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Schweizer Literaturpreis für 100 Exemplare

Bund fördert Bonsai-Schriftsteller.

Billy Wilder: «Preise sind wie Hämorrhoiden. Irgendwann kriegt jeder Arsch einen.» Das Zitat bezieht sich zwar auf Filmemacher, bei Schriftstellern gilt die Regel umso mehr.

Hämorrhoiden suchen sich die Ärsche nicht nach Schönheit oder Inhalt aus. So ziemlich jedes Buch kann mit etwas Anstrengung einen Preis kriegen. Man braucht nur ein Telefonbuch (übrigens, auch preiswürdig).

Eigentlich könnte der Schweizer Literaturpreis etwas Besonderes sein. Der Eidgenössische Preis schüttet je 25’000 Franken an die Prämierten aus. Die Gewinner sollen zudem von Fördermassnahmen profitieren, «um ihre Werke in der Schweiz und im Ausland bekannt zu machen.» Im richtigen Leben sieht die Reihenfolge anders aus. Zuerst macht man sich einen Namen als Schriftsteller und dann kommt der Regenschauer.

Schaut man sich die Gewinner von 2021 an, gerät man ins Wanken: Wer zum Teufel sind die? Zum Beispiel: Levin Westermann. Der 40-Jährige hat von seinem prämierten Buch «bezüglich der schatten» etwa 318 Exemplare verkaufen können. Die Daten stammen vom Unternehmen Media Control. Nicht eingerechnet sind die Verkäufe via Flohmarkt. Noch brutaler sieht es aber bei Benjamin von Wyl aus. Sein Buch heisst «Hyäne – eine Erlösungsfantasie». Passender wäre «Einschlafhilfe» gewesen. Das Büchlein ging 96 Mal über die Theke.

Kein Wunder, dass sich Verleger in der Schweiz an die Haare greifen. Einer der grössten Verleger schrieb auf Anfrage von Zackbum:

«Es ist geradezu stossend, mit welcher Unkenntnis das Bundesamt für Kultur (BAK) Autorinnen und Autoren auszeichnet. Es ist schlicht jenseitig.»

Doch nicht nur die Gewinner geben ihm zu denken, sondern auch die Jury: «Ich muss es leider drastisch sagen: In keinem Departement herrscht wohl mehr Unkenntnis über das eigene Tun als beim BAK.»