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Das Freundschaftsbuch von Matthias Ackeret

Rein kommt vor allem, wer bezahlt.

Ich war in der Schule immer das unbeliebteste Kind. Niemand wollte, dass ich ins Freundschaftsbuch mein Motto, meine Hobbys oder die Lieblingsfarbe eintrug. Dabei hätte ich einen schönen Spruch gehabt: «Mache es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur.»

Doktor Matthias Ackeret war vermutlich das beliebteste Kind ever. Seine Stimme ist der Hammer, sein schräg gelegter Kopf atemberaubend, seine Kolumnen göttlich.

Doktor Ackeret schreibt fleissig in die Freundschaftsbücher. Er ist Chefredaktor von persoenlich.com. Über Watson berichtete er im letzten Monat zum Beispiel fast täglich. Es ging um die welsche Ausgabe des Listicles-Portals «Watson». Zum Beispiel über Guillaume Asmanoff, der für die welsche Watson-Ausgabe die Nachtschicht in Shanghai übernimmt. Wie? Was? Wo? Echt?

Dass persoenlich.com so viel über «Watson» berichtet, hat natürlich einen einfachen Grund: Das Portal ist Werbekunde, was Doktor Ackeret auch einräumt. Im Grunde genommen gilt bei persoenlich.com die Faustregel: Berichtet wird über die Firmen, die auch zahlen. Ackeret sieht in der Anfrage von ZACKBUM.ch eine «Null-Story». Dass man bei Artikeln der Fairness halber erwähnen muss, dass ein Vertrag vorliegt, sieht er nicht ein.

Ackeret will vollumfänglich zitiert werden. Machen wir eigentlich nie, bei 88 Wörtern noch weniger als nie. Kompromiss: Wir drucken sie ab, aber mit der kleinsten Schriftgrösse, die wir haben:

«Ganz einfach: wir haben neun Mal über watson berichtet, weil es neun Mal etwas zu berichten gab (neue Werbekampagne, Start in der Romandie, Bekanntgabe des Teams etc). Das handhaben wir bei anderen Medien genau gleich. Zur Geschäftsbeziehung: watson ist Werbekunde bei uns (wie andere Medien auch). Die von Ihnen erwähnte Sonderausgabe entstand in Zusammenarbeit mit Comnimag.  Sie sehen auch hier nicht viel neues unter der Sonne: Wir haben in Vergangenheit für Wunderman Thompson, Serviceplan, Freddy Burger Management, Swisscom, SDA etc. Sonderpublikationen produziert und diese auch als solche ausgewiesen.»

 

Watson? Je ne le connais pas

Wieder ein Fall für Doktor Ackeret.

Matthias Ackeret hat schon viele Bücher und Kolumnen geschrieben. Editorials sind aber nicht so sein Ding. Die Einleitung zu den Mediadaten 2020 und 2021 ist nämlich identisch. Inklusive dieses Satzes: «Persoenlich.com feiert im nächsten Jahr übrigens seinen zwanzigsten Geburtstag.» Man kennt das auch von Frauen, die dreimal ihren 40. feiern.

Zweimal kommt natürlich auch dieser Satz vor: «Als Verleger freut es mich, dass wir von den grossen Medienhäusern unabhängig sind.» Wir wollen dem unabhängigen Fachmagazin die Freude nicht vergällen, weisen aber auf die Zusammenarbeit zwischen Persönlich und Watson hin. Ein Heft, kuratiert von Ackeret, soll nämlich die französische Ausgabe von Watson begleiten.

Ackeret zeigt sich in seinem eigenen Artikel «vom Produkt begeistert». Wo finden wir eine Analogie zu dieser Selbstbeweihräucherung? Natürlich in der Bibel: «Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut.»

Noch nicht so gut ist die Bekanntheit von Watson. Zumindest im französischen Teil der Schweiz. Gemäss Marktforschungsunternehmen LINK Institut kennt kein welsches Schwein Watson. Und nur 15 Prozent können mit «Watson» etwas anfangen, wenn sie «gestützt» werden. Zum Beispiel mit einer Ohrfeige.

ZACKBUM fragte natürlich den Chefredaktor von Watson, Maurice Thiriet: «Wie Ihr wollen das machen plus populaire?» Thiriet: «Ich bin weder Chefredaktor von watson.ch/fr, noch bin ich Marketingverantwortlicher noch CEO der Fixxpunkt AG, welche watson.ch/fr verlegt.» Cochon gehabt.

