Beiträge

Der Gender-Todesstern

Es passiert wieder Ungeheuerliches. Das ist dem Zentralorgan des Genderns fast eine Seite wert.

Aleksandra Hiltmann musste die schwere Bürde der Berichterstattung tragen. «Die Bundeskanzlei sagt Nein zum Genderstern», «Betroffene sind schockiert», bebt Hiltmann mit. Obwohl: «Sprachexperte nennt die neue Regelung «vernünftig»», aber das ist ja auch offensichtlich ein Mann.

Geschmackvoll präsentierte Aufforderung zur Sprachvergewaltigung.

Es war wieder einmal eine längere Zeit der Schockstarre zu überwinden, denn die «Weisungen und Erläuterungen der Bundeskanzlei» wurden bereits am 15. Juni 2021 veröffentlicht. Auf knappen 6 Seiten wird hier ausgeführt:

«Die Bundeskanzlei lehnt die Verwendung des Gendersterns und ähnlicher typografischer Mittel zur Markierung von Genderdiversität aus sprachlichen, sprachpolitischen und rechtlichen Gründen ab.»

Anschliessend werden 8 Gründe aufgeführt, von denen jeder einzelne schon reichen würde, diese Sprachvergewaltigung, diese neuste Marotte, diesen Missbrauch, diesen Stellvertreterkrieg für obsolet zu erklären.

Zunächst nur Hiobsbotschaften

Hier muss man sagen, dass die Bundeskanzlei ihre sprachlichen Hausaufgaben gemacht hat. Das gibt Hiltmann zähneknirschend und unvollständig wieder. Dann muss sie gleich mit einem weiteren Nackenschlag fortfahren: «Jürg Niederhauser, Präsident des Schweizerischen Vereins für Deutsche Sprache, findet die Weisungen zum Genderstern «vernünftig».»

Der Hiobsbotschaften nicht genug: «Das sieht auch Helena Trachsel, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung des Kantons Zürich, so – solange es um die strikt behördliche Kommunikation geht. «Mit Einwohnenden hingegen kommunizieren wir möglichst inklusiv», sagt Trachsel.»

Einwohnende? Wer kein blosser «Teilhabender» an der deutschen Sprache ist, sondern sie beherrscht, dem dreht es den Magen um bei diesem Missbrauch des Partizips Präsens, durch diese Missbrauchende. Aber, sonst wäre Hiltmann sicherlich verzweifelt, also eine Verzweifelnde geworden, schliesslich spricht einer Klartext: «Alecs Recher vom Transgender Network Switzerland (TGNS) findet:

«Die neue Weisung ist ein Fehler. Sie ist schockierend, verletzend und widersprüchlich.»»

Was tun? Auch dazu hat Recher eine klare Meinung, ist also ein klar Meinender: «Die Expertise von nicht binären Menschen ist da, die Bundeskanzlei muss diese nun schnellstmöglich bei Organisationen wie TGNS abholen, von sich aus.» Bis dahin, so fordert Recher, solle die Bundeskanzlei ihre neu erlassene Weisung zum Genderstern zurückziehen.»

Wer ist eigentlich diese Organisation TGNS?

Wer ist eigentlich diese Organisation TGNS? Gegründet von ebendiesem Recher, der zudem dort angestellt ist, besteht sie aus einer unbekannten Anzahl Mitgliedern; ihr Vorstand präsentiert sich so:

  • May Freigang, Co-Präsidium (sie / ihr)
  • Eneas Pauli, Co-Präsidium (er / they)
  • Siméon Seiler (er / they / kein Pronomen)
  • Mi (kein Pronomen)
  • Louis Käser (er)
  • James Ackermann (er)
  • Iliri Rexhepi (kein Pronomen, they / them)
  • Henryk Amalia (hen)

Sagen wir mal vorsichtig so: gewöhnungsbedürftig. Oder schlichtweg Randgruppenprogramm, unwichtig, nebensächlich, bedeutungslos. Eigentlich würde es zu den Aufgaben einer kompetenten Journalistin gehören, für den Leser transparent zu machen, wie bedeutend die von ihr zitierten Personen sind, bzw. welche Bedeutung deren Positionen oder Organisationen haben.

