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Ex-Press XLII

Blüten aus dem Mediensumpf.

Auch die «Republik» gerät in Ferienlaune. Das merk man an zwei Dingen. Der Output ist noch magerer als sonst schon. Nehmen wir den 8. Juli als Beispiel. Der Sonntag, wo die «Republik» sowieso ruht, ist noch ein Stückchen entfernt. Aber im Angebot sind lediglich vier Werke. Bei genauerer Betrachtung ein einziges.

Denn auf 15’000 Anschlägen berichtet die «Republik» darüber, wie über die «Republik» berichtet wurde. Lächerlich kurze 4400 A dauert eine launige Kolumne von Olivia Kühni über, nun ja, über sich selbst.

Und originell mit «Gentili signore e signori» beginnt das geschwätzige Inhaltsverzeichnis der Werke dieses Tages, also konkret die Bauchnabelschau von Kühni und, tataa, knapp 28’000 A über das «Reich des Zollfreikönigs». Denn die «Republik» hat herausgefunden, dass Juan Carlos Torres Carretero als Präsident des VR von Dufry letztes Jahr 4,5 Millionen Franken verdient hat.

Wobei herausgefunden nicht ganz stimmt:

Hatten wir doch knapp einen Monat vorher schon.

Aber warum sollte man denn auf eine eigene Idee kommen, wenn das andere schon erledigen. Dufry ist der weltweit grösste Betrteiber von Duty Free Shops an Flughäfen, auf Kreuzfahrtschiffen, usw. Weltweit über 2300 Zollfreiläden mit über 20’000 Angestellten in 65 Ländern.

Aufpumpen, aufblasen, aufmascheln

Nun wurde Dufry von der Corona-Pandemie und dem weitgehenden Zusammenbruch von Flugverbindungen oder Kreuzfahrten schwer gebeutelt. 13’000 Angestellte mussten entlassen werden; diverse Länder unterstützten Dufry als bedeutenden Arbeitgeber finanziell.

Aber die Kette ist nicht untergegangen, nicht zuletzt dank den Bemühungen von Torres Carretero. Dafür kassierte er diese erkleckliche Summe. Wie in der bz zu lesen war. Mitte Juni. Nun braucht natülich der vertieft recherchierende «Republik»-Journi auch so seine Zeit, bis er diese Information zu rund 28’000 A aufgepumpt, aufgeblasen, aufgeschäumt hat.

Denn ausser detaillierten Beschreibungen dieses Vorgangs bietet der Artikel eigentlich nichts Neues. Gar nichts Neues. Aber stellen wir uns vor, dieser ausgewalzte Aufguss wäre nicht am 8. Juli erschienen. Dann hätte sich zwar der Wunsch von Kolumnistin Kühni erfüllt:

«Stellt euch vor, was entstünde, hätten alle ein bisschen weniger Lärm. Ein wenig mehr jener tiefen, klaren Konzentration; einen Raum, um einen Gedanken zu Ende zu bringen. Es wäre revolutionär, es ist revolutionär.»

Zu revolutionär für die «Republik».

Von oben nach unten

Genau, da können wir eigentlich nur bei «watson» gelandet sein. Ins Auge fällt diesmal dies:

 

Und zieht sich und zieht sich und zieht sich. Aber immerhin: es ist wenigstens nicht abgekupfert. Was man von diesem Gefäss eher weniger sagen kann:

Teilweise etwas respektlos? Nein, völlig geschmacklos.

Gibt’s denn wirklich nichts mit Niveau bei «watson»? Nun, dafür wäre ja Philipp Löpfe zuständig, der Wirrkopf und Spezialist für alles, sowie für nichts. Der will mal wieder ein ganz dickes Brett bohren:

Was ist nun schon wieder los, Donald Trump ist doch bekanntlich abgewählt. Schon, räumt Löpfe ein, aber das heisst ja noch nix, denn die ganze republikanische Partei sei «offensichtlich gewillt, die Demokratie zugunsten des Machterhalts über Bord zu werfen».

Öhm, aber sie hat doch zusammen mit Trump die Präsidentschaftswahlen verloren, oder doch nicht? Also kann sie doch in Sachen Machterhalt nicht wirklich aktiv unterwegs sein. Aber wie auch immer, neben anderen fiesen Tricks setze sie zum «Kulturkrieg» an, wobei das wie immer «Erinnerungen an dunkle Zeiten aufkommen lässt. Im Zentrum dieses Kulturkrieges steht die Critical Race Theory (CRT). Sie besagt im Wesentlichen, dass Rassismus ein integraler Bestandteil der amerikanischen Gesellschaft ist».

Nö, das besagt die CRT im Wesentlichen eher weniger, sondern mehr, dass die Zugehörigkeit zu einer Rasse ein soziales Konstrukt und keine biologische Kategorie sei. Wie spielt sich denn dieser Krieg so ab?

«Texas wiederum verbietet kategorisch, im Klassenzimmer Thesen zu verbreiten, wonach «Sklaverei und Rassismus etwas anderes sind als Abweichungen oder Fehlinterpretationen der authentischen Gründungsprinzipien der Vereinigten Staaten».»

Nun, wer die Gründungsprinzipien der USA kennt, was man von Löpfe offenbar nicht behaupten kann, würde dieser Ansicht durchaus zustimmen. Aber das ist für Löpfe ja nur der Anfang vom Ende, das er ganz deutlich sieht:

«In den USA werden zwar noch keine Bücher verbrannt, doch die Tendenz geht in diese Richtung.»

Diese Tendenz sieht allerdings nur Seher Löpfe. Woran das bei ihm liegt, wagen wir nicht zu ergründen. Auf jeden Fall schliesst er den weiten Bogen und kehrt in heimische Gefilde zurück: «Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Schweiz eine von einer Handvoll überlebenden Demokratien. Kein Zustand, den wir ein zweites Mal erleben möchten.»

Wir möchten hingegen kein zweites Mal eine Analyse von Löpfe lesen, aber Wünschen hat bekanntlich noch nie geholfen.

Baba, blabla, bajour

Eigentlich wollten wir diesen Rundgang durch die Sumpf- und Flachgebiete der Schweizer Medien mit einem Blick auf «bajour» abrunden. Dort scheint es aber so zu sein, dass der Oberverröster von Sponsor- und anderen Geldern, Hansi Voigt, dermassen mit seinen Aktivitäten auf Twitter und anderen sozialen Medien ausgelastet ist, dass eigentlich weder Aktuelles noch sonst Nennenswertes auf dieser Webseite steht:

Wer für so einen Schrott «Member» werden möchte und sich von 40 Franken trennen, ist wirklich selber schuld. Ob es wohl Zufall ist, dass die platte Plattform die Zahlen der «Member» nicht mehr stolz ausweist? «Unabhängigen, tiefgründigen Journalismus für Basel» verspricht «bajour» dafür. Nur: wann man damit anfangen will, das wird nicht gesagt.

Scheinstarke Frauen – sackschwache Doku

Zum Fremdschämen peinlich, was Patrizia Laeri mit Rosanna Grüter abgeliefert hat.

Das Thema ist ernst, die Stimmung gedrückt. Zwei Frauen auf einer Mission spazieren durchs verregnete Zug. Patrizia Laeri wird gefragt: «Mit welchem Gefühl triffst du dich mit ihr?» – «Ich schäme mich fast ein bisschen.»

Man sieht sofort: Hier herrscht das Bemühen, aus Distanz und mit gebotener Neutralität das Thema «Sexismus in der Schweizer Medienszene» abzuhandeln. Am längst auserzählten und geschilderten Fall Jolanda Spiess-Hegglin.

Es geht wieder einmal um die grossen Dinge, um alles. Um einen «Beitrag zu einer gerechteren Welt». Es geht wieder einmal um ein Ereignis, das ein Leben veränderte und seit Jahren beschäftigt.

