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Hilfe, mein Papagei onaniert IX

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch. Heute: Wenig Leistung für viel Geld

Die «Sonntagszeitung» vermeldet stolz: «Bank wusste, dass Versicherungsschutz endet». Damit ist gemeint, dass die CS frühzeitig darüber informiert war, dass eine grosse Versicherung die Absicherung der Greensill-Fonds offiziell und fristgerecht Monate vor dem Zusammenbruch gekündigt hatte. Und die CS nicht erst wie behauptet eine Woche vor dem Desaster davon erfuhr.

Das «erklären zwei voneinander unabhängige Personen mit Kenntnis der Vorgänge», tut die SoZ geheimnisvoll, als sei ihr ein kleines Recherchierkunststück gelungen.

Ist aber mal wieder ein eher peinliche Flop. Denn erstens hat diese «neue Information» eine tatsächlich mit Kenntnis ausgestattete Person bereits in aller Öffentlichkeit bekannt gegeben: nämlich der Besitzer und Namensgeber der zusammengekrachten Fonds – in einem Interview.

Dieses Interview von Lex Greenshill wiederum hat «Inside Paradeplatz» am 14. Mai genüsslich aufgenommen. Aber das alles ist doch kein Grund für SoZ, nicht etwas angeberisch zu tun und am 16. Mai von einer «News» zu sprechen. Die aber ungefähr so neu ist wie die Meldung: gestern hat es geregnet.

Reflex-Kommentare aller Orten

Oder so neu wie Markus Somms Stehsatz-Kommentar: «Israel hat jedes Recht, sich zu verteidigen». Dieser Uralt-Kommentar, der stark nach ungewaschenen und eingeschlafenen Füssen müffelt, wäre nicht der Rede wert, wenn Somm ihn nicht in bester faschistischer Demagogie weiterentwickelte:

«Den neuen Antisemiten entlarven Sie, wenn Sie mit ihm über Israel reden.»

Und wie entlarvt man den «neuen Antisemiten»? Wenn sich einer kritisch über Israel äussert. Früher hätte man gesagt: «Den Volksschädling entlarven Sie, wenn Sie mit ihm über das Dritte Reich reden». Dass sich der Chefredaktor des «Nebelspalter» einen dermassen groben Ausrutscher leistet, ist wohl nur mit der gequälten Seelenlandschaft eines mehrfachen Renegaten zu erklären.

Denn heftige Verfechter einer Ideologie, die dann plötzlich ein Erweckungserlebnis haben und auf dem Absatz kehrt machen, sind immer suspekt. Weil sie sich gegen Vorwürfe wehren müssen, bei denen man ihnen frühere Positionen um die Ohren schlägt. Diese «ich bereue, ich habe es eingesehen, heute sehe ich das Licht»-Apologien sind schmerzhaft und peinlich.

Zudem scheint im Falle Israels bei Somm so ziemlich alles zusammenzuschiessen, was zu Kurzschlüssen führt. Die Begeisterung für Kibbuz und Heimat der Juden, das gequälte Verhältnis der Linken zu den Palästinensern, und die Eifrigkeit eines Renegaten, der viel linientreuer sein muss als ein nicht gewendeter Anhänger. Dem zuschauen zu müssen, ist kein schöner Anblick.

Da ruft einer «Doppelmoral», der doch mit sich selbst gedoppelt ist.

Money for nothing, dudel, dudeldei

Blicken wir doch mal wieder auf das Schaffen der «Republik». In letzter Zeit nicht mehr «Skandal» geschrien, daher nicht wieder selber zum Skandal geworden, weil sich halt mit anonymen Quellen und schludriger, einäugiger Recherche weder Staat noch «Republik» machen lässt.

Was bietet sie also an diesem Auffahrtssonntag? 50 Nasen, 6 Millionen Budget, das vorne und hinten nicht reicht, da sind wir mal gespannt. Und bleiben es auch, denn der Output am 16. Mai ist – null. Nada, nix. Nicht mal ein Dank an die «Verleger», Mäzene und Spender, dass sie es freundlicherweise so vielen tapferen Arbeitern im Weinberg der Demokratierettung erlaubt habe, einfach mal kollektiv die Füsse hochzulegen.

Das kann natürlich aus Erschöpfung über eine unglaubliche Leistung am Samstag geschehen sein. Nun ja, dieser Tag glänzte mit immerhin 4 Stücken. Da jeder Tag «Republik» rund 17’000 Franken kostet, müssen das ja vier Hochkaräter gewesen sein. Kann man so sehen, wenn man eine rosarote «Republik»-Brille trägt. Denn ein «Artikel» ist die übliche laberige Inhaltszusammenfassung an die «Ladies and Gentlemen and everybody beyond». Das sind 11’000 Anschläge über die anderen drei Stücke des Tages. 5500 Anschläge braucht der übliche Kunst-Artikel am Samstag. Ob das wirklich 5700 Franken wert ist, wenn man das Inhaltsverzeichnis nicht als journalistische Leistung zählt?

Aber es geht natürlich schlimmer; Auftritt Binswanger

Wie immer und verschärft stellt sich die Frage bei der schreibenden Schmachtlocke. Diesmal outet sich Daniel Binswanger zu all seinen weiteren Fähigkeiten hinzu als Spezialist in Patent-Fragen: «Wie viel Profit ist hoch genug?» Er sieht wie meist das Grosse und Ganze, Big Pharma, US-Präsident Biden, Impfstoffe, Welt, Wahnsinn. 10’000 Anschläge. Die aber leider am Stück oder einzeln keinen Rappen wert sind.

Zudem: Wahrscheinlich hing ihm mal wieder eine Strähne vor dem Auge, als er den Titel komponierte. Profit, hoch genug? Der hohe Profit im Gegensatz zum niedrigergelegten? Ist ein 2 Meter hoher Profit hoch geug? Oder fängt das erst bei 3,5 Meter an? Aber etwas Gutes hat so ein Titel: der nicht sonderlich gewitzte Leser weiss: wer sich schon da ins Gebüsch fährt, bei dem kommt nichts Besseres hinterher. Also muss man den Quatsch gar nicht lesen.

Dieses Stichwort kann nur zu einem führen. Genau. Seine erst spät entdeckte Krankheit konnte Constantin Seibt mal wieder nicht davon abhalten, ganz kräftig in die Tasten zu greifen. Und nicht mehr aufzuhören, bis 26’000 neue Buchstaben das Licht der Welt erblickt hatten. Inkl. Abstände. Aber, das scheint eine neu, begrüssenswerte Leserhilfe zu sein, auch Seibt fängt etwas eigen an:

«Nicht von dieser Welt. War der 14. Oktober 2017 ein ziemlich normaler Tag, der wichtigste Tag der Geschichte – oder der Anfang vom Ende der Menschheit? Oder anders gefragt: Was zur Hölle ist Oumuamua?»

Spätestens die letzte Frage überzeugt auch hier den gewitzten Leser: lass es, ein wenig Ufo, ein wenig Weltraumlatein, wozu, wofür, warum? Auch diese Fragen wird Seibt mit ins Grab nehmen.

Welche Orientierungshilfen liefert diesmal der «SonntagsBlick»? Zunächst einmal vier Seiten zur rasend originellen Idee, dass man auf Gesichtsmasken doch auch was draufdrucken könnte.

Aber Frank A. Meyer rettet sicher, labt mit geistiger Erbauung? Na ja:

«Wer sich bemüssigt fühlt, empörte Kritik an der israelischen Politik zu üben, der setze sich in Zürich, Paris, Berlin, London oder New York vor ein Café und stelle sich vor – eine Hamas-Rakete schlägt ein. Und noch eine und noch eine und noch eine. Er stelle sich ferner vor, Gewalt und Hass bedrohten sein Land seit drei Generationen.»

Das ist zwar ein Mü intelligenter argumentiert als Markus Somm in der SoZ. Aber: Was soll dem bemüssigten Kritiker dies Vorstellung sagen? Dass er, statt Kritik an Israel zu üben, besser die Schnauze halten sollte?

 

 

 

 

Frage in den Nebel

Über zwei Wochen seit dem Neustart des Nebi: Was ist genau neu?

Bei jedem Relaunch eines Mediums helfen zwei Faktoren. Interessanter Inhalt im Allgemeinen, ein Primeur oder zwei, damit man zitiert wird.

Natürlich auch der Lockstoff, mit dem Inhalt Unentschiedene zu überzeugen, ein Abo abzuschliessen, also Geld in die Hand zu nehmen. In diesem Punkt kennt der neue «Nebelspalter» nichts. Gratis ist nicht, alles, was mit Buchstaben zu tun hat, kostet, bevor man es lesen darf.

Interessanter Inhalt? Ich als Zahlungs-Leugner kann nur einen im wahrsten Sinne des Wortes oberflächlichen Eindruck wiedergeben. More of the same, würde der Ami sagen; Themen, Autoren, Inhalte: das hat alles so einen Geruch nach eingeschlafenen Füssen und und dem Gestus: Wir haben’s schon immer gesagt, deshalb sagen wir’s hier nochmal.