Aber Hiltmann ist eben eine Journalierende, keine ernstzunehmende Journalistin. Sie arbeitet zudem weiterhin für den als sexistisch, frauenfeindlich, demotivierend und ungerecht gegenüber Frauen stigmatisierten Tamedia-Konzern: «Der Genderstern wird in journalistischen Texten nicht angewendet», muss sie die Position der «Redaktion Tamedia» wiedergeben.

Was sagt denn die Konkurrenz zum Thema?

Der Artikel ist hinter der Bezahlschranke von Tamedia verborgen, was also den Lesenden sagen will, dass dieser Text, auch als Textin, formuliert von einer Textenden, Geld wert sein soll. Das wagen wir zu bezweifeln. Die Konkurrenz aus dem Hause CH Media hat sich immerhin zu dieser Zusammenfassung hier aufgerafft:

  • Genderstern: Bürger*in. Das Sternchen – der Asterisk – steht für die geschlechtliche Vielfalt. Wird zusehends von Behörden, Firmen und Organisationen genutzt.
  • Gender-Doppelpunkt: Bürger:in. Diese Schreibweise ist gerade für Seheingeschränkte angenehmer zu lesen. Ebenso soll der maskuline Wortstamm weniger im Vordergrund stehen.
  • Gendergap: Bürger_in. Die Lücke steht für geschlechtliche Variationen. Auch als kleine Pause beim Sprechen zu hören.
  • Schrägstrich-Schreibweise: Bürger/in. Hat sich namentlich bei amtlichen Stellen als Variante in Kurztexten etabliert.
  • Binnen-I: BürgerIn. Seit über 30 Jahren etabliert, um Frauen und Männer in einem Wort zu nennen.
  • Ausrufezeichen: Bürger!n. Wird von Luise F. Pusch, der Begründerin der feministischen Linguistik, als Übergangslösung vorgeschlagen. Soll weniger Lückenfüller sein als der Gendergap.

Wer Nachhilfe will; wir verlangen keine Kommission …

Das Organ der vertieften Recherche fügt hinzu: In Zürich empfiehlt die Fachstelle für Gleichstellung, den Genderstern im Unterricht zu verwenden. Die oberste Schweizer Lehrerin ist darüber nicht erfreut. So raportiert «watson» einen Bericht im «Tages-Anzeiger». Besonders lustig dabei: der zuständige Stadtrat Filippo Leutenegger soll von diesem Anschlag auf unschuldige Schüler nichts gewusst haben.

Wir möchten eigentlich von solchem Unfug überhaupt und allgemein nichts mehr wissen …

Nachhilfe für Ta*medIa***

Die Beherrschung der Sprache ist die Grundvoraussetzung für Journalismus. Einverstanden?

«Der Löwe, das Pferd, die Schlange.» Mit diesem einfachen Beispiel versuchte der deutsche Sprachpapst Wolf Schneider auch Uneinsichtigen oder Unfähigen zu erklären, dass menschliches Geschlecht und grammatikalisches Genus nichts, aber auch überhaupt nichts miteinander zu tun haben.

Es gibt Sprachen, die überhaupt kein Genus kennen, wie zum Beispiel Türkisch. Nach der Absurdlogik der Genderpseudowissenschaft müssten also Türkinnen weitgehend frei von Unterdrückung, Sexismus oder Belästigungen sein.

Einfacher Umkehrschluss, wenn die angeblich so entscheidend wichtige «inklusive» Sprache irgendeine Bedeutung oder Auswirkung hätte.

Die gute Nachricht ist feminin und daher hier verkündet: das ist für eine ganze Weile der letzte Versuch (masc.), hyperventilierende vor allem weibliche Journalisten an einen korrekten Gebrauch der deutschen Sprache heranzuführen.

