Beiträge

Ex-Press XXVI

Blüten aus dem Mediensumpf.

 

Eine Würdigung von Mensch und Werk

Benjamin von Wyl hat sich als Journalist sozusagen von unten hochgearbeitet. Er hat bislang nur ein sehr überschaubares Werk als Literat oder Schriftsteller vorzuweisen, zudem auf eher randständigen Plattformen. Aber er bringt die drei richtigen Voraussetzungen für einen Mehrfachpreisträger mit: die richtige Gesinnung (er twittert unter «biofrontsau»), das richtige Autorenfoto (künstlerisch unrasiert, die braunen Augen besorgt-skeptisch in die Zukunft gerichtet) und rücksichtslose Selbstversuche an der Genderfront.

Das hier ist die Illustration seines Selbstgebastelten (und ausprobierten) an einem die Geschlechterrollen hinterfragenden Sextoy-Workshop des «Ckster-Kollektivs». Titel der Reportage: «Ich habe mir einen Buttplug gebastelt.»

Wir wollen da nicht weiter in die Tiefe gehen.

Von da ans ging’s unaufhaltsam aufwärts. Kolumnen in der «medienwoche», Beiträge für «bajour», die WoZ, «Surprise», «Schweizer Journalist» (als Titelboy und als Autor) und alle Medien, die nicht bei drei auf den Bäumen sind. Kurzfristig wurde von Wyl sogar als möglicher neuer Chefredaktor des verzwergten «Schweizer Journalist» gehandelt. Da stand ihm zwar nicht sein Buttplug im Weg, aber sein Geschlecht.

Was sagt der Literat denn sonst so? «Meine Schreibe ist vielleicht atemlos, weil mich Dorf-Faschos traten.» Das passende Adjektiv wäre eher kurzatmig, hyperventilierend.

Nebenher hat er noch zwei Werke verfasst und betätigt sich auch als Videoamateur, was ihm ein unfreundliches «Hopp, verreise, Vollidiot» eines Polizisten einbrockte. Wir wollen dieser sozusagen amtlichen Einschätzung nicht widersprechen.

Als begabter Windmacher und Preiskassierer (immerhin 25’000 Franken als Literaturpreisträger für die Krakelschrift «Hyäne» – knapp 100 Abnehmer gefunden –, wobei schon der Titel geklaut ist) hob er mit grossem Trara und Crowdfunding das «Literaturmagazin Stoff für Shutdown» aus der Taufe. Dort durften dann in der ersten Ausgabe vom März 2020 Tiefflieger wie Simone MeierJuden canceln») oder «Slam Poetin Lisa Christ» dilettieren.

Gut geklaut ist besser als schlecht erfunden.

Geschäftsprinzip? Einfach: ««Im ersten Crowdfunding erhielten wir dreizehntausend Franken mehr, als es unser Maximalziel war», sagt von Wyl. «Die brauchten wir im zweiten, wo wir gerade noch das Geld für die Finanzierung zusammenbrachten.» Für die Honorare, den Druck und die Tausenden Briefmarken und Couverts. Dieser versiegende Geldfluss ist auch der Grund, weshalb es im jetzigen Shutdown keine weitere Zeitschrift gebe», lässt sich von Wyl in einer Null-Meldung des «Blick» zitieren.

Aller schlechten Dinge sind drei.

Schade, seither warten wir sehnsüchtig auf neue Vorschläge für Sextoys.

 

Die NZZ über demokratische und wirtschaftliche Erfolge

Ein deutliches Aufatmen lässt die NZZ vernehmen: «Ein höherer nationaler Mindestlohn in den USA rückt in weite Ferne – das ist ein Erfolg für die Demokratie und die Wirtschaft». Überlassen wir dem Fachorgan die Wirtschaft, aber wieso ein Erfolg der Demokratie? «Die Demokraten können die geplante Verdoppelung des nationalen Mindestlohns nicht an der Filibuster-Regel im Senat vorbeijonglieren.»

Die Regel besagt, dass jeder Senator so lange reden kann, wie es die Stimmbänder hergeben. Nur mit einer Zweidrittelmehrheit mit Anlauf kann das abgeklemmt werden. Was bedeutet, dass mit Dauerquasseln demokratisch eine Entscheidung verhindert werden kann. Erfolge sehen wohl anders aus.

 

Leser-Blatt-Bindung modern

CH Media hingegen begibt sich auf das Niveau von «watson»:

«23 unglaubliche Haustier-Videos unserer Leser – welches sind die besten?»

Leser-Blatt-Bindung, sagt da der Medienmanager mit Kennermiene, machen wir noch eine Abstimmung samt Preisverleihung, der Hammer. Das Hämmerchen, die Zahl der Abstimmenden bewegt sich auch nach vier Tagen im dreistelligen Bereich. Im niedrigen dreistelligen Bereich. Aber was früher der Wettbewerb «die schönste Ferienpostkarte», dann «das schönste Ferienfoto», dann «das schönste Haustierfoto» war, hat inzwischen immerhin laufen gelernt.

