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Viel Nebel, wenig Spalten

Auch bad news sind wenigstens News. Das scheint das Prinzip des «Nebelspalter» zu sein.

Beim Start hörte sich alles noch sehr optimistisch an: Zum Beginn am 18. März 2021 spuckte der designierte Chefredaktor und Initiant des Projekts «neuer Nebelspalter» noch grosse Töne. Markus Somm diagnostizierte «eine Art Seuche der Denkfaulheit» bei den Kollegen in den Medienhäusern. Dagegen trumpfe der neue «Nebelspalter» mit eigenen Werten auf: «Da ist Leidenschaft, da steckt Geistesarbeit dahinter, da sind aber auch Sorgfalt und intellektuelle Redlichkeit.»

Auffallen wolle man mit Recherchen, vertieften Analysen, die Grundhaltung sei klar:

«Wir sind liberal, dass es kracht

Viel verbale Kraftmeierei, die sich als Pfeifen im Nebel erwies. Krachliberal, aber null Transparenz. Zum Start wurde der neue Online-«Nebelspalter» wie erwartet von der Konkurrenz mit Häme überschüttet.

Nichts geändert am vernichtenden Urteil

Andreas Tobler, die Allzweckwaffe des Hauses Tamedia, kanzelt Somm als «bekennenden Liberalen und Libertären» ab. Faktenfreien Unsinn plaudern, das ist Toblers Markenzeichen. Ganz ander war die erste Kritik von Christian Mensch: «Es ist ein Feuerwerk der Ideenlosigkeit, mit der das alt-neue Medium seine Plattform freigeschaltet hat. Eine Boygroup von Journalisten, die er in seiner Zeit als Chefredaktor der «Basler Zeitung» um sich geschart hat, verfasste eine Reihe von meinungsstarken, rechercheschwachen und damit überraschungsfreien Beiträgen in jenen Themenfeldern, in denen sie sich heimisch fühlen.»

Leider hat sich an der Richtigkeit dieses vernichtenden Urteil bis heute nichts geändert. So ist es, muss man sagen. Fast der gesamte Inhalt bleibt hinter einer Bezahlschranke verborgen. Über die Anzahl Abonnenten oder Leser wird keine Auskunft erteilt. Es steht zu vermuten, dass sie unterirdisch klein ist.

So gut wie nie wurde eine «Recherche» oder ein «Primeur» des «Nebelspalters» in die öffentliche Wahrnehmung gehoben – weil es trotz Ankündigung nichts gab. Nur meinungslastige, meinungsschwangere Gesinnungsstücke von einer vorhersehbaren Langeweile. Dazu geschwätzige Videos, die als einzige ohne Bezahlung konsumiert werden können. Obwohl man sich versucht fühlt, dafür Schmerzensgeld zu fordern.

Viele Fragen, keine Antworten, null Transparenz

Nebulös bleiben auch die geschäftlichen Hinter- sowie Vordergründe. ZACKBUM stellte dem Geschäftsführer des «Nebelspalters» Ende März ein paar konkrete Fragen:

  1. Deep Impact ist der Technologie-Partner der neuen Webseite des «Nebelspalter». Sehe ich das richtig, dass das für den «Nebelspalter» verwendete CMS Spectra Editor eine Eigenentwicklung von Ihnen ist?
  2. Sie sind CEO und Gründer von «Deep Impact». Gleichzeitig sind Sie interimistischer Geschäftsführer des «Nebelspalter», dazu noch für den «Verkauf» zuständig und auch Ansprechpartner für Werbewillige. Wie bewältigen Sie diese Ämterkumulation?
  3. Können Sie eine Hausnummer angeben, welches Preisschild an der Erstellung der Webseite bis zum going online hing? Und wie es mit den jährlichen Unterhaltskosten steht?

Die Antwort war eher ernüchternd: «Herrlichen Dank für Ihre «Journalistischen» Fragen. Ich habe dazu keinen Kommentar abzugeben.»

Dazu muss man wissen, dass dieser Christian Fehrlin sozusagen die dritte Wahl ist. Ursprünglich war ein Crack des Verlagswesens als Geschäftsführer vorgesehen. Der hatte aber schnell die Schnauze voll und seilte sich ab, obwohl er von Somm bekniet worden war, doch wenigstens in der Anfangsphase an Bord zu bleiben.

Genauso erging es auch dem ausgewiesen Online-Spezialisten Peter Wälty, der sich ebenfalls schon in der Startphase mit Somm überwarf. Daraus hat sich, wie CH Media vermeldete, inzwischen ein hässlicher Streit um viel Geld entwickelt. Denn Wälty fordert für seine Beteiligung an der Projektentwicklung rund 220’000 Franken – ein Termin beim Friedensrichter brachte darüber keine Einigung.

CH Media: «Für Wältys Rechtsanwalt Andreas Meili steht ausser Zweifel, dass seinem Mandanten der Betrag zustehe. Er habe umfangreiche Vorarbeiten für «Nebelspalter.ch» geleistet, die gut dokumentiert seien.» Von Somm war nur ein «kein Kommentar» erhältlich.

Verzweiflungsthemen? Büsi ziehen scheint’s immer.

Wie soll das finanziell funktionieren?

Ausser einer auf einen Schlag aufgeschalteten Reihe von «sponsored» Auto-Artikeln vom gleichen Autor erscheint der «Nebelspalter» seit Beginn absolut werbefrei, obwohl im Hauptmenü oben als zweiter Punkt «Inserieren» aufgeführt ist, wo man ein breites Angebot an allen möglichen Werbeformen findet. Ein Angebot ohne Nachfrage.

Das Impressum weist 15 festangestellte Mitarbeiter aus, dazu 21 «ständige Mitarbeiter und Kolumnisten». Ohne die Betriebskosten zu berücksichtigen, ergibt sich alleine daraus konservativ geschätzt ein Jahresbudget Saläre und Honorare von sicherlich über 2 Millionen Franken. Dem kaum Einnahmen gegenüberstehen, was bei dieser Burn rate absehbar macht, wann die eingesammelten rund 7 Millionen verröstet sind.

Verzweiflungsthemen? Sex zieht scheint’s immer.

Etwas verschlungen sind auch die Wege der Muttergesellschaft. Sie erblickte im Dezember 2020 als Klarsicht AG das Licht der Welt; praktischerweise parkiert bei der Deep Impact AG in Winterthur, die dem Hersteller des CMS und aktuellen Geschäftsführer Fehrlin gehört.

Mitte Januar wurde dann das Aktienkapital auf 1,875 Millionen heraufgesetzt. Ende Juni dieses Jahres wandelte sich die Klarsicht AG in die Nebelspalter AG um und verlegte ihren Sitz nach Zürich. Gleichzeitig stiess Sandro Rüegger als Verwaltungsrat dazu. Ein weiteres Signal, dass langsam Feuer im Dach ist. Der sich damit entwickelnde Nebel scheint auch das Impressum zu verhüllen, denn dort steht: «Der Nebelspalter wird von der Klarsicht AG, Zürich herausgegeben.»

Also genügend Gründe, dem CEO der Nebelspalter oder Klarsicht AG wieder ein paar Fragen stellen. Wie immer höflich und konkret:

  1. Peter Wälty erhebt für seine Mitarbeit am Projekt «Nebelspalter online» eine Forderung von über 200’000 Franken. Was sagen Sie dazu?
  2. Können Sie nach fast 4 Monaten erste Zahlen bekannt geben? Single Visitors, Abonnenten, wie oft wurden einzelne Artikel gekauft?
  3. Das von Ihrer Firma Deep Impact herstellte CMS als Insellösung, hat sich dieses Modell bewährt? Was hätte dagegen gesprochen, eines der vorhandenen CMS, ob als Lizenz oder als Open Source, zu verwenden?
  4. Was waren die Initialkosten für die Erstellung der Webseite bis going online?
  5. Abgesehen von einer Reihe von gleichzeitig und vom gleichen Autor verfassten gesponserten Artikeln erscheint der «Nebelspalter» weiterhin werbefrei. Wann wird sich das ändern?
  6. Potenziellen Werbekunden gegenüber müssen sie ja Ihre Mediadaten offenlegen. Wieso informieren Sie Ihr Publikum nicht?

Leider griff Fehrlin auch diesmal in den Stehsatz: «Leider habe ich keinen Kommentar dazu abzugeben.» Man kann erwachsene Menschen nicht daran hindern, sich öffentlich zum Deppen zu machen.

Fassungslos, Part II

Wir haben lange gezögert, aber es braucht ein neues Gefäss: FASSUNGSLOS.

Lesen, staunen, verzweifeln. Das sind die drei Stufen auf dem Weg zur Medienenthaltsamkeit.

Das ist schön für die zwei. Hoffentlich beruht es auf Gegenseitigkeit. Immerhin kann man hier die Frage stellen: wer hat’s gefunden?

