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Pariser Professor ist sehr ungehalten

Es ist halt ein Kreuz mit diesen Politikern. Wahre Geistesriesen wie Thomas Maissen haben ihnen leider nichts zu sagen.

Gekleidet in edlem Zwirn sitzt Maissen in einem edlen Stadtpalais in Paris. Der «renommierte Historiker» ist dort seit 2013 Direktor des Deutschen Historischen Instituts. Eine wunderbare Position, wo er unablässig furchtbar wichtige historische Erkenntnisse schürfen und präsentieren könnte.

Aber leider macht Maissen den Fehler vieler Historiker: weil sie im Nachhinein bei der Geschichtsbetrachtung immer Recht haben – und sich die Betrachteten, weil tot, auch schlecht wehren können – meinen sie, das gebe ihnen besondere Gaben bei der Beurteilung der Aktualität. Maissen ist ein idealtypisches Beispiel, wie sich solch ahistorische Überheblichkeit mit krachenden Fehlanalysen mischen kann.

Vor anderthalb Jahren wurde Maissen in einem längeren Interview zu den Auswirkungen des Mauerfalls im Jahre 1989 befragt; also aus der Perspektive 30 Jahre danach. Aber das ist noch keine historische Dimension, deshalb kamen diese Lachschlager heraus:

  1. «Wäre ich Bundeskanzler gewesen, wäre es noch viel schlimmer gekommen
  2. «Der Fall des Kommunismus hat es möglich gemacht, dass die EU eine gesamteuropäische und fast unumgängliche Integration vorantreibt.»
  3. «Die Schweiz gehört in die EU, um mitwirken zu können, wenn diese Art von Problemen angegangen werden.»

Tja, das sieht «die Schweiz» aber entschieden anders, sogar der Bundesrat wagt es, Maissen zu widersprechen. Das tut er natürlich nicht ungestraft. Denn die Regierung hat es doch gewagt, die Verhandlungen über ein Rahmenabkommen nach vielen Jahren als sinnlos abzubrechen.

Damit hat sie sich den zürnenden Maissen eingehandelt: «Feige, mutlos, ein grosser Fehler». Maissen turnt sogar in Metaphern herum, mit denen er sich in seiner Zunft eher lächerlich macht. Die Ankündigung letzten Mittwoch sei «eine Abdankung ohne Predigt. Etwas ist gestorben, aber niemand weiss, wie es weitergeht.» Furchtbar, es gibt eine Leiche, aber die Trauergemeinde hat keine Ahnung, was nun kommt. Vielleicht eine Beerdigung, würde die Leiche, Pardon, der Laie sagen, aber damit zeigte er nur, dass er kein studierter Historiker ist.

Souveränität wird schwer überschätzt

Maissen ist noch nicht fertig mit seinem Bundesrat-Hauen: «Das ist kein Zeichen eines neu erworbenen Selbstbewusstseins, sondern von Verzagtheit.» Der Entscheid sei eine «neue Phase dieses Durchwurstelns».

Aber er kann auch gründeln, aus reicher historischer Erfahrung schöpfen und verkünden:

«Die Existenz der Schweiz hängt nicht von der Souveränität ab, denn diese ist nicht etwas Zeitloses, sondern vielmehr ein völkerrechtliches Ordnungsinstrument

Ein solcher Satz ist selbst für studierte Historiker wie mich schwer zu verstehen. Vielleicht muss man dafür in einem hübschen Stadtpalais in Paris sitzen.

Oder Napoleon zum Gründer der modernen Schweiz ausrufen.

Napoleon: grosser Sarkophag für kleinen Kaiser.

Hat uns Maissen noch mehr mitzugeben? Klar, wenn man ihn quatschen lässt, ohne ihm zu widersprechen, sprudeln weitere Sottisen nur so aus ihm heraus: ««Diktat aus Brüssel» ist eine Floskel.» Hm, dass das eine Floskel sei, ist selber eine. Da sind wir aber heillos in tiefen erkenntnistheoretischen Redundanzen gefangen, die man möglicherweise mit Luhmann oder aber mit Poststrukturalismus in weitere Räume der Erkenntnis führen könnte, um es mal ganz einfach auszudrücken.

Maissen kann’s aber noch einfacher: «Die Regierung ist schnell eingeknickt, weil sie gemerkt hat, dass die SVP und die Gewerkschaften gegen diesen von der Regierung fair ausgehandelten Vertrag sind

So spricht der Historiker, urteilt in den Mantel der Geschichte gehüllt, dass das ein «fair ausgehandelter Vertrag» war. Also mal wieder Populisten von rechts und links eine sinnvolle Regierungspolitik kaputt gemacht haben.

Wieso hört denn keiner auf Maissen?

So geht’s halt, wenn mal wieder niemand auf Maissen hört, der doch unermüdlich und immer wieder sagt, dass die Schweiz in die EU gehöre. Aber, dammisiech, was für einen Professor fraglos klar ist, das sehen halt blöde Parteien, Interessensvertreter und sogar der Bundesrat nicht ein.

