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SRF: Wirtschaftsrecherche oder einfach Abkupferei?

Wie originell und kompetent ist SRF Wirtschaft?

Die SRG-Generaldirektorin Nathalie Wappler kennt sich aus mit der Thule-Gesellschaft. Der politische Geheimbund, antisemitisch bis ins Mark, hatte Ende des Ersten Weltkriegs seine Blütephase und versank dann schnell wieder in die Anonymität. Wappler hat 1996 an der Uni Konstanz eine Magisterarbeit über den Geheimbund geschrieben. «Frau Wappler möchte die Arbeit nicht weitergeben», beschied mir einmal die SRF-Medienstelle, als ich mich einmal für die Arbeit interessierte.

Geschichte, Kultur, Philosophie – das sind wahrscheinlich die Stärken der Generaldirektorin und ehemaligen Gesprächsleiterin der Sendung «Sternstunde». Wirtschaft wohl kaum. Anders ist ihre «Eco»-Absetzung nicht zu erklären. Die Wirtschaftssendung geniesst einen hohen Zuspruch und schafft es regelmässig, Themen aus der Ökonomie so zu erklären, dass auch Geheimbund-Expertinnen mitkommen.

Überhaupt liegt im Erklären das Plus des Staatsfernsehens. Eigene Recherchen liegen im Milliardenbudget wohl nicht drin. Frage in die Runde: Wann hat das SRF einmal einen Knüller geschossen in Sachen Wirtschaft?

Immerhin drei Eigenleistungen

Ein Blick zurück auf die Kalenderwoche 38. SRF News hat 15 Wirtschaftsnachrichten aufgeschaltet. Bei drei davon handelt es sich um Eigenleistungen. Der Rest stammt von AWP, Keystone-SDA, Medienmitteilungen oder anderen Zeitungen. Ein Artikel hat sogar den peinlich ehrlichen Titel: «Medienberichte: UBS und CS sollen Fusion planen».

Wenn wir von «Eigenleistungen» reden, müssen wir leider auch dieses Prädikat relativieren. Am 19.9. erschien ein Artikel über die Abwanderung von Studenten aus den Randkantonen nach Zürich, Basel, Bern. Interessant, interessant. Am 17.9. überraschte uns eine Analyse von Wirtschafts-Reporter Matthias Pfander, dass Apple bessere und günstigere Smartwatches als die Swatch-Gruppe herstellt. Spannend, spannend. Und am 14.9. erschien ein Text, der schon im Lead die Beine breit machte («Das zeigen exklusive Zahlen»). Es ging um eine Studie, die die Kosten der Landwirtschaft (wieder einmal) durchrechnete. Der Haken: Die Studie wurde bereits am 30. Juli präsentiert. Immerhin, exklusiv im Internet.

Der kleine Bruder von «exklusiv»

Wie heisst eigentlich der kleine Bruder von «exklusiv»? Er heisst Insider. SRF hat via Agenturen und Zeitungsberichten erfahren, dass SIX und die Deutsche Börse nicht die einzigen Bieter für die italienische Börsen sind. SRF hübscht die Pflichtmeldung so auf:

Die beiden Interessenten hatten ebenfalls ihren Hut in den Ring geworfen für die Mailänder Börse, die Insidern zufolge zwischen drei bis vier Milliarden Euro wert ist.

Insidern hatten bereits gesagt, die Regierung in Rom, die ein Mitspracherecht bei der Transaktion hat, favorisiere die Mehrländerbörse.

Die Deutsche Börse und SIX hatten Insidern zufolge deshalb weitreichende Zugeständnisse wie (…)

Diese Insider heissen übrigens FAZ, Bloomberg, Reuters usw. Und wie heisst der hässliche Bruder von Insider? Prahlhans.