Ja, ZACKBUM verwandelt sich in ein richtiges Klatschorgan. Bei der Zeitung mit dem Regenrohr im Titel fragt man sich allerdings, ob das Rohr für eine lange Leitung steht. Denn es liess doch ein paar Tage vergehen, bevor es sich zu dieser Story aufraffte. Aber besser spät als nie, gell.

 

Wenn wir schon bei welterschütternden Enthüllungen aus zweiter Hand sind: Das hier hat der «Blick» der englischen «Daily Mail» abgeschrieben. Ein grosses Stück Klatsch-Journalismus nach der Devise: Diana verkauft immer. Bevor der Leser sich nicht mehr halten kann vor Spannung; das sollen die letzten Worte gewesen sein, natürlich auf Englisch: «Oh mein Gott, was ist passiert

Wir wussten es: «watson» hat Kontakt mit dem Jenseits. Das muss auch so sein, bei diesen jenseitigen Artikeln …

«watson» ist bekanntlich das Organ der Listicals. Das ist: es ist aufeinandergestapelte lauwarme Luft, aber es hat Struktur. Das gilt natürlich auch für die ewigen Sex- und Business- und Geld-Listicals. Bei diesem Titel hätte man sich aber diese Einsicht gewünscht: Wegen Orthographiehemmungen nie aNfangen Zu SchreiBeN.

Wenn wir schon bei Organen des höheren und tiefergelegten Schwachsinns sind: «bajour» schwächelt. Trotz Millionenunterstützung wird der eigene Output immer dünner. Für so viel Geld erfreut die Plumpsplattform ihre wenigen Leser mit immer mehr Agenturmeldungen.

Schon wieder Keystone-SDA als fleissiger Autor. Aber auch die Wissenschaftsplattform «Higgs» ist abschreibebar:

Selbst der Chef dort, Beat Glogger, greift zum Griffel:

Da muss man wenigstens nicht darauf hinweisen, dass auch das nicht auf dem eigenen Mist gewachsen ist.

Allerdings, ob es besser wird, wenn der notversorgte David Sieber ans Gerät geht und recycelt?

Auch diese tiefe Wahrheit muss mal wieder ausgesprochen werden. Bloss: warum eigentlich? Und wieso hier und jetzt? Und von dem?

Das gilt verschärft für das sogenannte «Highlight» im publikumsfreien «Nebelspalter». Dort frönt Markus Somm der längst vergangenen NZZ-Tradition des Samstags-Leitartikels. Man könnte den Tonfall pseudo-staatstragend, lächerlich-gehoben, Imitat-Burckhardt nennen:

Noch schmerzlicher als die Tatsache, dass diese hinter der Bezahlschranke der Weltöffentlichkeit verborgenen Zeilen kein Echo finden, ist die andere Tatsache, dass diese Thematik schon ziemlich erschöpfend debattiert wurde – vor ziemlich genau einem Jahr. Da sagten bereits eigentlich alle alles dazu, selbst der Autor dieser Zeilen:

Sag’s nochmal im Geheimen, spalte wieder den längst gespaltenen Nebel, trage Eulen nach Athen, oder einfach: kann man nicht häufig genug sagen. Oder sagte Somm das schon?

 

 

Der Stuka-Semit

Wo Antisemitismus sein hässliches Haupt erhebt, da ist David Klein. Und verstärkt ihn.

«Da muss man nicht lange werweissen, was der kleine Adolf in der Familie Muschg über Juden zu hören bekam. Und mal ganz ehrlich: Wer tauft seinen Sohn 1934 noch auf den Namen Adolf?»

Wer sich zum Thema Israel oder Juden äussert, bekommt es früher oder später mit David Klein zu tun. Ausgerüstet mit ausgeliehener Opferrolle («2 meiner Urgrosseltern wurden in Auschwitz ermordet, 2 begingen Selbstmord, weil sie nach Auschwitz deportiert werden sollten»), ist Klein immer dann zur Stelle, wenn es gilt, mit masslosen, geifernden, meistens faktenfreien Verleumdungen und Rüpeleien angebliche Antisemiten zur Strecke zu bringen.

Wer Antisemit ist und wie sich das äussert, das entscheidet auf der ganzen Welt nur einer: David Klein. Sein Urteil kann nicht appelliert werden, als rächender Stuka-Semit muss er es auch nicht begründen. Davor salvieren ihn seine Urgrosseltern. Was für eine unanständige Gebrauchsleihe eines Schicksals, das Kleins Argumente weder besser, noch schlechter macht.

Was mit meinen Urgrosseltern geschah, was meine Eltern taten oder nicht taten, kann sicherlich Thema einer Betrachtung sein. Was aber garantiert überhaupt keinen Zusammenhang damit hat: ob meine Diskussionsbeiträge, Überlegungen damit richtiger, wichtiger, unbestreitbarer werden. Natürlich werden sie das nicht.

Am liebsten pinkelt er weit entfernte Ziele an

Am liebsten macht er sich über Organisationen oder Personen her, die weit genug weg sind, um ihn gar nicht zur Kenntnis zu nehmen. Zu seinen grossen Feinden gehört die UNRWA, das Hilfswerk der UNO für Palästina-Flüchtlinge. Das unterstütze die «Indoktrination von Kindern zu Hass auf Juden». Schlimmer noch: die UNRWA werde «mit 600 Millionen CH-Steuerfranken durch das EDA finanziert».

Obwohl der UNRWA «struktureller Antisemitismus nachgewiesen» werde, «UNRWA-Lehrer leugneten den Holocaust und zelebrierten Adolf Hitler». Das gehört zu Kleins Standard-Repertoire, immer mal wieder variiert und neu dargeboten, wo man ihn lässt. Zurzeit lässt man ihn im «Nebelspalter». Dessen Chefredaktor Markus Somm glänzt neuerdings selbst mit absurden Theorien zu den Ursachen der neusten kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten.

Die jüngste Offensive habe die Hamas deswegen starten können, weil US-Päsident Biden den Würgegriff seines Vorgängers Trump um den Iran gelockert habe. Klein begleitete Somm auch schon in dessen Zeiten als Chefredaktor der BaZ. Allerdings variierte Klein damals seine Anschuldigung so: Er warf dem Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz (Heks) vor, es habe Spendengelder veruntreut, indem es antisemitische Aktionen fördere. Das Hilfswerk «unterstützt Antisemitismus», holzte Klein.

Das war faktenfreier Unsinn. Nachdem sich die BaZ unter Somm weigerte, eine Richtigstellung abzudrucken, klagte das Heks – und bekam auf ganzer Linie recht.

Diese Niederlage hat Klein bis heute nicht verwunden; mit immer massloseren Schmähungen zeigt er das:

«Freisler, Himmler oder Hitler haben den Holocaust nicht durchgeführt, sondern die Millionen deutscher Christen, die in den KZs, in der SS und Wehrmacht Dienst taten, ihre Nachbarn denunzierten etc. Und heute führt das HEKS und viele andere diese Ideologie fort.»

Das ist nun nicht einfach mehr masslos, bodenlos, haltlos. Heks führe die «Ideologie» des Nazi-Scharfrichters Freisler, des Organisators des Holocaust Himmler und des Jahrhundertverbrechers Hitler fort? Ich habe zwar einen Doktor, bin aber kein Arzt.

Klein wütend gegen jeden (und jede)

Kleins immer unbändigere Hass richtet sich nicht nur gegen Institutionen, sondern natürlich auch gegen jeden, der es wagen sollte, an Juden oder Israel Kritik zu üben. Dagegen hat Klein den Straftatbestand Judenlästerung erfunden. Er selbst ist dabei Ankläger, Richter und Vollstrecker in einer Person. Wobei das Urteil von vornherein feststeht: Antisemit. Judenhasser.

Alles Judenhasser, von links bis rechts. «Obsessive Israelkritik der WoZ überschreitet regelmässig die Grenze zum Antisemitismus», Res Strehle «diffamiert in der WoZ Juden, im Dienste des Grosskapitals zu sein». SP-Nationalrat Carlos Sommaruga «hasst Israel», nau.ch lässt ihn «unwidersprochen behaupten, Gaza sei ein Gefängnis». «Die «nazifreien» linken Antisemiten und Israelhasser von @baselnazifrei demonstrieren für antisemitische Palästinenser». Hamas hasst die Juden, «so wie SRF offensichtlich auch. Anders ist diese Hetze gegen Israel nicht erklärbar».

Auch «20 Minuten» zieht immer wieder den Zorn des Antisemitismus-Detektors Klein auf sich: «Nochmals, @GaudenzLooser: so geht das nicht.» Schon im nahen Ausland ist man vor Kleins Schlammbädern nicht sicher. Die stv. Chefredaktorin der «Süddeutschen Zeitung», die «Nachfolgezeitung des NS-Hetzblatts «der Stürmer», die kein Wort Hebräisch» spreche, schwafle von Israelis, die «mit Stiefeln über Gebetsteppiche stampfen».

