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Nebulöser «Nebelspalter»

Seine Werbekampagne läuft weiter, als wäre nichts geschehen. Stimmt eigentlich.

Der «Nebelspalter» spaltet den Nebel. Trivial, aber durchaus brauchbar als Werbespruch. Allerdings: in guten Werbeslogans ist auch eine Spur Wahrheit drin.

Das Nebelspalten findet weiterhin nur nach dem Zücken einer Kreditkarte statt. Ausser im Bewegtbild, wo man nun auch Dominik Feusi mit Fliege und Pochettli als «Feusi Fédéral» erleben darf. Eine halbe Stunde beschwingtes Plaudern, begleitet von einem einem Flascherl Gaja aus dem Piemont. Ein Wunsch von Mitte-Präsident Gerhard Pfister.

Ob’s wohl ein Costa Russi Barbaresco 2016 gewesen ist? Kostet unter Brüdern immerhin 80 Stutz, im Lokal leicht das Dreifache. Ach der Inhalt des Gesprächs? Mittelmässig.

Wir hätten da auch ein paar Fragen, aber ohne Fliege

Aber Geld, der Unterbau, die Basis, der Maschinenraum des «Nebelspalter», das sind doch interessante Fragen. Wie heisst es in der Selbstdarstellung so schön:

«Wir hassen den Nebel und das Nebulöse.»

Das nehmen wir gerne beim Wort. Also stellte ZACKBUM dem Meister des Maschinenraums beim Online-Nebelspalter eine Reihe von klärenden Fragen. Es handelt sich hier um den multitasking-fähigen Christian Fehrlin.

Er bekam 12 sicherlich alle Nebelhasser interessierende Fragen, mitsamt ausreichender Antwortfrist. Die lief um 17 Uhr anderthalb Tage später ab. Um 18 Uhr geruhte Fehrlin zu antworten:

«Herrlichen Dank für Ihre «Journalistischen» Fragen. Ich habe dazu keinen Kommentar abzugeben.»

Trägt nur Somm eine Narrenkappe? (Zeichnung: Nebelspalter)

Die korrekt als Fragen im Rahmen einer journalistischen Recherche etikettierten Auskunftsbegehren lauteten:

  1. Deep Impact ist der Technologie-Partner der neuen Webseite des «Nebelspalter». Auf Ihrer Webseite schreiben Sie, dass Sie in 6 Monaten eine Webseite zumindest als MVP auf den Markt brächten. Würden Sie die aktuelle Webseite des «Nebelspalter» als minimal funktionsfähig bezeichnen?
  2. Wir bringen Webseiten, zum Beispiel diese hier, normalerweise in einer Woche online, und nicht als MVP. Ohne mich mit Ihrer Expertise vergleichen zu wollen: Was sagen Sie zum Unterschied? Unser CMS erfüllt durchaus die gleichen Ansprüche wie Ihres.
  3. Sehe ich das richtig, dass das für den «Nebelspalter» verwendete CMS Spectra Editor eine Eigenentwicklung von Ihnen ist?
  4. Kennen Sie andere mittelgrosse Unternehmen, die heute noch eine Insellösung verwenden?
  5. Sie verwenden als Werbespruch: «Wir entwickeln neue Marktpotenziale». Halten Sie den Neustart einer Medienwebseite mit absoluter Bezahlschranke (mit wenigen Ausnahmen) für die richtige Strategie?
  6. «Nebelspalter» hat ebenfalls Präsenz auf den sozialen Netzwerken. Sollte die nicht etwas besser gepflegt (oder fallengelassen) werden, um Peinlichkeiten wie wenige Likes und noch weniger Kommentare zu vermeiden, wie bspw. auf Facebook?
  7. Wer hat die Werbekampagne für den neuen «Nebelspalter» konzipiert und zu verantworten?
  8. Sie sind CEO und Gründer von «Deep Impact». Gleichzeitig sind Sie interimistischer Geschäftsführer des «Nebelspalter», dazu noch für den «Verkauf» zuständig und auch Ansprechpartner für Werbewillige. Wie bewältigen Sie diese Ämterkumulation?
  9. «You never get a second chance …» Nicht nur am Starttag (Link auf Pornoseite), sondern kontinuierlich (Textblock im NL vergessen, erst nach 5 Stunden gemerkt) begleiten doch etwas viel Pech und Pannen die Neulancierung. Haben Sie Probleme mit dem Qualitätsmanagement?
  10. Können Sie eine Hausnummer angeben, welches Preisschild an der Erstellung der Webseite bis zum MVP hing? Und wie es mit den jährlichen Unterhaltskosten steht?
  11. In Prozenten ausgedrückt, wie verteilt sich Ihre Arbeitszeit auf Deep Impact und den «Nebelspalter»?
  12. Wann werden Sie erste Zahlen zur neuen Webseite bekannt geben?