Wer Sprache einer Ideologie oder Fanatismus unterordnet, scheitert

Das ist bekanntlich die Grundlage des Handwerks, die Beherrschung des Werkzeugs, das Vermeiden von Sprachverbrechen. Persönliche Gefühle oder Eindrücke oder jede Art von Aberglaube ist fehl am Platz. Wer eine Leiter baut, kann ja auch nicht sagen, weil er abergläubisch sei, lasse er jeweils die 13. Stufe aus.

Der sogenannten Sache der Frau wird damit kein Dienst erwiesen, denn welche Verbesserung ihrer Situation sollte durch die Vergewaltigung der deutschen Sprache bewirkt werden? Ganz abgesehen davon, dass gerade im deutschen Sprachraum Säuberungen, Anpassungen, kurz die Unterordnung der Sprache unter eine Ideologie, in unguter Erinnerung ist.

Schliesslich: Wenn sich fast jeder Journalist als Virologe, Epidemiologe, als Diagnostiker, Therapeut und Besserwisser aufspielen will, wohlan. Dass aber fachfremde und unqualifizierte Personen an der Sprache herumdoktern wollen, ist ungefähr so sinnvoll, wie wenn die Krankenschwester in den Operationssaal stürmt, den für den Eingriff vorgesehenen Chirurgen beiseite stösst und sagt: Weg da, das ist eine Patientin, die kann nur von einer Frau operiert werden.

Ohne Wissen und Beherrschung des Handwerks wird’s schnell peinlich

Womit wir schon bei Aleksandra Hiltmann wären. Sie hat Politik- und Medienwissenschaften studiert, ein paar Praktika absolviert und schreibt nun für Tamedia. Damit soll nicht gesagt sein, dass nur doktorierte Germanisten (wie ich) Überlegungen zur deutschen Sprache anstellen dürfen. Aber eben, ohne Beherrschung des Handwerks wird’s schnell peinlich.

Denn irgendwann in grauer Vorgeschichte muss ein Volltrottel auf die Idee gekommen sein, das Genus auf Deutsch zu übersetzen. Gattung erschien ihm offensichtlich zwar korrekt, aber nicht richtig fassbar. Also setzte er auf Geschlecht. Seither haben wir den Salat. Den richtet Hiltmann nochmal an und hin. Sie behauptet, zu helfen und will «einen Überblick über die gängigen Formen für inklusive Sprache» geben.

Das ist noch einigermassen witzig, denn mit «gängig» rudert sie um das Problem herum, dass in ihrem Salat nicht nur ungeniessbare Blätter taumeln, sondern auch schlichtweg falsche, verbotene, schädliche. Gängig ist zudem überhaupt nichts davon. Oder wie antwortete der wohl grösste lebende Schweizer Germanist, Peter von Matt, auf die Frage, was er vom Genderstern halte und ob er ihn verwende: «Nein.»

Mehr ist eigentlich auch nicht zu sagen, aber man muss leider. Es gebe viele Arten, hebt Hiltmann an, «wie Sie gendergerecht schreiben, sprechen, formulieren können». Das mag so sein, aber ihre Beispiele belegen das nicht, sondern sind Mumpitz.

Paarformen verwenden, ist ihr erster Ratschlag. Als Vollform: Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter. Als Kurzform: Bauarbeiter/-in oder BauarbeiterIn. Das mit dem generischen Maskulin erklären wir nicht nochmal, genauso wenig, dass die meisten Zuweisungen des Genus nicht nach Geschlecht, sondern aus einer Vielzahl von Gründen erfolgten. Eben der Löwe, das Pferd, die Schlange.

Personen bezeichnen, aber nicht deren Geschlecht, nächster Fehlschlag. Statt Lehrer könne man Lehrperson sagen. Das sei ein «geschlechtsabstrakter Begriff». Da lacht das Huhn und auch die Hühner, selbst die Hähne und Hennen. Die Lehrperson (fem.) sei geschlechtsabstrakt? Toll, also kann ich mich als Mann in «die Person» inkludiert fühlen, aber eine Frau bei «der Mensch» nicht?