Wer versucht, sich mit Klein auf eine Debatte einzulassen, könnte genauso gut mit einem Blinden und Tauben über die farbige Aufführung einer Wagner-Oper debattieren.

So fragt die Autorin einer NZZ-Reportage nach, wieso ihr Klein «Lügen» und «Verbreiten von Gerüchten» vorwerfe. Er solle doch sagen, was er damit meine, dann könne sie ihm antworten. Sonst sei das kein Beitrag zur «Diskussionskultur». So aber nicht mit Klein, da schäumt er: «Zur «Diskussionskultur» trägt vor allem die Verbreitung von Lügen und Gerüchten über Juden und Israel nichts bei, ausser das Schüren von Antisemitismus. Das praktizieren Sie seit Jahren, wie seinerzeit der Israelhasser Martin Woker. Ich hatte gehofft, das wäre bei der NZZ vorbei.»

Das sind seine Kurzrülpser auf Twitter, wenn man ihm Platz für längere Stücke gibt (was nicht einmal mehr Audiatur gerne tut), dann wird er noch massloser. Muschg? Ist «doch ganz einfach: Adolf Muschg hat ein Problem mit Juden. Hatte er immer schon.» Deshalb eilte er Martin Walser «nach seinen unsäglichen antijüdischen Ausfälligkeiten zu Hilfe und stand Waffen-SS-Mitglied Günter Grass bei.» Solchen Stuss darf Klein im «Nebelspalter» absondern.

Schweizer Steuerzahler unterstützen islamistischen Terrorismus

Und immer wieder die angebliche Finanzierung von Terrororganisationen gegen Israel mit Schweizer Steuergeldern, obwohl Klein nach seiner Erfahrung mit HEKS da gerne etwas allgemeiner bleibt. Verbündete hat Klein eigentliche keine. Der Schweizerisch Israelitische Gemeindebund hat «mutlose Funktionäre», die «mit ihrer weinerlichen Entschuldigungsforderung als Ritter der besonders traurigen Gestalt daher» kämen. Das deswegen, weil die offenbar nicht drakonische Bestrafungen von Muschg und allen Beteiligten fordern, die ihn das Wort «Auschwitz» in den Mund nehmen liessen, ohne ihn ultimativ und sofort zu Abbitte, Reue und Kniefall aufzufordern.

Das verweigert auch die deutsche Bundeskanzlerin Merkel, die Klein schon mal den «Amtskollegen Hitler» an die Seite stellte. Das traut er sich nicht mehr zu wiederholen, aber diese Schmähung an Merkel schon, die bewege sich «alljährlich auf den braunen Hügel zu Bayreuth, um bei Judenhasser Wagner auf dem Roten Teppich zu tänzeln, kichernd wie ein Backfisch.» Das sei «staatlich vorgelebte Relativierung von Antisemitismus». Nicht nur deshalb schrieb Jürg Altwegg im Feuilleton der FAZ völlig richtig über Klein: «Der Mann ist als Rassist bekannt.»

Nicht alles, aber das meiste, was Klein öffentlich äussert, ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Oftmals wagen seine Opfer keine Gegenwehr, weil sie sich nicht auf eine eskalierende Schlammschlacht einlassen wollen, bei der Stuka-Semit Klein sich beliebig steigert bis zum Diskant. Er profitiert davon, dass bis heute in Deutschland – und weniger stark in der Schweiz – das Etikett Antisemit, Judenhasser peinlich vermieden werden will.

Klein, und seinen weniger radikalen Gesinnungsgenossen, die bei jedem von ihnen als Judenlästerung empfundenen Wort sofort eine geistige Nähe zu SS-Schergen an der Rampe von Auschwitz denunzieren, die Solidarität mit tatsächlichen Judenhassern, die Unterstützung von Terrororganisationen wie der Hamas unterstellen, wollen jede Debatte über israelische Politik unterbinden.

Wer dabei einen solchen Header bei Twitter verwendet:

 

der ist nicht nur geschmacklos, unappetitlich, sondern vor allem selbst Vertreter einer Cancel Culture, die Muschg völlig zu Recht als Vorläufer einer Entwicklung, die mit Auschwitz enden kann, kritisierte. Dass Klein dieser schreiende, geradezu aberwitzige Widerspruch nicht auffällt, ist bedenklich. Mit Methoden, die aus dem gleichen Schoss krochen, aus dem diese Naziverbrecher entsprangen, will er deren moderne Wiedergänger denunzieren. Um damit eine Wiederholung zu verhindern.

Dass er selbst damit als Jude Antisemitismus Vorschub leistet, wie es kaum ein rechtsradikaler Schreihals kann, ist die unerkannte, aber tiefe Tragödie seines Lebens. Es stünde auch Markus Somm gut an, Klein endlich vor sich selbst zu schützen. Das gehört zu den Aufgaben eines verantwortungsbewussten Chefredaktors.

Somm-Untergang

Man darf (fast) alle Überzeugungen haben. Man darf (fast) alles sagen oder schreiben.

Markus Somm ist ein vehementer Advokat in Sachen Israel. Das ist völlig okay und erlaubt. Dass er dabei Wortblasen blubbert, ist auch erlaubt: «Israel hat jedes Recht, sich zu verteidigen». Genau. So wie die Palästinenser, wie jedes zur Schlachtbank geschleppte Schwein, wie eigentlich jeder und alles. Oder sollte es irgend ein Lebewesen oder eine Entität geben, die nur beschränkte Rechte hat, sich zu verteidigen?

Somm beklagt «westliche Doppelmoral» gegenüber Israel. «Demonstranten, Politiker und Medien verurteilen dessen Handlungen, wie sie es bei keinem anderen Land tun.» Kann man so sehen, muss man nicht, ist auch falsch.

Man kann auch noch ein paar Schritte weitergehen, obwohl Somm schon längst über einem Abgrund von fehlendem Realitätskontakt schwebt: «Wir alle geben uns so viel Mühe, die Juden zu resozialisieren. Dass es umgekehrt war, dass die blasierten Bewährungshelfer im Westen zweitausend Jahre lang die Juden geplagt, verfolgt und dann vernichtet haben: Man käme nicht darauf, wenn man hört und liest, wie sie über Israels angebliche Untaten urteilen.»

Langsam erreicht Somm Betriebstemperatur

Hat nicht mehr wirklich etwas mit den aktuellen kriegerischen Handlungen zu tun, aber wenn es einem Autor beliebt, soll er doch. Dann legt er aber noch einen drauf:

«Es ist ein Schwefelgeruch, der in der Luft liegt, wenn wir uns über Israel erregen.»

Schwefel? Teufel, Beelzebub? Echt jetzt?

Damit verlässt Somm endgültig den Bereich einer rational verständlichen Argumentation. Aber auch das ist nur die Einleitung zu einer Vollklatsche:

«Ich spreche das Wort nicht aus. Nur ein Hinweis: Wenn Sie heute einen Antisemiten überführen möchten, dann geschieht es selten, dass er so dumm ist wie ein Neonazi und entsprechend brüllt – den neuen Antisemiten entlarven Sie, wenn Sie mit ihm über Israel reden. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt.»

Wie entlarvt sich denn dann der «Antisemit»? Auch dazu spricht Somm kein Wort aus, aber die Botschaft ist klar. Der Gesprächspartner zum Thema Israel wird in dem Moment zum Antisemiten, in dem er ein kritisches Wort zu Israels umfassendes Recht wagt, sich zu verteidigen. Und zwar so, wie es Israel aktuell tut.

So apodiktisch fordern nicht einmal Fundamentalisten Glaube und Gehorsam ein. Ein solches Absurd-Kriterium wäre nicht einmal dem schärfsten Verteidiger der Unfehlbarkeit von Hitler, Stalin, Mao, Pinochet oder Donald Trump eingefallen.

Apropos, wenn man schon die Kontrolle verliert, dann richtig, sagt sich Somm offenbar. So argumentierte er im wöchentlichen Krawall-Talk mit Roger Schawinski, dass die Hamas sich nur deshalb zu diesen Taten hinreissen liess, weil US-Präsident Biden den Klammergriff um den Iran lockere, den Trump angesetzt habe. Das gebe den Iranern Luft, um ihre feindselige Politik gegen Israel zu verstärken. Indem die Ayatollen ihre Hundemeute namens Hamas von der Leine liessen.

Ist zwar völlig belegfrei, aber zumindest lustig. Die Verwendung der Antisemitismus-Keule durch Somm ist’s aber überhaupt nicht. Diese Gleichsetzung jeder Form von Kritik an irgend was, die ist zutiefst gegenaufklärerisch, Ausdruck einer eigenen Gesinnungsblase, in die man zwar selber furzen darf, wo man aber keinerlei Kritik akzeptieren möchte. Weil das den Kuschelfaktor unter Gleichgesinnten stören könnte.

