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Wutbürger erbrechen sich ins Netz

Kommentarfunktion ist so eine Sache. Social Media oder Chatgruppen ist eine schlimme Sache.

Früher regelte der Rechthaber die Angelegenheiten der Welt und seine eigenen am Stammtisch. Mit zunehmendem Alkoholpegel gerne auch ausfällig. Sein Chef? Vollidiot. Andere Autofahrer? Haben das Billett wohl in der Lotterie gewonnen. Die Welt? Alles immer schlimmer, früher war noch, heute ist nicht mehr.

Die Politik, die Politiker? Alles Versager. Gekauft. Eine Schande. Auch Vollidioten. So ging der Abend dahin, dann noch eine Stange*, der schwankende Gang nach Hause. Am nächsten Morgen dröhnte etwas der Kopf, und dann diese Bierfahne. Aber alles wieder gut. Mal ein anonymes Drohschreiben abschiessen? Tippen, eintüten, Adresse suchen, frankieren, ach was, zu viel Aufwand.

Gibt’s immer noch, aber immer weniger.

Seit Internet ist das anders. Ganz anders. Als vor vielen Jahren es einer wagte, die ganzen Kommentarmöglichkeiten und die Belästigung von Hunderten Millionen Menschen mit aggressiver Idiotie als «die Pissoirwand des Internets» zu bezeichnen – schäumten die Kommentatoren auf.

So empfinden es heute noch viele als ihr Menschenrecht, das Niveau in jeder beliebigen Diskussionsrunde auf unterirdisch zu senken. Und kreischen auf, wenn man ihnen das verwehrt: Zensur, Angst vor anderen Meinungen, kein Gegenargument, unverschämt.

Es gibt immer mehr geschlossene Zirkel im Internet

Zu ihrem Glück gibt es nicht nur Social Media, sondern immer mehr Plattformen, in denen man sich in Gruppen von Gleichgesinnten zusammenballen kann. Da fault man dann gemeinsam unter Luftabschluss vor sich hin, fühlt sich aber wohl ohne jeden Widerspruch.

Das mag der Psychohygiene dienen und entlastet vielleicht ein wenig die Krankenkassen. Aber es hat mehr unangenehme bis gefährliche Auswirkungen als therapeutische.

«Volksverräter, Verbrecher, wie Sie es sind, gehören vor den Richter, enteignet und öffentlich ERSCHOSSEN! Die Bilder der Hinrichtung müssen im Bundeshaus für immer gezeigt werden.»

«Wir wissen, wo deine Kinder zur Schule gehen»

«Teufelsbrut von Bern»

«Gefängnis? Nicht genug für diese Kreatur».

In der vermeintlichen Sicherheit der Anonymität einer fiktiven Adresse lässt der Wutbürger ungeniert alles fahren, was er jemals über Höflichkeit und Anstand gelernt hat. Auch das Strafrecht kümmert ihn einen Dreck, er sieht sich gut geschützt als feiger Pöbler. Das kann aber täuschen, denn wer so durchrastet, ist meist nicht gerade ein Intelligenzbolzen.

Corona ist auch im Hirn ansteckend

Bedenklich ist aber, dass die Menge, die Massivität und die Hemmungslosigkeit zunimmt. Insbesondere seit Corona. Da beharken sich Befürworter und Gegner der Massnahmen mit einer Intensität kurz unterhalb der Kernschmelze.

Je nach Blickwinkel ist der andere ein Mörder, fahrlässig, egoistisch, ein Idiot, wenn er schärfere Massnahmen befürwortet – oder Lockerungen. Früher wurde geschrien, heute wird gekreischt.

Das trifft natürlich fast jeden, der etwas den Kopf aus der Masse heraushält. ZACKBUM, mit seiner überschaubaren Einschaltquote und dem rigiden Moderieren aller Kommentare, hat’s eher leicht. Wer mehrfach auffällig wird – ohne dass seine Kommentare publiziert würden – kommt auf die Blacklist, und Ruhe herrscht. Ist er clever genug, eine neue Fake-Mailadresse zu verwenden, kommt auch die auf die Blacklist, und gibt er immer noch nicht Ruhe, wird er darauf  aufmerksam gemacht, dass die IP-Adresse des Absenders einiges über ihn verrät.