Schlimmer geht’s immer

Aus einem Partizip eine Personenbezeichnung machen: «die Dozierenden, die Studierenden, die Teilnehmenden». Hier verlässt Hiltmann nun völlig die korrekte Verwendung der deutschen Sprache und des Partizips Präsens. Wie dessen Name schon andeutet, wird es ausschliesslich für eine in dem Augenblick der Anwendung ausgeführte Aktion verwendet. Das eher selten, so nebenbei. Aber es ist erlaubt: sie ist schlafend. Absurd wäre hingegen, das in die Schlafende zu verwandeln. Denn das ist keine stetige Eigenschaft dieser Frau. Hoffentlich. Genauso, wie die Studierenden keine mehr sind, wenn sie heimfahren, essen, schlafen. Aber Studenten sind sie alleweil noch.

Jetzt wird’s ganz grauenhaft, fehlerhaft, übelkeitserregend nicht nur gegen Sprachregeln verstossend (!), sondern auch gegen die Grundidee jeder Kommunikation: so leichtverständlich wie möglich zu sein. Nicht so verschwurbelt, verdreht, zerquält wie möglich.

Darunter läuft

Polizist*in, Busfahrer:in, Professor_in oder gar Studierx, Professx.

Nein, beim Teutates, das erfinde ich nicht.

Auch alles Weitere an Ratschlägen hat zwei Gemeinsamkeiten: es findet jeweils im best case eine Bedeutungsverschiebung statt, im worst case kommt noch ein Sprachverbrechen hinzu.

Ein Bravo für die tapferen Leser

Ich frage die tapferen Leser (Gattungsbegriff, Leserinnen, non-binäre, Transmenschen und «keine Ahnung, was für ein Geschlecht ich habe» inbegriffen), die bis hierher durchgehalten haben: Will wirklich jemand ernsthaft behaupten, dieser ganzer Mumpitz mache irgend einen Sinn? Glaubt wirklich jemand, diese krampfhaften Spitzenklöppeleien und Untergriffe in abgehobenen Sprachebenen interessiere irgend jemand? Ausserhalb der Gesinnungsblase? Schliesslich: will jemand sagen, dass eine Befolgung dieser Quatsch-Regeln irgend eine segensreiche Auswirkung auf die Verbesserung der Stellung der Frau habe? Sie sich dann weniger ausgegrenzt, mehr angesprochen, weniger diskriminiert, mehr geschätzt fühlen würde?

Wir befürchten, nein, sind überzeugt: Dieser Mumpitz schadet der Sache der Frau ungemein; erstickt durch Lächerlichkeit im Grunde sinnvolle und diskussionswürdige Debatten über geeignete Massnahmen zur Emanzipation der Frau, wo sie ungerechtfertigt diskriminiert wird. Gut gemeint ist hier dramatisch schlecht gemacht.

Farmy sieht nur noch Sterne

Ganze 30 Zertifikate führt Farmy an. Bio, Fairtrade, vegan, alles da. Nur ein Duden fehlt.

Roman Hartmann und Tobias Schubert hatten eine gute Idee. Eine Plattform, die ausgewählte Produzenten mit der Kundschaft verbindet. Natürlich lokale Bauern in der Nähe, nachhaltig hergestellte Lebensmittel, auf Wunsch mit allen denkbaren Zertifikaten versehen.

Dann nach Hause geliefert. Zu Corona-Zeiten geht das Geschäft durch die Decke. 170 Prozent Umsatzsteigerung 2020, 150 Mitarbeiter, Freude herrscht. Natürlich ist das nicht ganz billig, ein gutes Gewissen muss man sich erkaufen. Mindestbestellwert 50 Franken, die man auch recht locker erreicht, bei den Preisen.

4 Steaks à 180 g: 63.60. Dafür ist dann in einer bestimmten Zone auch die Lieferung inbegriffen. Ab 120 Franken Einkauf ist sie überall gratis. Alles wunderbar, glückliche Produzenten, glückliche Kunden, glückliche Farmy-Betreiber.

