Ein Wunsch von Mitte-Präsident Gerhard Pfister.

Ob’s wohl ein Costa Russi Barbaresco 2016 gewesen ist? Kostet unter Brüdern immerhin 80 Stutz, im Lokal leicht das Dreifache. Ach der Inhalt des Gesprächs? Mittelmässig.

Wir hätten da auch ein paar Fragen, aber ohne Fliege

Aber Geld, der Unterbau, die Basis, der Maschinenraum des «Nebelspalter», das sind doch interessante Fragen. Wie heisst es in der Selbstdarstellung so schön:

«Wir hassen den Nebel und das Nebulöse.»

Das nehmen wir gerne beim Wort. Also stellte ZACKBUM dem Meister des Maschinenraums beim Online-Nebelspalter eine Reihe von klärenden Fragen. Es handelt sich hier um den multitasking-fähigen Christian Fehrlin.

Er bekam 12 sicherlich alle Nebelhasser interessierende Fragen, mitsamt ausreichender Antwortfrist. Die lief um 17 Uhr anderthalb Tage später ab. Um 18 Uhr geruhte Fehrlin zu antworten:

«Herrlichen Dank für Ihre «Journalistischen» Fragen. Ich habe dazu keinen Kommentar abzugeben.»

Trägt nur Somm eine Narrenkappe? (Zeichnung: Nebelspalter)

Die korrekt als Fragen im Rahmen einer journalistischen Recherche etikettierten Auskunftsbegehren lauteten:

  1. Deep Impact ist der Technologie-Partner der neuen Webseite des «Nebelspalter». Auf Ihrer Webseite schreiben Sie, dass Sie in 6 Monaten eine Webseite zumindest als MVP auf den Markt brächten. Würden Sie die aktuelle Webseite des «Nebelspalter» als minimal funktionsfähig bezeichnen?
  2. Wir bringen Webseiten, zum Beispiel diese hier, normalerweise in einer Woche online, und nicht als MVP. Ohne mich mit Ihrer Expertise vergleichen zu wollen: Was sagen Sie zum Unterschied? Unser CMS erfüllt durchaus die gleichen Ansprüche wie Ihres.
  3. Sehe ich das richtig, dass das für den «Nebelspalter» verwendete CMS Spectra Editor eine Eigenentwicklung von Ihnen ist?
  4. Kennen Sie andere mittelgrosse Unternehmen, die heute noch eine Insellösung verwenden?
  5. Sie verwenden als Werbespruch: «Wir entwickeln neue Marktpotenziale». Halten Sie den Neustart einer Medienwebseite mit absoluter Bezahlschranke (mit wenigen Ausnahmen) für die richtige Strategie?
  6. «Nebelspalter» hat ebenfalls Präsenz auf den sozialen Netzwerken. Sollte die nicht etwas besser gepflegt (oder fallengelassen) werden, um Peinlichkeiten wie wenige Likes und noch weniger Kommentare zu vermeiden, wie bspw. auf Facebook?
  7. Wer hat die Werbekampagne für den neuen «Nebelspalter» konzipiert und zu verantworten?
  8. Sie sind CEO und Gründer von «Deep Impact». Gleichzeitig sind Sie interimistischer Geschäftsführer des «Nebelspalter», dazu noch für den «Verkauf» zuständig und auch Ansprechpartner für Werbewillige. Wie bewältigen Sie diese Ämterkumulation?
  9. «You never get a second chance …» Nicht nur am Starttag (Link auf Pornoseite), sondern kontinuierlich (Textblock im NL vergessen, erst nach 5 Stunden gemerkt) begleiten doch etwas viel Pech und Pannen die Neulancierung. Haben Sie Probleme mit dem Qualitätsmanagement?
  10. Können Sie eine Hausnummer angeben, welches Preisschild an der Erstellung der Webseite bis zum MVP hing? Und wie es mit den jährlichen Unterhaltskosten steht?
  11. In Prozenten ausgedrückt, wie verteilt sich Ihre Arbeitszeit auf Deep Impact und den «Nebelspalter»?
  12. Wann werden Sie erste Zahlen zur neuen Webseite bekannt geben?

Hat sich da jemand gelangweilt? Kann jemand sagen, dass keine dieser Fragen eine Antwort verdienen würde? Kann man diese Reaktion als transparent, offen, hartnäckiges Recherchieren honorierend bezeichnen?

Ob Schweigen dem Chefredaktor gefällt?

Schon wieder Fragen ohne Antworten. Aber wenn der Doppel-CEO, Verkäufer und Werbekontakt Fehrlin schon nicht zu antworten geruht, können wir ihm die Mühe mindestens teilweise abnehmen.

Frage 7 war ein Test mit bereits bekannter Antwort:

Ungefähr so gekonnt ist die Werbung; inzwischen zwei Monate alte Selbstbeweihräucherung.

Es deutet vieles darauf hin, dass Fehrlin die Unkenntnis von Chefredaktor und Verwaltungsrat bezüglich Webseite und Internet brutal ausgenützt hat. Wenn es zutrifft, dass das vom Nebi benützte CMS (Content Management System, zur gemeinsamen Erstellung und Darstellung digitaler Inhalte) eine Eigenkonstruktion von Fehrlin ist, handelt es sich schon hier um einen Kunstfehler gröberer Art.

Pech und Pannen, aber bislang keine Pleiten

Open source oder Bezahlprogramme haben schon längst solche Insellösungen abgelöst. Weil mittelfristig kein KMU in der Lage ist, ein eigenes CMS ständig up to date zu halten und alle Neuentwicklungen im Web einzupflegen. Das führt dann früher oder später zu einer (sackteuren und komplexen) Migration auf ein nachhaltiges CMS.

Der Start, das Qualitätsmanagement, die harte Bezahlschranke, die Werbekampagne, der resonanzfreie Auftritt auf den Social Media, die schwerfällige und nutzerunfreundliche Navigation auf der Webseite, der Aufbau der matchentscheidenden Homepage, die Mehrfach-Funktion des CEO der Klarsicht AG, alles mehr als nebulös.

Dass er nicht antwortet, ist ein weiteres Indiz dafür, dass diese magere, aber sicherlich nicht billige Performance von Deep Impact intern ein Thema ist. Ganz abgesehen davon, dass diese Ämterkumulation Grundprinzipien von Corporate Governance widerspricht.

Der Besitzer einer Firma verkauft einer anderen Firma sein Produkt – wo er Geschäftsführer ist

Der CEO und Gründer des wichtigsten IT-Lieferanten eines Mediums ist gleichzeitig Geschäftsführer bei diesem Organ? Würden die leider bislang überhaupt nicht hartnäckig recherchierenden Mitarbeiter des Online-«Nebelspalter» auf solche Zustände bei der Analyse einer Firma stossen, könnten sie für einmal zu Recht ihrer Meinung dazu freien Lauf lassen.

