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Märchentante NZZ

Auch der NZZ gelingt nicht alles. Ein Bericht über Sansibar ist Fiction statt Facts.

Sansibar ist vielen von der Schullektüre von «Sansibar oder der letzte Grund» bekannt. Dabei spielt die Insel im Roman von Alfred Andersch nur die symbolische Rolle in einem Tagtraum.

So ähnlich muss es auch NZZ-Auslandredaktor Fabian Urech sehen, der schreibt: «Das Märchen von Sansibar als Paradies ohne Corona». Diese Ferndiagnose stellt Urech von seinem coronafreien Homeoffice aus. Als Beleg reicht die Erzählung einer Touristin, «niemand hält irgendwelche Regeln ein», ein Journalist beschreibe die Situation als «skurril».

Plus noch der investigative Durchgriff, Mail an ein Hotel auf Sansibar geschickt, nein, es gebe keine Einschränkungen wegen Corona, sei die Antwort, und: «Willkommen im Paradies!»

Der tansanische Präsident ist dran schuld

Das kann ja nicht mit rechten Dingen zugehen, ist sich der NZZ-Redaktor sicher. Schnell enttarnt er die Wurzel des Übels: den tansanischen Präsidenten. John Magufuli scheint tatsächlich etwas schrullig zu sein. Einerseits griff er unbarmherzig gegen die übliche Korruption durch, sagte die Feierlichkeiten für den Unabhängigkeitstag ab, weil man das Geld besser für den Kampf gegen Cholera brauchen könne.

Andererseits ist er ein Abtreibungsgegner und forderte, mit Gebeten gegen Corona anzukämpfen. Die Pandemie verschwand dann auch wunschgemäss; zumindest wird einfach nicht mehr ständig getestet. Auf der anderen Seite füllen sich die Spitäler (noch) nicht mit infizierten der zweiten Welle. Und die Touristen strömen aus aller Welt herbei, vor allem aus Osteuropa und Russland.

Wohl als eine der wenigen Feriendestinationen der Welt konnten Hotels auf Sansibar vermelden, dass sie über Weihnachten/Neujahr ausgebucht waren. Das alles weckt natürlich Misstrauen im Hause NZZ, «kann das gutgehen»? Natürlich nicht, ist Urech offenbar überzeugt. Aber zuerst muss er ein paar Rückschläge hinnehmen.

Wie findet der Rechercheur endlich eine «kritische Stimme»?

Die Überlastung des Gesundheitssystem sei (noch) nicht eingetreten, muss er einräumen, kritische Stimmen seien rar, weil sich die «Strategie der Regierung» für den Tourismussektor auszahle. «Bisher», merkt Urech an. Das macht es ihm offenbar auch schwierig, lokale Kritiker aufzutreiben: «Kritische Stimmen sind auf Sansibar bisher auffallend rar.»

Blöd aber auch. Wobei: Das Schweigen habe «zum Teil» auch mit «der Angst vor staatlicher Repression» zu tun. Sogar verschiedene NGO wollten sich nicht zu Corona äussern. Aber da geht doch noch was? Sicher, «ein lokaler Gesundheitsspezialist wird expliziter: Hinter vorgehaltener Hand» murmelt er bedeutungsschwer, dass die «Spitäler bei einem merklichen Anstieg der Infektionen rasch an ihre Grenzen» kämen. Das ist natürlich übel und zeigt die ganze Verworfenheit dieser «Hochrisikostrategie».

Denn wo sonst auf der Welt würden die Spitäler unter diesen Umständen schnell an ihre Grenzen kommen? Nirgends, nur auf Sansibar. Dann noch etwas Geunke, dass Afrika zwar recht schlank durch die erste Welle gekommen sei, aber in der zweiten sehe das ganz anders aus.

Niemand weiss nichts Genaues

Dennoch, muss Schreibtischrechercheur Urech einräumen, wie die Lage wirklich dort aussehe, «weiss niemand». Ausser Gott, denn die «sonst eher zurückhaltende» katholische Kirche warnte letzte Woche: «Wir sind keine Insel.» Das trifft auf Tansania, aber nicht auf Sansibar zu.

Natürlich ist der Autor felsenfest von der Richtigkeit seiner Meinung überzeugt (das kann nicht gutgehen), aber er sucht bis zum Schluss nach weiteren Argumenten. Das war wirklich nicht leicht, aber er findet wenigstens ein Körnchen: «Mitte Januar wurden zwei dänische Touristinnen, die aus Tansania zurückkehrten, positiv auf die südafrikanische Corona-Mutation getestet.» Endlich, der Beweis. Nicht nur eine, gleich zwei Touristinnen. Das Ende des Märchens ist in Sicht, es wird kein gutes sein. Aber vielleicht reichen zwei dann doch nicht, überlegt sich Urech, und schliesst mit der spitzen Bemerkung: «Sie dürften keine Einzelfälle sein.»

 

Uns bleibt nur zu hoffen, dass solche Artikel in der NZZ Einzelfälle bleiben. Sehr einzeln.

Häppchen-Journalismus

Wenn Kraft und Kompetenz zur Einordnung fehlen, kommen die News ohne Maske.

Jeder Politiker weiss, dass es zwei ziemlich sichere Möglichkeiten gibt, in die Medien zu kommen. Die eine ist, sehr früh aufstehen und auf irgendeiner Radiostation einen raushauen. Mit einem Quentchen Glück wird das von Keystone-SDA aufgegriffen und in die Redaktionen getickert.

Dort entdeckt’s der Nachtredaktor, dank anderer Zeitzone noch wach, und bevor er seinen Dienst beendet, schmeisst er die Meldung aufs Netz. Nicht zuletzt, um zu beweisen, dass er auch noch ganz am Schluss voll am Gerät ist.

Auch die zweite Möglichkeit ist nicht überschwer zu realisieren

Die zweite Möglichkeit stellt den Politiker auch nicht vor allzu hohe Hürden. Er baut in irgend eine Stellungnahme zu irgendwas einen starken, kurzen, zitierfähigen Satz ein. Falls es nicht im ersten Anlauf klappt, stochert sein Kommunikationschef noch etwas nach, et voilà.

In beiden Fällen kann das zum Selbstläufer werden, denn natürlich suchen nun alle Redaktionen krampfhaft nach dem Nachzug. Und kommen auf die naheliegende Idee, Parteikollegen und Mitglieder anderer Parteien zu fragen, was sie denn von diesem Satz halten.

Dass der politische Gegner ihn ziemlich scheisse findet, das aber höflicher ausdrückt, ist klar. Besonders gesucht ist daher der Parteikollege, der sich profilieren will und mit wohlgesetzten Worten Kritik übt. Beliebte Einleitung: «Ich hätte das nicht so, ich hätte das anders, ich glaube nicht, dass damit die offizielle Position der Partei, Blabla.»

Zwei aktuelle Beispiele, gerecht verteilt

Nehmen wir mal zwei aktuelle Beispiele. Die SVP möchte sich gerne als kritische Corona-Partei profilieren. Da liegt nichts näher, als gegen den neuerlichen Lockdown zu protestieren. Und das Gegenteil zu fordern. Aber «alles bleibt offen», das hat nun einen höheren Schnarchfaktor. Also greift der SVP-Fraktionspräsident im Nationalrat zu starken Worten: «Mit diesen Massnahmen treibt der Bundesrat die Schweiz in die Armut.»