Neue Entwicklungen sollen doch nicht den Trott stören

Dafür sendet der «Nebelspalter» das Pausenzeichen, wenn es um den wohl grössten Schweizer Krisenfall dieses Jahres, wenn nicht dieses Jahrzehnts geht. Zwar darf der abgehalfterte Eric Sarasin, der noch so schön Akquise nach alter Herren Sitte machte, über «Vom Vehikel zum Megatrend Elektroauto» labern, was einen Newsgehalt nahe beim absoluten Nullpunkt hat.

Aber nachdem Sarasin auch dem deutschen Milliardär Carsten Maschmeyer Cum-Ex-Gebastel angedreht hatte, was der gar nicht komisch fand, hat Sarasin genügend Zeit für Musse und Besinnung.

Was kümmert uns die Credit Suisse?

Man fragt sich allerdings: Und die Credit Suisse? War da nicht was? Gibt’s da nicht ein, zwei kleine Probleme? Oder sogar grosse Probleme? Möglicherweise existenzbedrohende Probleme? Bei einer der beiden übrig gebliebenen Schweizer Grossbanken? Die in den letzten zehn Jahren nach der Finanzkrise eins weiter zu Schanden geritten wurde? Von weissen Westen und schwarzen Hoffnungen? Die den Aktionär mit einem Wertzerfall von 70 Prozent erfreute?

Aber was ist das schon gegen «Die Gurke der Woche»? Oder «Schuh kompliziert»? Oder die gähnlangweilige Abrechnung mit Christian Levrat, der selbstverständlich nicht wegen seinen unternehmerischen Fähigkeiten zu seinem Ruhepöstchen kam? Ex-Banquier Konrad Hummler weist auf eine «gefährliche Kurspflege» der US-Notenbank hin. Aber dass der Aktienkurs der CS mal wieder einstellig geworden ist, das ist kein Thema?

Der umständlich verzettelte Aufbau der Webseite erleichtert es dem Lesewilligen auch nicht gerade; kommt halt davon, wenn der eigene Geschäftsführer auch noch CEO und Gründer der Bude ist, die das Content Management System für den «Nebelspalter» entwickelte. Der findet überraschenderweise sein Produkt ziemlich toll und weigert sich im Übrigen, auf Fragen zu antworten. Weil Hochmut bekanntlich vor dem Fall kommt.

Gab’s denn noch keinen Brüller vom neuen «Nebelspalter»?

Also hat der Nebi bislang keinen einzigen Brüller produziert, einen richtigen Hammer, etwas, das die anderen Medien aufnehmen mussten, das für Aufmerksamkeit sorgte? Jein, muss man da sagen.

Der Ansatz war da: «Breaking News» lärmte der NL am Donnerstag. War zwar nicht ganz der richtige Begriff, aber so in der Eile … Die News war: «Toni Brunner will ins Parlament zurück.» Die Spekulation: «Bundesratsambitionen»? Brunner als Brückenbauer und SVP-Retter und Garant für eine bürgerliche Corona-Bekämpfung, das wär’s.

Hat er Grund zum Grinsen? Toni Brunner.

Aber wieso sollte er das ausgerechnet dem «Nebelspalter» verraten? Einschaltquote kaum messbar, also eine schlechtere Plattform hätte er sich nicht aussuchen können. Dafür wäre ihm nicht nur die WeWo, sondern natürlich auch die NZZ offen gestanden. Oder wollte der Nebi damit klarstellen, dass er die Nachfolgelösung für Christoph Blocher hat, und die heisst nicht Roger K.? Und auch nicht Magdalena M.?

Aber gut, vielleicht war Brunner ja dem Witz und Charme des Chefredaktors Markus Somm erlegen. Immerhin, das wäre tatsächlich mal ein Knaller gewesen. Solange, bis die von vielen schon erwartete Auflösung im zweiten NL des Tages kam: «April, April.» Danach wird es wieder etwas holprig, wenn der Nebi versucht, witzig zu sein.

Er verkündet seinen Lesern, dass der Donnerstag der 1. April sei, was denen ja auch mal gesagt werden musste. Um fortzufahren:

«Toni Brunner, der Charismatiker aus dem Toggenburg, wird nicht in die Politik zurückkehren, wie er uns in einem exklusiven Interview im Nebelspalter versprochen hat. For the record: Er hat das Interview vergangene Nacht um 2 Uhr 03 autorisiert, nachdem wir uns diesen Aprilscherz einige Stunden zuvor ausgedacht hatten. Er war bei Verstand, ich auch.»

Ach ja? Zu dieser nachtschlafenden Zeit entsteht noch schnell ein Aprilscherz beim «Nebelspalter»? Weil der 1. April einen zwar jedes Jahr, aber immer wieder so unerwartet anspringt? Ui, ui. Also weiter nach der Devise: Scherz lass nach.

1939: Das waren noch ganz andere Zeiten – und ein anderer «Nebelspalter».

Nebulöser «Nebelspalter»

Seine Werbekampagne läuft weiter, als wäre nichts geschehen. Stimmt eigentlich.

Der «Nebelspalter» spaltet den Nebel. Trivial, aber durchaus brauchbar als Werbespruch. Allerdings: in guten Werbeslogans ist auch eine Spur Wahrheit drin.

Das Nebelspalten findet weiterhin nur nach dem Zücken einer Kreditkarte statt. Ausser im Bewegtbild, wo man nun auch Dominik Feusi mit Fliege und Pochettli als «Feusi Fédéral» erleben darf. Eine halbe Stunde beschwingtes Plaudern, begleitet von einem einem Flascherl Gaja aus dem Piemont. Ein Wunsch von Mitte-Präsident Gerhard Pfister.

Ob’s wohl ein Costa Russi Barbaresco 2016 gewesen ist? Kostet unter Brüdern immerhin 80 Stutz, im Lokal leicht das Dreifache. Ach der Inhalt des Gesprächs? Mittelmässig.

Wir hätten da auch ein paar Fragen, aber ohne Fliege

Aber Geld, der Unterbau, die Basis, der Maschinenraum des «Nebelspalter», das sind doch interessante Fragen. Wie heisst es in der Selbstdarstellung so schön:

«Wir hassen den Nebel und das Nebulöse.»

Das nehmen wir gerne beim Wort. Also stellte ZACKBUM dem Meister des Maschinenraums beim Online-Nebelspalter eine Reihe von klärenden Fragen. Es handelt sich hier um den multitasking-fähigen Christian Fehrlin.

Er bekam 12 sicherlich alle Nebelhasser interessierende Fragen, mitsamt ausreichender Antwortfrist. Die lief um 17 Uhr anderthalb Tage später ab. Um 18 Uhr geruhte Fehrlin zu antworten:

«Herrlichen Dank für Ihre «Journalistischen» Fragen. Ich habe dazu keinen Kommentar abzugeben.»

Trägt nur Somm eine Narrenkappe? (Zeichnung: Nebelspalter)

Die korrekt als Fragen im Rahmen einer journalistischen Recherche etikettierten Auskunftsbegehren lauteten:

  1. Deep Impact ist der Technologie-Partner der neuen Webseite des «Nebelspalter». Auf Ihrer Webseite schreiben Sie, dass Sie in 6 Monaten eine Webseite zumindest als MVP auf den Markt brächten. Würden Sie die aktuelle Webseite des «Nebelspalter» als minimal funktionsfähig bezeichnen?
  2. Wir bringen Webseiten, zum Beispiel diese hier, normalerweise in einer Woche online, und nicht als MVP. Ohne mich mit Ihrer Expertise vergleichen zu wollen: Was sagen Sie zum Unterschied? Unser CMS erfüllt durchaus die gleichen Ansprüche wie Ihres.
  3. Sehe ich das richtig, dass das für den «Nebelspalter» verwendete CMS Spectra Editor eine Eigenentwicklung von Ihnen ist?
  4. Kennen Sie andere mittelgrosse Unternehmen, die heute noch eine Insellösung verwenden?
  5. Sie verwenden als Werbespruch: «Wir entwickeln neue Marktpotenziale». Halten Sie den Neustart einer Medienwebseite mit absoluter Bezahlschranke (mit wenigen Ausnahmen) für die richtige Strategie?
  6. «Nebelspalter» hat ebenfalls Präsenz auf den sozialen Netzwerken. Sollte die nicht etwas besser gepflegt (oder fallengelassen) werden, um Peinlichkeiten wie wenige Likes und noch weniger Kommentare zu vermeiden, wie bspw. auf Facebook?
  7. Wer hat die Werbekampagne für den neuen «Nebelspalter» konzipiert und zu verantworten?
  8. Sie sind CEO und Gründer von «Deep Impact». Gleichzeitig sind Sie interimistischer Geschäftsführer des «Nebelspalter», dazu noch für den «Verkauf» zuständig und auch Ansprechpartner für Werbewillige. Wie bewältigen Sie diese Ämterkumulation?
  9. «You never get a second chance …» Nicht nur am Starttag (Link auf Pornoseite), sondern kontinuierlich (Textblock im NL vergessen, erst nach 5 Stunden gemerkt) begleiten doch etwas viel Pech und Pannen die Neulancierung. Haben Sie Probleme mit dem Qualitätsmanagement?
  10. Können Sie eine Hausnummer angeben, welches Preisschild an der Erstellung der Webseite bis zum MVP hing? Und wie es mit den jährlichen Unterhaltskosten steht?
  11. In Prozenten ausgedrückt, wie verteilt sich Ihre Arbeitszeit auf Deep Impact und den «Nebelspalter»?
  12. Wann werden Sie erste Zahlen zur neuen Webseite bekannt geben?