Da steht Corporate Governance Kopf.

Vorwürfe wegen Rassismus gegen den Nebi sind natürlich absoluter Quatsch. Ernst zu nehmen ist die Kritik, dass er bis jetzt Altbekanntes serviert, gemixt mit viel Meinung und wenig Fakten, dazu viel zu lang. Nichts Überraschendes, Anregendes, Aufregendes.

Was sich in Sachen Qualitätskontrolle, Checks and Balances und auf rein handwerklicher IT-Ebene abspielt, ist – nebulös? Nein, das ist aschgrau.

Jeder Medienkonzern, der die gleichen Fragen gestellt bekäme, würde vielleicht nebulös, aber garantiert antworten. Weil er das auch durch seine Mitarbeiter bei anderen verlangt. Weil sich das einfach gehört. Aber lächelnde, schweigende Arroganz ist immer ein ganz, ganz schlechtes Zeichen. Das spaltet den Nebel tatsächlich, aber dahinter enthüllt sich kein schöner Anblick.

Hilfe, mein Papagei onaniert VI

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch.

 

Über dem Nebelmeer

Wer springt schon in eine Nebeldecke?

Hundert Tage Bewährungsfrist, das ist im schnelllebigen Internet nichts. Eine Woche «neuer Nebelspalter», Gelegenheit für eine erste Zwischenbilanz.

Allerdings der besonderen Art. Wir sind nach wie vor der Auffassung, ein neues Medium muss seinen Inhalt, schliesslich die beste Eigenwerbung und die USP, einen Monat lang gratis anbieten. Solange zahlen wir nicht.

Aber wir können ja da und dort unters Nebelmeer schauen. Was wir dort sehen, hat einen hohen Wiedererkennungswert.

Neu und überraschend ist anders

Dominik Feusi interviewt Beda Stadler. In der Musik würde man das ein Traditional nennen. Eigentlich ist nur die Einstiegsfrage neu, nachdem Stadler selber eine schwere Erkrankung überstand. «Wie geht es Ihnen?», anschliessend fällt das Bezahlbeil.

Allerdings kann man sich die Fortsetzung genau wie bei Claudia WirzChina-Strategie: Luft nach oben»), Martin A. SennDas Rahmenabkommen zeigt Deutschlands Angst vor der direkten Demokratie») oder Milusz Matuschek («Die Freiheit stirbt zentimeterweise») vorstellen.

Satire oder Humor? Da scheint der Online-Nebelspalter der Auffassung zu sein: unfreiwillig ja, freiwillig niemals:

Nach 5 Stunden gemerkt: Korrektur oder Karikatur?

Aber es gibt ja die frei zugänglichen Videos, immerhin. Gioia redet zum zweiten mal «Klartext». Über das rasend originelle Thema: «Verbieten ist für Anfänger». Überzeugen natürlich für Fortgeschrittene. Allerdings wäre sie viel überzeugender, wenn das Video nicht sehr ruckelig geschnitten wäre und sie nicht ständig aufs Manuskript starrte. So anspruchsvoll sind die Sätze auch nicht, die sie abliest.

«Drei mögliche Antwortmöglichkeiten», da wäre trotz schriftlicher Vorbereitung noch Luft nach oben.

Sichtbar ablesen tut Tamara Wernli, in dem Sinn ein Profi, nicht. Sie griff das rasend aktuelle und neue Thema «Multidiskriminierung von Frauen» auf. Sie wehrt sich am Anfang dagegen, dass ihr Show eine Satire sei. Damit hat sie recht, denn der Ratschlag, dass Frauen ja nicht mehr als zwei Minuten in der Küche verbringen sollten, um keinen Rollenklischees zu entsprechen, kann weder als Satire, noch als lustig bezeichnet werden.

Kaminzimmer-Atmosphäre, aber nichts knistert oder knattert

Schliesslich schafft es Reto Brennwald auch in seinem zweiten Herrengespräch, die knisternde Langweile des Nachtbilds einer deutschen TV-Station zu erschaffen, das ein fröhlich flackerndes Kaminfeuer zeigt.

Beim «Nebelspalter» weder knisternd, noch feurig.

Das gelang ihm schon mit Markus Somm, aber das mit Oswald Grübel zu wiederholen, ist schon ein Kunststück. Nachdem Grübel auf die «übliche Einleitungsfrage» von Brennwald, wie es ihm gehe auf einer Skala von eins bis zehn, mit einem fröhlichen «zehn» geantwortet hatte, setzte Brennwald gnadenlos nach: «Warum?»

Das brachte dann selbst einen harten Knochen wie Grübel etwas aus der Fassung. Anschliessend wollte Brennwald Ossi G. offenbar von hinten aufrollen und begann mit dessen Jugenderfahrung im Nachkriegsdeutschland, genauer in der DDR.

Das interessierte nun Grübel nicht wirklich, also leierte er die üblichen Erzählungen herunter, und Brennwald musste sich von einem weiteren Zuschauer verabschieden.

Neu, überraschend, kontradiktorisch, breites Spektrum, viel Recherche, wenig Meinung? Kann alles noch kommen. Aber nach einer Woche sieht es mehr danach aus, dass man sich nicht in einer Bubble, sondern in einer Meinungswolke gemütlich einrichten wolle, wo Selbstbestätigung, Echokammer und «haben wir schon immer gesagt, deshalb sagen wir’s nochmal» herrschen.

Guerilla-Werbung?

«Unsere Protagonisten haben am Erscheinungstag auf jeden Fall für Aufsehen gesorgt», behauptet der neue «Nebelspalter» auf «Facebook». Gefährliche Aussage. Fast 22’000 Abonnenten hat diese Seite, ganze 5 Likes hat diese Super-Werbeaktion generiert. Da schafft es sogar Gioia auf 6. Die «China-Strategie» hat klar Luft nach oben: 1 Like. Alles übrigens völlig kommentarlos.

Bedauerlich, denn immerhin stehen 12 Redaktoren, 16 ständige Mitarbeiter und 5 Mitglieder des Overhead auf der Payroll. Damit wären wir bei 33 Nasen; fehlen noch 17 bis zur «Republik». Inhaltlich gespiegelt sieht’s schon ziemlich ähnlich aus.

Der einzige kleine Lichtblick ist der fleissige Stefan Millius, aber da sind wir mehr Partei als Michèle Binswanger gegenüber Jonas Projer. Millius schreibt ab und an bei ZACKBUM.ch, ich schreibe auf «Die Ostschweiz». Aber immerhin wäre damit Transparenz geschaffen.

Vom Nebelmeer ins Seichte.

«watson» kann’s einfach

Immer, wenn man denkt, der Bodensatz sei erreicht, gräbt «watson» tiefer. «Sex oder Heuschnupfen», fragt das Online Magazin für binäre Denker. Und konfrontiert den nicht vorgewarnten Leser mit Fotos, die an Widerlichkeit kaum zu überbieten sind. Um bei jedem zu fragen: Ist das ein Gesichtsausdruck, der beim Niesen oder beim Sex entsteht? Schön, das niemand meinen beim Betrachten sieht.