Womit wir es uns und dem Leser ersparen können, in dieser Ausgabe auf «watson» einzugehen.

 

Es geht nichts über einen klaren «Blick»

Nein, das ist nicht Christian Dorer. Das ist der unsterbliche Marty Feldman.

Dagegen sind wir des Lobes voll für den «Blick». Vom Anhimmel-Organ samt strengen Ermahnungen für mehr Härte und Konsequenz, vom Berset–wir-wollen-ein-Kind-von-dir-Hofberichterstatterblatt zurück zum kritischen Journalismus:

Nein, das ist nicht Marty Feldman, das ist Chefchef Christian Dorer.

Auch der Chefredaktor weiss, wann es Zeit ist, flexibel umzupositionieren. Von markigen Parolen «Durchhalten! Aushalten!», von Lobeshymnen auf unsere Landesregierung «So weit, so gut, so vernünftig», über Gaga-Ratschläge

«Gebt Geld aus!»,

über leise Zweifel «War der Lockdown vielleicht doch ein grosser Irrtum?» zum Aufruf zur Lebensfreude «Wir wollen unser Leben leben! Deshalb ist es bei aller Vorsicht wichtig, dass Fussballspiele, Konzerte und Kongresse wieder stattfinden können», zur freien Fahrt für freie Skier «Die Skigebiete sollen öffnen!» zu einer «ganz persönlichen Geschichte mit Happy End.» Denn: «Bei Corona gibt es kein Richtig und kein Falsch».

Der Leser ist aber unsicher, ob die mit – nun ja – etwas undurchdringlichem Gesichtsausdruck in die Kamera gehaltene Doppelseite des «Blick» mit sagenhaften 197 Titelstorys eines Jahres über Corona als Selbstlob oder als Selbstkritik zu verstehen ist.

Aber das ist die neue, klare Linie auf dem Boulevard: alles kann man so oder so sehen. Am besten gleichzeitig.

 

Hello, Mr. Blue Sky

Schliesslich, was gibt es von bluewin/news, Pardon «blue News» zu vermelden, sozusagen dem stillen Star unter den News-Portalen (allerhöchste Einschaltquote in der Liga «20 Minuten» oder «Blick», aber kaum für Aufsehen sorgend)?

Terrasse offen oder zu, Leuenberger gaga oder nicht?

Sagen wir so: aufregende Teaser, die den Leser reinziehen, statt zu wisch und weg zu animieren, sehen anders aus. Aber wer Swisscom im Rücken hat, muss sich nicht so um Einschaltquote oder Einnahmen kümmern.

 

Der Tag des Herrn

Vielleicht sollten wir besser sagen: Der Tag der Herrin. Wir sind verunsichert; einem aufmerksamen Leser ist dieser Ratschlag aus höherer Warte nicht entgangen. Aus dem «Tages-Anzeiger», Freitag, 26. Februar, 2021, Seite 24 (Kirchenzettel), 3. Spalte, unteres Drittel:

«Horgen See-Spital, Sonntag, 10.30: Aufgrund der Pandemie können noch keine Spitalgottesdienste stattfinden.

Aber der «Raum der Stille» im 4. Stock ist für die Patienten*innen, ihre Angehörigen und für alle Mitarbeitenden des Spitals immer offen. 

Er ist auch mit dem Lift zu erreichen. Von Herzen wünsche ich Ihnen Gottes Segen, Gesundheit und Zuversicht.»

Soll das Gottes unerforschlicher Ratschluss sein? Da ist der sterbliche Sünder mal wieder ratlos. Gendersternchen ja, Gott bleibt aber männlich? Nicht mal mit Sternchen? Und wie steht es eigentlich mit dem non-binären Gott? Und wenn wir schon dabei sind, war Jesus eigentlich, aber lassen wir das.

 

Nachtrag zum Depp des Monats

Pascal Hollenstein ist bekanntlich der «publizistische Leiter» bei CH Media. Was genau er da leitet, ist nicht näher bekannt. Höchstens, dass es in anderen Firmen mal den Grüssaugust gab. Also den weiter völlig unbedeutenden Empfangschef eines Hotels. Hollenstein lässt diese Tradition wieder als Entschuldigungspascal aufleben. Er entschuldigte sich für die Berichterstattung über Jolanda Spiess-Hegglin; dadurch verwandelte er sich in ihr mediales Sprachrohr, das nicht mal gerichtliche Sperrfristen davon abhalten konnten, als Erster zu publizieren. Dafür hat er sich allerdings nicht entschuldigt.