Im Kampf ist alles erlaubt

Also eigentlich zwei Leben, denn an diesem bedeutenden Ereignis an einer Zuger Politikerfete waren zwei Erwachsene beteiligt. Das Schicksal des einzigen wahren Opfers interessiert hier aber nicht; das ist ja ein Mann, und erst noch von der SVP. Was sich genau hinter einer verschlossenen Türe abspielte, wissen nur die beiden Beteiligten. Was sich sicherlich nicht abspielte:

«2014 wurde Spiess-Hegglin mutmasslich auf einem Polit-Event unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht.»

Wenn man schon eine gerechtere Welt will, dann müsste man mit solchen unbewiesenen Unterstellungen aufhören, die mit einem «mutmasslich» nicht besser, sondern höchstens noch abscheulicher werden.

Die verfolgende Unschuld: Jolanda Spiess-Hegglin.

Wenn man eine gerechtere Welt wollte, könnte es doch Sinn machen, wenn man nicht unkritisch, betroffen, widerspruchslos der Story einer der beiden Beteiligten folgt. Die sich zudem nicht mit allen Fakten, die über diesen Abend bekannt wurden, deckt.

Was unterscheidet einen Propaganda- von einem Dokumentarfilm?

Wenn man einen Dokumentarfilm drehen wollte, würde man vielleicht anderen, abweichenden, widersprechenden Meinungen von den 45 Minuten – na, fünf oder eine Minute? – einräumen. Aber in diesem Machwerk muss jede Minute mit Akklamation, Betroffenheitsgesülze und gegenseitiger Bestätigung gefüllt werden.

Spiess-Hegglin wird zu einer Märtyrerin hochstilisiert und mit Fragen angehimmelt: Woher sie denn die Kraft für ihren Widerstand nehme, wie sie als Phönix aus der Asche auferstanden sei, aus den «Trümmern ihres Lebens», wie es denn sei, schwurbelt Laeri mit betroffenem Gesicht, wenn sich «eine ganze Branche an einer Frau ergeilt?»

Die unschuldig Verfolgende: Patrizia Laeri.

Männer sind in diesem Bericht nur zugelassen, wenn sie feministisch sekundieren. Zunächst Spiess-Hegglins Mann, der seine Rolle als tapferer Nicht-wirklich-Betrogener an der Seite eines Opfers gefunden hat, sich auch zum zweiten Mal erst hier interviewen lässt und darauf verweist, wie wichtig sein erstes Gespräch mit Hansi Voigt gewesen sei.

Diese üble Medienfigur wurde auf ZACKBUM schon ausführlich gewürdigt. Diesmal empfängt er die vielleicht etwas overdresst zu ihm stöckelnde Laeri in seiner bäuerlichen Umgebung; als sie den Wunsch nach Pfefferminztee äussert, stürmt er durch eine Hühnerschaar in den Kräutergarten und schneidet höchstselbst ein paar Blätter ab, während sie ihm verträumt zuschaut.

Dann geht’s aber zur Sache, und Laeri, die sich selbst ja immer ausführlich und umfangreich als Wirtschaftsjournalistin lobt, hört sich widerspruchslos eine schwachsinnige Antwort auf ihre Frage an, wie viel denn alleine der «Blick» an Storys über Spiess-Hegglin verdient habe. Dazu sagt Fachmann Voigt, dass es ungefähr 300’000 Franken online plus 700’000 Franken im Print gewesen seien.

Im Ausgeben besser als im Zählen: Hansi Voigt.

Laeri nickt wieder betroffen, während Voigt einen doppelten Salto ohne Netz vollführt und dabei für den Zuschauer sichtbar schmerzlich auf die Schnauze fällt. Also diese «runde Million» sei der «Umsatz», also der «Bruttogewinn». Umsatz gleich Bruttogewinn? Hatte Voigt der armen Laeri etwa auch Drogen in den Pfefferminztee gemischt, damit sie einem solchen Schwachsinn widerstandslos zuhört?

Zudem vergisst sie, Voigt zu fragen, welchen Gewinn denn das damals von ihm geleitete Qualitätsmedium «watson» mit dem Fall Spiess-Hegglin gemacht habe. Aber item, die Nächste im Ringelreihen der Zeugen in diesem Fall ist die Anwältin Rena Zulauf, Pardon «DIE Medienrechtsanwältin», wie Laeri schwärmt. Man kennt sich, deshalb ist das gefilmte Intro der Begrüssung auf Du; sobald Laeri zum Interview schreitet, wird’s ein Sie, damit’s nicht zu streng nach Frauensolidarität riecht.

Auch die Anwältin darf unwidersprochen um die Wahrheit herumkurven

Zulauf darf dann unwidersprochen auch das erzählen, was man als Anwältin bei einer Gratis-Chance, Werbung in eigener Sache zu machen, halt so erzählt. Also erzählt sie nicht, dass sie mit ihrer letzten Berufung im Fall Spiess-Hegglin gegen den «Blick» auf ganzer Linie und vollständig baden ging. Alle von ihr appellierten Forderungen wurden nicht nur abgeschmettert, sondern finanziell schmerzlich sogar geschmälert.

Aber für solche Details ist in 45 Minuten auch kein Platz; wir kehren wieder zu Spiess-Hegglin und ihrem Verein «Netzcourage» zurück, über dessen Methoden, an Geld zu kommen, man auch dieses und jenes sagen könnte. Aber natürlich nicht hier, hier geht es um den unermüdlichen und preisgekrönten Kampf von Spiess-Hegglin, die leider bei Fragen, die von ZACKBUM oder anderen kritischen Medien gestellt werden, sehr schmallippig wird oder einfach nicht antwortet.Aber wenn’s um Soforthilfe, Präventionsarbeit und überhaupt alles geht, damit so etwas nie mehr passiert, da wird sie auskunftsfreudiger. Und zerrt sogar eine ihrer Töchter ins TV, damit sie zum schönen Ausklingen des Films mit der gemeinsam schaukeln kann.

Betrogener Mann, betroffene Frauen; am Küchentisch der Familie Spiess-Hegglin.

Aber selbst diesen Schluss versemmelt sich Laeri mit ihrer Eitelkeit. Die äusserte sich schon vorher, als sie doch ohne unter der Schminke rot zu werden, aus der Rolle der Präsentatorin der Doku in die Rolle einer interviewten Frau wechselt, die dann auch mal erzählen kann, welche sexistischen Zeiten sie schon selbst erlebte.

Auch das betritt, um es sexistisch neutral auszudrücken, Neuland in einer Doku. Dass Laeri dann ganz am Schluss mit gefährlich hohen Stiefelabsätzen an einem Graffiti über Feminismus vorbei ans Flussufer stöckelt, gedankenvoll in eine bessere Zukunft blickt, und stolz ist auf den Einsatz von Frauen wie Spiess-Hegglin (und natürlich auch auf sich selbst), das hätte sich nicht einmal Hedwig Courths-Mahler oder Utta Danella getraut (Nora Zukker, das sind zwei deutsche, aber lassen wir das).

Wir bei ZACKBUM hätten nie gedacht dass wir uns mal fremdschämen, weil wir so oft als Frauenverächter gescholtenen männlichen Triebtäter bei diesem Werk entschieden der Ansicht sind, dass die Sache der Frau wirklich Besseres verdient hätte.

Dass so etwas heutzutage tatsächlich auf 3sat ausgestrahlt wird, ohne dass eine zuständige Instanz alle Beteiligten vor dieser Peinlichkeit geschützt hätte, lässt nur zwei Erklärungen zu. Alle dort auch unter Drogen – oder ein abgründig fieser Macho hat sich eins gekichert und gesagt: das macht mich betroffen, das müssen wir genauso senden.

Wir haben uns durchgequält; wer viel Zeit, starke Nerven und nur rudimentär ausgeprägte Empathie für die Sache der Frau hat, der sollte es uns unbedingt gleichtun. Es sind zwar wohl die am sinnlosesten verrösteten 45 Minuten eines Menschenlebens. Aber man (Mann und Frau) weiss dann wenigstens, zu was Frauen fähig sind.

 

 

 

Gurkentruppe «Fairmedia»

Theorie und Praxis. Die neue Präsidentin spuckt grosse Töne. Die Praxis ist viel kleinkarierter.