Aber Politiker erhalten inzwischen ganze Wagenladungen von Drohungen, Beschimpfungen, gegen sie selbst und sogar gegen ihre Familie. Gerne wird auch die Privatadresse veröffentlicht, mit dem Hinweis, es dort diesem Versager mal richtig zu geigen. Das hat die NZZ mal wieder auf einer ganzen Seite beleuchtet.

Erschreckend ist vor allem, dass auch immer mehr Ämter aufrüsten. Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich lässt eine «Einlassvorrichtung» einbauen, damit steht sie nicht alleine da. Die meisten Parlamente haben – nach dem Amoklauf von Zug – schon längst physische und elektronische Eingangsbarrieren.

Wir nähern uns langsam den USA, wo vor dem Betreten einer Schule oder eines Amtes immer öfter Kontrollen durchlaufen werden müssen, die einem Flughafen in nichts nachstehen.

Neue Kampffelder für Drohungen kommen hinzu

Es eröffnen sich auch neue Kampffelder. Während früher der Kontakt mit dem Steueramt überschaubar war, müssen immer mehr Menschen eine Stundung der Steuerschulden beantragen. Eine neue, belastende Situation, die vor dem Schalter (persönliches Erscheinen erwünscht) ausgelebt wird. Mit Beschimpfungen und Drohungen; vor Weiterungen schützt die Glasscheibe.

Nicht hilfreich ist, dass die Sanktion solcher verbaler Amokläufe aufwendig und oftmals erfolglos ist. Die Bundesanwaltschaft, zuständig für Drohungen gegen Bundesräte und Parlamentarier, verzeichnet einen deutlichen Anstieg. Sie hat mehrere Strafverfahren eingeleitet. Zu einer Verurteilung ist es – noch nicht gekommen.

*Der ursprünglichen Ausdruck Tschumpeli wurde ersetzt; unsere Leser sind Alkoholkenner.

Google? Facebook? Gibt’s das?

Der Schweizer Staat will den notleidenden Medien helfen.

Womit? Mit Geld natürlich. In Form von Subventionen von diesem und jenem. Die Verleger, zerstritten wie sie sind, können sich nicht einmal untereinander einigen, wohin die Giesskanne genau gerichtet werden soll und welche Pflänzchen begossen werden und welche nicht.

Überraschenderweise haben unsere Parlamentarier immerhin zur Kenntnis genommen, dass es seit 30 Jahren ein sogenanntes Internet gibt und darin auch News distribuiert werden.

Dass bislang nur solche Plattformen mit Batzeli bedacht werden sollen, die von ihren Kunden Geld sehen wollen, gehört wieder in den Bereich von Kannitverstan. Eine «Republik» bekäme dann über eine Million aus der Staatskasse, Gratis-Angebote wie «watson», «20 Minuten online», «Inside Paradeplatz», «Die Ostschweiz» oder auch ZACKBUM.ch keinen Rappen.

Den Verlagen ist nicht zu helfen

Aber das ist natürlich nur ein Nebenwiderspruch, wie Marxisten-Leninisten sagen würden. Denn der Hauptwiderspruch ist, dass den Verlagen so gar nicht zu helfen ist. Darin ist für einmal nicht der Staat schuld, sondern die Verlags-Chefetage.

Denn wer bislang meinte, Schweizer Banker in führenden Positionen seien an Inkompetenz nicht zu übertreffen, muss sich eines Besseren belehren lassen. Auch in der Chefetage von Verlagen wird unablässig versucht, das Wort Dummheit zu steigern.

Das äussert sich in einem offensichtlichen Problem, das dicker als ein Elefant mitten im Raum steht, aber von allen Beteiligten konsequent übersehen wird, nach der Devise: Elefant? Was für ein Elefant, wir sehen keinen Elefanten. Wer einen sieht, muss wohl irgendwas nicht Legales geraucht haben.

Der Elefant hört sogar auf verschiedene Namen

Nein, muss man nicht. Der Elefant ist da, ist dick und feiss und hört sogar auf Namen. Er wackelt mit den Ohren, wenn man Google sagt. Er schüttelt den Rüssel, wenn man Facebook sagt. Und wenn man Suchmaschinen und soziale Plattformen sagt, dann nickt der Elefant zustimmend.

