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Insidertipp aus der Inseratewelt

Man zahlt weniger und hat erst noch einen höheren Beachtungsgrad.

Es ist ein uralter Trick der Inserenten. Der Blick hat ein Textlayout von sechs Spalten, also buchen wir ein grosses Inserat von fünf Spalten. Und hoffen, dass die Setzer den Leerraum mit etwas besonders Auffälligem füllen. Vor einigen Tagen hat der Blick das besonders schön umgesetzt. Dabei hat die Inserentin, also die Ladenkette Spar, zu Trick 77 gegriffen. Sie hat nicht nur in der Breite das Zeitungsformat nicht ganz ausgefüllt, sondern auch in der Höhe geschmürzelt. Und was macht der Blick. Er tappt voll rein. Oben der Titel und ein Foto, in der linken leeren Spalte neben dem Inserat dann die dazugehörige Textspalte. Es ist ein visuelles Verbrechen.Und ein Beispiel, dass Inserenten definitiv am längeren Hebel sitzen.

Der Bruttopreis von 23600 Franken für Spar hat sich gelohnt. Der Beachtungsgrad der Leserschaft war sicher doppelt so hoch, wie wenn man eine ganze Seite gebucht hätte. Die kostet 26200 Franken brutto.

Offen ist, wieviel Rabatt Spar bekommt, weil der Lebensmittelsupermarkt öfters inseriert im Blick. In der Fachsprache heisst das von Spar gewählte Format übrigens Juniorpage. Und ja. Im Inseratebusiness rechnet man immer mit doppelt so vielen Spalten pro Seite wie  im Redaktionsteil. Spar hat also streng genommen eine Breite von zehn von insgesamt zwölf möglichen Spalten gebucht. Er hat gut gerechnet.

Eine Hymne auf die Setzer

Online gelten die Qualitätsstandards der Setzerinnen und Setzer nicht mehr.

«Läckerli Huus»-Chefin Miriam Baumann-Blocher würde sich die Haare raufen. Ihre teuer erkaufte Online-Werbung auf WATSON.CH war unfreiwillig komisch. Die Listicals, eine Spezialität des AZ Medien-Geldverbrennungszweigs, befassten sich kürzlich mit den 20 Bildern von hässlicher Weihnachtsdeko, die Du definitiv nicht brauchst. Und was folgt als erstes: ein wunderbares Bild eines speziellen Schoggi-Bären aus dem Läckerli-Huus. Soooo gemein. Soooo geschäftsschädigend. In einer Printzeitung wäre das nicht vorgekommen. Dort gibt es nach wie vor Schriftsetzer, Layouter oder wie auch immer diese Fachkräfte genannt werden. Sie sorgen mit grenzenloser Geduld dafür, dass alle Inserate und Inserätli am richtigen Ort stehen. Weil sie mit Grips und Herzblut bei der Sache sind, schauen sie, dass es keine peinlichen Nachbarschaften gibt.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Der Klassiker: Gaswerbung platziert neben dem Auschwitzartikel. Erschienen in einem Deutschen Blatt.

Doch zurück zum Thema. Falsche Online-Werbung. Watson ist nicht die Ausnahme. Wenige Minuten nach dem Entdecken des Watson-Fauxpax erblickt der Chronist dann dies:

Nicht so peinlich, aber auch doof. Zweimal diesselbe Werbung. Wie blöd ist das denn.

Es bleibt, den Werbeverantwortlichen wieder mal ins Gewissen zu reden. Werbung? Das kann nur ein Inserat.

Was natürlich auch nicht stimmt. Aber dort sind die Qualitätsstandarts scheinbar höher. Frau Baumann-Blocher: Gehen Sie über die Bücher!