Hat sich da jemand gelangweilt? Kann jemand sagen, dass keine dieser Fragen eine Antwort verdienen würde? Kann man diese Reaktion als transparent, offen, hartnäckiges Recherchieren honorierend bezeichnen?

Ob Schweigen dem Chefredaktor gefällt?

Schon wieder Fragen ohne Antworten. Aber wenn der Doppel-CEO, Verkäufer und Werbekontakt Fehrlin schon nicht zu antworten geruht, können wir ihm die Mühe mindestens teilweise abnehmen.

Frage 7 war ein Test mit bereits bekannter Antwort:

Ungefähr so gekonnt ist die Werbung; inzwischen zwei Monate alte Selbstbeweihräucherung.

Es deutet vieles darauf hin, dass Fehrlin die Unkenntnis von Chefredaktor und Verwaltungsrat bezüglich Webseite und Internet brutal ausgenützt hat. Wenn es zutrifft, dass das vom Nebi benützte CMS (Content Management System, zur gemeinsamen Erstellung und Darstellung digitaler Inhalte) eine Eigenkonstruktion von Fehrlin ist, handelt es sich schon hier um einen Kunstfehler gröberer Art.

Pech und Pannen, aber bislang keine Pleiten

Open source oder Bezahlprogramme haben schon längst solche Insellösungen abgelöst. Weil mittelfristig kein KMU in der Lage ist, ein eigenes CMS ständig up to date zu halten und alle Neuentwicklungen im Web einzupflegen. Das führt dann früher oder später zu einer (sackteuren und komplexen) Migration auf ein nachhaltiges CMS.

Der Start, das Qualitätsmanagement, die harte Bezahlschranke, die Werbekampagne, der resonanzfreie Auftritt auf den Social Media, die schwerfällige und nutzerunfreundliche Navigation auf der Webseite, der Aufbau der matchentscheidenden Homepage, die Mehrfach-Funktion des CEO der Klarsicht AG, alles mehr als nebulös.

Dass er nicht antwortet, ist ein weiteres Indiz dafür, dass diese magere, aber sicherlich nicht billige Performance von Deep Impact intern ein Thema ist. Ganz abgesehen davon, dass diese Ämterkumulation Grundprinzipien von Corporate Governance widerspricht.

Der Besitzer einer Firma verkauft einer anderen Firma sein Produkt – wo er Geschäftsführer ist

Der CEO und Gründer des wichtigsten IT-Lieferanten eines Mediums ist gleichzeitig Geschäftsführer bei diesem Organ? Würden die leider bislang überhaupt nicht hartnäckig recherchierenden Mitarbeiter des Online-«Nebelspalter» auf solche Zustände bei der Analyse einer Firma stossen, könnten sie für einmal zu Recht ihrer Meinung dazu freien Lauf lassen.

Da steht Corporate Governance Kopf.

Vorwürfe wegen Rassismus gegen den Nebi sind natürlich absoluter Quatsch. Ernst zu nehmen ist die Kritik, dass er bis jetzt Altbekanntes serviert, gemixt mit viel Meinung und wenig Fakten, dazu viel zu lang. Nichts Überraschendes, Anregendes, Aufregendes.

Was sich in Sachen Qualitätskontrolle, Checks and Balances und auf rein handwerklicher IT-Ebene abspielt, ist – nebulös? Nein, das ist aschgrau.

Jeder Medienkonzern, der die gleichen Fragen gestellt bekäme, würde vielleicht nebulös, aber garantiert antworten. Weil er das auch durch seine Mitarbeiter bei anderen verlangt. Weil sich das einfach gehört. Aber lächelnde, schweigende Arroganz ist immer ein ganz, ganz schlechtes Zeichen. Das spaltet den Nebel tatsächlich, aber dahinter enthüllt sich kein schöner Anblick.

Wahnvorstellungen im Nebel

Eines hat der neue «Nebelspalter» schnell geschafft: dass seine Gegner sich lächerlich machen.

Über die Humorfähigkeit von Markus Somm und seiner Internetversion des «Nebelspalter» kann man geteilter Meinung sein. Der bisher einzig richtige Brüller passierte unbeabsichtigt, als der hochwohllöbliche VR-Präsident, grosse Bach-Liebhaber und ganz allgemein kultivierte Mensch aus Versehen in seinem Werbemail zu seinem ersten Artikel als Link auf eine Porno-Webseite verwies.

Die Gegnerschaft machte sich selbst schon zweimal lächerlich. Zum einen, als die «Republik» 55’000 Anschläge darauf verwendete, um zu zeigen, dass Constantin Seibts Sprachdurchfall immer pathologischer wird. Und die Allzweckwaffe aus dem Hause Tamedia lieferte auf Wunsch sein Spezialwerk ab: einen Verriss, völlig ohne Fakten, aber voll von Behauptungen, Unterstellungen und mieser Meinung. So kennt man Andreas Tobler oder seinen Bruder im Geist Philipp Loser. Ein Duo infernale, das das Niveau bei Tamedia noch mehr senkt, als es 78 aufgeregte Frauen können.

Aber das alles verblasst vor der neusten Schmonzette, vor dem nun restlos gelungenen Versuch, sich öffentlich zum Deppen zu machen. Zum Vollidioten. Wie hat der «Nebelspalter» das geschafft? Eigentlich, das muss Markus Somm zugeben, unabsichtlich.

Langsam aufsteigender Antirassismus

Denn, es trug sich Folgendes zu. Der Print-«Nebelspalter» veröffentlichte in seiner Februar-Ausgabe die Karikatur eines bekannten deutschen Karikaturisten. Der arbeitet unter anderem für die taz (das ist die deutsche WoZ, nur täglich), oder für «Die Zeit». An seiner linksliberalen bis linken Haltung gab es bislang nicht den geringsten Zweifel. Bis Somm auf die Idee kam, auf der verzweifelten Suche nach Satire in seiner Ausgabe, diese Karikatur vom Print-Nebelspalter zu übernehmen.

Man muss noch hinzufügen, dass sie damals bei ihrer Veröffentlichung null kritische Reaktionen bewirkte. Null. Die Karikatur blieb die Gleiche, aber der Absender änderte:

Zum Unglück sind die Antirassisten denkscheu.

Was im Print-Nebelspalter ging, geht im Somm-Nebelspalter nicht. Denn plötzlich ist diese Karikatur «rassistisch», «menschenverachtend», «widerlich», in einem Wort, eine «Schande». Nun, schnell erregte Idioten im Internet sind eine unangenehme Begleiterscheinung der Möglichkeit, dass jeder Depp Multiplikatoren für seine Ansichten findet, und seien die noch so hirnlos.

Aber wenn es gegen rechts, gegen Rassismus, also in einem Wort gegen Somm geht, brechen alle Staudämme, die normalerweise nicht völlig verblödete Leute davon abhalten, sich selbstverschuldet in aller Öffentlichkeit so lächerlich zu machen, dass sie eigentlich in ein Sabbatical müssten, hätten sie etwas Ehre im Leib.

Den Shitstormtruppen höseln Intellektuelle hinterher

Das fehlt aber der schreibenden Schmachtlocke Daniel Binswanger ebenso wie ein Rückgrat. Also greift er in die unterste Schublade des Denunzianten und wendet sich an Operation Libero und deren Co-Präsidentin Laura Zimmermann. Die wagt es nämlich, mit Markus Somm vor laufender Kamera verbal die Klinge zu kreuzen. Früher nannte man das Debatte, heute nennt das Binswanger: «Willst Du wirklich widerlichen Rassismus legitimieren Laura?» Kommaschwach, aber meinungsstark behauptet die Fönfrisur, dass es «widerlichen Rassismus» im Nebi gäbe, was ihm aber in der Print-Ausgabe nicht aufgefallen ist.

Vielleicht war er da gerade beim Coiffeur. Und von der absurden Prämisse, einem linken «taz»-Karikaturisten «widerlichen Rassismus» vorzuwerfen, setzt er noch das Stück aus dem Tollhaus drauf, Laura Zimmermann zu unterstellen, sie legitimiere das.