Immerhin, nach bösen Erfahrungen mit Unkenrufen und Schweizuntergängen nach dem gescheiterten EWR-Beitritt 1992, hält sich Maissen deutlich zurück bei der Frage, ob das gescheiterte Rahmenabkommen nun den sofortigen oder erst den aufgeschobenen Exitus der Schweiz bedeutet.

Aber, auch Historiker können pessimistisch in die Zukunft schauen, das mit dem EU-Beitritt sei nun wirklich eine Weile vom Tisch. Ausser, was er aber der Schweiz nicht wünsche, eine Notlage oder Bedrohung würde doch noch zu einem Umdenken führen.

 

ZACKBUM findet, dass sich Maissen doch gerne weiter mit Napoleon oder mit Ereignissen befassen sollte, die schon so lange zurückliegen, dass sie eine Begegnung mit diesem Historiker unbeschadet überstehen. Aber Gegenwart und gar Zukunft, das ist halt nicht sein Beritt.

 

Rah-ha-ha-abkommen ist tot

Weder Befürworter noch Gegner kommen um die Erkenntnis herum: mausetot.

Eigentlich war die Haltung aller Schweizer Medien zum Gewürge mit dem sogenannten Rahmenabkommen mit Deutschland: im Prinzip ja.

Ringiers Vorschreiber Frank A. Meyer, Wohnsitz Berlin, ist ein vehementer Befürworter. Gewesen, denn was geht ihn sein dummes Geschwätz von gestern an. Auch der Club der Chefredaktoren, die etwas zu sagen haben, also Patrik Müller (CH Media), Arthur Rutishauser (Tamedia) und Eric Gujer (NZZ) waren mal mehr oder minder begeisterte Befürworter.

Zuerst Rutishauser, schliesslich auch Gujer gingen aber im Verlauf des Gemurkses immer mehr auf Distanz. Zwischendurch wurden Geheimpläne enthüllt, der arme Aussenminister demontiert, immer neue Verhandlungsvarianten ins Spiel gebracht. Halt das, was die Medien so tun, wenn ihnen absolut nichts mehr einfällt zu einem Thema.

Aber immerhin, es gibt News. Rahmenvertrag aus dem Rahmen gefallen. Was nun? «Nicht der Bundesrat, sondern das System ist schuld», (SRF), «Grenzregionen fürchten um ihre Wettbewerbsfähigkeit», (nau.ch), «Gescheitertes EU-Rahmenabkommen: «Die Schweiz hat das Feld verlassen, bevor das Spiel zu Ende war»», (CH Media), «Gescheitertes Rahmenabkommen: Grenzregionen fürchten um ihre Wettbewerbsfähigkeit», («watson»), «EU-Rahmenabkommen: Nicht alle Bundesräte wollten sofortigen Abbruch», («Blick»), «Nach dem Verhandlungsabbruch beginnt die Suche von vorn: Könnte eine Volksinitiative die EU-Frage klären?», (NZZ), «Exklusiv-Interview mit Carl Baudenbacher: «Das Geschäft muss auf ein neues Gleis»» («Nebelspalter»), «7 Folgen nach geplatztem EU-Deal: Hier drohen jetzt die nächsten «Nadelstiche»» (Tamedia).

1000 mal erwähnt, nichts passiert

Lassen wir es bei dieser Kakophonie bewenden. Insgesamt gibt die Suche nach «Rahmenabkommen» in der SMD für die letzten 7 Tage über 1000 Treffer. Wie könnte man die aufklärerische Wirkung messen, da dieses Thema offensichtlich von Bedeutung ist?

Ganz einfach; indem sich der geneigte Leser drei Fragen stellt (und beantwortet):

  1. Was beinhaltete das Rahmenabkommen?
  2. Ein Argument dafür, eines dagegen?
  3. Geht’s der Schweiz nun dreckig?

Vor allem bei der letzten Frage hält man sich inzwischen gerne bedeckt. Zu unangenehm noch die Erinnerung, als zur allgemeinen Überraschung 1992 schon etwas Ähnliches abgelehnt wurde. Damals wurde flächendeckend der Untergang der Schweiz an die Wand gemalt, der Ausbruch von neuem Elend, die Schweiz als Paria im Zentrum Europas. Eine Insel, die sich egoistisch dem europäischen Gedanken verweigert. Und schon sehen wird, was sie davon hat.

Das hat die Schweiz tatsächlich gesehen. Mit den üblichen Einschlägen entwickelte sie sich in den seither vergangenen knapp 30 Jahren prächtig. Was man von der EU wirklich nicht sagen kann. Bei allen Befürwortern, Euro-Turbos bis sich selber als Pragmatiker sehenden Politikern und Medienschaffenden: und jetzt?

