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Neue Chefredaktoren gesucht

Gleich bei zwei Branchenmagazinen braucht’s neue Chefs.

Der Schweizer Journalist muss künftig ohne CR David Sieber auskommen und auch beim Gewerkschaftsheft Edito ist Nina Fargahi nicht mehr dabei. Während Sieber schon seit einigen «SJ»-Ausgaben angezählt wirkte, kam die Kündigung von Fargahi doch eher überraschend.  Gegenüber dem Onlineportal persoenlich.com sagte sie: «Nach über drei Jahren ist die Zeit für mich gekommen, Neues zu wagen.» Sie jubiliert ähnlich wie ein Fussballtrainer, der ein besseres Angebot bekommen hat. Als Grund des Wechsels gibt sie an: «CH Media hat eine grossartige Publizistik und ich freue mich auf die Berichterstattung aus Bundesbern sowie auf die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen.» Das tönt nicht unbedingt nach einer unabhängig-versierten Medienkritikerin. Aber die Abstecher ins Metier der Medienkritik ist nun ja vorderhand auch Geschichte. Damit zur grossen Frage, wer die Nachfolge antritt. Beide Verlage wollen in Kürze informieren.

Zeit für ein wenig Werweissen

Kronfavorit für den Schweizer Journalisten ist ohne Zweifel Dennis Bühler.  Der talentierte und kritische Schreiber ist zwar erst 34-Jährig. Er hat aber einen eindrucksvollen Werdegang hinter sich. Taktisch klug hat er regelmässig die Stelle gewechselt und kennt sich somit hervorragend in der Medienwelt aus. Seit 2018 berichtet er für das unabhängige Magazin Republik aus Bundesbern. Wie bei Nina Fargahi wäre nun ein Karrieresprung angezeigt. Positiv für die Ausgewogenheit des Schweizer Journalisten wäre zudem, dass Dennis Bühler seit April 2016 Mitglied der 1. Kammer des Schweizer Presserats ist.

In die engere Auswahl kommt – und ja, warum nicht – Nina Fargahi. Sie hat nämlich nur einen befristeten Vertrag bis Ende Jahr bei CH Media. Nach der Männerdominanz beim Schweizer Journalisten wäre sie eine durchaus starke Antwort. Denn vor David Sieber war Kurt W. Zimmermann am Ruder, er folgte auf Markus Wiegand, der das Blatt 2005 fulminant in bisher unerreichte Höhen führte. Weitere herumgereichte Namen: Rafaela Roth (33), die bei der NZZaS ein wenig zu versauern scheint, sowie Adrienne Fiechter, welche dem online angestaubten Branchenblatt neuen Schub verleihen könnte.

Bleibt die Frage, was mit dem Edito, dem Gewerkschaftsheft, geschehen soll. Man muss es offen sagen: In der heutigen Form hat das Magazin keine Zukunft. Die Papierausgabe hinkt enorm hinter dem aktuellen Geschehen hintennach. Die Recherchetexte wiederum riechen zu stark nach gewerkschaftlichen Gefälligkeiten. Das ist darum stossend, weil die Journalistengewerkschaften keinen Stich haben, wenn es ums Eingemachte geht. Siehe die Fusion von CH Media, siehe das Trauerspiel bei Tamedia. Dass ZACKBUM das Edito übernimmt und es vom Gewerkschaftsmief befreit, ist übrigens nicht mehr als ein Gerücht. Und diese werden nicht kommentiert, wie die Pressestelle von ZACKBUM zu sagen pflegt.

Frage an die ZACKBUM-Leserschaft: Wer ist für Dennis Bühler? Wer für …. ? Und was soll mit dem Edito geschehen?

 

 

 

 

Oh je, nun auch «Edito»

Was allen anderen billig ist, kann doch bei «Edito» nicht falsch sein. Es wird gebettelt.

Unerreicht in der Champions-League spielt in der Schweiz die «Republik». Grosse Worte, grosse Summen, jährlich wiederholt, inklusive Selbstmorddrohung. Eindeutig Platz eins.

Dahinter kommen dann einige (noch) lebende hoffnungsfrohe Plattformen. Bajour bettelt um mehr Members bis Ende Jahr. Gönner natürlich auch immer willkommen.

Ausgerechnet unter die grottenschlechten Artikel stellt die «Medienwoche» ihren Aufruf, als Gönner «100 Prozent in unabhängigen, hintergründigen Journalismus» zu investieren. Wohl eher in abgründigen, der die Tiefen der guten Gesinnung auf Kosten schlechter Recherche auslotet.