Rapper Knackeboul, der auch vorher nicht durch intellektuelle Glanztaten auffiel, twittert, dass der Nebi jetzt von «Nazis geführt» werde. Wahrscheinlich spekuliert er zu Recht darauf, dass für ihn mildernde Umstände gelten und er deshalb weder für voll, noch ernst genommen wird.

Ein echter Professor Unrat wie von Heinrich Mann

Aber dann gibt es noch den Professor Ratlos Philipp Sarasin. Der hat mit Somm und überhaupt der rechten Presse noch ein persönliches Hühnchen zu rupfen, also zittert und twittert er sofort mit: «Das ist ja echt nicht zu fassen. Was für eine Schande.» Nein, lieber Professor Unrat, die Schande ist, dass ein Flachdenker wie Sie auf Kosten des Steuerzahlers harmlose Studenten mit seiner Unfähigkeit als Geschichtsprofessor quälen darf. Denn was können die von ihm lernen, wo er doch stur behauptet, dass weder die Position, noch die empörte Reaktion des Zeichners, dass das überhaupt nicht rassistisch sei, eine Rolle spiele, das als «nicht relevant» abtischt.

«Mir scheint, das ist eine komplette Schutzbehauptung des Zeichners», donnert er zu Tamedia vom Katheder. Meiner Treu, wenn er seinen Studenten den Beginn des Zweiten Weltkriegs erklären will, sagt er dann auch, «seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen» sei eine Schutzbehauptung gewesen?

Einmal ist keinmal, zweimal ist Rassismus

Ist das zu fassen? Eine Wiederholung einer Karikatur, die zuvor schon im «Nebelspalter» erschien, dessen Chefredaktor sich ebenfalls als Linker outet und keinerlei Rassismus in ihr erkannt hat (ebenso wie alle seine Leser), ist ebenfalls fassungslos über diesen Shitstorm.

Jedem Deppen ist es erlaubt, auch öffentlich zu zeigen, dass er ein Depp ist. Was ist aber davon zu halten, wenn sich gefönte Journalisten und gesalbte Professoren ebenfalls zum Deppen machen? Beim Journalisten müssen das die «Verleger» der «Republik» entscheiden. Bei Professor Sarasin ist es entschieden schwieriger, ihn davon zu überzeugen, dass das Gehalt seiner Lebensgefährtin doch auch für zwei reicht.

Buster Keaton auferstanden im Nebelspalter?

Ihm gelänge es wenigstens, angesichts dieses Erstauftritts eine regungslose Miene zu behalten.

«Unfreiwilliger Humor kommt gerne in Gazetten vor.» Wer hat’s erfunden? Der «Nebelspalter». Das ist dann aber auch schon das einzig Lustige, das vom Start zu vermelden ist.

Der Präsident des VR von «Klarsicht», der Herausgeber des neuen «Nebelspalter», greift gerne selbst in die Tasten. Konrad Hummler war über Jahre hinweg der Autor der intelligentesten Anlegerkommentare, zudem ein literarisch hochstehendes Lesevergnügen. Dann Herausgeber der «Bergsicht», die diese Tradition weiterführte.

Daneben lebte er seine Formulierlust gelegentlich in der NZZ aus. Nun hat er wieder einen eigenen Spielplatz. Verständlich, dass er seine Freunde und Bekannte über das Going Life des neuen Online-«Nebelspalters» informierte und gleich Werbung für sein erstes Stück machen wollte. «Mit Knoblauch zu mehr Substanz» heisst sein Ratgeber für die FDP, der er einen Kurswechsel empfiehlt.

Nun ist es leider so, dass Markus Somm wenig von Humor oder Satire und noch weniger vom Internet versteht. Konrad Hummler hat Humor, aber auch ihn kann man nicht als Digital Native bezeichnen.

Ein einziger, aber unfreiwilliger Brüller am Ersterscheinungstag

Also landete der «Nebelspalter» den ersten und einzigen Brüller am ersten Tag – unfreiwillig. Offenbar stand der Link zum Hummler-Artikel noch nicht fest, als er sein Mail schrieb. In solchen Fällen ersetzt man die Leerstelle durch xxx. Das wird dann brüllend komisch, wenn dieser Platzhalter in einer Webadresse steht www.xxx.ch – und nicht ersetzt wird. Jeder, der mag, kann schauen, was hinter diesem Link steht.

Es habe sich ein Link «eingeschlichen», korrigierte Hummler schnell, von einer «Internetseite, von der wir lieber nichts wissen wollen». Dann lieferte er den richtigen Link nach und dankte «wie immer für kritische Lektüre und Kommentierung». Allerdings: wie bei der vorher verlinkten Webseite gilt auch hier: zuerst bezahlen, dann glotzen.

Kein Altherrenwitz.

Was liess man sich sonst noch für den entscheidenden Moment der Erstauftritts einfallen? Die Verteilung von «Nebelsuppe», die dann doch eine Kartoffelsuppe war, am Bellevue in Zürich. Für Ortsunkundige: in der Nähe der NZZ, bei der Somm auch mal hätte Chefredaktor werden sollen. Und Hummler VR-Präsident war.

Dass CH Media und Tamedia Somm auch hier – wie bei seinem Start mit der BaZ – mit Häme übergiessen würden, war klar. Dass er es ihnen, im Gegensatz zu seinem erfolgreichen Wirken bei der BaZ, so einfach machen würde, das hätte niemand erwartet.

Auch Hinrichtungsversuche können unfreiwillig lächerlich sein

Natürlich gibt es indiskutabel blöde Hinrichtungen, das Stichwort für den Auftritt von Andreas Tobler. Die Allzweckwaffe des Hauses Tamedia kanzelt Somm als «bekennenden Liberalen und Libertären» ab. Entweder weiss Tobler nicht, was der Unterschied ist – oder es ist reine Bösartigkeit, das zu behaupten. Denn diese Unterstellung soll nur das Folgende einleiten: «Das ist Somms bekannte Position: gegen den Staat – auch in der Corona-Pandemie – und für eine deregulierte, ergo anarchische Marktwirtschaft.»

Allerdings hat ausser Tobler noch nie jemand von dieser anarchischen Position von Somm gehört. Dann wirft er dem Gastautor Stefan Millius vor, auch «Halbgares und Lauwarmes» zu präsentieren. Toblers Lieblingsnummer: faktenfrei, aber meinungsschwer Unsinn fabulieren.

Er kann es sogar nicht lassen, auch noch der NZZ ans Bein zu pinkeln, die mit «knalligen rechten und sonstwie reaktionären Positionen» ihren Heimatmarkt bewirtschafte. Eigentlich ein weiterer gelungener Scherz des «Nebelspalter»: Dummschreiber Tobler bestätigt haargenau, was Somm den Mainstreammedien vorwirft.

Aber es geht auch mit Niveau

Auf ganz anderem Niveau kritisiert Christian Mensch bei CH Media. Er bringt die inhaltliche Kritik gnadenlos auf den Punkt:

«Es ist ein Feuerwerk der Ideenlosigkeit, mit der das alt-neue Medium seine Plattform freigeschaltet hat. Eine Boygroup von Journalisten, die er in seiner Zeit als Chefredaktor der «Basler Zeitung» um sich geschart hat, verfasste eine Reihe von meinungsstarken, rechercheschwachen und damit überraschungsfreien Beiträgen in jenen Themenfeldern, in denen sie sich heimisch fühlen

Zu ergänzen bleibt nur: noch nie hat ein Neuauftritt, eine Premiere von was auch immer, ausserhalb von Kino, Oper und Theater, es gewagt, vom ersten Tag an alles – ausser Videos und einen ellenlangen «wer sind wir»-Text – hinter eine Bezahlschranke zu stellen. Das kann man als originell bezeichnen – oder als vollbescheuert.

Selbst Verlage wissen seit der Erfindung des Buchdrucks, dass es ungemein helfen kann, Rezensionsexemplare zu verschicken. Wenn schon nicht fürs Publikum, was aber auch nicht kreuzfalsch wäre, dann doch wenigstens für Multiplikatoren, vulgo Journalisten, hätte es doch eine Einladung zum Herumstöbern geben müssen.

Aber eigentlich wäre man nur dann von der Internet-Kompetenz der Macher überzeugt, wenn sie den ersten Tag, die erste Woche, den ersten Monat als Appetithäppchen gratis angeboten hätten. Denn wenn sie so von ihrem Produkt überzeugt sind, wie sie behaupten, müssten sie wissen, dass das die beste Werbung ist. Wenn sie etwas vom Internet verstünden, wüssten sie, dass das im Gegensatz zum Verschicken von Büchern – gratis ist.

So aber steht der potenzielle Leser und Kunde wie der Ochse vor dem Berg vor der Bezahlschranke. 1.60 pro Artikel (was absurd teuer ist) oder 16 Franken für alles während eines Monats (was in Relation absurd billig ist).

Prinzipien der Marktwirtschaft

Jeder Verkäufer muss von der Qualität seines Produkts überzeugt sein. Jeder Verkäufer weiss, dass er die Kunden anlocken muss, in übervollen Märkten. Vor allem, wenn es Somm trotz aller Eloquenz nicht gelingt, verständlich zu machen, wozu es eigentlich den neuen «Nebelspalter» genau braucht und wo seine Marktlücke, seine USP wäre.