Ein weiteres Armutszeugnis für die Medien; mit wenigen Ausnahmen. Sie beschränkten sich wieder darauf, im Wesentlichen grosse und kleine Teufel an die Wand zu malen, sollte diese Vereinbarung nicht zustande kommen.

Reflexe statt reflektieren

Der Reflex ist weiterhin überstark: Wenn die SVP dagegen ist, muss man dafür sein. Wenn Christoph Blocher dagegen ist, muss man dafür sein. Wofür? Ist doch egal.

Nun wäre nach dem Katzenjammer eigentlich angebracht, sich Gedanken zu machen, wie das nun weitergehen könnte. Denn, Wunder über Wunder, die Welt ist nicht stehengeblieben, als der Bundesrat das Ende des Gemurkses verkündete.

Aber wenn man nicht mit routiniertem Griff copy/paste machen kann, die ewig gleichen Gedanken nochmal durchschütteln und wieder in Spalten giessen – dann herrscht erst mal gähnende Leere. Ein schwarzes Loch, in das Millionensubventionen geschüttet werden.

Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht

Der Bundesrat beschliesst eine Lockerung der drakonischen Massnahmen. Netz und Medien machen sich ganz locker.

Natürlich hat das Internet viele gute Eigenschaften. Dass hier jeder seine Meinung in die Welt hinausposaunen kann, gehört nicht dazu.

Der «Blick» hält sein Ohr ganz nahe ans Netz, und was hört er? «So viele Tote und Invalide hat noch kein Terrorist oder Attentäter je verursacht wie der Bundesrat mit seinem heutigen Entscheid.» Oder dieser Wutbürger ist auch toll: «Liebe Bundesrepublik Deutschland könnt ihr uns Schweizer bitte annektieren?»

Es ist zu befürchten, dass beide Pass und Stimmrecht besitzen. Natürlich wird auch die Stimme der Jugend gesucht und gefunden. Zum Beispiel Sean, 18, Schüler in Zürich: «Wirklich vernünftig sind die Lockerungen nicht.»

Auch der SDA bleibt nichts anderes übrig, als einen Breitband-Satz einzusetzen: «Von «zu langsam» über «vernünftig» bis «unverantwortlich» reichen die Reaktionen der grossen Parteien auf die Entscheide des Bundesrates vom Mittwoch. Alle fordern jedoch mehr Tempo beim Impfen.»

Der Oberchefredaktor von Tamedia verkündet in allen Kopfblättern: «Endlich hat der Bundesrat gehandelt. Jetzt müssen nur noch die bestellten Impfdosen eintreffen, damit endlich auch in der Schweiz die breite Bevölkerung geimpft werden kann.»

Wo bleiben Einordnung, Analyse und kompetente Meinung?

Die smd-Suche unter dem Stichwort «Lockerung» am Donnerstag ergibt ganze 350 Treffer, und das schon am Morgen. Gibt die Vierte Gewalt auch Orientierung, Einordnung, Analyse, eben all das, was der zahlende Leser für sein Geld erwartet?

Nun, es gibt ja nicht nur die Meinungen in den Medien; sie halten sich auch für so wichtig, dass es Pressespiegel gibt, die eine Meldung über die Meldungen machen.

Das ist aber in diesem Fall gar nicht so einfach; cash.ch kann es nur so formulieren: «Die überraschend offensiven Schritte des Bundesrates zur Lockerung einzelner Corona-Massnahmen werden von den Kommentatoren in den Schweizer Medien mit Erstaunen und Erleichterung, aber auch mit Sorge zur Kenntnis genommen.»

Damit wissen wir nun, woran wir sind. Immerhin, einige haben’s gemerkt, was der einzig interessante Punkt bei diesen Lockerungsübungen ist. Aber nur ganz wenige haben’s auch verstanden. In Deutschland wird, bei ähnlichen «Kennzahlen», die Schraube angezogen, in der Schweiz gelockert. Von den «fünf Kriterien» für eine Lockerung seien hierzulande ganze vier nicht erfüllt.

Trotz Kennzahlen, Indizes, Inzidenz: es wird gelockert

Dennoch wird gelockert. Das ist die gute Nachricht. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger als: diese Kennzahlen sind Pipifax. Schon lange aus allen möglichen Blickwinkeln kritisiert und bezweifelt, scheint nun auch der Bundesrat zur Überzeugung gekommen zu sein, dass man sie genauso wenig wie die ewigen Unkenrufe der «Fachleute» zur Richtschnur des Handelns machen sollte.

Nachdem Marcel Salathé seine Schäfchen ins Trockene, bzw. sich selbst in eine angenehme neue Position gewarnt und geunkt hat, wollen wir nur kurz Christian Althaus zitieren. Genau, von dem hat man schon länger nichts mehr gehört, und er ist weiterhin in seiner alten Stellung in Bern anzutreffen. Also hat er Mitteilungsbedarf:

«Ich habe grosse Bedenken, wie sich die Epidemie in der Schweiz nun entwickeln wird.» Diese Bedenken sollten wir ernst nehmen, denn das ist schliesslich ein Fachmann. Gerne hätten wir gewusst, woraus sie denn konkret bestehen.