Und dann saugt er weiter völlig ungestört fast 90 Prozent aller Einnahmen aus dem Online-Werbemarkt. Wie bescheuert das ist, sei an einem kleinen Vergleich erklärt.

In den guten alten Zeiten, als es noch kein Internet gab, begab sich eine Werbewilliger auf die Inserateannahme einer Zeitung. Dort lieferte er sein Inserat ab und bezahlte je nach Grösse oder Schikanen wie mit Bild, farbig, bestimmte Platzierung, einen hübschen Batzen Geld.

Wieso tat er das? Weil er wusste, dass das Trägermedium seines Inserats durch dessen Eigenleistung, nämlich dem Herstellen von News, genügend Aufmerksamkeit erzielt, die dann auch seiner Werbung zu Gute kommt. Streuverlust, Wahrnehmung, Zielpublikum, all das waren Dinge, über die Werbeagenturen stundenlang quatschen konnten, aber die nicht wirklich messbar waren.

Die Trägerplattform kassiert die Werbefranken?

Natürlich kassierte das Organ, in dem das Inserat erschien, das Geld. Minus Aufwand von Entgegennahme bis Druck und Distribution, ein hübscher Reingewinn. Dann wurde es den Zeitungen zu blöd, den ganzen Aufwand selber zu betreiben, sie beanspruchten die Dienstleistungen von darauf spezialisierten Firmen, die sich dafür natürlich ein Stückchen vom Kuchen abschnitten, so zwischen 5 bis 10 Prozent des Werbeaufwands.

Halt die typische Position des Middle Man, des Vermittlers, des Scharniers zwischen Kunde und Dienstleister. In der Chefetage der Verlage hätte man sich schlapp gelacht, wenn der Mittelsmann verlangt hätte, dass er 90 Prozent der Einnahmen kassiert. Nach dem Gelächter wären Worte gefallen wie unverschämt, unglaublich, was meint der denn, niemals.

Es wäre vor allem erklärt worden: Wir, die Verlage, stellen doch die Plattformen zur Verfügung, auf denen Werbung Wirkung entfaltet, und dafür geben wir auch eine hübsche Stange Geld aus. Also steht uns auch der Löwenanteil der Werbeeinnahmen zu. Ist doch logisch.

Die Butter vom Brot und auch das Brot

Wäre logisch, ist es aber nicht. Die Verlage lassen sich von Google, Facebook & Co. nicht nur die Butter vom Brot nehmen, sondern geben sich mit ein paar Brosamen zufrieden. Während die grossen Gewinner einen kleinen Teil ihres Profits darauf verwenden, ihre Algorithmen immer besser zu machen, damit sie den Inserenten immer besser garantieren können, dass deren Werbung zielgenau abgeschossen wird.

Alter, Geschlecht, Kaufkraft, Konsumverhalten, Vorlieben, Bewegungsprofile, das Datenmeer, das aus dem Unwissen der meisten Benutzer des Internets gewonnen wird, wird gesiebt, geordnet, analysiert. Während die breite Masse bis heute meint, Google & Co. seien gratis, dabei aber mit der neuen Weltwährung bezahlt: mit Daten.

Einfach zuschauen bringt nicht viel

Das ist deren Problem. Das Problem der Verlage ist aber, dass sie diesem Treiben von Google & Co. einfach zuschauen. Und zwar nicht erst seit gestern. Sondern seitdem es Google & Co. gibt. Und auf die Frage, wie es denn sein kann, dass der Mittelmann sich 90 Prozent abgreift, während der grossartige Content Provider, der mit einigem Aufwand die Distributionsplattformen betreibt, sich mit Brosamen begnügt, zucken diese hochbezahlten Manager nur hilflos mit den Schultern.

Da könne man halt nix machen, das sei natürlich unschön, aber ein weltweites Problem, besser Brosamen als gar nichts. Dabei tun sie so, als wäre es sozusagen ein neues Naturgesetz, dass der Mittelsmann sich dumm und dämlich verdient. Da wollen wir aber ein wohlgehütetes Geheimnis verraten: Ist es nicht. Muss nicht sein. Geht auch anders. Man muss halt erfinderisch sein.

Ein obsoletes Geschäftsmodell künstlich am Leben erhalten?