Nun aber begab es sich und trug sich zu, dass unter den wachsamen Augen der publizistischen Leiter nach unten CH Media anlässlich der Wahl der neuen Präsidentin der Welthandelsorganisation WTO die afrikanische Absolventin von Harvard und MIT, die Vielfachministerin von Nigeria, launig als «Grossmutter» bezeichnete. Das war wirklich nicht nett. Schlimmer  geht’s eigentlich nicht. Frau, schwarz, qualifiziert, aber «Großmutter» reicht doch als Beschreibung.

Platz für eine andere Bezeichnung hätte es gehabt.

«Der Titel entstand keinesfalls in böser Absicht», sagte Hollenstein lahm zu persoenlich.com, als sich schon ein Shitstorm zusammenbraute. Natürlich sei die Titelsetzung nicht rassistisch motiviert gewesen. Er habe schon mit «einer Debatte» gerechnet. Aber

«es tut uns Leid».

Dann wurde der Titel noch online angepasst, und Hollenstein meinte wohl, dass damit die Sache ausgestanden sei.

Mit Brillanten und am Band verliehene Auszeichnung

124 Botschafter und Leiter internationaler Organisationen in Genf tackerten aber nochmal nach. Was sich CH Media denn dabei gedacht habe, ob die Medienmacher diese «abwertende und herabsetzende Weise» der Beschreibung als nützlich für die engagierte internationale Politik der Schweiz betrachteten.

Internationale Politik, sonst der Beritt von Hollenstein. Putin mal die Knöpfe reintun, Trump erklären, was geht und was nicht, das ist seine Welt. Betragens- und Verhaltensnoten verteilen, die Welt ordnen, besser machen, das ist Hollensteins Anliegen. Aber nun wird CH Media eher unrühmlich bekannt mit einem unbestreitbar schwachsinnigen Titel. Und wir müssen uns schon bei der ersten Verleihung unseres Titels steigern: Hollenstein ist der Doppeldepp des Monats; mit Brillanten und am Band verliehen.

Hilfe, mein Papagei onaniert III

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch.

Diesmal heben wir eine neue Kategorie aus der Taufe: Der Depp des Monats. Der erste Preisträger ist – Pascal Hollenstein. Die publizistische Leiter nach unten im Hause CH Media hat seinen Kampf für die Ehre von Jolanda Spiess-Hegglin zurzeit eingestellt. Auch sonst fällt ihm eigentlich nichts Bemerkenswertes ein. Ausser, Himmel hilf, er muss leider seinen Senf zur anstehenden Abstimmung abgeben.

Wir müssen’s, um Zweifel auszuschliessen, im Original zeigen:

Wir wollen auch Hollenstein nichts vorschreiben, aber …

Wem das etwas wirr vorkommt: Es ist wirr. Hollenstein bestreit hier etwas, was gar niemand behauptet oder fordert. Es ist schlichtweg eine Binsenweisheit, dass sich der Staat nicht in innere Glaubensangelegenheiten einzumischen hat. Richtig, verlangt keiner, Hollenstein zum Beispiel darf gerne und ungestraft glauben, dass er ein meinungsstarker Publizist sei.

Andere dürfen an die Bibel, den Koran, die Thora, die Schriften des Nostradamus und jeden anderen Quatsch glauben. Ist so, bleibt so, steht nicht zur Debatte, nicht zur Abstimmung. Was dann? Nun, da nimmt Hollenstein die ganz grosse Tröte hervor: «Rückfall ins Mittelalter», wenn’s passiert, wäre zu hoffen, dass es «ein einmaliger Betriebsunfall der Demokratie» sei. Den man aber besser gar nicht geschehen lasse:

Besser, er schriebe gar nicht.

Abgesehen davon, dass es um den Kampf gegen mittelalterliche Vorstellungen von der Frau als Objekt, Untertan, nur dem Ehemann verfügbares Stück Fleisch geht: Wenn sich – wie von Hollenstein befürchtet – die Mehrheit der Schweizer Stimmbürger im Rahmen ihrer demokratischen Rechte für eine legal und korrekt zustande gekommene Initiative entscheiden sollte, dann wäre das «ein bedeutungsloser Betriebsunfall»? Etwas, das sich «besser gar nicht ereignen» sollte? Weil es nicht der Ansicht von Hollenstein entspräche? Was für ein Undemokrat, was für ein Dummschwätzer.

Der Depp des Monats. Wobei er für seinen Nachfolger die Latte ganz schön hoch legt.

Die strenge Trennung von Content und Werbung

Sie wird aller Orten immer strenger. Beim «Blick»:

Wobei man sagen muss: immer noch besser als solcher Content:

Bei CH Media pflegt man gerne die bunte Mischung, ob quer oder hoch:

Bei Tamedia:

Bei der NZZ:

Bei «blue news» die sich immer noch hinter «Bluewin news» verstecken:

Bei «watson»:

Diese bunte Mischung von «Totes Kind im Keller» über «Lustige Tierbilder» bis «Gut gegen Food Waste» kriegt nur das Kachelmagazin hin.