Dramatischer Rückgang beim «Persönlich»-Newsletter

10’000 weniger Abonnenten innerhalb zwei Jahren

Das «Online-Magazin für Entscheider und Meinungsführer» hat gemäss Mediadaten innerhalb eines Jahres ein Viertel seines Abonnentenstamms verloren: Zählte der Verlag 2020 noch 20’000 Leser, waren es 2021 plötzlich nur noch 15’000. 2019 soll die Reichweite sogar 25’000 betragen haben. Die Daten sollen von der mittlerweile deaktivierten Online-Forschungsstelle NET-Matrix stammen, die aber gar keine Statistik über Newsletter führte.

Die hohe Abmelderate von 25, beziehungsweise 20 Prozent wirft Fragen auf. Studien gehen bei Newslettern von einer durchschnittlichen Rate von 0,1 Prozent aus. Die wenigsten stellen einen Newsletter ab. Er kostet ja auch nichts. Warum aber soll die Abmelderate beim Persönlich-Newsletter 250 Mal höher sein? Und weshalb soll die «Auflage» überhaupt geschrumpft sein? 2020 war doch das Jahr der Online-Magazine. Waren die 25’000 im Jahr 2019 und die 20’000 im Jahr 2020 vielleicht zu hoch gegriffen? Das wäre unschön für die gutgläubigen Inserenten gewesen.

Der tägliche Newsletter ist für den Verlag nämlich sein wichtigstes finanzielles Standbein. Bis zu 2500 Franken kostet ein einziger Werbebanner im daily Newsletter. Dafür gibts eine Viertelseite im Persönlich-Magazin, das aber nur zehn Mal im Jahr erscheint. Der Chefredaktor,  Matthias Ackeret, wollte leider keine Stellung nehmen.

 

Neuer Kulturkampf in Zürich

Wir können auch positiv. Der Pfauen soll so bleiben, wie er ist. Richtig und bravo.

Ausgerechnet eine rot-grüne Stadtregierung, die sich nicht zu blöd ist, ein x-tes teures Gutachten über die Kunstsammlung Bührle erstellen zu lassen, will klotzen statt kleckern. Theatersaal Pfauen? Prädikat künstlerisch wertvoll.

Prädikat historisches Monument. Hier war ein Kristallisationspunkt des kulturellen Widerstands gegen die Barbarei des Nazi-Regimes. Bertolt Brecht, der grösste Stückeschreiber des 20. Jahrhunderts, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, der Saal strotzt vor Gehalt, dem man, auch als Kulturbanause, mit Respekt begegnen sollte.

Matthias Ackeret bringt’s in seinem neusten Blog auf persoenlich.com auf den Punkt: «Stadtpräsidentin Corine Mauch und Hochbauvorsteher André Odermatt wollen den Saal in einem Akt der Geschichtsignoranz für rund 115 Millionen Franken abreissen und umbauen.»

Ausgespielt und kann weg? Saal des Schauspielhauses Zürich.

Glücklicherweise lässt es Ackeret nicht bei schriftlichem Protest bewenden. Er hat das Komitee «Rettet den Pfauen» gegründet. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal auf der gleichen Unterschriftenliste wie Mietmeinung Peter Hartmeier, Ringier-Gespenst Fibo Deutsch oder Spesenreisender Andy Gross stehen würde.

Die Richtigen stehen auf der richtigen Seite

Auf der anderen Seite tröstet, dass auch Prof. Peter von Matt, Jean Ziegler oder Martin Walser mit ihrer Unterschrift bezeugen, dass sie auf der richtigen Seite stehen. Die üblichen Verdächtigen, die Kulturschickeria Zürichs, fetzt sich lieber um ihr vom Steuerzahler finanziertes neues Spielzeug Kosmos. Da ihr recht viele Möchtegerns und recht wenig Bildungsbürger angehören, halten sie den Pfauen vielleicht für ein neues Gebäude im Zoo.

Nun schlägt aber das Imperium zurück, wie Ackeret bemerkt hat. Komitee, das können wir auch, sagt sich der «Verwaltungsrat der Schauspielhaus Zürich AG». Und stampft die eigene Aktion «Pfauen mit Zukunft» aus dem Boden. Aber leider, leider, vergreift man sich hier schon bei der Anrede im Ton. Denn man fordert «eine Diskussion ohne Denkverbote».

Pfauen erhalten bedeutet Denkverbot?