Damit war ihm breite Resonanz sicher. Blöd nur, dass der Antrag der SVP auf eine Sondersession schon in der Gesundheitskommission unterging. Da hätte das Parlament der Verarmung der Schweiz noch einen Riegel schieben können. Wir warten nun atemlos darauf, wann wir merken, dass wir tatsächlich in der Armut angekommen sind.

Leider mochte Thomas Aeschi keine konkreten Aussagen machen, wann und wie die Armut zuschlagen wird.

Das grosse Interview – mit kleinem Inhalt

Was die Konservativen können, versucht die progressive Linke natürlich auch. Als hätte das neue Führungsduo an der Spitze der SP ein wichtiges öffentliches Amt, bittet der «Blick» zum grossen Interview. Anlass: 100 Tage Doppelchef. Zunächst müssen Mattea Meyer und Cédric Wermuth ihre ganze Wendigkeit aufbieten, um aus einer naheliegenden Schlussfolgerung herauszuglitschen. Sie haben nämlich vollmundig in einem ellenlangen Papier die Corona-Politik der Schweiz für gescheitert erklärt.

Damit meinen sie wohl den Gesundheitsminister Alain Berset und die Bundesratspräsidentin des Jahres 2020? Blöderweise beide SP-Genossen. «Definitiv nicht», ist die eher schlappe Antwort, der arme Berset werde zudem sabotiert, da könne er leider nicht zeigen, was er wirklich drauf hat.

Dann zeigen sich beide mehrfach «schockiert», schimpfen auf den SVP-Finanzminister: «Das ist wahnsinnig empathie- und respektlos für eine Führungsfigur, finanzpolitisch verantwortungslos.» Was sollte die Schweiz verantwortungsvoll stattdessen tun? Da wird es echt lustig, wenn eine Studentin der Geschichte ohne jegliche wirtschaftliche Kenntnisse und ein Politologe, beide seit Jahren Berufspolitiker, Forderungen aufstellen.

Gute Ratschläge von zwei absoluten Wirtschaftslaien

«Wir können die laufenden Kosten mittels der öffentlichen Verschuldung finanzieren», meint Meyer. «Der Staat soll seine Verantwortung wahrnehmen. Natürlich wird das auch etwas kosten», echot Wermuth. Das Geld anderer Leute ausgeben, der nächsten Generation die Schulden überreichen, das ist zwar klassische SP-Politik, aber immer noch kein Knaller.

In den Sand gesetzt habe das nicht etwa der Gesundheitsminister, sondern «die beiden Bundesräte Guy Parmelin und Ueli Maurer», versucht sich Wermuth an gerechter Schuldverteilung.

Zweimal in den Sand gesetzt

Aber: Weder im 16-seitigen Positionspapier noch in dem ganzen, ellenlangen Interview findet sich ein einziger, zitierfähiger Satz. So im Niveau von «der Bundesrat treibt in die Armut».

Also muss man bei diesen Beispielen sagen: SVP – SP, 0 zu 0. Aeschi hat zwar einen Knaller rausgehauen, ist aber damit baden gegangen. Die SP hat keinen geliefert und ist auch baden gegangen. Dabei hätten beide Parteien dir Chance gehabt, in den bereits in der Armut angekommenen Medien ungefiltert punkten zu können. Aber vergeigt. Auch das ist ärmlich.

So viel Versagen war selten

Wer noch durchblicken will, muss sich selber schlau machen. Das ist beunruhigend.

Die Gräben sind ausgehoben, es wird scharf geschossen. Auf der einen Seite eine Übermacht; die Regierungen mit ihrer Deutungshoheit, die meisten Massenmedien, aus binärer Dummheit (man muss ja oder nein sagen) oder wegen Abhängigkeit von Subventionen.

Auf der anderen Seite eine kleine Guerilla-Truppe, ohne grosse mediale Wirkung, ohne Chance, die Lufthoheit in der öffentlichen Debatte in Frage zu stellen oder gar zu erobern. Dennoch liegt sie unter dem Trommelfeuer  der – wagen wir das Wort – Mainstreammedien. Natürlich gibt es unter ihnen ein paar Kritiker, die keine Corona-Impfung, aber andere Medikamente bräuchten.

Die machen es der Übermacht auf den Gebieten von Framing und Schaffen von Narrativen einfach. Ernsthafte Kritik wird ignoriert, jede Äusserung eines mental wackeligen Anhängers einer Verschwörungstheorie wird dazu missbraucht, jede Kritik ins Lächerliche zu ziehen.

Amoks hüben und drüben des Grabenkriegs

Wer an Demonstrationen teilnimmt, ist bestenfalls ein Verführter, schlimmstenfalls ein rechtspopulistischer Agitator und Hetzer. Wer auf der anderen Seite im roten Bereich dreht, vom leitenden Tagi-Redaktor und bekennenden Amok Marc Brupbacher abwärts, der ist höchstens besorgt, vielleicht eine Idee überbesorgt, wenn er dem Bundesrat mitteilt, dass der völlig übergeschnappt sei.

Wissenschaft und Aberglaube, Rechthaberei und Skandalisierung, Kampf um die flüchtige öffentliche Aufmerksamkeit, das alles verwandelt sich mehr und mehr in einen echten Alptraum. Aus einer Vielzahl von Ursachen.

Zuvorderst schwindet das Vertrauen in die Regierenden. Es wurde mehr als offensichtlich, dass sie mit dieser Krise überfordert sind. Zumindest in Europa, in der Schweiz und in den USA. Dann schwindet das Vertrauen in die Wissenschaftler. Sie überbieten sich mit falschen Prognosen, interpretieren sogar allgemein zugängliche und einfach zu analysierende Zahlen falsch, widersprechen sich lautstark, haben die Arroganz, den Regierenden nicht nur Ratschläge zu geben, sondern Forderungen zu stellen, ihrer Meinung nach falsche Entscheide zu kritisieren.

Medien und Wissenschaftler: verantwortungsvolle- und haftungsfrei

Obwohl sie für ihr Geschwätz keinerlei Verantwortung oder Haftung übernehmen müssen. Das eint sie mit vielen Medien, die deshalb als Lautsprecher für diese Wissenschaftler dienen. Da es nur noch vier nennenswerte Tageszeitungsverlage gibt, schön reihum. Nimmst Du den Taskforce-Chef, nehme ich Althaus. Du schlägst mit Salathé zurück, da können wir immer noch auf das Trio Infernal von drittrangigen Wissenschaftlerinnen zurückgreifen, die wie Salathé Lautstärke in Karriere umwandeln wollen.

So schlimm ist es. Das führt dazu, dass jeder, der Sorgen um die Zukunft, die Wirtschaft, die Gesellschaft hat, sich selber so weit wie möglich schlau machen muss, um den Kopf über der Flut von Warnungen, Forderungen, Abrechnungen, Fake News und Propaganda zu halten.

Ich bin weder Virologe, noch Epidemiologe und auch kein Forscher im Bereich der Covid-Viren. Aber ich kann Zahlen, und alleine dadurch wird’s mir wirklich übel.

Überall ist’s schlimm, wackelig oder beides

Der bisherige Schaden (vor dem zweiten Lockdown) lässt sich umrissartig von der NZZ auf über 130 Milliarden Franken schätzen. Gewaltig, und wer soll das bezahlen? Na, wir nicht, unsere Generation sicher nicht. Der grossartige Sozialvertrag nach dem Zweiten Weltkrieg, geschlossen aus Angst vor dem erstarkten kommunistischen Lager, hielt in der Schweiz exakt 70 Jahre. Immerhin. Aber nun kann die nächste Generation selber schauen, wie sie dieses Schlamassel wieder aufräumt und wovon sie im Alter leben will.