Ich habe die 16 Franken nicht bezahlt, also kann ich leider weder Hummler Feedback zu seinem Artikel, noch Somm zu seinen geradezu egozentrischen Multiauftritten geben. Ausser zwei sicher unwillkommenen Ratschlägen kann ich nichts zum Erfolg beitragen.

Um dieses Desaster des Erstauftritts wegzustecken und zu tun, als wär’ da nix, braucht es einen Gesichtsausdruck wie von Buster Keaton.

So lustig kann ein trauriges Gesicht sein. So traurig kann ein nicht-lustiger «Nebelspalter» sein.

Selbst die nun nicht wirklich marktwirtschaftlich-liberal orientierte «Republik» wusste, wie man die eigene Randgruppe heiss macht und dazu verleitet, das Portemonnaie zu zücken. Die Ähnlichkeit besteht darin, dass beide Organe dank zahlungswilligen Investoren starten konnten. Bei der «Republik» im Wesentlichen ein Brüderpaar, beim «Nebelspalter» ein Sack Flöhe von 70 Investoren.

Wunder gibt es immer wieder – hoffentlich

Aber wenn lupenreine Vertreter der liberalen Marktwirtschaft, die nicht an die eigene Mission, sondern an die entscheidende Reaktion des Marktes glauben ­– trifft das Angebot auf genügend Nachfrage –, dermassen den Start versemmeln, zudem weitgehend humorfrei, dann kann man nur auf Wunder hoffen. Denn für eine wirkliche Lernkurve, dafür sind die Beteiligten zu selbstüberzeugt, und wenn sie in der kurzen, aber ausreichenden Vorbereitungszeit das Funktionieren des Internets nicht kapiert haben, dann werden sie das wohl auch nicht schaffen, bevor das Startkapital aufgebraucht ist.

Que pena, sagt man auf Spanisch in solchen Fällen, welcher Schmerz, welche Pein, dermassen enttäuscht worden zu sein, und das auch überhaupt nicht lustig zu finden.

 

 

 

Der neue Nebelspalter: verhüllt im Nebel

Eigentlich hätte hier die erste Rezension des heute neu im Internet aufgepflanzten Nebelspalter stehen sollen.

Aber wir konnten nicht rechtzeitig eine Bezahlschranke hochziehen, tut uns Leid.

Manchmal muss man etwas sehen, um es zu glauben. Wie angekündigt, steht seit heute Morgen früh der neue Auftritt des «Nebelspalter» im Netz. Eine Fülle von Artikeln, aufgeräumt dargestellt.

Ein Jugendstil-Logo, das sich vom Print-Nebelspalter deutlich abhebt. Eine Fülle von Artikeln, oder sagten wir das schon? Aber unter jedem das:

Ohne Bezahlung sagen wir nix dazu.

Ausser bei einer ellenlangen Erklärung, «wer wir sind». Ausser bei einem ellenlangen Interview von Reto Brennwald mit – Überraschung – Markus Somm, dem Chefredaktor und Mitbesitzer. Um die Modernität zu unterstreichen, sind noch weitere Videocasts ohne Bezahlung anzuschauen.

Was nichts kostet, ist nicht viel wert

Da gilt aber leider: was nichts kostet, ist nicht viel wert. Während sich Somm fast eine Stunde mit Brennwald ausspricht, dauert die Sendung «Friendly Fire» immerhin nur eine halbe. Und die Video-Blogs von Tamara Wernli oder «Gioia spricht Klartext» nur ein paar Minuten. Kommen einem aber auch wie gefühlte Halbstünder vor.

Ich habe beide leider nicht verstanden, und Somms Auftritte sind zu lang für eine Kurzkritik.

Daher kommen wir bereits zur zusammenfassenden Würdigung. Es ist – vom liberalen. neoliberalen oder welchem Standpunkt auch immer – absurd, ein neues Projekt so zu starten, dass der Konsument zuerst Eintritt bezahlen muss, bevor er das Angebot visionieren darf.

Es ist hirnrissig, nur ellenlange Selbstdarstellungen plus die dem Zeitgeist geschuldeten Kurzauftritte von zwei Frauen als Appetithäppchen (vielmehr -happen) zu servieren. Es ist zumindest der Eile geschuldet, dass man sogar wählen kann, ob man «Friendly Fire» als Video oder als Podcast konsumieren will.

Es ist abschreckend, dass selbst der dritte Auftritt von Somm, das Editorial, hinter der Bezahlschranke versteckt ist.

Möglicherweise werde ich mich entscheiden, die 16 Franken (waren es nicht mal 18?) abzudrücken.

Aber ein Witz ist Somm und seiner Mannschaft gelungen.

Sigmund Freud definiert ihn als enttäuschte Erwartungshaltung.

Präventive Panik

Medienkonsumenten sind entweder Hellseher oder nicht ganz dicht. Kündigt sich eine Veränderung an, reagieren sie vorsichtshalber mal mit der Annahme des Schlimmsten. War immer so und ist auch aktuell so.

Von Stefan Millius*

Kindheitserinnerung: Wenn das Leibblatt meiner Eltern in den 80er-Jahren, das St.Galler Tagblatt, alle paar Jahre leicht am Layout schraubte, herrschte Ausnahmezustand. Der Vater genervt, die Mutter erbost. Warum denn nur, warum, es war doch alles gut, und jetzt findet man in dieser Zeitung einfach gar nichts mehr. Zwei Tage später erinnerten sie sich nicht mehr daran, wie sie früher aussah.

Layoutfragen sind heute kein Thema mehr. Dafür herrscht viel Angst vor anderen Veränderungen. Ein anderer Besitzer, eine neue Chefredaktion: Da kommen Beschwerden, Unruhe und Vorwürfe auf, bevor der Wechsel überhaupt vollzogen wird. Der Tenor: Sind Leute im Spiel, die politisch auf der anderen Seite stehen, muss es einfach schlecht werden. Es ist, als würde man dem unsympathischen Primarschüler mit den lästigen Eltern einfach mal eine Eins verpassen, bevor er die Prüfung überhaupt auf dem Tisch hat.

Pluralistisch, aber keiner merkts

Als Blocher bei der Basler Zeitung einstieg, war allen klar: Nun kommt der «Stürmer» Nordwestschweizer Prägung. Die Leute gingen auf die Strasse, um gegen das neue rechte Medium zu demonstrieren, bevor irgendetwas passiert war. Nur aufgrund der Ankündigung.

Die Wahrheit sah anders aus. In der Redaktion gab es auch unter den neuen Besitzern kein grosses Aufräumen, zumindest kein von oben verordnetes, und ein Altlinker wie Helmut Hubacher fühlte sich als Kolumnist weiter pudelwohl. Die BAZ war vermutlich in jener Ära die pluralistischste Zeitung der Schweiz, in der sich die Pole munter Debatten lieferten, was man von den selbstdeklarierten «Forumszeitungen» bis heute nicht behaupten kann. Es sei denn, man hält ein zum Gähnen langweiliges «Pro und Kontra» zweier Nationalratshinterbänkler für den Olymp der Meinungsvielfalt.

Alles Faschos

Nun wiederholt sich die Geschichte mit dem «Nebelspalter», der neu «klar liberal» sein soll mit 70 vermutlich eher vermögenden Investoren und dem rechtsbürgerlichen Markus Somm als Chefredaktor und Verleger. Twitter implodierte in den Tagen vor dem Start der erneuerten Marke förmlich unter Prognosen, die sich durch eines auszeichneten: Sie gingen vom Schlimmsten aus, bevor auch nur ein einziger Text online war.

Eine kleine Auswahl von Twittermeldungen:

  • «Der Nebelspalter wird unter Markus Somm nur noch gegen rote Fäuste kämpfen, die braunen werden liebevoll geschüttelt.»

  • «Es scheint ein rechtspopulistisches Satireblatt zu werden, das sich getrauen wird, das auszusprechen, was andere nicht tun. Das ist meistens rechter Code für Hetze und Falschbehauptungen.»

  • «Markus Somm will weiterhin den kritischen Nebelspalter drucken lassen und dafür mit der Onlineausgabe den rechten Hetzern in den Arsch kriechen.»

  • «Jemand, der den Nebelspalter nie ansatzweise begriffen hat, darf sich da propagandistisch austoben.»

  • «Somm verschliest seinen faschistischen Nebelspalter hinter der Paywall. Gut so. Rechtsradikale Scheisse gibt’s schon genug im Netz.»

Diese Auslese entstand bis Mittwochabend, 17. März 2021, also etwa zwölf Stunden, bevor der neue Nebelspalter online ging. Sprich: Ohne einen einzigen Text gesehen zu haben, stand für die besagten Leute und viele weitere – es ist eine wirklich kleine Auslese – fest, dass die Onlinzeitung faschistisch ist, rechtsradikale Scheisse produziert, rechten Hetzern in den Arsch kriecht und überhaupt irgendwie, naja, rechts ist.