Aber immerhin, «watson» hat es mit einem Beitrag geschafft, die Intelligenz seiner Leser zu beleidigen. Nämlich mit Lobhudeleien über «unsere Kultur-und-Glamour- Simone», über «unsere hochgeschätzte Simone Meier». Obwohl für den irgendwas-am-meisten-Kommentar ein Buch als Geschenk ausgelobt wird (oder gerade deswegen), gibt es bei den obersten drei nur Gemecker: «und wieder eine nicht gekennzeichnete Publireportage». – «Müssen wir uns Sorgen machen?» – «Die Eigenwerbung wird auch immer aufdringlicher auf Watson.»

Hätte ich auch nicht besser formulieren können.

Vom Seichten ins Hochkulturelle.

Präventiv gegen Anonymität

CH Media hat einen ganz eigenartigen Fall von anonymer Beschimpfung am Köcheln. In drei Akten.

  1. Akt: Im Zusammenhang mit dem schnellen Abgang des vormaligen Opernhausdirektors im Januar sei eine «Untersuchung wegen sexueller Gewalt gestanden».
  2. Das sei aussergerichtlich und mit Schweigegelöbnis erledigt worden.
  3. Nun soll es ein Schreiben des aktuellen Intendanten des Opernhauses geben, in dem die Mitarbeiter davor gewarnt werden, dass ein anonymer Opernhausangestellter anonymisiert der Sendung «Kulturplatz» ein Interview gegeben habe. Das werde nach Ostern ausgestrahlt und enthalte weitere Vorwürfe über ein Klima der Angst, der Einschüchterung und dass Opernhaus-Angestellte nicht genügend vor Machtmissbrauch geschützt würden.

Nun führt hier die Leitung des Opernhauses sozusagen einen Präventivschlag, immer laut CH Media, und will in einer absolut anonymen Meinungsumfrage testen, wie denn das Betriebsklima wirklich sei. Keine schlechte Idee. Handelt es sich bei dem anonymen Denunzianten wieder einmal um einen Windmacher, könnte ihm so der Wind aus den Segeln genommen werden.

Rappenspalter im Nebel

Links und rechts sind sich in einem einig: Geld ist der Treibstoff der Welt. Also her damit, oder: lost in the cloud.

Investition in Medien? In ein neues Projekt? Das ist eigentlich nur noch etwas für Multimillionäre. So nach der Yacht, dem Hotel und der Privatinsel.

Jeff Bezos kauft sich die «Washington Post». Macht Spass. Gleich drei Oeri-Schwestern sind Mäzeninnen. Beatrice Oeri* liebt es, Multimillionen in scheiternden Zeitungsprojekten zu verrösten. Die «TagesWoche» war wohl der teuerste Flop der jüngeren Schweizer Geschichte. Aber sie gibt nicht auf, aktuell verpulvert sie drei Millionen Franken in «bajour.ch».

Die Gebrüder Meili knattern Millionen in die «Republik». Milliardär Hansjörg Wyss hatte von Anfang an Pech. Sein Projekt «Vorteil Schweiz» müsste eigentlich umbenannt werden in: Vorteil für alle Pfeifen, die viel Geld für nix kriegten.

Andere Millionäre sind sehr knausrig. Die Familien Coninx, Ringier oder Wanner zum Beispiel. Griff in den eigenen Geldbeutel, ach was, Geldspeicher, wenn’s den Medien dreckig geht, die ihre Milliardenvermögen erwirtschafteten? I wo.

Auch hier betritt der «Nebelspalter» Neuland

Ein eigenes Finanzierungmodell hat sich der «Nebelspalter» ausgedacht. Finde 70 Wohlhabende, denen Ideologie und Positionierung 100’000 Franken wert ist. Gesagt, getan.

Lassen wir inhaltliche Fragen weg und schauen mal, was die «Republik» für Werbemöglichkeiten bietet. Ah, ausser Gesinnungstäterschaft keine. Der «Nebelspalter»? ein hübsches variantenreiches Angebot.

Nichts ist unmöglich, nichts ist neu.

Da hat sich der Online-Ableger fast mehr Mühe gegeben als bei den Startartikeln. Vom Advertorial (auf Wunsch inklusive Schreibhilfe), über Sponsoring, Tags, Unterbrecherwerbung in allen Kanälen zum «rundum-glücklich»-Paket «Generelle Packages», wie man im Managerdeutsch so sagt. Das kostet dann 30’000 Franken pro Jahr.

Ein «Themen-Owner» hingegen kann sich ein Thema als Sponsor krallen. Zum Beispiel «Satire». Damit wird er zwar nicht grosse Aufmerksamkeit erzielen, dafür kostet es auch nur 1500 im Monat oder – halb geschenkt – 15’000 Franken im Jahr.

Klare Prioritäten: «Inserieren» steht im obersten Navigationsbalken in der Mitte.

Hier sprechen Sie mit dem CEO persönlich

Ein weiterer, spezieller Service: bei Fragen, Wünschen oder Unklarheiten: nur Kontakt aufnehmen. Nicht etwa mit einem Marketing-Fuzzi oder so. Nein, hier schüttelt Ihnen noch der CEO als oberster Einwerber persönlich die Hand. Davon könnte sich zum Beispiel Pietro Supino wirklich eine Scheibe abschneiden. Der Klarsicht-CEO Christian Fehrlin entwickelt sich zum Multitasker.

Wollen Sie diesem sympathischen Mann ein Inserat abkaufen?

Als Gründer und CEO von Deep Impact zeichnet er für den Internet-Auftritt verantwortlich. Kein Meisterstück, aber das wäre ein anderes Thema. Als CEO schmeisst er wirtschaftlich den ganzen Laden und steckt hierarchisch irgendwo zwischen dem VR und dem Chefredaktor.

Und nun auch noch Inseratekeiler. Wahrscheinlich übernimmt er demnächst noch den Service der Kaffeemaschine, den Wareneinkauf und die Organisation der Take-away-Angebote für den Mittagstisch.

Wie lange er das tut, ist allerdings die Frage. Denn nicht nur bei der Frage, wie man den Relaunch am besten inszeniert, hat sich die Führungscrew des «Nebelspalter» nicht wirklich mit Ruhm bekleckert.

Marktwirtschaftlich vernünftige Preise?

Eigene Wege geht man auch bei der Preisgestaltung für Werbung. Durchgesetzt hat sich hier CPC (cost per clic), TKP (Tausenderkontaktpreis) oder – sehr selten – ein Festpreis. Denn schliesslich will der Werbetreibende (meistens) kein politisches Statement abgeben, sondern einen Return on Investment für seine Zahlung kriegen.

