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Aufgefallen I (Anna Rosenwasser)

Aus der Reihe: wichtige Texte aus der Schweiz

In loser Abfolge wollen wir kurz vor Jahresende herausragende Texte erwähnen, die in diesem schönen Jahr besonders aufgefallen sind. Mich hat vor allem ein Text der Journalistin Anna Rosenwasser erheitert. Die junge Frau hat in der «Annabelle» einfühlend über ihre Brüste geschrieben.

Rosenwassers Problem: Die beiden Dinger sind gross, enorm gross: 80D. Im Motorsport wären das 400 PS. Die Journalistin versichert der Leserschaft mehrmals, dass sie über ihren Busen eigentlich nicht schreiben will. Das macht den Artikel aber nur noch spannender.

Das Problem von Riesenbrüsten ist anscheinend: «In Zürich ist es einfacher, an Koks ranzukommen als an einen passenden BH.» Das wusste ich nicht. Aber stimmt diese Information wirklich? In der Migros gibt es den «Sloggi BH B-Cup Sensual Fresh weiss» sogar in der Körbchengrösse 85C. Und der Manor verkauft den BH Doreen auch in der Grösse 95B. Der jüngste Kommentar einer anscheinend glücklichen Kundin lautet: «Sitzt angenehm, schneidet nicht ein.»

Trotzdem finde ich den Text sehr gelungen. Rosenwasser hat eine provokative Schreibe und wagt sich an Themen heran, an die sich Frauen normalerweise nicht getrauen.

Die Journalistin lässt auch die Bemerkungen nicht aus, die sie leider immer wieder hören muss. Ich finde es schrecklich, dass Männer im Jahr 2020 diffamierende Bemerkungen wie «Riesenglocken» verwenden. Der Ausdruck «Rosenglocken» wäre passender, finde ich.

Rosenwasser schreibt: «Grosse Brüste sind keine Einladung. Erst eine explizite Einladung ist eine Einladung.» Das stimmt.  Am besten schriftlich. «Ob Brüste hot, praktisch oder irrelevant sind, bestimmt in jedem einzelnen Moment einzig und allein die Person mit den Brüsten.»

Da bin ich wieder anderer Meinung. Als «irrelevant» würde ich weibliche Brüste nicht nennen. Auch nicht als Frau. Ich wünsche mir für das kommende Jahr aber noch mehr solche Texte. Bravo!