Mit der absurden Begründung, dass eine Gegenwehr gegen die bereits konkretisierte Absicht der Kulturbanausen im Stadtrat, den Theatersaal abzureissen, einem Denkverbot für mögliche Alternativen gleichkomme. Denkverbote sind normalerweise eine Spezialität der von der einzigartigen Richtigkeit ihrer Position überzeugten Gesinnungsmenschen.

Schlecht imitieren ist besser als schlecht erfinden, sagen sich die Macher des Gegenwinds, und haben ebenfalls eine Unterstützerliste veröffentlicht. Dass sich hier in der Mehrheit von Staatsbatzeli Abhängige tummeln, ist so klar wie verräterisch. Aber auch der Präsident des Zoo Zürich hat den Namen Pfauen wohl zu wörtlich genommen. Wer hier nicht aufgeführt ist, vermeidet damit immerhin den Nahkontakt mit Ruedi Noser, Laura sowie Roger de Weck oder Historiker Georg Kreis.

Wieso sich allerdings Sibylle Berg, Pipilotti Rist oder Viktor Giacobbo hierher verirrt haben? Echt jetzt, Angst vor Denkverboten? Oder mangelndes Denkvermögen? Man weiss halt nie, was in Künstlern so vorgeht. Ausser bei Berg. Die führt den ersten «Tender Talk» online und wird vom Schauspielhaus so angekündigt: «Unsere Hausfreundin und Lieblingsautorin Sibylle Berg.» Geist geht nach Geld, nichts Neues unter dem Himmel.

Der VR als Filz, Fett und Klüngel

Der Verwaltungsrat des Schauspielhauses ist grösstenteils mit Vertretern von Stadt und Kanton Zürich besetzt. Als Präsident und Vertreter des Zürich-Filzes amtiert Markus Bachofen Rösner, bis 2015 in der Geschäftsleitung der ZKB, seither bestens vernetzt und selbständig. Quotenfrau und Vizepräsidentin ist Anne Keller Dubach, bei Swiss Re für Kunst zuständig. Natürlich darf auch Ruedi Noser, der wohl begabteste Netzwerker am Platz, nicht fehlen.

Bevor Corona auch hier zuschlug, betrug die durchschnittliche Auslastung am Pfauen 67 Prozent. Von der Stadt Zürich werden rund 38 Millionen ins Schauspielhaus gesteckt. In der letzten regulären Spielzeit kassierte der Pfauen rund 5 Millionen Eintrittsgelder. Das bedeutet, dass jeder Theaterwillige mit knapp 300 Franken pro Eintritt subventioniert wurde. Also nicht aus dem Kässeli von Stadtpräsidentin Corine Mauch. Sondern vom Steuerzahler natürlich. In diesem Zusammenhang ist interessant, wer denn den Webauftritt des Verwaltungsrats finanziert.

Es ist von Alters her eine Begleiterscheinung des Siegs einer Gesellschaftsordnung über ihren Vorgänger, dass Bauten abgerissen werden und durch neue, symbolisch für das Neue stehende Gebäude ersetzt werden. Das beste Beispiel dafür aus jüngerer Geschichte ist der «Palast der Republik» in Berlin. Als er sich noch am Marx-Engels-Platz in Berlin, Hauptstadt der DDR befand, ersetzte er das Berliner Schloss, die Residenz der Hohenzollern von 1443 bis 1918. Das war zwar durch die Folgewirkungen ihrer Herrschaft am Ende des Zweiten Weltkriegs recht lädiert, wurde dann in einem symbolischen Akt 1950 völlig in Trümmer gelegt.

Gebäude müssen weg oder wieder her – je nachdem, wer der Sieger ist

1994 wurde der Ort in Schlossplatz und Lustgarten umbenannt, bis 2008 wurde dann der Palast der Republik eingeebnet. Und tatsächlich das Berliner Schloss wieder originalgetreu aufgebaut. Mit Kultur und Kunst gefüllt und von einer Humboldt-Stiftung geführt. Typisch für Berlin: zumindest eine Teileröffnung sollte zum 250. Geburtstag des Universalgelehrten Alexander von Humboldt am 14. September 2019 erfolgen. Inzwischen ist von einer Volleröffnung Mitte 2021 die Rede. Selbstredend wurden auch die ursprünglich geplanten Kosten, trotz eifriger Spendensammelei, grosszügig überschritten.

Hier wollte zuerst die DDR, dann die BRD zeigen, für und gegen welche historische Tradition man ist. Die DDR wollte nichts mehr mit dem Junker-Adel zu tun haben, den reaktionären preussischen Landbesitzern. Die BRD wollte eines der Symbole des ersten Arbeiter- und Bauernstaats auf deutschem Boden nicht stehenlassen.