Danach überhitzt Somm und kriegt die Kontrollstäbe nicht runter

Hier ersetzt Somm Denkvermögen durch Starrheit, will die Grenzen des Spielfelds definieren. Und jeder, der sie seiner Meinung nach überschreitet, ist dann Antisemit. Wir hoffen für Somm, dass er sich über Herkunft, Geschichte und Verwendung des Begriffs schlau gemacht hat. Ab wann, mit Verlaub ist man denn Judenhasser?

Reicht eine Kritik an der Korruptheit des israelischen Premierministers? Wie steht es mit der Erwähnung, dass Israel mehrfach gegen das Völkerrecht verstösst, zum Beispiel, indem es in besetzten Gebieten die eigene Bevölkerung ansiedelt? Sich an diverse Uno-Resolutionen nicht hält? Kriegsverbrechen verübt? Im Besitz von Atomwaffen ist, ohne das offiziell einzuräumen?

Wann ist was keine berechtigte (oder auch unberechtigte) Kritik mehr, sondern Ausdruck von Antisemitismus? Merkt Somm nicht, dass nicht nur einige (aber keinesfalls alle) Israel-Kritiker besondere Massstäbe bei diesem Land ansetzen, sondern er selbst auch? Wird er intellektuell wirklich so kurzatmig bei Israel, dass er vergisst, dass das grossinquisitorische Allüren von ihm sind?

Rede nur über Israel, Somm legt dann sein geeichtes Antisemitismus-Messgerät an, das verkündet die unbestreitbare Wahrheit. Das ist nun bedenklich. Bar jeder Vernunft. Eine Geisteshaltung, die Somm doch immer wieder (und völlig zu recht) all diesen in ihren Denkrastern einbetonierten Linksmenschen vorwirft, die keine Argumente hören wollen, sondern nur nach dahinterstehenden Haltungen, Gesinnungen suchen.

Das selber machen, was man anderen vorwirft

Nun macht er genau das Gleiche. Kritik an Israel? Inhaltliche Auseinandersetzung damit? Ach was, da schnuppert er Schwefelgeruch, erkennt daran sofort den Antisemiten. Wer ist dann keiner? Na, nur der, der keinerlei Kritik übt, der kritiklos applaudiert oder zumindest nicht widerspricht, dass Israel jedes Recht habe, sich zu verteidigen.

Ob diese radikale Verbissenheit etwas damit zu tun hat, dass der Online-«Nebelspalter» bislang weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit Themen durchwurstelt, mit hoher Wiederholungsrate, Vorhersehbarkeit und Gleichförmigkeit, die niemanden dazu motivieren, dafür auch noch Geld auszugeben?

Zudem gleicht die Mitarbeiterschar immer mehr einer Muppetshow, in die sich einfach alte Weggenossen von Somm einreihen. Nicht unbedingt die Besten, kommt noch erschwerend hinzu. Brachial-Polemiker wie David Klein («Merkels Amtskollege Hitler») werden offenbar nicht als rufschädigend für den «Nebelspalter» wahrgenommen, weil Klein Somm in der Radikalität der Israel-Verteidigung in nichts nachsteht.

Was das alles allerdings mit dem Anspruch zu tun hat, einen liberalen, neugierigen, Widersprüche aushaltenden, geradezu fordernden Journalismus ohne Denkverbote zu betreiben? «Wir suchen nach der Wahrheit», heisst es vollmundig in der Selbstdarstellung des neuen «Nebelspalter». Wie das mit solchen Scheuklappen, mit solchen Gesinnungsverleumdungen als Ersatz für argumentative Auseinandersetzung zusammenpasst?

Da dampft es doch gewaltig und nebulös nach zweierlei Massstäben, Doppelzüngigkeit, Heuchelei. Alles Eigenschaften, die in einem journalistischen Anspruch, der «liberal, dass es kracht» sein will, nichts zu suchen haben.

Schade eigentlich; damit verabschiedet sich der «Nebelspalter» von jedem Anspruch, eine liberale Alternative zu «Weltwoche» oder «Republik» zu sein. Denn der Fisch stinkt vom Kopf, wenn man das sagen darf, ohne gleich als Antisemit niedergemacht zu werden.

 

 

 

Hilfe, mein Papagei onaniert IX

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch. Heute: Wenig Leistung für viel Geld

Die «Sonntagszeitung» vermeldet stolz: «Bank wusste, dass Versicherungsschutz endet». Damit ist gemeint, dass die CS frühzeitig darüber informiert war, dass eine grosse Versicherung die Absicherung der Greensill-Fonds offiziell und fristgerecht Monate vor dem Zusammenbruch gekündigt hatte. Und die CS nicht erst wie behauptet eine Woche vor dem Desaster davon erfuhr.

Das «erklären zwei voneinander unabhängige Personen mit Kenntnis der Vorgänge», tut die SoZ geheimnisvoll, als sei ihr ein kleines Recherchierkunststück gelungen.

Ist aber mal wieder ein eher peinliche Flop. Denn erstens hat diese «neue Information» eine tatsächlich mit Kenntnis ausgestattete Person bereits in aller Öffentlichkeit bekannt gegeben: nämlich der Besitzer und Namensgeber der zusammengekrachten Fonds – in einem Interview.

Dieses Interview von Lex Greenshill wiederum hat «Inside Paradeplatz» am 14. Mai genüsslich aufgenommen. Aber das alles ist doch kein Grund für SoZ, nicht etwas angeberisch zu tun und am 16. Mai von einer «News» zu sprechen. Die aber ungefähr so neu ist wie die Meldung: gestern hat es geregnet.

Reflex-Kommentare aller Orten

Oder so neu wie Markus Somms Stehsatz-Kommentar: «Israel hat jedes Recht, sich zu verteidigen». Dieser Uralt-Kommentar, der stark nach ungewaschenen und eingeschlafenen Füssen müffelt, wäre nicht der Rede wert, wenn Somm ihn nicht in bester faschistischer Demagogie weiterentwickelte:

«Den neuen Antisemiten entlarven Sie, wenn Sie mit ihm über Israel reden.»

Und wie entlarvt man den «neuen Antisemiten»? Wenn sich einer kritisch über Israel äussert. Früher hätte man gesagt: «Den Volksschädling entlarven Sie, wenn Sie mit ihm über das Dritte Reich reden». Dass sich der Chefredaktor des «Nebelspalter» einen dermassen groben Ausrutscher leistet, ist wohl nur mit der gequälten Seelenlandschaft eines mehrfachen Renegaten zu erklären.

Denn heftige Verfechter einer Ideologie, die dann plötzlich ein Erweckungserlebnis haben und auf dem Absatz kehrt machen, sind immer suspekt. Weil sie sich gegen Vorwürfe wehren müssen, bei denen man ihnen frühere Positionen um die Ohren schlägt. Diese «ich bereue, ich habe es eingesehen, heute sehe ich das Licht»-Apologien sind schmerzhaft und peinlich.

Zudem scheint im Falle Israels bei Somm so ziemlich alles zusammenzuschiessen, was zu Kurzschlüssen führt. Die Begeisterung für Kibbuz und Heimat der Juden, das gequälte Verhältnis der Linken zu den Palästinensern, und die Eifrigkeit eines Renegaten, der viel linientreuer sein muss als ein nicht gewendeter Anhänger. Dem zuschauen zu müssen, ist kein schöner Anblick.

Da ruft einer «Doppelmoral», der doch mit sich selbst gedoppelt ist.

Money for nothing, dudel, dudeldei

Blicken wir doch mal wieder auf das Schaffen der «Republik». In letzter Zeit nicht mehr «Skandal» geschrien, daher nicht wieder selber zum Skandal geworden, weil sich halt mit anonymen Quellen und schludriger, einäugiger Recherche weder Staat noch «Republik» machen lässt.

Was bietet sie also an diesem Auffahrtssonntag? 50 Nasen, 6 Millionen Budget, das vorne und hinten nicht reicht, da sind wir mal gespannt. Und bleiben es auch, denn der Output am 16. Mai ist – null. Nada, nix. Nicht mal ein Dank an die «Verleger», Mäzene und Spender, dass sie es freundlicherweise so vielen tapferen Arbeitern im Weinberg der Demokratierettung erlaubt habe, einfach mal kollektiv die Füsse hochzulegen.

Das kann natürlich aus Erschöpfung über eine unglaubliche Leistung am Samstag geschehen sein. Nun ja, dieser Tag glänzte mit immerhin 4 Stücken. Da jeder Tag «Republik» rund 17’000 Franken kostet, müssen das ja vier Hochkaräter gewesen sein. Kann man so sehen, wenn man eine rosarote «Republik»-Brille trägt. Denn ein «Artikel» ist die übliche laberige Inhaltszusammenfassung an die «Ladies and Gentlemen and everybody beyond». Das sind 11’000 Anschläge über die anderen drei Stücke des Tages. 5500 Anschläge braucht der übliche Kunst-Artikel am Samstag. Ob das wirklich 5700 Franken wert ist, wenn man das Inhaltsverzeichnis nicht als journalistische Leistung zählt?