Empörung statt Neugier

Dass Markus Somm als Verleger und Chefredaktor kaum ein trotzkistisches Kampfblatt auf den Markt wirft, ist eine verlässliche Annahme. Auch, dass das 1. Mai-Komitee nicht zu den Investoren gehört. Von dort bis zum faschischisten Hoforgan ist es allerdings ein ziemlich weiter Weg. Und: Was ist eigentlich aus dem guten alten «Na, dann schauen wir mal und sind gespannt» geworden? Aus einer wohlwollenden Neugier auch gegenüber etwas Neuem, hinter dem nun nicht gerade die besten Freunde stecken?

Auffällig auch, dass die Präventivpanik und der Vorausprotest meist von links kommen. Bei der «Republik» zeichnete sich früh ab, dass dort eine Brigade arbeiten wird, die nicht nur gemeinsam schreibt, sondern auch den Stimmzettel identisch ausfüllt. Aber von rechts warnte vor dem Startschuss niemand davor, dass hier eine neue linke Medienkraft entsteht. Warum auch?

Unmöglicher Gegenbeweis

Hätten sie Geld und Zeit ohne Ende, müssten Zeitungen, die so mit Vorschussdisteln eingedeckt werden, eigentlich ein Experiment wagen und die ersten drei Monate genau das Gegenteil von dem tun, was man von ihnen befürchtet. Eine Kolumne für Schweden-Greta, das Konterfei von Paul Rechsteiner als Seitenhintergrund, das Tagebuch von Cédric Wermuth als Serie und so weiter. Und das nicht im Satirebereich, sondern im heiligen Ernst.

Das dürfte Somm und Co. zu doof sein. Aber selbst wenn sie ihr Versprechen einlösen und alle Stimmen einbinden und den Dialog zwischen links und rechts ermöglichen, wird die zitierte Twittergemeinde bis zum jüngsten Tag röhren: Rechtsfaschistische Scheisse! Sie haben es getan, ohne etwas gesehen zu haben, in Zukunft können sie eine selektive Auswahl aus dem Textangebot nehmen und sich bestätigt fühlen.

Die Wahrheit ist: Es spielt in solchen Fällen gar keine Rolle, was drinsteht. Entscheidend ist nur, was draufsteht. Die «falschen» Investoren, der «falsche» Verleger: Dann muss es einfach falsch werden.

*Packungsbeilage: Der Autor ist freischaffender Mitarbeiter beim Nebelspalter.

 

 

 

Ex-Press XXVIII

Blasen aus dem Mediensumpf

Nebelspalter spaltet Nebel

Markus Somm enthüllt Schritt für Schritt die Mannschaft, mit der er die Traditionsmarke zum Erfolg führen will. Es sind, mit ganz wenigen Ausnahmen, alte Weggefährten von ihm. Offensichtlich ist es ihm bislang aber nicht gelungen, auch zur WeWo abgeschwirrte ehemalige BaZler zur Rückkehr zu motivieren.

Wir wünschen natürlich auch diesem Neustart alle Glück der Welt. Denn im Gegensatz zu den Gefangenen in ihren Echokammern begrüssen wir jeden Versuch, in dieses Jammertal der Schweizer Medienlandschaft eine Ehrenrettung des einstmals angesehenen Berufs des Journalisten zu starten.

Die anscheinend vorhandenen 7,5 Millionen, ein breites Feld von Shareholdern und als Dompteur Konrad Hummler in der Manege als VR-Präsident, keine schlechten Voraussetzung, es besser zu machen als die «Republik», die ein ähnliches Startkapital hatte. Und es tragisch verröstete.

Wirklich gegen braune und rote Fäuste?

Als Historiker nimmt Somm natürlich öfter Bezug auf die Vergangenheit des «Nebelspalter», und unweigerlich zitiert er dann dessen Spruch:

«Gegen rote und braune Fäuste».

Das sei in den Zeiten des Hitlerismus in Deutschland und des Stalinismus in der UdSSR genau die richtige Haltung gewesen sei, sozusagen stilbildend auch für heute.

Das ist beunruhigend. Denn es war damals falsch, es ist es heute. Denn dieser Slogan behauptet eine Neutralität, die nicht einmal die Schweiz damals hatte. Es war ein Intellektuellentraum, dass man sich erhaben über den Kampf des Faschismus gegen den Kommunismus sehen könnte.

Wenn die braune Fäuste gesiegt hätten …?

Dass es die Schweiz in ihrer heutigen Form auch nach 1945 gab, ist nicht das Verdienst der braunen Fäuste. Aber der roten. Was immer man von Stalin halten mag, die Sowjetunion hat den höchsten Blutzoll im Kampf gegen den Hitler-Faschismus erbracht. Während die Westalliierten erst 1944 mit der Invasion in der Normandie militärisch in den Krieg in Europa eingriffen, hatte die Rote Armee bereits unter unvorstellbaren Opfern die okkupierten Gebiete zurückerobert.

Was die Rotarmisten dort sahen, entschuldigt nicht alle ihre Greueltaten in Deutschland. Aber es erklärt sie und macht sie verständlich. Die Schweiz hatte sich, was ja durchaus erlaubt ist, umgeben von faschistischen Staaten, mit einer Neutralität von Fall zu Fall durchgemogelt.

Aber wenn die braunen Fäuste gesiegt hätten, gäbe es die Schweiz in ihrer heutigen Form nicht mehr. Das ist zweifellos, und so beinhaltet dieser Lieblingsslogan von Somm ein gutes Stück Fehlanalyse, gespeist aus intellektueller Ignoranz in der Schreibstube.

Man muss sich für eine Seite entscheiden

«Which side are you on?», heisst es in einem US-Arbeiterlied, und das war die Frage damals, das ist die Frage heute. Auf welcher Seite stehst du? Auf keiner, ich bin neutral, liberal? Ds ist normalerweise der Anfang vom Ende, oder im glücklichen Fall überlebt man so aus Zufall. So wie die Schweiz letztlich sehr wenig, die UdSSR fast alles dafür konnte, dass die Schweiz als neutraler Staat die Hitlerei überlebte.

Die deutschen Landser starben für eine falsche, kriminelle, rassistische, möderische Sache. Also Schande über ihre Gräber. Die Soldaten der Roten Armee starben vielleicht nicht für einen besseren Feldherrn, aber für eine bessere Sache. Mit diesem dämlichen Slogan, vor allem, wenn man ihn heute wiederbelebt, spuckt man auf die Gräber von 26 Millionen Sowjets, die starben, um auch der Schweiz das Überleben zu sichern.

Von einem Historiker zustimmend zitiert, ist das, mit Verlaub, ein ahistorisches Armutszeugnis.

 

Feminismus in der Praxis I

Claudia Blumer gehört zu den Unterzeichnern des Protestschreibens, das Tamedia unerträglich frauenfeindliche Betriebskultur vorwirft. Sie ist sogar – das nennt man den Bock zur Gärtnerin machen – mit der Untersuchung der anonymen Vorwürfe beauftragt worden.

In ihrer Nebenrolle als Journalistin kommentierte sie kürzlich einen Entscheid des Bundesgerichts, das weiter mit der Vorstellung aufräume, «die Frau sei in der Ehe wirtschaftlich nur ein Anhängsel des Mannes». Ein Fortschritt für Blumer: «Wenn Scheidungsfälle vor Gericht landeten, konnte eine geschiedene Mutter in der Regel erwirken, dass sie bis zur Pensionierung vom Ex-Mann finanziell unterstützt wird.»

Das ist nun insofern interessant, dass Blumer eine objektive Schlechterstellung der Frau begrüsst, sozusagen als Opfer, dass für die Forderung nach Selbstbestimmung erbracht werden müsste.

Während Blumer mit ihrer Unterschrift bezeugt, dass sie für Sonderbehandlung für Frauen via Geschlecht ist (in dem ganzen Protestgeheul kommt mit keinem Wort vor, dass auch Männer von Diskriminierung durch weibliche Vorgesetzte betroffen sein könnten), begrüsst sie andererseits eine zunehmende Gleichstellung von Frauen ausserhalb der Redaktionsräume.

Hat da jemand was von Frauen und Logik gesagt?

 

Feminismus in der Praxis II

War das Protestschreiben von 78 Tamedia-Mitarbeiterinnen nur für den internen Gebrauch gedacht? Seine Aufmachung, die Logik und diverse Quellen innerhalb von Tamedia sprechen dafür. Bis hin zu Äusserungen gegenüber Aussenstehenden, die aber aus Quellenschutz hier nicht zitiert werden können.

Im Gegensatz zu diesem Protestschreiben, das anonyme Behauptungen ungeniert zur Wahrheit erhebt, tun wir das nicht. Aber es gibt genügend Indizien und Aussagen, die dies These stützen. Wenn das also so war, erhebt sich die Frage, wer ausgerechnet Jolanda Spiess-Hegglin, die weder sich selbst noch der Sache der Frau ein grosser Gewinn ist, damit beauftragte, das Schreiben unter die Leute zu bringen.