«Aufpassen, den Sommer nicht zu verspielen», murmelt Althaus noch.

Die Eidgenossen seien erst zu 20 bis 40 Prozent immun gegen Covid-19, das sei viel zu wenig. Also haben wir die Karte «Sommer» auf den Spieltisch gelegt, und weg ist sie, verloren.

Aber auch hier gibt es eine gute Nachricht: auf solches Geschwätz wird immer weniger gehört, denn da ist die Immunisierung viel weiter fortgeschritten. Obwohl Althaus immer noch, trotz all seinen krachenden Fehlprognosen, als «Corona-Experte und Epidemiologe an der Uni Bern» apostrophiert wird. Die Kurzfassung wäre: rausgeschmissenes Geld. Es wird auch noch erwähnt, dass er bis Januar der «Covid Task Force» to the Bundesrat angehört habe. Dieses Ehrenamt gab er dann auf, weil das wenigstens Schlagzeilen brachte und ihm dort andere Epidemiologen zu sehr in der Sonne standen.

Nach der Schlagzeile kann man abdrehen

Radio SRF will in seinen Nachrichten nicht nur informieren, sondern auch «einordnen». Das tut der Sender so konsequent, dass man gar nicht sehr lange hinhören muss.

Von Stefan Millius*

Die gefühlte 842. Corona-Medienkonferenz des Bundesrats steht an, das Gewerbe bettelt im Vorfeld laut um Lockerungen, und Radio SRF 1 schaut in der Sendung «Heute Morgen» um 8 Uhr nach vorne. Das tut sie in Form eines Interviews mit dem Inlandredaktor von SRF 1, dieser beliebten, leicht nach Inzucht riechenden Form des erweiterten Selbstgesprächs.

Kommt Ihnen das Klötzchen-Logo auch bekannt vor?

Aber muss man da hinhören? Muss man nicht. Jedenfalls nicht lange. Denn «Heute Morgen» liefert bereits in der Themenübersicht, den ersten 30 Sekunden der fast 13 Minuten langen Sendung, die Auflösung darüber, was danach kommen wird. Die Schlagzeile zum Thema lautet:

«Bei den Coronamassnahmen hat der Bundesrat derzeit wenig Spielraum. Wir fragen, ob er ihn trotzdem nutzt an seiner heutigen Sitzung.»

Wie von der Bundeskanzlei formuliert

Es gab eine Zeit, da diente eine Schlagzeile dazu, zu sagen, was passiert ist. «Heute Morgen» macht es anders, und das nicht erst seit heute. Der Moderator sagt uns lieber, was eigentlich nicht passieren darf. Nämlich weitere Lockerungen. Dass der Bundesrat «wenig Spielraum» für eine Öffnung hat, beispielsweise in der Gastronomie, ist keine journalistische Betrachtung, sondern eine Schutzbehauptung, als wäre sie von der Kommunikationsabteilung der Bundeskanzlei formuliert worden. Es ist eine rein subjektive Einschätzung. Sie ist richtig, wenn man die Kriterien, die der Bundesrat für Lockerungsschritte eingeführt hat, ernst nimmt. Aber das tun ja hoffentlich nicht mehr viele Leute.

Denn zu den erwähnten Kriterien gehören unter anderem der aktuelle R-Wert und die 14-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen. Beides basiert bekanntlich auf der Teststrategie, bei der auch mal an Schulen und in anderen Institutionen nur die positiven Resultate gezählt werden, weil alles andere zu aufwendig wäre. Nur in die Rechnung nehmen, was einem in die Hände spielt: Kann man machen, hat hinter dem Eisernen Vorhang ja auch lange funktioniert und in den Büchern zu sensationellen Übererfüllungen der Produktion geführt, während die Läden leer waren.

Freie Betten – na und?

Das einzige Kriterium, das wirklich Sinn macht, ist die Belegung der Intensivstationen, und da wissen wir aus den offiziellen Zahlen: Es gab kaum je einen besseren Zeitpunkt, um einen schweren Unfall zu bauen oder anderweitig Intensivpflege zu benötigen. Freie Betten und Personal hat es zuhauf. Aber eben, nützt alles nichts, solange die anderen Kriterien nicht erfüllt sind, und die sind nicht erfüllbar, weil das System es gar nicht zulässt.

Es ist ein bisschen, wie wenn man seinem Kind sagt:

«Du kriegst mehr Taschengeld, wenn du bis heute um 16 Uhr erstens dein Zimmer aufgeräumt und zweitens eine funktionierende Mondrakete gebaut hast. Beides muss erledigt sein, sonst gibt es nichts.»

Diese Ausgangslage belegt für SRF 1 also, dass es der Bundesrat «wenig Spielraum» für Lockerungen hat. Dass das nur so ist, weil die Kriterien von Anfang an absurd waren: In «Heute Morgen» ist das kein Thema. Der vom Staat total unabhängige Staatssender mag nichts hinterfragen, sondern nimmt das bundesrätliche Wort so absolut wie Moses seine Steintafeln.