Aber es geht natürlich schlimmer; Auftritt Binswanger

Wie immer und verschärft stellt sich die Frage bei der schreibenden Schmachtlocke. Diesmal outet sich Daniel Binswanger zu all seinen weiteren Fähigkeiten hinzu als Spezialist in Patent-Fragen: «Wie viel Profit ist hoch genug?» Er sieht wie meist das Grosse und Ganze, Big Pharma, US-Präsident Biden, Impfstoffe, Welt, Wahnsinn. 10’000 Anschläge. Die aber leider am Stück oder einzeln keinen Rappen wert sind.

Zudem: Wahrscheinlich hing ihm mal wieder eine Strähne vor dem Auge, als er den Titel komponierte. Profit, hoch genug? Der hohe Profit im Gegensatz zum niedrigergelegten? Ist ein 2 Meter hoher Profit hoch geug? Oder fängt das erst bei 3,5 Meter an? Aber etwas Gutes hat so ein Titel: der nicht sonderlich gewitzte Leser weiss: wer sich schon da ins Gebüsch fährt, bei dem kommt nichts Besseres hinterher. Also muss man den Quatsch gar nicht lesen.

Dieses Stichwort kann nur zu einem führen. Genau. Seine erst spät entdeckte Krankheit konnte Constantin Seibt mal wieder nicht davon abhalten, ganz kräftig in die Tasten zu greifen. Und nicht mehr aufzuhören, bis 26’000 neue Buchstaben das Licht der Welt erblickt hatten. Inkl. Abstände. Aber, das scheint eine neu, begrüssenswerte Leserhilfe zu sein, auch Seibt fängt etwas eigen an:

«Nicht von dieser Welt. War der 14. Oktober 2017 ein ziemlich normaler Tag, der wichtigste Tag der Geschichte – oder der Anfang vom Ende der Menschheit? Oder anders gefragt: Was zur Hölle ist Oumuamua?»

Spätestens die letzte Frage überzeugt auch hier den gewitzten Leser: lass es, ein wenig Ufo, ein wenig Weltraumlatein, wozu, wofür, warum? Auch diese Fragen wird Seibt mit ins Grab nehmen.

Welche Orientierungshilfen liefert diesmal der «SonntagsBlick»? Zunächst einmal vier Seiten zur rasend originellen Idee, dass man auf Gesichtsmasken doch auch was draufdrucken könnte.

Aber Frank A. Meyer rettet sicher, labt mit geistiger Erbauung? Na ja:

«Wer sich bemüssigt fühlt, empörte Kritik an der israelischen Politik zu üben, der setze sich in Zürich, Paris, Berlin, London oder New York vor ein Café und stelle sich vor – eine Hamas-Rakete schlägt ein. Und noch eine und noch eine und noch eine. Er stelle sich ferner vor, Gewalt und Hass bedrohten sein Land seit drei Generationen.»

Das ist zwar ein Mü intelligenter argumentiert als Markus Somm in der SoZ. Aber: Was soll dem bemüssigten Kritiker dies Vorstellung sagen? Dass er, statt Kritik an Israel zu üben, besser die Schnauze halten sollte?

 

 

 

 

Frage in den Nebel

Über zwei Wochen seit dem Neustart des Nebi: Was ist genau neu?

Bei jedem Relaunch eines Mediums helfen zwei Faktoren. Interessanter Inhalt im Allgemeinen, ein Primeur oder zwei, damit man zitiert wird.

Natürlich auch der Lockstoff, mit dem Inhalt Unentschiedene zu überzeugen, ein Abo abzuschliessen, also Geld in die Hand zu nehmen. In diesem Punkt kennt der neue «Nebelspalter» nichts. Gratis ist nicht, alles, was mit Buchstaben zu tun hat, kostet, bevor man es lesen darf.

Interessanter Inhalt? Ich als Zahlungs-Leugner kann nur einen im wahrsten Sinne des Wortes oberflächlichen Eindruck wiedergeben. More of the same, würde der Ami sagen; Themen, Autoren, Inhalte: das hat alles so einen Geruch nach eingeschlafenen Füssen und und dem Gestus: Wir haben’s schon immer gesagt, deshalb sagen wir’s hier nochmal.

Neue Entwicklungen sollen doch nicht den Trott stören

Dafür sendet der «Nebelspalter» das Pausenzeichen, wenn es um den wohl grössten Schweizer Krisenfall dieses Jahres, wenn nicht dieses Jahrzehnts geht. Zwar darf der abgehalfterte Eric Sarasin, der noch so schön Akquise nach alter Herren Sitte machte, über «Vom Vehikel zum Megatrend Elektroauto» labern, was einen Newsgehalt nahe beim absoluten Nullpunkt hat.

Aber nachdem Sarasin auch dem deutschen Milliardär Carsten Maschmeyer Cum-Ex-Gebastel angedreht hatte, was der gar nicht komisch fand, hat Sarasin genügend Zeit für Musse und Besinnung.

Was kümmert uns die Credit Suisse?

Man fragt sich allerdings: Und die Credit Suisse? War da nicht was? Gibt’s da nicht ein, zwei kleine Probleme? Oder sogar grosse Probleme? Möglicherweise existenzbedrohende Probleme? Bei einer der beiden übrig gebliebenen Schweizer Grossbanken? Die in den letzten zehn Jahren nach der Finanzkrise eins weiter zu Schanden geritten wurde? Von weissen Westen und schwarzen Hoffnungen? Die den Aktionär mit einem Wertzerfall von 70 Prozent erfreute?

Aber was ist das schon gegen «Die Gurke der Woche»? Oder «Schuh kompliziert»? Oder die gähnlangweilige Abrechnung mit Christian Levrat, der selbstverständlich nicht wegen seinen unternehmerischen Fähigkeiten zu seinem Ruhepöstchen kam? Ex-Banquier Konrad Hummler weist auf eine «gefährliche Kurspflege» der US-Notenbank hin. Aber dass der Aktienkurs der CS mal wieder einstellig geworden ist, das ist kein Thema?

Der umständlich verzettelte Aufbau der Webseite erleichtert es dem Lesewilligen auch nicht gerade; kommt halt davon, wenn der eigene Geschäftsführer auch noch CEO und Gründer der Bude ist, die das Content Management System für den «Nebelspalter» entwickelte. Der findet überraschenderweise sein Produkt ziemlich toll und weigert sich im Übrigen, auf Fragen zu antworten. Weil Hochmut bekanntlich vor dem Fall kommt.

Gab’s denn noch keinen Brüller vom neuen «Nebelspalter»?

Also hat der Nebi bislang keinen einzigen Brüller produziert, einen richtigen Hammer, etwas, das die anderen Medien aufnehmen mussten, das für Aufmerksamkeit sorgte? Jein, muss man da sagen.

Der Ansatz war da: «Breaking News» lärmte der NL am Donnerstag. War zwar nicht ganz der richtige Begriff, aber so in der Eile … Die News war: «Toni Brunner will ins Parlament zurück.» Die Spekulation: «Bundesratsambitionen»? Brunner als Brückenbauer und SVP-Retter und Garant für eine bürgerliche Corona-Bekämpfung, das wär’s.

Hat er Grund zum Grinsen? Toni Brunner.

Aber wieso sollte er das ausgerechnet dem «Nebelspalter» verraten? Einschaltquote kaum messbar, also eine schlechtere Plattform hätte er sich nicht aussuchen können. Dafür wäre ihm nicht nur die WeWo, sondern natürlich auch die NZZ offen gestanden. Oder wollte der Nebi damit klarstellen, dass er die Nachfolgelösung für Christoph Blocher hat, und die heisst nicht Roger K.? Und auch nicht Magdalena M.?

Aber gut, vielleicht war Brunner ja dem Witz und Charme des Chefredaktors Markus Somm erlegen. Immerhin, das wäre tatsächlich mal ein Knaller gewesen. Solange, bis die von vielen schon erwartete Auflösung im zweiten NL des Tages kam: «April, April.» Danach wird es wieder etwas holprig, wenn der Nebi versucht, witzig zu sein.

Er verkündet seinen Lesern, dass der Donnerstag der 1. April sei, was denen ja auch mal gesagt werden musste. Um fortzufahren:

«Toni Brunner, der Charismatiker aus dem Toggenburg, wird nicht in die Politik zurückkehren, wie er uns in einem exklusiven Interview im Nebelspalter versprochen hat. For the record: Er hat das Interview vergangene Nacht um 2 Uhr 03 autorisiert, nachdem wir uns diesen Aprilscherz einige Stunden zuvor ausgedacht hatten. Er war bei Verstand, ich auch.»

Ach ja? Zu dieser nachtschlafenden Zeit entsteht noch schnell ein Aprilscherz beim «Nebelspalter»? Weil der 1. April einen zwar jedes Jahr, aber immer wieder so unerwartet anspringt? Ui, ui. Also weiter nach der Devise: Scherz lass nach.

1939: Das waren noch ganz andere Zeiten – und ein anderer «Nebelspalter».