Obwohl natürlich jeder Werbeträger wie ein Wald von Affen angibt, wie qualifiziert, konsumfreudig und Anhänger von Spontankäufen seine User seien, dazu noch viele Opinion Leaders, Influencers, Leitfiguren sich darunter befänden, haben sich gewisse Benchmarks für alle Formen der Kostenberechnung einer Online-Werbung entwickelt.

Ohne hier in Details gehen zu wollen: Solange der «Nebelspalter» dank konsequenter Bezahlschranke nach der ersten Neugier noch jeden neuen User per Handschlag begrüssen kann, sind das Mondpreise.

Kein Marketing-Manager einer Firma würde es überleben, bei diesen Preisen den «Nebelspalter» in sein Werbebudget aufzunehmen. Abgesehen davon, dass die traditionell immer noch in der zweiten Jahreshälfte für das ganze Folgejahr festgelegt werden.

Tscha, dumm gelaufen bis jetzt. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

 

* mehrere Adleraugen haben bemerkt, dass es natürlich Beatrice Oeri heissen müsste. Pardon.

Wahnvorstellungen im Nebel

Eines hat der neue «Nebelspalter» schnell geschafft: dass seine Gegner sich lächerlich machen.

Über die Humorfähigkeit von Markus Somm und seiner Internetversion des «Nebelspalter» kann man geteilter Meinung sein. Der bisher einzig richtige Brüller passierte unbeabsichtigt, als der hochwohllöbliche VR-Präsident, grosse Bach-Liebhaber und ganz allgemein kultivierte Mensch aus Versehen in seinem Werbemail zu seinem ersten Artikel als Link auf eine Porno-Webseite verwies.

Die Gegnerschaft machte sich selbst schon zweimal lächerlich. Zum einen, als die «Republik» 55’000 Anschläge darauf verwendete, um zu zeigen, dass Constantin Seibts Sprachdurchfall immer pathologischer wird. Und die Allzweckwaffe aus dem Hause Tamedia lieferte auf Wunsch sein Spezialwerk ab: einen Verriss, völlig ohne Fakten, aber voll von Behauptungen, Unterstellungen und mieser Meinung. So kennt man Andreas Tobler oder seinen Bruder im Geist Philipp Loser. Ein Duo infernale, das das Niveau bei Tamedia noch mehr senkt, als es 78 aufgeregte Frauen können.

Aber das alles verblasst vor der neusten Schmonzette, vor dem nun restlos gelungenen Versuch, sich öffentlich zum Deppen zu machen. Zum Vollidioten. Wie hat der «Nebelspalter» das geschafft? Eigentlich, das muss Markus Somm zugeben, unabsichtlich.

Langsam aufsteigender Antirassismus

Denn, es trug sich Folgendes zu. Der Print-«Nebelspalter» veröffentlichte in seiner Februar-Ausgabe die Karikatur eines bekannten deutschen Karikaturisten. Der arbeitet unter anderem für die taz (das ist die deutsche WoZ, nur täglich), oder für «Die Zeit». An seiner linksliberalen bis linken Haltung gab es bislang nicht den geringsten Zweifel. Bis Somm auf die Idee kam, auf der verzweifelten Suche nach Satire in seiner Ausgabe, diese Karikatur vom Print-Nebelspalter zu übernehmen.

Man muss noch hinzufügen, dass sie damals bei ihrer Veröffentlichung null kritische Reaktionen bewirkte. Null. Die Karikatur blieb die Gleiche, aber der Absender änderte:

Zum Unglück sind die Antirassisten denkscheu.

Was im Print-Nebelspalter ging, geht im Somm-Nebelspalter nicht. Denn plötzlich ist diese Karikatur «rassistisch», «menschenverachtend», «widerlich», in einem Wort, eine «Schande». Nun, schnell erregte Idioten im Internet sind eine unangenehme Begleiterscheinung der Möglichkeit, dass jeder Depp Multiplikatoren für seine Ansichten findet, und seien die noch so hirnlos.

Aber wenn es gegen rechts, gegen Rassismus, also in einem Wort gegen Somm geht, brechen alle Staudämme, die normalerweise nicht völlig verblödete Leute davon abhalten, sich selbstverschuldet in aller Öffentlichkeit so lächerlich zu machen, dass sie eigentlich in ein Sabbatical müssten, hätten sie etwas Ehre im Leib.

Den Shitstormtruppen höseln Intellektuelle hinterher

Das fehlt aber der schreibenden Schmachtlocke Daniel Binswanger ebenso wie ein Rückgrat. Also greift er in die unterste Schublade des Denunzianten und wendet sich an Operation Libero und deren Co-Präsidentin Laura Zimmermann. Die wagt es nämlich, mit Markus Somm vor laufender Kamera verbal die Klinge zu kreuzen. Früher nannte man das Debatte, heute nennt das Binswanger: «Willst Du wirklich widerlichen Rassismus legitimieren Laura?» Kommaschwach, aber meinungsstark behauptet die Fönfrisur, dass es «widerlichen Rassismus» im Nebi gäbe, was ihm aber in der Print-Ausgabe nicht aufgefallen ist.

Vielleicht war er da gerade beim Coiffeur. Und von der absurden Prämisse, einem linken «taz»-Karikaturisten «widerlichen Rassismus» vorzuwerfen, setzt er noch das Stück aus dem Tollhaus drauf, Laura Zimmermann zu unterstellen, sie legitimiere das.

Rapper Knackeboul, der auch vorher nicht durch intellektuelle Glanztaten auffiel, twittert, dass der Nebi jetzt von «Nazis geführt» werde. Wahrscheinlich spekuliert er zu Recht darauf, dass für ihn mildernde Umstände gelten und er deshalb weder für voll, noch ernst genommen wird.

Ein echter Professor Unrat wie von Heinrich Mann

Aber dann gibt es noch den Professor Ratlos Philipp Sarasin. Der hat mit Somm und überhaupt der rechten Presse noch ein persönliches Hühnchen zu rupfen, also zittert und twittert er sofort mit: «Das ist ja echt nicht zu fassen. Was für eine Schande.» Nein, lieber Professor Unrat, die Schande ist, dass ein Flachdenker wie Sie auf Kosten des Steuerzahlers harmlose Studenten mit seiner Unfähigkeit als Geschichtsprofessor quälen darf. Denn was können die von ihm lernen, wo er doch stur behauptet, dass weder die Position, noch die empörte Reaktion des Zeichners, dass das überhaupt nicht rassistisch sei, eine Rolle spiele, das als «nicht relevant» abtischt.

«Mir scheint, das ist eine komplette Schutzbehauptung des Zeichners», donnert er zu Tamedia vom Katheder. Meiner Treu, wenn er seinen Studenten den Beginn des Zweiten Weltkriegs erklären will, sagt er dann auch, «seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen» sei eine Schutzbehauptung gewesen?