Auch «Edito» macht die hohle Hand

Und jetzt auch noch «Edito».  Zu den grösseren Nachteilen meiner Mitgliedschaft bei impressum gehört, dass mir «Das Schweizer Medienmagazin» zugestellt wird. Den schmalbrüstigen, dünnen Gesinnungsjournalismus drin haben wir schon rezensiert.

Aber diesmal kommt das Blättchen mit einer Gesamtauflage von rund 10’000 Exemplaren mit Beilage. Während man sich nostalgisch daran erinnert, dass das nun die Ruine ist, die aus Gazette, journalisten.ch und dem unerreichten «Klartext» übrig blieb.

Wie alle Bettler haben sie gute und schlechte Nachrichten

Unterzeichnet ist der neuste Bettelbrief vom Verleger, der Chefredaktorin und dem Redaktionsleiter Romandie. Sie haben, wie eigentlich alle Bettler, eine schlechte und eine gute Nachricht. Die schlechte: «Die Edito-Erträge» sanken «teilweise über 50 Prozent». Interessante Formulierung. Aber was ist die gute Nachricht? Dank der Abonnententreue und «der Bereitschaft aller Mitarbeitenden, auch in 50 Prozent Kurzarbeit ein Bestes zu geben, konnte sich unser Schiff über Wasser halten».

Bötchen, Schlauchboot würde es wohl besser treffen. Wir wollen auch nicht grübeln, ob die staatlich bezahlte Kurzarbeit zum Besten für alle in Vollzeitarbeit umgemünzt wurde. Aber item, man wolle alles daransetzen, um den Erhalt «des einzigen gesamtschweizerischen Medienmagazins» zu gewährleisten.

Auch wir sind für kritischen Medienjournalismus

Mit Verlaub, nur weil auf den Kopf gestellt im gleichen Heft ein Teil auf Deutsch und ein fast identischer Teil auf Französisch erscheint, während es im Tessin keinen Journalismus zu geben scheint, ist «einziges gesamtschweizerisches Medienmagazin» doch ziemlich hoch gestapelt.

Aber wie auch immer, was mal wieder gesagt sein muss: «Kritischer Medienjournalismus ist gerade jetzt nötiger denn je.» Dieser Auffassung sind wir bei ZACKBUM.ch allerdings auch. Nur betteln wir nicht um Spenden. Obwohl wir inzwischen Single Vistors in einer Zahl haben, die die Auflage von «Edito» weit übertrifft.

Da das ja scheint’s alle anderen auch so machen, «arbeitet ein Projektteam an der Zukunft von Edito». Und auf welche originelle Idee ist dieses Team gekommen? Ausbau der digitalen Angebote. Wahnsinn. Dafür haben wir weder ein Projektteam noch mehr als eine Minute gebraucht. Internet first, vielleicht, in weiter Zukunft, auch mal Print. Wenn man uns gefragt hätte, hätte sich das Projektteam nicht an sicherlich zahlreichen Sitzungen den Kopf zerbrechen müssen. Andererseits: dann hätte es ja kein Sitzungsgeld, kein Gemeinschaftsgefühl und keine gemeinsame Absackerchen gegeben.

Wieso nicht mit uns reden?

Aber wir wissen schon, wieso man mit uns nicht reden will. Weil wir immer so böse mit allen sind? Aber nein. Weil wir der festen Überzeugung sind: wo es keine Nachfrage gibt, nützt auch Bettelei, Aufrufe, Solidarität, Appelle schlichtweg nix. Das Einzige, was passiert, ist immer die Verlängerung der Agonie. Sterbebegleitung. Geld sinnlos verrösten.

Wir haben uns fest vorgenommen, Ende Jahr Zwischenbilanz zu ziehen. Rund 5 Monate, das scheint uns ausreichend. Wofür? Na, für die einzige Währung, die im Internet wirklich zählt. Wie viele Leser haben wir, und nimmt deren Anzahl zu oder ab?

Nimmt sie deutlich ab, würden wir ohne zu zögern am 31. Dezember den Stecker ziehen. Ohne Gewinsel, ohne Bettelei, ohne vorherige Drohung mit Selbstmord. Ohne Hinweis darauf, dass Medienkritik so nötig wie noch nie sei.

So macht man das, finden wir.

 

Medien ohne Kritik

Es gäbe schon einige Gründe, die Medien kritisch zu begleiten. Nur: Wo denn?