In Kreisen von harten Bewunderern von Spiess-Hegglin mag das gut kommen, aber in der breiten Öffentlichkeit gibt dieser Absender dem Anliegen einen Hautgout. Abgesehen von der Frage der Rücksprache. Während Spiess-Hegglin anfänglich behauptete, ihre Veröffentlichung habe sie «in Rücksprache» gemacht, musste sie anschliessend einräumen, dass sie «natürlich nicht» mit allen 78 Unterzeichnern Rücksprache genommen habe.

Sagen wir mal so: Wenn die Person, die Kontakt mit Spiess-Hegglin aufnahm und einfädelte, dass auf diesem Weg das Schreiben an die Öffentlichkeit durchgestochen wird, sich nicht demnächst selber outet, werden wir das übernehmen.

 

Feminismus in der Praxis III

Darf man sowas zum Geburi gratulieren?

Was macht Barbie, wenn sie auf eine unter Frauendiskriminierung leidende Tagi-Redaktorin trifft? Nun, Maren Meyer weiss offensichtlich nicht so recht, was sie mit dem Geburtstag der Kleiderpuppe anfangen soll. Toll finden geht ja nun gar nicht. Die Puppe ist zwar inzwischen 61 Jahre alt, aber diese unmögliche Proportionen, diese ungesunde Wespentaille und überhaupt. Die Reduktion der Frau auf eine Kleiderpuppe, igitt. Dass es auch schon seit längerem Ken gibt, die männliche Kleiderpuppe, was soll’s. Dass die Barbie-Hersteller natürlich alles versuchen, ihre Erfolgspuppe ins 21. Jahrhundert zu retten, was soll’s.

Seit 1980 gibt es die ethnisch differenziert Barbie, 2018 schenkte die Produktionsfirma Mattel der Barbie der Welt zum Tag der Frau eine Serie von «inspirierenden Frauen». Von Amelia Earhart über Frida Kahlo bis zur Primaballerina Yuan Yuan Tan.

Aber was macht frau, wenn sich aktuell niemand in Tamedia traut, einer Frau zu sagen, dass man diesen Schrott auch auf fünf Zeilen abhandeln könne? Genau, sie füllt fast eine Seite damit.

Warum Barbie? Aber bitte, warum nicht. Lego hat zwar einen vielen grösseren Umsatzsprung wegen Corona gemacht, aber das Geschlecht eines Legosteins ist nicht ganz klar, und selbst wenn, das ist doch kein Grund für Aufregung. Aber während Lego wirklich Umsätze und Gewinn deutlich steigert, sind es beim Barbie-Konzern nur 2 Prozent.

Sieht so ein Comeback aus?

Aber bitte, wie schon Mark Twain gesagt haben soll: never let the truth spoil a good story. Etwas frei übersetzt: lass dir nie durch die Wahrheit eine gute Story kaputtmachen. Also titelt Maren Meyer: «Corona verhilft Mattel zum Comeback». Aber die erst vor Kurzem zu Tamedia gestossene Wirtschaftsredaktorin ist ein weitere Beispiel, wie jedem (männlichen Vorgesetzten) das Gesicht einfriert und er auch so etwas lieber durchwinkt – statt als Frauenfeind geoutet zu werden.

Peinlich für eine Wirtschaftsredaktorin, total in Ordnung für eine weibliche Wirtschaftsredaktorin, aus einem kleinen Hopser gleich ein Comeback zu machen.

Denn niemand, vor allen wenn er Eier in der Hose hat, würde sich trauen, diesem Erguss gegenüber zu sagen, dass das auf Lego zutrifft, aber auf Mattel sicher nicht: «Rekordumsätze für Spielwarenkonzerne. Sie vermitteln ein unrealistisches Körperideal und sind doch gefragt. Nicht nur im Kinderzimmer, auch als Sammlerstück ist die Plastikpuppe angesagt.»

 

 

Ein Journalist namens Surber

Auch so ein hasserfüllter Kämpfer für das Menschenfreundliche, Gute, Richtige und Unbezweifelbare.

Sie gleichen sich verblüffend. Es ist ein weit verbreiteter Typus im modernen Elendsjournalismus. Der mehrfach diplomierte Schreiber, der das Kunststück schafft, gleichzeitig mit dem Zeigefinger zu fuchteln, während er die Tasten betätigt.

Peter Surber verkörpert diese balzacsche Elendsgestalt exemplarisch. Sein erstes Diplom: Er ist ein Schnorrer. Denn fast immer können die Organe, für die Surbers schreiben, nicht aus eigenen Kräften überleben. Eigene Kräfte würde bedeuten: sie stellen etwas her, was genügend Interesse beim Publikum findet, damit auch genügend Geld reinkommt.

Die andere Möglichkeit wäre, seiner Überzeugung, seiner Mission auch aus eben diesen Perspektiven nachzuleben. Und sich die Kohle anders zu verdienen. So wir das bei ZACKBUM auch tun.

Aber niemals, Surber hat nur eine Gesinnung, wenn er dafür bezahlt wird, sie auszudrücken.

Dem stehen aber verschiedene Vorwände entgegen, wieso das nicht möglich sei. Surber arbeitet als Redaktor für das St. Galler «Kulturmagazin Saiten». Das Blatt hat eine Auflage von 5600 Exemplaren. Damit werden 2’200 «Vereinsmitglieder» beliefert und der grosse Rest liegt «in über 250 Kulturinstitutionen und in ausgewählten Restaurants und Geschäften auf». Der neuste Quatschtitel über die Nadel allerdings eher weniger.

Also Geschäftsmodell «TagesWoche», nur lud die den Grossteil ihrer Auflage in Flughäfen ab. Der Unterschied: die «TagesWoche» ist verröchelt, «Saiten» gibt es noch. Die Gemeinsamkeit: Beide Organe wurden oder werden von der «Stiftung Medienvielfalt» ausgehalten. Die übrigens auch dem Quatschblatt «watson» unter die Arme greift.

Geld vom Daig? Wo hört Kultur auf?

Die Stiftung wiederum verbrät damit das Geld einer reichen Pharma-Erbin. Pharma! Basel! Daig! Jeden aufrechten Kämpfer für das Gute und Bessere stellt es die Nackenhaare auf, wenn das Wort Big Pharma fällt. Ausser, man kann gut davon leben.

Zweites Diplom: Was Kultur ist, bestimmen wir. Ein «Kulturmagazin» hat’s natürlich viel leichter, milde Gaben zu erbetteln oder harmlose Leser um «Unterstützung» zu bitten – als ein ganz normales, linkes Wäffelblatt. Erklärung? Einfach. Die Ostschweizer Medienlandschaft «gleiche zunehmend einer Monokultur». Wie wahr, also was tun? «Der gesellschaftliche Diskurs zu sozialen und kulturellen Themen findet kaum noch Platz in den Medien.» Wäre mir neu, aber ich bin ja kein Ostschweizer.

«Durch diese Veränderungen fällt dem Ostschweizer Kulturmagazin Saiten eine neue Rolle zu: Wir sind dadurch vermehrt gesellschaftliche Impulsgeber, Kommentatoren, Seismografen.» Wunderbar, und wie durchbricht «Saiten» diese Monokultur? Nun, einige angepriesenen Themen des Februarhefts: «50 Jahre Frauenstimmrecht», «Reisen 1980 im Sudan», «indonesische Ultras». Unglaublich, wie global doch die Ostschweiz geworden ist.

Dem Seismographen helfen auch gerne fremde Federn

Gerne übernimmt man auch Rechercheergebnisse befreundeter Organe; so beispielsweise einen launigen WoZ-Bericht über «Hummlers Hofstaat», als gerade dessen Bank Wegelin von den USA geschlachtet wurde. Der Ex-Banquier regte sich fürchterlich darüber auf. Als er sich wieder abgeregt hatte, bemängelte er immerhin zu Recht, dass wie es sich für solche Demagogenartikel gehört, er keine Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen hatte.

Diplom drei: Man verwendet gerne zugespielte Dokumente und lässt sich dadurch für unbekannte Motive instrumentalisieren. Macht die «Republik» regelmässig (auch am Saugnapf der Stiftung), macht «Saiten» ab und an, so beim Knatsch um die Lokremise.

Letztes Diplom: Man ist keinesfalls käuflich, niemals. Nur: «Dieses Heft ist in Kooperation mit der Gemeinde Lichtensteig entstanden und von dieser mitfinanziert.» Was nun aber so was von null Einfluss auf die unabhängige, kritische Berichterstattung hatte, aber hallo.