Einmal ist keinmal, zweimal ist Rassismus

Ist das zu fassen? Eine Wiederholung einer Karikatur, die zuvor schon im «Nebelspalter» erschien, dessen Chefredaktor sich ebenfalls als Linker outet und keinerlei Rassismus in ihr erkannt hat (ebenso wie alle seine Leser), ist ebenfalls fassungslos über diesen Shitstorm.

Jedem Deppen ist es erlaubt, auch öffentlich zu zeigen, dass er ein Depp ist. Was ist aber davon zu halten, wenn sich gefönte Journalisten und gesalbte Professoren ebenfalls zum Deppen machen? Beim Journalisten müssen das die «Verleger» der «Republik» entscheiden. Bei Professor Sarasin ist es entschieden schwieriger, ihn davon zu überzeugen, dass das Gehalt seiner Lebensgefährtin doch auch für zwei reicht.

Ex-Press XXIX

Blüten aus dem Mediensumpf.

 

Was macht eigentlich …?

Immer eine beliebte Kategorie der Medien, wenn ihnen gar nichts einfällt. Ergänzt durch taugliche und untaugliche Versuche, sich in Erinnerung zu rufen.

Untauglich war der Versuch von Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger. Nicht mehr im Amt, nicht mehr VR, hat Auftrittsverbot als Conferencier, typisches Altersloch. Also macht er auf sich aufmerksam, indem er ausplaudert, dass auch die Schweiz Lösegeld für Geiseln bezahlt und unter Spesen abgebucht habe.

Riesengebrüll, Strafanzeigen, rote Köpfe. Comeback gelungen. Aber wie?

Ins ewige Lamento der bundesrätlichen Task Forcewarnen, raten ab, ist noch zu früh, besteht die Gefahr») müssen sich auch bewährte Fachkräfte immer wieder zu Wort melden. Schliesslich haben nicht alle geschafft, was Marcel Salathé gelang, ihr unerreichtes Vorbild. Anhaltender Ruhm und ein warmes Plätzchen mit viel Budget erobern.

Eine der Virus-Frauen ergreift wieder das Wort

Also wagt die «Biostatistikerin Tanja Stadler» mal wieder einen Ausblick im Qualitäts-Organ «Tages-Anzeiger». Bevor wir zum Inhalt kommen: geführt wurde es von Nik Walter. Wir sind entsetzt. Ein älterer, weisser Mann, zudem Vorgesetzter von weiblichen Mitarbeitern. Wie das heute bei Tamedia noch möglich ist? Unverständlich. Oder: eine reine Machtdemonstration, eine beabsichtigte Provokation. Aber gut, das werden die Protest-Frauen sicher in einem internen Schreiben aufarbeiten, das wir dann auch lesen dürfen.

Stadler sagt: «Wir setzen den Sommer aufs Spiel». Auch Biostatistiker werden immer gelenkiger, was Interviews betrifft. Sie wissen, was man sonst erzählt, ist nebensächlich. Solange der Namen richtig geschrieben ist. Und man ein knackiges Quote abliefert, das sich als Titel eignet.

 

Der Hausfrauen-Report im Tagi

Wir begrüssen aber ausdrücklich, dass sich der Tagi auch Problemen der Hausfrau annimmt. «Was tun, wenn der Salat «lampt»?» Dagegen und auf 14 weitere ärgerliche Probleme («Was tun mit Fondueresten?», «Keine Sauerei beim Panieren!») weiss Daniel Böniger Abhilfe. Menschlich verstehen wir, dass sich auch ein Restauranttester irgendwie über Wasser halten muss. Aber gendermässig haben wir hier ein echt heikles Problem.

Schreibt ein Mann, kann das als Ausdruck typisch männlicher Besserwisserei ausgelegt werden. Schreibt eine Frau, kann das als typische Rollenzuteilung verstanden werden. Klar: Frau, Kinder, Küche, Kirche. Das wäre eigentlich ein klassischer Fall dafür, dass diesen Text unbedingt ein non-binärer Autor verfassen müsste, einer, der bei der Geschlechtsangabe d (für divers) ankreuzt. Also schon wieder versemmelt. Gerüchteweise wird herumgeboten, dass Arthur Rutishauser und Pietro Supino betroffen sind und das Problem sehr ernst nehmen.

 

Ratgeber für Selbstverteidigung verfolgter Frauen?

Schliesslich, aller schlechten Dinge sind drei: «Damit sich Frauen sicher fühlen». Endlich, ein Ratgeber, wie sich frau auf Tamedia-Redaktionen verhalten soll? Tränengasspray in der Hand, Selbstverteidigungskurse gratis, in denen der berühmte Tritt ins männliche Gemächt geübt wird? Nein. Zunächst: auch hier ist der Autor ein Mann. Als ob der sich in die Angst der Frauen beim abendlichen Heimweg hineinfühlen könnte. Ein Skandal.

Moment, vielleicht gibt es hier doch Rettung. Denn der Mann schreibt:

«Dabei wird vermehrt von Männern eingefordert, Verantwortung in der Sache zu übernehmen.»

Genau, wenn Frauen Angst haben, muss der Gentleman, der sanfte Mann, zu Hilfe eilen. Nun, das ist so old school, vergesst es, rät Martin Fischer. Heute wird vom Mann ganz anderes gefordert.

Ganze 8 Ratschläge hat Fischer parat. Darunter «Abstand halten, Strassenseite wechseln», «klare Signale geben, mehr lächeln», «mit anderen Männern reden» und «Einverständnis einholen». Wozu? Also wirklich, welches Macho-Dummerchen hat das gefragt? «Nur weil man zum Beispiel eine Frau nach Hause begleitet hat, ist das noch kein Freipass, sie küssen zu dürfen», weiss Corina Elmer von der «Frauenberatung sexuelle Gewalt», bei der sich Fischer Rat geholt hat.

Da bin ich nun verblüfft; bislang habe ich das immer ohne Einverständnis getan, unbeschadet von Alter, Aussehen oder allfälliger Gegenwehr. Darauf sagte ich immer: «Du willst es doch auch», und dann war Ruhe. Im umgekehrten Fall hielt ich schliesslich auch still. Aber das ist nun vorbei.

 

Warum trauen sich die Frauen der anderen Medienhäuser nicht?

Wir warten schon sehnlich darauf, dass sich endlich die belästigten, unterdrückten, an fehlender Motivation und ständiger Verteidigungshaltung leidenden Frauen von Ringier mit einem eigenen Protestschreiben melden. Es weiss doch jeder, dass bei dieser Machomännerkultur in der «Blick»-Familie Zoten, sexistische Sprüche, üble frauenfeindliche Witze zum Alltag gehören. Schon lange haben sich Frauen abgewöhnt, Röcke zu tragen, so oft wurde ihnen frech an den Oberschenkel gegrapscht. Frauen gehen nur zu zweit auf die Toilette, und abends auf dem Heimweg fürchten sie sich nicht vor fremden Männern, sondern vor ihnen nachstellenden Vorgesetzten, die sich mit haltlosen Versprechen Einlass in Wohnung und anderes verschaffen wollen.