Der Konzentration aufs Wesentliche ist bei der NZZ die Medienseite zum Opfer gefallen. Was nach dem nicht ganz friedfertigen Abgang des langjährigen Medienredaktors Rainer Stadler nicht wirklich überraschen konnte.

Dass nicht sattelfeste NZZ-Journalisten dann auch noch eine die alte Tante immer furchtbar schmerzende Entschuldigung verursachten, indem sie wider besseres Wissen behaupteten, bei «20 Minuten» denke man ernsthaft über die Einstellung der Print-Ausgabe nach, beschleunigte das Ende zusätzlich.

Aber immerhin, bis letztes Wochenende gab es eine Medienseite in der NZZ. Denn man ist ja bescheiden geworden. Tamedia und CH Media haben sich schon lange von dieser Form der Selbstkritik oder der kritischen Begleitung des Medienalltags verabschiedet.

Einer dreht noch seine Runden

In der «Weltwoche» dreht Kurt W. Zimmermann seit Jahren zuverlässig seine Runden und sorgt mit seinem Erfahrungsschatz, seiner Vernetzung und seinem ungebrochenen Mut zu Prognosen für eine nicht umfassende, aber immerhin wöchentliche Mediensicht.

Aber sonst? Persoenlich.com tritt man sicher nicht zu nahe, wenn man konstatiert, dass sich dessen kritische Medienbetrachtung auf der Ebene Globuli abspielt. Soll angeblich was drin sein, aber ist so verdünnt, dass man nichts merkt. Dann gibt es noch 18 Seiten «Edito», dem man den grössten Gefallen tut, wenn man mildtätig den Mantel des Schweigens drüberbreitet.

Schliesslich gibt es die «Medienwoche», auch stark gerupft durch Corona. Ausser Nick Lüthi, immerhin ein alter Hase, schreiben hier nurmehr Leicht- und Fliegengewichte realitätsferne Ergüsse. Und den «Schweizer Journalist», der vor 15 Jahren antrat, mit seinem munteren Chefredaktor Markus Wiegand schnell zur Pflichtlektüre wurde, von Zimmermann mit Lust an der Provokation weitergeführt und schliesslich von David Sieber zu Grabe getragen wird.

Sinnvolle Sparmassnahme

Natürlich ist es nicht nur dessen Schuld, aber wer sich nicht dringend über die nordfriesische Medienszene, Betrachtungen aus Deutschland und Österreich interessiert, während die Eigenrecherche auf null krankgeschrumpft wurde und eine Kür von irgendwer «des Jahres» mit ganzen 150 Abstimmenden durchgeführt wird, kann sich die happigen 15 Franken problemlos sparen.

War’s das? Das war’s. Natürlich, glücklicherweise gibt es ZACKBUM.ch, hätten wir glatt vergessen zu erwähnen. Aber auch hier gibt es ein Problem. Stadler hat gerade die Fortsetzung seiner Tätigkeit auf «Infosperber» angekündigt. In einem 40-Prozent-Pensum will er auf dieser Randgruppen-Plattform weiterschreiben. Wo sich Pensionäre und Autoren mit Schreibstau ein Stelldichein geben.

Das Problem ist aber, dass es kaum Journalisten gibt, die sich zu Medienfragen äussern wollen, erst recht nicht kritisch. Bei den wenigen Arbeitgebern, die es in der Schweiz im Journalismus noch gibt, will man es sich nur ungern mit einem Verlag oder dem SRF verscherzen. Denn wer weiss, ob man die nächste Sparrunde im eigenen Haus nicht überlebt und dann dringend Ersatz bräuchte.

Ja keine Kritik äussern

Kritik an der Einheitssauce der Zentralredaktionen, an den beiden Überchefredaktoren, am Versagen der Verlagsmanager, an journalistischen Fehlverhalten, am Qualitätsverlust, an der absurden Idee, für weniger Leistung mehr Geld zu verlangen: lieber nicht, das könnte ja jemand in den falschen Hals kriegen.

Menschlich verständlich; wer heute 50 aufwärts ist und in (noch) ungekündigter Stelle bei einem Medienhaus arbeitet, weiss, dass es bis zur Frühpensionierung noch zu lange hin ist; sollte der Blitz demnächst einschlagen, bleibt nur der Gang aufs RAV und das Schreckgespenst der Sozialhilfe.

Keine guten Voraussetzungen für eine mutige und kritische Debatte. Auch den Interessensvertretungen der Medienschaffenden fallen zwar jede Menge Forderungen und Kritikpunkte ein, konstruktive Vorschläge haben sie nicht zu bieten.