Nebulöser «Nebelspalter»

Seine Werbekampagne läuft weiter, als wäre nichts geschehen. Stimmt eigentlich.

Der «Nebelspalter» spaltet den Nebel. Trivial, aber durchaus brauchbar als Werbespruch. Allerdings: in guten Werbeslogans ist auch eine Spur Wahrheit drin.

Das Nebelspalten findet weiterhin nur nach dem Zücken einer Kreditkarte statt. Ausser im Bewegtbild, wo man nun auch Dominik Feusi mit Fliege und Pochettli als «Feusi Fédéral» erleben darf. Eine halbe Stunde beschwingtes Plaudern, begleitet von einem einem Flascherl Gaja aus dem Piemont. Ein Wunsch von Mitte-Präsident Gerhard Pfister.

Ob’s wohl ein Costa Russi Barbaresco 2016 gewesen ist? Kostet unter Brüdern immerhin 80 Stutz, im Lokal leicht das Dreifache. Ach der Inhalt des Gesprächs? Mittelmässig.

Wir hätten da auch ein paar Fragen, aber ohne Fliege

Aber Geld, der Unterbau, die Basis, der Maschinenraum des «Nebelspalter», das sind doch interessante Fragen. Wie heisst es in der Selbstdarstellung so schön:

«Wir hassen den Nebel und das Nebulöse.»

Das nehmen wir gerne beim Wort. Also stellte ZACKBUM dem Meister des Maschinenraums beim Online-Nebelspalter eine Reihe von klärenden Fragen. Es handelt sich hier um den multitasking-fähigen Christian Fehrlin.

Er bekam 12 sicherlich alle Nebelhasser interessierende Fragen, mitsamt ausreichender Antwortfrist. Die lief um 17 Uhr anderthalb Tage später ab. Um 18 Uhr geruhte Fehrlin zu antworten:

«Herrlichen Dank für Ihre «Journalistischen» Fragen. Ich habe dazu keinen Kommentar abzugeben.»

Trägt nur Somm eine Narrenkappe? (Zeichnung: Nebelspalter)

Die korrekt als Fragen im Rahmen einer journalistischen Recherche etikettierten Auskunftsbegehren lauteten:

  1. Deep Impact ist der Technologie-Partner der neuen Webseite des «Nebelspalter». Auf Ihrer Webseite schreiben Sie, dass Sie in 6 Monaten eine Webseite zumindest als MVP auf den Markt brächten. Würden Sie die aktuelle Webseite des «Nebelspalter» als minimal funktionsfähig bezeichnen?
  2. Wir bringen Webseiten, zum Beispiel diese hier, normalerweise in einer Woche online, und nicht als MVP. Ohne mich mit Ihrer Expertise vergleichen zu wollen: Was sagen Sie zum Unterschied? Unser CMS erfüllt durchaus die gleichen Ansprüche wie Ihres.
  3. Sehe ich das richtig, dass das für den «Nebelspalter» verwendete CMS Spectra Editor eine Eigenentwicklung von Ihnen ist?
  4. Kennen Sie andere mittelgrosse Unternehmen, die heute noch eine Insellösung verwenden?
  5. Sie verwenden als Werbespruch: «Wir entwickeln neue Marktpotenziale». Halten Sie den Neustart einer Medienwebseite mit absoluter Bezahlschranke (mit wenigen Ausnahmen) für die richtige Strategie?
  6. «Nebelspalter» hat ebenfalls Präsenz auf den sozialen Netzwerken. Sollte die nicht etwas besser gepflegt (oder fallengelassen) werden, um Peinlichkeiten wie wenige Likes und noch weniger Kommentare zu vermeiden, wie bspw. auf Facebook?
  7. Wer hat die Werbekampagne für den neuen «Nebelspalter» konzipiert und zu verantworten?
  8. Sie sind CEO und Gründer von «Deep Impact». Gleichzeitig sind Sie interimistischer Geschäftsführer des «Nebelspalter», dazu noch für den «Verkauf» zuständig und auch Ansprechpartner für Werbewillige. Wie bewältigen Sie diese Ämterkumulation?
  9. «You never get a second chance …» Nicht nur am Starttag (Link auf Pornoseite), sondern kontinuierlich (Textblock im NL vergessen, erst nach 5 Stunden gemerkt) begleiten doch etwas viel Pech und Pannen die Neulancierung. Haben Sie Probleme mit dem Qualitätsmanagement?
  10. Können Sie eine Hausnummer angeben, welches Preisschild an der Erstellung der Webseite bis zum MVP hing? Und wie es mit den jährlichen Unterhaltskosten steht?
  11. In Prozenten ausgedrückt, wie verteilt sich Ihre Arbeitszeit auf Deep Impact und den «Nebelspalter»?
  12. Wann werden Sie erste Zahlen zur neuen Webseite bekannt geben?

Hat sich da jemand gelangweilt? Kann jemand sagen, dass keine dieser Fragen eine Antwort verdienen würde? Kann man diese Reaktion als transparent, offen, hartnäckiges Recherchieren honorierend bezeichnen?

Ob Schweigen dem Chefredaktor gefällt?

Schon wieder Fragen ohne Antworten. Aber wenn der Doppel-CEO, Verkäufer und Werbekontakt Fehrlin schon nicht zu antworten geruht, können wir ihm die Mühe mindestens teilweise abnehmen.

Frage 7 war ein Test mit bereits bekannter Antwort:

Ungefähr so gekonnt ist die Werbung; inzwischen zwei Monate alte Selbstbeweihräucherung.

Es deutet vieles darauf hin, dass Fehrlin die Unkenntnis von Chefredaktor und Verwaltungsrat bezüglich Webseite und Internet brutal ausgenützt hat. Wenn es zutrifft, dass das vom Nebi benützte CMS (Content Management System, zur gemeinsamen Erstellung und Darstellung digitaler Inhalte) eine Eigenkonstruktion von Fehrlin ist, handelt es sich schon hier um einen Kunstfehler gröberer Art.

Pech und Pannen, aber bislang keine Pleiten

Open source oder Bezahlprogramme haben schon längst solche Insellösungen abgelöst. Weil mittelfristig kein KMU in der Lage ist, ein eigenes CMS ständig up to date zu halten und alle Neuentwicklungen im Web einzupflegen. Das führt dann früher oder später zu einer (sackteuren und komplexen) Migration auf ein nachhaltiges CMS.

Der Start, das Qualitätsmanagement, die harte Bezahlschranke, die Werbekampagne, der resonanzfreie Auftritt auf den Social Media, die schwerfällige und nutzerunfreundliche Navigation auf der Webseite, der Aufbau der matchentscheidenden Homepage, die Mehrfach-Funktion des CEO der Klarsicht AG, alles mehr als nebulös.

Dass er nicht antwortet, ist ein weiteres Indiz dafür, dass diese magere, aber sicherlich nicht billige Performance von Deep Impact intern ein Thema ist. Ganz abgesehen davon, dass diese Ämterkumulation Grundprinzipien von Corporate Governance widerspricht.

Der Besitzer einer Firma verkauft einer anderen Firma sein Produkt – wo er Geschäftsführer ist

Der CEO und Gründer des wichtigsten IT-Lieferanten eines Mediums ist gleichzeitig Geschäftsführer bei diesem Organ? Würden die leider bislang überhaupt nicht hartnäckig recherchierenden Mitarbeiter des Online-«Nebelspalter» auf solche Zustände bei der Analyse einer Firma stossen, könnten sie für einmal zu Recht ihrer Meinung dazu freien Lauf lassen.

Da steht Corporate Governance Kopf.

Vorwürfe wegen Rassismus gegen den Nebi sind natürlich absoluter Quatsch. Ernst zu nehmen ist die Kritik, dass er bis jetzt Altbekanntes serviert, gemixt mit viel Meinung und wenig Fakten, dazu viel zu lang. Nichts Überraschendes, Anregendes, Aufregendes.

Was sich in Sachen Qualitätskontrolle, Checks and Balances und auf rein handwerklicher IT-Ebene abspielt, ist – nebulös? Nein, das ist aschgrau.

Jeder Medienkonzern, der die gleichen Fragen gestellt bekäme, würde vielleicht nebulös, aber garantiert antworten. Weil er das auch durch seine Mitarbeiter bei anderen verlangt. Weil sich das einfach gehört. Aber lächelnde, schweigende Arroganz ist immer ein ganz, ganz schlechtes Zeichen. Das spaltet den Nebel tatsächlich, aber dahinter enthüllt sich kein schöner Anblick.

Wahnvorstellungen im Nebel

Eines hat der neue «Nebelspalter» schnell geschafft: dass seine Gegner sich lächerlich machen.

Über die Humorfähigkeit von Markus Somm und seiner Internetversion des «Nebelspalter» kann man geteilter Meinung sein. Der bisher einzig richtige Brüller passierte unbeabsichtigt, als der hochwohllöbliche VR-Präsident, grosse Bach-Liebhaber und ganz allgemein kultivierte Mensch aus Versehen in seinem Werbemail zu seinem ersten Artikel als Link auf eine Porno-Webseite verwies.