Genauso vertrackt ist es mit der Verwendung von sowieso schon auf wackeliger Basis erstellter Zahlen. Der flächendeckend verwendete Test wurde von seinem Erfinder bis zu seinem Tod ausdrücklich als nur zu Forschungszwecken geeignet erklärt, keinesfalls als Test verwendbar.

Wie viele falsch positiv Getestete es genau gibt, wie viele von den Positiven Symptome entwickeln werden, erkranken werden, ansteckend werden, man weiss bis heute nichts Genaues.

Das Medianalter der an und mit Corona Verstorbenen (auch das notfallmässig ins Spital eingelieferte Opfer eines Autounfalls verstirbt mit Corona, wenn man es noch rechtzeitig vor dem Ableben testen konnte) beträgt 85 Jahre; mehr als die durchschnittliche Lebenserwartung, und in 97 Prozent mit mindestens einer Vorerkrankung. Diese Altersgruppe müsste also speziell geschützt werden. Stattdessen wird wieder und wieder die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft geschlossen. Und in Alters- sowie Pflegeheimen gibt es bis heute Covid-19-Ausbrüche.

Die Reproduktionszahl, die Übersterblichkeit: Popanz zum Erschrecken

Die Reproduktionszahl R, wie viele andere steckt ein Infizierter an. Zuerst als die Schreckenszahl implementiert. Liegt sie über 1, ist Weltuntergang möglich. Unter eins, ist Licht am Ende des Tunnels. Aber auch diese Zahl, dank wackeliger Ehrhebungsmethoden, ist erst rund zehn Tage später verfügbar, als erste Schätzung. Nun begab sich aber das Unglück, dass der Bundesrat aufgrund dieser Schätzung (genau von 1,13) einen neuen, drastischen Lockdown beschloss. Blöd, dass die Zahl bei genauerer Messung auf 1 schrumpfte.

Noch blöder, dass die neuste Zahl vom 18. Dezember, also noch vor Inkrafttreten der Massnahmen, bereits weit unter 1 liegt. In der ersten Schätzung. Das lässt nur einen Schluss zu: Der Bundesrat fällt zu allem Übel uns alle betreffende, nicht korrigierbare und drastische Massnahmen aufgrund von unsicherem Zahlenmaterial. Zudem ist zu befürchten, dass er sich regelmässig dem Druck der hyperventilierenden Wissenschaftler und Medien nicht entziehen kann.

R-Wert? Ach was, völlig überschätzt, nur von Blödies verwendet

Und was machen die Wissenschaftler, nachdem sie die Bevölkerung überhaupt erst mit dem R-Wert als zentrale Zahl, an der sich der Stand der Dinge ablesen lässt, vertraut machten? Die sagen nun besser als ein Wendehals: Also wirklich, man soll doch den R-Wert nicht überschätzen, so wie das leider die Regierung tut. Diese Kaltblütigkeit muss man erst mal haben.

Man ist sich wenigstens in einem einig: Testing und Tracing, das sind die beiden Zauberwörter, wenn man die Pandemie in den Griff kriegen will. Zufall aber auch, dass genau diese beiden Massnahmen in der Schweiz bis heute nicht richtig funktionieren. Ein unglaublicher Skandal, ein unverzeihliches Versagen. Deshalb wird kaum darüber diskutiert oder berichtet.

Kann das alles richtig sein?

Die Wirksamkeit der Impfung, die möglichen Nebenwirkungen, der dramatische Verlust an Freiheitsrechten, wie immer begründet mit der Sorge um das Grosseganze, kann das richtig sein? Reisefreiheit, weitgehend abgeschafft. Vorausschauende Änderungen der Spielregeln. War früher so, ist vorbei. Während Passagiere im Flieger sitzen, ändert sich eine Regelung; wenn sie landen, geniessen sie nicht ihren teuren Skiurlaub in der Schweiz, sondern müssen aus der Quarantäne flüchten. Geschäftsausübung? Von Fall zu Fall. Haftbarkeit des Staates für von ihm verursachte Schäden? Von Fall zu Fall.

Übersterblichkeit, auch so ein Schreckenswort, aktuell durch die Medien geschleift. Dabei kann man den offiziellen Zahlen von BAG und Statistischen Bundesamt entnehmen: Wir haben bislang keine Übersterblichkeit in der Schweiz. Wer das behauptet, lügt oder ist nicht fähig, ein paar Zahlen zusammenzuzählen.

Die Aus- oder Überlastung der Spitäler, Intensivstationen am Rande des Herzinfarkts, bald muss Triage gemacht werden, also zwischen «kann gerettet werden» und «muss sterben» entschieden. Völliger Unsinn, weder bei Welle eins noch aktuell gibt es ein Platzproblem.

Es gibt einen Pflegernotstand, keinen Pflegenotstand

Die Spitäler jammern allerdings lautstark und zu Recht, weil ihnen die Durchführung vieler Operationen, mit denen sie normalerweise ihr Geld verdienen, untersagt wurde, damit die Intensivstationen auch schön leer bleiben. Zudem gibt es kein Kapazitätsproblem und wird es das auch wohl nie geben. Aber es gibt ein Personalproblem.

Daran sind in erster Linie die Politiker und Regierenden schuld, nicht Corona. Und die gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Schäden sind dermassen gigantisch, dass niemals kein einziger Regierungsverantwortlicher fatale Fehler einräumen wird. Niemals. Man kann also sagen, dass sich – neu in Europa – die Regierungen im Krieg befinden. Allerdings gegen die jeweils eigene Bevölkerung. Man muss sagen: Sie haben schon fast gewonnen. Noch eine Verlängerung des Lockdowns, noch drastischere Einschränkungen der persönlichen Freiheit, noch mehr Benützung von Notrecht: der Sieg ist nahe.

Der Sieg ist nahe, die ersten Verlierer stehen fest

Drei Verlierer stehen schon fest: die Wissenschaft. Die Gesellschaft. Und die Medien. Totalversager als Platz für Debatte, Kontrolle der Herrschenden. Missionarischer Eifer statt Einordnung. Wilde Kritiken und Forderungen, statt Analysen und Widersprüche. Völlige Aufgabe der Bekämpfung oder Kritik von Meinungen. Es wird fast ausschliesslich auf den Mann (oder die Frau) dahinter gezielt.

Das Virus wird verschwinden, wie alle seine Vorgänger. Aber diese bedenklichen Entwicklungen werden bleiben. Auch in der Schweiz, die sich so lange über ihre vielfältige Presselandschaft freute. Über die Mitbestimmung der Bevölkerung bei allen wichtigen Entscheidungen. Über die beinahe objektive Berichterstattung in den staatlichen Medien. Alles mühsam erkämpft, behauptet, und wohl vorbei. Frohes 2021!

Ein deutsches Bettlaken hat Schiss vor der Schweiz

Wenn einem überhaupt nichts einfällt, lässt man einen Deutschen über die Schweiz schreiben.

Man nehme: Corona, Skifahren, einen Deutschen, viel Platz und gebe ihm den Titel: «Brief eines Deutschen an die Schweiz (ein Drittweltland neuerdings)». Überraschendes Resultat: Riesengebrüll. Innert kürzerer Zeit bereits Hunderte Kommentare; «das bewegt den Leser», sagt sich der Redaktor zufrieden.