Kritikfähigkeit wäre ein Lernfach für Journalisten

Es ist ein alter Hut, dass es kaum empfindsamere Wesen als Journalisten gibt, wenn es um Kritikfähigkeit geht. Austeilen immer gerne, einstecken immer sehr ungern. Mit dem zunehmenden Bedeutungsverlust der journalistischen Zunft und den zunehmenden Existenzängsten nimmt die Fähigkeit, Kritik anzunehmen, auch nicht zu.

Die Lage ist allerdings so kritisch, dass es mit sanftem Gesäusel nicht mehr getan ist. Sondern es braucht schon zack und bum. Denn wo, wenn nicht hier? Und wer, wenn nicht wir?

Wem’s nicht passt: her mit der Kritik. Wir sind so was von fähig, Kritik zu ertragen und zu publizieren, nach der Devise: wer austeilt, muss auch einstecken können. Aber trauen muss man sich halt.

 

Packungsbeilage: Der Autor hat in eigentlich allen erwähnten Organen schon publiziert; ausser im «Edito». 

Endlich! Edito!

Das «Schweizer Medienmagazin» schafft wieder Durchblick.

Immerhin die dritte Ausgabe in diesem Jahr, unterstützt von der «Stiftung für Medienvielfalt» und der «Oertli-Stiftung» und «zahlreiche Spenden» von begeisterten Lesern.

Natürlich, um dieses Argument gleich aus dem Weg zu räumen: wir sind neidisch. Wir schreiben uns hier einen Ast, haben mehr Leser als bajour oder Edito, und keiner zahlt was. Dabei haben wir in den knapp zwei Monaten unserer Existenz schon 165 Artikel veröffentlicht.

Aber genug des Gejammers, es soll gelobt werden. Das neue «Edito» ist mal wieder randvoll mit News, Anregungen, Einblicken und Durchblicken. Nun ja, was halt auf 16 A4-Seiten Platz hat. Aber dafür in Farbe.

Wir blättern kurz, sehr kurz um

Obwohl schon das Cover eher düster daherkommt, und wer versteht schon «Las vidas de la gente negra importan». Aber sei’s drum, auch auf so wenig Seiten kann man einen «Fokus» machen, überraschungsfrei natürlich zum Thema «Rassismus».

Da blättern wir doch kurz, sehr kurz um, und schon sind wir auf Seite 4 der Ausgabe. Hier präsentiert das Schweizer Medienmagazin zwei Tänzerinnen vor einem Denkmal des Generals Robert E. Lee in Richmond.

Ich begebe mich jetzt auf ganz dünnes Eis und behaupte, dass es sich um zwei ausnehmend hübsche Schwarze handelt. Pardon, um zwei Afro-Amerikanerinnen. Oder so. Ihre Attraktivität kontrastiert stark mit dem Hintergrund. Denn auf dem Denkmal hat sich die «Black lives matter»-Bewegung mit ein paar originellen Graffiti verewigt: «Fuck cops», «Fuck pigs», «black lives murder» oder schlichtweg «Fuck». Das ist mal eine Ansage, ein Angebot zum Dialog wahrscheinlich.

Interview mit einer ungeeigneten Person

Aber gut, noch viel interessanter ist auf Seite 5 das Interview mit der «Berliner Publizistin Ferda Ataman». Sie wird dem unschuldigen «Edito»-Leser als «Vorsitzende der Neuen deutschen Medienmacher*innen vorgestellt; der grössten Vereinigung von Journalist*innen aus Einwandererfamilien».

Leider unterlässt es das Medienmagazin, den Leser darüber aufzuklären, dass Ataman auch Muslimin ist. Das wäre ja nicht weiter schlimm, wenn sie nicht – als «Spiegel»-Kolumnistin – den Kopftuchzwang im Iran verteidigt. Beziehungsweise sich über die deutschen Zuschauer der «Tagesschau» echauffiert, die nicht verstehen, wieso die ARD-Korrespondentin in Teheran ein Kopftuch trägt, tragen muss.

Genauso um Dialog bemüht ist Ataman, wenn sie fordert, man müsse den Begriff «Migrationshintergrund» abschaffen, schliesslich seien Menschen mit diesem Hintergrund in Deutschland «längst in der Mehrheit». Aufsehen erregte Ataman auch mit ihrer Meinung zum Höhepunkt der Corona-Krise, dass sie angeblich eine Ahnung habe, «welche Bevölkerungsgruppen in Krankenhäusern zuerst behandelt werden», wenn die Beatmungsgeräte knapp würden. Nämlich die «Kartoffeln». So werden in diesen Kreisen Deutsche ohne Migrationshintergrund genannt.