Das Heuchlerdiplom gibt’s ausser Konkurrenz

Ausser Konkurrenz läuft diese Auszeichnung: das Heuchlerdiplom am Band mit Brillanten. Da ja inzwischen alles Kultur ist, vorausgesetzt, Peter Surber schreibt darüber, gehört natürlich auch dieses Geschimpfe dazu: «Im Fall der Wutbürger, Rechtsparteien und ihren Medienkanälen heisst die Parole: Mehr Egoismus, weniger Staat. Mehr Respektlosigkeit, weniger Solidarität.»

Das sei ein «Kommentar», meint Surber, darunter versteht er offensichtlich: null Fakten, 100 Prozent Häme, Verleumdung, Blödsinn. Und eine sehr gepflegte Sprache. Zuerst bekommt Markus Somm sein Fett ab, offenbar ein Angstbiss angesichts der bevorstehenden Lancierung des neuen «Nebelspalter». Somm «wetterte scharf und widerspruchs-resistent gegen den Bundesrat und den Lockdown». Aha, verwendete Somm zufällig auch Argumente dabei? Ach, damit hält sich doch kein Kommentator auf dem Kriegszug auf.

Aber das ist nur die Einleitung mit einer «besonnenen Stimme im Lärm der Rechtspublizistik». Was ist das schon wieder? Man vermutet: alles, was nicht identischer Meinung mit Surber ist. Weniger besonnene? Bitte sehr: «In der «Weltwoche» geifert Noch-SVP-Nationalrat Roger Köppel gegen den «vollgedröhnten» und «verseuchten» Bundesrat.»

Bevor sich Surber selbst den Geifer vom Mund wischt, muss er noch einen drauflegen: «Auf der Plattform ostschweiz.ch marschiert eine ganze Truppe von Schreibern gegen die Coronamassnahmen auf. Letzten Freitag war es als Gastautor der selbsternannte Tierschützer Erwin Kessler.»

Meinungsfreiheit? Aber doch nicht bei Surber

Vor lauter Schaum vor dem Mund fällt es dem selbsternannten Scharfrichter Surber gar nicht auf, dass er hier doch eine Alternative zur angeblichen medialen «Monokultur» erwähnt. Aber papperlapapp, was soll denn ein Kommentar mit Logik am Hut haben. Lieber weiter ins Gebüsch fahren: «Das war sogar dem «Ostschweiz»-Kolumnisten Gottlieb F. Höpli zuviel.» Der beendete wegen des Gastkommentars von Kessler seine Mitarbeit und liess das gleichzeitig mit dem Chefredaktor der «Ostschweiz» auch alle weiteren «Monopolmedien» wissen.

Surber geht unbeschwert von Logik, Tatsachen und anderen Nebensächlichkeiten in die Zielgerade: «Solche Hass-Attacken (wie die von Kessler, Red.) mehrten und mehren sich in dem Mass, wie die SVP in den letzten Wochen ihren letzten Anstand und politischen Verstand verloren hat …», «Staats- und Sozialabbau», «rechte Scharfmacher»,  Blabla und Blüblü. Ein letzter Stossseufzer: «Man kann sie nicht ändern, denn das Virus bringt nur zutage, was als Haltung, als Charakter, als DNA schon da war.»

Surber als Rassentheoretiker?

Rollen wir das kurz von hinten auf. Surber, der Sozialdarwinist, behauptet doch tatsächlich, die politische Einstellung «rechter Scharfmacher» sei genetisch, charakterlich vorbestimmt. Das trauten sich zuletzt verrückte Rassentheoretiker, ob so ein Schwachsinn im Rahmen der Antirassismus-Strafnorm erlaubt ist? Oder könnte Surber zeitweise Unzurechnungsfähigkeit geltend machen?

Die anderen haben letzte Reste von Anstand und Verstand verloren? Im Gegensatz zu Surber, der einen Noch-NR «geifern» lässt, ein etwas erfolgreicherer Publizist als Surber «wettert widerspruchs-resistent», während «Saiten» dafür bekannt ist, die Spalten des Blatts im Rahmen der Meinungsfreiheit diversen Positionen zu öffnen. Solange sie vegan, politisch korrekt, mit den Meinungen und Vorurteilen Surbers übereinstimmen.

Aber das alles sind eigentlich lässliche Sünden und Dummheiten eines erregten, aber nicht sonderlich begabten Schimpfkanoneurs. Der echte Rohrkrepierer, den Surber auch nicht bemerkt, obwohl er mit schwarzem Gesicht und angekokelten Haaren dasteht, so hat’s gekracht, ist aber: Ich als Autor bei «Die Ostschweiz» bin ganz ausgesprochen mit Kesslers Ansichten nicht einverstanden. Ich teilte auch nicht alle Ansichten von Höpli, genauso wenig die von Stefan Millius oder von vielen anderen Mitarbeitern oder Kommentatoren bei der «Ostschweiz».

Rechthaberei als billiges und ängstliches Gehabe

Aber solange die nicht gegen Strafnormen oder sehr weit gefasste Regeln des Anstands verstossen, bin ich jederzeit und bedingungslos dafür, dass sie publiziert werden. Genauso, wie ich in der «Ostschweiz» meine Meinungen und Artikel veröffentlichen kann, mit denen garantiert auch nicht alle Leser oder Mitarbeiter übereinstimmen.

Ich wäre sogar dafür, dass Peter Surber jederzeit das Wort ergreifen könnte. Selbst die offenkundigen Fehlschlüsse, die blut- und inhaltsleere Polemik, der Ersatz von Argumenten durch Gewäffel würde mich nicht davon abhalten. Ich bin für Meinungsfreiheit als die wohl wichtigste Errungenschaft der Aufklärung und der Neuzeit.

Ich bin auch dafür, dass sich jeder Erwachsene in der Öffentlichkeit zum Deppen machen kann.

Ich bin mir allerdings sicher, dass Surber niemals einen Kommentar von mir auf «Saiten» veröffentlichen würde. Er würde widrigenfalls allerdings auch nicht kündigen, so wie Höpli. Denn wo sollte Surber denn hin? Solche Tiefflieger wie ihn braucht doch kein journalistisches Organ, das selber schauen muss, wie es sich finanziert. Was dem Gewäffel Surbers aus seiner geschützten Werkstatt gegen Somm, Köppel oder Millius noch mehr einen schalen Beigeschmack gibt.

 

Einfalt im Einheitsbrei

Kritik wird in der Pandemie nur sehr ungern gesehen. Vor allem, wenn sie fundiert ist.

Die Sparmassnahmen im heutigen Elendsjournalismus berücksichtigend, habe ich lange die Hoffnung nicht aufgegeben. Dass die fundierte Recherche auf einer angesehen Plattform von namhaften Autoren wenigstens missmutig zur Kenntnis genommen wird.

«Wissenschaft im Pandemiemodus» erschien am 19. Februar 2021 auf «Re-Check». Geschrieben von zwei Expertinnen auf dem Gebiet. Es ist eine finale Abrechnung mit dem «seltsamen Fall der Swiss National Covid-19 Science Task Force».  Fast 33’000 Anschläge lang. Aber im Gegensatz zu «Republik»-Riemen prallvoll mit Belegen, korrekten Schlussfolgerungen und sehr sparsamer Polemik.

Vernichtendes Ergebnis: Diese Vereinigung von Wissenschaftlern fällt bei jedem Kriterium durch, das man auf sie anwenden kann – und denen sie sich selbst verschrieben haben. Es ist eine wirklich erschöpfende und fundierte Recherche. Wohl genau aus diesem Grund hielt sich das mediale Echo in sehr überschaubaren Grenzen. Während von den Mainstream-Medien jeder Rülpser aus Bern kolportiert (und meistens auch applaudiert) wird, herrschte und herrscht hier Schweigen.

Was nicht passt, wird nicht passend gemacht

Nur die üblichen (wenigen) Verdächtigen äusserten sich öffentlich. Also Markus Somm in seiner Kolumne, die WeWo, medinside.ch und heidi.news. Dann noch eine beckmesserische Abrechnung in der «Medienwoche», und das war’s. Eigentlich unvorstellbar. Normalerweise füllen die Kindersoldaten in den Newsräumen mit zwei Telefonaten und einer Google-Recherche locker eine Zeitungsseite; neben den mageren Ergebnissen aufgepolstert mit Meinung.

Aber wenn hier die fehlende Legitimation, die Nichteinhaltung von Regeln, die Weltuntergangsszenarien in Wiederholungsschlaufe, die öffentliche Kakophonie, die völlige Vernachlässigung von Grundlagen der evidenzbasierten Medizin dieser Task Force geradezu chirurgisch zerteilt wird, dann herrscht Schweigen.

Interne Mails, externe Stellungnahmen, eine solche Recherche sollte eigentlich exemplarisch an die Wände in den Newsrooms genagelt werden. Das geschieht aber deswegen nicht, weil sich die Frage erhöbe: Schon, aber die hatten doch mehr als eine Stunde Recherchierzeit, nicht?

Was einem nicht in den Kram passt zu ignorieren, das ist menschlich. Eine solch fundierte Kritik zu ignorieren, ist nicht nur unprofessionell. Es ist dumm.