Deutsche Tragödie, Schweizer Groteske

Während das eine typisch deutsche Tragödie ist, spielt sich am Pfauen eine Schweizer Groteske ab. Eine für alles Gute und Bessere, Diverse, Autofreie und eine gendergerechte Sprache eintretende Stadtregierung will nicht etwa eine Erinnerungstafel anbringen, wer in diesem Theatersaal schon seinen Beitrag zur Verbesserung der Welt leistete.

Nein, weg damit, sei für angeblich «modernes Theater» nicht mehr geeignet. Deshalb muss er mit 115 Millionen Steuerfränkli modern gemacht werden, was dann wohl bedeutet, dass er für altes Theater wie von Lessing, Shakespeare, Büchner und anderen Allzeitgenies, nicht mehr geeignet wäre.

Die lange und reiche Geschichte des Pfauen

Die Schauspielhaus AG existiert seit mehr als 82 Jahren. Hinter ihr steht eine wechselvolle Geschichte, Kämpfe zwischen Kulturbanausen und bahnbrechenden Inszenierungen, die Stimmbürger wollten es 1952 nicht der Witwe des letzten Besitzers abkaufen; in einer ihrer wenigen guten Aktionen sprang dafür die damalige SBG (heute UBS) ein.

Wollen wir die lange Reihe von Uraufführungen, Regisseuren, Schauspielern von Weltrang aufführen? Wollen wir an die Zeiten erinnern, als das Schauspielhaus das Zentrum des Emigrantentheaters wurde? Wollen wir an die Blütezeit unter Christoph Marthaler erinnern? Ein eher moderner Intendant, der sich nie über den angeblich ungeeigneten Saal beschwerte.

Also, für einmal: bravo, Matthias, hoffentlich gelingt es, diesen grün-rot-blöden Schildbürgerstreich zu verhindern.

Mittendrin statt nur dabei

persoenlich.com: Wie ein Branchenportal zum Symbol der Krise wurde.

Eine wichtige Einleitung: Als Kind war ich ein grosser Fan von Kugelstösser Werner Günthör. Im Sommer 1988 warf ich mit meinem Freund Röbi schwere Steine in den Garten unseres Nachbars. Ich war Werner, Röbi war Ulf Timmermann (DDR). Mächtige Männer beeindruckten mich ungemein.

Matthias Ackeret auch. Dem Doktor der Rechte imponieren meinungsstarke Männer. Ackerets Hochachtung vor Christoph Blocher, Roger Schawinski und Martin Walser ist aufrichtig, fast schon verklärend. Er selber schwingt selten die schwere Wortkeule. Ackeret versucht ständig, zu erklären und zu schlichten. Auf die Dauer macht das ein bisschen aggressiv.

Auf «Radio 1» führt er mit dem Moderator Marc Jäggi eine wöchentliche Diskussion: «Shortlist». Wenn die beiden miteinander diskutieren, ist das nur in den seltensten Fällen ergiebig. Das Problem: Beide denken gleich. Es kommt deswegen gar nicht zu einer richtigen Diskussion, das ist Jäggi und Ackeret bewusst. Und so versuchen sie manchmal Disharmonie vorzuspielen. Beispiel letzte Sendung. Es ging um die Einführung des Frauenstimmrechts vor 50 Jahren:

Marc Jäggi: Was war das früher für eine Mentalität? (…) Offenbar hatten die Männer damals Angst gehabt, oder, oder, oder, äh, oder was ist das Problem gewesen?
Matthias Ackeret: Ja, das ist sicher Angst gewesen, vor dem starken Geschlecht, hehehe
Marc Jäggi: Hehehe

Wenn ich den beiden zuhöre, erinnere ich mich häufig an meine Steinwürfe vor über 30 Jahren. Das Format «Shortlist» ist ein weiterer Beweis, dass nach Schawinski und Blocher niemand mehr etwas zu erzählen hat. Wahrscheinlich entspricht «Shortlist» dem Zeitgeist und wahrscheinlich mögens die Zuhörer.

Auch auf seinem Portal «Persönlich» erzählt Ackeret keine brisanten Geschichten. Zu sehr ist der Chefredaktor eingespannt zwischen Interessensabwägungen und heiklen Dossiers. Das zeigt sich exemplarisch in der Bekanntmachung, ein Sonderheft zum Start von Watson Romandie herauszugeben. Wer das macht, wird nie wieder kritisch und ehrlich über Watson schreiben.