Aus diesem Grund ist der Versuch des Schweizer Staats, den notleidenden Medien unter die Arme zu greifen, nicht nur zum Scheitern verurteilt. Sondern er wäre ein weiteres Beispiel dafür, was staatliche Subventionen eben nicht tun sollen: ein obsolet gewordenes Geschäftsmodell künstlich am Leben erhalten. Geld in ein schwarzes Loch zu werfen, während die Verlage munter weiter sparen und Journalisten abbauen.

Statt solchem Gemurkse könnte man sich vielleicht auf die Grundlage der Marktwirtschaft besinnen. Welche? Na, eine, auf die die Verlagsmanager erst mal wieder kommen müssen. Wenn es Nachfrage gibt, gibt es auch Angebot. Wenn es Nachfrage nach Informationen gibt, in jeder Form und in jedem Niveau, dann gibt es auch ein Angebot dafür.

Ein bescheuertes Geschäftsmodell

Ach, und wie der Anbieter dann Geld damit verdienen kann? Nun, indem er von seinem bescheuerten Geschäftsmodell im Internet Abstand nimmt. Denn ein Modell ist einwandfrei bescheuert, bei dem einer mit einigem Aufwand eine Plattform bastelt, die durch sie generierten Werbeeinnahmen aber von einem anderen weggeschnappt werden.

Das ist ungefähr so bescheuert, wie wenn die Migros, könnte auch Coop sein, sagen würde: Lieber Konsument, du hast zwei Möglichkeiten. Entweder gehst du in unseren Laden und kaufst dort den Liter Milch und bezahlst an der Kasse. Oder aber, du bestellst ihn online, dann liefern wir ihn dir gratis nach Hause, umsonst. Ach, und die Werbung, die draufgeklebt ist, den Platz haben wir auch verschenkt.

Wenn das ein Migros-Manager als neues Erfolgsmodell vorschlagen würde, würde man ihn ruhigspritzen und vorsichtig von zwei weissgekleideten Pflegern aus dem Raum führen lassen. In den Chefetagen der Verlage kann man damit Millionengehälter verdienen.

Der Chor der Klagemänner

Die Hersteller von Dampflokomotiven erklären sich für systemrelevant.

Als ab 1804 die erste Dampflok den Siegeszug des Schienentransports einleitete, revolutionierte das den Güter- und Personenverkehr.

Als nach den Fuggerzeitungen, eine lose Blattsammlung einzelner Berichte, ab 1605 in Strassburg die erste gedruckte Zeitung entstand, Erscheinungsrhythmus einmal wöchentlich, revolutionierte das die Informationsvermittlung.

Als die Elektrolok ihren Siegeszug antrat, streikten die Eisenbahner noch 1982 – allerdings vergeblich – dafür, dass weiterhin ein Heizer mitfahren musste. Das war dann der Endpunkt der langen Auseinandersetzung, ob Elektroloks wirklich besser, effizienter und stärker als Dampfloks sind.

Kaum Veränderung seit 1605

Seit 1605 hat sich das Zeitungsgeschäft kaum verändert. News herstellen, von denen man annimmt, dass sie den Abonnenten interessieren könnten, jeden Tag aufs Neue die Illusion verbreiten, dass alles Wichtige, was auf der Welt passiert ist, erstaunlicherweise auf den für diesen Tag gedruckten Zeitungsseiten Platz fand.

So war das, so ist das, sollte es immerdar sein. Natürlich war das Radio und später dann auch das Fernsehen eine unangenehme, neue Konkurrenz. Aber man arrangierte sich. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann verdienen sich die Besitzer von Medienkonzernen bis an ihr seliges Ende weiterhin dumm und krumm.

Leider ist das aber ein Märchenschluss, und die Wirklichkeit ist kein Ponyhof. 1990 entstand etwas, was die meisten Zeitungskonzerne lange Zeit belächelten, unterschätzten und für ein neumodisches Nice-to-Have hielten. So wie der Heizer auf der Elektrolok sich lange Zeit keine grossen Gedanken über seine Arbeitsplatzsicherheit machte.

In 30 Jahren nichts eingefallen

30 Jahre Zeitraffer, wir sind in der zweiten Jahreshälfte 2020. In diesen 30 Jahren ist den Schweizer Medienhäusern nichts Nachhaltiges, nichts Durchschlagendes, nichts Nennenswertes eingefallen, wie sie auf die Elektrolok Internet reagieren können. Sie heizen weiterhin jeden Tag ihre Dampflokomotiven ein, bedrucken riesige Papierrollen, die dann distribuiert werden müssen und den Konsumenten mit den Nachrichten erfreuen, die bis Mitternacht des Vortags anfielen.