Alle sind happy, nur die deutsche Sprache nicht

Wenn da nicht dieses verflixte Deutsch wäre. Einer der beiden Gründer zeigt schon bei seiner Selbstvorstellung leichte Schwächen: «Als Mit-Gründer von Farmy.ch habe ich mit der Erschaffung von diesem Marktplatz meinen Traum verwirklichst. Und zwar an einem Ort die besten Produkte bestellen zu können und dabei wissen wer es produziert hat.» Roman Hartmann traut sich immerhin, Tobias Schubert verzichtet wohlweisslich auf einen Text.

Nun kann man natürlich einwenden, dass man als Betreiber eines digitalen Marktplatzes nicht unbedingt die Rechtschreibung perfekt beherrschen muss. Das kann man so sehen. Aber leider geht Farmy noch einige Schritte weiter. Wer als Kundschaft jede Menge von Dauererregten über alles Unrecht auf der Welt hat, die sich unbedingt um schwarze Leben Sorgen machen und auch um die Diskriminierung der Frau, von non-binären Geschlechtszugehörigkeiten ganz zu schweigen, will natürlich auch selber überkorrekt sein.

Das führt dann dazu: «Unsere Kurier*innen werden bei der Lieferung klingeln, um das weitere Vorgehen mit dir zu besprechen. Solltest du nicht zu Hause sein, deponiert dein*e Farmy-Kurier*in deine Lieferung wettergeschützt an der Tür und sendet dir ein Foto.»

Falsch, schwer lesbar, anders diskriminierend

Ganz abgesehen davon, dass das schlichtweg falsch ist, den Text schwer lesbar macht und zudem vor Inkonsequenz strotzt: Es soll ja auch Kunden geben, die das flotte Du noch knapp hinnehmen, das hat Ikea salonfähig gemacht. Auch wenn das ungefragte Zwangs-Du auch als unverschämter Übergriff angesehen werden könnte.

Die armen Kuriere müssen sich auch einiges gefallen lassen. Wurden sie jahrhundertelang mit dem geschlechtsneutralen – weil eine Gattung ausdrückenden – Maskulin umfassend abgebildet, als der Kurier oder die Kuriere, soll das heute nicht mehr gehen. Aber wie es bei völlig überflüssigem Pipifax nicht selten vorkommt: anstatt ein angebliches Diskriminierungsproblem zu lösen, schafft der Gender-Stern einige neue.

Wie soll sich ein (soll’s geben) männlicher Empfänger dieses Schreibens oder ein männlicher Kurier hier wiedererkennen: dein*e Farmy-Kurier*in? Schlimmer noch. Der übergeordnete und halt aus sprachhistorischen Gründen maskuline Gattungsbegriff umfasste alle. Männlein, Weiblein, Transen, Schwule, Lesben, also den ganzen Begriffszoo von «nicht-binären» Geschlechtern, der sich inzwischen gebildet hat.

Apropos Zoo: Es ist für eigentlich alle klar, dass die Katze auch den Kater umfasst, erst im Zusammenhang erschliesst sich, ob das weibliche Exemplar gemeint ist. Der Elefant kann auch eine Elefantin sein, obwohl dieses Wort gar nicht existiert. Wie das früher bei Kurier auch unbestrittener Brauch war und Rechtschreiberegel ist.

Werden nun alle non-binären Menschen diskriminiert?

Aber, jessas, der Genderstern schliesst ausser Männlein und Weiblein alle anderen Geschlechter aus. Diskriminiert sie, ist also ein Rückfall in finstere Zeiten. Selbst modernere Stelleninserate verwenden heutzutage bei der Geschlechtsangabe vorsichtig m/w/d. Also männlich, weiblich oder divers.

Das wird aber weder den Kunden, noch den Kurieren bei Farmy zugestanden. Stellen wir uns nur mal vor, wie diskriminiert sich alle non-binären Menschen fühlen müssen, die meinten, sie arbeiteten bei einem fortschrittlichen, korrekten, nichts und niemanden ausgrenzenden Betrieb. Und dann das.