Ist das der Fluch der Zeit? Ja, das ist er. Aber es tut in der journalistischen Brust weh, das Produkt «Persönlich» anzusehen. Gewiss, ein Branchenblatt kann nicht drauflosbolzen. Das hat sich wahrscheinlich auch David Sieber gedacht, der mit seinem «Schweizer Journalisten» aus meiner Sicht krachend gescheitert ist.

Im Grunde genommen ist Ackerets grösste Leistung, Arbeitsplätze für eine Redaktion mässig-begabter Journalistinnen und Journalisten zu bieten. Und das meine ich ohne Häme. So ist es leider.

Die ausgewiesenen Leistungen sind dermassen dürr, dass ich mich immer wieder frage, warum ich eigentlich jeden Tag die Homepage von persoenlich.com aufsuche. In der letzten Zeit wirken die Entlassungen nämlich besonders bizarr: Alle finden es toll, dass sie gerade entlassen wurden. Ein 60-jähriger Moderator geht weg von SRF und will sich journalistischen Projekten widmen, die Karriere eines jungen Kadermitglieds bei «20 Minuten» wird jäh abgeschnitten und der junge Familienvater unkt über seine Gartenleidenschaft.

Wer bei dieser Komödie mitmacht, hat keinen Mut, keine journalistische Neugierde und vor allem: hat nichts zu erzählen. Aber vielleicht ist persoenlich.com nicht nur ein Menetekel, sondern das Symbol der Medienkrise.

Ein Fall für Dr. Ackeret

Knifflig, heikel, kompliziert.

Wenn die dicke Berta viel Kuchen isst, muss sie häufiger auf Toilette. Wenn Onkel Paul immer unter die Röcke fremder Frauen guckt, kassiert er irgendwann eine Ohrfeige. Das nennt man logische Schlüsse. Was passiert aber, wenn immer mehr Menschen sterben? Gibt es dann mehr Todesanzeigen oder weniger?

Wer dieses Rätsel knacken will, muss Vorlesungen besucht haben und einen messerscharfen Verstand haben. Damit sind wir bei Dr. Matthias Ackeret angelangt. Der «Persönlich»-Verleger, enorm erfolgreicher Bücherautor und leidenschaftlicher Martin Walser-Experte hat in langwieriger Recherche herausgefunden, dass bei CH Media «eine temporäre, markante Zunahme» bei den Todesanzeigen festgestellt werden konnte. Chappeau, Herr Kollege!

Kommen wir nun zu den beiden letzten ungeklärten Fragen: Wie sieht es eigentlich bei den Särgen aus? Werden bei steigenden Todeszahlen mehr oder weniger Särge verkauft? Und was ist mit diesen Blumengestecken? Haben die Floristinnen höheren Umsatz bei mehr Corona-Toten? Herr Dr. Ackeret, bitte übernehmen Sie!

Ex-Press XXI

Blasen aus dem Mediensumpf.

 

Eine Stilkritik am Tages-Anzeiger

Da soll noch einer sagen, das Wort sei nicht mächtig. Nach unseren mehrfachen Ordnungsrufen hat Tamedia kräftig Gegensteuer gegeben und gleich mehrfach antifeministische, machomässige, Frauen auf ihr Äusseres oder gar ihr Hinterteil reduzierende Artikel veröffentlicht.

Das haben wir natürlich nicht gewollt und sind entsetzt. Durchaus begrüssen können wir hingegen eine andere Veränderung. Salome Müller, die Sprachvergewaltigerin mit dem Gender-Sternchen, die jeden zweiten Morgen die männlichen Leser von Tamedia-Produkten ärgert, hat ein neues Autorenfoto platziert. Pardon, natürlich ein Autor*innen*Foto*In:

So beginnt ein schöner, feministischer Morgen.

Bravo, weg ist der merkwürdige Dutt oberhalb des Haupthaars, jetzt ist es brav gescheitelt, in einem Zopf gebändigt (man trägt links, natürlich), und man meint sogar, einen Hauch vom Make-up zu bemerken.

Wie bitte? Das sei ein typisch männlicher Scheiss, eine Reduktion einer Frau auf Äusserlichkeiten, wie es niemandem bei ihrem Mitautor Edgar Schuler einfiele? Form statt Inhalt, verdammte Macho-Saurerei.

Aber nein, ich halte zu Gnaden: Genauso hat ein (weiblicher) Autor die neue Frauenriege im Weissen Haus sogar einer ganzen «Stilkritik» unterzogen. Wer das hier nachahmen möchte, bitte:

Das Bildzitat: Edgar Schuler (links), Salome Müller.

