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Aufgefallen II (Samuel Schumacher)

Schumacher ist ein kleiner Tausendsassa. Allerdings nicht ganz sattelfest.

Zunächst eine kurze Würdigung von Mann und Werk. In seinem noch jungen Leben war Schumacher bereits Mitbegründer der Quatsch-Zeitschrift «Das Lamm», Reporter und nun Leiter Auslandredaktion bei CH Media. Da sind seine leitenden Funktionen allerdings überschaubar, bei einem weiteren Mitarbeiter.

Deshalb pumpt er sich bei Linkedin mächtig auf: «Als Auslandchef bei CH-Media koordiniere ich die Zusammenarbeit mit 40 KorrespondentInnen rund um den Globus. Dazu kommen gelegentliche Auftritte in TV-Diskussionssendungen.»

Unglaublich, dass ihm zudem nicht nur Zeit dafür bleibt, über die USA, China und den Nahen Osten zu schreiben. Ein wirkliches Multitalent, dessen wahre Fähigkeiten nur dann zu ermessen sind, wenn man weiss, dass er auch noch «als Trekking-Guide beim Wanderreise-Anbieter Imbach Reisen regelmässig zweiwöchige Touren durch China, das Königreich Bhutan und Palästina/Israel» leite.

Eine Nicht-Glosse zu einem Nicht-Thema zu einem Nicht-Moment

Wahrscheinlich braucht der Mann keinen Schlaf, denn selbst an Weihnachten rafft er sich dazu auf, sich mit einem brandaktuellen Thema zu beschäftigen, über das allerdings schon so ziemlich alles gesagt und geschrieben wurde. Aber nicht von allen, also muss sich auch ein Ausland-Chef noch zu Wort melden, mit einer «Glosse zu Donald Trump». Wahnsinn, darauf hatte die Welt so lange vergeblich gewartet.

Er will zwar seinen Mitbürgern mehr als das Parlament helfen, aber das wäre wohl eine Fake News.

Nun fangen aber seine Probleme schon beim ersten Wort an. Entweder weiss bei CH Media keiner, was eine Glosse ist, oder man hält seinen Beitrag tatsächlich für komisch oder satirisch. Der erste Satz mag da vielleicht noch durchgehen:

«Donald Trumps Unterschrift sieht ein bisschen aus wie die zittrige Aufzeichnung eines Seismographen nach einem mittelschweren Erdbeben.» Nach diesem Brüller wischen wir uns die Lachtränen aus den Augen und erwarten mehr. Das ist aber im heutigen Elendsjournalismus fast immer die falsche Einstellung. Denn es kommt nichts mehr an Glosse.

Nach starkem Anfang stark nachlassen

Sondern die übliche Latte an Vorwürfen. Trump habe doch tatsächlich 204 Executive Orders in seiner Amtszeit unterzeichnet. Damit könne er jeweils den Gesetzgebungsprozess im Parlament umgehen. Man muss allerdings sagen, dass Trump auch hier eher faul war; sein Vorgänger Obama unterzeichnete 276. Okay, der wurde auch wiedergewählt.

Aber wir wollen ja auf Glosse machen. Also pickt sich Schumacher eine «zunehmende Abstrusität» zeigende Order heraus: Die fordert, dass US-Stadtplaner zukünftig nur noch «schöne Amtsgebäude» bauen dürfen. Wer schon mal in den USA war und monströs hässliche Amtsbunker gesehen hat, kann diese Forderung durchaus verstehen.

Wer allerdings – sicherlich im Gegensatz zu Schumacher – diese Executive Order vom 18. Dezember liest, kann sich durchaus der Meinung der National Civic Art Society anschliessen. Die Non-Profit-Organisation spendet uneingeschränkt «Applaus» für diesen Versuch, Regierungsgebäude weniger Vertretern von Brutalismus oder anderen Modeströmungen zu überlassen.

Zahlreiche Begnadigungen durch Trump, aber an seinen Vorgänger kommt er bei Weitem nicht heran

Dann habe Trump auch noch «zahlreiche weitere Begnadigungen» unterschrieben. Wieso «weitere»? Hat er denn vorher Amtsgebäude begnadigt? Aber item, sein Vorgänger Obama hat an seinem letzten Amtstag noch schnell 330 Knastinsassen begnadigt, Rekord. Das waren mehr als durch seine 12 Amtsvorgänger zusammen. Plus die Reduktion von Haftstrafen bei weiteren 1715 Sträflingen während seiner Amtszeit.

Unvergessen auch die Begnadigung von Marc Rich durch Bill Clinton; der Hasardeur und Händler hatte sich vor der US-Strafjustiz in die Schweiz geflüchtet, aber mit einer kräftigen Spende gut Wetter gemacht. Also eigentlich business as usual, weder aussergewöhnlich, noch eine Glosse. Sondern reines Gewäffel. Aber, das weiss Schumacher aus seinen vielen Jahren journalistische Tätigkeit, nicht nur eine Glosse, eigentlich alles im Journalismus braucht eine Schlusspointe. Soweit richtig, aber bei einer Glosse sollte wenigstens die etwas lustig oder satirisch sein.

Trekking, Führung, Schreibe, Wirtschaft: Nichts ist vor Schumacher sicher

Auf der anderen Seite, so weit unten im Text erinnert sich Schumacher vielleicht nicht an die Kategorie, in der er angeblich schreibt. Aber er bleibt immerhin seinem Leitmotiv treu, der Unterschrift. Die verweigere Trump nämlich unter das 900-Milliarden-Hilfsprogramm, das die «gebeutelte US-Wirtschaft so dringend bräuchte», lässt Schumacher auch noch profunde ökonomische Kenntnisse aufblitzen.

Dann wagt er noch abschliessend den Blick in die Zukunft, dass Trump weiterhin seinen Stift zücken werde, um «weitere Freunde aus dem Knast zu holen und absurde Executive Orders zu unterschreiben».

Das würde man einem Volontär um die Ohren hauen

Wir finden, das ist eine Glosse, die man einem Volontär um die Ohren hauen würde, mit der Ansage: Lern erstmal, was eine Glosse ist, dann schreib eine. Aber weder die 40 Korrespondenten, verteilt über den ganzen Globus, noch sein einsamer Mitarbeiter würden es wagen, dem Auslandchef des Mitglieds des Tageszeitungsduopols CH Media anzudeuten, dass das weder eine Glosse, noch originell, noch interessant, sondern schlichtweg Schrott ist.

Daher hoffen wir, dass Schumacher mehr seine Kernkompetenz Trekking ausbaut, sich nur noch um das Redigieren von Korrespondenten-News kümmert und so dem Ausland eine kleine Chance gibt, einigermassen unbeschädigt in die Spalten von CH Media zu kommen.