Der Inhalt des Briefs ist trotz 8000 Anschlägen schnell zusammengefasst: Früher war die Schweiz ein Traum für seine deutschen Eltern und ihn. Aber seit Corona kommen immer mehr Zweifel auf, ob die Schweiz wirklich «besser, vernünftiger» als Deutschland sei.

Für den Deutschen ist’s amtlich: leider nein. «In Deutschland setzte sich bei den verantwortlichen Politikern schnell die Vernunft durch», eine kühne Behauptung. Dagegen die schlechtere und unvernünftige Schweiz: «Ein Primarschüler versteht, dass jeder Lappen vor dem Mund besser schützt als nichts, wenn einem virushaltiger Speichel entgegenfliegt.»

Das mag ein Primarschüler so sehen, unter Erwachsenen sollte aber der Erkenntnisstand etwas höher sein. Aber wie auch immer, da stellt sich der deutsche Autor die rhetorische Frage, was ihn denn eigentlich die Corona-Politik der Schweiz angehe.

Die Schweiz – No-Go-Zone für deutsche Touristen

Die Antwort ist einfach: hier habe er immer, wenn er es sich leisten konnte, seine Skiferien verbracht. Aber nun drohe die Schweiz, zu einer Insel zu werden – «und zwar eine, die deutsche Touristen besser nicht betreten».

Schlimmer noch – für die Schweiz: Deutsche Touristen könnten «die deutschen Alpen entdecken», mit fatalen Folgen: «Am Ende gefällt es uns dort so gut, dass wir als Urlauber nie wieder zurück in die Schweiz kommen.»

Das beklagt der Autor auch aus persönlicher Betroffenheit: «Im Moment ist es eigentlich undenkbar, als Deutscher Winterferien in der Schweiz zu buchen.» Dabei wollte er doch seinen inzwischen betagten Eltern Billigferien im VW-Bus schenken, aber: «Für meine Eltern ist die Schweiz zu gefährlich.»

Natürlich kriegt sich der Schweizer Leser kaum ein

Kein Wunder, dass wie beabsichtigt der Kommentarschreiber kaum an sich halten kann. Obwohl der Artikel hinter der Bezahlschranke bei Tamedia steht. Als weitere Höchstleistung des abgehalfterten «Magazin».

Während sich wie gewünscht der erregte Leser nicht einkriegt, fragen wir uns mal kurz, wer denn eigentlich dieser Frederik Jötten ist, der enttäuschte Liebhaber der Schweiz. Der Kurzbio seines Verlags kann man entnehmen, dass er «Journalist und Biologe» sei. Daher kommt sicherlich seine verfestigte Überzeugung, die jedem deutschen Oberlehrer eigen ist, dass er als oberste Autorität bestimmen kann, wer vernünftig und wer bescheuert auf die Pandemie reagiert.

Mit Bettlaken an den Strand – und auch auf die Piste?

Dabei stellt er gerne sich selbst in den Mittelpunkt. Wie er seine Rückenschmerzen besiegt hat, darüber hat er gleich ein Buch verfasst. Ansonsten publiziert er gelegentlich beim «Spiegel» und bei der «Zeit». Das sind gute Adressen, etwas irritierend ist allerdings die Fortsetzung seiner Beschreibung: «Er ist immer auf der Suche nach der gesündesten Art zu leben, hält die Luft an, wenn jemand niest und deckt sich am Strand mit Bettlaken zu – um Hautkrebs abzuwenden.»

Aha. Nun ist es ja so, dass die Sonne in der Höhe und auf Schnee auch ziemlich brennt. Es steht zu vermuten, dass wenn nichtsahnende Schweizer Skifahrer einem flatternden Bettlaken mit Inhalt auf Skiern begegnen, dass sie dann «Grüezi, Herr Jötten» sagen können. Allerdings wird das diesen Winter nicht geschehen.

Was ein Biologe alles nicht weiss

Denn aktuell ist die Schweiz weder für seine Eltern noch für ihn ein Platz, wo man nach der gesündesten Art zu leben suchen kann. Im Gegenteil, die Schweiz wird diesen Winter vielleicht zur Todeszone des Killervirus, wo nicht einmal Primarschüler mit einem Lappen vor dem Mund auf die Skipiste gehen.

Es mag aber erstaunen, dass ein Biologe nicht weiss, dass Viren verdammt kleine Dinger sind. Deshalb kann es leider sein, dass ein Lappen vor dem Mund vor der Spucke oder der feuchten Aussprache des Gegenübers schützt, aber nicht vor den darin transportierten Viren. Aber macht ja nix, jeder kann sich mal vergreifen.

Vielleicht mal die Perspektive aus dem Bettlaken wechseln

Nun sind aber leider – trotz vernünftiger Politiker – selbst in den deutschen Alpen die Fallzahlen auch zu hoch, bedauert Jötten, aber «tiefer als in der Schweiz, und wahrscheinlich werden sie aufgrund der härteren Massnahmen weiter sinken».

Also mal im Ernst, lieber Herr Biologe, für Sie ist die Kakophonie, die deutsche Berufspolitiker von dem kenntnisfreien Gesundheitsminister Spahn abwärts aufführen, «vernünftig»? Von einem Minister, der bezüglich Masken seinem Erstaunen Ausdruck verlieh, dass die doch tatsächlich nicht so einfach zu beschaffen seien, weil die Nachfrage eher hoch sei? Von Politikern, die in letzter Not Transporte von Masken in die Schweiz in Deutschland arretieren liessen?

Mein lieber Mann, Sie sollten mal einen Lappen verwenden, um ihre Brille zu putzen. Oder sich vielleicht aus dem Bettlaken auswickeln, um Kontakt zur Wirklichkeit aufzunehmen.

Pulverschnee, Skisaison, Krach, die Rettung

Erschreckt stellen die Medien fest: Corona ist ausgelutscht. Aber es gibt doch Neues.

Fallzahlen hoch, Fallzahlen runter, Entwarnung oder neuerliche Warnung. Disziplinierte Bevölkerung, undisziplinierte Bevölkerung.  Tests, Tote, Trara. In vielen Schrumpfredaktionen stellt man beunruhigt fest, dass diese Themen langsam, aber sicher einen verstärkten Gähn-, Überblätter- und Wegklickreflex auslösen.

Aber was einem Komponisten recht ist, kann doch einer Redaktion nur billig sein: Variationen über ein Thema. Denn glücklicherweise hat’s geschneit. Recht früh im Jahr, aber lassen wir einmal das Thema Klimawandel beiseite. Denn Schnee heisst: die Skisaison ist eröffnet.

Das könnte nun natürlich Anlass zu Jauchzern und Jubelschreien sein. Wenn nicht Corona wäre. Und so meint man, das Aufatmen in den Redaktionen zu hören. Das war knapp, aber nun kann’s fröhlich weitergehen. «Ski-Zoff mit Frankreich: Macron will Schweiz-Rückkehrer auf Corona testen», empört sich der «Blick». Aber nicht nur vom Ausland naht die Gefahr: «Kritik an Bersets Ski-Konzept: Aufstand der Skigebiete».

Kein Thema zu klein, Beispiel für Tipps zu sein

Es ist zu befürchten, dass sich diese Probleme nicht mit einer Schneeballschlacht lösen lassen. Geradezu aus dem Stehsatz von alle Jahre wieder ergänzt «Blick» noch den Blick auf die Kampfzone Schnee: «Wenn uns der Winter eiskalt erwischt». Mit 10 Tipps wildert das Blatt in der Kernkompetenz von watson.ch.