Allen die Meinung geigen bei CH Media

Den immer noch existierenden Unterchefredaktoren, Kleinchefredaktoren, Noch-Chefredaktoren bei CH Media bleibt hingegen – wie ihren Kollegen bei Tamedia – von früherem Glanz eigentlich nur noch das Privileg, zu allem etwas sagen zu dürfen. Also einen Kommentar zu schreiben.

Das nützt auch Stefan* Schmid vom St. Galler «Tagblatt» aus. Nachdem er von der «Republik» ans Kreuz genagelt worden war, will er aber nichts mehr falsch machen. Er entscheidet sich für den Klassiker: einerseits, andererseits.

Einerseits wollen sich anscheinend viele Insassen von Altersheimen nicht impfen lassen. Dazu bemerkt Schmid altersmild: «Es liegt nicht an uns Jüngeren, darüber zu urteilen. Wer sterben will, darf sterben.»

Andererseits scheint das auch bei vielen Pflegekräften der Fall zu sein. So nicht, donnert Schmid:

«Sind das nicht jene Frauen und Männer, für die wir im Frühling auf dem Balkon geklatscht haben?»

Genau, und nach dieser gewaltigen Aktion der kostenlosen Solidarität, die schon damals bei den Pflegenden nicht wirklich auf Sympathie stiess, forderten die auch noch höhere Löhne als Ausdruck gesellschaftlicher Realität. Dann nehmt das: «Wer Solidarität einfordert, sollte umgekehrt auch solidarisch handeln.» Allerdings: Weder die Klatscher noch die Arbeitgeber haben bislang Solidarität gezeigt.

Die Sicht eines Balkonklatschers, Warmduschers und Miniatur-Chefredaktors.

 

Mimosen bei persoenlich.com

Wir schaffen es nie, beim «Online-Magazin für Entscheider und Meinungsführer» den richtigen Ton zu finden. Der Chef vom Ganzen, Matthias Ackeret, findet immer wieder unseren «Ton nicht angemessen». Das tut uns Leid; der letzte Sensibilisierungskurs für verbale Integration und Umarmung war offenbar rausgeschmissenes Geld.

Ackeret erregte sich etwas darüber, dass wir uns etwas erregten, dass persoenlich.com haargenau eine Woche später das gleiche Thema mit dem gleichen Resultat wie ZACKBUM.ch beackerte. Welche Auswirkungen hatte der Total-Lockdown am Sonntag auf die Sonntagsmedien. Reiner Zufall, sagte Ackeret, meine Idee gewesen.

Gut, wir sind ja ausgesprochen konfliktscheu, also wollten wir es darauf beruhen lassen.  Aber der Frömmste usw. Als wir uns eigentlich schon neuen Themen zuwenden wollten, meldete sich dann noch die Redaktionsleiterin Online bei uns.

Sie fand es unerhört, dass wir die Berichterstattung darüber mit «Original kopieren» betitelt hatten. Da wir, im Gegensatz zu vielen Kollegen, weder beratungsresistent noch rechthaberisch sind, gestanden wir zu, dass wir den Titel des Anstosses dann halt ändern. Kein Problem.

Das entwickelte sich dann aber leider zu einem typischen «das hat man davon». Denn nach einem knappen «Danke» forderte die Leiterin nun, dass auch noch dieses und jenes im Lauftext geändert werden «müsste».

Das führte dann zu einer kleinen Schubumkehr und ihr wurde bedeutet, dass sie es nicht übertreiben solle. Nachdem wir schon, was persoenlich.com noch nie tat, aus reiner Kulanz einen Titel änderten, sollte man es dann mal gut sein lassen. Mit einem «ich nehme das so zur Kenntnis» endete dann der kleine Meinungsaustausch.

 

Koryphäenwechsel bei der «Blick»-Familie

Jetzt werden wir kurz persönlich. Der USA-Korrespondent Nicola Imfeld, der zuletzt an einem angeblich «harten» Checkpoint scheiterte und über die Biden-Inauguration aus ca. 25 km Entfernung berichten musste, ist ein Opfer der Altersguillotine geworden. Nach drei Jahren Fernbeobachtung aus San Diego ist er mit 25 einfach nicht mehr rüstig genug.