Aber auch «20Minuten» ist für abwechslungsreiche Zusammenstellungen:

 

Sicher, steht doch deutlich «Inserat» drüber, oder «präsentiert von» drunter, da kann sich niemand vertun.

 

 

 

Hilfe, mein Papagei onaniert II

Hier sammeln wir bescheuerte, nachplappernde und ewig die gleiche Leier wiederholende Duftmarken aus Schweizer Medien. Subjektiv, aber völlig unparteiisch.

Man ist versucht, sich nostalgisch an die Zeiten in der Berichterstattung über Corona zu erinnern, wo die grossen Medienkonzerne in der Schweiz mit ihren Zentralredaktionen und Zentralmeinungen noch übereinstimmend Orientierungshilfe gaben.

Da war die Welt noch in Ordnung, dem Leser wurde echt geholfen. Was Bundesrat und Behörden machen, ist gut und richtig. Einzig fehlende Strenge und Konsequenz wurde gelegentlich bemängelt. Immer wieder mussten zu rechthaberischen Kommentatoren mutierte Journalisten eingreifen, zurechtweisen, fordern, um sich greifende Fahrlässig- und Verantwortungslosigkeit bemängeln. Wieder und wieder, wozu auch Papageien neigen.

Das waren die Zeiten, als der Bundesrat den lockeren Spruch wagte: «Wir können Corona.» Wie es sich für eine gepflegte Hofberichterstattung gehört, nahm sich der Gesundheitsminister auch die Zeit, einem unterwürfig buckelnden pensionierten Journalisten ein Interview zu gewähren.

Offensichtlich noch geschädigt von dieser in ein Buch gepressten Schleimspur forderte der gleiche Pensionär dann, dass Journalisten gefälligst weniger Interviews machen sollten; das ergebe nur Styropor und aneinandergereihte Worthülsen, meinte Felix E. Müller, aber natürlich nicht in Bezug auf sein Styropormachwerk.

Aber alles Ausdruck davon, dass die Journaille nun endgültig Halt und Orientierung verloren hat. Wie anders lassen sich diese beiden Schlagzeilen erklären?

Gleiche Realität, gleicher Tag, nur zwei verschiedene Blätter.

«Das Virus ist in der Schweiz und weltweit auf dem Rückzug», jubiliert Tamedia. Aber: «Robert-Koch-Institut rechnet mit Anstieg von Coronafällen», auch Tamedia. «22 Prozent weniger Ansteckungen in 7 Tagen», nimm das, du blödes RKI, meint ebenfalls Tamedia.

Wem’s dabei schwindlig wird, der sollte sich doch einfach an die jüngsten Beschlüsse des Bundesrats halten. Der ist nämlich wieder aus den Ferien zurück, hat am Mittwoch jeweils Sitzung und verkündete anschliessend die neusten wegweisenden Entscheidungen. Allerdings fällt es auch hier Medien wie Lesern immer schwerer, diese Weisheiten zu verstehen und zu akzeptieren.

«Der Bundesrat wagt den Machtkampf», er beweise «Rückgrat», klopft ihm Tamedia auf die Schultern. «Der Bundesrat macht einen gefährlichen Fehler», warnt die NZZ; beide Leitorgane sprechen vom Entscheid, Restaurants geschlossen zu lassen und auch Terrassen zu schliessen.

Der «Blick» hingegen denkt ans Geld: «Corona hat 5 Billionen Dollar vernichtet». Der Vorteil solcher Zahlen: kann sich keiner vorstellen, ist sowieso nur eine grobe Schätzung. Aber macht sich immer gut, genau wie die Behauptung, dass schon Konjunkturprogramme in der Höhe von «14 Billionen Dollar» angekündigt seien. Kann man sich noch weniger vorstellen.

Allerdings zitiert der «Blick» Jan-Egbert Sturm, den «Direktor der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF)». Der ist aber der Sturmvogel der verhauenen Prognosen, so musste er unlängst eine doofe Konjunkturprognose um fast 5 Prozent korrigieren. Macht ja nix, hier legt Sturm ein grossartiges Einerseits-Anderseits hin, damit ist er auf der sicheren Seite: «Der Staat soll nicht unnötig Geld ausgeben. Aber die Schweiz kann es sich leisten …» … sinnvoll Geld rauszuhauen. Den schliesslich gäbe es «Teile der Gesellschaft, die das Geld zur Überbrückung brauchen».

Da sieht man mal wieder, wieso sich nicht jeder Papagei dazu eignet, Konjunkturforscher zu werden.

Auf den ersten und zweiten «Blick»

Die E-ID und die unabhängige Berichterstattung: auf klarem Kollisionskurs.

Wenn die Nachfrage nachlässt, gibt’s Rabatt. Ein altbekanntes Prinzip, angewendet im ältesten Gewerbe der Welt – wie auch von Medien. Leider gibt es eine weitere Gemeinsamkeit.