«Fairmedia» legt die Latte für sich und andere ziemlich hoch: «Wir helfen auch Journalisten dabei, sich medienrechtlich und -ethisch korrekt zu verhalten. Der unabhängige Verein versteht sich als Kompetenzzentrum in Medienrecht und Medienethik und gibt zu diesen Themen auch Kurse und Trainings an Institutionen und Schulen.»

Catherine Thommen doppelt zum Amtsantritt nach:

«Fairmedia mischt sich aktiv in die Debatte ein und setzt sich für die Einhaltung der journalistischen Grundregeln ein.»

Das ist ja alles wunderbar, volltönend, genau das, was Journalismus heutzutage braucht. In den Kursen verwendet «Fairmedia» sicherlich auch abschreckende Beispiele. Warum nicht aus eigenem Schaffen?

Auf Twitter spielten sich Jagdszenen gegen eine Flugbegleiterin ab, die von Michèle Binswanger porträtiert worden war. Durch häufige Corona-Tests ist sie erkrankt, was gravierende Auswirkungen auf ihre psychische und physische Gesundheit hat.

Zudem engagiert sie sich gegen Kinderhandel und -ausbeutung. Zweiteres hat mit dem Thema der Reportage nichts zu tun. Die Reportage selbst ist fehlerfrei, was den Sympathisantensumpf um Jolanda Spiess-Hegglin sehr frustriert hat. Denn Spiess-Hegglin ist auf Binswanger nicht gut zu sprechen, weil die es gewagt hat, die Darstellung von JSH der Zuger Affäre zu bezweifeln.

Muckrakers nennt man diese Gattung auf Englisch

Wunderbar, dass ein Anonymus eine Wortmeldung der Flugbegleiterin in den Social Media ausgrub. Hansi Voigt, der schon lange jeden Anspruch aufgegeben hat, als seriöser Journalist zu gelten, kräht sofort los, macht sich über die Flugbegleiterin und über Kinderhandel lustig und empfiehlt, solche Artikel zu canceln.

Das lässt dann einen weiteren anonymen Dreckspatz nicht ruhen, der verbreitet, die Flugbegleiterin sei Anhängerin der Verschwörungstheorien von QAnon. Wir bewegen uns hier wohlgemerkt im belegfreien Raum, in einer Jauchegruppe von Twitter, wo sich Verschwörungstheoretiker und Fanatiker gegenseitig hochschaukeln. Unter völligem Realitäts- und Luftabschluss, was einen sehr unangenehmen, fauligen Geruch auslöst, wenn man in diese Blase hineinsticht.

Die Erkrankung der Frau ist ärztlich attestiert, sie ist kein Einzelfall, auch ihr Problem, angepöbelt zu werden, weil sie durch ihre Erkrankung keine Maske tragen sollte (ärztlich attestiert). Das sind die Fakten, die absurden Verdrehungen haben wir bereits beschrieben.

So, und nun kommt «Fairmedia» und zeigt es allen, wie ethisch hochstehender, fairer, korrekter Journalismus geht, der ja scheint’s nötiger denn je sei. Wie das «Fairmedia» macht? So:

In seinem Tweet nimmt es den Schwachsinn der Berner Reitschule für bare Münze. In der ausführlicheren Beschreibung auf seiner Webseite geht «Fairmedia» noch ein paar Schritte weiter. «SonntagsZeitung» porträtiert QAnon-Sympathisantin – ohne das im Text zu erwähnen.»

Der Schmierfink von «Fairmedia» geht gleich in die Vollen. Die Frau behaupte, gravierende Folgen erlitten zu haben. Das habe ihr ein Arzt bestätigt, räumt Jeremias Schulthess ein. Aber: «Ist das medizinisch plausibel? Gibt es eine zweite Meinung dazu von anderen Ärzten? Darauf geht der Text nicht ein. Dabei gäbe es Gründe anzunehmen, dass nicht alles stimmt, was die Frau erzählt.»

Ein selbst gemachtes abschreckendes Beispiel

Die da wären? Dass sie Verschwörungstheorien der US-Sekte QAnon verbreite, zitiert Schulthess einen Text, der von einem anonymen Dreckspatz namens «Megaphon Reitschule Bern» verbreitet wird. Und folgert daraus: «Dass eine QAnon-Sympathisantin über Verletzungen bei Corona-Tests spricht, mag für eine Redaktion vielleicht sogar vertretbar sein. Es kann ja sein, dass die Kritik in der Sache stimmt. Es sollte aber in jedem Fall möglichst transparent gemacht werden, wer die Quelle ist – die Verbreitung von Verschwörungstheorien gehört da dazu.»

Die geschäftsführende Gurke Jeremias Schulthess.

ZACKBUM ist sich sicher: Dieser Text kann als abschreckendes Beispiel, wie man es ja nicht machen sollte, bei jedem Kurs oder Training von «Fairmedia» verwendet werden. Damit der Verein, der damit offenbar Mühe hat, nicht zu viel selber erarbeiten muss, eine kleine Amtshilfe:

  1. Ob diese Flugbegleiterin Anhängerin von Verschwörungstheorien ist – oder nicht, hat niemand eruiert. Also ist die Unterstellung absolut unstatthaft, widerspricht den primitivsten Regeln des Journalismus und Anstands.
  2. Wenn das anonyme Schmierfinken oder der Amok Hansi Voigt tun, ist das deren Sache. Wenn das «Fairmedia» unbesehen übernimmt, entzieht sich der Verein damit die Existenzgrundlage und sollte sich auflösen.
  3. Eine Frau ist erkrankt, belegt das mit dem Zeugnis des sie behandelnden Arztes. Das soll nicht glaubhaft sein, weil sie vielleicht merkwürdige Tweets oder Posts absetzt? Was soll diese Gesinnungsschnüffelei? Wenn der Autor des «Fairmedia»-Textes mit dem Schwarzen Block sympathisieren würde, würde das die Glaubhaftigkeit seiner belegten Aussagen über Briefmarkensammeln relativieren?
  4. Wer die Quelle ist, solle transparent gemacht werden, fordert Schulthess. Dass sie mit Foto und Name zu ihrer Geschichte steht, genügt ihm nicht. Er hätte gerne bei einem Thema, das absolut und null mit Verschwörungstheorien oder (real existierendem) Kinderhandel zu tun hat, gerne eine ideologische Unbedenklichkeitserklärung für die Quelle. Spinnt der Mann eigentlich?
  5. Braucht es von jetzt an wieder Gesinnungsprüfungen, bevor ein Opfer porträtiert werden darf? Wäre die Flugbegleiterin Mitglied von Amnesty International, der Freundschaftsgesellschaft Schweiz – Palästina oder Sympathisantin einer linksterroristischen Vereinigung, hätte das auch gestört? Im Artikel, der auch damit nichts zu tun, «transparent» gemacht werden müssen?
  6. Am schlimmsten ist aber: Warum hat wenigstens Schulthess nicht das gemacht, was der primitivste Anstand und Grundregeln des Journalismus verlangen, die jeder Anfänger beherrschen sollte? Nämlich der Flugbegleiterin Gelegenheit gegeben, zu all diesem Schlammbad Stellung zu nehmen? Dass Schlammschmeisser auf Twitter das nicht tun, okay. Aber ein Vertreter von «Fairmedia»?
  7. Im Gegensatz zu seinem haltlosen Kopieren unbelegter Behauptungen, ohne der kritisierten Person Gelegenheit für eine Reaktion einzuräumen: Natürlich hat ZACKBUM Schulhess mit ein paar Fragen konfrontiert. Darunter die nach Grundlagen von Ethik, Anstand, Gehör geben, nicht ungeprüft Behauptungen aus trüben und anonymen Quellen übernehmen.
  8. Das bewirkte einen Anruf von Schulthess, aus dem er aber nicht zitiert werden möchte. Sondern nur mit seiner schriftlichen Stellungnahme: «Den Vorwurf, wir würden Falschmeldungen verbreiten, kann ich leider nicht nachvollziehen. Alle Aussagen in unserem Beitrag werden sehr klar und transparent belegt.»
  9. Wenn «Fairmedia» zu beurteilen hätte, wie man eine solche Antwort qualifizieren sollte, zu welchem Ergebnis käme dieser Trümmelverein? Super Antwort, lässt nichts offen, macht eine Korrektur überflüssig?