Aber das lässt watson.ch natürlich kalt: «Bald wird’s rutschig. Pass auf, dass es dir nicht gleich ergeht wie diesen 17 Leuten». Dann die übliche Aufreihung von 17 gewaltskomischen Kurzvideos, bei denen man den Betrachter zusätzlich noch kitzeln müsste, um ihn zum Lachen zu zwingen.

Aber verlassen wir dieses Fass ohne Boden schnell wieder und schauen hinauf zum «Tages-Anzeiger». Der widmet sich endlich mal dem Lokalen und berichtet: «Zürcher Skigebiete hoffen auf Corona-Effekt». Diese Schlingel, statt Mitgefühl mit den Betroffenen zu heucheln. Aber auch der Tagi stellt kritische Fragen: «Wird die Gondelbahn zur Virenschleuder»? Sowohl Hoffnungen wie Bedenken sind hinter der Bezahlschranke verstaut.

Immer wieder die gleichen Leserbindungen

Die kennt «20Minuten» nicht, also ruft es seine Leser zur «Foto-Challenge»: «Wie hast du den ersten Schnee erlebt?» Auch hier wird mit allen Mitteln versucht, Schnee und Corona zu verknüpfen: «St. Gallen verbietet Skilager bis Frühling 2021». Zur Beruhigung: die drei meistkommentierten Beiträge haben alle das gleiche Thema. Nein, nicht die Pläne zur Rettung der AHV.

Und was tut die NZZ? Natürlich, sie kümmert sich um die Verbindung von Geld, Geist und Gesundheit. Eine einsame, traurige Rose im Halbschatten leitet den Bericht ein: «Das Paracelsus-Spital muss schliessen, weitere Zürcher Kliniken stecken in schweren Turbulenzen – und das mitten in der Corona-Krise. Was ist da los?»

Nun, das könnte vielleicht daran liegen, dass die Spitäler diverse Male Notfall-Betten bereithalten und aufstocken mussten, Operationen verschieben und damit Millionenverluste einfuhren. Obwohl niemand auf der Welt im Vergleich zum BIP so viel Geld fürs Gesundheitssystem ausgibt wie die Schweiz.

Die publizistische Leiter nach unten

Fehlt noch CH Media. Da schwimmt man im Mainstream: «Macron gegen die Schweiz: Der Skistreit mit Frankreich spitzt sich zu.» Das kommt halt davon, wenn man nicht in der EU ist, die EU aber der festen Überzeugung, dass sich die Schweiz doch gefälligst so wie die EU-Staaten verhalten soll und die Wintersaison abblasen.

Allerdings ist CH Media immer wieder zu Tiefstleistungen fähig. Dafür muss man nur das Wirken des publizistischen Leiters Pascal Hollenstein verfolgen. Er ist immer zur Stelle, wenn es gilt, ein abschreckendes Vorbild zu sein. Zurzeit hat er als Lautsprecher für Jolanda Spiess-Hegglin gerade Pause, die nützt er unter anderem zu einem launigen Kommentar im St. Galler «Tagblatt». Eine Glosse unter dem Titel «Das Leben als Zürcher». Natürlich, die halten sich für den Nabel der Welt, wenn bei denen ein Zürisack umfällt, muss das sofort die ganze Schweiz, ja die Welt wissen.

So weit, so gähn. Aber Hollenstein will ja weitere Beispiele anführen. Und fällt dabei leider auf die Schnauze, Glättegefahr. Nur dadurch, dass der Zürcher noch nie etwas davon gehört habe, dass es Jahreszeiten gebe, sei zu erklären, «dass beim minimsten Schneefall der öffentliche Verkehr an den steilen Flanken des Üetlibergs umgehend zum Erliegen kommt.»

Was kann die redaktionelle Leiter eigentlich?

Auch auf die Gefahr hin, von der Ostschweizer Dumpfbacke als arroganter Zürcher wahrgenommen zu werden: Im Gegensatz zum Zürichberg, den er wohl meint, gibt es auf den «Üetliberg» haargenau eine S-Bahn als öffentliches Transportmittel. Es könnte natürlich auch sein, dass er irgendeinen «Üetliberg» meint, und nicht den Zürcher Uetliberg. Man muss also festhalten: Glosse kann er auch nicht. Was kann der «redaktionelle Leiter» eigentlich?

 

 

Oh Epidemiologin, was sollen wir tun?

Was dem einen Organ sein WHO-Gesandter ist, ist dem anderen die Epidemiologin.

Was CH Media kann, kann der andere Teil des Duopols schon lange. Von Aarau aus befragte man einen völlig unbekannten WHO-Sondergesandten, der eigentlich wegen Körperverletzung angeklagt werden müsste. So schmerzhaft waren seine Allgemeinplätze.

Also suchte Tamedia, muss heute so sein, ein weibliches Gegenstück. Dafür gibt es glücklicherweise Emma Hodcroft. Bekannt aus Funk und Fernsehen, kann man da nur sagen. Wo eine Kamera oder ein Mikrophon ist, da ist gerne auch Hodcroft. Denn sie muss noch etwas aufholen; seit November am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Uni Bern als Postdoktorandin angestellt, hat sie es mit scharfer Konkurrenz zu tun.

Dort arbeitet nämlich auch Christian Althaus, der Corona-Twitter-Star, Mitglied der Wissenschafts-Eingreiftruppe und ganz vorne dabei, wenn es um kurzfristig gültige, aber möglichst plakative Meinungen zur Pandemie geht.

Die Konkurrenz ist hart

Sie holt jedoch auf; diesmal mit einem grossen, langen, um nicht zu sagen langfädigen, langweiligen Interview in Tamedia. Geführt hat es der Corona-Spezialist, Pardon, der Bundeshausredaktor von Tamedia. Der sitzt nämlich auch in Bern, das spart dann ungemein Spesen. Und Corona kann doch nicht nur der Bundesrat, sondern jeder.

Allerdings muss man gleich am Anfang gewisse Qualitätsunterschiede feststellen. Während es CH Media immerhin gelang, dem Interviewpartner ein bedrohliches Titel-Quote zu entringen, schafft es Tamedia nur zu: «Wir haben kein klares Bild über die Fallzahlen». Das darf man als freundliche Aufforderung verstehen, sich den ganzen Rest nicht anzutun.

Ich bin diesem Ratschlag nicht gefolgt. Daher bin ich zurzeit im Besitz folgender Erkenntnisse: «Die aktuelle Abnahme der Fallzahlen kann zum Teil auch darauf zurückzuführen sein, dass weniger getestet wird.» Kann zum Teil, sicher ist’s aber nicht. Aber als Laie würde man sich ja nie trauen, einfach zu sagen: Weniger Tests, weniger positive Ergebnisse, schnarch.

90 Prozent des Interviews haben in vier Wörtern Platz

Weitere Perlen der Wissenschaft: «Die Zahl der Patienten in den Spitälern stagniert auf hohem Niveau oder steigt teilweise noch an.» Letzteres widerspricht nun eindeutig dem Geheul der Task Force oder anderen Unken; laut denen sind die Spitäler ja längst übervoll.

Ich fasse nun 90 Prozent des weiteren Interviews zusammen: «Wir müssen mehr testen.» Weil wir mehr testen müssen. Weil sonst das Bild unklar bleibt. Deshalb müssen wir mehr testen. Sorry, man kommt schwer aus dieser Rille wieder raus.