Vom Sündenpfuhl «Schweizer Illustrierte» ganz zu schweigen, da amtiert bekanntlich ein Chef, der schon übel wegen sexistischem Verhalten angegangen wurde. Leider haltlos und – wie üblich – ausschliesslich aufgrund anonymer Denunziationen. Vielleicht gibt es sogar bei der «Glückspost» dunkle Ecken, wo machtgierige Männer es mit wehrlosen weiblichen Opfern treiben.

Aber: Ruhe im Karton. Nichts. Omertà, das Schweigen der Opfer. Wir wagen uns nicht vorzustellen, welches Terrorregime hier herrschen muss, dass es keine einzige Frau wagt, ihre Schwestern bei Tamedia zu imitieren oder zu unterstützen. Wobei, mal ehrlich, würden Sie Christian Dorer, dem «Blick»-Überchef, frauenfeindliche Übergriffe zutrauen? Also ich nicht, aber man weiss ja auch: die Harmlosen sind die Gefährlichen.

 

Ebenfalls stilles Leiden anderswo

Das gilt übrigens auch (bis jetzt) für CH Media, für die NZZ, die «Weltwoche», nau.ch, blue news, «watson», «Die Ostschweiz» – und sogar für «20 Minuten». Die frauenfreundliche Insel im Meer der Machos bei Tamedia. Selbstredend haben wir bei ZACKBUM auch keinerlei Probleme mit Sexismus. Und wenn, haben wir genügend Meldestellen errichtet und stehen auch in ständigem Kontakt mit psychologischen Beraterinnen.

Erstaunlich auch, dass selbst beim «Nebelspalter» noch keine Frauenbewegung erkennbar ist. Aber vielleicht ist auch die hinter der Bezahlschranke verborgen. Aufhorchen liess allerdings, dass der VR-Präsident höchstpersönlich einen Link zu einer, nun ja, wirklich nicht jugendfreien Webseite verschickte und dann behauptete, der habe sich «eingeschlichen». Aus seiner Leseliste etwa? Nein, das wollen wir nicht einmal denken.

 

 

Buster Keaton auferstanden im Nebelspalter?

Ihm gelänge es wenigstens, angesichts dieses Erstauftritts eine regungslose Miene zu behalten.

«Unfreiwilliger Humor kommt gerne in Gazetten vor.» Wer hat’s erfunden? Der «Nebelspalter». Das ist dann aber auch schon das einzig Lustige, das vom Start zu vermelden ist.

Der Präsident des VR von «Klarsicht», der Herausgeber des neuen «Nebelspalter», greift gerne selbst in die Tasten. Konrad Hummler war über Jahre hinweg der Autor der intelligentesten Anlegerkommentare, zudem ein literarisch hochstehendes Lesevergnügen. Dann Herausgeber der «Bergsicht», die diese Tradition weiterführte.

Daneben lebte er seine Formulierlust gelegentlich in der NZZ aus. Nun hat er wieder einen eigenen Spielplatz. Verständlich, dass er seine Freunde und Bekannte über das Going Life des neuen Online-«Nebelspalters» informierte und gleich Werbung für sein erstes Stück machen wollte. «Mit Knoblauch zu mehr Substanz» heisst sein Ratgeber für die FDP, der er einen Kurswechsel empfiehlt.

Nun ist es leider so, dass Markus Somm wenig von Humor oder Satire und noch weniger vom Internet versteht. Konrad Hummler hat Humor, aber auch ihn kann man nicht als Digital Native bezeichnen.

Ein einziger, aber unfreiwilliger Brüller am Ersterscheinungstag

Also landete der «Nebelspalter» den ersten und einzigen Brüller am ersten Tag – unfreiwillig. Offenbar stand der Link zum Hummler-Artikel noch nicht fest, als er sein Mail schrieb. In solchen Fällen ersetzt man die Leerstelle durch xxx. Das wird dann brüllend komisch, wenn dieser Platzhalter in einer Webadresse steht www.xxx.ch – und nicht ersetzt wird. Jeder, der mag, kann schauen, was hinter diesem Link steht.

Es habe sich ein Link «eingeschlichen», korrigierte Hummler schnell, von einer «Internetseite, von der wir lieber nichts wissen wollen». Dann lieferte er den richtigen Link nach und dankte «wie immer für kritische Lektüre und Kommentierung». Allerdings: wie bei der vorher verlinkten Webseite gilt auch hier: zuerst bezahlen, dann glotzen.

Kein Altherrenwitz.

Was liess man sich sonst noch für den entscheidenden Moment der Erstauftritts einfallen? Die Verteilung von «Nebelsuppe», die dann doch eine Kartoffelsuppe war, am Bellevue in Zürich. Für Ortsunkundige: in der Nähe der NZZ, bei der Somm auch mal hätte Chefredaktor werden sollen. Und Hummler VR-Präsident war.

Dass CH Media und Tamedia Somm auch hier – wie bei seinem Start mit der BaZ – mit Häme übergiessen würden, war klar. Dass er es ihnen, im Gegensatz zu seinem erfolgreichen Wirken bei der BaZ, so einfach machen würde, das hätte niemand erwartet.

Auch Hinrichtungsversuche können unfreiwillig lächerlich sein

Natürlich gibt es indiskutabel blöde Hinrichtungen, das Stichwort für den Auftritt von Andreas Tobler. Die Allzweckwaffe des Hauses Tamedia kanzelt Somm als «bekennenden Liberalen und Libertären» ab. Entweder weiss Tobler nicht, was der Unterschied ist – oder es ist reine Bösartigkeit, das zu behaupten. Denn diese Unterstellung soll nur das Folgende einleiten: «Das ist Somms bekannte Position: gegen den Staat – auch in der Corona-Pandemie – und für eine deregulierte, ergo anarchische Marktwirtschaft.»

Allerdings hat ausser Tobler noch nie jemand von dieser anarchischen Position von Somm gehört. Dann wirft er dem Gastautor Stefan Millius vor, auch «Halbgares und Lauwarmes» zu präsentieren. Toblers Lieblingsnummer: faktenfrei, aber meinungsschwer Unsinn fabulieren.

Er kann es sogar nicht lassen, auch noch der NZZ ans Bein zu pinkeln, die mit «knalligen rechten und sonstwie reaktionären Positionen» ihren Heimatmarkt bewirtschafte. Eigentlich ein weiterer gelungener Scherz des «Nebelspalter»: Dummschreiber Tobler bestätigt haargenau, was Somm den Mainstreammedien vorwirft.