Dass der Geschäftsführer «Fairmedia» Schulthess so einen Stuss zusammenwürgt, das mag ja noch angehen. Dass er aber auf keine einzige sich daraus ergebende Frage konkret antworten mag; sich zwar mündlich ausführlicher zu Wort meldet, aber die Verwendung untersagt: will sich «Fairmedia» wirklich mit aller Macht lächerlich machen?

Hat Schulthess hier, nach seiner Bruchlandung mit der «TagesWoche», wirklich eine Stelle gefunden, der er gewachsen ist?

Frau Thommen, übernehmen Sie! Handlungsbedarf! Lassen Sie Ihren gesalbten Worten Taten folgen. Nicht bei anderen, im eigenen Laden. Wir werden an der Sache dranbleiben …

 

 

 

Fäulnis, nur für starke Nerven

Die angebliche Kämpferin für das Gute und Humane ist immer ein Beispiel, wie übel das werden kann.

Für Nebenwirkungen dieses Artikels lehne ich jede Verantwortung ab. Ich empfehle aber, ihn weder auf leeren Magen, noch bei der Nahrungsaufnahme zu lesen.

Adolf Muschg hat in seiner Reaktion auf das Geschrei und Gekeife, das sich anlässlich seiner Verwendung des Wortes «Auschwitz» erhob, einen ganz, ganz wichtigen Aspekt betont. Die Rechthaberei und fehlende Kommunikation von Blase zu Blase sei nicht mal das Schlimmste an der heutigen Diskussionskultur. Sondern die Unfähigkeit, Widersprüche als Grundlage jeder Existenz zu akzeptieren.

Das Unbedingte, das Totale, das Richtige, der Kampf gegen das Böse; wer sich selbst und die Welt so eindimensional sieht, ist gefährlich. Eine Gefahr für sich selbst und alle anderen. In diesem Sinn sind das Brüder und Schwestern im Geist des Totalitarismus.

Wie wäre es, wenn Figuren wie Jolanda Spiess-Hegglin, Hansi Voigt, Claudia Blumer und andere nicht einfach nur Maulhelden wären, sondern tatsächlich Macht besässen – nur schnelle Flucht möglichst weit weg wäre die Rettung.

Konkrete Beispiele: Kein Problem

Exemplifizieren wir das am Twitter-Account der Kämpferin gegen alle Diskriminierung, Unterdrückung, Missachtung der Würde der Frau und des Menschen. Natürlich, die Rede ist von der Erfinderin des netzpigcock, von der Einberuferin des Wettbewerbs «Arschloch des Monats», zu dem sie gleich einen Journalisten nominierte, der hundert Mal mehr Meriten hat als sie – aber es wagte, sie zu kritisieren. Natürlich, die Rede ist von der one and only Jolanda Spiess-Hegglin.

Schauen wir zunächst, wie JSH selbst mit einer weiblichen Kritikerin umgeht: Sie bezeichnet Michèle Binswanger als «Postergirl» des «Tages-Anzeiger». Nehmen wir mal an, dass die ungebildte und nicht von geschichtlichen Kenntnissen angekränkelte JSH nicht weiss, was ein «Postergirl» ist. Wenn sie aber dafür sogar innerhalb ihrer Twitter-Blase kritisiert wird, dann macht sie immer den gleichen Move wie beim «Arschloch des Monats»:

Tut Ihr Leid? Kein Stück.

Viel erschreckender ist sogar, wenn man die Tweets auf ihrem Account verfolgt. Man versteht, was Fäulnis wirklich bedeutet: Die unter Sauferstoffmangel ablaufende Zersetzung, unter Bildung eines unangenehmen Geruchs. Alle Masken, Nasenklammern auf, mindestens mit den Fingern die Nase zugehalten, tief Luft geholt, und dann durch:

«Keine Toleranz den Intoleranten.»; «@Tamedia mahnt allgemein die Pressefreiheit an, konnte aber in eigener Sache nur superprovisorisch von der nächsten besonders schweren Verletzung der Intimsphäre von @JolandaSpiess abgehalten werden. Und zeigt damit Medien-Gap zwischen berechtigtem Anspruch und Wirklichkeit auf.» (Hansi Voigt);  «was stört? Wenn sich eine offiziell Elastigirl nennt, darf sie von sonst niemandem so genannt werden?» (JSH);

«Seit wann ist «Halt Deine Scheissfresse» Hass? Hass ist das was der Glarner das ganze Jahr lang distilliert, nicht ein Kraftausdruck der das stoppen soll.»;

«Es macht die Sache sogar noch schlimmer, wenn der Hintergrund bekannt gewesen sein soll und dann trotzdem verheimlicht wurde.» –«Schwache Erklärungsversuch.postergirl mit so einem gesicht muss man erst mal schaffen!»

«Verrückt an diesem @tamedia-Fail ist doch, dass das @tagesanzeiger Postergirl und Aushängeschild auflagenstark ungeprüften & gefährlichen Chabis auftischt und @Megafon Reithalle Bern (sic!) bringt den Faktencheck in ein paar Sekunden hin.  Als ich den Artikel las,war mein erster Gedanke,warum schreibt @mbinswanger das? Sie bauscht einen Einzelfall derart auf, dass Leute verunsichert werden u spielt so den Massnahmegegnern in die Hände! Und jetzt das!! Einfach unglaublich! Sie hätte sich nur d FBSeite ansehen müssen!»

«Die Behauptung, das habe «absolut nichts mit dem Artikel zu tun» ist in diesem Fall doch kompletter Bullshit. Es macht die Sache sogar noch schlimmer, wenn der Hintergrund bekannt gewesen sein soll und dann trotzdem verheimlicht wurde.»

«Hat wohl kein eigenes Sexleben, drum muss er sich obsessiv mit dem (vermeintlichen) von Frau Hegglin beschäftigen…»

«Die ist doch beruflich schon lange erledigt, dachte ich. Häjänusode, jetzt ists vorbei. Ab zum Nebelspalter.»

«Da wird mir übelst schlecht #HaltDieFresseBlick».

Kurzer Lacher für zwischendurch.

Das könnte man à gogo fortsetzen. Aber wahrscheinlich ist es uns allen schon übel genug. Hier soll es nicht darum gehen, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Abgesehen davon, dass das unterirdische Niveau jede ernsthafte Auseinandersetzung verbietet. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die lautesten Kläffer das unter dem Deckmantel der Anonymität tun. Nur Exponenten wie JSH oder Hansi Voigt, die eigentlich nichts mehr zu verlieren haben, twittern unter ihrem Namen.

 

Versuch der Erkundung leerer Schädel

Aber das Erschreckende ist: Die (wenigen) Kritiker werden ignoriert oder niedergemacht. Jeder Furz, der von irgend jemanden hineingepustet wird, dient sofort für neue, sich aufschaukelnde Erregung.

Wie kann man diese Hirnfinsternis zu verstehen versuchen? Da rülpst eine anonyme Quelle belegfrei hinein, dass die porträtierte Flugbegeleiterin Anhängerin der Vershwörungs-Sekte QAnon sei. Sofort wird das als Spitzenleistung des Recherchierjournalismus gefeiert, an dem sich Binswanger ein Beispiel nehmen könnte. Sofort wir das von anderen Kläffern hochgebellt. Selbst «Fairmedia» beteiligt sich – ruinös für den Ruf – an dieser Hetze.

Widersprüche, Debatte, Austausch von Argumenten, bei kritischen Fragen Vorweis von Belegen? Alle banalsten Grundlagen eines erkenntnisfördernden Diskurses? Nichts wäre weiter weg.

«Postergirl», «Arschloch des Monats», «canceln, jemand hat Babys in Pappkartons gesehen», sind diese menschenverachtenden, sich nicht zuletzt über real exsitiernden Kinderhandel lustig machenden Bemerkungen wirklich Ausdruck eines überlegenen Humanismus, im Kampf gegen Unmenschen, Hetzer, Rassisten?