So wie jede käufliche Dame auf Wunsch oder zur Kundenbindung behauptet, dass der jeweilige Benutzer der tollste Hengst sei, dem sie jemals begegnete, gibt jedes Medienhaus markige Geräusche von sich, dass bezahlter Inhalt und redaktionelle Leistung nichts miteinander zu tun hätten, deutlich getrennt seien, das eine niemals das andere beeinflusse.

Gleichzeitig wurde ein ganzer Zoo von Werbeauftritten erfunden, der nichts anderes im Sinn hat, als diese Grenze zu verwischen.

In den guten alten Zeiten war klar: Wenn links das Inserat des Detailhändlers steht, dass Schweinefleisch diese Woche besonders günstig sei, und rechts ein redaktioneller Beitrag, dass wissenschaftliche Studien erwiesen hätten, dass der regelmässige Verzehr von Schweinefleisch gegen Herzinfarkt, Inkontinenz und Krebs wirke, sahen da nur sehr naive Leser keinen Zusammenhang.

Dass das meiste, was über Kosmetika, Reisen, Autos oder Shoppingtipps erscheint, weder selber bezahlt, noch ausgewählt wurde, ist altbekannt. Unsichtbar, aber auch sehr wirksam sind sogenannte Partnerschaften. Also Bank XY zahlt einen grossen Batzen an das Folkfestival, ausgerichtet von Zeitung YZ. Da versteht es sich von selbst, dass spätestens der Chefredaktor einem unverständigen Journalisten klarmacht, dass es überhaupt keine gute Idee sei, etwas Kritisches über Bank XY zu schreiben.

Die Publireportage in immer neuen Kleidern

Von der anderen Richtung her arbeitet all das, was früher schamvoll Publireportage genannt wurde. Also eine Werbung, die so nahe wie möglich an den redaktionellen Inhalt heranrückt. Aufmachung, Typo, Layout, Look and Feel, alles möglichst ähnlich.

Weiterhin ist das Prinzip das gleiche, Reportage ist nix, und Publi bedeutet schlichtweg: da hat einer dafür bezahlt, aber auch hier gibt es immer wieder neue Wortschöpfungen. Native Ad ist so eine, wenn der bezahlte Inhalt in ein möglichst werbefreundliches Umfeld gestellt wird.

Das machen inzwischen alle, von der NZZ abwärts. Aber der «Blick» legt schon noch einen Zacken zu, wie es sich für den Boulevard gehört. Denn zufälligerweise ist der CEO und Mitbesitzer Marc Walder der Gründer und Präsident von «digitalswitzerland».

Das ist ein Zusammenschluss von rund 140 Firmen, die die Schweiz zum «digitalen Hub» machen wollen.

Der digitale Hub und die digitale ID

Trotz Lockdown und damit der Unmöglichkeit, gross Abstimmungskampf zu betreiben, nähert sich der nächste Abstimmungssonntag mit grossen Schritten. Da steht im Schatten der Debatte über das Burkaverbot auch die Frage, ob die Schweiz eine E-ID haben will oder nicht.

Jetzt wird es einen Moment typisch schweizerisch filzig. «digitalswitzerland» hat sich zu einem Who’s who der Schweizer IT-Branche, Banken, Versicherungen und Grossfirmen gemausert. Hier sind fast alle dabei, die CS, die UBS, Swiss Re, die Post, unvermeidlich Ruedi Noser, dazu der CEO der NZZ – und der CEO der «Swiss Sign Group», Markus Naef.

Dann muss man nur noch wissen, dass Swiss Sign mit der Swiss ID schon einen Riesenflop gelandet hat. Und natürlich dabei wäre, wenn wie vom Bundesrat gewünscht die Ausstellung der neuen E-ID von Privatfirmen übernommen wird. Obwohl die E-ID kein Pass sein soll und zur zweifelsfreien Identifikation im Internet dienen, ist das Misstrauen in der Bevölkerung gross, was die Datensicherheit betrifft, bzw. was mit den Daten passiert, die der Hersteller lagern muss, um allfälligen Missbrauch nachvollziehen zu können.

Die Abstimmung steht auf der Kippe

Die Abstimmung steht auf der Kippe, leichte Vorteile für die Gegner. Höchste Zeit, dass der Ringier-Verlag richtig Gas gibt. Damit keine Missverständnisse aufkommen: In jedem Medienorgan (ausser ZACKBUM.ch) gibt es natürlich inhaltliche Vorgaben. Der Chefredaktor der NZZ, wenn er nicht gerade am Fasten ist, würde einen Arzt rufen, sollte ein Redaktor auf die Idee kommen, in der alten Tante eine Lanze für die Abschaffung des Privateigentums zu brechen.

So ist das natürlich auch bei Ringier und im «Blick». Ein nettes Wort über Christoph Blocher oder die SVP? Ausgeschlossen. Soweit business as usual. Aber nun ein exemplarisches Beispiel, was passiert, wenn man zu viel Gas gibt.