Lockern oder nicht lockern, das ist die Frage.

Der Schein der gute Tat

Das Ganze ist aber nicht ungeschickt. Denn wenn es ja kaum Spielraum gibt, wirkt jeder Hauch einer Lockerung plötzlich wie eine grosszügige Geste.  Die Terrassen könnten allenfalls geöffnet werden, raunt der Inlandredaktor im Interview, wissen tut er es natürlich nicht, jedenfalls nicht offiziell, aber es könnte sein. Und kommt es dazu, ist die Landesregierung eine wahre Wohltäterin: Eine Teilöffnung, obwohl die Lage so fürchterlich ist, mehr kann man doch wirklich nicht verlangen!

Damit kann man «Heute Morgen» zwar nach journalistischen Massstäben für seine subtil beeinflussende Schlagzeile kritisieren, muss gleichzeitig aber bewundernd feststellen: Orchestriert sind die 13 Minuten perfekt. Zuerst jede Hoffnung nehmen, dann ein bisschen Hoffnung geben mit dem mutigen Bundesrat als Winkelried der leidenden Gastronomie. Die Achse Radiostudio-Bundeshaus funktioniert eben doch.

*Stefan Millius ist Chefredaktor «Die Ostschweiz». René Zeyer publiziert regelmässig dort.

Die Meinung ist frei

Und sie darf auch frei geäussert werden. Eine Zensur findet nicht statt, heisst es markig in der Bundesverfassung. Über Bezahlung steht da nichts.

Nehmen wir einen heutzutage völlig normalen Vorgang. Ein gewisser Michael Hermann führt eine Kolumne im «Tages-Anzeiger», somit im ganzen Tamedia-Kopfblattimperium. Damit kann er ungefähr die Hälfte aller Deutschschweizer Tageszeitungsleser beschallen.

Seine Meinung ist frei und klar: «Die Kritik an der Impfstoffstrategie von Bundesrat und BAG ist billig». In seiner Kolumne kritisiert Hermann alle, die es im Nachhinein besser wissen wollen, die mit dem Vorteil der Perspektive von heute ungerecht damalige Entscheidungen kritisieren: «Ohne Fehlertoleranz jedoch werden wir an Krisen wie diesen nicht wachsen.»

Unbezahlte Meinung hinter Bezahlschranke.

Das ist sicher ein wahrer Satz. Vielleicht hätte es dem unschuldigen Leser des Qualitätsjournalismus aus dem Hause Tamedia geholfen, wenn auch bei Kommentatoren gewisse Interessensbindungen offengelegt würden. Das schränkt ja die Meinungsfreiheit keinesfalls ein, hilft aber dem Empfänger bei der Einordnung der Meinung.

Michael Hermann, der Nachfolger des Mannes mit der Fliege, ist nämlich in erster Linie Geschäftsführer der «Forschungsstelle Sotomo». Die widmet sich den Themen «Meinungsforschung, Politikstudien und -evaluation» und anderen Untersuchungen.

Ohne billige Kritik geht’s wieder bergauf.

Auch das ist nichts Ehrenrühriges, denn auch Hermann muss ja schauen, dass der Schornstein raucht. Mit seinen politischen Spinnenprofilen und politischen Landkarten gehört der Politikwissenschaftler zum festen Personal der «Fachleute», die in Funk, Fernsehen und auch im Print gerne herbeigezogen werden.

Vor allem von privaten Medienhäusern, bei denen die «Expertenmeinung» häufig den Höhepunkt der Recherche darstellt, die sonst per copy/paste, skype und Google durchgeführt wird.

Was dem einen sein Uhl, ist dem anderen seine Nachtigall

Stellen wir eine hypothetische Frage. Was würde Tamedia wohl dazu sagen, wenn in der «Weltwoche» eine Verteidigungsschrift zum Risk Management der CS erschiene? Und sich herausstellen würde, dass der Autor zu den Lieferanten oder Mandatsträgern der CS gehörte? Ohne dass das dem Leser offengelegt würde? Genau, ein Riesengebrüll würde Tamedia erheben, vom Ende der journalistischen Sitten, gekauften Meinungen, von Leserbeschiss wäre die Rede.

Von Doppelspiel, Unredlichkeit und was einem sonst noch so an Beleidigungen einfällt. Womit Tamedia allerdings völlig recht hätte. Es ist im Fall Hermann allerdings so, dass auch die Credit Suisse zu seinen Auftraggebern gehört. Macht ja nix, darüber schreibt er nicht.

Zu seinen regelmässigen Auftraggebern gehören auch Ämter, die SRG, die Bundesverwaltung und – das BAG. Hermann nimmt hier also eine Behörde in Schutz, auf deren Honorarliste er oder seine Firma steht. Hermann äussert sich hier also positiv zu den Leistungen von Behörden und des Bundesrats, wobei staatliche oder halbstaatliche Institutionen den Grossteil seiner ausgewiesenen Brötchengeber ausmachen.