Schlimmer noch (doch, das geht): wer dermassen unfähig ist, sich selbst zu reflektieren, Widersprüche zu akzeptieren, ohne Rechthaberei nach Wahrhaftigkeit zu suchen: ist das nicht der machtlose Bruder, die machtlose Schwester aller Totalitarismen, sei es der Kirche, der Ideologie? Hat deshalb der Begriff Auschwitz nicht seine völlige Berechtigung, weil wir nur froh sein können, dass all dieser Abschaum, der sich um Spiess-Hegglin tummelt, zwar sich selbst orgiastisch bespassen und bestätigen kann – aber glücklicherweise keinerlei reale Macht hat. Die über die Vernichtung von sozialen Existenzen oder den Versuch, eine unangenehm aufgefallen Journalistin fertigmachen zu wollen, hinausgeht.

 

 

Verschwörungstheoretiker gegen Binswanger

Michèle Binswanger von Tamedia hat sich im Dunstkreis von Jolanda Spiess-Hegglin unbeliebt gemacht. Da fliegt dann der Dreck tief.

Die juristische Auseinandersetzung darüber, ob es in der Schweiz wirklich möglich ist, ein erst geplantes Buch, dessen Inhalt nicht bekannt ist, präventiv verbieten zu lassen, ist noch nicht beendet. Ein ordentliches Gericht muss entscheiden, ob eine solche Massnahme Bestand haben kann.

Die beinhaltet, dass in einem Recherchewerk verschiedene, für die Zuger Affäre zentral wichtige Aspekte nicht geschildert werden dürfen. Aber solange das noch durch die Mühlen der Justiz getrieben wird, möchte man gerne jede Gelegenheit benützen, Binswanger eine reinzubrennen.

Verschärft wird das Bedürfnis noch dadurch, dass Binswanger als prominente Tamedia-Autorin das Protestschreiben der erregten Tamedia-Frauen nicht mitunterzeichnet hat, die sich über Sexismus, Diskriminierung und ein unerträgliches Arbeitsklima beschweren.

Jüngster Anlass: Binswanger hat eine Story über eine Flugbegleiterin veröffentlicht, deren Nase dauerhaft geschädigt ist. «Heute habe ich Panik vor jedem Test», wird sie zitiert, denn ihre Nasenscheidewand ist durch ständige Corona-Tests lädiert.

Ein unter Flugbegleitern bekanntes Problem. Während der normale Reisende in Corona-Zeiten eher selten fliegt und daher nicht ständig einen Tupfer in den Nasenrachenraum geschoben bekommt, ist das für die Crew natürlich anders.

Ein geradezu exemplarisch recherchierter und geschriebener Artikel

Binswanger baut die Story so auf, wie man es Anfängern als Beispiel vorführen könnte. Einstieg mit dem auslösenden Vorfall, dann Vorstellung der Betroffenen, die mit vollem Namen bereit ist, Zeugnis zu geben.

Dann zitiert Binswanger Aussagen von Fachleuten und eine Warnung der österreichischen Ärztekammer vor falschen «oder nicht idealen Abnahmetechniken». Auch einen Schweizer HNO-Facharzt, der ebenfalls Fälle aus seiner Praxis kennt und die Flugbegleiterin zu seinen Patienten zählt.

Hassobjekt: Michèle Binswanger.

Schliesslich kommt wieder die Betroffene zu Wort, die über die gesundheitlichen und psychischen Folgen dieser Erkrankung berichtet. Antriebslosigkeit, Müdigkeit, das Ausüben von Sportarten, die sie vorher liebte, ist nicht mehr möglich. Am schlimmsten: sie kann, mit Attest bestätigt, keine Maske mehr tragen. Das führt zu ständigen Anpöbeleien in der Öffentlichkeit, die laut eigenen Aussagen früher extrovertierte Frau geht kaum noch nach draussen.

Selbst einen Zwischenfall, als die Betroffene eine Freundin am Bahnhof abholte und sie von einem aggressiven Herrn angerempelt wurde, der sie anherrschte, sie solle sich sofort die Maske aufsetzen, liess sich Binswanger von Zeugen bestätigen.

Soweit also ein sauber recherchierter, nach allen Regeln der Kunst aufgebauter Artikel, an dessen Inhalt keinerlei Kritik möglich ist. Das finden natürlich Binswanger-Basher ziemlich blöd. Deshalb haben sie etwas gegraben und gewühlt und sind fündig geworden. Bei einem Beitrag auf den Social Media, den diese Flugbegleiterin letztes Jahr absetzte und in dem sie behauptet, auf Flügen dabei gewesen zu sein, bei denen unter Drogen gesetzte Kleinkinder oder Babys verschleppt worden seien.

Ein Post und seine Folgen

Das ist nun etwas speziell, keine Frage. Der Finder dieser Meldung hält sich noch leicht zurück und schlägt vor, die Flugbegleiterin solle sich in diesem Fall an die Kantonspolizei Zürich wenden. Aber wozu gibt es die alte Boulevardgurgel Hansi Voigt, der nach einem Erweckungserlebnis sich als tapferer Unterstützer von Spiess-Hegglin und allen Anliegen diskriminierter Frauen neu erfunden hat. Wenn er spricht, muss es aus seinem Mund stauben, so viel Kreide hat der gefressen.

Der zieht dann gleich gröber vom Leder:

«Quelle, die laut Tagi von maskenfanatischen Deutschen belästigt wird, hat Kinder in Kartons gefunden. Protipp: cancelt solche Kulturartikel.»

Laientipp: Es ist nie eine gute Nachricht, von Voigt unterstützt zu werden. Die «Quelle» die sogar einen Namen hat, wurde nachweislich von einem maskenfanatischen Deutschen belästigt.

Denn im Gegensatz zu Voigt checkt Binswanger so Sachen, bevor sie unbelegten Unsinn verzapft. Falsch ist hingegen, dass die «Quelle» Kinder in Kartons gefunden habe. Zusammenfassung: Voigt keift mit zwei Behauptungen los, beide falsch. Peinlich, aber da ist der Millionenverröster schamfrei. Unser Tipp: cancelt bajour, oder wenigstens Voigt.

Nachdem also genügend Verschwörungstheorie versprüht wurde, kommen dadurch benebelte weitere Twitterer aus ihren Löchern. Für @Megafon Reitschule Bern ist die Flugbegleiterin bereits «QAnon-Anhängerin». Das ist ein Beispiel dafür, was Twitter immer mehr in eine Jauchegrube verwandelt. Anonymes, unbewiesenes, dummes Gequatsche, das durch noch dümmeres getoppt wird.

Haben all diese Geiferer und Eiferer vielleicht mal nachgefragt?

Ob wohl einer dieser Rechercheriesen, die Binswanger handwerkliche Fehler unterstellen, sich die Mühe gemacht hat, mit Sara Macy direkt Kontakt aufzunehmen? Vielleicht könnte sie ja etwas zum Thema beitragen. Aber wieso denn, es zeichnet Verschwörungsidioten ja gerade aus, dass sie keine Gefahr laufen möchten, durch die Realität in ihrem Wahn widerlegt zu werden.

ZACKBUM hat das getan, was all diese Kläffer unterliessen. Die Betroffene gebeten, Stellung zu nehmen. Dass sie Anhängerin von QAnon sein soll, dementiert sie energisch. Und zu ihrem Tweet sagt sie:

«Ich habe eine Ausbildung, was Human Trafficking (mit Ausbildner, welche alle selber trafficked wurden) anbelangt, und habe schon in der ganze Welt mit eigenen Augen gesehen, wie Kinder prostituiert werden und mit Organisationen gearbeitet, welche die Kinder befreien und danach für sie sorgen. Die Kinder haben mir persönlich ihre Storys erzählt, was sie alles durchmachen mussten. Nichts Lustiges und definitiv nicht etwas, um damit einen Trend auf Twitter zu machen!»