Zunächst betrachten wir diesen «Artikel», übrigens der jüngste in einer ganzen Serie. «E-ID-Gesetz: Ein Modell für die Zukunft». Kommt täuschend ähnlich wie ein redaktioneller Beitrag daher, aber rechts unten steht «Präsentiert von digital switzerland». Erst, wer draufklickt, könnte die Autorenzeile überlesen: «Das ist ein bezahlter Inhalt, präsentiert von digitalswitzerland». Und, immerhin, als Artikelanfang: «Bei diesem Beitrag handelt es sich um politische Werbung.»

Rollenteilung von Medien und Wirtschaft.

Auf Deutsch: ein bezahltes Inserat, das so ähnlich wie möglich als redaktioneller Beitrag daherkommt. Allerdings muss Ringier happige Preise verlangen. Denn für eine anständige Illustration war offensichtlich kein Geld mehr vorhanden. Anders ist das hier nicht zu erklären:

So sähe es vielleicht nach einem Anschluss an die EU aus.

Die ewige deutsche Erika Mustermann auf einer deutschen ID, ob das in der Schweiz mehr Vertrauen schafft? Aber rein schweizerisch und echt redaktionell ist gleich darunter ein «grosses Interview mit Bundesrätin Karin Keller-Suter». Wobei Interview hier ein grosses Wort ist, näher an der Realität wäre wohl: Wir liefern die Stichworte, Sie dürfen ausholen. Allerdings, auch der «Blick» ist nicht mehr in Höchstform, ein eher merkwürdiges Titelzitat.

Befürchtet Doppelklatsche: Karin Keller-Suter

Wenn irgendwas, was die Gegner angeblich wollten, gescheitert sei, wieso soll das dann ein Grund sein, mit Ja zu stimmen? Wie auch immer, wir freuen uns schon auf die kritischen Beiträge, die sicherlich im «Blick» noch folgen werden.

Die Gier von Ringier

Ahnungslose Leser übertöppeln – why not?

Das unterbietet sogar die Output-Leistung der «Republik»: In den letzten 15 Jahren veröffentlichte die «Konferenz der ChefredaktorInnen» genau 6 (sechs) Stellungnahmen und andere Zuckungen. Der Präsident des Vereins ist Ringier-Chefoberchefchefwuff Christian Dorer. Im Jahre 2007, da war Dorer vermutlich noch in der Primarschule, gab die Konferenz «Empfehlungen zum Umgang mit bezahlter Werbung» ab.

Die Konferenz empfiehlt: «Jede Form von Sponsoring muss deklariert werden.» Das war vor 14 Jahren. Heute heisst es: «Jede Form von Sponsoring könnte im Prinzip, sofern möglich und durchsetzbar, theoretisch und zu einem gewissen Prozentanteil deklariert werden.» Ein schönes Beispiel ist der Jubelartikel von Blick über einen Lautsprecher von Braun.

 

Wer auf den Artikel klickt. landet auf die Ringier-Seite daskannwas.ch. Gemäss Impressum finanziert sich die Seite durch Werbung, Partnerschaften und Affiliate-Links. «Wenn Sie Produkte über Links von Daskannwas.ch kaufen, unterstützen Sie das Portal finanziell.» Blickleser finanzieren also den Verlag, wenn sie ahnungslos auf den vermeintlichen redaktionellen Text klicken. Gemäss Anzeigenliste verdient Ringier pro Klick etwa 3 Rappen. CPM (Cost per Mille) bedeutet die Kosten für 1000 Einblendungen einer online Werbeanzeige.Wird der Artikel 100’000 angewählt, resultiert aus dem Geklicke knapp 3000 Franken.

Ringier schreibt auf Anfrage: «Die Produkttests sowie die Vergleiche sind nicht bezahlt, da dies dem Grundsatz der Plattform – ehrlich und unabhängig zu testen – widersprechen würde.» So ein Geschäftsmodell wäre auch zu auffällig. Es geht vor allem um den Link im Text, der zum Hersteller leitet:

 

«Blick» endlich weiblicher

Um ein Prozent. Weiter so!

Der «Blick» hat ein Problem: Sein typischer Leser ist zu männlich, zu alt und verdienen tut er auch nicht gut. In den letzten fünf Jahren hat sich dieser Trend akzentuiert, trotz sämtlichen Bemühungen, urbane und gutverdienende Frauen anzusprechen.

Das zeigt ein Fünfjahresvergleich. Der Anteil der Ü55-Leser betrug 2016 37 Prozent. Fünf Jahre später ist fast jeder zweite Leser (46 Prozent) über 55 Jahre alt. Der Anteil gutverdienender Leser (über 8000 Franken Monatslohn) ist dafür in den letzten fünf Jahren von 39 auf 36 Prozent gesunken. Es gibt aber auch Erfolge zu vermelden: Männer machen nur noch 61 Prozent der Leserschaft aus. 2016 waren es ein Prozent mehr.