Am Schluss noch eine Erkenntnis des Bundeshausredaktors

Ganz am Schluss wagt sich der Bundeshausredaktor noch mit einer eigenen Erkenntnis aus der knienden Haltung, die er während des ganze Interviews eingenommen hatte, denn er hat sich schlau gemacht: R liege in der Schweiz wieder bei 0,7. Diese Reproduktionszahl steht dafür, wie viele weitere Personen ein Infizierter ansteckt.

Liegt sie unter 1, das weiss auch ein Politredaktor, dann geht die Infektionsrate zurück. Was ja gut ist und eigentlich dazu führen müsste, vielleicht mal die Milliardenschäden, die der Teillockdown anrichtet, zu beenden. Oder nicht? Oder nicht, sagt Hodcroft: «Wir müssen in der jetzigen Situation sehr vorsichtig sein bei der Interpretation des R-Werts.» Denn, unglaublich, was Epidemiologen alles rausfinden, «es gibt grosse regionale Unterschiede».

Das wurde in der Frage auch nicht bestritten. Zudem sollte es doch vielleicht auch eine schweizerische Politik geben, die auf schweizweiten Zahlen beruht. Aber statt den aufrechten Gang mit kritischen Nachfragen zu lernen, geht der Bundehausredaktor wieder auf die Knie, darf die Wissenschaftlerin noch mit einem kräftigen «einerseits, andererseits» schliessen:

«In einer so verflochtenen Region wie den beiden Basel sollten wohl gleiche Massnahmen gelten. Aber regional differenzierte Massnahmen sind durchaus möglich.» Nichts ist unmöglich. Aber das war mal ein Werbespruch von Toyota.

Nichts ist unmöglich – im Journalismus

Inzwischen gilt das leider vor allem für den Journalismus. Gibt es denn keinen Lichtblick? Doch, einen kleinen. Lange, lange nach NZZaS, nach ZACKBUM.ch, sogar nach persoenlich.com hat auch Tamedia gemerkt, dass eine bedeutende Journalistin, die auch mal im Hause war, gestorben ist. Zwar ist es am 22. November etwas verwegen, im Lead zu schreiben: «Jetzt ist die 96-jährige Zürcherin gestorben.» Das tat Charlotte Peters bereits am 3. November.

Aber bei Tamedia klemmte wohl die Schublade, in der die Nachrufe verstaut sind. Oder, sie war abgeschlossen, und der Schüsselträger bereits entlassen.

 

 

 

 

 

Die Angst vor der Leere

Trump ist am Abklingen, Corona muss bewirtschaftet werden.

«Corona bringt Walliser Bestatter an ihre Grenzen», erschrickt der «Blick». Damit nicht genug: «In Genf stehen die Ambulanzen im Dauereinsatz».

Mehr als praktischer Ratgeber sieht sich «20 Minuten»: «Hilft amerikanisches Anstehen gegen Chaos am Skilift?» Apropos, «Trump kündigt grosse Klagen an», tickert der «Tages-Anzeiger», aber nur mehr mässig an diesem Thema interessiert.

Keine Fertigsaucen wegen Corona

Viel wichtiger ist ihm das Schicksal der «Corona-Kontrolleure», deren ordnende Tätigkeit in einer Reportage in Basel hautnah verfolgt wurde. Besonders am Herzen liegt dem Tagi auch das leibliche Wohl seiner Leser. Deshalb serviert er ihnen ein Interview mit dem «Gault Millau»-Chef: «Wegen Corona plötzlich Fertigsaucen servieren, das geht nicht», dekretiert Urs Heller. Nun, solange überhaupt noch Saucen gereicht werden können …

Wie meist etwas über der Sache steht die NZZ: «Die Experten drängen auf einen landesweiten Teil-Lockdown – streiten sich aber über den Zeitpunkt.» Ob diese Forderung erfüllt wird oder nicht, das erwarten alle Restaurantbesitzer und ihre Köche – mit oder ohne Fertigsauce – mit Bangen.

Der Corona-Test im Medienarchiv ergibt: An diesem Montag hat es das Wort Corona schon am Morgen auf über 1000 Treffer gebracht. Dagegen stinkt Trump mit mageren 274 gewaltig ab.

Auf der Welt ist eigentlich nicht viel los

Sonst ist wie üblich eigentlich wenig los auf der Welt. Ein Bürgerkrieg in Äthiopien, aber das ist ja in dieser Weltgegend völlig normal. Ach, und China verkündet die grösste Freihandelszone der Welt; natürlich ohne Europa oder die USA. Aber was ist das schon gegen die News von CH Media: «Wir kämpfen ums Überleben. Aarau Taxifahrer können nicht auf Unterstützung des Bundes rechnen.»

Eher unentschieden sind daher die grossen Medienhäuser mit ihren unzähligen Kopfblättern, ob sie wie immer drakonische Massnahmen im Kampf gegen die Pandemie unterstützen sollen – oder Erbarmen mit am Rande des Bankrotts stehenden Firmen haben. Für den Aargau, Stammlande von CH Media, ist das natürlich das Schicksal von Knecht Reisen.

Die «Nummer eins im Schweizer Fernreisengeschäft» beschäftigte mal an diversen Standorten über 300 Mitarbeiter. Da bekanntlich die Umsatzeinbrüche in der Reisebranche zwischen 75 und 90 Prozent liegen, muss natürlich auch der Firmeninhaber Thomas Knecht ums Überleben seines Reiseveranstalters kämpfen.

Massenentlassung oder scheibchenweise?

Was bleibt ihm anderes übrig, als Mitarbeiter zu entlassen; ein Reiseveranstalter besteht ja nur aus Büros, Computern und Mitarbeitern. Nun wird ihm aber von den selben Medien vorgeworfen, denen der nächste Lockdown nicht schnell genug und drakonisch genug sein kann, dass er mit scheibchenweisen Entlassungen eine sogenannte Massenentlassung vermeiden wolle.

Das wäre natürlich furchtbar, denn wenn in einem KMU mehr als 10 Mitarbeiter innerhalb eines Monats entlassen werden, dann ist das eine Masse. Und dann? Da muss das Unternehmen ein paar Formvorschriften mehr beachten. Also Meldung ans Arbeitsamt, Konsultation der Angestellten, Bekanntgabe der Anzahl der Entlassenen und des Zeitpunkts. Und, aber einer gewissen Grösse des Unternehmens, ein Sozialplan.

Dagegen soll laut «SonntagsZeitung» Knecht verstossen haben, indem er die Entlassungen auf die einzelnen Unternehmen seiner Holding verteilte. Was zwar völlig legal wäre, abgesehen davon, dass ihm wohl nichts anderes übrigbleibt, aber meckern am Verhalten eines Firmenbosses kommt ja immer gut.

Was gibt’s denn sonst für Themen?

Aber es gibt Lichtblicke, falls dann auch das Thema Corona so ausgelutscht ist, dass es wirklich keinen mehr interessiert. Wegbereitend ist wie immer die NZZ. Sie erfreut den Leser neben all diesen schlechten Nachrichten mit der Würdigung eines historischen Jahrestags. Ohne das geht es auch hier nicht.

Denn vor genau 80 Jahren verurteilte ein Schweizer Gericht zwei Personen zu lebenslänglich Gefängnis. Unerhört, aber das Besondere ist: Sie waren im Juni 1940 vom Deutschen Reich in die Schweiz geschickt worden, um hier Militärflugzeuge zu sabotieren. Aber die Operation «Adler» flog auf. Die Flugzeuge blieben intakt – wobei auch half, dass sie fast nie in Kampfhandlungen verwickelt wurden, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Für die Mobiliar ist Corona kein Thema


Das Mobiliar-Kundenheft schafft das Kunststück, nicht auf die Coronakrise einzugehen.