Allerdings keuchen diese Loks immer asthmatischer, man kann ihnen fast beim Schrumpfen zuschauen. Divergenz, Konvergenz, disruptiv, metered content, pay per view, Bezahlschranke, Print first, online first, multimedial, multichannel, Klickrate, content is king, und immer den Leser dort abholen, wo er ist.

An dummem Managergequatsche hat es wahrlich nicht gefehlt. Während die Medienkonzerne zuschauten, wie ihnen Google, Facebook und Co. nicht nur die Butter vom Brot nahmen, sondern auch noch gleich das Brot und den Teller. An den Online-Werbeerträgen in der Schweiz kassieren diese grossen Kraken rund 90 Prozent ab.

Wenn die Einnahmen abschwirren, mach eine Holding

In den schäbigen Rest teilen sich dann die grossen Medienhäuser. Die noch einen weiteren Trick aus dem Ärmel zogen: Die Holdingstruktur mit deutlich getrennten Profitcenters. Ach, der Stellenanzeiger schwirrt mitsamt dem Wohnungsmarkt, überhaupt allen Marktplätzen ins Internet ab? Wunderbar, da kaufen wir uns für teures Geld auch ein paar Plattformen. Aber nein, diese Einkünfte können keineswegs den schwindsüchtigen Newsprodukten zugute kommen, das wäre ja Quersubvention, und aus unerfindlichen Gründen ist Quersubvention ganz schlecht.

Und dann auch noch Corona, jetzt ist’s aber echt furchtbar. Da versorgen die grossen Führungskräfte der Medienhäuser ihre Aston Martins, Bentleys und Jaguars in den Tiefgaragen, zerreissen sich die Kleider und gehen betteln.

Hilfe, kräht der Heizer auf der Elektrolok, ich bin systemrelevant, ich bin die vierte Gewalt, ich kontrolliere die Mächtigen, die Politik, die Regierungen. Und dafür sollen mir eben diese Politiker gefälligst Geld zustecken. Sonst muss ich noch die letzten paar verbliebenen Redaktoren entlassen, und wer schnipselt dann die SDA-Meldungen ins Blatt?

Gemeinsam ans Geld?

Natürlich verlangen sie nicht einfach Geld, sondern Subventionen. Also Geld, aber vornehmer ausgedrückt. Nun weiss eigentlich jeder, dass eine gemeinsame Lobbyarbeit am ehesten zum Ziel führt. Das wissen die Bauern, das weiss die Versicherungsbranche, das weiss Pharma. Das wissen die grossartigen Verleger nicht. Bevor es überhaupt beschlossen ist, ihnen wieder ein Stück Brot hinzuwerfen und sogar etwas Butter draufzuschmieren, liegen sie sich öffentlich in den Haaren.

Subventionen für Online-Medien – oder nicht? Geld für Gratis-Medien – oder nicht? Überproportional viel Subventionen für die wenigen überlebenden kleinen Medienhäuser – oder nicht? Direkte Subventionen, indirekte, und überhaupt? Garantieren die Printzeitungen die Grundversorgung, oder brauchen die Online-Newsportale mehr Geld, weil das die Zukunft ist? Und wie steht’s denn mit den Privat-Radios und TV-Stationen? Sollen die noch mehr kriegen?

Wer die letzte Sparrunde überlebte, ist bei der nächsten dran

Das ganze Geschrei ist begleitet vom Geräusch des Schredders, mit dem durch die Redaktionen gefräst wird. Denn nach der Sparrunde ist vor der Sparrunde, und wer beim letzten Mal noch den Kollegen nebendran verabschiedete, Bedauern heuchelte und froh war, dass es den traf, der ist das nächste Mal selber dran.

Angebot, Nachfrage, wenn der middle man, also der Vermittler zwischen Produzent und Konsument, den Löwenanteil des Profits einsteckt, wäre es vielleicht mal an der Zeit, sich darüber Gedanken zu machen? Das zu ändern? Ach was, zuerst muss das Fell verteilt werden, dann kommt die nächste Sparrunde, und dann schauen wir weiter