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First we take München

Und dann irgendwann Zürich.

Früher galt für Sonntagszeitungen: Die Zeitung sollte nicht mehr als ein Kaffee im Restaurant kosten. Mittlerweile hat sich auch das geändert. Der Kaffee im Restaurant kostete 2019 in der Deutschschweiz durchschnittlich 4,22 Franken.

Die Sonntagszeitung hingegen kostet heute 5 Franken. Für den Betrag gibt es in vielen Restaurants sogar ein «Kafi-Gipfeli». Ist die Sonntagszeitung so viel wert? Spätestens seit Anfang 2017 ist diese Frage nicht mehr von ketzerischer Natur, sondern gewinnt immer mehr und mehr an Brisanz. Seit bald vier Jahren teilen sich die «Süddeutsche Zeitung» und der «Tages-Anzeiger» nämlich ein gemeinsames Korrespondentennetz. Die Eigenleistung sinkt stetig.

Wer beide Zeitungen genau liest, erkennt mehr und mehr Artikel, die bereits in der Süddeutschen gelaufen sind und dann mit ein paar Tagen Verspätung in den Titeln der TX Group kommen. Das betrifft den «Tagi», das «Tagimagi» und leider auch das «Flagschiff» Sonntagszeitung.

Wittwer-Geschenk nach München

Umgekehrt hingegen habe ich in der «Süddeutschen» selten einen Artikel eines TX Group-Journalisten gelesen. Ausnahme ist Italien-Korrespondent Oliver Meiler. Der wichtigste Transfer nach München ist eigentlich nur die ehemalige Tagi-Chefredaktorin Judith Wittwer, die in der Redaktion der «Süddeutschen» publizistisch bisher wenig auffiel und als erstes einen grossen Stellenabbau ankündigte.

Zurück zur Sonntagszeitung. Im wichtigen «Fokus»-Bund wurde gestern auf einer Doppelseite das Phänomen des K-Pops erörtert. Autor ist Jakob Biazza von der Süddeutschen. Der Artikel erschien natürlich bereits in seinem Blatt; zwei Tage vor der Sonntagszeitung.

Das Ärgerliche an der Sonntagszeitung ist aber, dass sie den Artikel falsch aufsetzte. Im Lead der Süddeutschen steht:

Pop aus Korea setzt an der Börse gewaltige Summen um. Er beeinflusst die US-Wahl und ist Traumfabrik und Mühle, die ihre Protagonisten auspresst – manchmal bis zum Tod. Über Musik am Limit.

Drei Sätze, drei Schüsse. Da ist alles verpackt: die Strahl- und Wirkungskraft der Songs. Die bittere Kehrseite des Erfolgs und auch die wirtschaftliche Seite.

Die Sonntagszeitung setzte folgenden Lead auf:

Koreanische Musik erobert gerade die Welt. Zum Beispiel BTS: Die Umsätze der Band machen 0,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts Südkorea aus. Was steckt hinter dem phänomenalen Erfolg?

Wie viel Alkohol steckte eigentlich hinter, beziehungsweise in der Sonntagszeitung-Redaktion? Koreanische Musik erobert nicht «gerade» die Welt. Der südkoreanische Titel «Gangnam Style» zum Beispiel erzielte auf Youtube als erstes Video über eine Milliarde Zugriffe. Das war 2012. Guten Morgen, Zürich. Und wie interessant ist die Kennziffer 0,3 Prozent? Das entspricht 3 Promille und gibt vielleicht den Alkoholgehalt des Leadtexters an.

Also, wenn schon SZ-Texte mit ein paar Tage Verspätung übernommen werden, dann bitte auch gleich den Lead kopieren. Oder den gelieferten Text zweimal genau durchlesen.