12345 ist einerseits eine schöne Treppenzahl, andererseits ist sie auch die Zahl der Abos, die der Blick durchschnittlich pro Jahr verliert: 2015: 157’671 Abos, 2020: 95’944 Abos. So tief war die Auflage seit knapp 60 Jahren nicht. Ringier erzielt nun 24,6 Millionen Franken weniger Aboeinnahmen als vor fünf Jahren. Oder in anderen Worten: Den Blick verlassen jeden Tag knapp 34 Abonnenten. Hält dieser Trend an, kündigt am 8. Oktober 2028 der letzte Leser sein Blick-Abo. Wahrscheinlich wird es dann ein männlicher Abonnent gewesen sein.

Hoffen wir nicht, dass es soweit kommt. Denn wenn die Auflage schmilzt, passieren merkwürdige Dinge. Die Stimmung in der Redaktion kippt, das Weihnachtsgeschenk ist ein Verlagsbuch, und die Putzfrau kommt seltener. Theoretisch müssten bei sinkendender Auflage auch die Werbetarife angepasst werden. Aber nicht beim Blick. Obwohl die Anzahl der Abonnemente um 40 Prozent einbrach, kostet eine Seite Werbung immer noch 26’200 Franken. So viel wie im Jahr 2016. Der in der Werbung gängige Tausend-Leser-Preis stieg von 41 Franken (2016) auf 67 Franken (2021). Ein Unternehmen muss also 67 Franken bezahlen, um 1000 Leser zu erreichen.

Immerhin, die Blick-Leser sind gescheiter geworden. Nur noch 25 Prozent haben lediglich neun Jahre an der Schule verbracht. Bei der letzten Messung waren es 27 Prozent. Hoffentlich sassen auch die Inserenten nicht länger auf den Schulbänken.

Der Blick macht jetzt auf Transparenz …

… hat aber noch Luft nach oben.

Die Wochenzeitung WoZ hat letzthin Schleichwerbung im Blick angeprangert, in Zusammenhang mit der Abstimmung über die e-ID. Nun hat Blick.ch am 28.1.2021 eine Art Policy aufgeschaltet. Das Boulevard-Portal schreibt selber dazu:

«Auf Blick.ch stehen einerseits völlig unabhängige, redaktionelle Artikel. Andererseits klar deklarierte, bezahlte Inhalte von Werbekunden. In jüngster Zeit gab es eine Diskussion darüber, ob diese genügend erkennbar sind».

Böse Zungen sagen nun, dass Blick von sich aus eingeknickt ist, weil am 26.1.2021 das Referendumskomitee gegen das e-ID-Gesetz beim Presserat eine Beschwerde gegen Ringier eingereicht hat. Immerhin gut 2000 Bürgerinnen und Bürger unterstützten sie online. Auch wenn das nicht stimmen sollte, orakelt Blick selber, «ob bezahlte Inhalte von Werbekunden genügend erkennbar» waren.

Nun also die komplette Transparenz, zwei Tage nach dem Eintreffen der Beschwerde beim Presserat.

Doch nach einem Gang zum Kiosk vergangenen Sonntag dann die Ernüchterung. Eine rechte Seite weit vorne im ersten Bund handelt vom wunderschönen Saas-Fee. Noch nicht eingelöst wurde offensichtlich folgendes Versprechen:

Diese Inhalte werden auf Artikelebene zusätzlich gleich am Anfang versehen mit dem Vermerk: «Das ist ein bezahlter Beitrag, präsentiert von xx».

Erwähntes Textli erschien im Gegensatz zur recht prominenten Aufmachung hier auf ZACKBUM.ch im Saas-Fee-PR-Text weit unten und in leicht übersehbarer, kleiner Schrift. Eine bessere Fussnote. Bleibt zu hoffen, dass eine allfällige nächste politische Publireportage dann klarer gekennzeichnet ist.

 

Embolo, oh Embolo

Die Blick-Fussballredaktion stiehlt sich aus der Verantwortung.

Wie gewonnen, so zerronnen. René Fasel, bald abtretender oberster Eishockeyfunktionär der Welt, wird von allen Journalisten fallen gelassen. Sein Fehler: Er zeigte sich in Minsk allzu kollegial mit dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko. Die «Schweizer Illustrierte» etwa, sonst immer offen für eine Homestory, urteilte: «Bitte keine Diktatoren umarmen! Gar nicht! Nie! Auch wenn’s um Hockey geht.» Kein Problem: Fasel ist 70, tritt bald zurück und ist dann nicht mehr interessant für Journalisten.