Immerhin zeigt er auf seiner Webseite Transparenz und führt stolz eine ganze Liste von aktuellen und vergangenen Projekten auf; jeweils mit Thema und Auftraggeber. Das diese Dienstleistungen, inklusive Meinungsumfragen, weder gratis erbracht werden, noch sehr billig sind, versteht sich von selbst.

Auszug aus der Kundenliste.

Wir wollen Hermann auch keinesfalls unterstellen, dass er eine Mietmeinung sei, so wie der Bankenprofessor Peter V. Kunz, bei dem man ein «Gutachten» bestellen kann, das nötige Kleingeld vorausgesetzt.

Wir wollen aber diese mangelnde Transparenz im Hause Tamedia mit angeblich eisernen Regeln und Transparenz, der Basis für das Vertrauen, das der Leser seinen Produkten entgegenbringen soll, scharf kritisieren.

Hermann nimmt Stellung, Tamedia nicht

Hermann nimmt die Möglichkeit wahr, Stellung zu beziehen: «Ich finde Ihre Fragen bezüglich meiner Aufträge durchaus legitim.» Psychologisch geschickter Einstieg;

«wenn der Massstab wäre, alle Akteure in meiner Kolumne zu deklarieren, bei denen ich  schon Aufträge hatte, müsste ich dies bei praktisch jeder tun».

Hier lässt er etwas nach, denn: warum nicht? Aber schon kommt er wieder hinten hoch: «Gerade die Tatsache, dass wir ein so breites Kundenfeld haben, führt zugleich dazu, dass wir gegenüber keinem Kunden in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen.»

Zudem sei das Hauptgeschäft Meinungsumfragen, keine strategische Beratung, zu der er sich in seiner Kolumne äussere. Immerhin, netter Versuch.

Tamedia hingegen ignorierte eine gleichlautende Anfrage; Arthur Rutishauser beauftragte nicht einmal die Medienstelle, per copy/paste zu schreiben: Diese Vorwürfe sind falsch.

Wieso überrascht das nicht?

 

 

 

 

https://sotomo.ch/site/projekte/

Hilfe, mein Papagei onaniert II

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch.

Man ist versucht, sich nostalgisch an die Zeiten in der Berichterstattung über Corona zu erinnern, wo die grossen Medienkonzerne in der Schweiz mit ihren Zentralredaktionen und Zentralmeinungen noch übereinstimmend Orientierungshilfe gaben.

Da war die Welt noch in Ordnung, dem Leser wurde echt geholfen. Was Bundesrat und Behörden machen, ist gut und richtig. Einzig fehlende Strenge und Konsequenz wurde gelegentlich bemängelt. Immer wieder mussten zu rechthaberischen Kommentatoren mutierte Journalisten eingreifen, zurechtweisen, fordern, um sich greifende Fahrlässig- und Verantwortungslosigkeit bemängeln. Wieder und wieder, wozu auch Papageien neigen.

Das waren die Zeiten, als der Bundesrat den lockeren Spruch wagte: «Wir können Corona.» Wie es sich für eine gepflegte Hofberichterstattung gehört, nahm sich der Gesundheitsminister auch die Zeit, einem unterwürfig buckelnden pensionierten Journalisten ein Interview zu gewähren.

Offensichtlich noch geschädigt von dieser in ein Buch gepressten Schleimspur forderte der gleiche Pensionär dann, dass Journalisten gefälligst weniger Interviews machen sollten; das ergebe nur Styropor und aneinandergereihte Worthülsen, meinte Felix E. Müller, aber natürlich nicht in Bezug auf sein Styropormachwerk.

Aber alles Ausdruck davon, dass die Journaille nun endgültig Halt und Orientierung verloren hat. Wie anders lassen sich diese beiden Schlagzeilen erklären?

Gleiche Realität, gleicher Tag, nur zwei verschiedene Blätter.

«Das Virus ist in der Schweiz und weltweit auf dem Rückzug», jubiliert Tamedia. Aber: «Robert-Koch-Institut rechnet mit Anstieg von Coronafällen», auch Tamedia. «22 Prozent weniger Ansteckungen in 7 Tagen», nimm das, du blödes RKI, meint ebenfalls Tamedia.

Wem’s dabei schwindlig wird, der sollte sich doch einfach an die jüngsten Beschlüsse des Bundesrats halten. Der ist nämlich wieder aus den Ferien zurück, hat am Mittwoch jeweils Sitzung und verkündete anschliessend die neusten wegweisenden Entscheidungen. Allerdings fällt es auch hier Medien wie Lesern immer schwerer, diese Weisheiten zu verstehen und zu akzeptieren.