Dem könnte man nachgehen, das könnte man zum Ausgangspunkt einer Story machen. Das so etwas existiert, ist unbestreitbar. Ich selbst habe schon Reportagen darüber gemacht, in Zentralamerika. Aber diese Flachpfeifen von Voigt abwärts haben schon längst vergessen, was Journalismus ist. Wenn sie es überhaupt jemals wussten.

Immerhin haben sie es geschafft, eine kranke Frau noch mehr einzuschüchtern. Sich dabei über etwas vom Widerlichsten, was es gibt – Kinderhandel – lustig zu machen. Bravo, das ist mal wieder echter Humanismus, Solidarität und Menschlichkeit, die diese Fanatiker nachleben wollen – und deren Fehlen sie anderen so lautstark vorwerfen. Unappetitliche, unfähige Heuchler, die sie sind.

Bajour sammelt wieder einmal Geld

Für was? Für «journalistische Recherchen».

Bajour will es wissen: «Wem gehören eigentlich all diese Häuser in Basel?» Besorgt fragt das Teenie-Portal: «Was haben die Eigentümer*Innen mit unserer Stadt vor?» Vielleicht die Errichtung von Klein-Gomorrha? Einen Blaumilchkanal? Den Bau eines neuen Roche-Turms, diesmal aber horizontal? Wen ruft man für solche Fälle?

Natürlich, Hansi Voigt. Er und seine Band haben darum eine Crowdsourcing-Aktion ins Leben gerufen. Die Redaktion sammelt Geld, um über alle Häuser Basels in Erfahrung zu bringen, wer darin schläft. Eigentlich ist das in Basel einfacher als in anderen Kantonen. Pro IP-Adresse sind täglich 20 Eigentumsauskünfte möglich. Gratis, via Computer und unbürokratisch. In Zürich muss man das am Telefon machen und nach einer halben Stunde legt der zuständige Notar freundlich wieder auf.

Die Bajour-Redaktion müsste eigentlich auch noch ein Crowdfunding für einen neuen Taschenrechner starten. Denn: «Würde die zehnköpfige Bajour-Redaktion alleine auf Spurensuche gehen, bräuchten wir 1,5 Jahre, um sämtliche Besitzverhältnisse auszulesen.»

Nicht doch, Kinder, falsch gerechnet. Der Gebäudebestand für den Kanton Basel-Stadt belief sich 2020 auf 23’462. In vier Monaten sollte die Redaktion mit sämtlichen Anfragen durch sein. Dafür muss man kein Geld sammeln. Zumal der Hintergrund der Aktion nicht ganz durchschaubar ist.

Die gesammelten Daten sollen gemäss Homepage «einzig für journalistische Recherchen verwendet» werden. Beispiele aber fehlen. Das Problem bei solchen journalistischen Aktionen ist immer das gleiche: Wer keine Story im Kopf hat, liefert auch mit zwei Bananenschachteln voll mit Daten keine brauchbare Geschichte ab. Das habe ich auf vielen Redaktionen erleben müssen.

Das Bau- und Verkehrsdepartement schränkt die Spiellust mit den sensiblen Daten etwas ein. Es antwortete auf Anfrage von Zackbum:

Wer die gesammelten Daten koordiniert und aufbewahrt, unterliegt gesetzlichen Regelungen über den Datenschutz und ist gegebenenfalls den betroffenen Personen (deren Daten sie gesammelt haben) gegenüber auskunftspflichtig.

Ob Voigt & Co. das wissen? Wir wollen aber keine Spielverderber sein. Es gäbe da noch eine andere Datengeschichte für Journalisten mit viel Freizeit: Beim Zürcher Strassenverkehrsamt darf man jeden Tag 5 Anfragen über Kontrollschildnummern tätigen. Es gibt über eine Million Autos, Schiffe, Töffs und Traktore im Kanton Zürich. Mit etwas Aufbauschen lassen sich schöne Geschichte machen: Wem gehören zum Beispiel die Traktoren mit den Kontrollschildnummern 12-120??? Falls die 10-köpfige Abenteuergruppe noch heute startet, werden sie im 21. Jahrhundert mit allen Nummern fertig.

Dancing Hansi Voigt

Doch stimmen die Bajour-Zahlen?

Ob wir unsere Leser lieben? Nein, bestimmt nicht. Wir lieben unsere Frauen, guten Wein und Paprika-Chips. Gute Kommentare schätzen wir aber sehr. Das Irgendetwas-mit-Medien-Portal Bajour.ch hingegen liebt seine Leserschaft närrisch. Andrea Fopp wendet sich in einem Artikel direkt an ihre Leserschaft: «Merci für eure Liebe», «eure vielen lieben Mails», «Wir lieben unsere Lüüt», «Wir hören auf dich, liebe Community».

Für Aussenstehende ist so viel Liebe erdrückend und etwas peinlich. Wird das Portal wirklich so doll geliebt? Wir wissen es nicht. Als Zürcher mute ich mir grundsätzlich kein Urteil über den Verfassungszustand von Baslerinnen und Baslern zu. Das Höchste der Lesergefühle ist für mich persönlich: Interesse. Fragen wir darum anders: Interessiert sich das Publikum für das seltsame Portal? Wohl kaum. In den letzten 20 publizierten Artikeln (Stand 23.01.) sieht die Teilnahme so aus: 5 Artikel wurden einmal kommentiert, 3 Artikel zweimal und nur ein einziger dreimal. Überhaupt nicht kommentiert wurden 11 Texte. Das ergibt leider einen Schnitt von 0,7 Kommentare pro Artikel. Zum Vergleich: Zackbum kriegt dreimal mehr Rückmeldungen. Wenig Resonanz auch auf dem Twitter-Account.

Nicht beachtet, aber heiss geliebt? Kommt in der freien Wildbahn selten vor.  Aber angeblich soll bajour.ch im Dezember in zwei Wochen 385 neue Member gewonnen haben. Die Redaktion flippte natürlich wieder aus: «Community, wir wollen ein Kind von dir!» Selbst Co-Chefredaktor Hansi Voigt tanzte vor Freude.

Nun, über die «Republik» darf man schreiben, was man will. Aber: die Namen der «Verlegerinnen und Verleger» sind kein Fake. Die stimmen. Bei bajour.ch heissen die neuen Member hingegen so: Camille, Tobi, Gilda. Gibt es diese Menschen auch in Wirklichkeit? Oder heissen so nur die aufblasbare Puppe (Camille), die Gleitcrème (Gilda) und der Vibrator (Tobi)?

Gibts die wirklich?

Hansi Voigt gab uns keine Auskunft. Der Hüpfer ist ähnlich schreibfaul wie seine «liebe Community».

Blablajour: Das haben nicht mal die Basler verdient

Schon Kurt W. Zimmermann beschimpfte die Basler als mediale Trottel. Recht hat er.

Fehler machen kann jeder. Als der Basler Daig mit offenen Mündern zuschaute, wie ihre grossartige Verlegerdynastie die «Basler Zeitung» an den Rand des Ruins führte, hätte es theoretisch die Möglichkeit gegeben, dem unfähigen Hagemann Junior sowohl finanziell wie strategisch unter die Arme zu greifen.

Lieber nicht, sagte sich der Daig. Als sich dann enthüllte, dass der Gottseibeiuns für viele Basler Linke, Edellinke und Daig-Linke, dass Christoph Blocher die «Basler Zeitung» gekauft hatte, begann sogar der Daig zu blubbern und Pickel zu kriegen.

Und als dann auch noch der kleine Gottseibeiuns die Chefredaktion übernahm, da war es fast allen in Basel klar: So geht das nicht. So geht das überhaupt nicht. Statt eine langsam in den roten Zahlen ersaufende, dafür aber Basler BaZ haben wir nun ein von Zürich aus gekapertes Blatt, das so rechtspopulistisch sein wird, dass nur noch die rechte Randspalte bedruckt wird.

Die Rettung nahte: Geld wie Heu

Was tun, fragte sich da der Daig, wie weiland Lenin. Wie es sich gehört, fanden diskrete, aber erregte Gespräche statt. Viele Redaktoren der BaZ waren natürlich zutiefst entrüstet, dass sie nun sicherlich statt von links nach rechts von rechts nach links schreiben mussten. Niemals, sagten sie, aber blöd auch, aufrecht kündigen wäre einfach, einen neuen Job suchen nicht so sehr.