Kundenzeitschriften sind ein spezielles Segment. Die Redaktion besteht meistens aus einer firmeninternen Gruppe und das letzte Wort hat der CEO. Das kürzlich erschienene «Mobirama» der Mobiliarversicherung (Herbstausgabe 2020) ist darum bemerkenswert, weil Corona praktisch kein Thema ist. Die Titelgeschichte: «Verliebt ins Traumhaus». Im Editorial geht’s um den geplanten Führungswechsel in der Chefetage. Eine Reportage befasst sich mit dem Bau von Wanderwegen «mit Unterstützung der Mobiliar». Die Lektüre ist wie eine Zeitreise in die guten, alten Zeiten vor Corona.

Maskenverbot auf Fotos?

Maskenpflicht scheint bei den Fotosessions nicht zu gelten. Keine einzige der 19 abgebildeten Personen im Heft trägt eines dieser Dinger. Auf der zweitletzten Seite des 16-seitigen Heftes dann der Titel «Wir versichern sogar Ihre Katze». Und weiter: «Wir sind auch bei einem Auslandaufenthalt für Sie da». 11 Versicherungsbeispiele sind aufgeführt. Es fehlt typischerweise Corona. Das hat durchaus Gründe.

Epidemieversicherung gekündigt

Denn gemäss Artikeln in der NZZ am Sonntag und in der Handelszeitung hat die Mobiliar ihren Kunden die Epidemie-Versicherung gekündigt. «Die bisherige Epidemie-Versicherung wird durch eine neue Hygiene-Versicherung abgelöst», heisst es in einem Schreiben, das die Mobiliar-Kunden vor kurzem zugeschickt bekamen. Weiter im Text: «Eine Fortsetzung des bestehenden Vertrags ist nicht möglich. Falls Sie auf die Anpassung Ihres Vertrags verzichten, wird die Mobiliar von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch machen.»

Zuerst Lob, dann Haue

Kein Wunder, steht kein Wort über das Corona-Thema im «Mobirama». Zwar holte sich die Mobiliar laut der Handels-Zeitung viel Lob in der ersten Corona-Krise. Anders als die meisten Konkurrenten «verstrickte sie sich nach dem behördlich angeordneten Lockdown nicht in Wortklauberei, wonach eine Pandemie keine Epidemie sei». Doch jetzt ist es für Firmen unmöglich, sich gegen einen drohenden zweiten Lockdown zu versichern.

Warum sonst noch fehlt Corona im «Mobirama»? Kundenzeitschriften wie diejenige der Mobiliar haben eine extrem lange Vorlaufzeit. Dazu tragen die komplizierten, hierarchischen internen Abläufe bei. Die Inhalte sind inszeniert und werden oft überteuert von PR-Agenturen beigesteuert. Im Gegensatz zu journalistischen Beitragen dauern die Prozesse gefühlt ewig. Dazu kommen Übersetzungen und juristische Abklärungen. Kein Wunder, hat die Mobiliar entschieden, Corona aussen vor zu lassen.

Immerhin eine Ehrenrettung für die Mobiliar gibt’s: Corona kam in einem Artikel am Rande vor. In einem Portrait über die Unihockeyanerin Chiara Gredig. Corona setzte der Unihockeymeisterschaft laut dem Bericht «ein abruptes Ende». Kein Grund für die Mobiliar, nicht darüber zu berichten. Denn die Mobiliar «engagiert sich für den Hallensport».

Expertokratie in den Medien

Experten warnen, drängeln und fordern. Journalisten ebenso.

Die Medien transportieren zu ihrem Lieblingsthema aktuell eine ganze Ladung von professoralem Geschimpfe.

«Sinnloses Zuwarten», sagt Christian Althaus zum Entscheid des Bundesrats, mit drakonischen Massnahmen noch bis nächsten Mittwoch zuzuwarten. Althaus ist Mitglied der Scientific Covid-19 Taskforce, direkt dem Bundesrat unterstellt.

Was Althaus nicht sagt: Er prognostizierte am Anfang der Epidemie bis zu 100’000 Tote in der Schweiz.«Could this situation have been prevented», twittert ein ehemaliges Taskforce-Mitglied in der Schweizer Umgangssprache Englisch. Matthias Egger verweist dabei im Gestus der beleidigten Leberwurst auf frühere «recommendations». Nach der Devise: nicht auf uns gehört, selber schuld.

Der Berner Epidemiologe ist «frustiert», weil man auf ihn nicht gehört habe. Dass er erschöpft nach wenigen Monaten das Handtuch als Chef dieser Taskforce warf, das sagt er nicht.

Fachidioten finden ungefiltert Eingang in die Qualitätsmedien

Althaus, der es wohl immer noch nicht verwunden hat, den Zweikampf um den am häufigsten auftretenden Wissenschaftler gegen Marcel Salathé verloren zu haben, legt noch einen drauf. Da will doch tatsächlich Bundesrätin Keller-Sutter wissen, welche Kosten die einzelnen Lockdown-Varianten verursachen würden. «Ähm, hätte der Bundesrat nicht sechs Monate Zeit, um diese Rechnungen anzustellen», fragt Althaus spitz.

All dieses Gewäffel findet ungefiltert Eingang in die heiligen Hallen der Qualitätsmedien, also von Tamedia und CH Media. Fachidioten ohne die geringste Ahnung von Ökonomie haben den Nerv, weiter strenge Massnahmen gegen Wirtschaft und Gesellschaft zu fordern. Was sie stattdessen in den vergangenen sechs Monaten alles hätten tun sollen, aber nicht wollten oder konnten, geht dabei auf keine Kuhhaut. Geht da noch einer? Aber immer.

Wenn ein Chefredaktor die Regierung in den Senkel stellt

Schliesslich möchte der neue Co-Chefredaktor des «Tages-Anzeiger» mittels eines Kommentars (hinter Bezahlschranke) der Zürcher Regierung mal so richtig den Marsch blasen, diesen Pfeifen.

Mario Stäuble tritt fulminant den Beweis dafür an, dass ein bösartiger Spruch über Journalisten weiterhin gültig ist: zu allem eine Meinung, von nichts eine Ahnung. «Zürich macht viel zu wenig, viel zu spät», poltert er schon im Titel. «Fatales Signal», die Zürcher Regierung nehme «ihre Führungsrolle nicht wahr», «nicht im Stande», «andere Kantone machen vor, was zu tun wäre».

Am Schluss steigert er sich zum Crescendo und entlarvt noch den wahren Grund für die Lahmarschigkeit der Kantonsregierung: «Sollte die Zürcher Regierung aus Rücksicht auf die Wirtschaft darauf verzichten, das zu tun, was für die Spitäler, die besonders gefährdeten Menschen und für uns alle nötig ist, dann irrt er.»

Geballte Fachkompetenz, getragen von Verantwortungsethik

Wer sich fragt, wen er mit dem «er» meint: Habt Nachsicht, seit es faktisch kein Korrektorat mehr gibt … Stäuble meint damit leider nicht sich selbst, sondern die Regierung. Denn es sei doch völlig klar, «dass die ökonomischen Schäden dann am geringsten sind, wenn die Politik früh, entschieden, klar und für alle nachvollziehbar die Corona-Bremse zieht».

