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Wie hältst du es mit gekauften Geschichten, Republik?

Wie das Magazin zu seinen Storys kommt.

Meine Urgrossmutter war «Schmatteshändlerin». Sie ging im Zürcher Oberland von Tür zu Tür und versuchte, den Bäuerinnen «Schmattes» (jiddisch für Stoffresten) zu verkaufen. Reich wurde sie nicht, aber es half die Kriegsjahre hindurch.

In den letzten Tagen erlebten die Schweizer Redaktionen etwas ähnliches: Ein freier Journalist tingelte von Redaktion zu Redaktion und versuchte, eine Geschichte zu verkaufen. Ihr Inhalt: Ein ziemlich unbekannter, dafür verwirrter und ehemaliger Gastronom, wollte den Gesamtbundesrat wegen dessen Corona-Management verhaften lassen. «Wir befehlen Ihnen», schreibt er in einem Brief an den Korps­kommandanten, «die sieben Bundesräte in Schweizer Gefängnisse einzusperren.» Der Journalist heisst Raimond Lüppken.

Die Redaktionen haben die Geschichte natürlich abgelehnt. Auch aus ethischen Gründen. Warum eine weitaus unbekannte Person an den Pranger stellen? Wie  ZACKBUM erfuhr, soll Lüppken ausserdem Geld für die Geschichte verlangt haben. Und zwar ziemlich viel. Wer je bei einer Schweizer Tageszeitung gearbeitet hat, weiss: Für eine Geschichte wird kein Geld bezahlt. Es wird höchstens eine Aufwandspauschale überwiesen. Das hat wenig mit moralischen Grundsätzen zu tun. Die Schweizer Presselandschaft ist – im Unterschied zur deutschen – zu unbedeutend für das Geschachere.

«Ihre Informationen ist falsch»

Der nächste Schritt war dann für den aus Berlin stammenden Lüppken die «Republik», unsere knallharte Recherche-Fabrik. Die Geschichte wurde natürlich genommen. Wie viel Geld geflossen ist, wollen Christof Moser (Chefredaktor) und Daniel Ryser (Mitbeteiligter) nicht bekannt geben. Und wie halten sie es generell mit gekauften Geschichten? Ryser schrieb auf Anfrage lediglich: «Ihre Informationen ist (sic!) falsch.»

Eine Leserreaktion der wie immer sehr mitmenschlichen «Republik»-Gemeinde.

Auch nicht beantwortet bleibt die Frage, warum der mit Klarnamen vorgestellte Gastronom im Leserforum aufs Übelste beschimpft werden darf und dabei justiziable Ausdrücke fallen (s.o.): «psychisch kranker Mensch, der von rechtsextremen Hirngespinsten verfolgt wird.»

Es ist leider ein weiterer Fall, wo die «Republik» bei Anfragen auf Tauchstation geht. Wenn es aber darum geht, sich im hellsten Licht zu präsentieren, ist das Magazin das Gegenteil von wortkarg:

Wir sind das transparenteste Medienunternehmen (das wir kennen). Wir legen alles offen: unsere Finanzen, Besitzverhältnisse, Arbeitsweisen, Fehler, Löhne – weil wir überzeugt sind, dass es wichtig ist zu zeigen, unter welchen Bedingungen Journalismus hergestellt wird.

ZACKBUM versuchte natürlich auch vom hierzulande unbekannten Raimond Lüppken eine Stellungnahme zu erhalten. Anfragen via «Republik»-Redaktion und Facebook liess er unbeantwortet. Die «Republik» preist ihren Informanten als «Rechtsextremismusexperten, der seit Jahren zu völkischer Esoterik, Verschwörungsideologien und Reichsbürgern recherchiert.»