Die Gegnerschaft machte sich selbst schon zweimal lächerlich. Zum einen, als die «Republik» 55’000 Anschläge darauf verwendete, um zu zeigen, dass Constantin Seibts Sprachdurchfall immer pathologischer wird. Und die Allzweckwaffe aus dem Hause Tamedia lieferte auf Wunsch sein Spezialwerk ab: einen Verriss, völlig ohne Fakten, aber voll von Behauptungen, Unterstellungen und mieser Meinung. So kennt man Andreas Tobler oder seinen Bruder im Geist Philipp Loser. Ein Duo infernale, das das Niveau bei Tamedia noch mehr senkt, als es 78 aufgeregte Frauen können.

Aber das alles verblasst vor der neusten Schmonzette, vor dem nun restlos gelungenen Versuch, sich öffentlich zum Deppen zu machen. Zum Vollidioten. Wie hat der «Nebelspalter» das geschafft? Eigentlich, das muss Markus Somm zugeben, unabsichtlich.

Langsam aufsteigender Antirassismus

Denn, es trug sich Folgendes zu. Der Print-«Nebelspalter» veröffentlichte in seiner Februar-Ausgabe die Karikatur eines bekannten deutschen Karikaturisten. Der arbeitet unter anderem für die taz (das ist die deutsche WoZ, nur täglich), oder für «Die Zeit». An seiner linksliberalen bis linken Haltung gab es bislang nicht den geringsten Zweifel. Bis Somm auf die Idee kam, auf der verzweifelten Suche nach Satire in seiner Ausgabe, diese Karikatur vom Print-Nebelspalter zu übernehmen.

Man muss noch hinzufügen, dass sie damals bei ihrer Veröffentlichung null kritische Reaktionen bewirkte. Null. Die Karikatur blieb die Gleiche, aber der Absender änderte:

Zum Unglück sind die Antirassisten denkscheu.

Was im Print-Nebelspalter ging, geht im Somm-Nebelspalter nicht. Denn plötzlich ist diese Karikatur «rassistisch», «menschenverachtend», «widerlich», in einem Wort, eine «Schande». Nun, schnell erregte Idioten im Internet sind eine unangenehme Begleiterscheinung der Möglichkeit, dass jeder Depp Multiplikatoren für seine Ansichten findet, und seien die noch so hirnlos.

Aber wenn es gegen rechts, gegen Rassismus, also in einem Wort gegen Somm geht, brechen alle Staudämme, die normalerweise nicht völlig verblödete Leute davon abhalten, sich selbstverschuldet in aller Öffentlichkeit so lächerlich zu machen, dass sie eigentlich in ein Sabbatical müssten, hätten sie etwas Ehre im Leib.

Den Shitstormtruppen höseln Intellektuelle hinterher

Das fehlt aber der schreibenden Schmachtlocke Daniel Binswanger ebenso wie ein Rückgrat. Also greift er in die unterste Schublade des Denunzianten und wendet sich an Operation Libero und deren Co-Präsidentin Laura Zimmermann. Die wagt es nämlich, mit Markus Somm vor laufender Kamera verbal die Klinge zu kreuzen. Früher nannte man das Debatte, heute nennt das Binswanger: «Willst Du wirklich widerlichen Rassismus legitimieren Laura?» Kommaschwach, aber meinungsstark behauptet die Fönfrisur, dass es «widerlichen Rassismus» im Nebi gäbe, was ihm aber in der Print-Ausgabe nicht aufgefallen ist.

Vielleicht war er da gerade beim Coiffeur. Und von der absurden Prämisse, einem linken «taz»-Karikaturisten «widerlichen Rassismus» vorzuwerfen, setzt er noch das Stück aus dem Tollhaus drauf, Laura Zimmermann zu unterstellen, sie legitimiere das.

Rapper Knackeboul, der auch vorher nicht durch intellektuelle Glanztaten auffiel, twittert, dass der Nebi jetzt von «Nazis geführt» werde. Wahrscheinlich spekuliert er zu Recht darauf, dass für ihn mildernde Umstände gelten und er deshalb weder für voll, noch ernst genommen wird.

Ein echter Professor Unrat wie von Heinrich Mann

Aber dann gibt es noch den Professor Ratlos Philipp Sarasin. Der hat mit Somm und überhaupt der rechten Presse noch ein persönliches Hühnchen zu rupfen, also zittert und twittert er sofort mit: «Das ist ja echt nicht zu fassen. Was für eine Schande.» Nein, lieber Professor Unrat, die Schande ist, dass ein Flachdenker wie Sie auf Kosten des Steuerzahlers harmlose Studenten mit seiner Unfähigkeit als Geschichtsprofessor quälen darf. Denn was können die von ihm lernen, wo er doch stur behauptet, dass weder die Position, noch die empörte Reaktion des Zeichners, dass das überhaupt nicht rassistisch sei, eine Rolle spiele, das als «nicht relevant» abtischt.

«Mir scheint, das ist eine komplette Schutzbehauptung des Zeichners», donnert er zu Tamedia vom Katheder. Meiner Treu, wenn er seinen Studenten den Beginn des Zweiten Weltkriegs erklären will, sagt er dann auch, «seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen» sei eine Schutzbehauptung gewesen?

Einmal ist keinmal, zweimal ist Rassismus

Ist das zu fassen? Eine Wiederholung einer Karikatur, die zuvor schon im «Nebelspalter» erschien, dessen Chefredaktor sich ebenfalls als Linker outet und keinerlei Rassismus in ihr erkannt hat (ebenso wie alle seine Leser), ist ebenfalls fassungslos über diesen Shitstorm.

Jedem Deppen ist es erlaubt, auch öffentlich zu zeigen, dass er ein Depp ist. Was ist aber davon zu halten, wenn sich gefönte Journalisten und gesalbte Professoren ebenfalls zum Deppen machen? Beim Journalisten müssen das die «Verleger» der «Republik» entscheiden. Bei Professor Sarasin ist es entschieden schwieriger, ihn davon zu überzeugen, dass das Gehalt seiner Lebensgefährtin doch auch für zwei reicht.

Buster Keaton auferstanden im Nebelspalter?

Ihm gelänge es wenigstens, angesichts dieses Erstauftritts eine regungslose Miene zu behalten.

«Unfreiwilliger Humor kommt gerne in Gazetten vor.» Wer hat’s erfunden? Der «Nebelspalter». Das ist dann aber auch schon das einzig Lustige, das vom Start zu vermelden ist.

Der Präsident des VR von «Klarsicht», der Herausgeber des neuen «Nebelspalter», greift gerne selbst in die Tasten. Konrad Hummler war über Jahre hinweg der Autor der intelligentesten Anlegerkommentare, zudem ein literarisch hochstehendes Lesevergnügen. Dann Herausgeber der «Bergsicht», die diese Tradition weiterführte.

Daneben lebte er seine Formulierlust gelegentlich in der NZZ aus. Nun hat er wieder einen eigenen Spielplatz. Verständlich, dass er seine Freunde und Bekannte über das Going Life des neuen Online-«Nebelspalters» informierte und gleich Werbung für sein erstes Stück machen wollte. «Mit Knoblauch zu mehr Substanz» heisst sein Ratgeber für die FDP, der er einen Kurswechsel empfiehlt.

Nun ist es leider so, dass Markus Somm wenig von Humor oder Satire und noch weniger vom Internet versteht. Konrad Hummler hat Humor, aber auch ihn kann man nicht als Digital Native bezeichnen.

Ein einziger, aber unfreiwilliger Brüller am Ersterscheinungstag

Also landete der «Nebelspalter» den ersten und einzigen Brüller am ersten Tag – unfreiwillig. Offenbar stand der Link zum Hummler-Artikel noch nicht fest, als er sein Mail schrieb. In solchen Fällen ersetzt man die Leerstelle durch xxx. Das wird dann brüllend komisch, wenn dieser Platzhalter in einer Webadresse steht www.xxx.ch – und nicht ersetzt wird. Jeder, der mag, kann schauen, was hinter diesem Link steht.

Es habe sich ein Link «eingeschlichen», korrigierte Hummler schnell, von einer «Internetseite, von der wir lieber nichts wissen wollen». Dann lieferte er den richtigen Link nach und dankte «wie immer für kritische Lektüre und Kommentierung». Allerdings: wie bei der vorher verlinkten Webseite gilt auch hier: zuerst bezahlen, dann glotzen.

Kein Altherrenwitz.

Was liess man sich sonst noch für den entscheidenden Moment der Erstauftritts einfallen? Die Verteilung von «Nebelsuppe», die dann doch eine Kartoffelsuppe war, am Bellevue in Zürich. Für Ortsunkundige: in der Nähe der NZZ, bei der Somm auch mal hätte Chefredaktor werden sollen. Und Hummler VR-Präsident war.