Aber es geht auch mit Niveau

Auf ganz anderem Niveau kritisiert Christian Mensch bei CH Media. Er bringt die inhaltliche Kritik gnadenlos auf den Punkt:

«Es ist ein Feuerwerk der Ideenlosigkeit, mit der das alt-neue Medium seine Plattform freigeschaltet hat. Eine Boygroup von Journalisten, die er in seiner Zeit als Chefredaktor der «Basler Zeitung» um sich geschart hat, verfasste eine Reihe von meinungsstarken, rechercheschwachen und damit überraschungsfreien Beiträgen in jenen Themenfeldern, in denen sie sich heimisch fühlen

Zu ergänzen bleibt nur: noch nie hat ein Neuauftritt, eine Premiere von was auch immer, ausserhalb von Kino, Oper und Theater, es gewagt, vom ersten Tag an alles – ausser Videos und einen ellenlangen «wer sind wir»-Text – hinter eine Bezahlschranke zu stellen. Das kann man als originell bezeichnen – oder als vollbescheuert.

Selbst Verlage wissen seit der Erfindung des Buchdrucks, dass es ungemein helfen kann, Rezensionsexemplare zu verschicken. Wenn schon nicht fürs Publikum, was aber auch nicht kreuzfalsch wäre, dann doch wenigstens für Multiplikatoren, vulgo Journalisten, hätte es doch eine Einladung zum Herumstöbern geben müssen.

Aber eigentlich wäre man nur dann von der Internet-Kompetenz der Macher überzeugt, wenn sie den ersten Tag, die erste Woche, den ersten Monat als Appetithäppchen gratis angeboten hätten. Denn wenn sie so von ihrem Produkt überzeugt sind, wie sie behaupten, müssten sie wissen, dass das die beste Werbung ist. Wenn sie etwas vom Internet verstünden, wüssten sie, dass das im Gegensatz zum Verschicken von Büchern – gratis ist.

So aber steht der potenzielle Leser und Kunde wie der Ochse vor dem Berg vor der Bezahlschranke. 1.60 pro Artikel (was absurd teuer ist) oder 16 Franken für alles während eines Monats (was in Relation absurd billig ist).

Prinzipien der Marktwirtschaft

Jeder Verkäufer muss von der Qualität seines Produkts überzeugt sein. Jeder Verkäufer weiss, dass er die Kunden anlocken muss, in übervollen Märkten. Vor allem, wenn es Somm trotz aller Eloquenz nicht gelingt, verständlich zu machen, wozu es eigentlich den neuen «Nebelspalter» genau braucht und wo seine Marktlücke, seine USP wäre.

Ich habe die 16 Franken nicht bezahlt, also kann ich leider weder Hummler Feedback zu seinem Artikel, noch Somm zu seinen geradezu egozentrischen Multiauftritten geben. Ausser zwei sicher unwillkommenen Ratschlägen kann ich nichts zum Erfolg beitragen.

Um dieses Desaster des Erstauftritts wegzustecken und zu tun, als wär’ da nix, braucht es einen Gesichtsausdruck wie von Buster Keaton.

So lustig kann ein trauriges Gesicht sein. So traurig kann ein nicht-lustiger «Nebelspalter» sein.

Selbst die nun nicht wirklich marktwirtschaftlich-liberal orientierte «Republik» wusste, wie man die eigene Randgruppe heiss macht und dazu verleitet, das Portemonnaie zu zücken. Die Ähnlichkeit besteht darin, dass beide Organe dank zahlungswilligen Investoren starten konnten. Bei der «Republik» im Wesentlichen ein Brüderpaar, beim «Nebelspalter» ein Sack Flöhe von 70 Investoren.

Wunder gibt es immer wieder – hoffentlich

Aber wenn lupenreine Vertreter der liberalen Marktwirtschaft, die nicht an die eigene Mission, sondern an die entscheidende Reaktion des Marktes glauben ­– trifft das Angebot auf genügend Nachfrage –, dermassen den Start versemmeln, zudem weitgehend humorfrei, dann kann man nur auf Wunder hoffen. Denn für eine wirkliche Lernkurve, dafür sind die Beteiligten zu selbstüberzeugt, und wenn sie in der kurzen, aber ausreichenden Vorbereitungszeit das Funktionieren des Internets nicht kapiert haben, dann werden sie das wohl auch nicht schaffen, bevor das Startkapital aufgebraucht ist.

Que pena, sagt man auf Spanisch in solchen Fällen, welcher Schmerz, welche Pein, dermassen enttäuscht worden zu sein, und das auch überhaupt nicht lustig zu finden.

 

 

 

Der neue Nebelspalter: verhüllt im Nebel

Eigentlich hätte hier die erste Rezension des heute neu im Internet aufgepflanzten Nebelspalter stehen sollen.

Aber wir konnten nicht rechtzeitig eine Bezahlschranke hochziehen, tut uns Leid.

Manchmal muss man etwas sehen, um es zu glauben. Wie angekündigt, steht seit heute Morgen früh der neue Auftritt des «Nebelspalter» im Netz. Eine Fülle von Artikeln, aufgeräumt dargestellt.

Ein Jugendstil-Logo, das sich vom Print-Nebelspalter deutlich abhebt. Eine Fülle von Artikeln, oder sagten wir das schon? Aber unter jedem das:

Ohne Bezahlung sagen wir nix dazu.

Ausser bei einer ellenlangen Erklärung, «wer wir sind». Ausser bei einem ellenlangen Interview von Reto Brennwald mit – Überraschung – Markus Somm, dem Chefredaktor und Mitbesitzer. Um die Modernität zu unterstreichen, sind noch weitere Videocasts ohne Bezahlung anzuschauen.

Was nichts kostet, ist nicht viel wert

Da gilt aber leider: was nichts kostet, ist nicht viel wert. Während sich Somm fast eine Stunde mit Brennwald ausspricht, dauert die Sendung «Friendly Fire» immerhin nur eine halbe. Und die Video-Blogs von Tamara Wernli oder «Gioia spricht Klartext» nur ein paar Minuten. Kommen einem aber auch wie gefühlte Halbstünder vor.

Ich habe beide leider nicht verstanden, und Somms Auftritte sind zu lang für eine Kurzkritik.

Daher kommen wir bereits zur zusammenfassenden Würdigung. Es ist – vom liberalen. neoliberalen oder welchem Standpunkt auch immer – absurd, ein neues Projekt so zu starten, dass der Konsument zuerst Eintritt bezahlen muss, bevor er das Angebot visionieren darf.

Es ist hirnrissig, nur ellenlange Selbstdarstellungen plus die dem Zeitgeist geschuldeten Kurzauftritte von zwei Frauen als Appetithäppchen (vielmehr -happen) zu servieren. Es ist zumindest der Eile geschuldet, dass man sogar wählen kann, ob man «Friendly Fire» als Video oder als Podcast konsumieren will.

Es ist abschreckend, dass selbst der dritte Auftritt von Somm, das Editorial, hinter der Bezahlschranke versteckt ist.

Möglicherweise werde ich mich entscheiden, die 16 Franken (waren es nicht mal 18?) abzudrücken.