«Der Bundesrat wagt den Machtkampf», er beweise «Rückgrat», klopft ihm Tamedia auf die Schultern. «Der Bundesrat macht einen gefährlichen Fehler», warnt die NZZ; beide Leitorgane sprechen vom Entscheid, Restaurants geschlossen zu lassen und auch Terrassen zu schliessen.

Der «Blick» hingegen denkt ans Geld: «Corona hat 5 Billionen Dollar vernichtet». Der Vorteil solcher Zahlen: kann sich keiner vorstellen, ist sowieso nur eine grobe Schätzung. Aber macht sich immer gut, genau wie die Behauptung, dass schon Konjunkturprogramme in der Höhe von «14 Billionen Dollar» angekündigt seien. Kann man sich noch weniger vorstellen.

Allerdings zitiert der «Blick» Jan-Egbert Sturm, den «Direktor der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF)». Der ist aber der Sturmvogel der verhauenen Prognosen, so musste er unlängst eine doofe Konjunkturprognose um fast 5 Prozent korrigieren. Macht ja nix, hier legt Sturm ein grossartiges Einerseits-Anderseits hin, damit ist er auf der sicheren Seite: «Der Staat soll nicht unnötig Geld ausgeben. Aber die Schweiz kann es sich leisten …» … sinnvoll Geld rauszuhauen. Den schliesslich gäbe es «Teile der Gesellschaft, die das Geld zur Überbrückung brauchen».

Da sieht man mal wieder, wieso sich nicht jeder Papagei dazu eignet, Konjunkturforscher zu werden.

Betteln will gelernt sein

Jeder Profi auf diesem Gebiet weiss: Es kommt auf die richtige Masche an.

Sozusagen die unterste Stufe ist der Drögeler oder Randständige, der genervte Mitbürger an Haltestellen mit dem ewig gleichen Spruch abklappert: «Häsch mer echli Münz?»

Das ersetzt zunehmend das früher gebräuchliche «häsch mer en Stutz?» Aufgegeben wurden die nachgeschobenen Begründungen; «brauche was zu essen», «muss ein Billett kaufen».

Profi-Bettler, meistens aus dem Osten, haben noch weitere Gags auf Lager. Sie zeigen Amputationsstümpfe, andere Behinderungen, oder sitzen einfach wie ein Häuflein Elend am Boden und verfolgen jeden, der so fahrlässig ist, mit ihnen Blickkontakt aufzunehmen.

Steigerung: Bettelei für eine gute Sache

Eine ganz andere Dimension hat die Bettelei für eine gute Sache. Hier wird es auch nicht mehr betteln genannt, sondern spenden. Für die üblichen Hilfsbedürftigen. Hungernde Kinder, kriegsversehrte Erwachsene, Flüchtlinge, Vertriebene, Kranke. Hier ist die Anmache eher dezent, es wird teilweise auch was geboten; unvergesslich die kleinen Konzerte der Heilsarmee bei der Topfkollekte.

Während hier aber die eigentlichen Adressaten der Spenden eher weit weg und anonym sind, gibt es natürlich noch die direkte Bettelei für einen konkreten guten Zweck. Herausragend hier die Leistung der «Republik». Ihr ist es in relativ kurzer Zeit gelungen, ihre Sympathisanten an ein lustiges Geschäftsmodell zu gewöhnen.

Nach dem Betteln ist vor dem Betteln: Geschäftsprinzip der «Republik»

Das lautet: Wir sind überwältigt von so viel bezahltem Zuspruch. Das reicht nun aber sicher die nächsten Jahre. Unterbrochen durch: Ups, wir brauchen dringend doch noch ein paar Mio., wir haben mal nachgerechnet. Aber jetzt reicht’s dann ganz sicher, vielen Dank. Und das in der Wiederholungsschleife, wobei natürlich die Drohungen etwas schriller werden müssen; das letzte Mal war’s schon die Entleibung, falls nicht genug rumkommt.

Aber sozusagen die Champions League ist natürlich das Buhlen um Subventionen. Unschlagbar sind da die schlauen Bauern. Die müssen nicht mal gross was unternehmen, die Subventionen fliessen eigentlich von selbst, und wenn es mal etwas Gebrüll gibt, zum Beispiel über die Belastung des Grundwassers durch überflüssiges Güllen, das kriegen die Lobbyisten auch wieder weg.

Grosses Gedrängel vor den Geldtöpfen des Staates

Nun ist aber Corona-Time, und da will so ziemlich jeder an die Geldtöpfe des Staats. Deshalb herrscht entsprechendes Gedränge und Gekeile. Welle eins, Welle zwei, staatlich verschuldete Lockdowns, Schadenersatz, Überlebenskredit, Hilfe.

Da haben die Medien ein Argument gefunden, das fast so gut ist wie der treuherzige Blick eines Bauern. Sie sind ja nicht einfach Privatkonzerne, die in den vergangenen Jahrzehnten sich dumm und feiss verdient haben. Sie reagieren nicht nur schon seit Langem mit grossem Geschrei auf Ausweitungsversuche von SRF in den News-Markt im Internet. Das sei ihre Domäne, Finger weg, unfair.