Also eine absolut ideale Person, um über strukturellen und anderen Rassismus zu sprechen. Aber leider nicht über ihren eigenen, islamistisch unterfütterten.

Noch ein paar Duftmarken

Wir sind schon fast durch, aber noch ein paar weitere Duftmarken: «Der Effekt, dass aus öffentlichen Geldern private Gewinne finanziert werden, sollte theoretisch nirgends vorkommen», sagt Urs Thalmann, Geschäftsführer von «impressum»; dem Verband, den auch ich mit meinen Mitgliederbeiträgen unterstütze.

Vielleicht könnte sich Thalmann mal energischer dafür einsetzen, dass es mal wieder einen Gesamtarbeitsvertrag in der Medienbranche gibt, wenn ich das als kleiner Selbständiger ganz uneigennützig einwerfen darf. Vielleicht könnte er auch mal einen Moment darüber nachdenken, dass private Gewinne ihrerseits eine wichtige Quelle für öffentliche Gelder sind. Denn die fallen nicht, wie häufig vermutet wird, einfach vom Himmel oder aus den Taschen von sowieso viel zu Reichen.

Wo bleibt denn das Positive?

Wo bleibt das Positive, das Lob? Bitte sehr; das Interview mit dem Leiter des «Interaktiv-Teams von Tamedia», das das Dashboard mit den jeweils neusten Zahlen zur Pandemie betreibt, ist erhellend. Besonders, was die Unfähigkeit des Bundesamts für Gesundheit betrifft, bis heute spezifische Zahlen zu liefern oder Schnittstellen zum Datenausgleich einzurichten.

Allerdings: das Interview fand am 10. August statt. Zum Interview mit der Professorin Monika Bütler von der HSG, Mitglied der «Swiss National COVID-19 Science Task Force» sage ich lieber nichts, sonst bleibt’s nicht positiv. Ausserdem habe ich schon einiges zu ihr gesagt.

Tja, und schon sind wir auf Seite 18; spiegelbildlich auf den Kopf gestellt ist rechts nochmal die Seite 18; auf Französisch.

War’s das? Das war’s. Braucht’s das? Nein das braucht’s nicht. Kann das weg? Das kann weg. Wegen mangelnder Qualität und Professionalität.

Edito: Wie hältst du es mit der Frauenförderung?

Bevor wir’s vergessen: ein Wort zu Edito.

Bei wenigen Medien ist die Lücke zwischen Eigen- und Aussenwahrnehmung so breit wie beim Magazin Edito. Das Heft mag das Anrühren mit der grossen Kelle: «Edito ist das führende Schweizer Medienmagazin», schreibt es auf seiner Homepage. Dafür reichen schon vier Ausgaben pro Jahr. Zu den glücklichen Lesern gehören die Gewerkschaftsmitglieder von impressum und syndicom.

Inhaltlich und sprachlich hauen die Texte niemandem vom Hocker. Auf Kochstufe Sechs wird normalerweise über Medienkrise und Geschlechterkampf gejammert. Letzten Sommer meldete Edito aber überstürzt: «Radiojournalist auf den Philippinen erschossen». Die Täter: zwei Männer auf einem Motorrad. Das Opfer: Eduardo Dizon aus Philippinen. Die Brisanz für die Schweiz: nun, ja – null.

Beste Antwort ever

Was können wir über die aktuelle Nummer Schönes schreiben? ZACKBUM.ch wollte sich die Mühe nehmen, alle Texte durchzulesen. Bei Seite 3 wurde der Plan geändert. ZACKBUM.ch guckte sich die Bilder an. Bei den schriftlichen Fragen an Sportjournalisten («Wie gehen Sie mit dieser Situation um?») fiel auf, dass von sechs befragten Journalisten nur eine Frau war (Frauenanteil: 16,6 Prozent). Beim Fokus-Thema («Wie sind diese Tatsachen miteinander vereinbar?») wurden drei Wissenschaftler, aber keine einzige Wissenschaftlerin ausgequetscht (Frauenanteil: 0 Prozent).

Was sagt die Chefredaktorin Nina Fargahi dazu? Im letzten Heft seien mehr Frauen vorgekommen, darum «haben wir als Ausgleich in dieser Ausgabe etwas mehr Männer zu Wort kommen lassen.» Das ist bis jetzt die beste Genderantwort ever.