Diese nicht ganz unwichtige Stelle übernimmt Celina Euchner, ebenfalls aus dem sehr zentral gelegenen San Diego. Sie bringt die besten Voraussetzungen mit. Gerade die Ringier Journalistenschule abgeschlossen, vorher im People-Ressort gearbeitet, vorher Praktikum bei der «Auto Bild». «Bild», Biden, fast kein Unterschied. Zudem übernimmt sie gleich noch den «Nachtdienst» für die «Blick»-Gruppe. Frau, Multitasking, sehr gut. Bedenklich stimmt nur ihr Alter: Sie ist bereits 24.

 

Verschwörungstheorie bei der NZZ

Das Organ der gehobenen Nachdenke hat manchmal auch Schwächeanfälle. Auf den Spuren der «Republik» (um ähnlich polemisch wie die Autorin zu beginnen), geht sie auf fast 23’000 Anschlägen der Frage nach, wie es denn im «Universum seiner Fans» aussähe. Die Rede ist natürlich von Daniele Ganser.

Der war nämlich «lange Zeit ein renommierter Friedensforscher», schreibt die etwas weniger renommierte Autorin Ruth Fulterer. Das Buch «Imperium USA», ein Bestseller, gefüllte Säle, wenn Ganser auf Vortragstournee geht, sein «ständiger Subtext: Die Bevölkerung wird manipuliert.»

Das versucht auch Fulterer mit ihrem Artikel, nur entschieden weniger sublim. Sie startet bei ihrer Reise mit den «Wohlfühltagen» in Luzern vom vergangenen Februar. Esoteriker, Lichttherapie, Steinchen, das Übliche. Und ein Vortrag von Ganser. Inhaltlich objektive Beschreibung: «Der Abend hat die Dynamik eines Rockkonzerts, die Fans können die Hits beinahe auswendig.»

Die «Fans» bilden eine lange Schlange vor dem Signiertisch. Die Journalistin schleicht sich an, aber, wenn sie sich so outet, «will keiner reden». Typisch. Als sie das unterlässt, bestätigen ihr doch die meisten, dass sie alle etwas eint: «Sie glauben Ganser und seinen Thesen.»

Das Universum der Verschwörungstheorien und seine Propheten

Dann zieht die Autorin einen schönen Bogen von der Ermordung John. F. Kennedys, bis heute Spielfeld für viele Verschwörungstheorien, zu dem Ausbruch der Coronapandemie, «die Geburtsstunde einer ganzen Familie neuer Verschwörungstheorien. Auch viele von Gansers Jüngern werden ihnen glauben. Weil sie bei Ganser bereits eingestimmt wurden.»

Womit? Mit genauso üblen Verschwörungstheorien bezüglich Pearl Harbor, 9/11 und überhaupt Kritik an herrschenden Meinungen. «Vieles ist interessant, vieles belegt», ringt sich Fulterer über die Bücher von Ganser ab. Er habe sich auch bei Corona nicht auf eine Verschwörungstheorie festgelegt, warne aber davor, abweichende Meinungen «zu diffamieren». Man hört förmlich das Bedauern.

Im Universum der Fans gibt es dann noch den «Anti-Amerikaner, den enttäuschten Altlinken, den Einzelkämpfer, die Verunsicherten» und schliesslich den «Schattenkämpfer» himself, mit dem sich die Autorin tatsächlich öffentlich sehen lässt, obwohl ihr das bei der Lektüre seines Buchs peinlich war.

Obwohl sie im Gespräch im Zug tapfer darauf hinweist, dass Gansers Buch «so mittel» sei, «historisch nicht ganz sauber». Worin äussert sich das? Einerseits im Zitieren von «Verschwörungstheorien» (allerdings ohne denen zuzustimmen), und auch – erwischt –, der 14-Punkte-Friedensplan von Präsident Wilson nach dem Ersten Weltkrieg fehle. Weil er Ganser «nicht ins Narrativ» passe, dass die USA Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hätten. Während sich die Autorin immerhin noch dunkel aus ihrer Schulzeit daran erinnert.

Dazu gäbe es nun einiges zu sagen, aber lassen wir das. Bei der – offenbar nicht sehr langen – Begegnung in einem vegetarischen Lokal mit Ganser arbeitet sich Fulterer dann zum Finale con tutti hoch. Leider findet sie keine Gegenargumente zu seinen Erwiderungen, also haut sie ihn über Umwege in die Pfanne. Er sei schon bei Demonstrationen gesehen worden, wo auch Reichsflaggen geschwenkt worden seien. Dann «tritt er in der deutschen Ausgabe des russischen Staatssenders Russia Today auf». Oder gar bei Ken Jebsen. Statt in den deutschen Staatsmedien.