Aber ein Witz ist Somm und seiner Mannschaft gelungen.

Sigmund Freud definiert ihn als enttäuschte Erwartungshaltung.

Präventive Panik

Medienkonsumenten sind entweder Hellseher oder nicht ganz dicht. Kündigt sich eine Veränderung an, reagieren sie vorsichtshalber mal mit der Annahme des Schlimmsten. War immer so und ist auch aktuell so.

Von Stefan Millius*

Kindheitserinnerung: Wenn das Leibblatt meiner Eltern in den 80er-Jahren, das St.Galler Tagblatt, alle paar Jahre leicht am Layout schraubte, herrschte Ausnahmezustand. Der Vater genervt, die Mutter erbost. Warum denn nur, warum, es war doch alles gut, und jetzt findet man in dieser Zeitung einfach gar nichts mehr. Zwei Tage später erinnerten sie sich nicht mehr daran, wie sie früher aussah.

Layoutfragen sind heute kein Thema mehr. Dafür herrscht viel Angst vor anderen Veränderungen. Ein anderer Besitzer, eine neue Chefredaktion: Da kommen Beschwerden, Unruhe und Vorwürfe auf, bevor der Wechsel überhaupt vollzogen wird. Der Tenor: Sind Leute im Spiel, die politisch auf der anderen Seite stehen, muss es einfach schlecht werden. Es ist, als würde man dem unsympathischen Primarschüler mit den lästigen Eltern einfach mal eine Eins verpassen, bevor er die Prüfung überhaupt auf dem Tisch hat.

Pluralistisch, aber keiner merkts

Als Blocher bei der Basler Zeitung einstieg, war allen klar: Nun kommt der «Stürmer» Nordwestschweizer Prägung. Die Leute gingen auf die Strasse, um gegen das neue rechte Medium zu demonstrieren, bevor irgendetwas passiert war. Nur aufgrund der Ankündigung.

Die Wahrheit sah anders aus. In der Redaktion gab es auch unter den neuen Besitzern kein grosses Aufräumen, zumindest kein von oben verordnetes, und ein Altlinker wie Helmut Hubacher fühlte sich als Kolumnist weiter pudelwohl. Die BAZ war vermutlich in jener Ära die pluralistischste Zeitung der Schweiz, in der sich die Pole munter Debatten lieferten, was man von den selbstdeklarierten «Forumszeitungen» bis heute nicht behaupten kann. Es sei denn, man hält ein zum Gähnen langweiliges «Pro und Kontra» zweier Nationalratshinterbänkler für den Olymp der Meinungsvielfalt.

Alles Faschos

Nun wiederholt sich die Geschichte mit dem «Nebelspalter», der neu «klar liberal» sein soll mit 70 vermutlich eher vermögenden Investoren und dem rechtsbürgerlichen Markus Somm als Chefredaktor und Verleger. Twitter implodierte in den Tagen vor dem Start der erneuerten Marke förmlich unter Prognosen, die sich durch eines auszeichneten: Sie gingen vom Schlimmsten aus, bevor auch nur ein einziger Text online war.

Eine kleine Auswahl von Twittermeldungen:

  • «Der Nebelspalter wird unter Markus Somm nur noch gegen rote Fäuste kämpfen, die braunen werden liebevoll geschüttelt.»

  • «Es scheint ein rechtspopulistisches Satireblatt zu werden, das sich getrauen wird, das auszusprechen, was andere nicht tun. Das ist meistens rechter Code für Hetze und Falschbehauptungen.»

  • «Markus Somm will weiterhin den kritischen Nebelspalter drucken lassen und dafür mit der Onlineausgabe den rechten Hetzern in den Arsch kriechen.»

  • «Jemand, der den Nebelspalter nie ansatzweise begriffen hat, darf sich da propagandistisch austoben.»

  • «Somm verschliest seinen faschistischen Nebelspalter hinter der Paywall. Gut so. Rechtsradikale Scheisse gibt’s schon genug im Netz.»

Diese Auslese entstand bis Mittwochabend, 17. März 2021, also etwa zwölf Stunden, bevor der neue Nebelspalter online ging. Sprich: Ohne einen einzigen Text gesehen zu haben, stand für die besagten Leute und viele weitere – es ist eine wirklich kleine Auslese – fest, dass die Onlinzeitung faschistisch ist, rechtsradikale Scheisse produziert, rechten Hetzern in den Arsch kriecht und überhaupt irgendwie, naja, rechts ist.

Empörung statt Neugier

Dass Markus Somm als Verleger und Chefredaktor kaum ein trotzkistisches Kampfblatt auf den Markt wirft, ist eine verlässliche Annahme. Auch, dass das 1. Mai-Komitee nicht zu den Investoren gehört. Von dort bis zum faschischisten Hoforgan ist es allerdings ein ziemlich weiter Weg. Und: Was ist eigentlich aus dem guten alten «Na, dann schauen wir mal und sind gespannt» geworden? Aus einer wohlwollenden Neugier auch gegenüber etwas Neuem, hinter dem nun nicht gerade die besten Freunde stecken?

Auffällig auch, dass die Präventivpanik und der Vorausprotest meist von links kommen. Bei der «Republik» zeichnete sich früh ab, dass dort eine Brigade arbeiten wird, die nicht nur gemeinsam schreibt, sondern auch den Stimmzettel identisch ausfüllt. Aber von rechts warnte vor dem Startschuss niemand davor, dass hier eine neue linke Medienkraft entsteht. Warum auch?

Unmöglicher Gegenbeweis

Hätten sie Geld und Zeit ohne Ende, müssten Zeitungen, die so mit Vorschussdisteln eingedeckt werden, eigentlich ein Experiment wagen und die ersten drei Monate genau das Gegenteil von dem tun, was man von ihnen befürchtet. Eine Kolumne für Schweden-Greta, das Konterfei von Paul Rechsteiner als Seitenhintergrund, das Tagebuch von Cédric Wermuth als Serie und so weiter. Und das nicht im Satirebereich, sondern im heiligen Ernst.

Das dürfte Somm und Co. zu doof sein. Aber selbst wenn sie ihr Versprechen einlösen und alle Stimmen einbinden und den Dialog zwischen links und rechts ermöglichen, wird die zitierte Twittergemeinde bis zum jüngsten Tag röhren: Rechtsfaschistische Scheisse! Sie haben es getan, ohne etwas gesehen zu haben, in Zukunft können sie eine selektive Auswahl aus dem Textangebot nehmen und sich bestätigt fühlen.

Die Wahrheit ist: Es spielt in solchen Fällen gar keine Rolle, was drinsteht. Entscheidend ist nur, was draufsteht. Die «falschen» Investoren, der «falsche» Verleger: Dann muss es einfach falsch werden.

*Packungsbeilage: Der Autor ist freischaffender Mitarbeiter beim Nebelspalter.