Anders sieht es beim erst 23-jährigen Nationalspieler Breel Embolo aus. Der wuchtige Fussballer von Borussia Mönchengladbach mit breitestem Basler Dialekt hat ein gröberes Problem. Er soll an einer Party «mit leichtbekleideten jungen Damen» dabei gewesen sein. Sein Alibi: Nicht gerade hieb- und stichfest. Was macht nun der «Blick»? Natürlich bringt er die Story und einige Nachzüge. Aber er bedient sich eines Kniffs. Gezeichnet sind die Artikel («Neue, pikante Details zur Skandal-Party», «Polizei bringt Nati-Star Breel Embolo in Erklärungsnot!») mit «Fussball-Redaktion» – oder gar nicht. Etwas, das in der Schweiz nicht üblich ist, und eigentlich gar nicht geht. Doch die Fussball-Experten von «Blick» wollen es sich nicht verscherzen mit Breel Embolo. So bleibt offen, wer nun Embolo im Blatt kritisiert hat. Alle und niemand. So ist eher gesichert, dass Breel Embolo vor der Fussball-WM in Katar 2022 den «Blick» in seiner Loft in London oder Liverpool empfängt – exklusiv!

 

No panic!

Der «Blick» ist eine Zeitung, die mit ausschliesslich positiven Nachrichten Wellness für die Seele bieten will. Panik verbreiten ist ihr fremd.

Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe, mag die leisen Töne. «Ich habe meine Redaktion angewiesen, keine Panik zu verbreiten», sagte er vor einer Woche im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema «Corona und die Medien». Das war seine Reaktion auf den genau gegenteiligen Vorwurf, dass sich nämlich seine Medien auf alles stürzen, was selbst Kanalratten vor Angst aus den Städten vertreiben würde. Ausserdem sagte er sinngemäss, Corona sei eine so wilde Situation, dass man gar nicht künstlich übertreiben müsse, die Realität sei ja verrückt genug.

Aber das ist sie eben offenbar doch nicht. Eine Woche nach dem salbungsvollen Versprechen steckten sich in St. Moritz zwölf Personen mit einem mutierten Virus an. Der «Blick» titelte, das Virus «wüte» im Wintersportort. Wobei ein Taschenspielertrick angewendet wurde, das Wort «wütet» fand sich nur auf dem Anriss auf der Startseite von blick.ch, im Artikel ist dann die Rede von «breitet sich aus». Immer noch völlig falsch und übertrieben, aber immerhin ist Ausbreitung kein Begriff aus dem Paniksprech.

So verbreitet man garantiert keine Panik

Am Tag darauf darf zwar ein Mitglied der Engadiner Task Force an gleicher Stelle relativieren, es sei «kein wilder Ausbruch, nur eine Häufung von Fällen». Die Panik wäre damit etwas gedämpft, aber das ist offenbar nicht erwünscht. Daher wählte die Dorer-Truppe bei dieser Entwarnung als Übertitel «Turbo-Virus wütet in St.Moritz». Turbo und wütet. Viel mehr Panik geht nicht.

Lässt sich mal keine Panik verbreiten von der Redaktion, welche die Anweisung hat, sie solle keine Panik verbreiten, gibt sie einfach die Panik einer anderen Person wieder. «Schock für Mutter Julia T.* (45) anfangs Woche!», schreibt der Blick. Ja, klar, Anfang Woche, Montag halt, da ist sind wir alle geschockt. Aber nein, es ist schlimmer. Denn: Auf eine Terminanfrage bei einer Ärztin erhielt Julia T. als Antwort, sie – die Ärztin – werde keine Maske tragen bei der Behandlung. Schock! Man kann sich wahrlich vorstellen, wie Frau T. kraftlos vom Stuhl kippte, als sie diese E-Mail sah. Zumal das ja die einzige Ärztin ist, die in der Schweiz praktiziert und es somit keine Alternativen gibt.

Panik gestern, Panik heute, Panik morgen. Aber don’t panic

Und auch am Tag danach herrscht Panikmodus in der panikbefreiten Redaktion von blick.ch. Der «Global Risk Report» des WEF zeigt: Corona war gestern, wir müssen uns schon in diesem Jahr auf neue ansteckende Krankheiten vorbereiten. Das könnte man vorübergehend relativ gelassen nehmen, weil die WEF-Experten bereits 2006 vor einer Pandemie warnten, die sich danach 15 Jahre Zeit nahm, bis sie auftauchte. Aber die «Blick»-Onliner zimmern aus der lauwarmen Prognose sicherheitshalber doch den Aufmacher. Für den Fall, dass die Panikwelle nach St.Moritz bereits wieder verebbt ist.

Entweder hat die Redaktion ihrem Chef nicht zugehört, als der aufrief, keine Panik zu verbreiten oder es hält sich keiner daran. Dritte Variante: Das alles ist nach «Blick»-Massstäben keine Verbreitung von Panik. Dann darf man gespannt sein, wie die Zeitung aussieht, wenn ein zukünftiger Chefredaktor auf Panik steht.

Der Autor Stefan Millius ist Chefredaktor der «Ostschweiz».

Packungsbeilage: Unser Mitarbeiter René Zeyer publiziert dort regelmässig.