Hat sich da jemand gelangweilt? Kann jemand sagen, dass keine dieser Fragen eine Antwort verdienen würde? Kann man diese Reaktion als transparent, offen, hartnäckiges Recherchieren honorierend bezeichnen?

Ob Schweigen dem Chefredaktor gefällt?

Schon wieder Fragen ohne Antworten. Aber wenn der Doppel-CEO, Verkäufer und Werbekontakt Fehrlin schon nicht zu antworten geruht, können wir ihm die Mühe mindestens teilweise abnehmen.

Frage 7 war ein Test mit bereits bekannter Antwort:

Ungefähr so gekonnt ist die Werbung; inzwischen zwei Monate alte Selbstbeweihräucherung.

Es deutet vieles darauf hin, dass Fehrlin die Unkenntnis von Chefredaktor und Verwaltungsrat bezüglich Webseite und Internet brutal ausgenützt hat. Wenn es zutrifft, dass das vom Nebi benützte CMS (Content Management System, zur gemeinsamen Erstellung und Darstellung digitaler Inhalte) eine Eigenkonstruktion von Fehrlin ist, handelt es sich schon hier um einen Kunstfehler gröberer Art.

Pech und Pannen, aber bislang keine Pleiten

Open source oder Bezahlprogramme haben schon längst solche Insellösungen abgelöst. Weil mittelfristig kein KMU in der Lage ist, ein eigenes CMS ständig up to date zu halten und alle Neuentwicklungen im Web einzupflegen. Das führt dann früher oder später zu einer (sackteuren und komplexen) Migration auf ein nachhaltiges CMS.

Der Start, das Qualitätsmanagement, die harte Bezahlschranke, die Werbekampagne, der resonanzfreie Auftritt auf den Social Media, die schwerfällige und nutzerunfreundliche Navigation auf der Webseite, der Aufbau der matchentscheidenden Homepage, die Mehrfach-Funktion des CEO der Klarsicht AG, alles mehr als nebulös.

Dass er nicht antwortet, ist ein weiteres Indiz dafür, dass diese magere, aber sicherlich nicht billige Performance von Deep Impact intern ein Thema ist. Ganz abgesehen davon, dass diese Ämterkumulation Grundprinzipien von Corporate Governance widerspricht.

Der Besitzer einer Firma verkauft einer anderen Firma sein Produkt – wo er Geschäftsführer ist

Der CEO und Gründer des wichtigsten IT-Lieferanten eines Mediums ist gleichzeitig Geschäftsführer bei diesem Organ? Würden die leider bislang überhaupt nicht hartnäckig recherchierenden Mitarbeiter des Online-«Nebelspalter» auf solche Zustände bei der Analyse einer Firma stossen, könnten sie für einmal zu Recht ihrer Meinung dazu freien Lauf lassen.

Da steht Corporate Governance Kopf.

Vorwürfe wegen Rassismus gegen den Nebi sind natürlich absoluter Quatsch. Ernst zu nehmen ist die Kritik, dass er bis jetzt Altbekanntes serviert, gemixt mit viel Meinung und wenig Fakten, dazu viel zu lang. Nichts Überraschendes, Anregendes, Aufregendes.

Was sich in Sachen Qualitätskontrolle, Checks and Balances und auf rein handwerklicher IT-Ebene abspielt, ist – nebulös? Nein, das ist aschgrau.

Jeder Medienkonzern, der die gleichen Fragen gestellt bekäme, würde vielleicht nebulös, aber garantiert antworten. Weil er das auch durch seine Mitarbeiter bei anderen verlangt. Weil sich das einfach gehört. Aber lächelnde, schweigende Arroganz ist immer ein ganz, ganz schlechtes Zeichen. Das spaltet den Nebel tatsächlich, aber dahinter enthüllt sich kein schöner Anblick.