Wir sind beeindruckt von so viel geballter Fachkompetenz. Hier spricht ein Epidemiologe, ein Ökonom und auch ein Ethiker. Allerdings kein Verantwortungsethiker, denn für sein dummes Gequatsche und seine untauglichen Forderungen muss Stäuble im Gegensatz zur Kantonsregierung keinerlei Verantwortung übernehmen.

Aber nachdem er sie nach Strich und Faden niedergemacht hat, was soll denn nun mit dieser Ansammlung von verantwortungslosen Zauderern geschehen? Kollektiver Rücktritt? Öffentliche Entschuldigung an Stäuble? Wird er da Gnade vor Recht ergehen lassen, bekommen sie vielleicht wenigstens eine zweite Chance?

Zürcher «Tages-Anzeiger» fordert: Bern muss übernehmen

Nein, da ist der ehemalige Jus-Student gnadenlos: «Die Kantonsregierung ist nicht fähig, in Eigenregie den Anstieg der Infektionen zu brechen. Bern muss übernehmen.» Hier betritt der Naseweiss mutig absolutes Neuland. Es dürfte das erste Mal sein, dass eine Führungskraft des «Tages-Anzeiger» fordert, dass die Bundesregierung zu Bern gefälligst die Vormundschaft über den Kanton Zürich übernehmen soll.

Ob mit oder ohne Waffengewalt, dass lässt Stäuble offen. Um mit seinen Massstäben zu messen: Wie lange sich Stäuble so noch zuoberst bei der Schrumpf-Redaktion des Tagi halten kann, ist die naheliegende Frage. Die Prognose sei gewagt: weniger lang als die Zürcher Kantonsregierung föderalistisch so weiterregiert, wie sie es für richtig hält.

Die grosse Chance für Stäuble könnte allerdings darin bestehen, dass man ihn weder als Chefredaktor noch als Kommentator wirklich ernst nimmt, und daher seine Einsparung nicht als dringlich auf die Agenda gesetzt wird. Denn wen kümmert’s schon, was er kommentiert, kritisiert oder fordert. Da zuckt sogar das Virus gleichgültig mit den Schultern.

 

 

 

Coronöse Medienvielfalt

Einfalt statt Differenzierung. Eintopf statt Menü.

Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht. Der Leser ist fassungslos. Kann aber nicht genug kriegen. Ein kurzes Kaleidoskop der Themenbreite der fünf wichtigsten Newsschleudern des Landes.

Zunächst «20 Minuten»

Vorausgesetzt, diese Hitparaden sind tatsächlich gemessen am Leserverhalten, kann man feststellen, dass es mal wieder für den Schweizer nur ein Thema gibt. Ganz knapp schaffen es andere, unwichtige Ereignisse wie die US-Präsidentschaftswahlen noch auf die hinteren Plätze.

Die Hitparade der NZZ

Ansonsten herrscht das klickgetriebene Prinzip: Gib dem Leser, was der Leser will. Nun ist dieses von jedem Verlagsmanager runtergebetete Kalkül so kurzsichtig wie das meiste, was Verlagsmanager so sagen.

Theorie und Praxis

In der Theorie hört es sich toll an: Angebot richtet sich nach Nachfrage, kann man an der Klickzahl messen, also zielt man mit dem Angebot voll in die Nachfrage. Mehr Klicks, mehr Attention, mehr Werbeeinnahmen. Super Sache.

Überhaupt nicht. Fangen wir mal bei den Ratten an, ohne Leser auch nur im entferntesten damit vergleichen zu wollen. Ratten haben ein Belohnungs- oder Lustzentrum im Gehirn. Das ist so eine Art Schaltkreis, der mit Neurotransmittern wie Dopamin funktioniert. Umgangssprachlich deshalb auch als Glückshormon bekannt.

Menschen im Allgemeinen und Leser im Speziellen haben das auch. Nun hat man an Ratten getestet, was passiert, wenn man dieses Belohnungszentrum elektrisch stimuliert. Dafür hat man der Versuchsratte die freie Wahl zwischen zwei Hebeln gelassen. Betätigt sie den einen, gibt’s Futter satt. Betätigt sie den anderen, gibt’s Stimulierung.

«Blick online»

Natürlich verhungert die Ratte lieber, als auf den Futterhebel zu drücken. Was will uns dieses Beispiel sagen? Ganz einfach: Wenn jemand Griessbrei mag, kann man ihm mit Griessbrei eine Freude machen. Die dann irgendwann in Ekel umschlägt, wenn man immerzu und immer wieder Griessbrei anbietet.

Das gleiche Prinzip gilt auch bei den unter Marketing-Leuten so beliebten Meinungsumfragen unter Kunden: Was für Erwartungen haben Sie an unser Produkt? Was würden Sie sich wünschen? In Wirklichkeit zwei völlig bescheuerte Fragen. Die Erwartung ist schlichtweg, dass es seinen Dienst tut, und das zu einem verträglichen Preis. Und Wünsche? Woher soll das der Kunde denn wissen? Aus Hilflosigkeit meint er meistens: na ja, das gleiche Produkt, nur irgendwie besser, dafür billiger.

CH Media

Zurück zu den Lesern als Zielgruppe. Die waten schon seit Tagen in ganzen Seen von Griessbrei, dazu regnet es Griessbrei, sie werden von Werbung zugeschüttet, auf der steht: Noch mehr Griessbrei! Hier gibt es schmackhaften Griessbrei. Nach dem Griessbrei ist vor dem Griessbrei.

Also kann es durchaus sein, dass die Stimulierung des Lustzentrums irgendwann in Unlust umschlägt, in Überdruss, ja in Ekel. Man spricht da auch von Überfütterung. Nun ist es in der jüngeren Mediengeschichte einmalig, dass dermassen monothematisch nur ein Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit abgehandelt wird.

Tamedia

Selbst bei der Finanzkrise von 2008, als immerhin das weltweite Geldsystem knapp vor der Kernschmelze stand, waren die Massenmedien nicht dermassen extrem auf dieses einzige Thema fixiert. Wobei Fixierung nur die eine Seite der Medaille ist.

Fixierung und verwechselbare Ähnlichkeit

Denn neben Fixierung ist auch eine Gleichförmigkeit in der Berichterstattung vorhanden, die vorher nur von kommunistischen Parteizeitungen erreicht wurde. Die Corona-Massnahmen der Regierungen sind zweifellos nötig, Kritik daran ist falsch, wer die Kernzahlen, mit denen all die Massnahmen begründet werden, hinterfragt, ist ein Corona-Leugner.

Wer gar wagt, darauf hinzuweisen, dass schon jetzt unvorstellbare wirtschaftliche Schäden angerichtet wurden, die von einem drohenden zweiten Lockdown noch dramatisch verstärkt würden, ist ein Unmensch, der Finanzielles über den Wert eines Menschenlebens setzt.

Dummheit oder Absicht oder beides?

Und wer – wie der Autor – sich langsam fragt, ob dümmliche Faktenchecks, das ewige Nachbeten und Wiederholen von gleichen Kernbotschaften, von völlig unerheblichen Zahlen nur Ausdruck des elenden Zustands der Massenmedien ist – oder vielleicht auch Absicht dahintersteht, der ist natürlich ein Verschwörungstheoretiker. Und meint sicherlich, das Virus sei von Bill Gates erfunden worden, der es zusammen mit anderen Superreichen allen einpflanzt, um die Weltherrschaft zu erobern.