Aber die Rettung nahte, eine reiche Pharma-Erbin öffnete die Portokasse ihrer Portokasse und schmiss ein paar Millionen auf. Damit kann man etwas anfangen, sagten sich viele Journalisten, auch bei der BaZ, die zwar ums Verrecken keinen Anlass fanden, um dem neuen Chefredaktor Markus Somm in irgendeiner Form Zensur, Eingriffe, politische Vorgaben vorwerfen zu können.

Das alles sollte erst noch kommen, denn nach vielen öffentlich solidarisch, aber insgeheim natürlich intrigant geführten Debatten entstand die «TagesWoche». Nun konnten einige BaZ-Journalisten, nicht gerade die besten, endlich die Konsequenz daraus ziehen, dass sie zwar nicht auf rechtspopulistische Linie getrimmt werden sollten, aber grundsätzlich und aus Prinzip nicht für ein Blocher-Somm-Organ arbeiten konnten.

Statt Begeisterung sehr schnell Ernüchterung

Am 28. Oktober 2011 erblickte die erste Ausgabe das Licht der Welt; mit dem grossartigen Slogan: «Die Welt im 21. Jahrhundert braucht Medien aus dem 21. Jahrhundert.» Das mag so sein, aber während Gottseibeiuns Blocher zusammen mit Eisenfuss Bollmann den Trümmerhaufen BaZ aufräumte und sanierte (nicht zuletzt mit dem Einschuss von Geld in die Pensionskasse), holperte die «TagesWoche» von Anfang an vor sich hin.

Anspruch und Einlösung, mit vollen Händen das Startkapital ausgeben, aber keinerlei Businessplan, wie es nach einer Anschubfinanzierung aus eigenen Kräften weitergehen sollte: die erste Begeisterung, es den Zürcher Invasoren gezeigt zu haben, machte sehr schnell einer grossen Ernüchterung Platz.

Wie es sich gehört, begannen auch ziemlich schnell die offen ausgetragenen Intrigen und Machtkämpfe im Kollektiv. Schon nach anderthalb Jahren wurde der Gründungschefredaktor abgesägt. Ein knappes Jahr später wurde Urs Buess offiziell entsorgt. Dem Trio um Dani Winter wurden zwar exzellente Beziehungen zur Mäzenin nachgesagt, aber Performance, Erfolg, Führung, das waren nicht so ihre starken Seiten.

Schritt für Schritt konsequent zum Ende

Den Anfang vom Ende leitete das Bekanntwerden eines übelriechenden Deals ein. Mehr als die Hälfte der beglaubigten Printauflage verstopfte gratis die Flughäfen Basel und Zürich. Machen auch andere, aber nicht gleich mit dem grösseren Teil der Auflage. Auch die tolle «Community» mit angeblich ziemlich aktiven 10’000 Mitgliedern erwies sich als ein Luftschloss. 70 Prozent von ihnen waren laut den eigenen Statistiken der TaWo noch nie aktiv geworden.

2015 wurden dann auch Dani Winter samt Gefolgschaft per sofort rausgeworfen. Ab Januar 2016 versuchte es noch ein Neuer, aber auch Christian Degen verliess das sinkende Schiff ein Jahr später. Am 5. November 2018 überraschte dann die Herausgeberschaft die wenigen verbliebenen Leser und Mitarbeiter mit der Nachricht, dass das Blatt zugeklappt werde. Sicher reiner Zufall, dass das eine Woche nach dem Abschluss des Verkaufs der BaZ an Tamedia bekannt gegeben wurde.

Hat die reiche Mäzenin etwas aus diesem Desaster gelernt?

Ende der Fahnenstange, 30 gefeuerte Mitarbeiter verbrachten fröhliche Weihnachten. Nun könnte man ja einige Schlussfolgerungen daraus ziehen. Zum Beispiel, dass ein Organ «gegen» damit keine Existenzberechtigung  für irgendwas bekommt. Zum Beispiel, dass sich die TagesWoche eigentlich als Lokalblatt positionieren wollte, ihre Redaktoren aber natürlich lieber die grosse, weite Welt als ihr Thema sahen.

Und schliesslich, eine millionenschwere Anschubfinanzierung ist eine tolle Sache, aber irgend etwas oberhalb von «wird schon irgendwie» als mittelfristiger Businessplan, das sollte es schon mal geben. Gab’s nicht, stattdessen Intrigen, Stühle wegziehen, Beschiss.

Unverdrossen, denn es leert sich ja weiterhin nur die Portokasse der Portokasse, wurde neuerlich eine Million pro Jahr als Anschubfinanzierung für irgendwas ausgelobt. Ausgerechnet dem begabten Millionenverröster Hansi Voigt den Zuschlag zu erteilen, der gerade nicht ganz freiwillig die Geldvernichtungsmaschine «watson» verlassen hatte, zeugte nicht gerade von Weitblick und gewonnenen Erkenntnissen.

Schon wieder riecht es streng nach Untergang

Wie schon mehrfach berichtet, brüstet sich bajour.ch inzwischen mit «2427 Member». Da Voigt sich leider weigert, unsere Fragen zu beantworten, weiss niemand, ob die wirklich oder nur digital existieren. Aber selbst wenn, wie bajour mit seiner aufgeblähten Mitarbeiterstruktur mit bloss 100’000 Franken im Jahr durchkommen will, wenn dann mal die drei zugesagten Millionen verbrannt worden sind, das steht in den Sternen. So viel verbraucht bajour bei jämmerlichem Output für Gehälter und Infrastruktur. Pro Monat.

Aber im Gegensatz zur «TagesWoche» überzeugt bajour doch sicher durch eine umfangreiche und aktuelle Berichterstattung aus Basel? Nun ja, dem vielköpfigen Team um Voigt ist es in diesem Jahr gerade mal gelungen, ganze sechs Stücke rauszupusten. Darunter ein Gastkommentar und ein Bericht über nachkolorierte alte Aufnahmen von Basel.

Zuoberst ein Nachruf auf Genosse Pfister, ein Klimaprozess, die Eröffnung eines Second-Hand-Shops. Und dann das.

Schon ins alte Jahr zurück führt das Trendthema Sexualität. Einmal als «Transboys will be Boys and only Boys? Blödsinn!» (muss man nicht verstehen) oder als

«Ich hasste es, eine Frau zu sein.»

Ein erschreckender Bericht über Endometriose; fünf Betroffene berichten (muss man nicht kennen). So der Stand am 5. Januar 2021.

Für diese magere und tropfenweise verabreichte Kost sollen tatsächlich knapp 2500 Basler je 40 Franken springen lassen? Und sich wunschgemäss verzehnfachen, wenn bajour in zwei Jahren aus eigenen Kräften über die Runden kommen soll? Also

so vertrottelt können nicht einmal die Basler sein,

Zimmermann hin oder her.

 

Packungsbeilage: Ich publizierte in der BaZ unter Somm. Über alles, was ich wollte. Wie ich wollte. Niemals zensiert, niemals umredigiert.

Bajour: Wer hat an der Uhr gedreht?

Sicher nicht der Duhden.

An Einsatz mangelt es ihnen nicht, den Bajour-Journalist*innen. Minustemperaturen hindern eine Journalistin nicht, die Nacht mit einer bettelnden Romafamilie zu verbringen. Sie lernt: Die Basler*Innen sind dieser Tage nicht sehr spendabel. Der Autorin fröstelt es, der Autorin dämmert es: Basel ist wahrlich keine «Humanist*innenstadt».