Leider kann Ganser auch darauf erwidern, dass er dort zumindest anständig behandelt werde, nicht wie beim Schweizer Staatsfernsehen, Pardon, Gebührensender.

Disqualifizierung durchs Umfeld

Bei Ken Jebsen war ich auch schon zu Gast, bevor er ins Schräge abschwirrte. Ich glaube nicht, dass mich das disqualifiziert. Über mich wurden auch schon Verleumdungen in Wikipedia reingeschrieben, die ich erst mit massiver Intervention wieder wegkriegte. Und ich spreche nicht von kleinen Fehlern, wie dass ich ein deutscher Journalist in der Schweiz sei.

Ich bin der festen Meinung: eine solche Hinrichtung mit unlauteren Mitteln, ohne erkennbares Bedürfnis, sich inhaltlich mit Ganser auseinanderzusetzen – und wenn, dann oberschwach –, ihn durch Einordnung, durch seine Fans, durch seine Auftritte unglaubwürdig zu machen, ist untere Schublade.

Fulterer zielt auf seine Gesinnung, seine Haltung, seine Umgebung, auf die Multiplikatoren, die er verwendet. Sie zielt auf den Mensch Ganser. Weil sie nicht in der Lage ist, ihn argumentativ zu widerlegen. Schade, dass die NZZ gelegentlich ihr Niveau deutlich nach unten unterschreitet.

Als mildernde Umstände hilft weder das jugendliche Alter der Autorin, noch ihr auch in ähnlichen Organen geschätzter Gesinnungsjournalismus. Für «Meine These: Ganser bewirtschaftet finanziell erfolgreich Verschwörungstheorien», hätte man nicht Tausende von Buchstaben verrösten müssen.

 

*Einem aufmerksamen Leser ist aufgefallen, das hier zuerst falsch Thomas Schmid stand. Wir entschuldigen uns.

Die Mutanten-Redaktion

Neue Stelle, neue Putzfrau, neuer Besen, neu Neu.

Wer nichts wird, wird Wird-Journalist: «Kathrin Jesse wird Miteigentümerin», «Stefanie Heinzmann wird Vegan-Botschafterin», «Adrian Merz wird Creative Director», «Philippe Chappuis wird Chefredaktor», «Florence Vuichard wird Witschaftschefin», «Janique Weder wird Leiterin Nachrichten.»

So lauten die Titel der kreativen Belegschaft von persoenlich.com. Die Beispiele stammen von den letzten Tagen. Glanzleistungen werden dann erreicht, wenn gleich mehrere Mutationen vermeldet werden dürfen: Die geht, der geht, der kommt, der nicht, die vielleicht und der frühestens im nächsten Jahr. Die Bussibussi-Texte sind zum Glück so schlecht geschrieben, dass ungewollt etwas Ironie hervorblitzt:

«Gerne bestätige ich, dass Jan Kempter, Urs Hirschi, Lucas Conte und Katja Metz die Publicis-Gruppe verlassen haben.»

Matthias Ackeret, der Chefredaktor, sieht sein Produkt als «Online-Magazin für Entscheider und Meinungsführer». Im Fachportal kommen «giftige Kommentare und kontroverse Diskussionen» vor.

Ist das so? Wie viel Kritik lässt Ackeret zu? Ein Leser schrieb ZACKBUM.ch, dass ein kritischer Kommentar dreimal abgewiesen wurde. Er monierte, dass in einem Artikel auf persoenlich.com einem Nachahmer Raum geboten wurde. Es geht um einen Gazosa-Hersteller, der ähnliche Flaschen wie sein Konkurrent herstellt.

Diese Sichtweise vertrat auch das Zürcher Handelsgericht (Geschäftsnummer HE200180): «Weiter fällt die Ähnlichkeit der A2._____ (Bild rechts) mit der von der Gesuchsgegnerin hergestellten A._____ (Bild links) auf. Problematisch ist dabei nicht die für A._____ typische Bügelflasche, sondern die ähnliche Etikettierung und der weitgehend identische Papierverschluss über den Bügel.»

Gemäss Angaben unseres Lesers wurde die Kommentarspalte zum Artikel plötzlich sistiert. Zwei Tage später soll sie wieder plötzlich aktiviert worden sein. Mittlerweile wurden zwei andere kritische Kommentare zur Nachahmung aufgeschaltet. Der Druck in der Flasche war vielleicht zu gross.

Matthias Ackeret wollte zur Kritik keine Stellung nehmen.