Wie sieht das Farmy? Leider verfügt der wachsende Markt über keine Medienstelle. Florian Laudahn, ein «flexi-veganer Hobbykoch» leitet zwar PR & Marketing, rückt keine Mailadresse raus. Aber die Fragen erreichen ihn dennoch, und er antwortet zackig.

Farmy vertraut den Falschen

Das Gendersternchen sei eine «der zeitgemässen und üblichen Arten, alle Geschlechter miteinzubeziehen». Das gelte im Übrigen für alle Geschlechter. Dabei bezieht sich Laudahn auf ein Paper der Universität Bern, genauer deren «Abteilung für die Gleichstellung von Frauen und Männern». Diese Abteilung hat ein 46-seitiges Werk «Geschlechtergerechte Sprache» mit jeder Menge Empfehlungen herausgegeben.

Selbst die Mitarbeit eines Germanistik-Professors hinderte die Uni Bern nicht daran, sich mit fundamental falschen Aussagen nicht nur wissenschaftlich lächerlich zu machen. So wird eingangs kühn behauptet: «Beim Lesen und Hören männlicher Personenbezeichnungen werden Frauen nicht gleichberechtigt gedanklich einbezogen.» Die männliche Verteidigung, dass das «generische Maskulinum» alle anderen Geschlechter mitumfasst, weil Genus nicht das Gleiche wie Geschlecht ist, sei Unfug; damit «wird nicht nur die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern aufrechterhalten, sondern wird auch missverständlich und unhöflich formuliert».

Auch auf die Gefahr hin, beschuldigt zu werden, ich wolle die Ungleichbehandlung aufrechterhalten und formuliere deswegen missverständlich und gar unhöflich: Mit Verlaub, Frau Professor*in DoktorIn* Doris Wastl-WalterIn, «Vizerektorin Qualität, Nachhaltigkeit und Gleichstellung»: das ist professoraler Stuss. Die nachdrücklich empfohlene Verwendung dieser falschen, monströsen, die Sprache verunstaltenden Formen ist schlichtweg Unsinn. Mehr noch: sie ist dumm. Denn sie widerspricht den deutschen Sprachregeln. Die kann man sicherlich verändern wollen, aber sie zu brechen, das ist weder wissenschaftlich noch erfolgsversprechend.

Kein Befehl, aber eine klare Drohung

Auch wenn Sie unverschämt drohend dazu auffordern. Die Universität schreibe zwar keine verbindliche Sprachregelung vor, aber: «Dennoch möchte ich mit Nachdruck betonen: Die ausschliessliche Verwendung männlicher Personenbezeichnungen, die in schriftlichen Arbeiten, aber auch in Veranstaltungen der Universität Bern mitunter noch Verbreitung findet, erfüllt die Anforderungen an eine geschlechtergerechte Sprache beziehungsweise Universität nicht.»

Ein starkes Stück, denn das heisst auf Deutsch: natürlich ist Lehre und Forschung frei, und wer bei der Formulierung seiner Arbeit sich an die Regeln der Rechtschreibung hält, darf das tun. Nur erfüllt er damit die Anforderungen der Universität nicht. Und kriegt deshalb ohne Weiteres eins in die Fresse.

Genus und Gattung mit Geschlecht zu verwechseln, ist Unfug

Das ist ungefähr so blöd, wie wenn eine Frau sagen würde: «Auf diesem Verbotsschild ist nur ein männlicher Fussgänger abgebildet, daher gilt das nicht für mich und mein Kind.» Es ist sogar noch schlimmer, weil es kein einziges Problem der Gleichberechtigung löst, dafür aber eine Unzahl neuer schafft.

In dem Sinn ist Farmy entschuldigt. Sie haben den Fehler gemacht, der Uni Bern zu vertrauen. Wer schon jemals leise Zweifel daran hatte, ob alle Disziplinen und Professuren an unseren Unis wirklich nötig und ihr Heiden-, Pardon, ihr Heidigeld wert sind, soll sich nur einmal dieses Papier antun. Sicher, keiner steht die 46 Seiten durch, aber dafür darf häufig und herzlich gelacht werden. Ausser, man ist Student an der Uni Bern.