Immerhin schreibt sie irgendetwas. Allgemein muss man aber feststellen,  dass die sieben Journalist*innen von Bajour klamme Finger haben. Ihr Output ist geringer als die Spenden für die Romafamilie. Ein Text pro Tag. Mehr geht nicht. Sieht dann aber nicht schön aus auf der Homepage, wenn beim neusten Text steht: «vor drei Tagen publiziert». Bajour kennt das Problem und zaubert es weg. Wie das geht? Ganz einfach: Die Texte werden «aktualisiert». Unter einem zwei Tage alten Texten steht dann zum Beispiel: «vor 10 Minuten aktualisiert». Manche Texte werden vier oder fünfmal «aktualisiert». Was genau aktualisiert wird, erfährt man aber nicht.

Werden vielleicht Rechtschreibfehler korrigiert? Nicht doch. In den Redaktionsräumen sitzen zwar sieben Nasen, aber leider kein Duden. Die Folge ist grawierend. Beispiel Mittwochabend. Die Redaktion schreibt folgenden Lead:

Früher war die Nähmaschiene das wertvollste in Dorothees Besitz. Nun gibt sie sie weiter an eine Mutter mit drei Kindern. Die Wünschen sich auch was, kannst du weiterhelfen?

Vier Fehler, auch nicht schlecht. Wir stellten Bajour schüchtern eine Frage: «Leistet Ihr Euch einen Lektor?» Uns antwortet ein enervierter Hansi Voigt:

Wir haben kein Interesse daran, an Zackbum, die Medienshow, teilzunehmen.

Wird auch nicht verlangt. Aber vielleicht hätten die Gönner und Spender Interesse an den gestellten Fragen.

 

Das Private und das Öffentliche, Teil drei

Es bleiben nur Opfer zurück. Mit einer Ausnahme.

Hier geht’s zu Teil eins und Teil zwei.

Ein zum Helfer von Jolanda Spiess-Hegglin gereifter Boulevard-Journalist will auf abenteuerlichen Wegen ausgerechnet haben, dass «Blick» alleine online über eine Million Franken an seiner Berichterstattung über Spiess-Hegglin verdient habe. Lassen wir die Frage beiseite, wieso derselbe Helfer aus seiner Erfindung «watson» ein Millionengrab machte, wenn man dermassen einfach Geld im Internet scheffeln kann.

Eine Nebenfront als Bedrohung der Pressefreiheit

An einer Nebenfront ist es Spiess-Hegglin auch gelungen, eine superprovisorische Massnahme einstweilen durchzusetzen, die einer Journalistin präventiv verbietet, diverse Themenkomplexe um diese Landammannfeier publizistisch abzuhandeln. Das ist der wohl massivste Angriff auf die Schweizer Pressefreiheit seit dem Zweiten Weltkrieg.

Anstatt dieser Bedrohung für jeden investigativen Journalisten entgegenzutreten, wird dieses Urteil sogar bis in leitende Positionen von Medienkonzernen, zum Beispiel bei CH Media, begrüsst. Obwohl es bedeuten würde, dass jeder Journalist, der sich schon einmal über eine Person oder eine Firma kritisch geäussert hat, befürchten muss, dass er aufgrund eines Fragenkatalogs an dieses Objekt seiner Berichterstattung sofort mit einer Superprovisorischen überzogen werden kann. Was aus Angst um die Folgekosten die Lähmung der investigativen Tätigkeit bedeuten würde.

Das unschuldige Opfer ist allen Besorgten egal

Fast sechs Jahre nach dieser Feier bleiben eigentlich nur Verlierer und Opfer zurück. Zunächst P.K.*, der sich nichts zuschulden kommen liess, im wahrsten Sinne des Wortes unschuldig war und ist. Vielleicht könnte man sein Verhalten moralisch verurteilen, aber dass er gewaltige Kosten hatte, seine politische Karriere beenden musste, Ruf und soziales Ansehen verlor, das hat er sicherlich nicht verdient.

Es gehört zu den Perversionen dieses Falls, dass das völlig unschuldige Opfer allen Anhängern der Verteidigung von unschuldig in die Klauen der Sensationspresse geratenen Menschen schlichtweg schnurzegal ist.

Es gibt noch viel mehr Opfer

Ein weiteres Opfer ist das Ansehen der Zuger Justiz. Schon vorher nicht wirklich hoch, hat sie sich mit der hemdsärmeligen Auslegung des Umfangs der Privatsphäre einer öffentlichen Person an einer öffentlichen Feier nicht mit Ruhm bekleckert. Noch viel weniger mit dem Betreten von rechtlichem Neuland in Form einer präventiven und putativen Zensur von noch gar nicht Geschriebenem. Das ist die zum Leben erwachte Gedankenpolizei Orwells, die Umsetzung des Science-Fiction-Knallers «Minority Report».

Dann natürlich alle als Mitbeschuldigte oder Zeugen in diese Affäre geratenen Gäste, die doch eigentlich nur vor Weihnachten etwas ausgelassen feiern wollten. Dann die Angehörigen der beiden Hauptbeteiligten, die Kinder der Protagonistin, die Familie des unschuldig Beschuldigten.

Nach der Entschuldigung geht’s nur ums Geld

Alleine bei einer Beteiligten fällt es schwer, sie auch und ausschliesslich als Opfer zu sehen. Nachdem sie die von ihr selbst als moralisch wichtigstes Ziel bezeichnete öffentliche Entschuldigung von Ringier bekommen hat, und nun nur noch um Geld streitet, ist sie doch zumindest Opfer und Täterin. Indem sie ihr wohlgesinnte Journalisten exklusiv mit Informationen und Dokumenten anfüttert, wird ihre Behauptung, dass sie eigentlich nur in Ruhe gelassen werden möchte, sehr fragwürdig.

Hansi Voigt rechnet unlängst einen möglichen Gewinn von über einer Million Franken beim «Blick» aus, der mit Artikeln über Spiess-Hegglin erzielt worden sei. In seinem ausführlichen Interview mit Spiess-Hegglins Ehemann, das er im Juli 2017 auf «watson» veröffentlichte, ging er noch von «einem Bruttoumsatz der 19 Top-5-Geschichten von 80- bis 100’000 Franken» aus. Wie er von dieser Zahl inzwischen auf einen siebenstelligen Gewinn kommen will, ist schleierhaft. Aber Faktentreue, die Bestätigung von Aussagen, die er selbst gerade erfunden hat, Widerspruchsfreiheit, das war noch nie seine Stärke.

Luftnummern und realistische Einschätzungen

Nimmt man dagegen eine realistische Schätzung, begründet in Werbeeinnahmen und Erfahrungswerten, kommen Online-Marketingspezialisten auf einen denkbaren Gewinn von – alle erschienenen Artikel berücksichtigt und mit den jeweils obersten Annahmen – maximal 25’000 Franken. Diese Zahl würde auch mit dem damals von Voigt angenommen Bruttoumsatz von lediglich 19 Artikeln über Spiess-Hegglin korrelieren.

Faktenschwäche gilt auch für die von ihm damals vertretene Theorie, dass alle Indizien für die Anwendung von K.-o.-Tropfen bei Spiess-Hegglin, eventuell bei beiden Beteiligten, sprächen. Sie ist völlig aus der Luft gegriffen und widerspricht diametral dem extra erstellten «Plausibilitätsgutachten» eines ausgewiesenen Fachmanns.

Die absurde Logik eines negativen Verdachts

Da angeblich niemand weiss, was sich genau hinter verschlossenen Türen im Restaurant Schiff vor beinahe sechs Jahren abspielte, weil die Beteiligten einen Filmriss geltend machen, weil man hingegen weiss, dass es zu keinerlei strafbaren Handlungen dabei kam, verdichtet sich der unappetitliche Verdacht, dass hier jemand aus einem Filmriss ein Geschäftsmodell gemacht hat.

Denn es ist mit aller Rabulistik nicht möglich, einen sozusagen negativen Verdacht zu behaupten. Also eine Opferrolle mit der Behauptung zu konstituieren, dass es zwar keinen beweisbaren sexuellen Übergriff gegeben habe. Aber damit ja nicht erstellt sei, dass keiner stattgefunden hätte.

Das ist absurde Logik, nach dem Schema: Keine Katze hat zwei Schwänze. Eine Katze hat einen Schwanz mehr als keine Katze. Daher haben alle Katzen drei Schwänze.

*alle Namen der Redaktion bekannt.