Wieso, kontert das die neue TV-Direktorin cool, wir haben einen Informations- und Bildungsauftrag, auch für die Jungen, und wenn die ihre Informationen meistens aus dem Netz holen, dann müssen wir da präsent sein.

Die Medien haben ein unschlagbares Argument

Aber diese Schlacht ist vertagt, denn die grossen Konzerne konzentrieren sich auf ein anderes Bettel-Argument: Uns steht nicht nur das Wasser am Hals, wir sind nicht nur in unserer Existenz gefährdet, wir sind auch die Vierte Gewalt im Staate, wir sind auch service publique, wir sind unverzichtbar in einer offenen Gesellschaft und modernen Demokratie. Wir kontrollieren, decken auf, informieren, fordern, analysieren. Ohne uns, schwer vorstellbar, ohne uns gerät höchstwahrscheinlich die Schweiz aus den Fugen.

Da die Medienkonzerne glücklicherweise auch über genügend grosse Trommeln verfügen, auf die sie hauen können, um diese Argumente so laut wie möglich zu verkünden, werden sie natürlich in Bern gehört.

Welcher Politiker möchte es sich schon ohne Not mit Ringier, Tamedia, CH Media oder der NZZ verderben? Zumal die doch weitgehend brav und obrigkeitshörig als Regierungslautsprecher alle Entscheidungen, Wendungen, alles Versagen brav bejubelt, schöngeschwätzt, staatstragend begleitet haben.

Die gefürchteten Entzugserscheinungen drohten

Nun wären die Staatshilfen bereits Ende November ausgelaufen, und wenn man sich mal an einen schönen Geldtropf gewöhnt hat, dann fürchtet man die Entzugserscheinungen wie ein Drogensüchtiger. Also wurde antichambriert, lobbyiert, gejammert und geklagt, auf die eigene Unverzichtbarkeit hingewiesen.

Mit Erfolg. Da der Bundesrat, mit Ausnahme des Finanzministers, sowieso schon seit dem ersten Lockdown nach der Devise verfährt: raus mit der Kohle, wo die herkommt hat’s noch mehr, hat er sich freundlicherweise entschlossen, weitere 20 Mio. für die Medien locker zu machen.

Natürlich, wir sind hier in der Schweiz, wird das Geld nicht mit der Giesskanne verteilt. Der Steuerzahler übernimmt weiterhin die Zustellungskosten der Print-Produkte, und um denen auch inhaltlich das Leben leichter zu machen, dürfen sie weiterhin gratis bei der Keystone-SDA Material beziehen, das sie dann ihren Lesern mehr oder minder als Eigenleistung servieren.

Die Besitzerfamilien werden geschont

Wunderbar; da müssen die Besitzerfamilien der drei grossen Konzerne nicht in den eigenen Sack greifen, sondern können sich weiter ihren Hobbys widmen. Kunst, Autos, Golf.

Wundersam ist allerdings die Begründung des Bundesrats für die Fortsetzung der milden Gaben. Durch die Corona-Krise sei «die strukturelle Krise der Medien» noch verstärkt worden. Das stimmt. Aber ansonsten hat der Bundesrat immer klar verkündet, dass seine Hilfen nicht dafür gedacht sind, Strukturerhaltung zu betreiben. Was als Geschäftsmodell obsolet geworden ist, es vorher schon war, muss weg.

Subventionierte Dampflok gegen Elektrolok

Nun haben es die meisten Medienkonzerne seit Jahren nicht geschafft, das komatöse Geschäftsmodell – Print, bezahlt durch Werbung und Abo – profitabel ins Internet zu verlegen. Ein klassischer Fall eines Strukturwandels. Die Dampflok kommt ins Museum, die Elektrolok fährt schneller, effizienter, umweltfreundlicher.

Aber die Dampflok kann zu ihrem Tort nicht «vierte Gewalt, service publique» sagen. Die Lautsprecher der Medienkonzerne schon. Und wenn etwas sicher ist auf dieser Welt: neue Steuern werden nie mehr abgeschafft. Neue Subventionen nach fast zwei Jahren auch nicht.

Die deutsche Schaumweinsteuer

Als schlagendes Beispiel dient die deutsche Sektsteuer. Kein Witz, diese Schaumweinsteuer wurde 1902 eingeführt. Sie sollte bei der Finanzierung der «kaiserlichen Kriegsflotte» helfen. Nun ist schon seit mehr als hundert Jahren nichts mehr kaiserlich in Deutschland. Und vom Traum, die Weltmeere zu beherrschen, wurde auch Abstand genommen.

40 Jahre lang existierte die Schaumweinsteuer wenigstens im sozialistischen Teil Deutschlands nicht mehr. Inzwischen aber wieder, in ganz Deutschland. Bis heute. Wetten, dass es mit den Mediensubventionen ein ähnliches Schicksal nehmen wird?