Dass CH Media und Tamedia Somm auch hier – wie bei seinem Start mit der BaZ – mit Häme übergiessen würden, war klar. Dass er es ihnen, im Gegensatz zu seinem erfolgreichen Wirken bei der BaZ, so einfach machen würde, das hätte niemand erwartet.

Auch Hinrichtungsversuche können unfreiwillig lächerlich sein

Natürlich gibt es indiskutabel blöde Hinrichtungen, das Stichwort für den Auftritt von Andreas Tobler. Die Allzweckwaffe des Hauses Tamedia kanzelt Somm als «bekennenden Liberalen und Libertären» ab. Entweder weiss Tobler nicht, was der Unterschied ist – oder es ist reine Bösartigkeit, das zu behaupten. Denn diese Unterstellung soll nur das Folgende einleiten: «Das ist Somms bekannte Position: gegen den Staat – auch in der Corona-Pandemie – und für eine deregulierte, ergo anarchische Marktwirtschaft.»

Allerdings hat ausser Tobler noch nie jemand von dieser anarchischen Position von Somm gehört. Dann wirft er dem Gastautor Stefan Millius vor, auch «Halbgares und Lauwarmes» zu präsentieren. Toblers Lieblingsnummer: faktenfrei, aber meinungsschwer Unsinn fabulieren.

Er kann es sogar nicht lassen, auch noch der NZZ ans Bein zu pinkeln, die mit «knalligen rechten und sonstwie reaktionären Positionen» ihren Heimatmarkt bewirtschafte. Eigentlich ein weiterer gelungener Scherz des «Nebelspalter»: Dummschreiber Tobler bestätigt haargenau, was Somm den Mainstreammedien vorwirft.

Aber es geht auch mit Niveau

Auf ganz anderem Niveau kritisiert Christian Mensch bei CH Media. Er bringt die inhaltliche Kritik gnadenlos auf den Punkt:

«Es ist ein Feuerwerk der Ideenlosigkeit, mit der das alt-neue Medium seine Plattform freigeschaltet hat. Eine Boygroup von Journalisten, die er in seiner Zeit als Chefredaktor der «Basler Zeitung» um sich geschart hat, verfasste eine Reihe von meinungsstarken, rechercheschwachen und damit überraschungsfreien Beiträgen in jenen Themenfeldern, in denen sie sich heimisch fühlen

Zu ergänzen bleibt nur: noch nie hat ein Neuauftritt, eine Premiere von was auch immer, ausserhalb von Kino, Oper und Theater, es gewagt, vom ersten Tag an alles – ausser Videos und einen ellenlangen «wer sind wir»-Text – hinter eine Bezahlschranke zu stellen. Das kann man als originell bezeichnen – oder als vollbescheuert.

Selbst Verlage wissen seit der Erfindung des Buchdrucks, dass es ungemein helfen kann, Rezensionsexemplare zu verschicken. Wenn schon nicht fürs Publikum, was aber auch nicht kreuzfalsch wäre, dann doch wenigstens für Multiplikatoren, vulgo Journalisten, hätte es doch eine Einladung zum Herumstöbern geben müssen.

Aber eigentlich wäre man nur dann von der Internet-Kompetenz der Macher überzeugt, wenn sie den ersten Tag, die erste Woche, den ersten Monat als Appetithäppchen gratis angeboten hätten. Denn wenn sie so von ihrem Produkt überzeugt sind, wie sie behaupten, müssten sie wissen, dass das die beste Werbung ist. Wenn sie etwas vom Internet verstünden, wüssten sie, dass das im Gegensatz zum Verschicken von Büchern – gratis ist.

So aber steht der potenzielle Leser und Kunde wie der Ochse vor dem Berg vor der Bezahlschranke. 1.60 pro Artikel (was absurd teuer ist) oder 16 Franken für alles während eines Monats (was in Relation absurd billig ist).

Prinzipien der Marktwirtschaft

Jeder Verkäufer muss von der Qualität seines Produkts überzeugt sein. Jeder Verkäufer weiss, dass er die Kunden anlocken muss, in übervollen Märkten. Vor allem, wenn es Somm trotz aller Eloquenz nicht gelingt, verständlich zu machen, wozu es eigentlich den neuen «Nebelspalter» genau braucht und wo seine Marktlücke, seine USP wäre.

Ich habe die 16 Franken nicht bezahlt, also kann ich leider weder Hummler Feedback zu seinem Artikel, noch Somm zu seinen geradezu egozentrischen Multiauftritten geben. Ausser zwei sicher unwillkommenen Ratschlägen kann ich nichts zum Erfolg beitragen.

Um dieses Desaster des Erstauftritts wegzustecken und zu tun, als wär’ da nix, braucht es einen Gesichtsausdruck wie von Buster Keaton.

So lustig kann ein trauriges Gesicht sein. So traurig kann ein nicht-lustiger «Nebelspalter» sein.

Selbst die nun nicht wirklich marktwirtschaftlich-liberal orientierte «Republik» wusste, wie man die eigene Randgruppe heiss macht und dazu verleitet, das Portemonnaie zu zücken. Die Ähnlichkeit besteht darin, dass beide Organe dank zahlungswilligen Investoren starten konnten. Bei der «Republik» im Wesentlichen ein Brüderpaar, beim «Nebelspalter» ein Sack Flöhe von 70 Investoren.

Wunder gibt es immer wieder – hoffentlich

Aber wenn lupenreine Vertreter der liberalen Marktwirtschaft, die nicht an die eigene Mission, sondern an die entscheidende Reaktion des Marktes glauben ­– trifft das Angebot auf genügend Nachfrage –, dermassen den Start versemmeln, zudem weitgehend humorfrei, dann kann man nur auf Wunder hoffen. Denn für eine wirkliche Lernkurve, dafür sind die Beteiligten zu selbstüberzeugt, und wenn sie in der kurzen, aber ausreichenden Vorbereitungszeit das Funktionieren des Internets nicht kapiert haben, dann werden sie das wohl auch nicht schaffen, bevor das Startkapital aufgebraucht ist.

Que pena, sagt man auf Spanisch in solchen Fällen, welcher Schmerz, welche Pein, dermassen enttäuscht worden zu sein, und das auch überhaupt nicht lustig zu finden.

 

 

 

Der neue Nebelspalter: verhüllt im Nebel

Eigentlich hätte hier die erste Rezension des heute neu im Internet aufgepflanzten Nebelspalter stehen sollen.

Aber wir konnten nicht rechtzeitig eine Bezahlschranke hochziehen, tut uns Leid.

Manchmal muss man etwas sehen, um es zu glauben. Wie angekündigt, steht seit heute Morgen früh der neue Auftritt des «Nebelspalter» im Netz. Eine Fülle von Artikeln, aufgeräumt dargestellt.

Ein Jugendstil-Logo, das sich vom Print-Nebelspalter deutlich abhebt. Eine Fülle von Artikeln, oder sagten wir das schon? Aber unter jedem das:

Ohne Bezahlung sagen wir nix dazu.

Ausser bei einer ellenlangen Erklärung, «wer wir sind». Ausser bei einem ellenlangen Interview von Reto Brennwald mit – Überraschung – Markus Somm, dem Chefredaktor und Mitbesitzer. Um die Modernität zu unterstreichen, sind noch weitere Videocasts ohne Bezahlung anzuschauen.

Was nichts kostet, ist nicht viel wert

Da gilt aber leider: was nichts kostet, ist nicht viel wert. Während sich Somm fast eine Stunde mit Brennwald ausspricht, dauert die Sendung «Friendly Fire» immerhin nur eine halbe. Und die Video-Blogs von Tamara Wernli oder «Gioia spricht Klartext» nur ein paar Minuten. Kommen einem aber auch wie gefühlte Halbstünder vor.

Ich habe beide leider nicht verstanden, und Somms Auftritte sind zu lang für eine Kurzkritik.

Daher kommen wir bereits zur zusammenfassenden Würdigung. Es ist – vom liberalen. neoliberalen oder welchem Standpunkt auch immer – absurd, ein neues Projekt so zu starten, dass der Konsument zuerst Eintritt bezahlen muss, bevor er das Angebot visionieren darf.

Es ist hirnrissig, nur ellenlange Selbstdarstellungen plus die dem Zeitgeist geschuldeten Kurzauftritte von zwei Frauen als Appetithäppchen (vielmehr -happen) zu servieren. Es ist zumindest der Eile geschuldet, dass man sogar wählen kann, ob man «Friendly Fire» als Video oder als Podcast konsumieren will.

Es ist abschreckend, dass selbst der dritte Auftritt von Somm, das Editorial, hinter der Bezahlschranke versteckt ist.

Möglicherweise werde ich mich entscheiden, die 16 Franken (waren es nicht mal 18?) abzudrücken.

Aber ein Witz ist Somm und seiner Mannschaft gelungen.

Sigmund Freud definiert ihn als enttäuschte Erwartungshaltung.