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Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen

Pardon, Peter Bichsel, eine Gebrauchsleihe. Passt aber einfach hierher.

Eigentlich wollte Frau Blum Journalistin werden. Das gelang ihr mehr schlecht als recht. Aber es gibt auch andere Wege. Die Heirat mit dem Verleger ihrer ersten Anstellung bei einer Zeitung ist einer davon*.

Der Altersunterschied von fast 30 Jahren war kein Hindernis; Liebe kennt kein Alter. Aber man kann schlecht von Luft und Liebe leben. Besonders, wenn der Verleger keiner mehr ist, weil seine Zeitung die Bücher deponieren musste und damit auch seine eigenen irdischen Besitztümer in der Insolvenz verschwanden.

Glücklicher Zufall, Fügung des Schicksals, ein Märchen wie aus Tausendundeiner Nacht? Schon kam der nächste weisse Ritter in schimmernder Rüstung ihres Weges. Im Morgenland hätten 25 Kamele den Besitzer gewechselt, im Abendland taten es auch 250’000 Franken*.

Was macht da schon der Unterschied zwischen zwei Geburtsjahren; er 1948, sie 1980*. Liebe ist Liebe. Vor allem, da diesmal das Vermögen des Liebsten eine Grösse hatte, die in keinem Bankrott verschwinden könnte.

Es gibt noch Hindernisse zu überwinden

So hätten die beiden Verliebten nun Hand in Hand in den Sonnenuntergang reiten können, wenn nicht wie immer, im Märchen oder in der Wirklichkeit, noch Hindernisse und Prüfungen zu überwinden wären.

Denn der weisse Ritter ist nicht zum ersten Mal auf Freiersfüssen. Das passierte ihm schon Jahre zuvor, frohgemut liess er sich scheiden und heiratete. Aus der Ehe entsprang eine Tochter, und schon wieder hätten drei glückliche Menschen in den Sonnenuntergang reiten können.

Aber das war dem weissen Ritter nicht vergönnt. Seine Herzallerliebste verwandelte sich in seine schlimmste Feindin. Trennung, jahrelanger Rosenkrieg, schmerzlicher Aderlass. Der weisse Ritter erkämpfte zwar vor Bundesgericht seine Scheidung, aber damit war der Streit um Geld nicht beendet. Bis das der Fall sein wird, muss der weisse Ritter 45’000 Franken abdrücken. Pro Monat. Für seine Ex-Frau und das gemeinsame Kind. Besonders schmerzt ihn dabei, dass diese Tochter ihn nicht mehr sehen will*.

Manipuliert von seiner rachsüchtigen Ex-Gattin, wie der weisse Ritter argwöhnt, der unter der Trennung von seiner geliebten Tochter sehr leidet. Aber das ist Vergangenheit, leider auch Gegenwart. Die Zukunft sieht er an der Seite seiner neuen Lebensgefährtin.

Aber ausser seiner Ex-Gattin wirft sich auch seine eigene Familie in seinen Weg. Nochmal das Gleiche? Nochmal Ehe, dann unausweichlich Scheidung, nochmal 45’000 Franken monatlicher Unterhalt? Das hält ja das grösste Vermögen auf die Dauer nicht aus. Seine Sprösslinge befürchten bereits, dass an dem hoffentlich noch fernen Tag der Bestattung am Grabe ihres Vaters drei trauernde Witwen stehen werden.

Sie tut mehr, als sie kann

Auch Blum, die eigentlich nur Journalistin werden wollte, stellt sich eher vor, als trauernde Witwe am Grab zu stehen, denn als trauernde Ex-Geliebte. Während die ganze Familie Papà bekniet, endlich die Finger von Viagra zu lassen und wieder zu Verstand zu kommen.

Währenddessen tut Blum, was sie nur kann, um ihre Liebe und Treue zu beweisen. Sie tut mehr, als sie kann. Sie schreibt einen Artikel über einen armen Mann, dessen Frau ihm aus Rache und Böswilligkeit die gemeinsamen Kinder entfremdet, die ihn nicht mehr sehen wollen, obwohl er die beiden so sehr liebt*.

Darunter leidet der Mann furchtbar, er kann seinen geliebten Kindern nur noch Weihnachtsgeschenke zukommen lassen, Blum schreibt ein trauriges Märchen ohne Happy End: «Sie weinten, als er ihnen beim Abschied sagte, dass er sie liebe und vermisse und jeden Tag an sie denke. Dann ist er gegangen.» Das Publikum trocknet sich die Tränen, weil es nicht weiss: Das ist nicht einmal ein Märchen, das ist blanke Erfindung*.

Damit kommt Blum nun doch in die Bredouille, obwohl ihr weisser Ritter sein blitzendes Schwert zeigt, um sie vor jeglicher Unbill zu beschützen. Werden die beiden am Schluss sich vereinen? Werden sie alle Schwierigkeiten und Hindernisse überwinden? Werden sie stärker sein als alle Kräfte, die sie trennen wollen?

Das – und noch viel mehr – lesen Sie ab Morgen in Fortsetzungen auf ZACKBUM.ch. Soviel sei schon verraten: Es wird kein Märchen sein. Keine Fiktion. Sondern nur Wiedergabe der Wirklichkeit. Nur Fakten, Schlussfolgerungen und belegte Aussagen. Wobei alle Beteiligten die Gelegenheit hatten, dazu Stellung nehmen.

Wie es sich für seriösen und professionellen Journalismus gehört. Im Gegensatz zu Milchmädchen-Erzählungen.

 

*Siehe hierzu die Punkte 1 bis 6 des Schreibens von Tamedia.